Der „Floh vom Fichtelberg“ landete in Forst

Zur 24. Ausgabe seiner beliebten Reihe „Talk im Pavillon“ konnte Moderator Lutz Hoff am vergangenen Freitag den mehrfachen Olympiasieger und Weltmeister Jens Weißflog begrüßen. Und weil die Kartennachfrage so groß war, gab es jeweils eine Gesprächsrunde am Nachmittag und am Abend.

Noch immer schlank und rank wie zu seinen besten Wettkampfzeiten und gut gelaunt plauderte Jens Weißflog über seine Anfänge als Skispringer, über Siege und bittere Niederlagen und kleine Anekdoten aus seinem Leben. So habe er nach seinem Karriereende kaum abtrainieren müssen: „Immer, wenn mein Körper nach Belastung gerufen hat, bin ich im Winter vor das Haus gegangen und habe Schnee geschippt!“.

Schon als 6jähriger unternahm der in Plöha im Erzgebirge aufgewachsene Steppke seine ersten Sprungversuche, damals auf einer 20-Meter-Schanze. Sein Talent und seine körperlichen Voraussetzungen zeigten recht schnell, wohin der Weg gehen sollte. „Ich wäre angesichts meiner Größe ein schlechter Basketballer geworden“, scherzte Jens Weißflog. Seine Trainer wollten eigentlich aus ihm einen Nordischen Kombinierer machen, doch dem kleinen Jens war das Ski-Laufen zu anstrengend.

Mit 15 Jahren durfte er erstmals bei der DDR-Nationalmannschaft mittrainieren, mit 16 nahm er zum ersten Mal an der Vierschanzentournee teil. Es wurden junge Sportler benötigt, denn die „alten Hasen“ wurden bei den Olympischen Winterspielen 1980 „nur“ Zweite, was den DDR-Sportfunktionären gar nicht passte.

Überhaupt hatte Jens Weißflog so seine Erfahrungen mit der DDR-Sportführung in Person von Manfred Ewald gemacht. Nach seinem ersten Olympiasieg 1984 in Sarajevo durfte Jens Weißflog sehr medienwirksam gemeinsam mit Katarina Witt bei der Rückkehr der Olympiamannschaft als Erster wieder deutschen Boden betreten. Vier Jahre später, nach verkorksten Olympiawettkämpfen mit mittelmäßigen Platzierungen, musste Jens Weißflog erfahren, dass frühere Erfolge nichts Wert sein können. Während Kati Witt wieder als Erste aus dem Flugzeug stieg, kam Jens Weißflog kaum beachtet als Letzter. „Niederlagen machen die Erfolge wertvoller!“, resümiert Weißflog im Nachhinein.

Mit der politischen Wende in der DDR stand der DDR-Sport plötzlich vor der Frage, wie es denn nun weiterginge. Während der Osten hochkomplex strukturiert war, war der Westen nur mittelmäßig erfolgreich. Weißflog musste sich neu organisieren. Dabei halfen ihm sein Name und seine bisherigen Erfolge. Franz Thoma, der Vater von Weißflogs damaligem westdeutschen Konkurrenten Dieter Thoma, vermittelte ihm einen gut dotierten Sponsorenvertrag. „Auf dem Pissoir im Hotel ‚Adler‘ in Hinterzarten stand Franz Thoma plötzlich neben mir und überraschte mich mit der Nachricht.“, amüsiert sich Jens Weißflog noch heute über die Begebenheit.

