Auf dem Lausitzring wartet auch 2017 wieder jede Menge Spektakel

Einen Rückblick auf die vergangene Rennsaison sowie einen Ausblick auf die Höhepunkte 2017 am Lausitzring gaben am Dienstag Veranstalter, Ausrichter und erfolgreiche Sportler auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Josef Meier, geschäftsführender Gesellschafter der Eurospeedway Verwaltungs GmbH, bezeichnete die abgelaufene Saison als die zweiterfolgreichste in der Geschichte des Rings. Das Motorsport-Festival sowie das Red Bull Air Race waren die Publikumsmagneten 2016. Daran wollen die Lausitzring-Betreiber sowie der ADAC Berlin-Brandenburg als Ausrichter auch in diesem Jahr anknüpfen.

Bernd Barig, Vorstand Sport beim ADAC Berlin-Brandenburg e.V., und Thomas Voss, Leiter Motorsport & Klassik beim ADAC München, freuen sich schon auf das diesjährige Motorsportfestival vom 19. – 21. Mai. Mit dem Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) und dem ADAC GT Masters gastieren die beiden wichtigsten nationalen Motorsportmeisterschaften an einem Wochenende in der Lausitz. „Das Motorsportfestival ist nach dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring die zweitgrößte Automobil-Veranstaltung in Deutschland“, verrät Thomas Voss. Aus den Erfahrungen der Premierenveranstaltung 2016 habe man viel gelernt, was man in diesem Jahr besser machen kann. Allerdings wird 2017 die Superbike*IDM, Deutschlands wichtigste Motorradrennsportserie, nicht mehr dabei sein. „Wir haben uns bemüht, wieder Zwei- und Vierräder an den Start zu bringen, allerdings haben die Verantwortlichen der Superbike*IDM abgelehnt!“, bedauert Voss.

Für Peter Mücke, Teamchef BWT Mücke Motorsport (Berlin), ist das Motorsportfestival das Heimrennen schlechthin. Erstmalig wird BWT Mücke Motorsport 3 Fahrzeuge im ADAC GT Masters in den Kampf um die Meisterschaft schicken. Getreu seiner Firmenphilosophie, junge talentierte Fahrer weiter auszubilden, vertraut Peter Mücke dem 17jährigen Mike David Ortmann aus Berlin ein Rennfahrzeug an. „Mike hat in der Formel 4 gezeigt, was er drauf hat. Normalerweise steigt man dann in die Formel 3 auf, aber wir überspringen eine Klasse. Es war Zeit, den nächsten Schritt zu machen!“, so Peter Mücke auf der Pressekonferenz.

Teamchef Peter Mücke

Für die Zweirad-Fans dürfte das Wochenende vom 18.-20. August interessant werden, wenn der deutsche Lauf zur Superbike-Weltmeisterschaft auf dem Lausitzring stattfindet. Gleich zwei Piloten aus Deutschland gehen in dieser Rennsportserie an den Start. Neben dem Bayer Markus Reiterberger (Althea BMW Racing Team) dürfte vorallem Stefan Bradl (Red Bull Honda World Superbike Team) viele Zuschauer anlocken. Der ehemalige Moto2-Weltmeister fährt 2017 in der Superbike-Weltmeisterschaft und freut sich wie Reiterberger auf sein „Heim“-Rennen: „Ich bin gespannt, was mich hier in der Lausitz erwartet und hoffe auf viele Fans, die uns unterstützen!“

Für Matthias Dolderer, Pilot des Red Bull Air Race im Team MD 21 und amtierender Weltmeister der weltweit schnellsten Rennsportserie, machen genau die Fans auf dem Lausitzring den Unterschied zu anderen Rennstrecken aus. „Dadurch, dass die Hangars quasi gegenüber der Zuschauertribüne sind, können wir im Gegensatz zu anderen Strecken die Atmosphäre viel intensiver aufsaugen. Wir sehen und hören das Publikum, was woanders nicht der Fall ist“, schwärmt Dolderer.

Am 16. und 17. September gastiert das Red Bull Air Race in der Lausitz. Es ist der vorletzte WM-Lauf und die letzte Station, bevor der Rennzirkus weiter nach Indianapolis (USA) weiter zieht. Zu gerne würde Dolderer auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung zuvor auch sein Heimrennen gewinnen.

Air-Race-Weltmeister Matthias Dolderer sowie die beiden Superbike-Piloten Stefan Bradl und Markus Reiterberger stimmen sich schon mal auf den Lausitzring ein.

Wer es lieber so richtig schmutzig mag, kommt beim Extremhindernislauf Tough Mudder am 09. und 10. September auf seine Kosten. Auf 18 km Länge entsteht auf dem Gelände des Lausitzrings der härteste Abenteuerspielplatz für Erwachsene: Schlamm, 40 Tonnen Eis und mehr als 20 extreme Hindernisse sind die Zutaten für „das härteste Event der Welt“ und bringen jeden Teilnehmer an seine physischen und psychischen Grenzen.

