Genre-Mix sorgt für humorvollen Abend

Zur siebten „Langen Nacht des Kabaretts“ versammelten sich wieder Kleinkünstler unterschiedlicher Genres auf der kleinen Kabarett-Bühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno. Unter den Besuchern waren viele Stammgäste, die wieder einen bunten Mix aus Kabarett, Poetry Slam und musikalischen Einlagen erlebten.
Wie in den Jahren zuvor blieb geheim, wer an diesem Abend auftreten sollte. Gespannt wartete das Publikum, wer als erster die Bühne betreten würde.

Das „Ensemble Weltkritik“, sächsische Vertreter des klassischen Kabaretts, eröffnete den bunten Reigen. Gut vorbereitet machten sich Bettina Prokert und Maxim-Alexander Hofmann über lokale Themen lustig und gewannen sofort das Publikum. Bevor Forst in die Blütezeit der 80er Jahre abdriftet, müssten verschenkte Potenziale aktiviert werden. Groß Jamno hat zwar einen See, aber immer noch keine Seebühne. Und bei soviel Wald rings ums Forst fehlt ein Baumwipfelpfad. Auch ein neuer City Slogan könne nicht schaden. „Weltkritik“ machte auch gleich einen Vorschlag und befragte dazu Zuschauer Torsten. Das Ergebnis lautet: „Forst – Torsten gefällt’s…“. Wie sich kurz darauf herausstellte: „…in Spremberg besser!“

2016-02-26_Lange Kabarettnacht_(c)Thoralf Haß_001Tilmann Birr ist gebürtiger Hesse, wohnt aber in Berlin. Als ehemaliger „Stadtbilderklärer“ erzählte er von seinen Erlebnissen mit einem bayrischen Touristen, der unbedingt etwas wissen wollte, aber von niemanden verstanden wurde. Auch aus seiner Zeit in einer WG hatte Tillmann Birr Episoden parat. Besonders seine kopulierenden Wohngenossinnen boten genügend Stoff für amüsante Geschichten.

Geschichten und Gedichte verfasst auch Clara Nielsen. Die Kielerin ist Poetry Slammerin, gehörte der deutschen Slamnationalmannschaft an und wurde bereits vom Goethe-Institut nach Rom und Lissabon eingeladen. „Klitzekleine Gedichte“ sind ihre Spezialität: „Liebst Du mich wie ich Dich, liebst Du mich nicht“. Nielsens Gedichte sind Poesie pur, mal mit Wortspielen, mal mit einem überraschenden Ende, mal philosophisch, immer ein wenig kokett oder bissig. Mucksmäuschenstill wurde es immer dann, wenn diese zierliche Person mit der samtweichen Stimme eines ihrer Werke vortrug. Was wie ein romantisches Liebesgedicht beginnt, endet bei Clara schon mal mit der schonungslosen Abrechnung mit dem ehemals Herzallerliebsten.
Aber Clara Nielsen hatte nicht nur Gedichte mitgebracht, sondern auch Geschichten aus ihrer Vergangenheit. „Das einzige böse, was ich mal getan habe, war ein Klingelstreich! Bei meiner Oma! Und ich habe vergessen, wegzurennen!“ Überhaupt war früher angeblich alles besser: „Als der erste Zug von Nürnberg nach Fürth fuhr, wurde die Bahn noch von freudigen Menschen mit Blumen erwartet.“

Nach einer kurzen Pause, in der man sich mit Fingerfood aus der „Kuckucks“-Küche stärken konnte, ging es mit Frank Grischek weiter. Er selber nennt sich Akkordeonist und „freut sich, hier heute Abend auftreten zu müssen!“. Seine gespielte schlechte Laune ist Programm. „Erfolg muss ja kein Feuerwerk sein“, gab er bekannt und erzählte lieber von seinem ersten Auftritt bei Tante Lottis 50. Geburtstag. Zum 60. war er seinen Eltern immer noch peinlich, zum 70. wurde er gar nicht mehr eingeladen. „Vielleicht kommt ja heute Abend mein Durchbruch!“, hoffte er.

Tilmann Birr, der zunächst den Holzfäller-Blues sang, sorgte anschließend mit eine Dialogszene für riesiges Gelächter. Ein Polizist mit typisch Berliner Schnauze und ein Tourist, dem man den Geldbeutel geklaut hatte, lieferten sich witzige Wortduelle. Dabei wollte der Tourist nur eine Anzeige aufgeben. „Da müssen Sie zur Zeitung gehen!“, konterte der Polizist. „Dann will ich eben Anzeige erstatten!“, sagt der Tourist, worauf der Polizist antwortet: „Von uns kriegen’se ja nichts erstattet!“

Das „Ensemble Weltkritik“ bekam zu Beginn seines Blockes die Krise. So zumindest der Titel eines Liedes, das spontan die aktuellen Geschehnisse in Deutschland und auch an diesem langen Kabarettabend zusammenfasste. Da wurden Flüchtlinge willkommen geheißen, denn schließlich hat das Tradition: Es gibt ja schon lange die „Deutsche Ayshe“. Und Pegida heißt nichts anderes als „Peinliche Eingeborene gefährden Dresdens Ansehen“. Bikininixe Pamela Anderson ist übrigens die Namensgeberin für Groß Bade-Mäusl.

Nachdem Frank Grischek eine kurze Einführung in die Irish Folk Music gab (bei der bei den Zuschauern ein leichtes Wippen mit den Füssen nicht zu übersehen war) und Clara Nielson noch einmal erzählte, wie sie die Pubertät verweigerte und abschließend den guten Tipp gab: „Wer abnehmen will, muss erst mal zunehmen. Denn dicke Menschen können mehr Kalorien verbrennen!“, zeigte „Ensemble Weltkritik“ einen Ausschnitt einer Paartherapie-Sitzung. SIE will ja im Schlafzimmer gerne etwas Spielzeug, aber dass ER die Eisenbahnplatte aufbaut, geht dann doch zu weit. Überhaupt, wieso schenkt ER IHR Rosen zu Halloween?

Im großen Finale stellte Frank Grischek fest, dass das Eintrittsgeld für diesen Abend nun, nach 4 ½ Stunden, abgelaufen sei. Mit dem gemeinsamen Gesang des „Sandmannliedes“ unter Mitwirkung des Publikums verabschiedeten sich die Künstler von der Bühne, nicht ohne auf den „Offline-Shop“ im Foyer hinzuweisen, wo Bücher und CDs der Künstler erworben werden konnten.

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v.l.n.r.: Frank Grischek, Tilmann Birr, Clara Nielsen, Ensemble Weltkritik

So verschieden, wie Geschmäcker sein können, so unterschiedlich kamen die Künstler bei den Zuschauern an. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, der Mix kam beim Publikum an, wie die Reaktionen zeigten. Künstler und Publikum kamen in den Pausen und nach der Veranstaltung ins Gespräch. Zufrieden zeigte sich auch Birgit Hendrischke, die für die Organisation des Abends verantwortlich war. Ihre Auswahl der auftretenden Künstler war der Garant für einen wirklich unterhaltsamen Abend.

