Forster Ruf geht um die Welt

Die Funkamateure des Ortsverbandes Forst (Lausitz) im Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. stellten am vergangenen Wochenende im Brandenburgischen Textilmuseum ihr Hobby vor. Mit dieser Aktion bereichern die Mitglieder des Ortsverbandes die vielfältigen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Jubiläum „125 Jahre Forster Stadteisenbahn“. Mit dem Sonderrufzeichen DM125FS, welches vom 1. April bis zum 30. Juni gültig ist, stellt die Clubstation Funkverbindungen in die gesamte Welt her. Eine 42 Meter lange und 8 Meter über dem Erdboden hängende Antenne sorgt für die notwendigen Kontakte.

Auf einer Weltkarte trägt Eberhard Roy, Ortsverbandsvorsitzender, jene Länder ein, die die Signale aus dem Forster Textilmuseum bestätigen. Aus 42 Ländern gab es seit Monatsanfang Rückmeldungen. Die weitesten Funksprüche wurden aus Australien, Indonesien und den USA empfangen. Wie gut der Empfang ist, hängt dabei u.a. vom Wetter ab. Auch die Sonnenwinde beeinflussen die magnetischen Felder, selbst kleinste Netzgeräte im Haushalt haben Einfluss auf die Übertragungsqualität.

Im Forster Ortsverband sind 9 Funkamateure organisiert, deutschlandweit etwa 37000. Hinzu kommen noch die privaten Funker, die vereinslos sind.

Neben dem Sprachfunk verständigen sich die Forster Funker vor allem per Telegrafie, besser bekannt unter dem Begriff Morsen. „Das Morsealphabet ist weltweit einheitlich, so dass man sich auch miteinander verständigen kann, selbst wenn man die jeweilige Landessprache nicht beherrscht.“, erklärt Hans Unger vom Forster Ortsverband. Neben ihm sitzt Wolfgang Plache am Sende-und Empfangsgerät und und tippt eifrig auf die Morsetaste. Er hält gerade Kontakt zu einem Funkamateur in Finnland.

Gefunkt wird an diesem Wochenende vom Museum aus auf einem 40-Meter-Band, welches eine Frequenz von 7 Megahertz hat, sowie auf dem 20-Meter-Band mit 14 Megahertz.

Innerhalb von 20 Minuten zählt Wolfgang Plache 13 Verbindungen nach Skandinavien und auf den Balkan. Die Funksprüche werden kurz gehalten. Der Funker am anderen Ende bestätigt das ankommende Rufzeichen, danach werden die Lesbarkeit der Buchstaben, die Signalstärke sowie die Tonqualität ausgetauscht.

Später tauschen beide Funkpartner sogenannte QSL-Karten als Funkbestätigung aus. Für die Aktion anlässlich des „Jule“-Jubiläums wurde eine spezielle QSL-Klapp-Karte entworfen. Sie zeigt auf dem Titelbild die „Schwarze Jule“, im Innenteil gibt es ein paar Informationen zur Forster Stadteisenbahn und auf der Rückseite quittieren die Forster Funker den Empfang des auswärtigen Funksignals. Die Karten werden dann gesammelt über die übergeordneten Verbände an die jeweilige Gegenstelle weitergeleitet. Auf dem selben Weg erhalten die Forster dann in einigen Wochen die QSL-Karten ihrer Gesprächspartner zugestellt.

Eberhard Roy hat in einem Ordner einige seiner schönsten Empfangskarten gesammelt. Mal sind darauf Stadtansichten zu sehen, mal Landschaften, dann wiederum aufwendig gestaltete Motive mit Reproduktionen. Selbst eine Empfangskarte in Blindenschrift zählt Eberhard Roy zu seinen Schätzen.

Das Forster Sonderrufzeichen „DM125FS“ lässt sich leicht erklären: DM ist das Länderkennzeichen für Deutschland, 125 bedeutet 125 Jahre und FS steht für Forster Stadteisenbahn.

Zum 100jährigen Bestehen des Ostdeutschen Rosengartens wurde auch schon eine Sonder-QSL-Karte herausgegeben, ebenso zur 750-Jahr-Feier und zum 100jährigen Rennbahn-Jubiläum.

Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen gibt es auch bei den Funkamateuren Wettbewerbe. So wird u.a. ermittelt, wer in einer bestimmten Zeit die meisten Funkkontakte aus einer bestimmten Region hat. Ein anderer Wettbewerb war z.B. die Sammlung von Funkkontakten ewiger Städte. Wer erfolgreich teilgenommen hat und seine Kontakte gezählt hat, kann ein Diplom beantragen, Eberhard Roy hat eine ganze Menge an Diplomen in seinem Ordner.

Am Wochenende lief in der Schweiz der „Helvetia Contest“. Schweizer Funker sollten möglichst viele Kontakte außerhalb der Schweiz sammeln. Wolfgang Plache hört über seine Kopfhörer den regen Funkverkehr. Als er die Lautsprecher seiner Sendeanlage anmacht, kann man gerade ein Funkgespräch zwischen einem Schweizer und einem Holländer mitverfolgen. Kurze Zeit später ist ein Israeli über den Äther zu hören.

Im Juli findet erstmalig in Deutschland eine Weltmeisterschaft für Amateurfunker statt. In der Region um Jessen an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt kämpfen Teilnehmer aus 40 Ländern um den Titel. „Forster hätten auch teilnehmen können!“, verrät Hans Unger. Man beschränke sich allerdings lieber darauf , während der WM zu Hause auf Empfang zu bleiben und den Teilnehmern dann später diesen Empfang zu bestätigen.

