„Wir sehen das Ganze nicht so negativ“ – Ein Pusacker Ziegenhof in Zeiten der Corona-Krise

Eigentlich sollte in diesen Tagen auf dem Ziegenhof „Zur Wolfsschlucht“ in Pusack die Freiluftsaison gestartet werden. Die Osterzeit ist immer der Beginn, dann kommen gewöhnlich die ersten Besucher und Touristen, um gemütlich im kleinen Gartenlokal zu sitzen, die Natur mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen und die vielfältigen Ziegenkäse-Sorten zu probieren. Doch die Coronavirus-Krise mit ihren behördlichen Beschränkungen macht den beiden Betreibern Andrea Roß und Klaus-Bernd Günther einen Strich durch die Rechnung. Die Aufenthaltsbeschränkungen für Personengruppen gelten auch hier im südöstlichsten Zipfel Brandenburgs.

Trotzdem kann von Krisenstimmung bei dem Ehepaar keine Rede sein. „Ein paar unserer Stammgäste kommen weiterhin, um Käse und Ziegenmilch zu kaufen.“, sagt Klaus-Bernd Günter. Da Käse und Milch zu den Grundnahrungsmitteln gehören, dürfen diese weiterhin außer Haus verkauft werden. Ein Großteil der hergestellten Lebensmittel wird außerdem weiterhin im Hofladen Dörry in Hornow verkauft. „Die haben sogar größere Mengen als sonst bestellt, weil die Menschen wegen der Krise verstärkt auf regionale und frische Produkte setzen!“.
Und wer möchte, kann sich die Ware gut verpackt neuerdings auch nach Hause schicken lassen.

Auf großen Vorrat wird deshalb auf dem Ziegenhof trotzdem nicht produziert. Die derzeitigen Einnahmen decken bei weitem nicht die fortlaufenden Kosten für die Tierhaltung und Herstellung von Milch und Käse. „Wir haben in diesem Jahr erstmals die Lämmer länger am Muttertier gelassen, damit weniger Milch gemolken wird. Im Nachhinein ist das in der derzeitigen Situation sogar ein Vorteil.“, schätzt Klaus-Bernd Günther ein. Beiden zu Gute kommt außerdem, daß Andrea Roß im Hauptberuf Lehrerin ist und monatlich ein festes Einkommen hat, ebenso wie bei Klaus-Bernd Günther die Rente jeden Monat aufs Konto eingeht. So sind wenigstens die Lebenshaltungskosten gesichert.

Eng könnte es für den Betrieb des Ziegenhofes werden, wenn die Beschränkungen länger als April beibehalten werden. Das Hauptgeschäft wird ab Mai und in den Sommermonaten gemacht, wenn Urlauber und Reisegruppen gezielt den Ziegenhof „Zur Wolfsschlucht“ anfahren. Die Qualität des Käses hat sich nämlich bis weit über die Grenzen Brandenburgs herumgesprochen. Im „Zitty“-Sonderheft „Speisekarte Brandenburg“ wird der Ziegenhof „Zur Wolfsschlucht“ in Pusack als eines der wenigen lohnenswerten Ausflugslokale Südbrandenburgs empfohlen. Auch im Sonderheft „Brandenburg“ des „Tagesspiegels“ ist der Ziegenhof als kulinarischer Geheimtipp gelistet. Die Bewertungen erfolgten auf Grundlage anonymer Testbesuche im vergangenen Jahr.

Uta Bresan vom MDR mit Klaus-Bernd Günther

Doch nicht nur auf die Stammgäste und neue Besucher würden Andrea Roß und Klaus-Bernd Günther ungern verzichten, sondern auch auf ihre „Wwoofies„. „Wwoof“ steht für „World Wide Opportunities on organic Farms“, ein Netzwerk, das freiwillige Helfer und ökologisch betriebene Höfe zusammenbringt. Die einen helfen bei der Verrichtung der täglich anfallenden Arbeiten auf einem Hof, die anderen stellen Kost und Logis. Geeignet ist Wwoof für Menschen, die gerne einmal ein naturverbundenes Leben auf dem Lande kennenlernen wollen. Jährlich kommen so ein paar wenige Menschen, z.T. auch aus Amerika, hierher in die märkische Abgeschiedenheit, um sich eine Auszeit vom Trubel der Großstädte zu nehmen. Die Vermittlungsaktivitäten des Netzwerkes ruhen derzeit wegen der Corona-Pandemie.

„Wir sehen das Ganze insgesamt nicht so negativ!“, blickt Klaus-Bernd Günther trotz der derzeitigen außergewöhnlichen Situation optimistisch in die Zukunft.

Über Thori 180 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

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