„Bye Bye Kuckuck“ – Emotionales Finale in der 9. Langen Nacht des Kabaretts

Mit einem emotionsgeladenen Finale ging am vergangenen Freitag die 9. „Lange Nacht des Kabaretts“ und zugleich eine lange Ära im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno zu Ende. Nach mehr als 15 Jahren Kabarett im „Kuckuck“ zieht sich die gastgebende Familie Hendrischke aus der Gastronomie und der Veranstaltungsorganisation zurück.
Die teilnehmenden Künstler wollten sich kurz vor Mitternacht mit einem improvisierten „Bye, Bye Kuckuck“-Lied verabschieden. Spontan stimmten die Gäste im Zuschauerraum in den Refrain ein und sangen mit. Viele Wunderkerzen erhellten den Saal, das „Kuckucks“-Team stand vor Rührung und mit Tränen in den Augen neben der Bühne angesichts der Dankbarkeit, die das Publikum für die vielen Jahre inniger Verbundenheit in diesem Moment zum Ausdruck brachte.

Dabei fing alles so schön an: Birgit Hendrischke als Veranstaltungschefin hatte auch in diesem Jahr wieder vier Künstler unterschiedlicher Kleinkunst-Genres für eine bunte Show aus Musik, Politischem Kabarett und Comedy gebucht.

Moderator des Abends war Axel Pätz aus Hamburg und im „Kuckucks“-Kabarett längst kein Unbekannter mehr. Schon mit seiner Begrüßung wies er den Weg: „Wir haben heute Abend nur 2 Gags, die spielen wir immer wieder und wieder!“. Am Ende des Abends waren es dann erfreulicherweise doch ein paar Gags mehr.
Wie jeder der beteiligten Künstler machte sich auch Pätz über Forst in der Lausitz lustig – sehr zum Vergnügen der Einheimischen und der auswärtigen Besucher. „Forst ist zwar nicht der Arsch der Welt, aber man kann ihn schon von hier erkennen!“, stellte er fest. Auch daß es hier in der Gegend viele Wölfe gibt, belustigte und verängstigte ihn gleichzeitig.

Archie Clapp ist „Kleinkünstler in zweiter Generation“ und kommt aus Berlin-Neukölln, das ein bißchen wie München sei. Er erzählte Anekdoten über Ling Ling, sein chinesisches Lieblings-Mobbingopfer aus seinem Multi-Kulti-Haus, und über seinen Hund namens „Knoblauchfresser“, mit dem er öfters Gassi geht, was nicht ganz ungefährlich ist, wenn man den Hund ruft und in einem von vielen Ausländern bewohnten Gebiet wohnt.

„Nicht der Wolf, sondern die Wolf ist in der Lausitz“, moderierte Axel Pätz die nächste Künstlerin an. Schauspielerin und Kabarettistin Kathi Wolf, die vor Kurzem im Ensemble mit dem renommierten Max-Öphuls-Filmpreis geehrt wurde, stammt aus Ulm und beherrscht mehrere Dialekte. Als arrogante Bayerin tritt sie für die Unabhängigkeit des neuen Staates Bavaria ein, als Sächsin fürchtet sie sich zunächst vor den vielen Flüchtlingen im Land, um dann allen Wutbürgern und „Intelligenz-Flüchtlingen“ der AfD in voller Breitseite die Meinung zu sagen. Und da wäre noch Felix aus der ersten Zuschauerreihe, den sie ins Herz geschlossen hat. Spontan empfiehlt sich Kathi Wolf als zukünftige Schwiegertochter.

Für den musikalischen Part ist neben Axel Pätz, der in seinen Programmblöcken von den Annehmlichkeiten eines Aufsitzrasenmähers, eines Rollators oder der Ü-80-Party von Oma singt, Matthias Ningel aus Mainz zuständig. Wenn er von der Frau singt, die seinem Herzen ganz nahe ist, meint er nur die Rot-Kreuz-Helferin, die ihn nach den unterschiedlichsten Selbstmordversuchen wiederbelebt. Es lohnt sich auch, im Yoga-Kurs der Beste zu sein, denn schließlich lernt man hier, wie man sich im Idealfall auch vor dem Chef in der Firma verbiegt.

v.l.n.r. Kathi Wolf, Archie Clapp, Matthias Ningel, Axel Pätz

Mehr als vier Stunden lang wechseln sich die Künstler auf der kleinen Bühne ab und zeigen Ausschnitte ihrer aktuellen Programme. Zur Stärkung von Publikum und Interpreten gibt es vom Küchenteam zwischendurch Fingerfood-Häppchen oder Desserts zum Genießen.

Nach dem bereits erwähnten Abschiedslied als Zugabe kommt dann eben jener Moment, den Birgit Hendrischke gerne hinausgezögert hätte. Sie verabschiedet sich von einem, nein, von ihrem Publikum, das über viele Jahre dem Kabarett im „Kuckuck“ und darüber hinaus die Treue gehalten hat. „Behalten Sie Ihr Lachen“, wünscht sie allen Anwesenden, die sich mit Standing Ovations und langem Applaus nicht nur für das bunte Programm an diesem langen Freitagabend bedankten.

