Slapstick und Besinnliches im „Kuckuck“

Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke hatte das Kabarett-Publikum im „Kuckuck“ vorgewarnt: „Was Sie heute Abend erleben, ist ein Experiment und hat es so noch nicht bei uns gegeben. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn Sie nicht wissen, worauf Sie sich gleich anlassen!“

Und tatsächlich – diese Art von Musik-Comedy gab es bisher noch nicht auf der Kabarettbühne in Groß Jamno zu erleben. „Streckenbach & Köhler“ hatten sich für einen weihnachtlichen Konzertabend angekündigt. Der selbstverliebte Tenor Streckenbach und sein stummer Pianist Köhler „mit der Urban-Priol-Gedenkfrisur“ brachten Evergreens („Ob Blond, ob Braun, ich liebe alle Frauen“) und Popsongs der Neuzeit im Stil der 20er Jahre zu Gehör („Junge“ von den Ärzten, „Es war Sommer“ von Peter Maffay). Das einzig weihnachtliche an dem Programm war allerdings nur Köhlers blauer Anzug mit Tannenbaum-Motiven.

„Multiple Ohrgasmen“ versprach Streckenbach, der „in Thüringen Gesang an der Musik-Hochschule ‚Franz Liszt‘ studierte und bis zum drei gestrichenen C kommt“, wie er mehrmals im Verlaufe des Abends betonte. Sein kongenialer Partner Köhler brillierte derweil am Klavier, wurde trotzdem zur Zielscheibe für Streckenbachs Spott oder Wutausbrüche. Dabei war Köhler der eigentliche Star des Abends. Mit der Mimik von Dynamit-Harry (aus den Olsenbanden-Filmen) und einer Virtuosität auf dem Klavier wie der junge Elton John sorgte Köhler abwechselnd für Begeisterungstürme und Lachsalven.

Das Publikum wurde „Teil der Gruppentherapie“. Zuschauer Peter aus der ersten Reihe hauchte „Je t’aime“ ins Mikro und das „Helene-Fischer-Lastige Publikum“ johlte vor Vergnügen. Beim Lied über die „Schilddrüsenunterfunktion“ sangen textsichere Zuschauer mit.

Überhaupt ist Spontanität das große Plus von „Streckenbach & Köhler“ (der sich übrigens dermaßen ins Zeug legte, dass er während der Vorstellung mit dem Stuhl zusammengebrochen ist). Als zwei Besucherinnen kurz nacheinander die Örtlichkeiten für kleine Mädchen aufsuchten, unterbrachen die Künstler ihr Programm und studierten eiligst mit dem verbliebenen Publikum ein Lied mit den Namen der beiden Damen ein, dass solange gesungen wurde, bis diese wieder im Saal erschienen. Zusätzlicher Gag am Rande: Streckenbach kündigte anschließend die obligatorische Pause an…

Dass „Streckenbach & Köhler“ nicht nur auf der Bühne herumblödeln können, bewiesen die Beiden nach der Pause. „Ninon (Lach mir einmal zu)“, ein Lied des jüdischen Komponisten Walter Jurmann aus der UFA-Schmonzette „Ein Lied für Dich“ von 1933, sorgte in der Interpretation von André Streckenbach für andachtsvolle Stille und Gänsehaut-Erlebnis.

Auch Franz Schuberts „Ave Maria“ begann besinnlich, artete dann allerdings in eine Slapstick-Nummer aus, als Köhler mal kurz in der Nase bohrte und das am Finger kleben bleibende angedeutete Ergebnis wieder loswerden wollte. Mehrmals wechselte der imaginäre „Nasenstein“ seinen Besitzer, um dann schließlich doch in Streckenbachs Schlund zu landen.

Streckenbach wütete als weltgewandter Tenor und Frauenschwarm gegen Köhler und redete sich dabei zweisprachig um Kopf und Kragen. „That’s albern“, stellte er fest. Aus Forst (Lausitz) wurde plötzlich Wood Lowseat, „eine Stadt mit dem gleichen Erotikfaktor wie New York.. Hier schläft der Bär“.

Immer wieder nahmen sich Streckenbach & Köhler zum Vergnügen der Zuschauer im Saal gegenseitig auf die Schippe und bauten spontan Gags ein, dass sich der jeweils andere zusammenreißen musste, um nicht lauthals loszulachen.

Mit Udo Jürgens‘ „Mercie Cherie“ und einer hingebungsvollen Umarmung mit Zuschauer Peter verabschiedeten sich Streckenbach & Köhler und versprachen bei tosendem Applaus, baldmöglichst wiederzukommen.

Birgit Hendrischke wird’s freuen, dass das anspruchsvolle Publikum sich auf ihr kleines Experiment eingelassen hatte. „Selten so gelacht“ war nur eine Reaktion, mit denen sich die Zuschauer bei der Veranstaltungschefin für einen gelungenen Abend bedankten.

Juchu – meine erste Trophäe

Da hat sich doch die jahrelange Arbeit für etwas mehr Kunst & Kultur in Forst gelohnt – bei der Preisverleihungsshow zum GOLDENEN KUCKUCK 2017 gab es völlig überraschend auch einen „EhrenKuckuck für besonderes Kuckucks-Kultur-Engagement“ für mich.

„Für seine Kreativität und Ideen, die uns als Veranstalter bei der Programmgestaltung geholfen haben sowie für die Vermittlung neuer, unverbrauchter Künstler.“ hieß es u.a. in der Begründung.

Danke an den Freundeskreis „Kuckuck“ für die Ehrung – ich fühle mich ganz ausgezeichnet…

 

Ein neues Nest für den GOLDENEN KUCKUCK

Im seit Wochen restlos ausverkauften Gasthaus „Zum Kuckuck“wurde am vergangenen Freitag Brandenburgs einziger Kabarettpreis, der GOLDENE KUCKUCK 2017, vergeben. Mehr als 20 Kabarettisten, Duos oder Ensembles stellten sich im vergangenen Jahr dem Urteil des mitunter kritischen Publikums. Bereits zum dritten Mal fand im Rahmen einer bunten Unterhaltungsshow die Ehrung des beliebtesten Künstlers statt.

