Slapstick und Besinnliches im „Kuckuck“

Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke hatte das Kabarett-Publikum im „Kuckuck“ vorgewarnt: „Was Sie heute Abend erleben, ist ein Experiment und hat es so noch nicht bei uns gegeben. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn Sie nicht wissen, worauf Sie sich gleich anlassen!“

Und tatsächlich – diese Art von Musik-Comedy gab es bisher noch nicht auf der Kabarettbühne in Groß Jamno zu erleben. „Streckenbach & Köhler“ hatten sich für einen weihnachtlichen Konzertabend angekündigt. Der selbstverliebte Tenor Streckenbach und sein stummer Pianist Köhler „mit der Urban-Priol-Gedenkfrisur“ brachten Evergreens („Ob Blond, ob Braun, ich liebe alle Frauen“) und Popsongs der Neuzeit im Stil der 20er Jahre zu Gehör („Junge“ von den Ärzten, „Es war Sommer“ von Peter Maffay). Das einzig weihnachtliche an dem Programm war allerdings nur Köhlers blauer Anzug mit Tannenbaum-Motiven.

„Multiple Ohrgasmen“ versprach Streckenbach, der „in Thüringen Gesang an der Musik-Hochschule ‚Franz Liszt‘ studierte und bis zum drei gestrichenen C kommt“, wie er mehrmals im Verlaufe des Abends betonte. Sein kongenialer Partner Köhler brillierte derweil am Klavier, wurde trotzdem zur Zielscheibe für Streckenbachs Spott oder Wutausbrüche. Dabei war Köhler der eigentliche Star des Abends. Mit der Mimik von Dynamit-Harry (aus den Olsenbanden-Filmen) und einer Virtuosität auf dem Klavier wie der junge Elton John sorgte Köhler abwechselnd für Begeisterungstürme und Lachsalven.

Das Publikum wurde „Teil der Gruppentherapie“. Zuschauer Peter aus der ersten Reihe hauchte „Je t’aime“ ins Mikro und das „Helene-Fischer-Lastige Publikum“ johlte vor Vergnügen. Beim Lied über die „Schilddrüsenunterfunktion“ sangen textsichere Zuschauer mit.

Überhaupt ist Spontanität das große Plus von „Streckenbach & Köhler“ (der sich übrigens dermaßen ins Zeug legte, dass er während der Vorstellung mit dem Stuhl zusammengebrochen ist). Als zwei Besucherinnen kurz nacheinander die Örtlichkeiten für kleine Mädchen aufsuchten, unterbrachen die Künstler ihr Programm und studierten eiligst mit dem verbliebenen Publikum ein Lied mit den Namen der beiden Damen ein, dass solange gesungen wurde, bis diese wieder im Saal erschienen. Zusätzlicher Gag am Rande: Streckenbach kündigte anschließend die obligatorische Pause an…

Dass „Streckenbach & Köhler“ nicht nur auf der Bühne herumblödeln können, bewiesen die Beiden nach der Pause. „Ninon (Lach mir einmal zu)“, ein Lied des jüdischen Komponisten Walter Jurmann aus der UFA-Schmonzette „Ein Lied für Dich“ von 1933, sorgte in der Interpretation von André Streckenbach für andachtsvolle Stille und Gänsehaut-Erlebnis.

Auch Franz Schuberts „Ave Maria“ begann besinnlich, artete dann allerdings in eine Slapstick-Nummer aus, als Köhler mal kurz in der Nase bohrte und das am Finger kleben bleibende angedeutete Ergebnis wieder loswerden wollte. Mehrmals wechselte der imaginäre „Nasenstein“ seinen Besitzer, um dann schließlich doch in Streckenbachs Schlund zu landen.

Streckenbach wütete als weltgewandter Tenor und Frauenschwarm gegen Köhler und redete sich dabei zweisprachig um Kopf und Kragen. „That’s albern“, stellte er fest. Aus Forst (Lausitz) wurde plötzlich Wood Lowseat, „eine Stadt mit dem gleichen Erotikfaktor wie New York.. Hier schläft der Bär“.

Immer wieder nahmen sich Streckenbach & Köhler zum Vergnügen der Zuschauer im Saal gegenseitig auf die Schippe und bauten spontan Gags ein, dass sich der jeweils andere zusammenreißen musste, um nicht lauthals loszulachen.

Mit Udo Jürgens‘ „Mercie Cherie“ und einer hingebungsvollen Umarmung mit Zuschauer Peter verabschiedeten sich Streckenbach & Köhler und versprachen bei tosendem Applaus, baldmöglichst wiederzukommen.

Birgit Hendrischke wird’s freuen, dass das anspruchsvolle Publikum sich auf ihr kleines Experiment eingelassen hatte. „Selten so gelacht“ war nur eine Reaktion, mit denen sich die Zuschauer bei der Veranstaltungschefin für einen gelungenen Abend bedankten.

Exoten im Netz und Fressfeinde auf der Lauer

Trotz ungemütlichem, nasskaltem Wetter versammelten sich am Reformationstag viele Forster sowie Besucher aus den umliegenden Städten und Gemeinden, um das Abfischen des Schützenteiches in Klein Jamno zu verfolgen und anschließend fangfrische Ware gleich mit nach Hause zu nehmen.

