Von einer, die auszog, die Menschen zu erleuchten

Wer auf die Kabarettistin Silvia Doberenz trifft, wird überrascht sein – sowohl von der Künstlerin als auch der Privatperson.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015„Yoga-Comedy“ – so die Ankündigung ihres Programmbeitrages zur „6. Langen Nacht des Kabaretts“ im „Kuckuck“ in Groß Jamno. Was hat man also zu erwarten? Jemand, der auf der Bühne Yoga-Übungen veranstaltet, die vielleicht in Slapstick-Einlagen enden? Oder Jemand, der übertrieben albern irgendwelche Esoterik-Fanatiker aufs Korn nimmt? Nichts davon ist eingetroffen. Stattdessen unterhalten Silvias skurrile, aber liebenswerte Figuren die Zuschauer an diesem Abend.

Also geht man das Risiko ein, sich mal ein ganzes Programm von Silvia Doberenz anzuschauen. Irgendwann müssen doch mal die Vorurteile und Klischees bedient werden. Aber denkste, was damals nur in Ausschnitten in der Mixed-Show zu sehen war, setzt sich auch im Solo-Programm fort. Silvia Doberenz macht sich nicht über Yoga, Esoterik oder Spiritualität lustig. Ihre Show, ihre Bühnenpräsenz, ihr Wesen ist lustig.

Wir verabreden uns nach der Show zum Gespräch. Auf der Terrasse des „Kuckucks“ sitzend, bei schönstem Vogelgezwitscher, steht Silvia Doberenz Rede und Antwort.

Stimmt es, daß Sie den „Kuckuck“ angeschrieben haben und sich als Künstlerin quasi beworben haben?

Ich habe keine Agentur, die für mich das Booking macht, deshalb gucke ich immer, wo andere Kollegen spielen und dann schaue ich mal. Ich wollte auch mehr im Osten spielen, daß es nun soweit im Osten ist, ok. Dann habe ich den „Kuckuck“ einfach mal angeschrieben, ob sie nicht Lust auf Erleuchtung haben.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Yoga-Kabarett zu machen?

Ich mache selber schon sehr lange Yoga, spiele auch schon sehr lange Theater. Ich habe eine Ausbildung als Theaterpädagogin, habe sehr lange Improvisationstheater gemacht, auch Unternehmenstheater, bin aber keine ausgebildete Schauspielerin. Seit meiner Jugend habe ich das schon sehr gerne gemacht, als Hobby. Ich hatte aber schon immer im Hinterkopf, daß ich gerne ein eigenes Programm möchte, hatte aber nie den richtigen Impuls dazu. 2011 gab es privat eine große Krise, da wäre ich fast nach Indien ausgewandert, weil ich mich dort in einen Guru verliebt habe. Der hatte aber noch andere Frauen und es gab ein Drunter und Drüber und ich hatte meine Existenz hier schon fast aufgegeben, war aber nach einem halben Jahr wieder hier und stand vor dem Nichts, war verzweifelt und dachte: „Nee, jetzt machst Du aus der Not eine Tugend und machst Dein eigenes Programm!“

Waren Sie in der Schule schon immer der Pausenclown?

Nein, überhaupt nicht, schon gar nicht von meiner Sozialisation und so. In meinen Zeugnissen stand immer, daß ich freundlich bin, aber ich war nie die Sprücheklopferin. Das ist eher ein Entwicklungsweg, den ich später zurückgelegt habe. Das war latent zwar immer vorhanden, aber nicht so wie bei anderen.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Ich habe ja mein Chanel-Star (Silvia Doberenz lacht lauthals über ihre scheinbar spontane Antwort)

Nein, Im Ernst: Ich lasse mich von allem inspirieren. Ich habe, glaube ich, so einen bestimmten Blick, wenn ich in Situationen bin. Dann kann ich auch von außen drauf gucken auf die ganze spirituelle Szene. Wenn man drinnen ist und man unterhält sich über Energie und die ganzen Sachen, das ist für einen selber ganz normal. Wenn man aber von draußen drauf schaut, gibt es so viele Sachen, die total witzig sind oder aberwitzig und unsinnig erscheinen. Ich habe mir immer diesen Blick bewahrt, von außen drauf zu schauen.