Viele Überraschungen kündigte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke in ihrer kurzen Begrüßungsrede für den Abend an. Eine schrullige, immer noch rüstige Rentnerin namens Elfriede, die bereits vor der Show für Aufsehen sorgte, bot sich sogleich an, die Co-Moderation für den Abend zu übernehmen. Hinter der Großpuppe verbarg sich Kora Tscherning, Ensemblemitglied der Landesbühnen Sachsen und ausgebildete Puppenspielerin. Für sie war es der erste Soloauftritt mit ihrer Puppe und extra für diesen Abend engagiert. Immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen („meinen Nachnamen und meinen BH hat mein Tölpel von Exmann mitgenommen, merke: ohne Textil wirst Du nicht senil“) führte Elfriede alias Kora Tscherning gemeinsam mit Birgit Hendrischke durch den Abend.

Erster Künstler auf der Bühne war Götz Frittrang (Bamberg), der sich umsonst freute, weil er dachte, er sei der Gewinner sei, dann aber doch nur als Begleitprogramm gebucht wurde, wie er später zugab. Er mache ja Kabarett nicht wegen der Preise, sondern wegen des guten Essens in den Veranstaltungshäusern. Frittrang zeigte Ausschnitte seines aktuellen Programms „Götzseidank“. Bei seinem letzten Gastspiel im „Kuckuck“ Anfang 2016 war dieses Programm gerade noch in der Entstehungsphase, viele Gags zündeten damals noch nicht. Doch Götz Frittrang schien den Lauf der Geschichte vorauszuahnen, seine damalige AfD-Kritik blieb vielen Gästen im Gedächtnis. Grund genug für die Veranstalter vom Freundeskreis „Kuckuck“, Götz Frittrang mit einem „Spezial-Kuckuck“ für seine politische Weitsicht zu überraschen. „Eine große Ehre für mich, mit der ich jetzt bestimmt den großen Durchbruch schaffe!“, scherzte der völlig perplexe Künstler in seiner Dankesrede.

Nach einer kurzen Pause, in der die „Kuckucks“-Küche ein süßes Dessert präsentierte, kam der eigentliche Höhepunkt des Abends, die Preisverleihung des mit 1000 Euro dotierten und vom Autohaus Cottbus gesponserten GOLDENEN KUCKUCKSS 2017 an den Kölner Kabarettisten Peter Vollmer.
Laudatorin Elfriede würdigte das künstlerische Schaffen Vollmers, der von der Fachpresse schon mal als „Kabarett-Halbgott“ oder „Größe des gehobenen kritischen Kabaretts“ gefeiert. „Intelligent und gut unterhalten“ fühlten sich die Besucher seines Programms, das angesagte Themen brisant umsetzt. „Die Lachmuskeln mußten arbeiten“ schrieb eine Zuschauerin auf den Stimmzettel für die Wahl zum GOLDENEN KUCKUCK. Peter Vollmers feines Gespür für die großen und kleinen Macken seiner Mitmenschen gaben schließlich den Ausschlag, um sich mit 0,01 Punkten Vorsprung vor den Zweitplatzierten „Ranz & May“ durchzusetzen.

Bevor auch Peter Vollmer Ausschnittes seines aktuellen Programms zeigte, bedankte er sich beim Publikum für die Auszeichnung: „Wenn mir zu Beginn meiner Karriere jemand gesagt hätte, daß ich mal hier, irgendwo hinter Cottbus, einen Preis gewinne, hätte ich ihm gesagt: Du hast ja schon jetzt einen Vogel!“.

Seine Programmausschnitte wurden anschließend zu einem Gag-Feuerwerk. Egal, ob er sich über die im Alter nachlassende Paarungsbereitschaft („Es lockt das Weib, es bockt der Leib“) oder über seine Erfahrungen mit Brasilian Waxing lustig machte – Peter Vollmer hatte die Lacher auf seiner Seite. Auch die Rentenpolitik der jeweiligen Regierungen bekam ihr Fett weg. So ging der heute in Düsseldorf noch lebende älteste Rentner in Deutschland bereits 1972 in Rente. „Das bedeutet, daß die Sozialgemeinschaft 45 Jahre lang einen Düsseldorfer durchgefüttert hat. Sie können sich vorstellen, wie ich mich da als Kölner fühle.“, spielte Vollmers auf die uralte Rivalität beider Städte an.

In einer anschließenden Gesprächsrunde entlockten Birgit Hendrischke und Elfriede dem Sieger ein paar bislang gut gehütete Geheimnisse. Sein größter Luxus sei es, sich Zeit für sich zu nehmen. Und auf die Frage. Was er auf keinen Fall mit auf eine einsame Insel nehmen würde, mußte er lange überlegen. Am Ende entschied er sich für eine Heino-Schallplattte. Eines seiner größte Ziele sei es, mal einen Ironman zu absolvieren.

In einem zweiten Auftrittsblock machte sich Götz Frittrang dermaßen über die Seitenbacher-Werbung lustig, daß die Gäste wohl zukünftig die Werbung unter ganz anderen Gesichtspunkten wahrnehmen werden.

Der Abschluss des gut dreistündigen Abends war dem Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS vorbehalten. Peter Vollmer, der den „Trottel-Triathlon, bestehend aus Ausdauer-Kuscheln, Extrem-Schmusen und Langstrecken-Streicheln“ beherrscht, brachte ein Medley bekannter Titel mit neuen Texten zu Gehör. Da die Melodien bekannt waren, sang das Publikum bei Titeln wie „Sag mir, wo die Zähne sind“, „Mit 67 Jahren, da fängt die Rente an“, „Nur mit 7 Krücken kannst Du gehen“ oder „Pumpt denn der alte Herzmuskel noch“ lautstark mit.

Wer den diesjährigen Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS live erleben möchte, hat am 19. und 20. Dezember die Möglichkeit. Jeweils um 20 Uhr präsentiert Peter Vollmer im „Kuckuck“ in Groß Jamno sein Programm „ER hat die Hosen an – SIE sagt ihm, welche“.

Berliner Luft im „Kuckuck“

Ein ganz spezielles Programmangebot präsentierte die Kleinkunstbühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno ihren Besuchern am vergangenen Sonntag: wo sonst Kabarett, Comedy und Magie dominieren, gab es diesmal einen bunten Mix Alt-Berliner Melodien, „ollen Jeschichten“ und Amüsantem aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts.

