„In aller Freundschaft“ mit einem Fernsehliebling

Zur neunten Ausgabe des „Talks im Pavillon“ durften die Zuschauer einen echten Fernsehliebling begrüßen: Uta Schorn, bekannt aus Serien wie „Bereitschaft Dr. Federau“ oder „In aller Freundschaft“, plauderte gutgelaunt mit Moderator Lutz Hoff („Schätzen Sie mal“) und gab Einblicke in ihr vielseitiges künstlerisches Schaffen.

Dabei hatte Pavillon-Inhaberin Diana Podlesch zunächst angesichts der Wetterlage Sorge, dass die Veranstaltung ausfallen könnte: „Nach der Sturmnacht war ich darauf vorbereitet, dass Frau Schorn anruft und absagt. Das hätte mir einen Telefon-Sonntag eingebracht, bei dem ich allen Gästen die schlechte Nachricht hätte mitteilen müssen.. Es kam dann tatsächlich auch ein Anruf: ‚Ich bin schon da!‘, meldete sich Frau Schorn.“, erzählte eine erleichterte Diana Podlesch zur Begrüßung.

Derzeit spielt Uta Schorn an der Comödie Dresden neben Renate Blume, Ursula Karusseit, Angelika Mann, Walfriede Schmidt und Viktoria Brams in „Kalendergirls“ nach dem gleichnamigen Film. Einem gesamtdeutschen Publikum wurde sie bekannt durch ihre Rolle der Chefsekretärin Barbara Grigoleit in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“. „Meine Agentin hat den MDR so lange genervt, bis man mir eine Rolle schrieb“, schilderte Uta Schorn schmunzelnd, wie sie an die Rolle kam.

Nach 15 Jahren wurde ihre Figur aus der Serie geschrieben. Die Kollegen der „Sachsenklinik“ erstellten für Uta Schorn als Abschiedsgeschenk einen Film mit den schönsten Szenen.

Amüsiert und in Erinnerung schwelgend verfolgten die Zuschauer im „Pavillon“ noch einmal witzige und traurige Momente von und mit Barbara Grigoleit. Besonders die Szene der laut schnarchenden Barbara sorgte für Erheiterung. „Die Szene musste ich mehrmals drehen und dabei immer laut schnarchen. Am nächsten Tag hatte ich Halsschmerzen, so anstrengend war der Dreh“, verriet Uta Schorn.

Auch nach dem Ausstieg bei „In aller Freundschaft“ war die Berlinerin gut im Geschäft. „Ich habe es nicht geschafft, mal kürzer zu treten.“, erzählt Uta Schorn rückblickend.

Gekonnt leitete Lutz Hoff zu den Anfängen ihrer Karriere über. 1947 wurde die Tochter des Schauspielers Joe Schorn in Augsburg geboren. Über die Station Bremen zogen ihre Eltern mit der kleinen Uta nach Berlin. Nach dem Studium an der Staatlichen Schauspielschule Berlin folgte ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater, wo sie auch ihren ersten Mann Tim Hoffmann kennen- und lieben lernte. Beider Tochter Danne ist ebenfalls Schauspielerin geworden. „Uta Schorn hat sogar einen Oskar!“, ruft Lutz Hoff in die Runde. „Das stimmt, mein Enkel heißt Oskar!“, pariert Uta Schorn.

Nach ersten kleineren Fernsehrollen kam 1973 der endgültige Durchbruch. An der Seite von Gerd E. Schäfer durfte Uta Schorn am Sonntagnachmittag den „Wunschbriefkasten“ leeren. Vorher kaum als Künstlerin wahrgenommen, war sie nach der dritten Ausgabe plötzlich ein Star in der DDR, was nicht nur bei der Fleischerei Scheitza in Berlin-Friedrichshain Vorteile brachte. „Der Fleischerei-Chef meinte am nächsten Tag, ich bräuchte mich nicht mehr anstellen, solle nur klingeln, wenn ich was benötige“, schmunzelt Uta Schorn beim Erzählen dieser und anderer Erinnerungen an den „Wunschbriefkasten“.