Bye, bye, „Kuckuck“!

Serienstar Wolfgang Winkler vertritt seinen Freund im Pavillon

Der 15. „Talk im Pavillon“ sorgte einen Tag vor Beginn der Veranstaltung bei „Pavillon“-Inhaberin Diana Podlesch und Moderator Lutz Hoff für hektische Betriebsamkeit. „Ich war schon auf dem Weg nach Forst, als mich Jaecki Schwarz anrief und die Veranstaltung wegen Krankheit absagen mußte“, verriet Lutz Hoff. Doch Dank seiner guten Kontakte in der Unterhaltungsbranche konnte er kurzfristig mit Jaecki Schwarz’s Freund und Kollegen Wolfgang Winkler einen ebenbürtigen Ersatz gewinnen. Für Diana Podlesch bedeutete das, dass sie alle Kartenbesitzer über die Planänderung informieren mußte. Zu ihrer Erleichterung waren alle Gäste auch auf den neuen Gast neugierig und wollten ihre Karten nicht zurückgeben.

So erfuhren die Zuschauer im ausverkauften Pavillon „Genuss und Kunst“, dass Wolfgang Winkler Lausitzer Wurzel hat. 1943 wurde er in Görlitz in der Oberlausitz geboren und machte in Hoyerswerda seine Lehre zum Lokführer.

Zur Schauspielerei kam Wolfgang Winkler durch seine spätere Schauspielkollegin Friederike Aust. Die war in der Parallelklasse und Mitglied in einer Laientheatergruppe. Der junge Wolfgang fand es eine gute Idee, ebenfalls in diese Laienspielgruppe einzutreten, um so Friederikes Herz erobern zu können. Mit der Liebschaft klappte es zwar nicht („Geknutscht haben wir schon!“), dafür bei Beiden mit der Schauspielerei.
1962 bewarb sich Wolfgang Winkler an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg und wurde auf Anhieb genommen. Seine Mitstudenten hießen u.a. Carmen-Maja Antoni, Petra Kelling und Walter Nickel. „Carmen-Maja war damals der Star in unserer Klasse“, erinnert sich Winkler.

Nach dem Studium ging Wolfgang Winkler zurück ans Görlitzer Theater und machte gleichzeitig erste Erfahrungen beim Film. Bei den Dreharbeiten zu Konrad Wolfs Film „Ich war 19“ traf er auf jenen Mann, der ihm seitdem ein guter Freund geworden ist: Jaecki Schwarz. „Jaecki bekam die Hauptrolle, ich wurde gleich nach dem Vorspann erschossen“, witzelt Winkler über den Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Mit dem Verbotsfilm „Das Kaninchen bin ich“ stieg schließlich auch Winklers Bekanntheitsgrad.

20 Jahre lang spielte Wolfgang Winkler am Theater in Halle. 1996 folgte jene Fernsehrolle, mit der er auch heute noch in Verbindung gebracht wird: im „Polizeiruf 110“ spielten er und Jaecki Schwarz das Ermittlerduo Schneider und Schmücke. Bis 2013 entstanden insgesamt 50 Folgen. Wolfgang Winkler gab den Zuschauern im Pavillon einige Anekdoten von den Dreharbeiten zu Gehör. „Wir teilten uns am Set einen Wohnwagen. Die Frotzeleien mit Jaecki vor dem Dreh schafften es manchmal ins Drehbuch“.
Der 300. Polizeiruf wird Wolfgang Winkler besonders in Erinnerung bleiben. Er brach sich nach Abschluß der Dreharbeiten beide Oberschenkel gleichzeitig. Ein Erlebnis, dass er als Zwölfjähriger schon einmal hatte. „Ich bin wahrscheinlich der einzige Schauspieler, der sich viermal die Oberschenkel gebrochen hat“, scherzte Winkler.

Mit der Popularität hat er dagegen keine Schwierigkeit. „Man ergreift ja den Schauspielberuf nicht, um unerkannt zu bleiben. Wir Schauspieler sind schon eitel!“, stellt der siebenfache Opa, der in zweiter Ehe verheiratet ist, lachend fest.

Wie zum Beweis wird Wolfgang Winkler nach der Veranstaltung beim Verlassen des Pavillons von einem zufällig vorbeikommenden Passanten angesprochen, dem das Gesicht seines Gegenübers irgendwie aus dem Fernsehen bekannt vorkommt. Wolfgang Winkler druckst ein wenig herum und hilft vergebens mit Begriffen wie „Schauspieler“ und „Polizeiruf“ dem Mann auf die Sprünge. Erst auf ausdrückliche Nachfrage verrät er seinen Namen.

Der ausgefallene Termin mit Jaecki Schwarz wird im September nachgeholt. Wolfgang Winkler ist demnächst im ERSTEN zu sehen, wenn die „Rentnercops“ im Vorabendprogramm wiederholt werden. Für den Herbst sind neue Folgen der beliebten Serie angekündigt.