Die nächste Herausforderung sollte nicht lange auf sich warten lassen. Der V-Sprungstil setzte sich zunehmend durch. Weißflog, der einer der stilistisch besten Parallelspringer war, sprang plötzlich nur noch hinterher. Wollte er weiter in der Weltspitze mitspringen, musste auch er sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Doch es funktionierte zunächst nicht. Das „V“ war immer nur ein halbes „V“, der linke Ski ließ sich einfach nicht nach außen stellen. „Eine reine Kopf-Frage“, wie Jens Weißflog verrät. Erst ein Zufall brachte ihn zurück in die Erfolgsspur. Bei Trainingssprüngen auf der Oberhofer Schanze am Kanzlersgrund sorgte die tief stehende, untergehende Abendsonne für kurze Zeit für den Effekt, dass die Springer während des Fluges ihren eigenen Schatten auf dem Sprunghügel sahen. So konnte Jens Weißflog noch in der Luft seine Haltung anhand seines Schattenbildes korrigieren.

Nach wiedermal erfolglosen Weltmeisterschaften 1993 bezeichnete die BILD-Zeitung die einst so erfolgreichen deutschen „Adler“ nur noch als „Brathühner“ – ein Vergleich, der weh tat. Weißflog wechselte das Material, probierte eine bis dahin völlig neue Ski-Bindung aus. „Ich hatte plötzlich ein komplett neues Fluggefühl, war fast unschlagbar und nahm den damals überragend springenden Österreichern mehrere Meter ab.“ Den Lohn gab es 1994, als Jens Weißflog erneut Olympiasieger, diesmal im V-Stil, wurde. Da machte sich Genugtuung breit gegenüber allen Kritikern, die ihn bereits abgeschrieben oder als „Brathuhn“ bezeichnet hatten.

Nach seinem Karriereende eröffnete Weißflog in Oberwiesenthal 1996 ein Hotel. Immer wieder kämen Touristen, die sich an den Fenstern die Nase platt drücken, sich allerdings angesichts des berühmten Namens nicht ins Haus trauen. Umso erstaunter sind die Besucher dann, wenn der Hausherr die Türen öffnet und die Gäste freundlich hineinbittet. Mit seiner Berühmtheit hat der „Floh vom Fichtelberg“, wie er zu seiner aktiven Zeit immer betitelt wurde, ohnehin keine Probleme. „Man muss dankbar sein, dass man 22 Jahre nach dem Karriereende immer noch in so guter Erinnerung bei den Menschen ist!“

Auch für Diana Sonntag, der Inhaberin des Pavillon „Genuss & Kunst“, in dem die Gespräche regelmäßig stattfinden, hat der Publikumsliebling lobende Worte parat: „Andere bieten nur Schnitzel an, Diana bietet Schnitzel mit Unterhaltung!“

Die Zuhörer im ausverkauften Pavillon lauschten aufmerksam den vielen kleinen Episoden, die Lutz Hoff seinem Gegenüber entlocken konnte. Noch mehr Geschichte(n) zu Jens Weißflog gibt es in einem gleichlautenden Buch, welches bei der anschließenden Autogrammstunde käuflich erworben werden konnte und von Jens Weißflog Gast signiert wurde.

Berliner „Tatort“-Kommissar singt mit Forster Publikum

Der Schauspieler Ernst-Georg Schwill war zu Gast im Pavillon „Genuß und Kunst“ und stand beim „Talk im Pavillon“ Moderator Lutz Hoff Rede und Antwort. Einen ausführlichen Bericht von der Veranstaltung gibt es auf meinem Filmblog.

Moderator Lutz Hoff (links) und Ernst-Georg Schwill

Ein freischaffender Rentner in Forst

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, dachten sich Diana Sonntag, Inhaberin des Pavillon „Genuss & Kunst“ sowie Moderator Lutz Hoff, als sie für ihre populäre Reihe „Talk im Pavillon“ den beliebten Schauspieler Jaecki Schwarz erneut einluden. Ursprünglich war seine Gesprächsrunde schon Mitte Februar geplant, doch damals musste Jaecki Schwarz krankheitsbedingt passen. Sein Freund und Schauspielkollege Wolfgang Winkler sprang kurzfristig für ihn ein.

