„Alte Hasen“ und Neueinsteiger beim Trainings- und Schnuppertag auf dem Halbendorfer See

Gemeinsam mit dem ADAC Berlin-Brandenburg organisierte der ADAC Sachsen am 23. April auf dem Halbendorfer See das jährliche Frühjahrstraining für Motorrennboote aller Klassen.

12 Piloten aus mehreren Bundesländern nutzten die Gelegenheit, ihre Rennboote fit für die neue Saison zu machen und neue Bauteile zu testen. So konnten die Schaulustigen Boote der Renn-Klassen O-125, O-250, O-350, F-500 und des ADAC Masters erleben. Auch die Classic-Boote waren mit 5 Teilnehmern stark vertreten. Classic-Boote sind historische Rennboote, die heutzutage nur noch auf Showveranstaltungen zu erleben sind.2016-04-21__(c)-Thoralf Hass_10

„Wir haben hier die Möglichkeit, nach der Winterpause erstmals unsere Boote wieder zu Wasser zu lassen. Die Gegebenheiten hier vor Ort und auch die Strecke sind für solche Trainingstage nahezu ideal!“, verrät der Berliner Karsten Kluge, der in der Vergangenheit schon EM- und Vize-EM-Titel in verschiedenen Klassen gewann. Auf dem Halbendorfer See sorgte sein Rennboot der Klasse F-500 für Aufsehen bei den wenigen Zuschauern. Mit 180 PS und Höchstgeschwindigkeiten bis zu 180 km/h jagte Kluge über den See.

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180 PS, ca. 180 km/h, 220 kg schwer, 13800 U/min, 500 ccm
Karsten Kluge in seinem F-500

Fast ebenso schnell war Roman Schnaider aus Vockerode (Sachsen-Anhalt) mit seinem 35 Jahre alten Oldtimer. Er pilotierte ein Originalboot von Motorboot-Legende Bernhard Danisch. Die Danisch-Boote eroberten in den 70er und 80er Jahren mehrere WM-und EM-Titel und stellten Geschwindigkeitsweltrekorde auf.

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zum Vergleich ein historisches 500er Boot: ca. 130 PS, etwa 150 km/h schnell, 12500 U/min
Roman Schnaider (3.v.r.) mit einem Boot von Bernhard Danisch

Motorbootrennsport hat in der Lausitz eine lange Tradition. Neben Halbendorf gab es in der Vergangenheit Rennen auf dem Schwielochsee, dem Partwitzer See und auf der Talsperre Spremberg.

Ein paar Unentwegte versuchen seit Jahren mehr oder weniger vergebens, diese Tradition aufrecht zu erhalten. Mit dem Halbendorfer See fand man 2011 ein Terrain, daß internationalen Ansprüchen genügte. Nach 3 Internationalen Rennen war schon wieder Schluß: Der Bau der neuen Wasserski-Anlage sorgte dafür, daß der Kurs verkürzt werden mußte. Damit sind hier zukünftig keine Rennen mehr möglich.

Überhaupt wird es für Veranstalter immer schwerer, geeignete Strecken zu finden. Hans Joachim Gleffe vom Motor-Rennboot-Club Berlin e.V. gehört zu denen, die den Motorbootrennsport am Leben erhalten wollen. Gerade die Lausitz mit ihren vielen Gewässern bietet sich an. „Wir wollten auf dem Bärwalder See ein Rennen etablieren, waren mit den Planungen schon weit vorangeschritten. Allerdings waren unsere Ansprechpartner nicht so zuverlässig, wie man das für solch eine Veranstaltung erwarten muß. Und ohne zuverlässige Partner kann man ein solches Rennwochenende nicht alleine organisieren und finanzieren.“, verrät Gleffe die Probleme. Auch der Plan, das Rennen auf dem Spremberger Stausee wiederzubeleben, scheiterte an einer einzigen Unterschrift.

Ein weiteres Problem für den deutschen Motorbootrennsport ist der Nachwuchs. Es gibt zu wenige junge Fahrer. Der ADAC geht deshalb neue Wege. Neben dem offiziellen Training für die erfahrenen Piloten gab es auf dem Halbendorfer See einen Schnupperkurs für Kinder und Jugendliche. Mit der Klasse GT-15 hat der ADAC eine Einsteigerklasse etabliert, in der man mit 10 Jahren erste Rennerfahrungen sammeln kann. Sieben mutige Kinder, u.a. aus Berlin, Magdeburg und Krauschwitz, nahmen in einem Rennboot Platz und ließen sich von Volker Lewalter, Instrukteur beim ADAC Hessen/Thüringen, einweisen. Nach einer kurzen Sitzprobe und Trockenübungen ging es für die Steppkes das erste Mal aufs Wasser.

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Volker Lewalter bei der Einweisung

Yvonne König

Yvonne König, hier beim Motorbootrennen in Berlin-Grünau 2015

Fachliche Hilfe für die Kleinen gab es von Yvonne König, mit einem Vizeweltmeistertitel und Erfahrungen in der Formel-2 eine der aktuell besten deutschen Motorbootfahrerinnen. „Ich hatte mit 14 Jahren meinen Einstieg in den Rennsport, allerdings war damals das Mindestalter höher gesetzt.“, erinnert sie sich an ihre eigenen Anfänge. „Mit der GT-15 ist der ADAC auf einem guten Weg. Die Boote sind sehr sicher und die Kleinen können hier das Rennsport-Einmaleins lernen!“, freut sich Yvonne König über die Begeisterung der Jüngsten. Ob auf dem Halbendorfer See die Karriere eines zukünftigen Weltmeisters begann, wird die Zukunft zeigen.

Wer die historischen Rennboote einmal im Einsatz sehen will, hat am 13. August in Goyatz auf dem Kleinen Schwielochsee sowie am 20.August in Eisenhüttenstadt auf dem Oder-Spree-Kanal die Gelegenheit.

An letzten August-Wochenende findet in Berlin-Grünau auf der Regattastrecke ein WM-Lauf der F4 statt.

(c) für alle Fotos: Thori, 2015 & 2016