Wie viele andere Vereine haben auch die Funker ein Nachwuchsproblem. „Dabei ist Amateurfunk ein Freizeitbeschäftigung, die man bis ins hohe Alter betreiben kann.“, sagt Wolfgang Plache. Auch die Kosten seien überschaubar. So gebe es schon Einsteigermodelle für wenig Geld. Selbst die nicht so teuren Sendegeräte hätten eine ordentliche Leistung.

Das kann auch Silvio Hanschke bestätigen, der am Samstagnachmittag als einer der Wenigen den Forster Funkern im Textilmuseum einen Besuch abstattet. „Ich hatte mit Eberhard Roy Funkkontakt, da hat er mich zu dieser Veranstaltung eingeladen“. Silvio Hanschke funkt lieber mittels CB-Funk und hatte mit seiner Technik auch schon Verbindungen nach Übersee.

Eberhard Roy bedauert, dass nicht mehr Jugendliche Interesse für den Amateurfunk aufbringen. Er würde gerne Kontakt zu Schulen aufnehmen und die Funkerei näher vorstellen. „Funker sind selbst dann noch zu erreichen, wenn der gefürchtete Big Bang eintritt!“, ist sich Roy sicher. Im Falle des von Experten prognostizierten flächendeckenden Zusammenbruchs der Stromversorgung wären die Funker dank ihrer batteriebetriebenen Geräte die einzige Verbindung zur Außenwelt, schließlich wäre dann auch das Internet lahm gelegt.

Wer sich einmal selber über dieses interessante Hobby informieren möchte, hat noch an den Wochenenden 26./27.Mai sowie 23./24. Juni die Möglichkeit. Dann bauen die Forster Funkamateure erneut ihre Clubstation im Brandenburgischen Textilmuseum auf. Interessierte Besucher können sich dann selber einen Eindruck verschaffen, wohin der Ruf aus Forst geht. Und zur bleibenden Erinnerung erhalten die Besucher die Bestätigungskarte mit dem „Jule“-Motiv.

Bunte Farbtupfer auf dem Mühlgraben

Noch ist die Natur nicht vollständig erwacht, trotzdem sorgten schon viele bunte Farbkleckse auf dem Mühlgraben am Sonntagnachmittag bei den Schaulustigen entlang des Wassers für strahlende Augen. Die Forster Kanuten trafen sich bei bestem Frühlingswetter und Temperaturen um die 20° C zum traditionellen Anpaddeln. Gelbe, rote, weiße oder grüne Boote durchbrachen das immer noch vorherrschende Grau in der Natur.

„Für uns ist das die förmliche Saisoneröffnung, auch wenn wir vorher schon mal am Neujahrstag oder Karfreitag mit den Booten unterwegs waren“, sagt Dr. Herbert Schulze, Vereinsvorsitzender vom Wassersport Forst e.V. Im nächsten Jahr feiert der Verein sein 100jähriges Gründungsjubiläum. Damit ist er nach eigenem Bekunden der älteste Kanuverein Brandenburgs. Und solange wie es den Verein schon gibt, gehört auch das Anpaddeln im Frühjahr zur Tradition.

In früheren Zeiten gab es 7 Kanuvereine in und um Forst, übrig geblieben sind neben dem Wassersport Forst nur die SG Turbine Forst sowie die Interessengemeinschaft Mühlgraben-Kanuten.

Los ging es kurz nach 14 Uhr am Bootshaus in der C.A.-Groeschke-Str. Von hier starteten die ersten 8 Boote, alle vom Wassersportverein. Darunter waren nicht nur Einheimische, sondern auch Gäste aus Cottbus, Hamburg oder Lübeck. Es sind Vereinsmitglieder, die aus beruflichen oder familiären Gründen aus Forst weggezogen sind, sich dennoch dem Verein verbunden fühlen und extra zu solchen besonderen Anlässen anreisen.

Mit im Boot saß die vierjährige Mia, die sich von ihrem Opa durch die Gegend paddeln ließ. Schon mehrmals war sie bei solchen Bootstouren dabei.

Gegen 14:30 Uhr kam es am Turbine-Bootshaus im Kinder- und Jugenddorf zum Zusammentreffen mit den anderen Kanuten. Egal ob im Einer, Zweier oder Vierer – gemeinsam machte man sich nun auf den Weg stromaufwärts Richtung Wehrinsel und weiter auf der Neiße bis zu den Überresten der Fundamente des ehemaligen Bootshauses Forst-Koyne, die noch an Ufer zu erkennen sind.

Auf der Mühlgrabenbrücke in der Wehrinselstraßen versammelten sich derweil ein paar Schaulustige, die die rund 20 Boote schon sehnsüchtig erwarteten. Man kennt und grüßt sich, macht witzige Bemerkungen oder feuert die Kanuten an.

Für Mia ist der ganze Trubel um sie herum inzwischen zu groß geworden. Sie schlummert mittlerweile im Boot und lässt sich auch von den Paddelschlägen ihres Opas nicht in ihrem Schlaf stören.

Nach der Wende geht es stromabwärts wieder zurück zu den jeweiligen Boothäusern. Zwar lässt jeder Verein für sich den Tag ausklingen, der Ablauf dürfte jedoch bei allen drei Vereinen der gleiche sein: fleißige Helferinnen haben inzwischen Kaffee gekocht und die Tische eingedeckt. Bei selbstgebackenem Kuchen, später bei Gegrilltem, sitzt man noch ein wenig zusammen und lässt den Tag Revue passieren und blickt auf die kommende Saison voraus.

Auch Mia wird dann sicherlich wieder wach sein. Was sie an diesem Sonntag verpasst hat, kann sie ja im Herbst nachholen. Da trifft man sich erneut, dann zum Abpaddeln. Doch das hat eine andere Tradition…