Diesmal klappte es nun, auch wenn Diana Sonntag gleich am ersten der zwei Gesprächs-Nachmittage als Krankenschwester aushelfen mußte. Eine Wespe hatte in der Pause in des Schauspielers Finger gestochen. Dank vieler gleichlautender Tipps der Besucher („Zwiebel drauf!“) konnte die Veranstaltung mit zwischenzeitlichen „Behandlungspausen“, die alle Seiten mit viel Humor nahmen, zu einem glücklichen Ende geführt werden.

An den zwei Nachmittagen stand also diesmal „Polizeiruf“-Kommissar Schmücke Rede und Antwort und gab Auskunft über sein langes Schauspielerleben. In Ostdeutschland gehört der Berliner mit seiner herzlichen Art längst zu den Publikumslieblingen. „Letztens hat mich einer auf der Straße erkannt und gesagt, er hätte im Fernsehen gesehen, wie ich wieder was verhökert hätte“, amüsierte sich Jaecki Schwarz. Gemeint war seine Rolle als „Sputnik“ in der ZDF-Krimiserie „Ein starkes Team“. Schwarz spielt darin einen ehemaligen Volkspolizisten, der nach der Wende nicht in den bundesdeutschen Polizeidienst übernommen wurde und sich nun mit den irrwitzigsten Jobs über Wasser hält und überall das große Geschäft wittert. „Die witzigen Dialoge zwischen Florian Martens, der in der Serie den Otto spielt, und mir entstehen meist in den Drehpausen, weil wir viel Spaß miteinander haben“, erinnert sich Jaecki Schwarz und gab gleich mal ein paar Beispiele zum Besten. Auch von Maja Maranow, die viele Jahre in der Serie mitspielte und vor einiger Zeit verstorben ist, schwärmt Schwarz immer noch: “Ich dachte anfangs, die kommt auch aus dem Osten, weil sie so ein dufter Kumpel war“.

Angefangen hat die Schauspielkarriere des heute 72jährigen bereits während der Schulzeit. Dort gründete er mit anderen Schülern eine Laienspielgruppe. Später studierte er an der Filmhochschule in Babelsberg. Im zweiten Studienjahr wurde er von Konrad Wolf für den Film „Ich war neunzehn“ entdeckt und schaffte gleich mit seiner ersten großen Filmrolle den Durchbruch. „Das Museum of Modern Art in New York hat diesen Film zu den 100 wichtigsten Filmen der Filmgeschichte gekürt!“, sagt Jaecki Schwarz voller Stolz. Das Erfolgsgeheimnis dieses Films sei dessen Schnörkelosigkeit, „Der Film ist ehrlich gemacht, ohne zu heroisieren.“

Nach dem Studium ging Jaecki Schwarz 1974 ans „Berliner Ensemble“, wo er bis 1997 festes Ensemblemitglied war. „Eigentlich wollte ich ans Deutsche Theater, aber das BE durfte regelmäßig im Westen auftreten.“ Den Gedanken, einfach „Drüben“ zu bleiben, hatte Jaecki Schwarz nie. Er habe bei den Tourneen recht schnell erkannt, dass der Westen doch nicht so goldig war wie er immer angepriesen wurde. Einen Kulturschock habe er jedenfalls nicht bekommen.

Nach Unzufriedenheit mit den damaligen Verhältnissen und der Intendanz am „Berliner Ensemble“ kündigte Schwarz 1997 und war fortan freiberuflich als Künstler unterwegs. Zu seinem großen Glück begann 1996 fast zeitgleich seine Karriere als Hauptkommissar Schmücke in den „Polizeiruf 110“-Folgen, die ihn gesamtdeutsch bekannt machte. 17 Jahre lang, in 50 Folgen, ermittelten er und Wolfgang Winkler gemeinsam. „Wir waren nicht die Kommissare, die ballernd hinter den Ganoven her rannten. Dafür hatten wir unsere junge Kollegin.“ Das Aus für die beiden Herberts (so die Rollennamen) bahnte sich an, „als wir vom MDR zu einem Essen eingeladen wurden. Wir ahnten was kommt und sind trotzdem zum Essen gefahren.“

