Interview mit dem Tod

Der Tod war am 1. Mai zu Gast auf der Kabarettbühne im Groß Jamnoer Restaurant „Zum Kuckuck“. In einer Veranstaltungspause war Gelegenheit für ein kurzes Gespräch, quasi eine Nah-Tod-Erfahrung.

Der Tod 1Wie soll ich Sie anreden – Gevatter, Sensenmann, Herr Tod?

Tod reicht. Manche sagen auch Todi, das klingt dann nicht ganz so gefährlich.

Wie lebt es sich als Tod?

Ach, eigentlich ganz gut. Natürlich war immer so ein kleines Imageproblem, aber das versuche ich ja gerade zu beheben.

Wie wird man denn Tod? Haben Sie eine Ausbildung gemacht?

Ja, das ist so ein Familienunternehmen. Von meinem Gevatter wurde ich eingearbeitet. Es war zwar eine lange Ausbildungszeit, aber dann ist man drin. Man muß ja auch Tod werden, denn Arzt oder Feuerwehrmann wird man in unserer Familie nicht.

Was gab denn den Ausschlag, eine Imagekampagne zu starten?

Man weiß ja, das mit dem Tod ist immer so ein unbeliebtes Thema. Ich erzähle das auch in meinem Programm, denn wenn ich vor der Türe stehe, freut sich ja keiner und alle sagen nur „Oh Schreck, oh Schreck“ – wenn überhaupt über mich gesprochen wird. Da dachte ich mir, „Mensch, wir müssen was tun für ein bißchen Rufverbesserung“. Deshalb versuche ich, unser Familienunternehmen nach vorne zu bringen.

Wie sind die Reaktionen des Publikums?

Die Reaktionen sind immer recht gut. Ich dachte erst, ich hätte mit mehr Gegenwind zu rechnen. Da scheint also ein Bedarf zu sein. Ich spiele ja nicht nur in Theatern, sondern auch in Altenheimen und Bestattungsunternehmen, sogar in Hospizen, wo die Leute das dankbar aufnehmen.

Sie sind ja nun zum zweiten Mal im „Kuckuck“ nach der „Langen Kabarettnacht“…

…stimmt, da habe ich moderiert.

Der Tod 2

Der Tod (rechts im Bild) mit Birgit Hendrischke, Veranstaltungschefin im „Kuckuck“

Was hat denn der „Kuckuck“, was andere Spielorte nicht haben?

Ich spiele natürlich auch in großen Locations, aber es ist natürlich immer schön, wenn auch Kultur in Orten stattfindet, wo sonst nicht so große Kultur in Orten stattfindet. Da ist der „Kuckuck“ natürlich ein Aushängeschild, auch für die Gegend hier. Und da kommt man natürlich gerne vorbei.

Nach der letzten Kabarettnacht haben viele Besucher vermutet, hinter der Kutte verbirgt sich Olaf Schubert. Ist Ihnen der Vergleich schon öfters untergekommen?

Ja, es wird immer viel spekuliert, wer steckt da drunter. Da gibt es sogar Foren, die diskutieren. Es gibt dort immer große Diskussionen, was könnte das sein. Es gibt sogar ein paar Zeitungen, die irgendwelche Enthüllungen machen. Also, da sind die Leute schon hinterher.

Und bisher wurden Sie noch nicht enttarnt?

Nö, bisher war immer alles gut gegangen.

Wenn die Imagekampage erfolgreich ist, gibt es dann ein Nachfolgeprogramm?

Bestimmt. Letzte Woche ist ja mein Buch „Mein Leben als Tod“ erschienen. Das bezieht sich weniger auf mein Programm, sondern mehr auf die Hintergrundgeschichte, also wie wird man Tod, wie ist der Tod in anderen Kulturen, wie ist der Tod im Alltag, was passiert, wenn der Tod U-Bahn fährt. Da wird sehr viel aufgeklärt und man kann mehr ausholen als in einem Programm.

Noch mehr aufklären kann man ja mit einem Film. Jeder Comedian dreht entweder einen Film oder kriegt eine RTL-Show…

…Genau. Es gibt ja schon kleine Rubriken im Internet, „Todis Welt“, die kommen einmal im Monat neu raus. Es gibt dort auch verschiedene Charaktere, die neu hinzukommen. Schließlich ist es ja auch ein Thema, das nie ausstirbt. Es kommt immer neues Material automatisch hinzu.

