Viele Pferdestärken im und außerhalb des Reit-Parcours

Der Wettergott muss ein Reitsportfan sein! Anders ist es nicht zu erklären, dass beim 11. Forster Sattelfest im hiesigen Rad- und Reitstadion beste äußere Bedingungen herrschten, die es den zahlreich angereisten Teilnehmern aus Nah und Fern erlaubten, höchste sportliche Leistungen abzuliefern. Die Organisatoren des veranstaltenden PSV 1893 Forst mit Hagen Ridzkowski als Turnierleiter des höchstdotierten Freilandturniers in den ostdeutschen Bundesländern taten ihr Übriges, um Reitern, Rennfahrern, Betreuern und Zuschauern den Aufenthalt im Stadion so angenehm wie möglich zu gestalten.

15 Springprüfungen unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrades und der traditionelle Herbstpreis der Steher standen auf dem Programm. Auch das Rahmenprogramm abseits des Wettkampf-Parcours konnte sich sehen lassen.

Für die Voltigiergruppe der SG Bademeusel war der Samstag besonders aufregend. Sieben Mädchen und ein Junge aus der Nachwuchsgruppe präsentierten während einer Umbaupause im Stadion, was sie in den letzten Wochen einstudiert hatten. Auf dem Rücken von „Wirbelwind“, der 17jährigen Hannoveraner Stute von Besitzerin und Longenführerin Beate Rösler, balancierten Emma, Ronja und die anderen gekonnt zum Rhythmus aus den Lautsprechern. Die jüngste im Team ist Elaine, vor wenigen Tagen 6 Jahre alt geworden und zum ersten Mal beim Sattelfest dabei. Auch Fritzi aus Neuzelle hatte zum ersten Mal einen Auftritt vor solch großem Publikum. „Es war schön und hat alles geklappt, wie wir das geübt hatten. Nur ‚Wirbelwind‘ stockte einmal“, sagte die Achtjährige nach dem Auftritt.

Ronja (11 Jahre) kennt das Sattelfest schon aus den Vorjahren. Sie ist bereits zum 4 Mal dabei. Auch für sie ist es immer noch etwas Besonderes, vor so vielen Leuten aufzutreten.

Als Dankeschön und Belohnung für ihren Auftritt gab es für die jungen Reiter aus den Händen der Forster Rosenkönigin Stephanie II. die begehrten Schleifen und eine Tüte Gummibärchen. „Die Schleifen sind für die Kinder etwas Besonderes.“, verrät Ines Horschigk, Trainerin der beiden Voltigiergruppen in Groß Bademeusel. Für Fritzi war es bereits die 63. Schleife, die sie bei den unterschiedlichsten Reitveranstaltungen errungen hat. Auch Ronja hat schon mehr als 20 Schleifen in ihrer Sammlung.

Der Großteil der Gruppe kommt aus Forst und trainiert einmal in der Woche unter der Anleitung von Ines Horschig auf dem Reiterhof von Beate Rösler. Durch Mundpropaganda sind auch Kinder aus weiter entfernten Orten wie Gablenz bei Weißwasser oder eben Neuzelle zur Trainingsgruppe gestoßen. Neben der Nachwuchsgruppe gibt es noch eine Leistungsgruppe, die regelmäßig an Wettkämpfen teilnimmt.

Dass die Voltigiergruppe ziemlich am Ende der Pferdeboxen Quartier bezogen hat, stört die Gruppe nicht: “Das ist ganz praktisch, da müssen die Kinder nicht so sehr auf die großen Reiter achten, die über den Platz zum Stadion reiten!“, erklärt Ines Horschig.

Denn hier im Reiterlager herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Sportler reiten mit ihren Pferden zum Wettkampf-Parcours oder kommen gerade vom Abreiteplatz, wo sich die Pferde nach ihrer Springprüfung auslaufen können. In den vielen langen Pferdeboxen auf dem weitläufigen Gelände werden die Tiere für den nächsten Ritt vorbereitet oder nach dem Wettkampf gestriegelt. Viele Reiter sind mit speziellen LKWs, in denen ihre Wettkampf-Pferde untergebracht sind, angereist. Wie in einer Wagenburg aufgereiht stehen die Trucks auf dem Fußballfeld des SV Süden, der für das Sattelfest seinen Sportplatz zur Verfügung gestellt hat. Auf Videowänden im Reiterlager können die Reiter die Ergebnisse ihrer Konkurrenten verfolgen.

