Kabarett-Mix im „Kuckuck“ sorgt für Zwerchfell-Attacken

Zur mittlerweile 8. „Langen Nacht des Kabaretts“ fanden sich am vergangenen Freitag wieder Humorsüchtige im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno ein. Damit auch möglichst viele Besucher in den Genuss dieses Kabarett-Marathons kommen können, verzichteten die Veranstalter auf die sonst übliche Clubatmosphäre mit 4er- und 6er Tischen und bestuhlten stattdessen in Reihe, so daß alle 104 erwartungsfrohen Zuschauer ausreichend Platz fanden.

Moderiert wurde die Show von Ilka Hein. Die MDR-Hörfunk-Moderatorin plauderte zunächst mit Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke über die Schwierigkeiten, jedes Jahr aufs Neue so einen Abend zu organisieren. „Unser Publikum hat sich inzwischen einen hohen Anspruch erarbeitet, dem gilt es gerecht zu werden!“, verrät Birgit Hendriske. Bei der Auswahl der Künstler vertraue sie auf ihr Bauchgefühl.

Ilka Hein ist jedoch nicht nur Moderatorin, sondern auch auf den Kleinkunstbühnen der Republik unterwegs. Im „Kuckuck“ brachte sie einige Hits von ABBA mit neuen, deutschen Texten zu Gehör. „Mamma Mia“ wurde so unter gesanglicher Unterstützung durch das Publikum zum Gebet einer Frau, die mit einem Verlierer als Ehemann bestraft ist. Aus „Super Trouper“ wurde der „Super Router“ und erzählt frivol und doppeldeutig die Geschichte, wie frau sich fühlt, wenn sie im Laden die neueste Telefontechnik erklärt bekommt.

Central-Kabarett

Andrè Bautzmann und Robert Günschmann vom Leipziger Central-Kabinett hatten sofort die Sympathien des Publikums erobert, kaum daß sie auf der Bühne waren. „Warm up für’s Burnout“ lautet der Titel ihres aktuellen Programms. In einer Mischung aus Politkabarett, Parodie und Gesang machen sie sich über Jeden und alles lustig. Die Attacken auf Flüchtlingsheime in Sachsen spielten ebenso eine Rolle wie die aktuelle Politik. Im Stile von „Dinner for One“ feuerten die Beiden als Wahrsagerin und deren Butler verkleidet ein Feuerwerk an Gags ab, daß den Zuschauern kaum Luft zum Erholen blieb. Egal ob „Schi-Scha-Schäuble“, die „Krampf-Fregatte“ und „Truppen-Uschi“ von der Leyen, „Fragnachkies, äh, Varoufakis“ oder die „getürkte Demokratie“ unter Erdogan – jeder bekam sein Fett weg. Bautzmann und Günschmann waren sich auch nicht zu schade, sich selbst auf den Arm zu nehmen. So hatten sie mehrmals den jeweils anderen Partner mit spontan eingebauten Witzen erst aus dem Konzept und dann zum Lachen gebracht, so daß die Dialoge häufig neu angesetzt werden mußten.

Besinnlicher wurde es bei den Auftritten von Liese-Lotte Lübke aus Hannover. Sie bezeichnet sich selbst als „Klavier-Kabarettistin“. Mit witzigen Texten, jedoch mit einem ernsten Unterton, brachte sie ihre Erlebnisse auf dem Amt zu Gehör. Dabei verarbeitete sie die ewige Warterei an der Rezeption sowie die ziemlich unpersönliche Beratung des Büromitarbeiters, den sie freundlich in ihr Programm einlud und mit den Worten „Kommen Sie nie wieder“ gleich wieder verabschiedete. Fast schon balladenhaft wurde es beim Lied um einen Traumfänger, der nachts in die Schlafzimmer eindringt und den Menschen ihre Träume stiehlt. Auch über unehrliche Höflichkeitsbekundungen sang Liese-Lotte Lübbke. Im Lied von der alten Dame verarbeitet Liese-Lotte Lübke symbolisch ihre eigenen Befindlichkeiten und Depressionen. „Das Lied ist für alle, die gegen ihren eigenen Dämon in sich kämpfen“, sagte Liese-Lotte Lübke in der Ankündigung dieses Liedes.