Silvia Doberenz schreibt ihre Texte selber. Sie ist thematisch vorbelastet, hat viele Yoga-Seminare besucht. Selber ist sie immer noch als Yoga-Lehrerin aktiv, hat ein eigenes Studio, gibt allerdings nur noch zwei Kurse pro Woche, da sie mit ihrem Kabarett-Programm viel unterwegs ist.

Ist Kabarett Ihr Hauptberuf oder die Yoga-Lehre?

Beides. Ich habe eigentlich sogar drei Standbeine, das dritte ist Kommunikationstraining. Ich mache Seminare für Schlagfertigkeit, Körpersprache, Teambildung, aber Kabarett wächst mehr und mehr.

Seit wann bespielen Sie das derzeitige Programm „Erleuchtung für Anfänger“?

Seit Ende 2011.

Wird das Programm ständig verändert oder ist das noch das ursprüngliche Programm, so wie es geschrieben wurde?

Es ist das Erste in der Struktur, aber es hat sich total verändert und gewandelt. Es ist nicht mehr das Programm, mit dem ich angefangen habe. Es kommen auch immer wieder neue Sachen hinzu. Manche Leute kommen 3,4,5 mal in die Vorstellung und freuen sich, weil ich immer wieder neue Sachen mit einbringe.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Ist ein neues Programm in Arbeit?

Doch, ich glaube, daß nächstes Jahr ein neues Programm dran ist.

Kommen dann auch neue Figuren?

Bestimmt, aber ich denke, die Sandra wird wieder mitspielen….

… die hat ja ein gewisses Eigenleben entwickelt. Gibt es reale Vorbilder zu den Figuren?

Nein, nicht daß ich wüßte. Also die Sandra kam einfach so. Ich habe einfach die Kamera angemacht und mich davor gesetzt und angefangen zu improvisieren, dann kam irgendwie so ein Typ, und aus dem hat sie sich entwickelt. Ich glaube aber, sie hat viele Anteile von mir….

…. quasi autobiografisch.

Ja, ja, (wieder dieses sympathisches Lachen, das ansteckend wirkt)

Wäre es eine Option, die Figuren aus dem Programm in kurzen Webvideos oder als Spielfilm zu zeigen?

Gut, daß Sie das ansprechen, da bin ich gerade mit einer Freundin am Diskutieren. Ich würde gerne so kleine Youtube-Filmchen machen, etwa in der Art „Die Erleuchterin rät“ oder „Was würde Sandra machen?“, also Frage/Antwort als Inspiration für den Alltag. Da sind wir dran, aber es ist noch nichts Konkretes.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Wer das Programm gesehen hat, weiß, daß sich die Figur Sandra Sommer von der etwas verklemmten Frau in einen heißen Feger, oder besser gesagt, in eine strenge Domina verwandelt. Obwohl, Sandra als Domina mit Hornbrille ist nicht wirklich angsteinflössend…

Braucht man eigentlich Mut, um im Lack-Leder-Kostüm durchs Publikum zu laufen und darum zu bitten, mal geschlagen zu werden?

Nö, ich genieße das. Ich mag ja diese Gegensätze irgendwie. Allein die Vorstellung, daß es so eine Art Yoga gibt, finde ich selber so lustig, Und da ich es in der Figur der Sandra mache, hat es nicht unbedingt etwas Laszives. Na klar, man sieht es und man sieht mich, aber gleichzeitig ist es die Figur der naiven Sandra, die da was ausprobiert. Das hat immer noch etwas Unschuldiges.

Wie reagiert das Publikum?

Eigentlich so wie heute mit Ah, Uh und Pfiffe. In 80% der Fälle kommen die Leute wie gewünscht auf die Bühne. 20% gibt es, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht erniedrigen lassen wollen.

Hat das schon mal jemand zu wörtlich genommen und fester geschlagen?

Das mit der Peitsche tut nicht weh. Man kann da richtig dolle zuhauen, das klingt auch richtig fest, aber es tut einfach nicht weh.

Für jemand, der bisher nur ein Programm bespielt und noch nicht so lange auf der Kabarettbühne steht, hat „Die Erleuchterin“ schon bemerkenswert viele Fan-Artikel.