1988 folgte im DDR-Fernsehen die Serie „Bereitschaft Dr. Federau“ – ein Straßenfeger, wie man heute sagen würde. Die Serie um eine Bereitschaftsärztin war so beliebt, dass die Zuschauer die Verantwortlichen bei der Wahl zum „Fernsehliebling des Jahres“ mit Briefen überhäuften. Lutz Hoff, damals selbst in Diensten des DDR-Fernsehens, stellte fest: „Du warst ein richtiger Fernsehliebling, im Gegensatz zu den Nachrichtensprechern, bei denen vorher schon feststand, dass die gewinnen.“

Nach der Wende in der DDR ging Uta Schorn mit Talentevater, Entertainer und Show-Gigant Heinz Quermann mit der Reihe „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ auf Tournee. Amüsante Episoden kamen dabei zu Gehör. So erfuhren die Gäste, warum Quermann einmal in Eisenhüttenstadt in Hauslatschen und Schlabberhosen moderierte und warum sich Uta Schorn in einem Hotel Sorgen um Quermann machte, weil der auf ihr Klopfen an der Hotelzimmertür nicht reagierte.

Überliefert ist auch die Episode, dass Quermann einmal sagte, Uta Schorn sei die einzige Künstlerin, die er nicht entdeckte.

Und so reihten sich an diesem Nachmittag Anekdote an Anekdote. Viel Wissenswertes, was über die sympathische Künstlerin so noch nicht bekannt war, entlockte Lutz Hoff seinem Gesprächsgast Uta Schorn, die immer auch den Kontakt zum Publikum suchte und sich dabei sogar um die Gesundheit eines Gastes sorgte, der so eingeklemmt in der Tischreihe saß, dass er immer nur den Kopf wenden konnte, um das Geschehen auf dem Podium verfolgen zu können.

Im Anschluss unterschrieb Uta Schorn fleißig Autogramme und plauderte nebenbei mit ihren Fans.

Juchu – meine erste Trophäe

Da hat sich doch die jahrelange Arbeit für etwas mehr Kunst & Kultur in Forst gelohnt – bei der Preisverleihungsshow zum GOLDENEN KUCKUCK 2017 gab es völlig überraschend auch einen „EhrenKuckuck für besonderes Kuckucks-Kultur-Engagement“ für mich.

„Für seine Kreativität und Ideen, die uns als Veranstalter bei der Programmgestaltung geholfen haben sowie für die Vermittlung neuer, unverbrauchter Künstler.“ hieß es u.a. in der Begründung.

Danke an den Freundeskreis „Kuckuck“ für die Ehrung – ich fühle mich ganz ausgezeichnet…

 

Ein neues Nest für den GOLDENEN KUCKUCK

Im seit Wochen restlos ausverkauften Gasthaus „Zum Kuckuck“wurde am vergangenen Freitag Brandenburgs einziger Kabarettpreis, der GOLDENE KUCKUCK 2017, vergeben. Mehr als 20 Kabarettisten, Duos oder Ensembles stellten sich im vergangenen Jahr dem Urteil des mitunter kritischen Publikums. Bereits zum dritten Mal fand im Rahmen einer bunten Unterhaltungsshow die Ehrung des beliebtesten Künstlers statt.

Viele Überraschungen kündigte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke in ihrer kurzen Begrüßungsrede für den Abend an. Eine schrullige, immer noch rüstige Rentnerin namens Elfriede, die bereits vor der Show für Aufsehen sorgte, bot sich sogleich an, die Co-Moderation für den Abend zu übernehmen. Hinter der Großpuppe verbarg sich Kora Tscherning, Ensemblemitglied der Landesbühnen Sachsen und ausgebildete Puppenspielerin. Für sie war es der erste Soloauftritt mit ihrer Puppe und extra für diesen Abend engagiert. Immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen („meinen Nachnamen und meinen BH hat mein Tölpel von Exmann mitgenommen, merke: ohne Textil wirst Du nicht senil“) führte Elfriede alias Kora Tscherning gemeinsam mit Birgit Hendrischke durch den Abend.