Albrecht Hoffmann betreibt in Berlin „Zille“s Stuben-Theater“. Auf Empfehlung des Publikums engagierte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke den Zille-Darsteller für eine vergnügliche Zeitreise ins Berliner „Milljöh“. Und während die Gäste bei Kaffee und Kuchen genüsslich lauschten, gab Vater Zille einige Anekdoten aus seiner Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Besten. So schwärmte er von seiner Gattin Hulda und amüsierte sich gleichzeitig über seine Nachbarin Mieze, „die mit dem Doppel-Ar…“. Vom Leben in den Hinterhöfen erzählte Zille und dass „U-Bahn-Fahren wie Kabarett“ sei. Sein Nachbar von Gegenüber sei gerade „zur Kur in Bad Plötzensee, was soviel bedeutet, als dass er im Knast einsitzt.“
Selbst aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit wurden hergestellt. So stellte Zille fest, „dass der Prenzlauer Berg inzwischen wieder eine SBZ ist. Nur steht diesmal SBZ für Schwäbisch Besetzte Zone!“. Auch über Facebook machte sich der Zille-Darsteller lustig: „Heute ham‘ wa Internet, früher hatt’n wa Fensterbrett!“

Doch es wurde nicht nur geplaudert und der eine oder andere schlüpfrige Witz erzählt, sondern auch gesungen. Bei altbekannten Gassenhauern wie „In Rixdorf ist Musike“, „Untern Linden“ oder „Im Grunewald ist Holzauktion“ dauerte es nur wenige Takte, bis das Publikum im „Kuckuck“ eifrig mit einstimmte.

Lehrreich wurde es, als Pinselheinrich Zille einige Gegenstände aus seinem großen Koffer kramte. So kam die „kleinste Küchenharfe“ zum Vorschein, was bei genauerem Betrachten ein Eierschneider war. Auch eine uralte originale Wärmflasche „für vorne und für hinten“ gehörte zum Inventar seines Koffers. Zu jedem gezeigten Gegenstand oder Bild erfuhren die Besucher Wissenswertes, so u.a. auch, dass die „Berliner Weiße“ eigentlich aus Hamburg stammt, die Berliner nur cleverer waren und sich die Rezeptur als erste schützen ließen.

Albrecht Hoffmann erinnerte in seiner Rolle als Heinrich Zille auch an bekannte Zeitgenossen, so an die Sängerin Claire Waldoff, den Erfinder Willy Abel, den Arzt Ferdinand Sauerbruch oder den Maler Max Liebermann. Und selbstverständlich durfte auch Otto Reuter nicht fehlen. Mit einigen Couplets würdigte Hoffmann das Schaffen Otto Reuters.

„Das ist die Berliner Luft“ schallte es noch einmal durch den „Kuckuck“, bevor es „eine Hingabe statt einer Zugabe“ gab. Hier philosophierte Zille über Gott und die Frauen. Zwar erschuf der liebe Gott das weibliche Wesen, welches seitdem die Männer betört. Nur für sich selber schuf der Herrgott keine Partnerin. Er wusste wohl schon, wer dann das Regiment führen würde. Ein Wink mit dem Zaunfall – oder warum formte Zille plötzlich die berühmte Merkel-Raute…

Rundum zufrieden waren nicht nur die Besucher und der Künstler mit dem Verlauf der Veranstaltung, sondern auch Organisatorin Birgit Hendrischke freute sich, dass das Experiment gelang und der „Kaffeeklatsch mit Zille“ beim ansonsten kabarett-verwöhnten „Kuckucks“-Publikum so gut ankam.

Ein schräges Paar bringt den „Kuckuck“ zum Toben

„Ich weiß gar nicht, ob ich Ihnen die nachfolgenden Künstler zumuten kann!“, sagte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke gleich zu Beginn und erklärte sogleich, daß diese Art von Kleinkunst bisher noch nicht seinen Platz auf der Kabarettbühne des Gasthauses „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno gefunden hatte. Nach vielen Anfragen und jahrelangen Bemühungen gelang es ihr schließlich, Deutschlands „schrägstes Ehepaar“ für zwei Abende in die Lausitz zu holen. „Emmi und Willnowsky“ gehören schon lange zu den erfolgreichsten Comedy-Duos in Deutschland und feiern regelmäßig große Erfolge auf den Bühnen der Republik, u.a. im Hamburger „Schmidts Tivoli“ oder bei den Berliner „Wühlmäusen“.

In Groß Jamno traten die beiden Berliner im Rahmen ihrer „Tour 2017“ auf, so auch der Name ihres aktuellen Programms. Das Konzept ist so schlicht wie umwerfend: Emmi, „die kleine fette Lerche“, und „Willnowsky“, „dieser kleine Zarenzipfel“ mit russischem Akzent, sind verheiratet und wünschen sich gegenseitig nichts Besseres als die Pest an den Hals.

Wer für seinen Partner auf der Suche ist nach besonders bösen Schimpfwörtern, die überhaupt nicht böse klingen, findet bei „Emmi & Willnowski“ jede Menge Anregungen. Gegenseitig hauen sich die Beiden sehr zum Amüsement der Zuschauer die Beleidigungen um die Ohren.

In einem „fransösischen Chamson“ besingt sie seinen „Pimmel im Wind“; er revanchiert sich kurze Zeit später mit der Bemerkung, daß jeder das Recht auf Häßlichkeit habe, aber seine Frau missbraucht das. „Wenn Emmi am Friedhof vorbei geht, binden sich die Würmer schon ein Lätzchen um!“. Und wenn Dummheit Radfahren könnte, müsste Willnowsky bergauf bremsen.

Auch das Publikum und das Servicepersonal des „Kuckucks“ werden in die Streitigkeiten einbezogen. Emmi würde ja liebend gerne die Nacht mit Robert, dem Mann vom Service, verbringen. Und Willnowsky flirtet den ganzen Abend mit Zuschauerin Christina aus der 1. Sitzplatz-Reihe.

Es entspinnen sich wahnwitzige Dialoge wie: „Würdest Du mit einer anderen Frau ins Bett gehen, wenn ich tot bin?“ Antwort: „Dafür musst Du doch nicht erst sterben, Liebling…“

Auch musikalisch begeistern „Emmi & Willnowski“. So singt Emmi als Nonne verkleidet drei „Versöhnungslieder“ für ihren Gatten, Marke „Es macht mich glücklich, wenn Du das Haus verlässt, ich wünsch Dir schöne Tage mit Cholera und Pest“. Und weil sich das Publikum kaum noch halten kann vor lachen, setzt Willnowski noch einen drauf. Seine Emmi sei sogar eine „Super-Nonne“. „Das sind Nonnen, wo schon die Mutter und Großmutter Nonnen waren…“.
Es dauert eine Weile, bis der Witz bei allen Zuschauern angekommen ist. Immer wieder spielen „Emmi & Willnowski“ mit den Worten. Bei „Rotkäppchen und das Kaninchen“ tobt sich Emmi auf der Bühne richtig aus. Auch Willnowskys Interpretation von Robert Schumanns „Träumerei“ endet alles andere als romantisch, sondern wieder mal in gegenseitigen Beschimpfungen.

