„Ich erlaube mir, in mich selbst hineinzuschauen!“

Ein paar einleitende Worte

Das nachfolgende Interview mit Franziska Wiese entstand im Dezember 2019. Ursprünglich sollte es als Exklusiv-Interview im der LAUSITZER RUNDSCHAU veröffentlicht werden. „Kaufe ich sofort!“ waren die Worte der zuständigen Redakteurin, als ihr das Interview angeboten wurde. Nur veröffentlicht wurde es bisher nicht (Stand 8. Februar 2020).

Schade, daß überregional bekannten Künstlern, die hier in der Region aufgewachsen und verwurzelt sind, in der LR nicht mehr so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird – mal abgesehen von einem Sänger, der einen viertklassigen Fußballverein aus Cottbus unterstützt und von der RUNDSCHAU ausreichend protegiert wird. 

Es wäre schade, wenn das Interview einfach so in der Versenkung verschwinden würde, zumal es eine völlig neue Franziska Wiese präsentiert. Deshalb soll es an dieser Stelle den Weg in die Öffentlichkeit finden.

„Ich erlaube mir, in mich selbst hineinzuschauen!“

Hinter Franziska Wiese liegt ein ereignisreiches Jahr, in dem sie sich praktisch neu entdeckt hat. Die Sängerin mit Lausitzer Wurzeln wohnt zwar mittlerweile in Berlin, doch den Bezug zu Ihrer Heimatstadt Spremberg und den Menschen, die hier leben, hat sie immer noch. Im Exklusiv-Interview für die LR erzählt Franziska Wiese über Wichtigkeiten und Unwichtigkeiten in ihrem Leben, ihre Definition von Erfolg, neue Herausforderungen und warum sie immer wieder gerne auf den Bühnen der Region auftritt.

Wie fällt Dein persönlicher Jahres-Rückblick 2019 aus?

Ich bin in diesem Jahr viel gereist, um neue Eindrücke und Inspirationen zu sammeln. Mittlerweile habe ich einen Ort gefunden, wo ich gerne überwintern möchte, um kreativ zu sein und neue Songs zu schreiben.

Ich folgte meiner Intuition, erdete mich und fand für mich eine andere Definition von Erfolg. Diesen mache ich nicht mehr an materiellen Dingen oder der Anzahl der Fernsehauftritte fest. Für mich bedeutet Erfolg zu haben, eine Lebensaufgabe zu finden und diese mit der Kraft des Herzens zu erfüllen.

Nicht zu vergessen sind die wunderschönen Konzerterlebnisse mit meinen Fans, wie auch mein Auftritt im TV bei „Immer wieder Sonntags“, welcher in der ARD ausgestrahlt wurde.

Besonders freue ich mich darüber, dass meine letzte Single „Dach der Welt“ den 8. Platz in der Jahresauswertung der konservativen Radiocharts belegen konnte.

Du bist 2019 unfreiwillig in die Schlagzeilen der Klatschpresse geraten, als Du als „die Neue“ von Florian Silbereisen gehandelt wurdest. Wie sehr hat Dich der Medienrummel damals belastet oder vielleicht auch stark gemacht?

Das ging anfangs völlig an mir vorbei, bis mich Freunde darauf aufmerksam machten. Ich habe mir dann die Nachrichten selber angeschaut, mich plötzlich auch in den bunten Blättern gesehen. Allerdings nahm ich es nicht so ernst, weil ich ja am besten wusste, die Gerüchte stimmen nicht. Die ganze Geschichte ist ziemlich schnell im Sand verlaufen. Ich fand es amüsant, wie schnell sich ein Gerücht verbreiten kann, ohne etwas dafür zu können.

Ein Höhepunkt war sicherlich das 1. Fan-Treffen. Erzähle mal, was es damit auf sich hatte.

Ja – das Fan-Treffen 2019 war ein tolles Highlight!

Die Jahre davor gab es bereits zwei Fanclub-Treffen, an denen ich auch teilnahm.

Das Besondere an dem Treffen in diesem Jahr war, dass es nicht über einen Fanclub gelaufen ist. Ich bemerkte, dass sich immer mehr Fanclubs bildeten. Weil ich nicht auf den verschiedenen Treffen dabei sein kann, wollte ich selber ein Treffen veranstalten, zu dem alle Fans eingeladen sind. Ich übernahm die Organisation, suchte den Veranstaltungsort und bat die Fans um Unterstützung. Es gab keine Ausgrenzung, alle sollten zusammenkommen und sich gegenseitig kennenlernen.

Ca. 60 Fans waren aus ganz Deutschland angereist und unterstützten mich zuvor bei meinem Auftritt beim Spremberger Heimatfest. Anschließend ließen wir den Tag im Kanu Bootshaus mit vielen Überraschungen, Fotos und Gesprächen bis spät in die Nacht ausklingen.

Du hast das Video „Dach der Welt“ von Deinen Fans produzieren lassen. Wie kam es dazu bzw. wer hatte die Idee dazu?