Lennart Schilgen

Songs ganz besonderer Art verspricht Lennart Schilgen aus Berlin: „Ich spiele heute für Sie Protestsongs, weniger solche, die zur Revolution aufrufen, sondern eher im Sinne von ‚Och menno!'“ Passend dazu singt Schilgen den „Liegenbleiber-Blues“, ein Lied über einen Typen, der es bevorzugt, das Leben etwas ruhiger anzugehen. „Ich bin Shouter in einer Black-Metal-Band, ich bin lauter als jedes Musikinstrument“, verkündet Lennart Schilgen anschließend voller Inbrunst und mit weinerlicher Stimme, sehr zum Gefallen der Zuschauer. Überhaupt stehen Schilgens Lieder, die textlich oft eine überraschende Wendung nehmen, im totalen Kontrast zu seiner Mimik und Gestik, die eigentlich immer das Gegenteil dessen darstellt, was er gerade singt. So auch im „Protestsong Brecht’scher Prägung“ gegen die Entschlossenheit. Den Abschluß seines Auftritts bilden Schilgens Neuinterpretationen von Ernst Jandls berühmten Gedicht „Ottos Mops“. So gibt es Varianten wie „Pauls Gaul“ oder „Gerds Pferd“ zu hören.

Umrahmt wird die „Lange Nacht des Kabaretts“ traditionell von einem reichhaltigen Fingerfood- und Dessert-Menü in den Pausen der mehrstündigen Veranstaltung. Auch in diesem Jahr hat sich das Küchenteam vom „Kuckuck“ wieder kulinarische Leckereien einfallen lassen.

Es war schon nach Mitternacht, als alle Künstler noch ein letztes Mal auftraten, um sich von ihrem Publikum zu verabschieden. Das Central-Kabarett nahm sich den Geburten-Rückgang zum Thema und präsentierte in Nachrichtenform das Aussterben der Deutschen. So wird in ein paar Jahren Cottbus mangels Einwohner zum Vorort von Forst erklärt, etwas später werden Dortmund, Gelsenkirchen und Leverkusen zum „Kohle-Pöttchen“ zusammengelegt, ehe die alten Römer ihre ehemaligen Besiedlungen wieder in Besitz nehmen. Ach, ja – auch die Eröffnung des Berliner Flughafens verzögert sich weiter, weil mittlerweile Wölfe und Braunbären das Gelände besiedelt haben.
„Das alles und noch viel mehr, würde sein, wenn die Welt ohne Deutschland wär'“ singen die beiden Kabarettisten in Anlehnung an Rio Reisers Hit „König von Deutschland“ und zählen mal so auf, was alles passiert wäre, hätte es die Deutschen nie gegeben.

Liese-Lotte Lübke bleibt es vorbehalten, kurz vor halb Eins den Abend zu beschliessen. Mit ihrem Lied vom Schwan, der in einer Straußenfarm aufwächst, endet nach fünf Stunden ein Marathon der guten Laune mit viel hintergründigem Humor, albernen Wortspielen und gut aufgelegten Künstlern, die aber auch die Klaviatur der ernsten (Unter-)Töne beherrschen.

Schon jetzt darf man gespannt sein, bei welchen Künstlern Birgit Hendrischke für die 9. „Lange Nacht des Kabaretts“ 2018 ihrem Bauchgefühl vertraut.

Genre-Mix sorgt für humorvollen Abend

Zur siebten „Langen Nacht des Kabaretts“ versammelten sich wieder Kleinkünstler unterschiedlicher Genres auf der kleinen Kabarett-Bühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno. Unter den Besuchern waren viele Stammgäste, die wieder einen bunten Mix aus Kabarett, Poetry Slam und musikalischen Einlagen erlebten.
Wie in den Jahren zuvor blieb geheim, wer an diesem Abend auftreten sollte. Gespannt wartete das Publikum, wer als erster die Bühne betreten würde.