Zum Abschluß des Programms meint Willnowsky, es wäre nur fair, wenn die Gage des Abends einem guten Zweck in der Dritten Welt zugeführt würde. Er werde deshalb nächste Woche mit dem „gespendeten Geld einen Puff in Nairobi besuchen!“.

Birgit Hendrischke ist erleichtert und froh, daß ihr verwöhntes Kabarett-Publikum die „Zumutung“ angenommen hat. Mit tosendem Applaus werden „Emmi & Willnowsky“ nach mehreren Zugaben von den Besuchern verabschiedet. Und Birgit Hendrischke bekommt vielfach den Wunsch geäußert, dieses sehr erheiternde Paar recht bald wieder in den „Kuckuck“ einzuladen.

Kabarett-Mix im „Kuckuck“ sorgt für Zwerchfell-Attacken

Zur mittlerweile 8. „Langen Nacht des Kabaretts“ fanden sich am vergangenen Freitag wieder Humorsüchtige im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno ein. Damit auch möglichst viele Besucher in den Genuss dieses Kabarett-Marathons kommen können, verzichteten die Veranstalter auf die sonst übliche Clubatmosphäre mit 4er- und 6er Tischen und bestuhlten stattdessen in Reihe, so daß alle 104 erwartungsfrohen Zuschauer ausreichend Platz fanden.

Moderiert wurde die Show von Ilka Hein. Die MDR-Hörfunk-Moderatorin plauderte zunächst mit Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke über die Schwierigkeiten, jedes Jahr aufs Neue so einen Abend zu organisieren. „Unser Publikum hat sich inzwischen einen hohen Anspruch erarbeitet, dem gilt es gerecht zu werden!“, verrät Birgit Hendriske. Bei der Auswahl der Künstler vertraue sie auf ihr Bauchgefühl.

Ilka Hein ist jedoch nicht nur Moderatorin, sondern auch auf den Kleinkunstbühnen der Republik unterwegs. Im „Kuckuck“ brachte sie einige Hits von ABBA mit neuen, deutschen Texten zu Gehör. „Mamma Mia“ wurde so unter gesanglicher Unterstützung durch das Publikum zum Gebet einer Frau, die mit einem Verlierer als Ehemann bestraft ist. Aus „Super Trouper“ wurde der „Super Router“ und erzählt frivol und doppeldeutig die Geschichte, wie frau sich fühlt, wenn sie im Laden die neueste Telefontechnik erklärt bekommt.

Central-Kabarett

Andrè Bautzmann und Robert Günschmann vom Leipziger Central-Kabinett hatten sofort die Sympathien des Publikums erobert, kaum daß sie auf der Bühne waren. „Warm up für’s Burnout“ lautet der Titel ihres aktuellen Programms. In einer Mischung aus Politkabarett, Parodie und Gesang machen sie sich über Jeden und alles lustig. Die Attacken auf Flüchtlingsheime in Sachsen spielten ebenso eine Rolle wie die aktuelle Politik. Im Stile von „Dinner for One“ feuerten die Beiden als Wahrsagerin und deren Butler verkleidet ein Feuerwerk an Gags ab, daß den Zuschauern kaum Luft zum Erholen blieb. Egal ob „Schi-Scha-Schäuble“, die „Krampf-Fregatte“ und „Truppen-Uschi“ von der Leyen, „Fragnachkies, äh, Varoufakis“ oder die „getürkte Demokratie“ unter Erdogan – jeder bekam sein Fett weg. Bautzmann und Günschmann waren sich auch nicht zu schade, sich selbst auf den Arm zu nehmen. So hatten sie mehrmals den jeweils anderen Partner mit spontan eingebauten Witzen erst aus dem Konzept und dann zum Lachen gebracht, so daß die Dialoge häufig neu angesetzt werden mußten.

Besinnlicher wurde es bei den Auftritten von Liese-Lotte Lübke aus Hannover. Sie bezeichnet sich selbst als „Klavier-Kabarettistin“. Mit witzigen Texten, jedoch mit einem ernsten Unterton, brachte sie ihre Erlebnisse auf dem Amt zu Gehör. Dabei verarbeitete sie die ewige Warterei an der Rezeption sowie die ziemlich unpersönliche Beratung des Büromitarbeiters, den sie freundlich in ihr Programm einlud und mit den Worten „Kommen Sie nie wieder“ gleich wieder verabschiedete. Fast schon balladenhaft wurde es beim Lied um einen Traumfänger, der nachts in die Schlafzimmer eindringt und den Menschen ihre Träume stiehlt. Auch über unehrliche Höflichkeitsbekundungen sang Liese-Lotte Lübbke. Im Lied von der alten Dame verarbeitet Liese-Lotte Lübke symbolisch ihre eigenen Befindlichkeiten und Depressionen. „Das Lied ist für alle, die gegen ihren eigenen Dämon in sich kämpfen“, sagte Liese-Lotte Lübke in der Ankündigung dieses Liedes.

Lennart Schilgen

Songs ganz besonderer Art verspricht Lennart Schilgen aus Berlin: „Ich spiele heute für Sie Protestsongs, weniger solche, die zur Revolution aufrufen, sondern eher im Sinne von ‚Och menno!'“ Passend dazu singt Schilgen den „Liegenbleiber-Blues“, ein Lied über einen Typen, der es bevorzugt, das Leben etwas ruhiger anzugehen. „Ich bin Shouter in einer Black-Metal-Band, ich bin lauter als jedes Musikinstrument“, verkündet Lennart Schilgen anschließend voller Inbrunst und mit weinerlicher Stimme, sehr zum Gefallen der Zuschauer. Überhaupt stehen Schilgens Lieder, die textlich oft eine überraschende Wendung nehmen, im totalen Kontrast zu seiner Mimik und Gestik, die eigentlich immer das Gegenteil dessen darstellt, was er gerade singt. So auch im „Protestsong Brecht’scher Prägung“ gegen die Entschlossenheit. Den Abschluß seines Auftritts bilden Schilgens Neuinterpretationen von Ernst Jandls berühmten Gedicht „Ottos Mops“. So gibt es Varianten wie „Pauls Gaul“ oder „Gerds Pferd“ zu hören.

