„Bitte empfehlen Sie uns nicht mehr weiter!“

In Pusack geht dieser Tage eine Erfolgsgeschichte zu Ende. Klaus-Bernd Günther und Andrea Roß, die Betreiber des Ziegenhofes „Zur Wolfsschlucht“ haben ihr Geschäft aufgegeben. „Das hat jedoch nichts mit Corona zu tun!“, versichern beide.

Nach 64 Arbeitsjahren ist es für Klaus-Bernd Günther Zeit, sich zur Ruhe zu setzen. „Hinzu kommt, daß ich im April eines Tages wie neben mir stand und nichts mehr ging.“ Die anschließenden Gesundheitsuntersuchungen im Krankenhaus zeigten jedoch keine Auffälligkeiten. Trotzdem empfanden die beiden Unternehmer die Situation als Fingerzeig, die Kapitel Ziegenhof und Käseherstellung abzuschließen. „Ich habe gemerkt, alleine schaffe ich die ganze Arbeit nicht.“, sagt Andrea Roß. Die Entscheidung, das Geschäft aufzugeben, war da bereits diskutiert worden. „Unsere Heu-Lieferanten hatten uns signalisiert, daß es in diesem Jahr knapp werden könnte mit Heu. Für uns stellte sich somit die Frage, wie wir die Tiere über den Winter bringen können.“ Auch standen notwendige Renovierungen der Ställe an.

Vor 18 begannen die Eheleute mit anfangs 2 Ziegen ihr Projekt „Ziegenhof“. Nun ziehen beide mit einem lachenden und einem weinenden Auge einen Schlußstrich. „Wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören.“, sagt Klaus-Bernd Günther. Trotz Corona war immer viel zu tun: der Hofgarten war seit Pfingsten immer gut besucht, die Käseprodukte waren nachgefragt worden, mehrere Verkaufsstellen wurden regelmäßig beliefert. Trotzdem hieß es in letzter Zeit immer öfter: „Bitte empfehlen Sie uns nicht mehr weiter!“

Der Ziegenhof „Zur Wolfsschlucht“ inspirierte die Künstlerin Anja Neumann zu einer Postkarten-Serie mit Ziegenhof-Motiven

Mittlerweile sind die Tiere und die Käse-Vorräte verkauft. Auch die technischen Einrichtungen zur Käseerzeugung werden neue Abnehmer finden. „Viele Stammgäste fragen uns, ob wir nun wegziehen. Doch aus einem Paradies ausziehen und ein neues zu suchen, macht doch keinen Sinn.“, sagt Klaus-Bernd Günther, der als nach der Wende Zugezogener immer noch von der Lausitz schwärmt. Und auch der Kontakt zu den Gästen soll aufrecht erhalten bleiben. An den Wochenenden öffnet der Hofgarten für Besucher und durchreisende Radfahrer. Denn der Wein aus verschiedenen Anbaugebieten ist weiterhin im Angebot an, ebenso wie die Ziegensalami. Und wer einen Kaffee oder einen Saft dazu trinken möchte, bekommt auch diesen. Nach Absprachen sind auch private Feiern im Hofgarten weiterhin möglich.

Langweilig wird es Andrea Roß und Klaus-Bernd Günther mit Sicherheit nicht. Zwar sei jetzt der Druck weg, auch wenn es meist positiver Stress war. Jetzt fühlen sich die beiden wie im Urlaub und müssen sich nicht ständig um die Tiere Gedanken machen. Erste Reisepläne gibt es bereits. Demnächst steht ein Besuch in Südfrankreich bei Freunden an. Auch die „Isle of Man“ in Schottland sowie Irland stehen noch auf der Reiseliste. Und spätestens, wenn in ein paar Jahren auch Andrea Roß in den Ruhestand geht, stehen vielleicht auch wieder ein paar Ziegen auf der nahe gelegenen Weide. Dann allerdings nur zum Privatvergnügen.

Über Thori 181 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

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