Ein kleiner Mann und eine große Portion Humor

Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke benötigte nicht viele Worte, um den Entertainer Kalle Pohl auf der Kabarettbühne im „Kuckuck“ zu begrüßen. Die rheinische Frohnatur machte hier für zwei Abende mit seinem aktuellen Programm „Selfi in Delfi“ Station. Vielen der Gäste ist Kalle Pohl aus der TV-Sendung „7 Tage – 7 Köpfe“ wohlbekannt. Auch im Münsteraner Tatort war er schon zu sehen. Viel lieber bespielt Kalle Pohl aber die Kleinkunstbühnen der Republik.

Schon bei den ersten Worten springt der Funke auf das Publikum über. Kalle Pohl deutet an, wohin die Reise in den nächsten Stunden geht. Der aktuelle Selfie-Wahn ist dabei nur der Aufmacher. „Selfies sind nicht anderes als Selbstbefriedigung. Die meisten fotografieren den wichtigsten Menschen – sich selbst. Der Rest fotografiert das Essen!“ empört sich Pohl über die Handy-Generation. „Da ist es auch kein Wunder, dass sogar bei Fotos von Weltkulturerbestätten immer ein Kopf die Sehenswürdigkeit verdeckt!“.
Für alles Mögliche gibt es mittlerweile eine App – nur nicht fürs Kinderkriegen. Aber er habe schon die Lösung: Ein Baby-Handbuch – natürlich zielgruppengerecht geschrieben nur in halben Sätzen und ohne Rücksicht auf die Grammatik.

Kalle PohlNicht fehlen darf in Pohls Programmen seine Familie: Tante Mimi, die in der Arztpraxis ungefragt den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Welt der Promis erzählt; seine Nichte Jennifer, die sich darüber beschwert, dass sie mit 14 noch nicht in die Disco gehen darf.und natürlich Kalle Pohls berühmt-berüchtigter Vetter Hein Spack, der jeden – egal ob Freund oder Feind – mit „Dummsau“ anredet. Gerade die Geschichten von Hein Spack sorgen immer wieder für großes Gelächter. Kann ja mal passieren, dass man das Waffeleisen mit den Kopfhörern verwechselt. Und „Russisch Ballett“ hat auch nichts mit Russisch Roulette zu tun

Kalle Pohl wechselt im Laufe des Programms in den Rollen hin und her. Mal ist Hein Spack in einer Talkshow mit Günther Lauch zu Gast, wenig später spielt Tante Mini die Hauptrolle im „Tarzan“-Musical.
Zwischendurch schnappt sich Kalle Pohl sein Akkordeon.und singt Lieder über Urlauber, die in die falsche Richtung reisen („Falscher Dampfer, falscher Flug – trotzdem steigt man doch nicht aus!“) oder über die nervigen Animateure Heiko, Meike und Max. („Die sind schuld, dass viele Urlauber schon vor dem Frühstück anfangen zu saufen!“)

Kalle Pohl bezeichnet sich selbst als Komödiant, auch wenn diese Spezies mittlerweile fast ausgestorben und von Stand-Up-Comedians abgelöst worden ist. Und bevor die Zuschauer über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nachgedacht haben, parodiert Pohl den „Pass‘ uff! Kennste, kennste?“-Kollegen aus Berlin. Auch wenn der Name Mario Barth nie fällt, weiß jeder im Saal, wer gemeint ist.
Ebenfalls ihr Fett weg kriegen die vielen Kochshows im Fernsehen – „egal ob mit oder ohne Schnauzer!“. Pohl mache sich da aber viel mehr Sorgen um die Hygiene, „oder haben Sie schon mal gesehen, dass die sich da die Hände waschen?“ Auch die Inhalte sind schwer zu ertragen: „Meinetwegen sollen die kochen, aber wenigstens den Mund könnten sie halten!“, frotzelt Pohl sehr zur Freude der Besucher im Saal.

Das Publikum will mehr davon und fordert immer wieder Zugaben. Seine Art, sich selber nicht zu ernst zu nehmen und sich auch auf das Publikum einzulassen, kommt an. Längst ist das Programm komplett durchgespielt. „Dann fangen wir eben wieder von vorne an!“, kündigt Kalle Pohl an. Aber er belässt es bei einem Gedicht, passend zur Jahreszeit: „Frühling!“ – „schließlich kann man so ein Gedicht nicht nur für ein Quartal schreiben!“.

Nach der vierten Zugabe ist dann leider endgültig Schluss. Der kleine Mann mit dem großen Humor verabschiedet sich von den Gästen, nicht ohne noch zahlreiche Autogramme zu schreiben.

Kalle Pohl„Das Publikum hier ist einsame Spitze!“, schwärmt Kalle Pohl im Anschluss. „Ich habe vorige Woche in Zwickau gespielt, da konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen, ob alle Beerdigungen auf einen Tag fallen, so lau war die Stimmung dort.“
Er spiele gerne in kleineren Kulturstätten. „Es bringt ja nichts, wenn ich vor 1000 Leuten spiele und die in der letzten Reihe sehen und hören nichts.“ Im gleichen Atemzug lobt Kalle Pohl den „Kuckuck“, weil er es geschafft hat, hier eine kleine Kulturoase zu etablieren, zu der die Künstler immer wieder gerne zurück kommen.

Gut möglich also, dass Tante Mimi, Hein Spack, vor allem aber Kalle Pohl nicht zum letzten Mal im „Kuckuck“ auftraten.

Patrick Schleifer rockt den „Kuckuck“

Zwei „urst“ lustige Vorstellungen erlebten die Besucher bei zwei Auftritten des Berliner Kabarettisten und Parodisten Thomas Nicolai auf „Deutschlands östlichster Kleinkunstbühne“, wie „Kuckuck“-Inhaber Peter Hendrischke stolz verkündete. „Urst“ – so heißt auch das neue Programm des auch vom Fernsehen bekannten Künstlers.

Dabei begann das Programm schon 15 Minuten früher als angekündigt. Fragende Gesichter im Saal, als zwei Musiker im weißen Anzug die Bühne betraten. Die belgische Electro-Pop-Band „TRAFFIC NOIR“ mit den Brüdern Etienne und Serge Lambertine aus Lüttich gilt als Geheimtip der Independent-Musikszene in Belgien und präsentierte den Gästen als Vorband drei Titel.

Thomas Nicolai erklärte zunächst, was „urst“ eigentlich bedeutet. Hierzulande ist es ein bekanntes Wort aus der Jugendsprache, wie man am zustimmenden Nicken der Zuschauer erkennen konnte.

Daß Nicolai nicht nur ein guter Kabarettist, sondern ein noch besserer Parodist ist, bewies er als Mitglied einer Promi-WG. Dort stritten sich nämlich Herbert Grönemeyer, Klaus Kinski, Martin Semmelrogge und Thomas Gottschalk um den wieder mal nicht gemachten Abwasch.

Als Dieter alias „Buletti“ aus Berlin-Kreuzberg erzählte Thomas Nicolai, wie es sich mit einem Schwiegersohn lebt, der „Veganer Stufe 5 ist. Der darf nichts essen, was einen Schatten wirft…“ Höhepunkt dieses Programmteils ist die Neuinterpretation von „Das Model“ der Gruppe Kraftwerk, die Thomas Nicolai mächtig ins Schwitzen brachte. „Ich hätte lieber eine Lesung machen sollen“, stellte er hinterher fest.