Umrahmt wird die „Lange Nacht des Kabaretts“ traditionell von einem reichhaltigen Fingerfood- und Dessert-Menü in den Pausen der mehrstündigen Veranstaltung. Auch in diesem Jahr hat sich das Küchenteam vom „Kuckuck“ wieder kulinarische Leckereien einfallen lassen.

Es war schon nach Mitternacht, als alle Künstler noch ein letztes Mal auftraten, um sich von ihrem Publikum zu verabschieden. Das Central-Kabarett nahm sich den Geburten-Rückgang zum Thema und präsentierte in Nachrichtenform das Aussterben der Deutschen. So wird in ein paar Jahren Cottbus mangels Einwohner zum Vorort von Forst erklärt, etwas später werden Dortmund, Gelsenkirchen und Leverkusen zum „Kohle-Pöttchen“ zusammengelegt, ehe die alten Römer ihre ehemaligen Besiedlungen wieder in Besitz nehmen. Ach, ja – auch die Eröffnung des Berliner Flughafens verzögert sich weiter, weil mittlerweile Wölfe und Braunbären das Gelände besiedelt haben.
„Das alles und noch viel mehr, würde sein, wenn die Welt ohne Deutschland wär'“ singen die beiden Kabarettisten in Anlehnung an Rio Reisers Hit „König von Deutschland“ und zählen mal so auf, was alles passiert wäre, hätte es die Deutschen nie gegeben.

Liese-Lotte Lübke bleibt es vorbehalten, kurz vor halb Eins den Abend zu beschliessen. Mit ihrem Lied vom Schwan, der in einer Straußenfarm aufwächst, endet nach fünf Stunden ein Marathon der guten Laune mit viel hintergründigem Humor, albernen Wortspielen und gut aufgelegten Künstlern, die aber auch die Klaviatur der ernsten (Unter-)Töne beherrschen.

Schon jetzt darf man gespannt sein, bei welchen Künstlern Birgit Hendrischke für die 9. „Lange Nacht des Kabaretts“ 2018 ihrem Bauchgefühl vertraut.

Der „Kuckuck“ lockt mit kulinarischen Spezialitäten

Das Restaurant „Zum Kuckuck“ im Forster Ortsteil Groß Jamno kann in diesem Jahr auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken.

Bereits zum 10. Mal in Folge wurde das Gasthaus mit dem Gütesiegel „Brandenburger Gastlichkeit“ ausgezeichnet. Dieses Prädikat wird vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg e.V. (DEHOGA) an Gastronomiebetriebe verliehen, die sich durch besondere Angebote, freundlichen und kompetenten Service und hohe Produktqualität auszeichnen. Dabei werden die Unternehmen anonym im Laufe des Jahres von eigens dafür geschulten Mitarbeitern auf eben diese Merkmale getestet.

„Unsere Speisekarte wechselt regelmäßig je nach Jahreszeit. Saisonale und frische Produkte und Zutaten aus der Region werden bei uns nach fein abgestimmten Rezepturen verarbeitet. Neben Wild- und Fischgerichten bieten wir aber auch leichte und vegetarische Küche.“, fasst Peter Hendrischke, der Chef des Hauses, nicht ohne Stolz über die verliehene Auszeichnung das Angebot zusammen. Zusammen mit Michael Groß kreiert er in der kleinen Küche immer wieder neue Gaumenfreuden.

Viele Stammgäste kommen schon seit Jahren in das beliebte Ausflugslokal im Grünen, das sich zu einem Anlaufpunkt für die Forster und ihre Gäste entwickelt hat.

Den unmittelbaren Kontakt zu den Besuchern haben Nancy Franice, Sabrina Kellert und Robert Lange, die sich im Gastraum und im Saal liebevoll um die Besucher kümmern und versuchen, auch ausgefallene Wünsche zu erfüllen – sei es ein spezieller Cocktail oder ein Extrawunsch beim Essen.

Fragen Sie doch mal nach den „Kuckuckstropfen“! Peter Hendrischke verrät, was sich dahinter verbirgt: „Die Kuckuckstropfen sind ein Schlehenlikör aus der Brennerei Sturn in Lehningen im Schwarzwald. Wir finden, der Name des Likörs passt wunderbar zum Namen unseres Hauses. Außerdem ist der Likör sehr bekömmlich.“

v.l.n.r.: Nancy Franice, Michael Groß, Robert Lange, Peter Hendrischke und Sabrina Kellert

Jetzt, in der (Vor-)Weihnachtszeit, ist so einiges zu tun für das gesamte Team. Viele Firmen veranstalten ihre Weihnachtsfeiern im „Kuckuck“, wie er inzwischen von den Forstern liebevoll genannt wird. Meistens wird das mit dem Besuch eines Kabarettprogrammes im Saal verbunden. Denn mittlerweile hat sich der „Kuckuck“ in der Kleinkunst-Branche einen Namen gemacht. „Es gibt Künstler, die rufen bei uns an und bewerben sich regelrecht, um einmal hier auftreten zu dürfen.“, verrät Birgit Hendrischke, die im „Kuckuck“ für die Veranstaltungsorganisation zuständig ist. Dabei beweist sie oft ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Kabarettisten. In den vielen Jahren gab es nur ganz vereinzelt Künstler, die beim anspruchsvollen Publikum durchfielen.

Höhepunkte im Veranstaltungsjahr ist zweifellos die „Lange Nacht des Kabaretts“ Ende Februar. Bei dieser Mixed-Show treten mehrere Künstler mit Ausschnitten aus ihren Programmen auf – und sorgen für ausgelassene Stimmung, meist bis weit nach Mitternacht.
Aller zwei Jahre wird im „Kuckuck“ der „GOLDENE KUCKUCK“, Brandenburgs einziger Kabarettpreis, vergeben. Wer ihn gewinnt, entscheidet das Publikum.

Seit 2015 gibt es zu Silvester eine besondere Überraschung: Kabarett zum Jahreswechsel. In diesem Jahr treten um 15:30 Uhr und um 21:00 Uhr die Vorjahressieger des „GOLDENEN KUCKUCKS“, Thekentratsch“ , auf und feiern anschließend gemeinsam mit dem Publikum ins neue Jahr.