Das „Ensemble Weltkritik“, sächsische Vertreter des klassischen Kabaretts, eröffnete den bunten Reigen. Gut vorbereitet machten sich Bettina Prokert und Maxim-Alexander Hofmann über lokale Themen lustig und gewannen sofort das Publikum. Bevor Forst in die Blütezeit der 80er Jahre abdriftet, müssten verschenkte Potenziale aktiviert werden. Groß Jamno hat zwar einen See, aber immer noch keine Seebühne. Und bei soviel Wald rings ums Forst fehlt ein Baumwipfelpfad. Auch ein neuer City Slogan könne nicht schaden. „Weltkritik“ machte auch gleich einen Vorschlag und befragte dazu Zuschauer Torsten. Das Ergebnis lautet: „Forst – Torsten gefällt’s…“. Wie sich kurz darauf herausstellte: „…in Spremberg besser!“

2016-02-26_Lange Kabarettnacht_(c)Thoralf Haß_001Tilmann Birr ist gebürtiger Hesse, wohnt aber in Berlin. Als ehemaliger „Stadtbilderklärer“ erzählte er von seinen Erlebnissen mit einem bayrischen Touristen, der unbedingt etwas wissen wollte, aber von niemanden verstanden wurde. Auch aus seiner Zeit in einer WG hatte Tillmann Birr Episoden parat. Besonders seine kopulierenden Wohngenossinnen boten genügend Stoff für amüsante Geschichten.

Geschichten und Gedichte verfasst auch Clara Nielsen. Die Kielerin ist Poetry Slammerin, gehörte der deutschen Slamnationalmannschaft an und wurde bereits vom Goethe-Institut nach Rom und Lissabon eingeladen. „Klitzekleine Gedichte“ sind ihre Spezialität: „Liebst Du mich wie ich Dich, liebst Du mich nicht“. Nielsens Gedichte sind Poesie pur, mal mit Wortspielen, mal mit einem überraschenden Ende, mal philosophisch, immer ein wenig kokett oder bissig. Mucksmäuschenstill wurde es immer dann, wenn diese zierliche Person mit der samtweichen Stimme eines ihrer Werke vortrug. Was wie ein romantisches Liebesgedicht beginnt, endet bei Clara schon mal mit der schonungslosen Abrechnung mit dem ehemals Herzallerliebsten.
Aber Clara Nielsen hatte nicht nur Gedichte mitgebracht, sondern auch Geschichten aus ihrer Vergangenheit. „Das einzige böse, was ich mal getan habe, war ein Klingelstreich! Bei meiner Oma! Und ich habe vergessen, wegzurennen!“ Überhaupt war früher angeblich alles besser: „Als der erste Zug von Nürnberg nach Fürth fuhr, wurde die Bahn noch von freudigen Menschen mit Blumen erwartet.“

Nach einer kurzen Pause, in der man sich mit Fingerfood aus der „Kuckucks“-Küche stärken konnte, ging es mit Frank Grischek weiter. Er selber nennt sich Akkordeonist und „freut sich, hier heute Abend auftreten zu müssen!“. Seine gespielte schlechte Laune ist Programm. „Erfolg muss ja kein Feuerwerk sein“, gab er bekannt und erzählte lieber von seinem ersten Auftritt bei Tante Lottis 50. Geburtstag. Zum 60. war er seinen Eltern immer noch peinlich, zum 70. wurde er gar nicht mehr eingeladen. „Vielleicht kommt ja heute Abend mein Durchbruch!“, hoffte er.

Tilmann Birr, der zunächst den Holzfäller-Blues sang, sorgte anschließend mit eine Dialogszene für riesiges Gelächter. Ein Polizist mit typisch Berliner Schnauze und ein Tourist, dem man den Geldbeutel geklaut hatte, lieferten sich witzige Wortduelle. Dabei wollte der Tourist nur eine Anzeige aufgeben. „Da müssen Sie zur Zeitung gehen!“, konterte der Polizist. „Dann will ich eben Anzeige erstatten!“, sagt der Tourist, worauf der Polizist antwortet: „Von uns kriegen’se ja nichts erstattet!“

Das „Ensemble Weltkritik“ bekam zu Beginn seines Blockes die Krise. So zumindest der Titel eines Liedes, das spontan die aktuellen Geschehnisse in Deutschland und auch an diesem langen Kabarettabend zusammenfasste. Da wurden Flüchtlinge willkommen geheißen, denn schließlich hat das Tradition: Es gibt ja schon lange die „Deutsche Ayshe“. Und Pegida heißt nichts anderes als „Peinliche Eingeborene gefährden Dresdens Ansehen“. Bikininixe Pamela Anderson ist übrigens die Namensgeberin für Groß Bade-Mäusl.