Aber ein Film ist erstmal nicht geplant?

Film ist erstmal nicht geplant. Schauen wir erstmal, wie das Buch läuft, vielleicht wird’s ja verfilmt.

Wo ist denn Tod eigentlich zu Hause?

In Berlin. Das muß er auch, denn das ist die einzige Gegend, wo ich rumlaufen kann und nicht auffalle unter den ganzen Verrückten.

Und wie alt ist der Tod?

Ach, manche sagen so, manche so. Das Unternehmen ist genau 3,5 Milliarden Jahre alt….

… So lange gibt es den Tod schon ?

Ja, seit dem ersten Einzeller.

Na dann. Was sagt man zum Abschied zum Tod? „Auf Wiedersehen“?

Ja, oder „Man sieht sich!“ Erst einmal gleich auf der Bühne, und dann schauen wir mal…

Der Sensenmann bringt den „Kuckuck“ zum Toben

Zur mittlerweile fünften „Langen Nacht des Kabaretts“ lud der „Kuckuck“ in Groß Jamno am vergangenen Freitag wieder Kabarettfreunde aus Nah und Fern ein. Am Konzept hat sich auch in diesem Jahr nichts geändert – vier Künstler unterschiedlicher Genres inklusive Moderator gestalten ein abwechslungsreiches humorvolles Programm.

Der TodBis zum Beginn der Veranstaltung wurde der Name des diesjährigen Moderators geheim gehalten. Umso größer das Erstaunen im Publikum, als „Der Tod“ persönlich die Gäste begrüßte. Mit einer „maximal pigmentierten“ Kutte betrat  „Der Tod“ die Bühne und  erklärte den verdutzten Zuschauern, dass sein Ruf ja ramponiert sei und er deshalb eine großangelegte Image-Kampagne durch die Republik startete.

Mit kindlicher Stimme erzählte „Der Tod“ von den Schwierigkeiten seiner Arbeit. „Das Sprichwort sagt, die Besten sterben immer zu früh. Fühlt man sich da nicht benachteiligt?“ fragte er mit einem Blick ins Rund. Dann erzählte er von seiner Klientel. Letztens hatte er „Welcome-Party-Wochen“ für die FDP veranstaltet. Er bekomme viele Anfragen, meist von Männern, die „den Tod“ gerne mit ihrer Schwiegermutter bekanntmachen möchten. Mit Konfettiregen leitete „der Tod“ zum nächsten Programmpunkt über.

Benjamin Eisenberg aus Bottrop, „der Stadt, wo die Altkleidersammlung nichts abholt, sondern noch etwas hinzu stellt“, hat sich dem politischen Kabarett im Stile eines Dieter Hildebrandt verschrieben. Pointiert nahm er die aktuelle Politik aufs Korn. Gekonnt parodierte Eisenberg Persönlichkeiten wie Jürgen Rüttgers und Angela Merkel. Der neuen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sprach er nur in einer Sache Kompetenz zu, nämlich die der Nachwuchsgewinnung. Von der Leyen sei praktisch ein Wurfgeschoß.

Auch die zahlreichen Steueraffären der jüngsten Vergangenheit waren ein gefundenes Fressen für Benjamin Eisenberg. „Alice Schweizer, äh Schwarzer“ sei Schuld an den schlechten Straßen in Deutschland, da sie mit ihren hinterzogenen Steuern das Volk betrügt. Eisenberg mahnte an, dass die aktuelle Regierung die fehlenden Steuergelder unbedingt brauche, damit sie es wieder aus dem Fenster werfen kann.

Dass Eisenberg, „dessen Freund sich einen Van-Gogh-Bildband als Hörbuch kaufte“, nicht nur Politiker parodieren kann, zeigte er mit einer Mario Barth-Imitation. Mit der gleichen Gestik und Mimik wie der berühmte Comedian erzählte Eisenberg von den Blähungen seiner Freundin.