Die Karten für die Kabarettveranstaltungen sind sehr begehrt und meist innerhalb weniger Tage ausverkauft. Schon jetzt gibt es für die Vorstellungen im Januar 2017 nur noch vereinzelt einige wenige Karten.
Unterstützung in der Planung, Organisation und Absicherung ihrer Veranstaltungen erhalten Hendrischkes vom Freundeskreis „Kuckuck“, der sich im Mai 2011 zusammengefunden hat.

Gern gebucht wird auch der Cateringservice des Hauses. Besonders langjährige Stammgäste wissen diesen Service zu würdigen und lassen sich für Familien- oder Betriebsfeierlichkeiten ein Angebot erstellen. Pünktlich geliefert wird das Bestellte vom Chef selbst.

Für Hochzeiten bietet der „Kuckuck“das „Rundum-Sorglos“-Paket. Neben der Ausrichtung der Feier im stilvollen Ambiente kümmert sich das „Kuckucks“-Team auf Wunsch auch um die passende Musik, die Abholung des Brautpaares durch einen Limousinenservice und Übernachtungsmöglichkeiten für die Hochzeitsgäste.

Wer es lieber etwas sportlich mag, kann sich im Keller des Hauses beim „Moonlight-Bowling“ betätigen. Durch spezielle Farb- und Lichteffekte werden die Bahnen illuminiert, was für eine einzigartige Atmosphäre sorgt.

Also, liebe Leser, wie wäre es denn wieder einmal mit einem Besuch im „Kuckuck“? Unter der Mailadresse reservierung@zum-kuckuck.de oder per Telefon unter (03562) 664424 kann man sich ohne große Umwege Plätze fürs Kabarett oder einen Tisch für den kulinarischen Genuß in der Gaststube reservieren lassen. Birgit und Peter Hendrischke sowie das gesamte Team freuen sich auf Ihren Besuch!

Genre-Mix sorgt für humorvollen Abend

Zur siebten „Langen Nacht des Kabaretts“ versammelten sich wieder Kleinkünstler unterschiedlicher Genres auf der kleinen Kabarett-Bühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno. Unter den Besuchern waren viele Stammgäste, die wieder einen bunten Mix aus Kabarett, Poetry Slam und musikalischen Einlagen erlebten.
Wie in den Jahren zuvor blieb geheim, wer an diesem Abend auftreten sollte. Gespannt wartete das Publikum, wer als erster die Bühne betreten würde.

Das „Ensemble Weltkritik“, sächsische Vertreter des klassischen Kabaretts, eröffnete den bunten Reigen. Gut vorbereitet machten sich Bettina Prokert und Maxim-Alexander Hofmann über lokale Themen lustig und gewannen sofort das Publikum. Bevor Forst in die Blütezeit der 80er Jahre abdriftet, müssten verschenkte Potenziale aktiviert werden. Groß Jamno hat zwar einen See, aber immer noch keine Seebühne. Und bei soviel Wald rings ums Forst fehlt ein Baumwipfelpfad. Auch ein neuer City Slogan könne nicht schaden. „Weltkritik“ machte auch gleich einen Vorschlag und befragte dazu Zuschauer Torsten. Das Ergebnis lautet: „Forst – Torsten gefällt’s…“. Wie sich kurz darauf herausstellte: „…in Spremberg besser!“

2016-02-26_Lange Kabarettnacht_(c)Thoralf Haß_001Tilmann Birr ist gebürtiger Hesse, wohnt aber in Berlin. Als ehemaliger „Stadtbilderklärer“ erzählte er von seinen Erlebnissen mit einem bayrischen Touristen, der unbedingt etwas wissen wollte, aber von niemanden verstanden wurde. Auch aus seiner Zeit in einer WG hatte Tillmann Birr Episoden parat. Besonders seine kopulierenden Wohngenossinnen boten genügend Stoff für amüsante Geschichten.

Geschichten und Gedichte verfasst auch Clara Nielsen. Die Kielerin ist Poetry Slammerin, gehörte der deutschen Slamnationalmannschaft an und wurde bereits vom Goethe-Institut nach Rom und Lissabon eingeladen. „Klitzekleine Gedichte“ sind ihre Spezialität: „Liebst Du mich wie ich Dich, liebst Du mich nicht“. Nielsens Gedichte sind Poesie pur, mal mit Wortspielen, mal mit einem überraschenden Ende, mal philosophisch, immer ein wenig kokett oder bissig. Mucksmäuschenstill wurde es immer dann, wenn diese zierliche Person mit der samtweichen Stimme eines ihrer Werke vortrug. Was wie ein romantisches Liebesgedicht beginnt, endet bei Clara schon mal mit der schonungslosen Abrechnung mit dem ehemals Herzallerliebsten.
Aber Clara Nielsen hatte nicht nur Gedichte mitgebracht, sondern auch Geschichten aus ihrer Vergangenheit. „Das einzige böse, was ich mal getan habe, war ein Klingelstreich! Bei meiner Oma! Und ich habe vergessen, wegzurennen!“ Überhaupt war früher angeblich alles besser: „Als der erste Zug von Nürnberg nach Fürth fuhr, wurde die Bahn noch von freudigen Menschen mit Blumen erwartet.“

Nach einer kurzen Pause, in der man sich mit Fingerfood aus der „Kuckucks“-Küche stärken konnte, ging es mit Frank Grischek weiter. Er selber nennt sich Akkordeonist und „freut sich, hier heute Abend auftreten zu müssen!“. Seine gespielte schlechte Laune ist Programm. „Erfolg muss ja kein Feuerwerk sein“, gab er bekannt und erzählte lieber von seinem ersten Auftritt bei Tante Lottis 50. Geburtstag. Zum 60. war er seinen Eltern immer noch peinlich, zum 70. wurde er gar nicht mehr eingeladen. „Vielleicht kommt ja heute Abend mein Durchbruch!“, hoffte er.