Doch Pferdestärken konnte man nicht nur im Rad-Oval bewundern, sondern auch auf dem Vorplatz unterhalb der Südkurve. Hier stehen an diesem Samstag 10 historische LKWs und laden die Liebhaber größerer Pferdestärken zum Schwärmen und Fachsimpeln ein. „Die Autos gehören meist regionalen Unternehmern“, sagt Jürgen Beinio, Verkaufsleiter im Autohaus Cottbus. Alle zwei Jahre trifft man sich zu einer Ausfahrt, die von der Cottbuser Mercedes-Niederlassung organisiert wird. In diesem Jahr führte die Tour von Lübben über Guben nach Forst. Das älteste Fahrzeug war ein Mercedes-Lieferfahrzeug aus der Zeit Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit der knallroten Lackierung, auf der die Werbung eines großen Lausitzer Bäckereiunternehmens prangt, fällt es sofort ins Auge. Neben mehreren Mercedes-Oldtimern präsentieren sich auch aufpolierte H6-Fahrzeuge aus Werdauer Produktion, ein W-50 und ein Volvo und bieten jedes für sich dem Betrachter einen optischen Leckerbissen.

Es gibt viel zu entdecken abseits des Reit-Parcours. Doch im Mittelpunkt des Interesses stehen natürlich der Pferdesport sowie das Steherrennen. Und wenn man den Wettergott als Verbündeten hat, lohnt sich das Dabeisein umso mehr.

Ein freischaffender Rentner in Forst

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, dachten sich Diana Sonntag, Inhaberin des Pavillon „Genuss & Kunst“ sowie Moderator Lutz Hoff, als sie für ihre populäre Reihe „Talk im Pavillon“ den beliebten Schauspieler Jaecki Schwarz erneut einluden. Ursprünglich war seine Gesprächsrunde schon Mitte Februar geplant, doch damals musste Jaecki Schwarz krankheitsbedingt passen. Sein Freund und Schauspielkollege Wolfgang Winkler sprang kurzfristig für ihn ein.

Diesmal klappte es nun, auch wenn Diana Sonntag gleich am ersten der zwei Gesprächs-Nachmittage als Krankenschwester aushelfen mußte. Eine Wespe hatte in der Pause in des Schauspielers Finger gestochen. Dank vieler gleichlautender Tipps der Besucher („Zwiebel drauf!“) konnte die Veranstaltung mit zwischenzeitlichen „Behandlungspausen“, die alle Seiten mit viel Humor nahmen, zu einem glücklichen Ende geführt werden.

An den zwei Nachmittagen stand also diesmal „Polizeiruf“-Kommissar Schmücke Rede und Antwort und gab Auskunft über sein langes Schauspielerleben. In Ostdeutschland gehört der Berliner mit seiner herzlichen Art längst zu den Publikumslieblingen. „Letztens hat mich einer auf der Straße erkannt und gesagt, er hätte im Fernsehen gesehen, wie ich wieder was verhökert hätte“, amüsierte sich Jaecki Schwarz. Gemeint war seine Rolle als „Sputnik“ in der ZDF-Krimiserie „Ein starkes Team“. Schwarz spielt darin einen ehemaligen Volkspolizisten, der nach der Wende nicht in den bundesdeutschen Polizeidienst übernommen wurde und sich nun mit den irrwitzigsten Jobs über Wasser hält und überall das große Geschäft wittert. „Die witzigen Dialoge zwischen Florian Martens, der in der Serie den Otto spielt, und mir entstehen meist in den Drehpausen, weil wir viel Spaß miteinander haben“, erinnert sich Jaecki Schwarz und gab gleich mal ein paar Beispiele zum Besten. Auch von Maja Maranow, die viele Jahre in der Serie mitspielte und vor einiger Zeit verstorben ist, schwärmt Schwarz immer noch: “Ich dachte anfangs, die kommt auch aus dem Osten, weil sie so ein dufter Kumpel war“.