Die Merchandising-Artikel, haben Sie sich das selber ausgedacht?

Ich habe schon immer selber Tassen mit Sprüchen bemalt und diese dann gebrannt und verschenkt. Ich mochte schon immer schöne Tassen und dachte, es wäre cool, selber solche Tassen zu haben. Vor eineinhalb Jahren kam die Idee. Ich finde, das ist etwas Sinnvolles. Manchmal bekomme ich auch Rückmeldungen! Die Leute posten dann Fotos mit der Tasse auf meine Seite und freuen sich darüber. Das ist für mich etwas Nachhaltiges!

Gab es denn schon Fernsehanfragen?

Nein, ich habe ehrlich gesagt auch nichts Kurzes. Man braucht ja 5 Minuten, die knallen. Mein Humor funktioniert eher über die Figuren und die Geschichten, der ist nicht gaglastig wie man das von Stand-Up-Comedians gewohnt ist. Ich habe da einen anderen Stil. Das ist nicht so einfach, ihn in solch eine Kürze zu bringen, aber ich arbeite dran. Weil – irgendwann muß auch das Fernsehen erleuchtet werden.

Für einen ganz kurzen Augenblick weicht bei dieser Frage die Fröhlichkeit aus ihrem Gesicht, so als hätte man einen wunden Punkt getroffen. Das ändert sich aber schnell wieder in eine Art Trotzigkeit. Oder ist das Optimismus?

Silvia Doberenz kommt ins Plaudern, amüsiert sich über Olaf Schubert, schwärmt von Dresden und erzählt, warum sie die „helle Seite Deutschlands“ verlassen hat – immer wieder unterbrochen durch dieses herzliche, spontane Lachen!

„Tschüß, Gisela!“ ruft sie einem älteren Paar hinterher, das gerade die Lokalität verlassen will. Gisela heißt nicht Gisela und war noch vor einer Stunde Teil des Programms. „Giselas“ Mann habe während der Vorstellung kaum gelacht, erzählt sie mir. Ich kann sie beruhigen: in der Veranstaltungspause wurde ich Ohrenzeuge, wie er regelrecht geschwärmt hat über das Programm und die Künstlerin. Egal, Silvia Doberenz freut sich für die beiden und ist schon wieder im Gespräch mit dem Rentnerpaar. Im Fußball würde man sagen: Silvia Doberenz geht dahin, wo es weh tut. Soll heißen, sie geht ran an die Menschen, ohne Berührungsängste. Diese Natürlichkeit überrascht durchaus – es gibt Künstler, die öffnen sich nicht mehr als unbedingt notwendig.

Wer weiß, vielleicht funktioniert das mit der Erleuchtung wirklich und wirkt positiv auf einen Menschen. Dann wird es wirklich Zeit, daß „die Erleuchterin“, besser gesagt „die Erleuchtete“ zu den Menschen kommt. Oder die Menschen in ihr Programm gehen, um sich von Vorurteilen zu befreien und überraschen zu lassen. So wie der Autor dieser Zeilen.

Homepage: www.die-erleuchterin.de

Fotos: (C) Thori, 2015

Von Kronen-Chakren und Königssätzen – „Die Erleuchterin“ zu Gast im „Kuckuck“

„Erleuchtung für Anfänger“ – so lautet der Titel des aktuellen Programms der Kabarettisten Silvia Doberenz. Die ausgebildete Yoga-Lehrerin tourt durch die Lande und möchte „aus Armleuchtern Erleuchtete“ machen.

Im Forster „Kuckuck“ traf sie am vergangenen Sonntag auf ein aufgeschlossenes Publikum. Bereits während der „Langen Nacht des Kabaretts“ Ende Februar an gleicher Stelle zeigte sie Ausschnitte des Programms, welches nun diesmal in voller Länge auf die Bühne gebracht wurde.