Nachdem Frank Grischek eine kurze Einführung in die Irish Folk Music gab (bei der bei den Zuschauern ein leichtes Wippen mit den Füssen nicht zu übersehen war) und Clara Nielson noch einmal erzählte, wie sie die Pubertät verweigerte und abschließend den guten Tipp gab: „Wer abnehmen will, muss erst mal zunehmen. Denn dicke Menschen können mehr Kalorien verbrennen!“, zeigte „Ensemble Weltkritik“ einen Ausschnitt einer Paartherapie-Sitzung. SIE will ja im Schlafzimmer gerne etwas Spielzeug, aber dass ER die Eisenbahnplatte aufbaut, geht dann doch zu weit. Überhaupt, wieso schenkt ER IHR Rosen zu Halloween?

Im großen Finale stellte Frank Grischek fest, dass das Eintrittsgeld für diesen Abend nun, nach 4 ½ Stunden, abgelaufen sei. Mit dem gemeinsamen Gesang des „Sandmannliedes“ unter Mitwirkung des Publikums verabschiedeten sich die Künstler von der Bühne, nicht ohne auf den „Offline-Shop“ im Foyer hinzuweisen, wo Bücher und CDs der Künstler erworben werden konnten.

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v.l.n.r.: Frank Grischek, Tilmann Birr, Clara Nielsen, Ensemble Weltkritik

So verschieden, wie Geschmäcker sein können, so unterschiedlich kamen die Künstler bei den Zuschauern an. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, der Mix kam beim Publikum an, wie die Reaktionen zeigten. Künstler und Publikum kamen in den Pausen und nach der Veranstaltung ins Gespräch. Zufrieden zeigte sich auch Birgit Hendrischke, die für die Organisation des Abends verantwortlich war. Ihre Auswahl der auftretenden Künstler war der Garant für einen wirklich unterhaltsamen Abend.

Riesenstimmung in der „Langen Nacht des Kabaretts“

Kuckuck-Logo blankWer lacht, der bleibt – unter diesem Motto fand unlängst die mittlerweile „3. Lange Nacht des Kabaretts“ im Groß Jamnoer Restaurant „Zum Kuckuck“ statt. Was einst aus einer launigen Idee entstand, ist längst zum kulturellen Höhepunkt des Winter-Halbjahres für die Freunde gepflegten Kabaretts in und um Forst geworden.

Birgit Hendrischke als Veranstalterin versprach deshalb in ihrer kurzen Eröffnungsrede dem „besten und treuesten Publikum, das der Kuckuck hat“, wieder neue Künstler auf der Bühne zu präsentieren. Neben Chin Meyer, der auch den Part des Moderators übernahm, waren Bernd Barbe aus Gießen und die Kölnerin Monika Blankenberg für die Erheiterung der Zuschauer zuständig.

Welchen Ruf das „Kuckucks-Kabarett“ im Allgemeinen und die Kabarett-Nacht im Besonderen mittlerweile in der Branche genießen, bewies Bernd Barbe. Er schickte den Veranstaltern einfach ungefragt Demomaterial und bewarb sich spontan bei Birgit Hendrischke für die Kabarett-Nacht. Nach Sichtung des Materials wurde das Wagnis eingegangen und Bernd Barbe für diesen Abend engagiert. Ein feines Gespür für unverbrauchte Künstler und den Geschmack des Publikums hatte der „Kuckuck“ schließlich schon immer.

