Apachen im Lößnitzgrund

Auf eine Begegnung der besonderen Art durften sich Besucher der 28. Karl-May-Festtage im Radebeuler Lößnitzgrund einlassen. Getreu dem Motto der diesjährigen Festtage „Winnetou – Häuptling der Apachen“ gelang es den Veranstaltern erstmalig, echte Apachen zu diesem Fest als Ehrengäste zu begrüßen.
Daß die Begegnung überhaupt zustande kam, ist den Behörden der Radebeuler Partnerstadt Sierra Vista in Arizona / USA zu verdanken. Zunächst wurden den über den direkten Weg eingeladenen Apachen die Ausreise-Visa der USA verweigert. Selbst Bemühungen über das amerikanische Konsulat in Sachsen und später über den amerikanischen Botschafter in Deutschland blieben erfolglos. Die Radebeuler erinnerten sich an ihre Städtepartner in Sierra Vista und sprachen dort vor, ob es nicht doch möglich wäre, eine Delegation von Apachen nach Radebeul zu entsenden. Nun muß man wissen, daß Siera Vista im Siedlungsgebiet der Apachen liegt. In der Gebirgsregion White Mountains im östlichen Arizona befindet sich die Fort Apache Reservation.

In Sierra Vista fand man Gehör und so machten sich einige Vertreter des White Mountain Apache Tribes auf den Weg in das ferne Land, wo angeblich einem Apachen-Häuptling namens Winnetou gehuldigt wird. Von einem Häuptling Winnetou hatten die echten Apachen bis dahin noch nie etwas gehört, Winnetous Erfinder Karl May war ihnen schon eher ein Begriff.

Indianer des White Mountain Apache Tribe zeigten ihre Tänze

Die indianischen Gäste, z.T. direkte Nachfahren des bekanntesten Apachen-Häuptlings Geronimo (1829-1909), zeigten am Veranstaltungsort „Kleine Feder“ traditionelle Tänze, Gesänge und Gebete ihrer Kultur. Mit der Indianer-Romantik eines Karl May hatte das allerdings wenig zu tun.

Auch Vertreter der Oglala Lakota Nation aus South Dakota waren zum ersten Mal bei den Festtagen dabei. Unterstützung fanden die Organisatoren der Festtage beim Verein „One Spirit Deutschland e.V.“, dem deutschen Ableger der amerikanischen (nichtkommerziellen) Wohltätigkeitsorganisation One Spirit, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lakota zu unterstützen und auf die schwierigen Lebensbedingungen der Lakota aufmerksam zu machen.

Die Tänzerin Delacina Chief Eagle vom Stamme der Lakota begeisterte das Publikum mit dem traditionellen Hoop Dance, einem speziellen Tanz mit mehreren Hola Hoop Reifen, die sich im Verlaufe ihres Tanzes miteinander verbanden und eine Einheit mit dem Körper der Tänzerin bildeten So war die Tänzerin am Ende eines Tanzes in einem Käfig aus Reifen „gefangen“.

Von den Ureinwohnern Kanadas gaben Ed E. Bryant von der Tsimshian Nation sowie die Le-La-La Dancers der Kwakwaka´wakw Nation einen Einblick in ihre indianische Kultur.

Das Schöne an den Karl-May-Festtagen ist, daß die jeweiligen Vertreter indianischer Nationen den „Bleichgesichtern“ nicht als bloße Folkloretruppe zur Schau gestellt werden, sondern daß sie Gelegenheit bekommen, ihre Traditionen und Mythen vorzustellen und mit Vorurteilen aufzuräumen. Die Zuschauer der Präsentationen wurden ins Programm einbezogen und durften in das Leben der amerikanischen Ureinwohner eintauchen und Seite an Seite mit ihnen tanzen und spielen. So versammelte Delacina Chief Eagle große und kleine Besucher auf der Bühne und übte mit ihnen die ersten Tanzschritte für den Hoop Dance.

Und sonst noch? In „Little Tombstone“ spielten auf der großen Showbühne Country-Bands, die Landesbühnen Sachsen präsentierten Ausschnitte aus der Inszenierung „Winnetou 1“ und Locci und seine Kumpane machten mit wilden Schießereien das kleine Westernstädtchen unsicher.

Noch herrscht Ruhe in Little Tombstone.

Im „Fort Henry“ sorgten derweil der Marshall und seine Sheriffs für Recht und Ordnung und verhinderten den Überfall auf die Bank.

Der Marshall sorgt für Recht und Ordnung in seiner Stadt.

Auch den beliebten Zugüberfall auf den Santa-Fe-Express im Lößnitzgrund gab es mehrmals zu erleben. Auf dem Geschichtenbasar war Karl May, dargestellt von Robby Langer, höchstselbst zu erleben, der von seinen Erlebnissen im Orient und auf dem Balkan berichtete. Dazu tanzten und sangen Künstler aus Bulgarien, Indien und der Türkei.

Karl May (Robby Langer) erzählt von seinen Reisen

Entlang der Festmeile hatten weitere Westerncamps ihre Zelte aufgebaut und gaben einen Einblick in das karge Leben im Wilden Westen.

Der Santa-Fe-Express im Lößnitzgrund

Etwa 30.000 Besucher zählten die Veranstalter zu den diesjährigen Festtagen. Auch der große Manitu gab sich große Mühe und bescherte dem Fest schönstes Sommerwetter mit Temperaturen um die 30°C.

Wieder was gelernt: Die bei uns als Indianer bekannten Ureinwohner Nordamerikas werden in den USA als „Native Americans“ bezeichnet. In Kanada werden die indigenen Völker, ausgenommen die Métis und die Inuit, als „First Nations“ bezeichnet.

Die nächsten Karl-May-Festtage finden vom 22.-24. Mai 2020 statt. Alle Infos unter www.karl-may-fest.de

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Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

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