Doberenz, die auf der „hellen Seite Deutschlands, also im Osten, da wo die Sonne aufgeht“ geboren wurde, begann den Abend mit einem kleinen Rückblick auf ihr Leben in der DDR. Schon damals gab es spirituelle Verhaltens- und Denkensmuster. Die SED, „die spirituelle Einheitspartei Deutschland“, habe schließlich alles unternommen, damit die Bewohner der DDR den Versuchungen des Wohlstandes widerstehen konnten. Auch der Gruß der Jung- und Thälmannpioniere, bekannt als Kronen-Chakra, stelle ein spirituelles Mudra dar. Das ist sogar belegbar und keine Erfindung der Kabarettistin.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Silvia Doberenz schlüpfte danach in ihre Paraderolle der etwas beziehungsgestörten, aber trotzdem liebenswerten Sandra Sommer. Ihre letzte Beziehung zerbrach, weil ER nicht einsehen wollte, daß SIE eine Göttin ist. Als Konsequenz daraus richtete sie ihre Wohnung nach den „Regeln des Sheng Fui“ ein, besucht „Tupperparties, wo sich die Hausfrauen gegenseitig ihre Dosen zeigen“ und führt eine Liebesbeziehung mit sich selbst.

Sandra neueste Entwicklung: aus der Esoterikerin wird eine SM-oterikerin. Dazu bietet Sandra Sommer Kurse im „SM-Yoga“ und zeigte gleich, was damit gemeint ist. Unter dem Gejohle des Publikums verwandelte sich die brave Frau im Blümchenkleid zu einem heißen Vamp in Lack und Leder und mit Peitsche.

Nach der Pause präsentierte Silvia Doberenz den Zuschauern ihre neueste Erfindung: die Karma-Payback-Karte. Männer wie Frauen können in ihren jeweiligen Beziehungen Punkte sammeln, allerdings gibt es auch Abzüge, z.B. fürs Fremdgehen oder wenn ein Partner dem anderen nicht zuhört. Die Höchstpunktzahl gibt es übrigens für den Königssatz des männlichen Zuhörers: „Ja, Schatz, Du hast Recht!“

Als „Bewußtseinserheiterung“ bezeichnet Silvia Doberenz ihr Programm. Begriffe wie Mudra, Chakra oder Karma fallen oft an diesem Abend. Und trotzdem hat der Zuschauer nie das Gefühl, auf einem Esoterik-Trip zu sein. Immer wenn es scheinbar zu spirituell wird, kommt eine Pointe oder eine allgemein verständliche logische Erklärung. Silvia Doberenz gelingt der Spagat, dem Zuschauer ein hochkomplexes, von vielen Menschen belächeltes und mit Vorurteilen belastetes Thema mit Humor nahe zu bringen, ohne in Albernheiten oder in Slapstick-Einlagen abzudriften. Ihre Bühnenfiguren Sandra Sommer, Anandra Chandrakandra oder die lustlose Dolmetscherin Yvonne sind gut beobachtete Charaktere, auch wenn es nach Silvia Doberenz‘ Worten dafür keine realen Vorbilder gibt.

„Sie waren das beste Publikum, daß ich heute hatte!“, verabschiedete sich Silvia Doberenz von den Zuschauern. Gut möglich, daß dem einen oder anderen Gast an diesem Abend ein Licht aufgegangen ist…

Foto: (C) Thori, 2015

Artikel veröffentlicht:

27.04.2015 nl_aktuell
29.04.2015 LR-Logo

 

„SM-Yoga“ und skurrile Typen in der 6. Langen Kabarettnacht

Lachen soll ja bekanntlich gesund sein. Wenn das stimmt, dürften die Besucher der mittlerweile 6. „Langen Nacht des Kabaretts“ für die nächste Zeit geheilt sein. Birgit Hendrischke, Veranstaltungschefin im „Kuckuck“, überraschte wieder Stammgäste und Neueinsteiger mit einem bunten Mix aus politischem und Musikkabarett, Poetry Slam sowie Comedy-Einlagen. Da die Namen der teilnehmenden Künstler vorab nicht bekannt gegeben wurden, wusste das Publikum auch nicht, was es zu erwarten hat. Und so schallten diesmal ungewohnte Melodien durch den Saal und skurrile Typen sorgten auf der Bühne für Jux und Dollerei.