Traditionell besteht eine lange Nacht des Kabaretts nicht aus einer Nummernrevue, in der die Künstler nach ihren jeweiligen Auftritten wieder verschwinden. Stattdessen bekommt jeder Kabarettist die Möglichkeit, in mehreren Blöcken Ausschnitte seines aktuellen oder noch nicht veröffentlichten Programms zu zeigen und gleichzeitig auch die Auftritte der Kollegen zu verfolgen.

Chin Meyer

Chin Meyer zeigte sich “Grundlos optimistisch”
© Christian Schulz

Chin Meyer präsentierte Teile seines neuen Programms „Grundlos optimistisch“, welches erst im März seine Premiere feierte. So erfuhren die Zuschauer nicht nur seine Erlebnisse mit einem „rassistischen Farbigen“, sondern auch, wie man in 90 Minuten reich, sexy und erleuchtet wird. Selbst tagesaktuelle Geschehnisse wie der Rücktritt des Bundespräsidenten wurden ins Programm eingebaut. Chin Meyer bezeichnete Wulff als provinziellen Versager, der wegen eines gesponserten Hotelaufenthaltes auf Sylt zurückgetreten ist. „Wenn man als Staatsoberhaupt schon zurücktritt, dann doch wenigstens wegen Drogen, Weiber und Sex-Partys in St. Tropez!“, so Meyers Ratschlag für zukünftige Präsidenten.

Bernd Barbe bezeichnet sich als Musik-Kabarettist. Bei seinen bitterbösen Liedern bleibt einem schon mal das Lachen im Halse stecken, etwa wenn er über die Bedingungen in „echten deutschen Krankenhäusern“ singt. Aber er zeigt auch Alternativen für den Alltagsgebrauch auf: so könne man ja aus den Werbekatalogen und Prospekten, die sich im Briefkasten ansammeln, wunderbares Heizmaterial gewinnen. Barbes größte Sorge an diesem Abend war jedoch die Frage, wie kann man stilvoll aus dem Leben treten. Die Zuschauer wurden deshalb aufgefordert, in der Pause Vorschläge zu machen. Der Sieger mit dem schönsten Vorschlag bekommt dann nach Barbes Ableben seinen Nachlass, alsodie Gitarre und seinen Dispo-Kredit!

Bernd Barbe

Bernd Barbe
Pressefoto, © Agentur

Monika Blankenberg
© Pressefoto

Auch Monika Blankenberg machte sich in ihrem Programm Gedanken über die Zukunft. Schließlich gehöre sie der „letzten der geburtenstarken Jahrgänge“ an. „Altern ist nichts für Feiglinge“, so ihre Feststellung. Und deshalb nehme sie auch den Kampf gegen das Alter auf. Viele Tücken warten im Alltag auf die Frau jenseits der 30: die Cellulite-Creme mit den wirksamen Inhaltsstoffen befindet sich im „Regal für die Ü 50 – warum dort und nicht schon im Ü 30-Regal?“, so ihre vorwurfsvolle Frage an die Kosmetik-Industrie.

Kabarett-Nacht heißt nicht nur Lachen, sondern auch Genießen. In den Pausen gab es Fingerfood-Leckereien und Desserts aus der „Kuckucks-Küche“. Auch konnte man mit den Künstlern ins Gespräch kommen. Das Einbeziehen des Publikums ins laufende Programm gehört ohnehin zu einer Kabarett-Nacht. Bernd Barbe benötigte musikalische Unterstützung bei seinen Liedern „Ruf 113 Kalaschnikow“ sowie dem Lied über Männer mordende Metzgersmädchen. Kurzerhand wurde aus dem Publikum die „Neiße-Kosaken“, die lautstark mitsangen. Auch das mit dem Ableben habe er sich nochmal überlegt, schließlich müsse er ja noch einmal hier auftreten. Aber der Sieger-Vorschlag, „zwischen zwei Supermöpsen zu ersticken“, gefiele ihm schon mal.

Auch Chin Meyer bediente sich der Zuschauer. Dank der Hilfe von Zuschauerin Daniela und des deutschen Einkommenssteuergesetzes fand er Antworten auf so wichtige Fragen wie: „Woher bezieht der Himmel sein Licht?“, „Wer ist der Letzte, der das Licht ausmacht?“ und „Wo kommen die Supermöpse her?“.