Groll hegt Jaecki Schwarz keinen. Dafür sei er viel zu sehr ein Gemütsmensch. Er bezeichnet sich mittlerweile als „freischaffenden Rentner“ und sieht sich lieber die Welt an. Mit Franziska Troegner geht er hin und wieder auf Lesereise oder erinnert sich in Gesprächsrunden wie in Forst an lustige Anekdoten aus seinem langen Berufsleben. Etwa die von den Dreharbeiten in Babelsberg zu „Lotte in Weimar“ mit Weltstar Lilli Palmer. „Für Frau Palmer baute man extra auf dem Gelände einen Verschlag mit Campingklo, damit sie nicht jedesmal nach Westberlin fahren mußte, wenn sie mal mußte. Wir anderen Schauspieler haben uns mit siffigen Kabinen zufrieden gegeben, da saß bestimmt schon Hans Albers drin.“

Es ist diese Art von Humor, die beim Publikum ankommt. Jaecki Schwarz mischt sich bei den Filmeinspielern unters Publikum; sorgt sich, ob auch alle in den hinteren Reihen was sehen und witzelt in der anschließenden Autogrammstunde mit den Gästen. Er nimmt sich selber nicht so wichtig, erinnert immer wieder an seine ostdeutsche Herkunft, macht sich über (West-)Kollegen lustig, die meinen, etwas Besseres zu sein.

Und wer weiß, vielleicht zieht es ihn auch irgendwann mal wieder nach Forst. Nimmt man bei der Ansage das Kopfnicken im Saal als Zustimmung, hätten die Forster sicherlich nichts dagegen einzuwenden. Und Geschichten und Anekdoten gibt es ganz bestimmt auch noch genügend zu erzählen.

Serienstar Wolfgang Winkler vertritt seinen Freund im Pavillon

Der 15. „Talk im Pavillon“ sorgte einen Tag vor Beginn der Veranstaltung bei „Pavillon“-Inhaberin Diana Podlesch und Moderator Lutz Hoff für hektische Betriebsamkeit. „Ich war schon auf dem Weg nach Forst, als mich Jaecki Schwarz anrief und die Veranstaltung wegen Krankheit absagen mußte“, verriet Lutz Hoff. Doch Dank seiner guten Kontakte in der Unterhaltungsbranche konnte er kurzfristig mit Jaecki Schwarz’s Freund und Kollegen Wolfgang Winkler einen ebenbürtigen Ersatz gewinnen. Für Diana Podlesch bedeutete das, dass sie alle Kartenbesitzer über die Planänderung informieren mußte. Zu ihrer Erleichterung waren alle Gäste auch auf den neuen Gast neugierig und wollten ihre Karten nicht zurückgeben.

So erfuhren die Zuschauer im ausverkauften Pavillon „Genuss und Kunst“, dass Wolfgang Winkler Lausitzer Wurzel hat. 1943 wurde er in Görlitz in der Oberlausitz geboren und machte in Hoyerswerda seine Lehre zum Lokführer.

Zur Schauspielerei kam Wolfgang Winkler durch seine spätere Schauspielkollegin Friederike Aust. Die war in der Parallelklasse und Mitglied in einer Laientheatergruppe. Der junge Wolfgang fand es eine gute Idee, ebenfalls in diese Laienspielgruppe einzutreten, um so Friederikes Herz erobern zu können. Mit der Liebschaft klappte es zwar nicht („Geknutscht haben wir schon!“), dafür bei Beiden mit der Schauspielerei.
1962 bewarb sich Wolfgang Winkler an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg und wurde auf Anhieb genommen. Seine Mitstudenten hießen u.a. Carmen-Maja Antoni, Petra Kelling und Walter Nickel. „Carmen-Maja war damals der Star in unserer Klasse“, erinnert sich Winkler.