Moderiert wurde die Show vom Potsdamer Kabarett „Schwarze Grütze“, die nicht zum ersten Mal im „Kuckuck“ auftraten. Bereits mit ihrem ersten Titel, der von Herrn Peters und seinem missglückten Suizidversuch handelte, weil der geplante Sprung vom Hochhaus zu einem Medienevent aufgebauscht wurde, gewannen die beiden Musiker das Publikum, das von Anfang an mitging.

„Kommt ein Mann mit einem Frosch auf dem Kopf zum Arzt…“ Wer bisher glaubte, dass es nur eine Variante dieses Witzes gibt, musste sich von „Schwarze Grütze“ eines Besseren belehren lassen. Gefühlte 20 verschiedene Pointen zu diesem Witz hielten die Beiden parat. Und mit Verweis auf ihren Jahreskalender, der 53 Varianten enthält, waren das noch nicht einmal alle.

Andreas „Spider“ Krenzke aus Berlin hat sich dem Poetry Slam verschrieben und las kurze, aber witzige Anekdoten aus seinem Leben vor. So erfuhren die Zuschauer im Saal, woher die „fetten Kevins“ im Berliner Wedding kommen und was es mit „Dick und Doof am Ostseestrand“ auf sich hat.

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Andreas „Spider“ Krenzke

Silvia Doberenz aus der Nähe von Köln trat zum ersten Mal im „Kuckuck“ auf und zeigte Ausschnitte ihres Programmes „Erleuchtung für Anfänger“. Dazu gab sie Tips zum „sinnlosen Glücklichsein“ und wie man jede Menge „Karma Paybackpunkte“ sammeln könnte. Als indische „Erleuchtungsexpertin“ Amanda Chandrakandra erklärte sie dem Publikum den Weg zum inneren Frieden, unterstützt von ihrer lustlosen Dolmetscherin Yvonne (ebenfalls von Silvia Doberenz gespielt).

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Silvia Doberenz

Welche Auswirkungen diese „Bewusstseinserheiterung“ hat, bewies Silvia Doberenz gleich selbst. Mit ekstatischen Bewegungen „tanzte“ sie abwechselnd zu den Rhythmen von Rammstein und Karel Gott.

Erik Lehmann aus Dresden ist ein alter Bekannter. Eine seiner Paradefiguren ist Uwe Wallisch. Der hatte sich bei ALDI im Sonderangebot ein „deutsches Atom-U-Boot der 212er Baureihe mit den Maßen 65 mal 6,5“ für nur 19,95 Euro bestellt. Das würde gut in seine Schrankwand passen. Dumm nur, dass die Zahlenangaben in Meter waren. Jetzt steht auf der Straße vor seinem Haus ein echtes U-Boot und wird täglich von der Politesse mit einem Knöllchen versehen, weil es die Zuwege versperrt. Aber Wallisch hat schon Pläne, was er mit seinem U-Boot macht, welches eigentlich für Griechenland geplant war, aber nicht bezahlt werden konnte. Zuerst wird die älteste Dampfschiff-Flotte der Welt versenkt und anschließend gibt es Rundfahrten auf der Elbe mit ganz ungewöhnlichen Ein- und Ausblicken.

Für große Erheiterung sorgte eine Zuschauerin, die für kurze Zeit den Saal verließ. Erik Lehmann alias Uwe Wallisch unterbrach sein laufendes Programm, machte es sich auf der Bühne bequem und wartete auf die Rückkehr der Zuschauerin, nicht ohne spitze Bemerkungen wegen der ungeplanten Unterbrechung zu machen.

Nach einer kurzen Pause, in der die „Kuckucks“-Küche kleine Snacks vom Buffet anbot, übernahmen „Schwarze Grütze“ wieder das Kommando. Zunächst machten sie sich politisch unkorrekt über die Sprachschwierigkeiten der Chinesen lustig, die statt einem „R“ ein „L“ sprechen. Und so wurde aus einem Liedtext über „Gerd“ dank immer neuer Wortkreationen schnell ein Lied über „Geld“. Anschließend sangen die beiden Kabarettisten ein Loblied auf Ritalin, welches für Ruhe bei ADHS-gestörten Kindern und Rennmäusen sorgt.