Es ging bereits auf Mitternacht zu, als die Veranstaltung noch einmal richtig Fahrt aufnahm. Zuschauerin Angelika, die einen stressigen Tag in ihrem Kostümverleih hatte, Heino nicht mag und für Roland Kaiser schwärmt, inspirierte Chin Meyer zu zwei Liedern im Stile von Heino und Roland Kaiser. Sein Pianist Andreas Gundlach stahl im jedoch zuvor die Show, als er spontan ein Medley mit Roland-Kaiser-Hits anstimmte und Meyer völlig überraschte, wie man an dessen Mimik erkannte. Beide Künstler warfen sich die Pointen nur so zu und konnten sich selber kaum noch vor Lachen auf der Bühne halten. Gundlach anschließend zu Meyer gewandt: „Ich habe mich eben auf diesen Abend vorbereitet!“. Das Publikum johlte vor Begeisterung.

Andreas Gundlach war es auch vorbehalten, den Abend nach unzähligen Zugaben der drei Protagonisten des Abends und minutenlangem Applaus zu beenden. Mit einer Ball- Jonglage, während er gleichzeitig Piano spielte, versetzte er die Zuschauer ein letztes Mal ins Staunen.

Rundum zufrieden und glücklich zeigte sich auch Birgit Hendrischke. „Es hat einfach alles gepaßt. Ich bin so froh, wie das Publikum die Künstler angenommen hat“, so ihr Fazit.

Und wer weiß, vielleicht klingeln bald wieder bei Ihr die Telefone mit Bewerbungen zur nächsten „Langen Nacht des Kabaretts“.

Artikel veröffentlicht:

19.02.2012 nl_aktuell

Kabarett-Marathon im „Kuckuck“

Lachen soll ja gesund sein! Die Besucher der „2. Langen Nacht des Kabaretts“ im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno dürften da aber anderer Meinung sein, denn einige der Gäste plagten sich nach der fünfstündigen Veranstaltung mit Zwerchfellkrämpfen. Verursacher dieser Symptome, die auf gute Unterhaltung schließen lassen, waren jene Künstler, die abwechselnd im Saal ein Feuerwerk an Comedyeinlagen, Pantomimen, bissigen Kommentaren zur Lage der Nation und Parodien abfeuerten.

Nach der gelungenen Premiere im vergangenen Jahr war den Veranstaltern klar, daß es eine Neuauflage geben wird. In monatelanger Vorarbeit stellten Birgit und Peter Hendrischke ein Programm zusammen, das die Vorjahresveranstaltung noch einmal toppte. Selbst langjährige Stammgäste der Kabarettabende zeigten sich erstaunt und erfreut zugleich, daß immer wieder neue Künstler den Weg auf die Groß Jamnoer Kleinkunstbühne finden.

Durch das Programm führte diesmal Thorsten Hitschfel alias Martin Knöfel. Der gebürtige Sachse folgte dem Trend und ließ sich im Westen nieder. Deswegen sei er jetzt auch ein Niedersachse. Mit seiner Mutti gründete er eine „Ich AG“, die aber wegen schlechtem „Margetting“ nicht funktionierte.

Erste Lachsalven feuerte Hitschfel dann mit seiner Reise durch die jüngere Musikgeschichte ab. Mit gitarrenbegleiteten Hörbeispielen nahm er den Verfall des Liedgutes auf die Schippe. So erfuhren die Zuschauer, daß Bob Dylans Welterfolg „Knockin‘ on heavens door“ eigentlich der Vorläufer des Ententanzes ist. Und Nenas „99 Luftballons“ bekommen eine völlig Bedeutung, wenn Hitschfel die „bislang indizierte Strophe, die ursprünglich für Dr. Sommer in der Bravo gedacht war“, interpretiert. Zur Überraschung Hitschfels stimmte das Publikum spontan in seine Lieder ein.