Seit 1992 lockt der Fischereibetrieb Christoph Junghanns immer Ende Oktober seine Stammkunden sowie Interessierte an die Teiche zwischen Forst und Klein Jamno. An den Zufahrtswegen stehen die Fahrzeuge der Besucher dicht an dicht, an den drei Verkaufsständen bilden sich lange Warteschlangen. Schon weit vor dem offiziellen Beginn des Abfischens waren die ersten Gäste da, statt um 10.00 Uhr wurden die ersten Netze bereits kurz nach 9:00 Uhr gezogen.
Dabei wäre in diesem Jahr die Veranstaltung beinahe ausgefallen: ein Biber hatte innerhalb einer Nacht den Zugang zum Teich verbaut, so dass kein Frischwasser mehr in den Schützenteich fließen konnte. Christoph Junghanns entdeckte noch rechtzeitig das gefährliche Wasserbauwerk und beseitigte es.
Auch die Herbststürme der vergangenen Wochen taten ihr Übriges. Durch Windbruch waren viele Zufahrtswege unpassierbar geworden, nur mit schwerer Technik war es möglich, die Wege wieder frei zu machen. 3 Tage lang waren die Männer nur mit Holzsägen beschäftigt.

3-4 Tage dauerte die Vorbereitung, um den erwarteten Besucheransturm zu bewältigen. Neben dem Aufbau der Imbiss- und Verkaufsstände musste u.a auch die Sauerstoffzufuhr für die riesigen Wannen, in denen sich die Fische bis zur Weiterverarbeitung tummeln, installiert werden.

Unterstützung erhält der Fischer von seiner Familie: „Wir sind froh und dankbar, dass uns neben den drei festangestellten Mitarbeitern auch unsere Geschwister und unsere Kinder sowie deren Partner unterstützen!“, verrät des Fischers Frau Vera Junghanns, die sich um den Verkauf der Fische kümmert. Neben dem Hauptprodukt, dem Karpfen, gingen auch Hecht, Schleiche und Zander über den Ladentisch. „Jetzt ist Karpfenzeit. Klar, dass die Leute Appetit auf diesen Fisch haben, zumal er auch noch gesund ist, weil er wichtige Mineralstoffe wie Phosphor, Eisen und Vitamine A und B liefert“.

24 Teiche mit 250 Hektar Wasserfläche bewirtschaftet Christoph Junghanns. Neben den Teichen in Klein Jamno werden auch in Eulo, Mulknitz und Groß Jamno sowie in Maiberg bei Dissen Teiche zur Aufzucht genutzt. Verkauft werden die Fische im eigenen Ladengeschäft sowie auf Märkten in Berlin und Potsdam. Selbst nach Thüringen werden Karpfen aus den Junghanns’schen Gewässern geliefert.

Mit der Besucher-Resonanz zeigen sich Vera und Christoph Junghanns sehr zufrieden, mit dem abgefischten Ergebnis nicht ganz. „Erwarten konnten wir rund 2900 kg Fisch, in den Netzen waren allerdings nur etwa 950 kg.“, resümiert Christoph Junghanns. Die Verluste gehen zum großen Teil auf das Konto der Kormorane. Von 20.000 eingesetzten Fischen wurden nur etwa 4000 wieder gefangen. Der Kormoran entwickelt sich schon seit Jahren für die Fischereibetriebe der Region zu einer existenzbedrohenden Plage. Selbst Knall-Apparate, wie man sie während des Abfischens ab und zu hörte und die die Kormorane eigentlich verschrecken sollen, wirken nicht auf Dauer, da der Kormoran lernfähig ist und sich schnell an das für ihn eher ungefährliche Geräusch gewöhnt. Bis zu 500 Gramm Fisch frisst ein Kormoran täglich – und da die Vögel meist in Kolonien auftreten, erklären sich selbst für den Laien die enormen Verluste.

Überhaupt war es kein gutes Fischjahr. Das Frühjahr war zu trocken, das ist allerdings nicht der alleinige Grund. Ob generell meteorologische Kapriolen dafür verantwortlich sind, dass die Fische nicht so gewachsen sind wie gewünscht, sind sich die Fischer nicht sicher.

Mitunter finden sich bei so einem Fischzug in den Netzen auch Überraschungen. „Manchmal verirrt sich auch ein ‚Exot“ in die Netze. Heute hatten wir eine Barbe gefangen, die eigentlich ein Flussfisch und hier weniger heimisch ist. Keine Ahnung, wie die in den Teich gekommen ist“, rätselt Peter Genzmann, der mit seinen Kollegen immer wieder die Fische aus den Netzen in die bereitstehenden Wannen schüttet.

Auch solche Anekdoten gehören zum Abfischen dazu genau wie die Kinder, die sich aus den Netzen gefallene kleine Setzlinge schnappen und in mitgebrachten Eimern als Köderfische für den nächsten Angelausflug mit nach Hause nehmen. Oder die ihre Väter fragen, wo denn das Wasser aus dem Teich eigentlich hin ist. Vera Junghanns kennt die Antwort: „Wir haben vor 5 Tagen damit begonnen, den Teich langsam abzulassen. Das Wasser wurde über einen unterirdischen Kanal und daran anschließend einen Graben in die Malxe geleitet. Erst im Frühjahr wird der Teich wieder gefüllt. Bis dahin desinfiziert er sich quasi selbst!“

Die Fische, die noch nicht verkauft wurden, kommen in Hälterteiche und warten dort auf ihre eigentliche Bestimmung: ab 15. Dezember werden aus gewöhnlichen Karpfen die begehrten Weihnachts- und Silvesterkarpfen. Schon mal Appetit holen konnte man sich am Klein Jamnoer Schützenteich….