Nach dem Studium ging Wolfgang Winkler zurück ans Görlitzer Theater und machte gleichzeitig erste Erfahrungen beim Film. Bei den Dreharbeiten zu Konrad Wolfs Film „Ich war 19“ traf er auf jenen Mann, der ihm seitdem ein guter Freund geworden ist: Jaecki Schwarz. „Jaecki bekam die Hauptrolle, ich wurde gleich nach dem Vorspann erschossen“, witzelt Winkler über den Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Mit dem Verbotsfilm „Das Kaninchen bin ich“ stieg schließlich auch Winklers Bekanntheitsgrad.

20 Jahre lang spielte Wolfgang Winkler am Theater in Halle. 1996 folgte jene Fernsehrolle, mit der er auch heute noch in Verbindung gebracht wird: im „Polizeiruf 110“ spielten er und Jaecki Schwarz das Ermittlerduo Schneider und Schmücke. Bis 2013 entstanden insgesamt 50 Folgen. Wolfgang Winkler gab den Zuschauern im Pavillon einige Anekdoten von den Dreharbeiten zu Gehör. „Wir teilten uns am Set einen Wohnwagen. Die Frotzeleien mit Jaecki vor dem Dreh schafften es manchmal ins Drehbuch“.
Der 300. Polizeiruf wird Wolfgang Winkler besonders in Erinnerung bleiben. Er brach sich nach Abschluß der Dreharbeiten beide Oberschenkel gleichzeitig. Ein Erlebnis, dass er als Zwölfjähriger schon einmal hatte. „Ich bin wahrscheinlich der einzige Schauspieler, der sich viermal die Oberschenkel gebrochen hat“, scherzte Winkler.

Mit der Popularität hat er dagegen keine Schwierigkeit. „Man ergreift ja den Schauspielberuf nicht, um unerkannt zu bleiben. Wir Schauspieler sind schon eitel!“, stellt der siebenfache Opa, der in zweiter Ehe verheiratet ist, lachend fest.

Wie zum Beweis wird Wolfgang Winkler nach der Veranstaltung beim Verlassen des Pavillons von einem zufällig vorbeikommenden Passanten angesprochen, dem das Gesicht seines Gegenübers irgendwie aus dem Fernsehen bekannt vorkommt. Wolfgang Winkler druckst ein wenig herum und hilft vergebens mit Begriffen wie „Schauspieler“ und „Polizeiruf“ dem Mann auf die Sprünge. Erst auf ausdrückliche Nachfrage verrät er seinen Namen.

Der ausgefallene Termin mit Jaecki Schwarz wird im September nachgeholt. Wolfgang Winkler ist demnächst im ERSTEN zu sehen, wenn die „Rentnercops“ im Vorabendprogramm wiederholt werden. Für den Herbst sind neue Folgen der beliebten Serie angekündigt.

„In aller Freundschaft“ mit einem Fernsehliebling

Zur neunten Ausgabe des „Talks im Pavillon“ durften die Zuschauer einen echten Fernsehliebling begrüßen: Uta Schorn, bekannt aus Serien wie „Bereitschaft Dr. Federau“ oder „In aller Freundschaft“, plauderte gutgelaunt mit Moderator Lutz Hoff („Schätzen Sie mal“) und gab Einblicke in ihr vielseitiges künstlerisches Schaffen.

Dabei hatte Pavillon-Inhaberin Diana Podlesch zunächst angesichts der Wetterlage Sorge, dass die Veranstaltung ausfallen könnte: „Nach der Sturmnacht war ich darauf vorbereitet, dass Frau Schorn anruft und absagt. Das hätte mir einen Telefon-Sonntag eingebracht, bei dem ich allen Gästen die schlechte Nachricht hätte mitteilen müssen.. Es kam dann tatsächlich auch ein Anruf: ‚Ich bin schon da!‘, meldete sich Frau Schorn.“, erzählte eine erleichterte Diana Podlesch zur Begrüßung.