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Die Hengstmann-Brüder
© Claudia Maas

Nach diesem Auftakt präsentierten die Hengstmann-Brüder aus Magdeburg politisches Kabarett. Gegenseitig feuerten sie sich die Pointen zu und verschonten dabei weder die Politiker noch sich selbst. Höhepunkt ihres ersten Programmteils war eine „Modern Talking“ – Parodie mit politisch-satirischen Texten.

Die Berliner Schauspielerin und Kabarettistin Lina Wendel trat als strenge Lehrerin auf, die sich mit schwerbewaffneten Schülern auseinandersetzen muß. „Als Nulpe der Nation“ fühle sich manchmal die Lehrerschaft. Es gibt aber nicht nur Negatives zu berichten. Elegant schaffte Lina Wendel die Überleitung zu Angela Merkel. Die ist ihrer Herkunft treu geblieben: „In der Diktatur wurde aus Sch… Gold gemacht, jetzt – in der Demokratie – beweist Merkel, daß es auch umgekehrt geht.“ Überhaupt klingen Merkels Regierungserklärungen wie die Rechenschaftsberichte aus der alten Zeit. Sie sei eben „unbesieglich“.

Nach der Pause, in der es für Zuschauer und Künstler ein großes Buffet gab, durfte Thorsten Hitschfel noch einmal seine Klasse beweisen. Nicht nur, daß er hervorragend Helge Schneider, Peter Maffay und Udo Lindenberg parodieren kann, auch seine Schilderungen von „ortsfremden Meerschweinchen“ und bettelnden Kindern aus der Nachbarschaft oder sein Versuch, mit einem Einkaufswagen die Tücken im Supermarkt zu bewältigen, sorgten für großes Gelächter.

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Mark Britton – Zuhause bei Britton
© Pressefoto, Quelle: Theatertransfer

Für Mark Britton aus England war damit das Feld bereitet. Mit Ausschnitten aus seinem Programm „Zuhause bei Britton“ begeisterte der Familienvater, der „wie alle Engländer kein IKEA-Regal zusammenbauen kann“, die Zuschauer. Dabei kombiniert er Slapstick, Pantomime und Stand-Up-Comedy mit typischen britischem Humor.

Der ständige Wechsel der unterschiedlichen Genres kam beim Publikum gut an. Auch die Künstler fanden Gefallen an den Darbietungen der anderen Kabarettisten und spielten in ihren eigenen Programm darauf an. So zogen sich manche Gags wie ein roter Faden durch den Abend. „Malte und Matze“ alias die Hengstmann-Brüder war es vorbehalten, den Schlußpunkt zu setzen. Unter tosendem Beifall verabschiedeten sich alle Mitwirkenden vom Publikum, das diesen Kabarett-Marathon sicherlich nicht nur wegen dem Ziehen in der Zwechfellregion lange in Erinnerung behalten dürfte.

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20.02.2011 nl_aktuell
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“Lange Kabarett-Nacht” mit gelungener Premiere

Die erstmals durchgeführte „Lange Nacht des Kabaretts“ hielt, was im Vorfeld versprochen wurde und feierte eine erfolgreiche Premiere. Das Programmangebot an diesem Abend wurde vom Publikum dankbar angenommen und die Resonanz war durchweg positiv. Damit erreichte das beliebte „Kuckucks-Kabarett“ im Gasthaus „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno eine neue Qualität und setzt gleichzeitig neue Maßstäbe für die Zukunft.

„Schuld hat eigentlich mein Mann“, beteuerte Birgit Hendrischke zu Beginn der Veranstaltung. „Er hat mich mal bei einer Ansage vertreten und dabei einfach eine lange Kabarett-Nacht angekündigt. Also setzten wir uns hin und überlegten, wie eine solche Nacht aussehen könnte.“ Das Ergebnis dieser Ideensuche war ein langer Kabarettmarathon bis weit nach Mitternacht mit den Publikumslieblingen: Die „MelanKomiker“ aus Leipzig, Andrea Kulka vom Kabarett „Meck ab“ aus Cottbus sowie „Ranz & May“ aus Potsdam folgten dem Ruf aus der Lausitz und sorgten für einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abend. Unter den Zuschauern waren viele Stammgäste, die dem „Kuckucks“-Team seit Jahren die Treue halten und sich die Premiere nicht entgehen lassen wollten.