Doch nicht nur die Freunde moderner Popmusik kamen auf ihre Kosten. Zusammen mit seinem Keyboarder Robert Neumann interpretierte Nicolai die „L’Opera Di Internet“, eine Geschichte über die Tücken des Internets. Versuchen Sie mal, etwas zu googlen ohne Internetverbindung!

Beim „El Flamenco De Deniro“, dem Finanzamt-Flamenco, kocht die Stimmung im Saal über. Als feuriger Spanier beschwert sich Thomas Nicolai musikalisch über den zugestellten Einkommensteuerbescheid seines Finanzamtes.

Patrick Schleifer und Carmen

Patrick Schleifer und Freundin Carmen – (c) Thori van Bosland

Und dann wäre da noch Patrick Schleifer, Nicolais alter Ego. „Willkommen zur Estrade der Freundschaft, hier in diesem Klubhaus!“, scherzt Patrick. Die „sächsische Antwort auf Robbie Williams“ freut sich über die „Stimmung wie bei den Stones“. Diesmal hat er seine neue Freundin Carmen (Robert Neumann mit einem Gesichtsausdruck zum Niederknien) mitgebracht, die an der Essenausgabe seines Betriebes arbeitet. „Nach neun Jahren inniger Beziehung ist es nun an der Zeit, den ersten Kuß zu wagen“, freut sich Patrick Schleifer. Carmen ist davon jedoch wenig begeistert…

Begeisterung im Saal, als Patrick später seinen Bruder Ronny auf die Bühne holt (wieder dargestellt von Robert Neumann). Unter dem Namen „Orakel von Schkeuditz“ treten die beiden als Rockband auf und geben noch einmal richtig Gas. Aus AC-DCs „Highway to Hell“ wird in der Patrick-Schleifer-Version „Weg, aber schnell!“.

Thomas Nicolais Show „Urst“ ist ein Potpourri voller Nonsens und Blödeleien, immer im Zusammenspiel mit dem Publikum. Die Bühne kann nicht groß genug sein, Nicolai tobt sich darauf richtig aus.

Den Zugabenteil überläßt Thomas Nicolai noch einmal einem Künstler, den er zuvor schon einmal parodierte: Phillip Poisel. „Der macht Musik für Leute, denen Xavier Naidoo zu hart ist“ stellt Thomas Nicolai den Deutschpoeten kurz vor. Bei seiner Version von „Du hast mich 1000 mal belogen“ tobt das Publikum zum wiederholten Mal an diesem Abend.

„Ich kannte Thomas Nicolai bisher noch nicht, aber dieser Kerl ist einfach genial!“, fasste Kuckucks-Stammgast Uta Krause ihre Eindrücke zusammen und sprach damit vielen anderen aus dem Herzen. Klar, daß anschließend auch die eine oder andere signierte DVD, CD oder Autogrammkarte den Besitzer wechselte.

Der GOLDENE KUCKUCK landet in Dinslaken

2015-08-21 Goldener Kuckuck PreisträgerDer GOLDENE KUCKUCK, Brandenburgs einziger Kabarettpreis, ist flügge geworden – das zumindest ist der Eindruck nach der diesjährigem Preisverleihung im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno. Über 1400 Stimmen wurden von dem Besuchern für 25 Künstler aus dem Bereich Kabarett und Comedy im vergangenen Jahr abgegeben. Der Freundeskreis „Kuckuck“ zählte die Stimmen aus und ermittelte den diesjährigen Gewinner.

Zur Preisverleihungsshow wurden den Gästen und Teilnehmern viele Überraschungen versprochen. Die Moderation des Abends übernahm die Veranstaltungschefin vom“Kuckuck“ persönlich, unterstützt von Torsten Dubrow, Schauspieler an der Cottbuser Studentenbühne „BÜHNE acht“, der sofort einen guten Draht zum Publikum herstellen konnte.
Wie Birgit Hendrischke informierte, traten seit 2002 insgesamt 176 unterschiedliche Künstler auf der kleinen Kabarettbühne auf, darunter auch solch Hochkaräter wie Olaf Schubert, Zärtlichkeiten mit Freunden, Olaf Böhme oder Kalle Pohl.

Unterbrochen wurde die Eröffnungsrede lediglich von Torsten Hitschfel alias Martin Knöfel, der seine „Muddi“ suchte. Bereitwillig überließen die Moderatoren dem Kabarettisten aus Niedersachsen die Bühne. Hitschfel gab den Gästen im Saal ein paar Hinweise in Sachen „richtiges Margetting“, um sich anschließend über den Verfall deutschen Liedgutes lustig zu machen. Sofort brachte Torsten Hitschfel, der perfekt Helge Schneider, Peter Maffay oder Marcel Reich-Ranicki imitieren kann, den Saal zum Toben und riss die Zuschauer zu Beifallsstürmen hin.

Auch Andrea Kulka aus Cottbus ist keine Unbekannte im „Kuckuck“. Sie übernahm ihre Paraderolle als strenge Politesse Ingrid Brettschneider, die überall ihre Knöllchen verteilt. „Bei mir ist das Knöllchen schon dran, da steht das Auto noch gar nicht da!“, drohte sie beim Gang durch das Publikum.

Torsten Hitschfel und Andrea Kulka wurden nach ihren Auftritten zu ihrer Verblüffung mit dem SILBERNEN KUCKUCK für besondere Leistungen geehrt. „Die beiden sind immer zu Stelle, wenn wir kurzfristig Ersatz benötigen oder Reisegruppen etwas Besonderes wünschen.“, begründete Birgit Hendrischke die Entscheidung bei der Preisübergabe.

Nach einer kurzen Pause, in der die Küche ein süßes Dessert präsentierte, kam der eigentliche Höhepunkt des Abends, die Preisverleihung des mit 888,88 Euro dotierten GOLDENEN KUCKUCKSs 2015 an das Kabarett-Duo „Thekentratsch“ aus Dinslaken. In ihrer Laudatio auf die Heike Becker und Kerstin Sierp ging Freundeskreis-Mitglied Uta Krause auf die abgegebenen Zuschauermeinungen ein. Das Programm der beiden Kabarettisten sei ein „Angriff auf die Lachmuskeln“, bei dem man sich „sehr amüsiert“. Eine Besucherin fand den Auftritt damals „Mischwaldgeil“. Thekentratsch habe einen wunderbaren Hang zur Selbstironie und verschone im Programm Nichts und Niemanden, weder Männer noch Mütter.

Den Beweis trat Thekentratsch im Anschluß an die Preisübergabe mit Ausschnitten aus ihrem Programm an. Die Becker freute sich, im Publikum endlich ihren zukünftigen Sexualpartner getroffen zu haben. Und da ihr Therapeut ein Anti-Aggressionstraining verordnet habe, wolle sie es mit einem Friedenslied beginnen. „Ich würde gerne eine Bombe werfen“, war aber alles andere als ein friedliches Lied. Auch ein Telefongespräch zwischen Mutter und Tochter endete in lauter Mißverständnissen, dabei ging es nur um einen Kuchen und nicht um das Sexualleben der Mutter…

Das Interview mit den Siegern durfte das Publikum selbst gestalten. Auf Bierdeckeln konnten Fragen an die Gewinner notiert werden, die die Moderatoren im Anschluß an den Thekentratsch-Auftritt vorlasen. So erfuhren die Zuschauer, daß bei Kerstin Sierp immer eine Flasche Champagner im Kühlschrank steht, während Heike Becker eher ein gutes Pils bevorzugt. Der peinlichste Auftritt war bei einer Oktoberfest-Veranstaltung, als Kerstin Sierp im Gewusel der dunklen Künstlergarderobe ein Dirndl verkehrt herum anzog.