Tilmann Birr, der zunächst den Holzfäller-Blues sang, sorgte anschließend mit eine Dialogszene für riesiges Gelächter. Ein Polizist mit typisch Berliner Schnauze und ein Tourist, dem man den Geldbeutel geklaut hatte, lieferten sich witzige Wortduelle. Dabei wollte der Tourist nur eine Anzeige aufgeben. „Da müssen Sie zur Zeitung gehen!“, konterte der Polizist. „Dann will ich eben Anzeige erstatten!“, sagt der Tourist, worauf der Polizist antwortet: „Von uns kriegen’se ja nichts erstattet!“

Das „Ensemble Weltkritik“ bekam zu Beginn seines Blockes die Krise. So zumindest der Titel eines Liedes, das spontan die aktuellen Geschehnisse in Deutschland und auch an diesem langen Kabarettabend zusammenfasste. Da wurden Flüchtlinge willkommen geheißen, denn schließlich hat das Tradition: Es gibt ja schon lange die „Deutsche Ayshe“. Und Pegida heißt nichts anderes als „Peinliche Eingeborene gefährden Dresdens Ansehen“. Bikininixe Pamela Anderson ist übrigens die Namensgeberin für Groß Bade-Mäusl.

Nachdem Frank Grischek eine kurze Einführung in die Irish Folk Music gab (bei der bei den Zuschauern ein leichtes Wippen mit den Füssen nicht zu übersehen war) und Clara Nielson noch einmal erzählte, wie sie die Pubertät verweigerte und abschließend den guten Tipp gab: „Wer abnehmen will, muss erst mal zunehmen. Denn dicke Menschen können mehr Kalorien verbrennen!“, zeigte „Ensemble Weltkritik“ einen Ausschnitt einer Paartherapie-Sitzung. SIE will ja im Schlafzimmer gerne etwas Spielzeug, aber dass ER die Eisenbahnplatte aufbaut, geht dann doch zu weit. Überhaupt, wieso schenkt ER IHR Rosen zu Halloween?

Im großen Finale stellte Frank Grischek fest, dass das Eintrittsgeld für diesen Abend nun, nach 4 ½ Stunden, abgelaufen sei. Mit dem gemeinsamen Gesang des „Sandmannliedes“ unter Mitwirkung des Publikums verabschiedeten sich die Künstler von der Bühne, nicht ohne auf den „Offline-Shop“ im Foyer hinzuweisen, wo Bücher und CDs der Künstler erworben werden konnten.

2016-02-26_Lange Kabarettnacht_(c)Thoralf Haß_005

v.l.n.r.: Frank Grischek, Tilmann Birr, Clara Nielsen, Ensemble Weltkritik

So verschieden, wie Geschmäcker sein können, so unterschiedlich kamen die Künstler bei den Zuschauern an. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, der Mix kam beim Publikum an, wie die Reaktionen zeigten. Künstler und Publikum kamen in den Pausen und nach der Veranstaltung ins Gespräch. Zufrieden zeigte sich auch Birgit Hendrischke, die für die Organisation des Abends verantwortlich war. Ihre Auswahl der auftretenden Künstler war der Garant für einen wirklich unterhaltsamen Abend.

Ein kleiner Mann und eine große Portion Humor

Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke benötigte nicht viele Worte, um den Entertainer Kalle Pohl auf der Kabarettbühne im „Kuckuck“ zu begrüßen. Die rheinische Frohnatur machte hier für zwei Abende mit seinem aktuellen Programm „Selfi in Delfi“ Station. Vielen der Gäste ist Kalle Pohl aus der TV-Sendung „7 Tage – 7 Köpfe“ wohlbekannt. Auch im Münsteraner Tatort war er schon zu sehen. Viel lieber bespielt Kalle Pohl aber die Kleinkunstbühnen der Republik.

Schon bei den ersten Worten springt der Funke auf das Publikum über. Kalle Pohl deutet an, wohin die Reise in den nächsten Stunden geht. Der aktuelle Selfie-Wahn ist dabei nur der Aufmacher. „Selfies sind nicht anderes als Selbstbefriedigung. Die meisten fotografieren den wichtigsten Menschen – sich selbst. Der Rest fotografiert das Essen!“ empört sich Pohl über die Handy-Generation. „Da ist es auch kein Wunder, dass sogar bei Fotos von Weltkulturerbestätten immer ein Kopf die Sehenswürdigkeit verdeckt!“.
Für alles Mögliche gibt es mittlerweile eine App – nur nicht fürs Kinderkriegen. Aber er habe schon die Lösung: Ein Baby-Handbuch – natürlich zielgruppengerecht geschrieben nur in halben Sätzen und ohne Rücksicht auf die Grammatik.

Kalle PohlNicht fehlen darf in Pohls Programmen seine Familie: Tante Mimi, die in der Arztpraxis ungefragt den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Welt der Promis erzählt; seine Nichte Jennifer, die sich darüber beschwert, dass sie mit 14 noch nicht in die Disco gehen darf.und natürlich Kalle Pohls berühmt-berüchtigter Vetter Hein Spack, der jeden – egal ob Freund oder Feind – mit „Dummsau“ anredet. Gerade die Geschichten von Hein Spack sorgen immer wieder für großes Gelächter. Kann ja mal passieren, dass man das Waffeleisen mit den Kopfhörern verwechselt. Und „Russisch Ballett“ hat auch nichts mit Russisch Roulette zu tun

Kalle Pohl wechselt im Laufe des Programms in den Rollen hin und her. Mal ist Hein Spack in einer Talkshow mit Günther Lauch zu Gast, wenig später spielt Tante Mini die Hauptrolle im „Tarzan“-Musical.
Zwischendurch schnappt sich Kalle Pohl sein Akkordeon.und singt Lieder über Urlauber, die in die falsche Richtung reisen („Falscher Dampfer, falscher Flug – trotzdem steigt man doch nicht aus!“) oder über die nervigen Animateure Heiko, Meike und Max. („Die sind schuld, dass viele Urlauber schon vor dem Frühstück anfangen zu saufen!“)

Kalle Pohl bezeichnet sich selbst als Komödiant, auch wenn diese Spezies mittlerweile fast ausgestorben und von Stand-Up-Comedians abgelöst worden ist. Und bevor die Zuschauer über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nachgedacht haben, parodiert Pohl den „Pass‘ uff! Kennste, kennste?“-Kollegen aus Berlin. Auch wenn der Name Mario Barth nie fällt, weiß jeder im Saal, wer gemeint ist.
Ebenfalls ihr Fett weg kriegen die vielen Kochshows im Fernsehen – „egal ob mit oder ohne Schnauzer!“. Pohl mache sich da aber viel mehr Sorgen um die Hygiene, „oder haben Sie schon mal gesehen, dass die sich da die Hände waschen?“ Auch die Inhalte sind schwer zu ertragen: „Meinetwegen sollen die kochen, aber wenigstens den Mund könnten sie halten!“, frotzelt Pohl sehr zur Freude der Besucher im Saal.