Derzeit spielt Uta Schorn an der Comödie Dresden neben Renate Blume, Ursula Karusseit, Angelika Mann, Walfriede Schmidt und Viktoria Brams in „Kalendergirls“ nach dem gleichnamigen Film. Einem gesamtdeutschen Publikum wurde sie bekannt durch ihre Rolle der Chefsekretärin Barbara Grigoleit in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“. „Meine Agentin hat den MDR so lange genervt, bis man mir eine Rolle schrieb“, schilderte Uta Schorn schmunzelnd, wie sie an die Rolle kam.

Nach 15 Jahren wurde ihre Figur aus der Serie geschrieben. Die Kollegen der „Sachsenklinik“ erstellten für Uta Schorn als Abschiedsgeschenk einen Film mit den schönsten Szenen.

Amüsiert und in Erinnerung schwelgend verfolgten die Zuschauer im „Pavillon“ noch einmal witzige und traurige Momente von und mit Barbara Grigoleit. Besonders die Szene der laut schnarchenden Barbara sorgte für Erheiterung. „Die Szene musste ich mehrmals drehen und dabei immer laut schnarchen. Am nächsten Tag hatte ich Halsschmerzen, so anstrengend war der Dreh“, verriet Uta Schorn.

Auch nach dem Ausstieg bei „In aller Freundschaft“ war die Berlinerin gut im Geschäft. „Ich habe es nicht geschafft, mal kürzer zu treten.“, erzählt Uta Schorn rückblickend.

Gekonnt leitete Lutz Hoff zu den Anfängen ihrer Karriere über. 1947 wurde die Tochter des Schauspielers Joe Schorn in Augsburg geboren. Über die Station Bremen zogen ihre Eltern mit der kleinen Uta nach Berlin. Nach dem Studium an der Staatlichen Schauspielschule Berlin folgte ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater, wo sie auch ihren ersten Mann Tim Hoffmann kennen- und lieben lernte. Beider Tochter Danne ist ebenfalls Schauspielerin geworden. „Uta Schorn hat sogar einen Oskar!“, ruft Lutz Hoff in die Runde. „Das stimmt, mein Enkel heißt Oskar!“, pariert Uta Schorn.

Nach ersten kleineren Fernsehrollen kam 1973 der endgültige Durchbruch. An der Seite von Gerd E. Schäfer durfte Uta Schorn am Sonntagnachmittag den „Wunschbriefkasten“ leeren. Vorher kaum als Künstlerin wahrgenommen, war sie nach der dritten Ausgabe plötzlich ein Star in der DDR, was nicht nur bei der Fleischerei Scheitza in Berlin-Friedrichshain Vorteile brachte. „Der Fleischerei-Chef meinte am nächsten Tag, ich bräuchte mich nicht mehr anstellen, solle nur klingeln, wenn ich was benötige“, schmunzelt Uta Schorn beim Erzählen dieser und anderer Erinnerungen an den „Wunschbriefkasten“.

1988 folgte im DDR-Fernsehen die Serie „Bereitschaft Dr. Federau“ – ein Straßenfeger, wie man heute sagen würde. Die Serie um eine Bereitschaftsärztin war so beliebt, dass die Zuschauer die Verantwortlichen bei der Wahl zum „Fernsehliebling des Jahres“ mit Briefen überhäuften. Lutz Hoff, damals selbst in Diensten des DDR-Fernsehens, stellte fest: „Du warst ein richtiger Fernsehliebling, im Gegensatz zu den Nachrichtensprechern, bei denen vorher schon feststand, dass die gewinnen.“

Nach der Wende in der DDR ging Uta Schorn mit Talentevater, Entertainer und Show-Gigant Heinz Quermann mit der Reihe „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ auf Tournee. Amüsante Episoden kamen dabei zu Gehör. So erfuhren die Gäste, warum Quermann einmal in Eisenhüttenstadt in Hauslatschen und Schlabberhosen moderierte und warum sich Uta Schorn in einem Hotel Sorgen um Quermann machte, weil der auf ihr Klopfen an der Hotelzimmertür nicht reagierte.