Nach gut dreieinhalb Stunden endete der stimmungsvolle Abend. Das Publikum forderte allerdings eine letzte Zugabe. Heike Becker von Thekentratsch war das letzte Wort vorbehalten: sie sang „Alle Leute gehen nach Haus“. Rührselig stimmte das Publikum ein.

Es muß nicht immer die große Gala sein mit Roten Teppich und Abendanzug. Der Freundeskreis „Kuckuck“ organisierte einen unterhaltsamen und humorvollen Abend, der gut bei den Gästen ankam, wie man an den überraschten Reaktionen während und nach der Veranstaltung ablesen konnte. Auch hier lernte man aus den Erfahrungen der Premiere vor zwei Jahren.

Bereits im Januar beginnt die Stimmabgabe für den GOLDENEN KUCKUCK 2017. Welche Kandidaten dafür in Fragen kommen könnten, verrät schon mal ein Blick in den neuen Veranstaltungskalender, der soeben erschienen ist.

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„Italienische Nacht“ im Kuckuck – Sängerin Frencis mit neuem Plattenvertrag

Glück mit dem Wetter hatten die Veranstalter vom Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno während ihrer traditionellen Sommernachtsparty am 18. Juli. Eine „Italienische Nacht“ sollte es werden. Pünktlich zum Veranstaltungsbeginn verzogen sich die letzten Regenwolken und die Sonne kam noch einmal kurz zum Vorschein.

Auch die Befürchtungen, das angekündigte Unwetter könnte die Gäste vom Besuch abhalten, waren unbegründet. Im Gegenteil – die Nachfrage nach Plätzen war so groß, daß noch schnell zusätzliche Tische und Stühle herbeigeschafft wurden, damit alle Gäste Platz auf der Terrasse des „Kuckucks“ finden.

DJ Micha heizte mit italienischen Liedern die Stimmung an. Währenddessen war Großkampftag in der kleinen Küche des Restaurants, schließlich wollten rund 100 Gäste mit italienischen Speisen, Getränken und Desserts versorgt werden. Eine eigens für diesen Abend gedruckte Speisekarte bot eine große Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten.

Frencis

Musikalischer Gast war in diesem Jahr Schlagerprinzessin Frencis. Die Sprembergerin war anfangs ebenso skeptisch wegen der Wetterlage, überzeugte dann aber mit einem Mix aus internationen Charterfolgen und deutschen Hits. Auch Italo-Pop-Klassiker wie „Tornero“ durften an diesem Abend nicht fehlen. Das Publikum sang eifrig mit; einige Wenige wagten sich am Ende des Konzerts sogar mit Frencis auf die Bühne, um dort das Tanzbein zu schwingen.

Bis weit nach Mitternacht tanzten bei angenehmen Temperaturen Stammgäste und Spontanbesucher des „Kuckucks“ auf der Terrasse.

Für Fans von Frencis gibt es Neuigkeiten zu vermelden. Die sympathische Sängerin hat vor wenigen Tagen ihren ersten großen Plattenvertrag bei einem großen Label unterschrieben!

Frencis 2

(c) für alle Fotos: Thori, 2015

Für Frencis geht damit ein großer Traum in Erfüllung: „Ich hatte noch gar keine Zeit, darüber nachzudenken, was mich jetzt alles erwartet, aber ich freue mich riesig über diesen Vertrag!“, verrät die Künstlerin im Gespräch nach ihrem Auftritt. Sicherlich wird es dann auch eine Tournee geben und viele Promotion-Termine. Frencis ist sich bewußt, daß damit auch die künstlerischen Ansprüche steigen werden. Aber mit ihrem Produzenten André Stade, selbst erfolgreicher Sänger, hat sie einen guten Berater an ihrer Seite.

„Ich habe einen wunderbaren Beruf und will mich immer weiter entwickeln!“, so Frencis. Die Lausitz wird diese Entwicklung gespannt verfolgen.

Von einer, die auszog, die Menschen zu erleuchten

Wer auf die Kabarettistin Silvia Doberenz trifft, wird überrascht sein – sowohl von der Künstlerin als auch der Privatperson.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015„Yoga-Comedy“ – so die Ankündigung ihres Programmbeitrages zur „6. Langen Nacht des Kabaretts“ im „Kuckuck“ in Groß Jamno. Was hat man also zu erwarten? Jemand, der auf der Bühne Yoga-Übungen veranstaltet, die vielleicht in Slapstick-Einlagen enden? Oder Jemand, der übertrieben albern irgendwelche Esoterik-Fanatiker aufs Korn nimmt? Nichts davon ist eingetroffen. Stattdessen unterhalten Silvias skurrile, aber liebenswerte Figuren die Zuschauer an diesem Abend.

Also geht man das Risiko ein, sich mal ein ganzes Programm von Silvia Doberenz anzuschauen. Irgendwann müssen doch mal die Vorurteile und Klischees bedient werden. Aber denkste, was damals nur in Ausschnitten in der Mixed-Show zu sehen war, setzt sich auch im Solo-Programm fort. Silvia Doberenz macht sich nicht über Yoga, Esoterik oder Spiritualität lustig. Ihre Show, ihre Bühnenpräsenz, ihr Wesen ist lustig.

Wir verabreden uns nach der Show zum Gespräch. Auf der Terrasse des „Kuckucks“ sitzend, bei schönstem Vogelgezwitscher, steht Silvia Doberenz Rede und Antwort.

Stimmt es, daß Sie den „Kuckuck“ angeschrieben haben und sich als Künstlerin quasi beworben haben?

Ich habe keine Agentur, die für mich das Booking macht, deshalb gucke ich immer, wo andere Kollegen spielen und dann schaue ich mal. Ich wollte auch mehr im Osten spielen, daß es nun soweit im Osten ist, ok. Dann habe ich den „Kuckuck“ einfach mal angeschrieben, ob sie nicht Lust auf Erleuchtung haben.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Yoga-Kabarett zu machen?

Ich mache selber schon sehr lange Yoga, spiele auch schon sehr lange Theater. Ich habe eine Ausbildung als Theaterpädagogin, habe sehr lange Improvisationstheater gemacht, auch Unternehmenstheater, bin aber keine ausgebildete Schauspielerin. Seit meiner Jugend habe ich das schon sehr gerne gemacht, als Hobby. Ich hatte aber schon immer im Hinterkopf, daß ich gerne ein eigenes Programm möchte, hatte aber nie den richtigen Impuls dazu. 2011 gab es privat eine große Krise, da wäre ich fast nach Indien ausgewandert, weil ich mich dort in einen Guru verliebt habe. Der hatte aber noch andere Frauen und es gab ein Drunter und Drüber und ich hatte meine Existenz hier schon fast aufgegeben, war aber nach einem halben Jahr wieder hier und stand vor dem Nichts, war verzweifelt und dachte: „Nee, jetzt machst Du aus der Not eine Tugend und machst Dein eigenes Programm!“

Waren Sie in der Schule schon immer der Pausenclown?

