Der Geschmack der Lausitz

„Wie schmeckt die Lausitz?“ Antwort auf diese Frage gab es auf der 4. Geschmacksmesse, die am vergangene Samstag bei bestem Kaiserwetter Aussteller und Besucher aus Nah und Fern auf das Gut Neu Sacro anlockte und einen Hauch von „Grüner Woche“ vermittelte. Bereits kurz nach dem offiziellen Einlassbeginn bildete sich an der Kasse eine lange Warteschlange, auf den ausgeschilderten Parkplätzen und entlang der Straße waren nicht nur einheimische Fahrzeuge zu erkennen, sondern auch welche mit Görlitzer oder OSL-Kennzeichen.
33 regionale Produzenten folgten der Einladung der Bauern AG Neißetal, die seit 5 Jahren das Gut touristisch und kulinarisch vermarktet. Neben vielen Stammgästen der Messe waren auch neue Aussteller neugierig, wie ihre Produkte beim Verbraucher ankommen.

„Wir haben aus den Erfahrungen der vergangenen Messen gelernt, um hoffentlich den Nerv der Leute zu treffen.“, sagte Vorstand Helmut Baum. Und an die regionalen Erzeuger gerichtet sagte er weiter: „Wir können und wollen nicht alles selber machen. Was wir tun können, ist hier eine Grundlage bereitzustellen, damit Erzeuger und Verbraucher in Kontakt treten können.“ So wurde der gesamte Hof mit in das Ausstellungskonzept einbezogen, ebenso die Galerie über der Gaststätte und auch der ehemalige Kuhstall. Dadurch verteilten sich die Besucherströme auf mehrere Objekte.

Zu den Partnern, die seit der ersten Geschmacksmesse dabei sind, gehört die Confiserie Felicitas aus Hornow. Frank Mader, Vertriebsleiter des Unternehmens, brauchte nicht viel tun, um den Besuchern die süßeste Seite der Lausitz schmackhaft zu machen. „Goldkaramell“ und „Ruby“ heißen zwei neue Sorten. „Das Besondere an ‚Ruby‘ ist die pinke Farbe.“. Die Pralinen, in der Form angelehnt an den Berliner Bären, sind ohne Fruchtzusatz hergestellt. Die Kakaobohne selber liefert die rote Farbe. Neben Vollmilch-, Zartbitter- und Weißer Schokolade gibt es nun eine vierte Schokoladensorte im Angebot der Hornower.

Zum ersten Mal auf der Geschmacksmesse vertreten ist das Unternehmen „Lusiza“ aus Jänschwalde. Es belebt mit Wildkräutern die Lausitzer Küche. Undine Janetzky schwört besonders auf die Salze, die aus den Samen der Wildpflanzen gewonnen werden. So eigne sich der Samen der Nachtkerze – wie der Name schon vermuten lässt ein Nachtblüher – hervorragend für die hauseigene Fruchtkornmischung. Auch vegane Pasteten lassen sich damit geschmacklich verfeinern.

Ebenfalls zum ersten Mal dabei ist Martin Wagner mit seiner Sächsischen Spirituosen-Manufaktur. Das Ein-Mann-Unternehmen aus Kirschau, 12 km südöstlich von Bautzen, hatte von allen Ausstellern die weiteste Anreise. „Ich war im vergangenen Jahr auf dem Weihnachtsmarkt bei ‚Felicitas‘ mit einem Stand vertreten. Dort kam der Kontakt zum Gut Neu Sacro zustande und so wurde ich hierher eingeladen.“, Seine Manufaktur bietet vorwiegend Obstbrände und -Liköre an, doch in seinen Lagern reifen auch edle Whisky-Sorten.

So unterschiedlich wie der Geschmack sind auch die angebotenen Produkte. Neben Honigerzeugnissen, Gewürzen, unterschiedlichen Brot- und Fleischwaren kann auch Leinöl verkostet werden. Gleich vier Leinöl-Produzenten buhlen um die Gunst und den Geschmack der Besucher. Mit der „Konkurrenz“ arrangiert man sich. Mathias Kloss von „Öl & Gut“ aus Raddusch sieht das Ins-Gespräch-Kommen mit anderen Ausstellern als einen wichtigen Aspekt dieser Messe. So konnte er Helmut Baum in einem kurzen Gespräch seine Erfahrungen mit der Nachnutzung anfallender „Abfallprodukte“ schildern. „Die bei der Schlachtung von Schweinen übrig gebliebenen Schweineohren oder -Schwänze lassen sich nun mal nicht vermarkten.“, wie Helmut Baum anmerkt. Da haben es die Öl-Müller leichter: die beim Ölpressen entstehenden Rückstände werden zu Leinkuchenmehl weiterverarbeitet und als Tierfutter oder als gesundheitsfördernde Beimischung für Müsli, Joghurt oder beim Brotbacken verwendet.

Neben den Erfahrungen von anderen Erzeugern nehmen die Aussteller auch den einen oder anderen geschäftlichen Kontakt mit in ihre Heimat-Betriebe. Neben neuen Kunden konnten neue Geschäftspartner und Vermarkter gewonnen werden. Viele der am Samstag vorgestellten Produkte sind im Hofladen des Gutes Neu Sacro erhältlich.

Sehr zufrieden mit der Resonanz sowohl was die Anzahl der anwesenden Erzeuger als auch die Zahl der Besucher anbelangt ist der Veranstalter, die Bauern AG Neißetal. Die Besucherzahlen des Vorjahres wurden erneut wieder etwas überboten. Schon kurz nach Schließung der 4. Geschmacksmesse stand bereits fest, dass es im nächsten Jahr eine Neuauflage geben wird. Dann feiert die kleine Schwester der „Grünen Woche“ ihr 5jähriges Jubiläum und es darf erneut der Geschmack der Lausitz probiert werden.

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Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer

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