Ein Teenager auf dem Weg an die Spitze – der Berliner Mike Ortmann und das Abenteuer Formel 4

Wo bitte geht es zur Box vom Team „Mücke Motorsport“? Die riesige Freifläche auf der Rückseite der Boxengasse des Lausitzrings ist ein einziger großer Stellplatz: Trucks, Zelte, Wohnwagen stehen schön nebeneinander wie in einer Wagenburg aufgereiht. Hier irgendwo bin ich auf der Suche nach Mike David Ortmann. Der 16jährige Berliner fährt in der Formel 4, der Nachwuchsklasse des ADAC für Formelrennwagen.

Ich frage mich bei den Mechanikern in ihren orangenen Shirts durch; Teamchef Peter Mücke gibt mir den Tip, es mal in der Kommandozentrale des Teams zu versuchen. Dort treffe ich endlich auf meinen Gesprächspartner. Entspannt, mit herunterhängendem Rennoverall sitzt Mike vor einem Monitor und lauscht den Ausführungen seines Renningenieurs. Das Ziel für das anstehende Rennwochenende ist klar: „Drei Podiumsplätze wären schön“, sagt Mike. Damit wäre er weiterhin im Titelrennen.

7_Mike Ortmann_(c)Thoralf HaßMike Ortmann ist ein ruhiger Typ, der trotz seiner jungen Jahre schon professionell Motorsport betreibt. Vor der Box steht für die vorbei flanierenden Fans ein Aufsteller mit Autogrammkarten, Postern und Fähnchen – der Kontakt zu den Fans ist wichtig. Das zeigt sich auch, wenn Mike durch das Fahrerlager geht: immer wieder bitten junge Mädels um Mikes Unterschrift oder ein Foto.

Seine Leidenschaft zum Motorsport entwickelte sich schon frühzeitig: „Angefangen hat es 2009, als wir an einem Kindergeburtstag Kartfahren waren.“, erinnert sich Mike an seine Anfänge zurück. Die Faszination Motorsport ließ ihn danach nicht mehr los. Schnell stellten sich erste Erfolge ein – so gewann er zweimal den Bundesendlauf im Kartsport und wurde Dritter im ADAC Kart Masters.

Der damalige Betreiber seiner Internetseite lud Mike Ortmann auf den Lausitzring ein und stellte ihm Peter Mücke, Teamchef von „Mücke Motorsport“, vor. Nach erfolgreich verlaufenen Tests im Simulator und auf der Rennpiste unterschrieb Mike Ortmann im Oktober 2014 bei „Mücke Motorsport“, einem der führenden Rennställe in Deutschland, wenn es um die Ausbildung hoffnungsvoller Talente geht, und wechselte vom Kart- in den Formelrennsport in die ADAC Formel 4. „Das Besondere an der Formel 4 ist, dass alle Fahrer das gleiche Material haben, von der Motorleistung bis zum Chassis. Es kommt also nur auf den Fahrer an, wie erfolgreich ein Rennen verläuft!“, erklärt der Berliner. In seiner ersten Saison wurde er auf Anhieb Zweiter in der Rookie-Wertung, also zweitbester Neuling.

Peter Mücke sagt über Ortmann: „Mike ist ein dufter Junge, das ist das Wichtigste. Er ist über den Winter fahrerisch sehr gereift und mental sehr stark. Und er ist einer der besten Überholer, die ich kenne.“

Auf seiner Hausstrecke, dem Lausitzring, läuft es jedoch weniger gut. Im ersten Rennen nur Platz 9, im zweiten Lauf wird seine Aufholjagd durch Safty-Car-Phasen immer wieder unterbrochen und es reicht nur zu Platz 4.4_Mike Ortmann in der Startaufstellung_(c)Thoralf Haß

Seine Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnissen an diesem Wochenende sieht man ihm an. Doch viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, der Zeitplan ist dicht gedrängt. Zur Autogrammstunde sieht man ihn schon wieder lachen und er beantwortet nebenbei geduldig die Fragen des Moderators.6_Mike Ortmann im Interview_(c)Thoralf Haß

Wer sich mit Mike Ortmann unterhält, merkt schnell, da ist jemand, der für seinen Sport lebt. Klar hat er den Wunsch, mal in die Formel 1 zu wechseln. „Man muss dabei aber beobachten, welcher Weg ist realistisch und sich auch eingestehen, wenn es am Ende nicht reicht. Wir schauen einfach von Jahr zu Jahr. Auf jeden Fall will ich weiter Motorsport betreiben!“, sagt Mike.

Sagt’s und ist schon wieder auf das nächste Rennen fokussiert. Wenig später verlässt er die schützende Wagenburg und geht völlig unaufgeregt zum Vorstart, als wäre es das Normalste dieser Welt. Dabei wird er sich gleich in einen Rennboliden setzen und vor den Augen seiner angereisten Fanclubs mit fast 200 km/h über die Piste jagen – links und rechts flankiert von rund 20 weiteren jungen Wilden….

Endlich kann er sein Potential zeigen, führt bis zwei Runden vor Schluss und wird am Ende doch nur Dritter. Während er mit Regenreifen auf der langsam trockener werdenden Strecke blieb, stellten seine Konkurrenten auf Slicks um und konnten ihn kurz vom dem Ziel noch überholen.

(c) für alle Fotos: Thori, 2016

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.