Nein, überhaupt nicht, schon gar nicht von meiner Sozialisation und so. In meinen Zeugnissen stand immer, daß ich freundlich bin, aber ich war nie die Sprücheklopferin. Das ist eher ein Entwicklungsweg, den ich später zurückgelegt habe. Das war latent zwar immer vorhanden, aber nicht so wie bei anderen.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Ich habe ja mein Chanel-Star (Silvia Doberenz lacht lauthals über ihre scheinbar spontane Antwort)

Nein, Im Ernst: Ich lasse mich von allem inspirieren. Ich habe, glaube ich, so einen bestimmten Blick, wenn ich in Situationen bin. Dann kann ich auch von außen drauf gucken auf die ganze spirituelle Szene. Wenn man drinnen ist und man unterhält sich über Energie und die ganzen Sachen, das ist für einen selber ganz normal. Wenn man aber von draußen drauf schaut, gibt es so viele Sachen, die total witzig sind oder aberwitzig und unsinnig erscheinen. Ich habe mir immer diesen Blick bewahrt, von außen drauf zu schauen.

Silvia Doberenz schreibt ihre Texte selber. Sie ist thematisch vorbelastet, hat viele Yoga-Seminare besucht. Selber ist sie immer noch als Yoga-Lehrerin aktiv, hat ein eigenes Studio, gibt allerdings nur noch zwei Kurse pro Woche, da sie mit ihrem Kabarett-Programm viel unterwegs ist.

Ist Kabarett Ihr Hauptberuf oder die Yoga-Lehre?

Beides. Ich habe eigentlich sogar drei Standbeine, das dritte ist Kommunikationstraining. Ich mache Seminare für Schlagfertigkeit, Körpersprache, Teambildung, aber Kabarett wächst mehr und mehr.

Seit wann bespielen Sie das derzeitige Programm „Erleuchtung für Anfänger“?

Seit Ende 2011.

Wird das Programm ständig verändert oder ist das noch das ursprüngliche Programm, so wie es geschrieben wurde?

Es ist das Erste in der Struktur, aber es hat sich total verändert und gewandelt. Es ist nicht mehr das Programm, mit dem ich angefangen habe. Es kommen auch immer wieder neue Sachen hinzu. Manche Leute kommen 3,4,5 mal in die Vorstellung und freuen sich, weil ich immer wieder neue Sachen mit einbringe.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Ist ein neues Programm in Arbeit?

Doch, ich glaube, daß nächstes Jahr ein neues Programm dran ist.

Kommen dann auch neue Figuren?

Bestimmt, aber ich denke, die Sandra wird wieder mitspielen….

… die hat ja ein gewisses Eigenleben entwickelt. Gibt es reale Vorbilder zu den Figuren?

Nein, nicht daß ich wüßte. Also die Sandra kam einfach so. Ich habe einfach die Kamera angemacht und mich davor gesetzt und angefangen zu improvisieren, dann kam irgendwie so ein Typ, und aus dem hat sie sich entwickelt. Ich glaube aber, sie hat viele Anteile von mir….

…. quasi autobiografisch.

Ja, ja, (wieder dieses sympathisches Lachen, das ansteckend wirkt)

Wäre es eine Option, die Figuren aus dem Programm in kurzen Webvideos oder als Spielfilm zu zeigen?

Gut, daß Sie das ansprechen, da bin ich gerade mit einer Freundin am Diskutieren. Ich würde gerne so kleine Youtube-Filmchen machen, etwa in der Art „Die Erleuchterin rät“ oder „Was würde Sandra machen?“, also Frage/Antwort als Inspiration für den Alltag. Da sind wir dran, aber es ist noch nichts Konkretes.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Wer das Programm gesehen hat, weiß, daß sich die Figur Sandra Sommer von der etwas verklemmten Frau in einen heißen Feger, oder besser gesagt, in eine strenge Domina verwandelt. Obwohl, Sandra als Domina mit Hornbrille ist nicht wirklich angsteinflössend…

Braucht man eigentlich Mut, um im Lack-Leder-Kostüm durchs Publikum zu laufen und darum zu bitten, mal geschlagen zu werden?

Nö, ich genieße das. Ich mag ja diese Gegensätze irgendwie. Allein die Vorstellung, daß es so eine Art Yoga gibt, finde ich selber so lustig, Und da ich es in der Figur der Sandra mache, hat es nicht unbedingt etwas Laszives. Na klar, man sieht es und man sieht mich, aber gleichzeitig ist es die Figur der naiven Sandra, die da was ausprobiert. Das hat immer noch etwas Unschuldiges.

Wie reagiert das Publikum?

Eigentlich so wie heute mit Ah, Uh und Pfiffe. In 80% der Fälle kommen die Leute wie gewünscht auf die Bühne. 20% gibt es, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht erniedrigen lassen wollen.

Hat das schon mal jemand zu wörtlich genommen und fester geschlagen?

Das mit der Peitsche tut nicht weh. Man kann da richtig dolle zuhauen, das klingt auch richtig fest, aber es tut einfach nicht weh.

Für jemand, der bisher nur ein Programm bespielt und noch nicht so lange auf der Kabarettbühne steht, hat „Die Erleuchterin“ schon bemerkenswert viele Fan-Artikel.

Die Merchandising-Artikel, haben Sie sich das selber ausgedacht?

Ich habe schon immer selber Tassen mit Sprüchen bemalt und diese dann gebrannt und verschenkt. Ich mochte schon immer schöne Tassen und dachte, es wäre cool, selber solche Tassen zu haben. Vor eineinhalb Jahren kam die Idee. Ich finde, das ist etwas Sinnvolles. Manchmal bekomme ich auch Rückmeldungen! Die Leute posten dann Fotos mit der Tasse auf meine Seite und freuen sich darüber. Das ist für mich etwas Nachhaltiges!

Gab es denn schon Fernsehanfragen?

Nein, ich habe ehrlich gesagt auch nichts Kurzes. Man braucht ja 5 Minuten, die knallen. Mein Humor funktioniert eher über die Figuren und die Geschichten, der ist nicht gaglastig wie man das von Stand-Up-Comedians gewohnt ist. Ich habe da einen anderen Stil. Das ist nicht so einfach, ihn in solch eine Kürze zu bringen, aber ich arbeite dran. Weil – irgendwann muß auch das Fernsehen erleuchtet werden.

Für einen ganz kurzen Augenblick weicht bei dieser Frage die Fröhlichkeit aus ihrem Gesicht, so als hätte man einen wunden Punkt getroffen. Das ändert sich aber schnell wieder in eine Art Trotzigkeit. Oder ist das Optimismus?

Silvia Doberenz kommt ins Plaudern, amüsiert sich über Olaf Schubert, schwärmt von Dresden und erzählt, warum sie die „helle Seite Deutschlands“ verlassen hat – immer wieder unterbrochen durch dieses herzliche, spontane Lachen!

„Tschüß, Gisela!“ ruft sie einem älteren Paar hinterher, das gerade die Lokalität verlassen will. Gisela heißt nicht Gisela und war noch vor einer Stunde Teil des Programms. „Giselas“ Mann habe während der Vorstellung kaum gelacht, erzählt sie mir. Ich kann sie beruhigen: in der Veranstaltungspause wurde ich Ohrenzeuge, wie er regelrecht geschwärmt hat über das Programm und die Künstlerin. Egal, Silvia Doberenz freut sich für die beiden und ist schon wieder im Gespräch mit dem Rentnerpaar. Im Fußball würde man sagen: Silvia Doberenz geht dahin, wo es weh tut. Soll heißen, sie geht ran an die Menschen, ohne Berührungsängste. Diese Natürlichkeit überrascht durchaus – es gibt Künstler, die öffnen sich nicht mehr als unbedingt notwendig.