Für den musikalischen Teil des Abends war die Hannoveranerin Anna Piechotta zuständig, „die auch schon hinter Hüpfburgen gesungen hat“. Das Publikum zeigte sich erstaunt, wieviel Stimmgewalt  in dieser zierlichen Frau steckt. Fast drei Oktaven beherrscht sie, wovon sich die Zuschauer überzeugen konnten. Ihr Schlaflied für „noch zu erwartende Kinder“ war gespickt mit Gruseleinlagen – praktisch eine Kriegserklärung an die kleinen Quälgeister. Von Wladimir Putin habe sie „sein Lied vom toten Frettchen“ erhalten, welches sie in Simultanübersetzung zu Gehör brachte.

Eine besondere Beziehung baute Anna Piechotta zu Günter aus dem Publikum auf, der beim Mitsingen immer die Einsätze vermasselte und deshalb einen Sonderapplaus bekommen sollte.

Paul Bokowski hat sich dem Poetry-Slam verschreiben. Das sind kleine selbst geschriebene Gedichte und Geschichten, von denen Bokowski einige vorlas. So erfuhren die Gäste des „Kuckucks“ von seiner Nachbarin, Frau Schablinski, die eine ernste Krankheit habe. Ihr seien die Arme am Fensterbrett festgewachsen. Eine andere Episode handelte von einer Waschmaschine, die sich heimlich durchs ganze Zimmer bewegte und später von der Bundespolizei in Görlitz aufgefunden wurde. Grund waren nur schlecht justierte Füßchen…IMG_9059

Gemeinsam mit Anna Piechotta interpretierte Paul Bokowski einen Anruf bei einem „Berliner Service-Unternehmen“. Gemeint war die Berliner Polizei. Diese sollte dem Anrufer doch bei einem „kleinen Notfall“ helfen. Er habe ein kleines gelbes flauschiges Etwas in seiner Küche und wisse nicht, was er damit anfangen soll. Die Polizistin gab ihm nun Ratschläge, wie er das kleine Küken am Besten entsorgen könne.

Publikumsliebling war aber zweifellos „der Tod“, der nach der Pause aktuelle Songs zu Gehör brachte. Hits wie „Ein Stein, der deinen Namen trägt“ oder „Das ist Wahnsinn, ich schicke Euch in die Hölle“ brachten den „Kuckuck“ zum Beben. Begeistert stimmte das Publikum ein.

Für sein Quiz „Wer bleibt länger?“ suchte sich „der Tod“ zwei Kandidaten aus dem Publikum.  „Knochensplitter“-Inge und „Schädelspalter“-Kalle konnten durch richtige Antworten „Lebenszeit gewinnen“.

Gegen Mitternacht endete schließlich die „Lange Nacht des Kabaretts“ mit einem gemeinsamen Auftritt aller Künstler.

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v.l.n.r.: Paul Bokowski, Anna Piechotta, Benjamin Eisenmberg, „Der Tod“

Birgit Hendrischke als Veranstalterin zeigte sich zufrieden und erleichtert über den Verlauf des Abends. „Wir hatten anfangs Bedenken, ob der eigenwillige Humor ‚des Tods‘ bei unserem verwöhnten Publikum ankommt. Aber die Reaktionen zeigen, dass wir mit unserer Wahl richtig gelegen haben. ‚Der Tod“ war gut vorbereitet und leitete gekonnt zu den einzelnen Programmpunkten über.“

Auch die Künstler waren mit dem Abend sehr zufrieden. Anna Piechotta freute sich, dass es im dritten Anlauf endlich mit einem Auftritt im “Kuckuck“ geklappt hat. Auch Benjamin Eisenberg freute sich über die Reaktionen des Publikums. Er verfolgte im Publikum die Auftritte seiner Kollegen und tauschte sich hinterher mit ihnen aus.

Für „Kuckucks“-Stammgast Uwe Paul war der Abend sehr gelungen. „Da ich die Künstler bisher nicht kannte, hatte ich auch keine bestimmten Erwartungen an die Programme. Aber ich wurde sehr positiv überrascht. Die anfängliche Unsicherheit bei den Künstlern legte sich sehr schnell, als sie merkten, dass das Publikum mitgeht.“

Für die Zuschauer war die „Nahtod-Erfahrung“ an diesem Abend erfrischend und unterhaltsam. Schon jetzt gibt es Nachfragen, wann „der Tod“ das nächste Mal im „Kuckuck“ auftritt. Scheinbar hat „der Tod“ viele neue Fans gewonnen.