Erster Künstler auf der Bühne war Götz Frittrang (Bamberg), der sich umsonst freute, weil er dachte, er sei der Gewinner sei, dann aber doch nur als Begleitprogramm gebucht wurde, wie er später zugab. Er mache ja Kabarett nicht wegen der Preise, sondern wegen des guten Essens in den Veranstaltungshäusern. Frittrang zeigte Ausschnitte seines aktuellen Programms „Götzseidank“. Bei seinem letzten Gastspiel im „Kuckuck“ Anfang 2016 war dieses Programm gerade noch in der Entstehungsphase, viele Gags zündeten damals noch nicht. Doch Götz Frittrang schien den Lauf der Geschichte vorauszuahnen, seine damalige AfD-Kritik blieb vielen Gästen im Gedächtnis. Grund genug für die Veranstalter vom Freundeskreis „Kuckuck“, Götz Frittrang mit einem „Spezial-Kuckuck“ für seine politische Weitsicht zu überraschen. „Eine große Ehre für mich, mit der ich jetzt bestimmt den großen Durchbruch schaffe!“, scherzte der völlig perplexe Künstler in seiner Dankesrede.

Nach einer kurzen Pause, in der die „Kuckucks“-Küche ein süßes Dessert präsentierte, kam der eigentliche Höhepunkt des Abends, die Preisverleihung des mit 1000 Euro dotierten und vom Autohaus Cottbus gesponserten GOLDENEN KUCKUCKSS 2017 an den Kölner Kabarettisten Peter Vollmer.
Laudatorin Elfriede würdigte das künstlerische Schaffen Vollmers, der von der Fachpresse schon mal als „Kabarett-Halbgott“ oder „Größe des gehobenen kritischen Kabaretts“ gefeiert. „Intelligent und gut unterhalten“ fühlten sich die Besucher seines Programms, das angesagte Themen brisant umsetzt. „Die Lachmuskeln mußten arbeiten“ schrieb eine Zuschauerin auf den Stimmzettel für die Wahl zum GOLDENEN KUCKUCK. Peter Vollmers feines Gespür für die großen und kleinen Macken seiner Mitmenschen gaben schließlich den Ausschlag, um sich mit 0,01 Punkten Vorsprung vor den Zweitplatzierten „Ranz & May“ durchzusetzen.

Bevor auch Peter Vollmer Ausschnittes seines aktuellen Programms zeigte, bedankte er sich beim Publikum für die Auszeichnung: „Wenn mir zu Beginn meiner Karriere jemand gesagt hätte, daß ich mal hier, irgendwo hinter Cottbus, einen Preis gewinne, hätte ich ihm gesagt: Du hast ja schon jetzt einen Vogel!“.

Seine Programmausschnitte wurden anschließend zu einem Gag-Feuerwerk. Egal, ob er sich über die im Alter nachlassende Paarungsbereitschaft („Es lockt das Weib, es bockt der Leib“) oder über seine Erfahrungen mit Brasilian Waxing lustig machte – Peter Vollmer hatte die Lacher auf seiner Seite. Auch die Rentenpolitik der jeweiligen Regierungen bekam ihr Fett weg. So ging der heute in Düsseldorf noch lebende älteste Rentner in Deutschland bereits 1972 in Rente. „Das bedeutet, daß die Sozialgemeinschaft 45 Jahre lang einen Düsseldorfer durchgefüttert hat. Sie können sich vorstellen, wie ich mich da als Kölner fühle.“, spielte Vollmers auf die uralte Rivalität beider Städte an.

In einer anschließenden Gesprächsrunde entlockten Birgit Hendrischke und Elfriede dem Sieger ein paar bislang gut gehütete Geheimnisse. Sein größter Luxus sei es, sich Zeit für sich zu nehmen. Und auf die Frage. Was er auf keinen Fall mit auf eine einsame Insel nehmen würde, mußte er lange überlegen. Am Ende entschied er sich für eine Heino-Schallplattte. Eines seiner größte Ziele sei es, mal einen Ironman zu absolvieren.

In einem zweiten Auftrittsblock machte sich Götz Frittrang dermaßen über die Seitenbacher-Werbung lustig, daß die Gäste wohl zukünftig die Werbung unter ganz anderen Gesichtspunkten wahrnehmen werden.

Der Abschluss des gut dreistündigen Abends war dem Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS vorbehalten. Peter Vollmer, der den „Trottel-Triathlon, bestehend aus Ausdauer-Kuscheln, Extrem-Schmusen und Langstrecken-Streicheln“ beherrscht, brachte ein Medley bekannter Titel mit neuen Texten zu Gehör. Da die Melodien bekannt waren, sang das Publikum bei Titeln wie „Sag mir, wo die Zähne sind“, „Mit 67 Jahren, da fängt die Rente an“, „Nur mit 7 Krücken kannst Du gehen“ oder „Pumpt denn der alte Herzmuskel noch“ lautstark mit.