Wer weiß, vielleicht funktioniert das mit der Erleuchtung wirklich und wirkt positiv auf einen Menschen. Dann wird es wirklich Zeit, daß „die Erleuchterin“, besser gesagt „die Erleuchtete“ zu den Menschen kommt. Oder die Menschen in ihr Programm gehen, um sich von Vorurteilen zu befreien und überraschen zu lassen. So wie der Autor dieser Zeilen.

Homepage: www.die-erleuchterin.de

Fotos: (C) Thori, 2015

Von Kronen-Chakren und Königssätzen – „Die Erleuchterin“ zu Gast im „Kuckuck“

„Erleuchtung für Anfänger“ – so lautet der Titel des aktuellen Programms der Kabarettisten Silvia Doberenz. Die ausgebildete Yoga-Lehrerin tourt durch die Lande und möchte „aus Armleuchtern Erleuchtete“ machen.

Im Forster „Kuckuck“ traf sie am vergangenen Sonntag auf ein aufgeschlossenes Publikum. Bereits während der „Langen Nacht des Kabaretts“ Ende Februar an gleicher Stelle zeigte sie Ausschnitte des Programms, welches nun diesmal in voller Länge auf die Bühne gebracht wurde.

Doberenz, die auf der „hellen Seite Deutschlands, also im Osten, da wo die Sonne aufgeht“ geboren wurde, begann den Abend mit einem kleinen Rückblick auf ihr Leben in der DDR. Schon damals gab es spirituelle Verhaltens- und Denkensmuster. Die SED, „die spirituelle Einheitspartei Deutschland“, habe schließlich alles unternommen, damit die Bewohner der DDR den Versuchungen des Wohlstandes widerstehen konnten. Auch der Gruß der Jung- und Thälmannpioniere, bekannt als Kronen-Chakra, stelle ein spirituelles Mudra dar. Das ist sogar belegbar und keine Erfindung der Kabarettistin.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Silvia Doberenz schlüpfte danach in ihre Paraderolle der etwas beziehungsgestörten, aber trotzdem liebenswerten Sandra Sommer. Ihre letzte Beziehung zerbrach, weil ER nicht einsehen wollte, daß SIE eine Göttin ist. Als Konsequenz daraus richtete sie ihre Wohnung nach den „Regeln des Sheng Fui“ ein, besucht „Tupperparties, wo sich die Hausfrauen gegenseitig ihre Dosen zeigen“ und führt eine Liebesbeziehung mit sich selbst.

Sandra neueste Entwicklung: aus der Esoterikerin wird eine SM-oterikerin. Dazu bietet Sandra Sommer Kurse im „SM-Yoga“ und zeigte gleich, was damit gemeint ist. Unter dem Gejohle des Publikums verwandelte sich die brave Frau im Blümchenkleid zu einem heißen Vamp in Lack und Leder und mit Peitsche.

Nach der Pause präsentierte Silvia Doberenz den Zuschauern ihre neueste Erfindung: die Karma-Payback-Karte. Männer wie Frauen können in ihren jeweiligen Beziehungen Punkte sammeln, allerdings gibt es auch Abzüge, z.B. fürs Fremdgehen oder wenn ein Partner dem anderen nicht zuhört. Die Höchstpunktzahl gibt es übrigens für den Königssatz des männlichen Zuhörers: „Ja, Schatz, Du hast Recht!“

Als „Bewußtseinserheiterung“ bezeichnet Silvia Doberenz ihr Programm. Begriffe wie Mudra, Chakra oder Karma fallen oft an diesem Abend. Und trotzdem hat der Zuschauer nie das Gefühl, auf einem Esoterik-Trip zu sein. Immer wenn es scheinbar zu spirituell wird, kommt eine Pointe oder eine allgemein verständliche logische Erklärung. Silvia Doberenz gelingt der Spagat, dem Zuschauer ein hochkomplexes, von vielen Menschen belächeltes und mit Vorurteilen belastetes Thema mit Humor nahe zu bringen, ohne in Albernheiten oder in Slapstick-Einlagen abzudriften. Ihre Bühnenfiguren Sandra Sommer, Anandra Chandrakandra oder die lustlose Dolmetscherin Yvonne sind gut beobachtete Charaktere, auch wenn es nach Silvia Doberenz‘ Worten dafür keine realen Vorbilder gibt.

„Sie waren das beste Publikum, daß ich heute hatte!“, verabschiedete sich Silvia Doberenz von den Zuschauern. Gut möglich, daß dem einen oder anderen Gast an diesem Abend ein Licht aufgegangen ist…

Foto: (C) Thori, 2015

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27.04.2015 nl_aktuell
29.04.2015 LR-Logo

 

Königlich-Kulinarisches im „Kuckuck“

750 Jahre Forst 150x140„Im Rahmen des Themenmonats April zum Forster Stadtjubiläum möchten wir des Brandenburgers liebstes Gemüse in den Vordergrund stellen und Ihnen zeigen, wie unterschiedlich man die Kartoffel zubereiten kann!“ begrüßte Küchenchef Peter Hendrischke die Besucher zum ersten „Preußischen Kartoffelabend“.

Der „Kuckuck“ wäre aber nicht der „Kuckuck“, wenn die Veranstalter das Ganze nicht mit Kabarett würzen würden. Und so begrüßten die Zuschauer im Saal nach einem kleinen Gruß aus der Küche majestätischen Besuch auf der Bühne: Kein Geringerer als Friedrich II. – der Große! – gab sich die Ehre. Begleitet wurde er vom Müller von Sanssouci. Der Alte Fritz und sein Müller Grävenitz sind jeden Dienstag auf „Antenne Brandenburg“ zu hören und gelegentlich auch auf den Kleinkunstbühnen des Landes live zu erleben.

2015-04-12 Fritz und Müller 003Wer jetzt eine wissenschaftliche Abhandlung über die Kartoffel erwartete, wäre enttäuscht gewesen. Stattdessen lieferten sich König und Müller herrliche Wortgefechte und gaben ihre Meinung zur Lage der Nation kund. Egal ob Rente, Gesundheitsreform oder das Flughafendesaster von Berlin – Jeder und Jedes bekam sein Fett weg! Friedrich nahm die Pleiten um den BER gelassen, denn schließlich „sei zu meiner Zeit auch kein Flugplatz pünktlich eröffnet worden!“. Hartmut Mehdorn dagegen wäre gut als Friedensstifter an der „Ostfront in der Ukraine aufgehoben, denn wo Mehdorn ist, bewegt sich nichts mehr!“. Beim Blick in die Zukunft mittels einer Kristallkugel bekamen seine Majestät und der Müller das kalte Grausen. Friedrich erklärte, was in 20 Jahren passiert: „Energie Cottbus steigt endlich auf, allerdings nur in die Kreisklasse. Madame Merkel bereitet gerade ihre Wiederwahl vor und der BER steht kurz vor der Eröffnung!“

2015-04-12 Fritz und Müller 001Überhaupt, die Politik hat es den beiden Komödianten angetan. Neben „Madame Merkel, diese parlamentarische Bankenrettungsassistentin mit Illusionshintergrund“ bekam vor allem „Truppen-Ursel“ von der Leyen mit ihrem Schrotthaufen namens Bundeswehr die volle Breitseite höfischen Humors ab. „Früher war alles viel früher und heute ist alles zu spät“, resümierte der Alte Fritz. Auch Drohnen zur Beobachtung bräuchte man nicht. Damals nannte man das einfach Feldherrenhügel.

