Verbale Doppelpässe mit Dynamo-Legende „Dixie“ Dörner

„Dy-na-mo, Dy-na-mo“ schallte es durch den kleinen Saal im Park 7 -Cafè, als Moderator Lutz Hoff seinen Gast zum 3. Sportlerfrühshoppen begrüßte. Viele Dynamo-Fans, ehemalige Forster Fußballer und Stammgäste der „Talk im Pavillon“-Reihe waren gekommen, um die Dresdner Fußball-Legende Hans-Jürgen Dörner zu erleben, der sich offen, ehrlich und meist sehr humorvoll den Fragen des Moderator stellte.

Auf Grund der großen Kartennachfrage wurde die Veranstaltung vom ursprünglichen Veranstaltungsort im Pavillon „Genuß & Kunst“ in die neue Veranstaltungsstätte im Park 7 verlegt. Inhaberin Diana Sonntag erhofft sich damit auch etwas mehr Bekanntheit für die neue Lokalität in der Parkstraße. Zukünftig sollen hier weitere Veranstaltungen in etwas größerem Rahmen als im Pavillon stattfinden.

Hans-Jürgen, genannt „Dixie“ Dörner stammt aus einer fußballverrückten Familie. Der 1951 in Görlitz Geborene begann seine eindrucksvolle und erfolgreiche Karriere bei der BSG Motor WaMa Görlitz. Als er 16 Jahre alt war, interessierte sich der DDR-Spitzenklub Dynamo Dresden für den damals noch als Mittelstürmer spielenden jungen Mann.

1968 feierte „Dixie“ Dörner in der damaligen DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse) gegen Kali Werra Tiefenort sein Debüt für die Schwarz-Gelben aus Dresden. Bereits ein Jahr später wurde Dörner mit der U 21 – Nationalmannschaft der DDR Vize-Europameister. Im gleichen Jahr absolvierte er auch in Magdeburg sein erstes A-Länderspiel. „Und das, ohne zuvor einen einzigen Einsatz in der Männer-Oberliga gehabt zu haben.“, sagt Dörner. Was dann folgte, war eine Fußballer-Karriere, die beeindruckt: von 1969-1985 absolvierte der später zum Libero umgeschulte Spieler 100 A-Länderspiele für die DDR, die meisten davon als Mannschaftskapitän. Den historischen Triumph der DDR bei der Fußball-WM 1974 in der BRD (Platz 6 und 1:0-Erfolg gegen den „Klassenfeind“ im direkten Duell) verpasste er wegen einer Gelbsucht-Erkrankung. Zwei Jahre später holte er mit der DDR den Olympiasieg bei den Olympischen Spielen in Montreal. „Nationalspieler in der DDR zu sein war nicht einfach, wir hatten kaum Rückhalt bei den Fans und wurden trotz des Olympiasieges im nächsten Spiel gnadenlos ausgepfiffen!“, resümiert Dörner seine Nationalmannschafts-Karriere. Dabei spielte in den 70er Jahren die vermutlich beste DDR-Elf, die es je gab.

alte Autogrammkarte aus den 80er Jahren

Nach 392 Oberliga-Spielen, in denen er für einen Libero beachtliche 65 Tore schoß, machte „Dixie“ Dörner 1986 gegen Union Berlin sein letztes Spiel. Ganz freiwillig erfolgte das Karriereende nicht: Nach dem Dresdner „Jahrhundertspiel“ gegen Bayer Uerdingen im Europapokal der Pokalsieger, als Dresden das Hinspiel mit 2:0 gewann und im Rückspiel zur Pause 3:1 beim Gegner führte, am Ende jedoch noch mit 7:3 verlor und ausschied, fielen einige Dresdner Spieler bei den Offiziellen in Ungnade. Am Saisonende wurde Dörner mehr oder weniger „befohlen“, seine Karriere mit sofortiger Wirkung zu beenden. Geblieben sind 5 DDR-Meister-Titel, 5 FDGB-Pokalsiege und dreimal die Ehrung zum „DDR-Fußballer des Jahres“.

Dörner wurde nach Karriereende Trainer, übernahm zunächst die Dresdner A-Jugend und rückte nach der Vereinigung der beiden deutschen Fußballverbände in den Trainerstab von Nationaltrainer Berti Vogts auf. Dörner trainierte die deutsche U-17-Nationalmannschaft und war Co-Trainer bei der U 21. Auch wenn „Dixie“ Dörner als Trainer nicht an Berti Vogts vorbeikam, in einer Sache war Dörner schneller als Vogts: „Ich wurde 2019 vom DFB in die Ruhmeshalle des deutschen Fußballs aufgenommen. Bei der Auswahl der Jury setzte ich mich mit einer Stimme Vorsprung vor Berti durch.“ Die Aufnahme in die „Hall of Fame“ betrachtet Dörner als Wertschätzung seiner Leistungen als Spieler.

Sehr zum Gefallen der Zuschauer spielten Lutz Hoff und „Dixie“ Dörner verbalen Doppelpass und warfen sich die Bälle gegenseitig nur so zu. So hält der ehemalige Spieler Dörner nicht viel von der heutigen Spielergeneration. „Ich war noch ein Spieler, der geschwitzt hat!“ stellt Dörner amüsiert beim Betrachten eines Fotos fest und verweist auf die Spielertypen, denen die Frisur oder das neueste Tattoo wichtiger sind als die Leistungen auf dem Platz. Auch habe seine Generation ruhiger gelebt, konnte auch mal heimlich in die Nachtbar gehen, ohne gleich mit dem Handy abgelichtet und möglicherweise verpetzt zu werden. Einen Trainerjob in der Bundesliga würde Dörner heute nicht mehr annehmen. Stattdessen sitzt er im Aufsichtsrat bei seiner großen Liebe Dynamo Dresden. Und woher der Spitzname „Dixie“ stammt, wußte selbst der Namensinhaber nicht. „Vermutlich aus der Zeit, als wir als Kinder auf den Bolzplätzen spielten. Irgendwann war der Name einfach da.“,

Jürgen Sünder, ehemaliger Forster Fußballer und derzeit Vizepräsident beim SV Lausitz, lockerte die Gesprächsrunde mit ein paar Dia-Aufnahmen aus dem Jahre 1982 auf. Anläßlich 30 Jahre BSG Einheit Forst weilte damals die mit Nationalspielern gespickte Mannschaft von Dynamo Dresden in Forst und absolvierte ein Freundschaftsspiel gegen den tschechischen Erstligisten Slovan Liberec. Wie präsent dieses Spiel immer noch im Gedächtnis der Forster ist, bewiesen die treuen Dynamo-Fans, die sich noch ganz genau an den damaligen Spielverlauf erinnerten.

v.l.n.r.: Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner, Diana Sonntag, Lutz Hoff

In der Pause und nach Veranstaltungsende ließen sich die Fans von ihrem Idol, das sehr bodenständig und authentisch geblieben ist, mitgebrachte Schals, Trikots, Bücher und Fotos unterschreiben und fragten „Dixie“ Dörner noch weiter aus. Geduldig nahm dieser sich die Zeit für seine Fans.

Lutz Hoff dagegen machte den Forstern Hoffnung auf neue Sportlerfrühshoppen mit weiteren Sporthelden ganzer Generationen.

Der „Märkische Bote“ hat da wohl etwas falsch verstanden: von Einkaufen (shoppen) war nie die Rede. ..
Über Thori 181 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*