Den kompletten Rennkalender und weitere Infos, u.a. auch zum Ticketverkauf, gibt es unter www.lausitzring.de.

v.l.n.r.: Jesef Meier, Teammitglied Mücke Motorsport, Bernd Barig, Mike David Ortmann, Thomas Voss, Peter Mücke, Stefan Bradl, Markus Reiterberger, Matthias Dolderer

Ein Teenager auf dem Weg an die Spitze – der Berliner Mike Ortmann und das Abenteuer Formel 4

Wo bitte geht es zur Box vom Team „Mücke Motorsport“? Die riesige Freifläche auf der Rückseite der Boxengasse des Lausitzrings ist ein einziger großer Stellplatz: Trucks, Zelte, Wohnwagen stehen schön nebeneinander wie in einer Wagenburg aufgereiht. Hier irgendwo bin ich auf der Suche nach Mike David Ortmann. Der 16jährige Berliner fährt in der Formel 4, der Nachwuchsklasse des ADAC für Formelrennwagen.

Ich frage mich bei den Mechanikern in ihren orangenen Shirts durch; Teamchef Peter Mücke gibt mir den Tip, es mal in der Kommandozentrale des Teams zu versuchen. Dort treffe ich endlich auf meinen Gesprächspartner. Entspannt, mit herunterhängendem Rennoverall sitzt Mike vor einem Monitor und lauscht den Ausführungen seines Renningenieurs. Das Ziel für das anstehende Rennwochenende ist klar: „Drei Podiumsplätze wären schön“, sagt Mike. Damit wäre er weiterhin im Titelrennen.

7_Mike Ortmann_(c)Thoralf HaßMike Ortmann ist ein ruhiger Typ, der trotz seiner jungen Jahre schon professionell Motorsport betreibt. Vor der Box steht für die vorbei flanierenden Fans ein Aufsteller mit Autogrammkarten, Postern und Fähnchen – der Kontakt zu den Fans ist wichtig. Das zeigt sich auch, wenn Mike durch das Fahrerlager geht: immer wieder bitten junge Mädels um Mikes Unterschrift oder ein Foto.

Seine Leidenschaft zum Motorsport entwickelte sich schon frühzeitig: „Angefangen hat es 2009, als wir an einem Kindergeburtstag Kartfahren waren.“, erinnert sich Mike an seine Anfänge zurück. Die Faszination Motorsport ließ ihn danach nicht mehr los. Schnell stellten sich erste Erfolge ein – so gewann er zweimal den Bundesendlauf im Kartsport und wurde Dritter im ADAC Kart Masters.

Der damalige Betreiber seiner Internetseite lud Mike Ortmann auf den Lausitzring ein und stellte ihm Peter Mücke, Teamchef von „Mücke Motorsport“, vor. Nach erfolgreich verlaufenen Tests im Simulator und auf der Rennpiste unterschrieb Mike Ortmann im Oktober 2014 bei „Mücke Motorsport“, einem der führenden Rennställe in Deutschland, wenn es um die Ausbildung hoffnungsvoller Talente geht, und wechselte vom Kart- in den Formelrennsport in die ADAC Formel 4. „Das Besondere an der Formel 4 ist, dass alle Fahrer das gleiche Material haben, von der Motorleistung bis zum Chassis. Es kommt also nur auf den Fahrer an, wie erfolgreich ein Rennen verläuft!“, erklärt der Berliner. In seiner ersten Saison wurde er auf Anhieb Zweiter in der Rookie-Wertung, also zweitbester Neuling.

Peter Mücke sagt über Ortmann: „Mike ist ein dufter Junge, das ist das Wichtigste. Er ist über den Winter fahrerisch sehr gereift und mental sehr stark. Und er ist einer der besten Überholer, die ich kenne.“

Auf seiner Hausstrecke, dem Lausitzring, läuft es jedoch weniger gut. Im ersten Rennen nur Platz 9, im zweiten Lauf wird seine Aufholjagd durch Safty-Car-Phasen immer wieder unterbrochen und es reicht nur zu Platz 4.4_Mike Ortmann in der Startaufstellung_(c)Thoralf Haß

Seine Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnissen an diesem Wochenende sieht man ihm an. Doch viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, der Zeitplan ist dicht gedrängt. Zur Autogrammstunde sieht man ihn schon wieder lachen und er beantwortet nebenbei geduldig die Fragen des Moderators.6_Mike Ortmann im Interview_(c)Thoralf Haß

Wer sich mit Mike Ortmann unterhält, merkt schnell, da ist jemand, der für seinen Sport lebt. Klar hat er den Wunsch, mal in die Formel 1 zu wechseln. „Man muss dabei aber beobachten, welcher Weg ist realistisch und sich auch eingestehen, wenn es am Ende nicht reicht. Wir schauen einfach von Jahr zu Jahr. Auf jeden Fall will ich weiter Motorsport betreiben!“, sagt Mike.

Sagt’s und ist schon wieder auf das nächste Rennen fokussiert. Wenig später verlässt er die schützende Wagenburg und geht völlig unaufgeregt zum Vorstart, als wäre es das Normalste dieser Welt. Dabei wird er sich gleich in einen Rennboliden setzen und vor den Augen seiner angereisten Fanclubs mit fast 200 km/h über die Piste jagen – links und rechts flankiert von rund 20 weiteren jungen Wilden….

Endlich kann er sein Potential zeigen, führt bis zwei Runden vor Schluss und wird am Ende doch nur Dritter. Während er mit Regenreifen auf der langsam trockener werdenden Strecke blieb, stellten seine Konkurrenten auf Slicks um und konnten ihn kurz vom dem Ziel noch überholen.

(c) für alle Fotos: Thori, 2016