Während der Müller von Sanssouci neugierig-naiv und trotzdem mit etwas Schalk im Nacken seine Majestät zum aktuellen Tagesgeschehen ausfragte, konterte dieser mit einigen Weisheiten. So erfuhr Grävenitz, wie man den Islamisten Herr werden könne: Man müsse ihnen nur den „Playboy“ in den Spind legen, denn schließlich gelten nackte Frauen als Todsünde. Aber nicht nur in der arabischen Welt, auch hierzulande gäbe es Zusammenhänge zwischen Glaube und Verbrechen. „78% aller bayerischen Straftäter sind Katholiken!“, stellt Friedrich sehr zur Erheiterung des Publikums fest.2015-04-12 Fritz und Müller 002

Der Alte Fritz und sein Müller sind keine Kabarettisten mit Schenkelklopfer-Humor, sondern philosophieren tagesaktuell über die Absurditäten der Welt, gespickt mit Ausflügen in die preußische Geschichte. “Das ist mal etwas Anderes“ war deshalb nach dem Programm von vielen Besuchern zu hören.

Auch die kulinarisch-komödiantische Mischung kam gut an. Großen Anteil daran hatte an diesem Abend die „Kuckucks“-Küche mit ihren vielen unterschiedlichen Kartoffelkreationen. Das 3-Gang-Genießer-Menü war optisch und geschmacklich ein Genuss.

Wer sich jetzt Appetit geholt hat und sich selber ein Bild davon machen möchte, ist am 23. April in den „Kuckuck“ eingeladen, wenn sich der Alte Fritz und sein Müller erneut ein Stelldichein geben.

(c) für alle Fotos: Thori, 2015

„Der Fürst der Finsternis“ besuchte den „Kuckuck“

Fürst 3Kleinkunst der etwas anderen Art erlebten die Besucher am vergangenen Donnerstag auf der Kabarettbühne im „Kuckuck“. Martin Sierp alias „Der Fürst der Finsternis“ gab sich mit seinem Programm „Zum Anbeissen“ die Ehre.

Sierp begann seine Karriere als Magier (tourte u.a. zusammen mit Sascha Grammel) und konnte mehrere Preise gewinnen. Inzwischen widmet er sich als Comedian seinen verschiedenen Figuren, die er erschuf.

„Kindergeburtstag für Erwachsene“ kündigte Martin Sierp bei seiner Begrüssung an und stellte mit Verweis auf den Veranstaltungsort sehr zur Freude der Zuschauer fest: „Es stimmt, die Brandenburger gehen zum Lachen in den Wald!“

In seinem Programm wechseln sich Zaubertricks, Videoeinspielungen und sekundenschnelle Verwandlungen des Künstlers ab. Auch das Publikum wird ins Programm einbezogen: immer wieder holt sich Martin Sierp Gäste auf die Bühne, die ihm assistieren oder als Stichwortgeber dienen.

Egal, ob als „König Karl“, der Karl Lagerfeld wie aus dem Gesicht geschnitten ist, oder als tuntiger Showmaster Pascal-Hermann Henne-Gutfried – Martin Sierp feuert ein Feuerwerk an Wortwitzen und Slapstick-Einlagen ab.

Fürst 2Hauptfigur ist und bleibt aber „Der Fürst der Finsternis“. Als Vampir verkleidet erklärt er am lebenden Objekt namens Sabine, wie Echoortung funktioniert. Dazu läßt er sich von Sabine sehr zur Belustigung der Zuschauer die Augen mit Klebeband verkleben, um anschließend Begriffe und Gegenstände zu erraten, die Sabine ausgewählt hat. Und immer wieder die Drohung: „Ich habe viele schlechte Witze auf Lager, und ich bringe sie alle!“ Beispiel gefällig? Wie heißt ein Bummerang, der nicht zurück kommt? – Stock.

Fürst 1Mit der „Harry-Potter-Mogelpackung“ bringt der „Fürst der Finsternis“ Zuschauerin Undine ins Schwitzen. Erst holt er sich ihre Handtasche auf die Bühne, um anschließend einen geheimnisvollen Zaubertrank in die offene Tasche zu giessen.

„Krönung der Grausamkeit“ und gleichzeitig Abschluß des Programms sind Schlager, die der „Fürst der Finsternis“ interpretiert. Mit DJ-Ötzi-Mütze auf dem Kopf singt der Fürst vom „Stein, der Deinen Namen trägt!“

Martin Sierp zeigte sich nach seinem erstmaligen Auftritt im „Kuckuck“ sehr zufrieden und erleichtert. „Das Publikum hat sehr gut mitgemacht. Auch die kleine technische Panne zu Beginn der Show haben die Zuschauer locker weggesteckt. Ich hatte auch schon Zuschauer in Vorstellungen, die saßen stumm auf ihren Stühlen nach dem Motto: Nun unterhalte mich mal! Insofern ist das Forster Publikum Klasse!“

(c) für alle Fotos: Thori, 2015

„SM-Yoga“ und skurrile Typen in der 6. Langen Kabarettnacht

Lachen soll ja bekanntlich gesund sein. Wenn das stimmt, dürften die Besucher der mittlerweile 6. „Langen Nacht des Kabaretts“ für die nächste Zeit geheilt sein. Birgit Hendrischke, Veranstaltungschefin im „Kuckuck“, überraschte wieder Stammgäste und Neueinsteiger mit einem bunten Mix aus politischem und Musikkabarett, Poetry Slam sowie Comedy-Einlagen. Da die Namen der teilnehmenden Künstler vorab nicht bekannt gegeben wurden, wusste das Publikum auch nicht, was es zu erwarten hat. Und so schallten diesmal ungewohnte Melodien durch den Saal und skurrile Typen sorgten auf der Bühne für Jux und Dollerei.

Moderiert wurde die Show vom Potsdamer Kabarett „Schwarze Grütze“, die nicht zum ersten Mal im „Kuckuck“ auftraten. Bereits mit ihrem ersten Titel, der von Herrn Peters und seinem missglückten Suizidversuch handelte, weil der geplante Sprung vom Hochhaus zu einem Medienevent aufgebauscht wurde, gewannen die beiden Musiker das Publikum, das von Anfang an mitging.

„Kommt ein Mann mit einem Frosch auf dem Kopf zum Arzt…“ Wer bisher glaubte, dass es nur eine Variante dieses Witzes gibt, musste sich von „Schwarze Grütze“ eines Besseren belehren lassen. Gefühlte 20 verschiedene Pointen zu diesem Witz hielten die Beiden parat. Und mit Verweis auf ihren Jahreskalender, der 53 Varianten enthält, waren das noch nicht einmal alle.