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Silvia Doberenz alias Sandra Sommer

Silvia Doberenz philosophierte als ihr alter Ego Sandra Sommer über ihre Beziehung zu sich selbst. Mangels Männern „klappt es bei ihr hinten und vorne nicht“. Das hat aber den Vorteil, dass niemand zu Hause ist, „der nicht zuhört“. Aber ein Leben nur mit Dildo ist auch nicht schön, denn schließlich „könne ein Dildo kein Regal aufbauen!“.

Silvia Doberenz alias Sandra Sommer zeigte dann aber dem Publikum, welche Alternative sie sich erarbeitet hat. Aus der verschüchterten Frau wurde im Handumdrehen ein heißer Vamp. Im Lack-und Leder-Kostüm schritt sie als Domina durchs Publikum und bot einen „SM-Yoga“-Kurs an. Zuschauer Ekki bekam sogar einen Gutschein über 60 Minuten geschenkt, „quasi eine geschlagene Stunde.“

Aus Andreas „Spider“ Krenzkes Mund erfuhren die Zuschauer, wer den Nagelstudio-Boom in Deutschland ausgelöst hat und welche Probleme der Autor mit Bauarbeitern hat, die sein Haus rekonstruieren.

Erik Lehmann nahm die Vorlage dankend auf und schilderte als „Bauleiter“, welche Probleme mit Umweltschützern beim Bau einer Umgehungsstraße entstehen können. Das gipfelt in der Feststellung, dass einen diese „Umwelt-Palästinas“ und „Öko-Taliban“ nicht ernst nehmen, „wenn Du kein Fell hast!“.

Zu diesem Zeitpunkt ging es schon auf Mitternacht zu. Nach einer letzten kurzen Pause traten noch einmal Andreas „Spider“ Krenzke und Erik Lehmann auf. Krenzke schilderte das Schicksal von Jonas, dessen Mutter bei einem Ausflug in die Waldkita vom Bus überfahren wurde. Erik Lehmann dagegen beschwerte sich über den Senioren-Spielplatz, der vor seinem Haus entsteht.

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Dirk Pursche von der „Schwarzen Grütze“

„Schwarze Grütze“ blieb es schließlich vorbehalten, aufs große Finale hinzuleiten. Dazu musste erst „nochmal die Stimmung in den Keller gefahren werden“, denn wenn auf dem Nachhauseweg die Polizei die grinsenden Leute sieht, glaubt die sicherlich an einen kollektiven Drogenrausch. So erklang zum Abschluss ein trauriger Blues, in dem noch einmal deutsche Stimmungs- und Partyhits verballhornt wurden.

Erik Lehmann beschloss den fälligen Zugabenteil, der überwiegend aus dem Erzählen von Lieblingswitzen bestand, mit den Worten: „Kabarett ist schön und gut, aber man muss auch mal einen Witz machen!“

Nach mehr als 5 Stunden endete weit nach Mitternacht die „Lange Nacht des Kabaretts“. Nach Birgit Hendrischkes Rechnung war diese sechste „Lange Nacht“ die bisher längste. Die beteiligten Künstler waren voll des Lobes für die Stimmung im Saal. „Es ist unglaublich, was hier auf die Beine gestellt wird. Die Atmosphäre, das Publikum, die Organisation – alles perfekt“, fasste Silvia Doberenz ihre Eindrücke zusammen. Ihre Erwartungen wie die der anderen Künstler wurden weit überboten. Dazu gehört sicherlich auch, dass die Künstler in ihren Auftrittspausen im Saal blieben und sich die Programmpunkte der Anderen ansahen. Selbst die Gags wurden aufgenommen und in die eigene Vorstellung kurzfristig eingebaut.

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Großes Finale, v.l.n.r.: Erik Lehmann, Silvia Doberenz, Andreas „Spider“ Krenzke, „Schwarze Grütze“
(c) für alle Fotos: Thori, 2015

Schon jetzt wird der Wunsch nach der nächsten langen Kabarettnacht laut. Da das Konzept funktioniert, wird sich Birgit Hendrischke sicherlich ab sofort schon wieder Gedanken machen, mit welchen Künstlern sie ihre Gäste im nächsten Jahr überrascht.

Artikel veröffentlicht:
03.03.2015 LR-Logo