Moderiert wurde das Programm von Matthias Wesslowski aus Hannover. Mit tiefgründigen Wortspielereien, unterstützt durch Magie und Illusionen, verzauberte er das Publikum und leitete von einem Programmpunkt zum Nächsten. Selbst kleine Pannen beim Bühnenumbau meisterte er souverän und sorgte so für zusätzliche Lacher.

Auch die „MelanKomiker“ hatten mit ihrem Liederkabarett wenig Mühe, Begeisterungsstürme bei den Zuschauern auszulösen. Die Geschichte von „Chantalle aus Halle“ entpuppte sich als Ohrwurm und wurde schnell vom Publikum mitgesungen. Und den „Limbo Italo“ verstand man auch ohne italienische Sprachkenntnisse.

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Foto: © Marlies Kross

Andrea Kulka und ihre musikalische Begleitung Simone Gehlsdorf nutzten den Auftritt, um Teile ihres neuen Programms zu präsentieren. „Einen bunten Strauß Neurosen“ überreichte die Powerfrau und jammerte im Stile einer Schlager-Diva über den Kerl an ihrer Seite, der lieber an Homebanking als an Sex denkt. Und die Gäste im Saal erfuhren von der Powerfrau, die aus Groß Kölzig stammt, gleich noch, warum Karl-Heinz nun an der Balkonbrüstung hängt und wie Rent-a-Rentner funktioniert. Daß noch nicht alle Programmteile hundertprozentig klappten, nahmen die Künstlerin und das Publikum mit Humor.

Auch die Potsdamer „Ranz & May“ genießen so etwas wie Heimvorteil im „Kuckuck“, haben in der Lausitz viele Fans und gehören fast schon zum Inventar. Sie präsentierten ebenfalls Teile ihres neuen Programms „Nackig“, das Ende Februar uraufgeführt wird. Aber auch die alten Klassiker wie „Sushi Uschi“ oder der tuntige „Adventureman“ durften nicht fehlen.

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Foto: © Alexander Busch

Um den Kabarett-Marathon durchzustehen, gab es in der Pause für Zuschauer und Künstler ein großes Bufett. „Das Küchenteam hat seit Mittag daran gearbeitet und wir hoffen, es schmeckt.“ kündigte Peter Hendrischke an. „Wir haben auch kleine Schildchen, auf denen steht, was es ist!“ versprach der Küchenchef und lieferte damit ungewollt eine Steilvorlage für die anwesenden Kabarettisten, die im zweiten Teil des Abends auch schon mal Witze auf Kosten der Küche machten.

Überhaupt war es für die teilnehmenden Künstler mehr als nur ein gewöhnlicher Auftrittsabend. Man lernte sich untereinander kennen, tauschte sich aus und half sich auch schon mal gegenseitig beim Bühnenumbau. Und man schaute sich aus der Zuschauerperspektive das Programm der anderen Künstler an.

Das die „lange Kabarett-Nacht“ nach mehr als 5 Stunden rundherum gelungen war, bewies das Publikum mit donnerndem Applaus bei der Verabschiedung. Als Dankeschön an die Künstler für einen gelungenen Abend überreichten Birgit und Peter Hendrischke Schokoladen-Präsente aus Hornow. Gleichzeitig versprachen sie den Zuschauern, daß es ganz bestimmt eine Fortsetzung im nächsten Jahr geben wird.

Reaktionen

15. Februar 2010:

“Lieber Thoralf,

vielen herzlichen Dank für den wunderbaren Artikel, den ich mir so gern von der “Rundschau” gewünscht hätte. Was da heute zu lesen und zu sehen war, hatte wenig Stil und war ein Abbild des Auftretens des Reporters vor Ort: oberflächlich und desinteressiert. Vielleicht hast Du ja eine Chance, noch was unterzubringen, und sei es mal als positiver Leserbrief….

… beste Grüße von Birgit”

 

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19.02.2010 FoWo 25 hoch