Zwischen den 5. Jahreszeiten

„Wir hatten Glück, daß die Corona-Krise erst nach der Karnevalssaison begann!“, sind sich Martina und Ingo Busse einig. So konnten sie unbeschwert ein Abenteuer ausklingen lassen, auf das sie sich im Herbst 2019 eingelassen hatten: den Karnevalsverein Forst-Sacro 1979 als Prinzenpaar zu repräsentieren.

Eher zufällig sind die beiden in dieses Amt gerutscht. Als regelmäßige Besucher der Karnevalssitzungen des KCS wußten sie, wie schwer es der Verein hat, jedes Jahr ein neues Prinzenpaar zu inthronisieren. Denn die Vereinssatzung schreibt vor, daß jedes Paar nur eine Saison lang im Amt bleiben darf. Bei bisher 40 Prinzenpaaren dünnt sich allmählich die Personaldecke an „unverbrauchten“ Paaren aus. „Wir haben irgendwann mal leicht dahin gesagt, daß wir bei Not am Mann einspringen würden.“, sagt Ingo Busse. Und mit Beginn der Saison 2019/2020 war plötzlich Personalnot im Sacroer Karnevalsclub. Präsidentin Kerstin Anton fragte deshalb an, ob das Angebot noch stünde.

Nach 24 Stunden Bedenkzeit war den Beiden klar, daß sie die Aufgabe übernehmen wollen. „Es war ja ohnehin ein heimlich gehegter Wunsch von uns. Und jede Frau träumt irgendwann mal davon, eine Prinzessin zu werden…“, lacht Martina Busse. Auch wenn die Busses keine Vereinsmitglieder sind, so besteht schon lange ein gutes Verhältnis zum Verein. Martina Busse und Kerstin Anton kennen sich aus der Schule, Tochter Patricia tanzt seit 20 Jahren in der Funkengarde.

Doch worauf sich Prinzessin Martina III. und Prinz Ingo III. wirklich eingelassen haben, sollten die nächsten Wochen und Monaten zeigen. Vom KCS bekamen sie Betreuer zur Seite gestellt, mit denen das Prinzenpaar die Abläufe bei den Sessionen, die Tänze und Reden geprobt hat. Auch sonst kam von allen Seiten Unterstützung für das neue Amt. „Ein großes Dankeschön geht an unsere Tochter Patricia! Die kam jedes Wochenende aus Dresden angereist, half mir beim Schminken oder begleitete uns zu den vielen Auftritten in der Region!“, sagt Martina Busse.
20 Termine zählt das Prinzenpaar auf. Neben den eigenen Veranstaltungen des Sacroer Karnevalsvereins war das Prinzenpaar auch bei anderen Karnevalsvereinen zu Gast, nahmen an der Fernsehgala „Heut steppt der Adler“ teil, besuchten Kindergärten und Seniorenheime. „Der Höhepunkt war dabei sicherlich der Empfang des Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei.“, resümiert Ingo III. Zum ersten Mal hatte ein Forster Prinzenpaar bei diesem traditionellen Empfang die große Ehre, die Dankesrede im Namen aller Karnevalsvereine und -Paare des Karnevalsverbandes Berlin-Brandenburg zu halten. Das Lampenfieber war bei den Busses groß, da half auch nicht, daß sich das Prinzenpaar und der Brandenburgische Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidtke wegen ihrer gemeinsamen Naundofer Herkunft kennen.

v.l.n.r.: Kerstin Anton, Ingo III., Dr. Dietmar Woidtke, Martina III.

Daß die vielen Termine ziemlich schlauchen und manchmal auch der Schlaf fehlte, lässt sich verkraften. Als Belohnung für 4 Monate im Rampenlicht gibt es Erfahrungen, die bleiben. „Man hat mal einen Eindruck bekommen, wieviel Zeit und Arbeit so eine Karnevalssaison beansprucht!“, sagt Ingo Busse. Die Verbindung zum Verein sei fester geworden, man habe die Mitglieder anders schätzen gelernt. Der Verein gibt das Kompliment zurück. Es kommt nicht so oft vor, daß sich die Prinzengarde vor dem Prinzenpaar hin kniet und so ihren Respekt erweist.

Von den vielen Begegnungen und Erlebnissen zerrt Familie Busse immer noch. Zwar sind die Kostüme dem Verein übereignet worden, doch die Krone und der Schmuck durften sie behalten. Auch die Karnevalsorden, die sie von den Veranstaltungen mitgebracht haben, haben einen Ehrenplatz in der Wohnung gefunden.

Doch wer nun denkt, daß die Karnevalisten außerhalb der Saison nichts zu tun hätten, irrt. Für die Zeit bis zur nächsten Karnevalssaison heißt es: proben, proben, proben! Und alle 2 Jahre finden abwechselnd eine Sommer-Gaudi-Olympiade oder ein Vereinsausflug statt. Ob dieser allerdings in diesem Jahr stattfinden kann, ist angesichts der aktuellen Corona-Krise schwer abzuschätzen. Insofern hatten Martina und Ingo Busse noch Glück, daß ihnen Corona wenigstens ihr großes Abenteuer nicht vermieste…

(c) für alle Fotos: KCS

Über Thori 181 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*