Das Publikum will mehr davon und fordert immer wieder Zugaben. Seine Art, sich selber nicht zu ernst zu nehmen und sich auch auf das Publikum einzulassen, kommt an. Längst ist das Programm komplett durchgespielt. „Dann fangen wir eben wieder von vorne an!“, kündigt Kalle Pohl an. Aber er belässt es bei einem Gedicht, passend zur Jahreszeit: „Frühling!“ – „schließlich kann man so ein Gedicht nicht nur für ein Quartal schreiben!“.

Nach der vierten Zugabe ist dann leider endgültig Schluss. Der kleine Mann mit dem großen Humor verabschiedet sich von den Gästen, nicht ohne noch zahlreiche Autogramme zu schreiben.

Kalle Pohl„Das Publikum hier ist einsame Spitze!“, schwärmt Kalle Pohl im Anschluss. „Ich habe vorige Woche in Zwickau gespielt, da konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen, ob alle Beerdigungen auf einen Tag fallen, so lau war die Stimmung dort.“
Er spiele gerne in kleineren Kulturstätten. „Es bringt ja nichts, wenn ich vor 1000 Leuten spiele und die in der letzten Reihe sehen und hören nichts.“ Im gleichen Atemzug lobt Kalle Pohl den „Kuckuck“, weil er es geschafft hat, hier eine kleine Kulturoase zu etablieren, zu der die Künstler immer wieder gerne zurück kommen.

Gut möglich also, dass Tante Mimi, Hein Spack, vor allem aber Kalle Pohl nicht zum letzten Mal im „Kuckuck“ auftraten.

Patrick Schleifer rockt den „Kuckuck“

Zwei „urst“ lustige Vorstellungen erlebten die Besucher bei zwei Auftritten des Berliner Kabarettisten und Parodisten Thomas Nicolai auf „Deutschlands östlichster Kleinkunstbühne“, wie „Kuckuck“-Inhaber Peter Hendrischke stolz verkündete. „Urst“ – so heißt auch das neue Programm des auch vom Fernsehen bekannten Künstlers.

Dabei begann das Programm schon 15 Minuten früher als angekündigt. Fragende Gesichter im Saal, als zwei Musiker im weißen Anzug die Bühne betraten. Die belgische Electro-Pop-Band „TRAFFIC NOIR“ mit den Brüdern Etienne und Serge Lambertine aus Lüttich gilt als Geheimtip der Independent-Musikszene in Belgien und präsentierte den Gästen als Vorband drei Titel.

Thomas Nicolai erklärte zunächst, was „urst“ eigentlich bedeutet. Hierzulande ist es ein bekanntes Wort aus der Jugendsprache, wie man am zustimmenden Nicken der Zuschauer erkennen konnte.

Daß Nicolai nicht nur ein guter Kabarettist, sondern ein noch besserer Parodist ist, bewies er als Mitglied einer Promi-WG. Dort stritten sich nämlich Herbert Grönemeyer, Klaus Kinski, Martin Semmelrogge und Thomas Gottschalk um den wieder mal nicht gemachten Abwasch.

Als Dieter alias „Buletti“ aus Berlin-Kreuzberg erzählte Thomas Nicolai, wie es sich mit einem Schwiegersohn lebt, der „Veganer Stufe 5 ist. Der darf nichts essen, was einen Schatten wirft…“ Höhepunkt dieses Programmteils ist die Neuinterpretation von „Das Model“ der Gruppe Kraftwerk, die Thomas Nicolai mächtig ins Schwitzen brachte. „Ich hätte lieber eine Lesung machen sollen“, stellte er hinterher fest.

Doch nicht nur die Freunde moderner Popmusik kamen auf ihre Kosten. Zusammen mit seinem Keyboarder Robert Neumann interpretierte Nicolai die „L’Opera Di Internet“, eine Geschichte über die Tücken des Internets. Versuchen Sie mal, etwas zu googlen ohne Internetverbindung!

Beim „El Flamenco De Deniro“, dem Finanzamt-Flamenco, kocht die Stimmung im Saal über. Als feuriger Spanier beschwert sich Thomas Nicolai musikalisch über den zugestellten Einkommensteuerbescheid seines Finanzamtes.

Patrick Schleifer und Carmen

Patrick Schleifer und Freundin Carmen – (c) Thori van Bosland

Und dann wäre da noch Patrick Schleifer, Nicolais alter Ego. „Willkommen zur Estrade der Freundschaft, hier in diesem Klubhaus!“, scherzt Patrick. Die „sächsische Antwort auf Robbie Williams“ freut sich über die „Stimmung wie bei den Stones“. Diesmal hat er seine neue Freundin Carmen (Robert Neumann mit einem Gesichtsausdruck zum Niederknien) mitgebracht, die an der Essenausgabe seines Betriebes arbeitet. „Nach neun Jahren inniger Beziehung ist es nun an der Zeit, den ersten Kuß zu wagen“, freut sich Patrick Schleifer. Carmen ist davon jedoch wenig begeistert…

Begeisterung im Saal, als Patrick später seinen Bruder Ronny auf die Bühne holt (wieder dargestellt von Robert Neumann). Unter dem Namen „Orakel von Schkeuditz“ treten die beiden als Rockband auf und geben noch einmal richtig Gas. Aus AC-DCs „Highway to Hell“ wird in der Patrick-Schleifer-Version „Weg, aber schnell!“.

Thomas Nicolais Show „Urst“ ist ein Potpourri voller Nonsens und Blödeleien, immer im Zusammenspiel mit dem Publikum. Die Bühne kann nicht groß genug sein, Nicolai tobt sich darauf richtig aus.

Den Zugabenteil überläßt Thomas Nicolai noch einmal einem Künstler, den er zuvor schon einmal parodierte: Phillip Poisel. „Der macht Musik für Leute, denen Xavier Naidoo zu hart ist“ stellt Thomas Nicolai den Deutschpoeten kurz vor. Bei seiner Version von „Du hast mich 1000 mal belogen“ tobt das Publikum zum wiederholten Mal an diesem Abend.

„Ich kannte Thomas Nicolai bisher noch nicht, aber dieser Kerl ist einfach genial!“, fasste Kuckucks-Stammgast Uta Krause ihre Eindrücke zusammen und sprach damit vielen anderen aus dem Herzen. Klar, daß anschließend auch die eine oder andere signierte DVD, CD oder Autogrammkarte den Besitzer wechselte.