Andreas „Spider“ Krenzke aus Berlin hat sich dem Poetry Slam verschrieben und las kurze, aber witzige Anekdoten aus seinem Leben vor. So erfuhren die Zuschauer im Saal, woher die „fetten Kevins“ im Berliner Wedding kommen und was es mit „Dick und Doof am Ostseestrand“ auf sich hat.

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Andreas „Spider“ Krenzke

Silvia Doberenz aus der Nähe von Köln trat zum ersten Mal im „Kuckuck“ auf und zeigte Ausschnitte ihres Programmes „Erleuchtung für Anfänger“. Dazu gab sie Tips zum „sinnlosen Glücklichsein“ und wie man jede Menge „Karma Paybackpunkte“ sammeln könnte. Als indische „Erleuchtungsexpertin“ Amanda Chandrakandra erklärte sie dem Publikum den Weg zum inneren Frieden, unterstützt von ihrer lustlosen Dolmetscherin Yvonne (ebenfalls von Silvia Doberenz gespielt).

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Silvia Doberenz

Welche Auswirkungen diese „Bewusstseinserheiterung“ hat, bewies Silvia Doberenz gleich selbst. Mit ekstatischen Bewegungen „tanzte“ sie abwechselnd zu den Rhythmen von Rammstein und Karel Gott.

Erik Lehmann aus Dresden ist ein alter Bekannter. Eine seiner Paradefiguren ist Uwe Wallisch. Der hatte sich bei ALDI im Sonderangebot ein „deutsches Atom-U-Boot der 212er Baureihe mit den Maßen 65 mal 6,5“ für nur 19,95 Euro bestellt. Das würde gut in seine Schrankwand passen. Dumm nur, dass die Zahlenangaben in Meter waren. Jetzt steht auf der Straße vor seinem Haus ein echtes U-Boot und wird täglich von der Politesse mit einem Knöllchen versehen, weil es die Zuwege versperrt. Aber Wallisch hat schon Pläne, was er mit seinem U-Boot macht, welches eigentlich für Griechenland geplant war, aber nicht bezahlt werden konnte. Zuerst wird die älteste Dampfschiff-Flotte der Welt versenkt und anschließend gibt es Rundfahrten auf der Elbe mit ganz ungewöhnlichen Ein- und Ausblicken.

Für große Erheiterung sorgte eine Zuschauerin, die für kurze Zeit den Saal verließ. Erik Lehmann alias Uwe Wallisch unterbrach sein laufendes Programm, machte es sich auf der Bühne bequem und wartete auf die Rückkehr der Zuschauerin, nicht ohne spitze Bemerkungen wegen der ungeplanten Unterbrechung zu machen.

Nach einer kurzen Pause, in der die „Kuckucks“-Küche kleine Snacks vom Buffet anbot, übernahmen „Schwarze Grütze“ wieder das Kommando. Zunächst machten sie sich politisch unkorrekt über die Sprachschwierigkeiten der Chinesen lustig, die statt einem „R“ ein „L“ sprechen. Und so wurde aus einem Liedtext über „Gerd“ dank immer neuer Wortkreationen schnell ein Lied über „Geld“. Anschließend sangen die beiden Kabarettisten ein Loblied auf Ritalin, welches für Ruhe bei ADHS-gestörten Kindern und Rennmäusen sorgt.

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Silvia Doberenz alias Sandra Sommer

Silvia Doberenz philosophierte als ihr alter Ego Sandra Sommer über ihre Beziehung zu sich selbst. Mangels Männern „klappt es bei ihr hinten und vorne nicht“. Das hat aber den Vorteil, dass niemand zu Hause ist, „der nicht zuhört“. Aber ein Leben nur mit Dildo ist auch nicht schön, denn schließlich „könne ein Dildo kein Regal aufbauen!“.

Silvia Doberenz alias Sandra Sommer zeigte dann aber dem Publikum, welche Alternative sie sich erarbeitet hat. Aus der verschüchterten Frau wurde im Handumdrehen ein heißer Vamp. Im Lack-und Leder-Kostüm schritt sie als Domina durchs Publikum und bot einen „SM-Yoga“-Kurs an. Zuschauer Ekki bekam sogar einen Gutschein über 60 Minuten geschenkt, „quasi eine geschlagene Stunde.“

Aus Andreas „Spider“ Krenzkes Mund erfuhren die Zuschauer, wer den Nagelstudio-Boom in Deutschland ausgelöst hat und welche Probleme der Autor mit Bauarbeitern hat, die sein Haus rekonstruieren.

Erik Lehmann nahm die Vorlage dankend auf und schilderte als „Bauleiter“, welche Probleme mit Umweltschützern beim Bau einer Umgehungsstraße entstehen können. Das gipfelt in der Feststellung, dass einen diese „Umwelt-Palästinas“ und „Öko-Taliban“ nicht ernst nehmen, „wenn Du kein Fell hast!“.

Zu diesem Zeitpunkt ging es schon auf Mitternacht zu. Nach einer letzten kurzen Pause traten noch einmal Andreas „Spider“ Krenzke und Erik Lehmann auf. Krenzke schilderte das Schicksal von Jonas, dessen Mutter bei einem Ausflug in die Waldkita vom Bus überfahren wurde. Erik Lehmann dagegen beschwerte sich über den Senioren-Spielplatz, der vor seinem Haus entsteht.

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Dirk Pursche von der „Schwarzen Grütze“

„Schwarze Grütze“ blieb es schließlich vorbehalten, aufs große Finale hinzuleiten. Dazu musste erst „nochmal die Stimmung in den Keller gefahren werden“, denn wenn auf dem Nachhauseweg die Polizei die grinsenden Leute sieht, glaubt die sicherlich an einen kollektiven Drogenrausch. So erklang zum Abschluss ein trauriger Blues, in dem noch einmal deutsche Stimmungs- und Partyhits verballhornt wurden.

Erik Lehmann beschloss den fälligen Zugabenteil, der überwiegend aus dem Erzählen von Lieblingswitzen bestand, mit den Worten: „Kabarett ist schön und gut, aber man muss auch mal einen Witz machen!“

Nach mehr als 5 Stunden endete weit nach Mitternacht die „Lange Nacht des Kabaretts“. Nach Birgit Hendrischkes Rechnung war diese sechste „Lange Nacht“ die bisher längste. Die beteiligten Künstler waren voll des Lobes für die Stimmung im Saal. „Es ist unglaublich, was hier auf die Beine gestellt wird. Die Atmosphäre, das Publikum, die Organisation – alles perfekt“, fasste Silvia Doberenz ihre Eindrücke zusammen. Ihre Erwartungen wie die der anderen Künstler wurden weit überboten. Dazu gehört sicherlich auch, dass die Künstler in ihren Auftrittspausen im Saal blieben und sich die Programmpunkte der Anderen ansahen. Selbst die Gags wurden aufgenommen und in die eigene Vorstellung kurzfristig eingebaut.

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Großes Finale, v.l.n.r.: Erik Lehmann, Silvia Doberenz, Andreas „Spider“ Krenzke, „Schwarze Grütze“
(c) für alle Fotos: Thori, 2015

Schon jetzt wird der Wunsch nach der nächsten langen Kabarettnacht laut. Da das Konzept funktioniert, wird sich Birgit Hendrischke sicherlich ab sofort schon wieder Gedanken machen, mit welchen Künstlern sie ihre Gäste im nächsten Jahr überrascht.

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03.03.2015 LR-Logo