Kunterbunt, albern und voller Spielfreude – Pippi Langstrumpf erobert die Herzen der Zuschauer im Cottbuser Staatstheater

Astrid Lindgrens Geschichten über die Abenteuer von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, besser bekannt als Pippi Langstrumpf, gehören inzwischen zur Weltliteratur und dürften den meisten bekannt sein.

Pippi „besetzt“ ein leerstehendes Gebäude in der beschaulichen schwedischen Provinz, malt es bunt an und zieht mit ihrem Schimmel „Kleiner Onkel“ und ihrem Äffchen „Herr Nilsson“ in die „Villa Kunterbunt“. Schnell findet das Mädchen mit den abstehenden roten Zöpfen und den vielen Sommersprossen im Gesicht in der kleinen Annika und ihrem Bruder Tommy neue Freunde. Pippi kümmert sich nicht um die Regeln der Erwachsenenwelt, sie baut sich die Welt, so wie es ihr gefällt. Darunter haben allerdings u.a. die strenge Frau Prysselius, die Pippi in ein Waisenhaus stecken will, Diebe und Polizisten zu leiden…

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), „Der kleine Onkel“ und Matthias Manz (Herr Nilsson) © Marlies Kross
Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), „Der kleine Onkel“ und Matthias Manz (Herr Nilsson)
© Marlies Kross

Das Staatstheater Cottbus hat nun „Pippi Langstrumpf“ als Theaterstück auf die Bühne gebracht. Unter der Regie von Mario Holetzeck entstand ein zauberhaftes Schauspiel, welches nicht nur den kleinsten Zuschauern riesigen Spaß bereitet, sondern auch den Generationen jenseits der eigentlichen Zielgruppe. Immer wieder sorgen bis ins kleinste Detail ausgetüftelte Überraschungen für leuchtende Augen und erstaunte Blicke.

Die Bühnenbildner um Juan León leisteten ganze Arbeit: die „Villa Kunterbunt“ macht so knallgelb mit vielen bunten Flecken ihrem Namen alle Ehre. Der Limonadenbaum funktioniert tatsächlich, das Polizeiauto oder wie immer man dieses Vehikel bezeichnen möchte, sorgt schon bei seinem Anblick für Gelächter. Nebel, Licht und Diskokugeln sorgen für Effekte, die jedem Revuetheater Paroli bieten. Selbst Schneeflocken glitzern auf ihrem Weg zu Boden um die Wette.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit Matthias Manz (Herr Nilsson) und Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) © Marlies Kross
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PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit Matthias Manz (Herr Nilsson) und Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf)
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Als wäre das nicht genug, betritt Pippi nicht die Bühne, sondern schwebt von oben herab. Sofort mag man diese Göre – erst Recht, wenn sie wenig später auf einem echten (!) Pferd über die Bühne reitet. Dieser Gaul gewinnt vielleicht nicht mehr das Traberderby, aber mit seinem ulkigen Hütchen auf dem Kopf die Sympathiepunkte des (vor allem jungen) Publikums.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) und Susann Thiede (Frau Prysselius) © Marlies Kross
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PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) und Susann Thiede (Frau Prysselius)
© Marlies Kross

Schauspielerin Lucie Thiede nimmt man die Rolle der Pippi uneingeschränkt ab. Mit einer Mischung aus kindlicher Naivität, viel Schalk im Nacken und jeder Menge Energie und Spielfreude erobert sie die Herzen der Zuschauer im Saal. Immer wieder bindet sie das Publikum mit in ihr Spiel ein. Und ihr fast schon engelsgleicher Gesang bei „Schlaft all ihr Wellen auf dem Meer“ sorgt für Gänsehaut-Momente und geht unter die Haut. Bei soviel künstlerischer Professionalität wundert es auch nicht, dass Lucie Thiede sogar Einrad fahren kann!

Matthias Manz darf sich im wahrsten Sinne des Wortes zum Affen machen. Wohltuend, dass er der Versuchung widersteht, das übliche klischeehafte Affengehabe (mit „Uh, Uh“-Rufen und Trommeln auf die Brust) nachzuäffen. Als „Herr Nilsson“ darf er zwar nichts sagen, aber sein Spiel mit Mimik und Gestik, gewürzt mit etwas Schabernack, sind einfach köstlich.

Gunnar Golkowski, Rolf-Jürgen Gebert oder auch Susann Thiede (richtig geraten – die Mutter von Lucie) werden von Pippi zur Freude des Publikums meist zu Deppen degradiert: mal als Polizisten, mal als Einbrecher, mal als Kaffeekränzchen. Da ist Platz für viele Slapstickeinlagen. Selbst für eine Tortenschlacht ist man sich nicht zu schade.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto © Marlies Kross
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Szenenfoto
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Und dann wäre da noch die Musik. Neben Lucie Thiedes Sangeskünste sorgt die Villa-Kunterbunt-Band mit Dan Baron, Heiko Liebmann und Lu Schulz für heiße Rhythmen. Michael Jackson ist ebenso zu hören wie der Titelsong aus „Piraten der Karibik“. Und natürlich darf auch „Hey – Pippi Langstrumpf“, das bekannteste Lied, nicht fehlen.
Das Mitklatschen im Publikum verwandelt sich schließlich im großen Finale zu einem tosendem Beifallssturm für die gesamte Inszenierung. Darsteller, Bühnenbild, Musik – alles passte perfekt und erfüllte die Erwartungen über!

Fazit: Ein herrlicher Spaß für die ganze Familie, liebevoll in Szene gesetzt mit vielen kleinen „Wow“-Effekten und einer grandiosen Hauptdarstellerin. Unbedingt anschauen!!!! (Oder ärgern, wenn man keine Karten mehr bekommen hat…)

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto © Marlies Kross
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Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), Susann Thiede (Frau Prysselius) und Matthias Manz (Herr Nilsson) © Marlies Kross
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von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), Susann Thiede (Frau Prysselius) und Matthias Manz (Herr Nilsson)
© Marlies Kross
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Schon bei der Spielplanpräsentation des Theaters im Sommer 2015 sorgte Pippi Langstrumpf für gute Laune
(c) Thori

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Über Thori 183 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

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