Überliefert ist auch die Episode, dass Quermann einmal sagte, Uta Schorn sei die einzige Künstlerin, die er nicht entdeckte.

Und so reihten sich an diesem Nachmittag Anekdote an Anekdote. Viel Wissenswertes, was über die sympathische Künstlerin so noch nicht bekannt war, entlockte Lutz Hoff seinem Gesprächsgast Uta Schorn, die immer auch den Kontakt zum Publikum suchte und sich dabei sogar um die Gesundheit eines Gastes sorgte, der so eingeklemmt in der Tischreihe saß, dass er immer nur den Kopf wenden konnte, um das Geschehen auf dem Podium verfolgen zu können.

Im Anschluss unterschrieb Uta Schorn fleißig Autogramme und plauderte nebenbei mit ihren Fans.

„Ich bin einer von uns“ – Filmlegende Gojko Mitic zu Gast in Forst

Wer am Sonntagmorgen aufmerksam durch die Stadt ging, dürfte sich gewundert, wer da ebenfalls im Forster Stadtgebiet unterwegs ist. Das ist doch? Richtig, Gojko Mitic, einer der größten Filmstars der DDR und Publikumsliebling in Ost und West, machte gemeinsam mit Hans-Rainer Engwicht eine kleine Stadtrundfahrt durch Forst mit einem Abstecher in den Rosengarten.

Gojko MIticGojko Mitic war am Samstag und am Sonntag zu Gast beim „Talk im Pavillon“, der neuen Veranstaltungsreihe im „Pavillon Genuss und Kunst“ gegenüber der Post. Im Gespräch mit Talk-Gastgeber Lutz Hoff (moderierte im DDR-Fernsehen „Schätzen Sie mal“) bekannte Gojko Mitic, dass ihn Forst an seine serbische Heimatstadt Leskovac erinnert: „Leskovac hat auch eine lange Tuchmacher-Tradition, ähnlich wie Forst als deutsches Manchester.“

Vor vielen Jahren war Mitic schon einmal in Forst, kann sich aber nicht mehr genau daran erinnern, wann das war.

Lutz Hoff entlockte dem Schauspieler viele Anekdoten. Als Sportstudent wurde Gojko Mitic für den Film entdeckt. Drei Karl-May-Filme waren der Beginn einer langen und erfolgreichen Karriere. In „Unter Geiern“ hatte Mitic seine erste größere Rolle an der Seite von Götz George, Elke Sommer und Steward Granger. Schnell wurde auch die DEFA auf den sportlichen Mann aufmerksam und lockte ihn in die DDR. Hier hatte er vor 50 Jahren mit „Die Söhne der großen Bärin“ einen überraschenden wie durchschlagenden Erfolg. Selbst Walter Ulbricht wunderte sich über den enormen Zuspruch des Publikums für den Film, waren doch Indianerfilme so gar nicht im Interesse der Parteioberen. Aber im Gegensatz zu den westdeutschen Filmen standen bei der DEFA die Indianer und ihr Kampf für ihre Heimat und für Gerechtigkeit im Mittelpunkt.

Anhand von Filmausschnitten erklärte Gojko Mitic den Zuschauern einige Episoden von den Dreharbeiten, so unter anderem, wie es ihm gelang, wilde Pferde für den Filmdreh zu zähmen. Die Indianerfilme sorgten für einen Popularitätsschub, steckten Gojko Mitic aber auch in eine Schublade: „Einmal Indianer, immer Indianer“, kokettiert er mit seiner Rolle als „Chefindianer“ und „Winnetou des Ostens“, obwohl er beide Bezeichnungen nicht so mag. Den Sprung aus der Schublade schaffte er mit Rollen als Mafiosi, Marschall Sokolowski oder als Heiratsschwindler, wovon sich die Zuschauer ebenfalls per Einspieler überzeugen konnten.