Das war meine Idee und sie kam relativ kurzfristig, weil wir noch eine weitere Single vom Album „Alles Weiß“ auskoppeln wollten. Mittlerweile ist der Titel „Dach der Welt“ meine erfolgreichste Radio-Single. Ursprünglich war meine Idee, das Video wie einen Spielfilm aussehen zu lassen, doch das war nicht umsetzbar. Dann kam der Gedanke, den Leuten mal einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren und ich ließ mich von Fans, die selber Videos produzieren, vor und hinter der Bühne begleiten. Das Team war die ganze Zeit hautnah dabei und hat mich bei verschiedenen Konzerten gefilmt. Es war ziemlich anstrengend, denn ich war ja quasi Regisseurin, Hauptdarstellerin und Künstlerin. Womit ich nicht gerechnet hatte, war die viele Arbeit, um das Video zu bearbeiten. Wir trafen uns mit dem Team mehrere Male, um das ganze Material zu einem Musikvideo zu schneiden. Das Ergebnis kann sich jeder auf YouTube ansehen.

Du warst in diesem Jahr viel in der Region unterwegs gewesen (Spremberg, Burg, Spreetal, Branitz, Niesky). War das eine bewußte Auswahl?

Nein – das hat sich so ergeben. Ich bin unglaublich gerne in der Region unterwegs. Hier haben mich die Leute als Musikerin akzeptiert. Ich spüre bei denen auch ein wenig Stolz, dass es jemand aus der Region gibt, der im Radio gespielt wird oder im Fernsehen zu sehen ist. Es ist ein schönes Gefühl, weil es ehrlich ist. Vor der Bühne lächeln mich Menschen an, die ich schon jahrelang kenne. Es gibt viele regionale Veranstalter, die mich schon über mehrere Jahre zu ihren Events einladen. Da auch meine Fans extra zu Auftritten kommen, um mit Fan-Schals und -Shirts für Stimmung zu sorgen, zieht das eine gewisse Aufmerksamkeit an, die bei der Buchung eines Künstlers bestimmt wichtig ist.

Franziska 2019 beim Heimatfest in Spremberg

Welche Pläne gibt es für 2020? Gibt es möglicherweise ein neues Album?

Im April werde ich mit 14 anderen Schlagerstars nach Kreta reisen. Wir präsentieren dort in einem 5-Sterne-Hotel „Schlager unter Palmen“. Und – soviel kann ich schon sagen – es wird auch wieder einen Auftritt beim Heimatfest in Spremberg geben. Zum Jahresende folgt dann, wie schon in den letzten 3 Jahren, die Weihnachtstour mit Frank Schöbel.

Es warten viele neue Projekte auf mich. Ich erlaube mir, in mich selbst hineinzuschauen, um zu hinterfragen, ob das, was ich gerade mache, das ist, was mir mein Herz sagt. Ich sehe immer mehr Möglichkeiten, mich über meine Musik auszudrücken, um mit den Menschen eine Verbindung einzugehen. Vielleicht dauert dieser Prozess etwas länger und ich nehme auch in Kauf, dadurch erstmal nicht immer in den großen Fernsehshows sein zu können. Da sehe ich mich erst wieder, wenn ich mich selber umsetzen kann. Es macht mir Spaß, an mir selbst zu arbeiten und Menschen auf ihrem Lebensweg zu helfen. Lange Zeit sah ich mich nur als ein Produkt, bin von einer Rolle in die nächste gesprungen. Meiner eigenen Intuition konnte ich oft nicht folgen. Heute habe ich keinen Druck mehr ein neues Album veröffentlichen zu müssen. Trotzdem schreibe ich Songs, wenn mir Themen in den Sinn kommen, gehe ins Tonstudio und erarbeite Konzepte, die für mich sinnvoll sind, um meinen Anteil für eine „bessere Welt“ zu leisten. Das Fundament dafür baue ich mir gerade auf – nur wie das Kunstwerk dann letztendlich darauf aussehen wird, kann ich heute noch nicht sagen.

Wie wichtig ist für Dich die Familie als „Rückzugsgebiet“, z.B. zu Weihnachten, oder auch wenn Du hier in der Gegend tourst?

Die Familie wird für mich immer wichtiger. Hier sind meine Wurzeln – der Grund, warum ich so bin, wie ich bin. Weihnachten feierten wir ganz harmonisch bei meinen Eltern. Nach der Weihnachtstour ein willkommenes Geschenk für mich, denn dann sehne ich mich nach Ruhe, Essen und Gesprächen mit Menschen, die mir nahestehen.

Welchen Ratschlag möchtest Du den Lesern noch auf den Weg geben?

Jeder darf sich ruhig mal erlauben, in sich hineinzuspüren. Einfach mal die Hand aufs Herz legen, ins Herz hineinatmen und schauen, wie sich das anfühlt. Fühlt sich das weit, oder eng an – gibt es einen Schmerz, der sticht – ist dort Liebe Zuhause, oder fehlt etwas?

Woher kommen negative Gedanken und Gefühle und welche Möglichkeiten habe ich, diese loszulassen? Sich für einen besseren physischen und psychischen Zustand zu entscheiden ist der erste Schritt in eine neue Richtung – auch für ein liebevolleres Miteinander. Ich wünsche allen LR-Lesern, dass sie mit einem Lachen in eine glückliche Zukunft schauen!

Noch mehr Infos und alle Termine gibt es auf Franziskas Webseite unter www.franziska-wiese.de

 

Über Thori 176 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

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