Angefangen hat die Schauspielkarriere des heute 72jährigen bereits während der Schulzeit. Dort gründete er mit anderen Schülern eine Laienspielgruppe. Später studierte er an der Filmhochschule in Babelsberg. Im zweiten Studienjahr wurde er von Konrad Wolf für den Film „Ich war neunzehn“ entdeckt und schaffte gleich mit seiner ersten großen Filmrolle den Durchbruch. „Das Museum of Modern Art in New York hat diesen Film zu den 100 wichtigsten Filmen der Filmgeschichte gekürt!“, sagt Jaecki Schwarz voller Stolz. Das Erfolgsgeheimnis dieses Films sei dessen Schnörkelosigkeit, „Der Film ist ehrlich gemacht, ohne zu heroisieren.“

Nach dem Studium ging Jaecki Schwarz 1974 ans „Berliner Ensemble“, wo er bis 1997 festes Ensemblemitglied war. „Eigentlich wollte ich ans Deutsche Theater, aber das BE durfte regelmäßig im Westen auftreten.“ Den Gedanken, einfach „Drüben“ zu bleiben, hatte Jaecki Schwarz nie. Er habe bei den Tourneen recht schnell erkannt, dass der Westen doch nicht so goldig war wie er immer angepriesen wurde. Einen Kulturschock habe er jedenfalls nicht bekommen.

Nach Unzufriedenheit mit den damaligen Verhältnissen und der Intendanz am „Berliner Ensemble“ kündigte Schwarz 1997 und war fortan freiberuflich als Künstler unterwegs. Zu seinem großen Glück begann 1996 fast zeitgleich seine Karriere als Hauptkommissar Schmücke in den „Polizeiruf 110“-Folgen, die ihn gesamtdeutsch bekannt machte. 17 Jahre lang, in 50 Folgen, ermittelten er und Wolfgang Winkler gemeinsam. „Wir waren nicht die Kommissare, die ballernd hinter den Ganoven her rannten. Dafür hatten wir unsere junge Kollegin.“ Das Aus für die beiden Herberts (so die Rollennamen) bahnte sich an, „als wir vom MDR zu einem Essen eingeladen wurden. Wir ahnten was kommt und sind trotzdem zum Essen gefahren.“

Groll hegt Jaecki Schwarz keinen. Dafür sei er viel zu sehr ein Gemütsmensch. Er bezeichnet sich mittlerweile als „freischaffenden Rentner“ und sieht sich lieber die Welt an. Mit Franziska Troegner geht er hin und wieder auf Lesereise oder erinnert sich in Gesprächsrunden wie in Forst an lustige Anekdoten aus seinem langen Berufsleben. Etwa die von den Dreharbeiten in Babelsberg zu „Lotte in Weimar“ mit Weltstar Lilli Palmer. „Für Frau Palmer baute man extra auf dem Gelände einen Verschlag mit Campingklo, damit sie nicht jedesmal nach Westberlin fahren mußte, wenn sie mal mußte. Wir anderen Schauspieler haben uns mit siffigen Kabinen zufrieden gegeben, da saß bestimmt schon Hans Albers drin.“

Es ist diese Art von Humor, die beim Publikum ankommt. Jaecki Schwarz mischt sich bei den Filmeinspielern unters Publikum; sorgt sich, ob auch alle in den hinteren Reihen was sehen und witzelt in der anschließenden Autogrammstunde mit den Gästen. Er nimmt sich selber nicht so wichtig, erinnert immer wieder an seine ostdeutsche Herkunft, macht sich über (West-)Kollegen lustig, die meinen, etwas Besseres zu sein.

Und wer weiß, vielleicht zieht es ihn auch irgendwann mal wieder nach Forst. Nimmt man bei der Ansage das Kopfnicken im Saal als Zustimmung, hätten die Forster sicherlich nichts dagegen einzuwenden. Und Geschichten und Anekdoten gibt es ganz bestimmt auch noch genügend zu erzählen.