Durch die Indianerfilme wurde Gojko Mitic mit der Kultur der amerikanischen Ureinwohner bekannt gemacht. Sein Interesse war geweckt, mehrmals bereiste er die USA und besuchte dort Indianerstämme. „Die Haltung der Indianer zur Natur, zu den endlichen Ressourcen, aber auch ihr Wunsch nach mehr Menschlichkeit begeistern mich“, gesteht Mitic. Er liest aus Briefen indianischer Stammeshäuptlinge an die Regierung in Washington. Diese Briefe seien heute noch genauso gültig wie damals.

Gojko Mitic nimmt Stellung. Die NATO-Osterweiterung und die Truppenverstärkung im Baltikum machen ihn heute genauso wütend wie damals, als das „Verteidigungsbündnis“ NATO ohne völkerrechtliches Mandat seine Heimat in Schutt und Asche bombte. Auch die Flüchtlingspolitik der aktuellen Regierung kann er überhaupt nicht nachvollziehen.

Zwar zählte Gojko Mitic in der DDR und auch heute noch zu den beliebtesten Künstlern, „aber als Star sehe ich mich nicht. Ich bin einer von uns!“. Man nimmt es ihm sofort ab. Er ist einer, der auf die Leute zugeht, mit ihnen diskutiert und lacht. Und Gojko weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: „Ich habe in der DDR etwas bekommen, was man nicht mit Geld bezahlen kann und was mich hier gehalten hat – das waren die Menschen hier!“.

Mittlerweile hat er den Sprung vom Film auch auf die Theaterbühnen geschafft. Nach 1024 Vorstellungen als „Winnetou“ bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg sah man ihn auch am Schweriner Theater als Alexis Sorbas. Im nächsten Jahr spielt er an den Landesbühnen Sachsen und geht mit dem Stück „In Gottes eigenem Land“ auf Tournee. Die Geschichte handelt von Heinrich Melchior Mühlenberg, der das Luthertum in Amerika durchsetzte. Gojko spielt darin – na klar, einen Indianer.

Emotional wurde es im Pavillon, als Lutz Hoff Gojko Mitic auf dessen Gesangskarriere ansprach. „Löscht das Feuer“ war damals ein großer Hit und wurde natürlich auch in Forst gesungen. Aber Mitic kann noch mehr. Neben seiner Interpretation von Ute Freudenbergs „Jugendliebe“ präsentierte er ein neues Lied. „Die Erde lebt“ beschreibt die Schönheit und Zerbrechlichkeit unseres Heimatplaneten und ist ein Appell an alle Menschen, diese Erde auch den nachfolgenden Generationen zu erhalten. Für Gänsehaut sorgte Gojko Mitic, als er sich auf der Gitarre selbst begleitete und „Sag mir wo die Blumen sind“ anstimmte.Gojko MItic

Gojko Mitic hätte bestimmt noch viel zu sagen – aber jeder „Talk im Pavillon“ geht irgendwann zu Ende, nicht ohne noch reichlich Autogramme zu schreiben und für Fotos zur Verfügung zu stehen.Gojko MItic

Bereits am 16. Januar folgt die nächste Ausgabe, dann mit Regina Thoss als Prominente im Gespräch mit Lutz Hoff.

Pavillon-Inhaberin Diana Podlesch freut sich, dass das Konzept dieser Gesprächsreihe von den Forstern so gut angenommen wird. Schon jetzt laufen die Planungen für 2017, erste Namen stehen bereits fest und werden dann hoffentlich eine ebenso so schöne Zeit in Forst verbringen wie Gojko Mitic, der sich bei der Gastgeberin der beiden Nachmittage und ihrer Familie für dieses wunderbare Wochenende hier in Forst bedankte.Gojko MItic