Wer den diesjährigen Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS live erleben möchte, hat am 19. und 20. Dezember die Möglichkeit. Jeweils um 20 Uhr präsentiert Peter Vollmer im „Kuckuck“ in Groß Jamno sein Programm „ER hat die Hosen an – SIE sagt ihm, welche“.

Berliner Luft im „Kuckuck“

Ein ganz spezielles Programmangebot präsentierte die Kleinkunstbühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno ihren Besuchern am vergangenen Sonntag: wo sonst Kabarett, Comedy und Magie dominieren, gab es diesmal einen bunten Mix Alt-Berliner Melodien, „ollen Jeschichten“ und Amüsantem aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts.

Albrecht Hoffmann betreibt in Berlin „Zille“s Stuben-Theater“. Auf Empfehlung des Publikums engagierte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke den Zille-Darsteller für eine vergnügliche Zeitreise ins Berliner „Milljöh“. Und während die Gäste bei Kaffee und Kuchen genüsslich lauschten, gab Vater Zille einige Anekdoten aus seiner Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Besten. So schwärmte er von seiner Gattin Hulda und amüsierte sich gleichzeitig über seine Nachbarin Mieze, „die mit dem Doppel-Ar…“. Vom Leben in den Hinterhöfen erzählte Zille und dass „U-Bahn-Fahren wie Kabarett“ sei. Sein Nachbar von Gegenüber sei gerade „zur Kur in Bad Plötzensee, was soviel bedeutet, als dass er im Knast einsitzt.“
Selbst aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit wurden hergestellt. So stellte Zille fest, „dass der Prenzlauer Berg inzwischen wieder eine SBZ ist. Nur steht diesmal SBZ für Schwäbisch Besetzte Zone!“. Auch über Facebook machte sich der Zille-Darsteller lustig: „Heute ham‘ wa Internet, früher hatt’n wa Fensterbrett!“

Doch es wurde nicht nur geplaudert und der eine oder andere schlüpfrige Witz erzählt, sondern auch gesungen. Bei altbekannten Gassenhauern wie „In Rixdorf ist Musike“, „Untern Linden“ oder „Im Grunewald ist Holzauktion“ dauerte es nur wenige Takte, bis das Publikum im „Kuckuck“ eifrig mit einstimmte.

Lehrreich wurde es, als Pinselheinrich Zille einige Gegenstände aus seinem großen Koffer kramte. So kam die „kleinste Küchenharfe“ zum Vorschein, was bei genauerem Betrachten ein Eierschneider war. Auch eine uralte originale Wärmflasche „für vorne und für hinten“ gehörte zum Inventar seines Koffers. Zu jedem gezeigten Gegenstand oder Bild erfuhren die Besucher Wissenswertes, so u.a. auch, dass die „Berliner Weiße“ eigentlich aus Hamburg stammt, die Berliner nur cleverer waren und sich die Rezeptur als erste schützen ließen.

Albrecht Hoffmann erinnerte in seiner Rolle als Heinrich Zille auch an bekannte Zeitgenossen, so an die Sängerin Claire Waldoff, den Erfinder Willy Abel, den Arzt Ferdinand Sauerbruch oder den Maler Max Liebermann. Und selbstverständlich durfte auch Otto Reuter nicht fehlen. Mit einigen Couplets würdigte Hoffmann das Schaffen Otto Reuters.

„Das ist die Berliner Luft“ schallte es noch einmal durch den „Kuckuck“, bevor es „eine Hingabe statt einer Zugabe“ gab. Hier philosophierte Zille über Gott und die Frauen. Zwar erschuf der liebe Gott das weibliche Wesen, welches seitdem die Männer betört. Nur für sich selber schuf der Herrgott keine Partnerin. Er wusste wohl schon, wer dann das Regiment führen würde. Ein Wink mit dem Zaunfall – oder warum formte Zille plötzlich die berühmte Merkel-Raute…

Rundum zufrieden waren nicht nur die Besucher und der Künstler mit dem Verlauf der Veranstaltung, sondern auch Organisatorin Birgit Hendrischke freute sich, dass das Experiment gelang und der „Kaffeeklatsch mit Zille“ beim ansonsten kabarett-verwöhnten „Kuckucks“-Publikum so gut ankam.