Amüsante Episoden aus dem alten Forst

Auf eine Reise in die Forster Vergangenheit nahmen Manfred Geisler und Wolfgang Dannat die Besucher des 41. Geschichtsstammtisches mit. Hinter den „Erinnerungen ans alte Forst“ – so der Titel der Veranstaltung – verbergen sich Aufzeichnungen von Dr. Ulrich Hammer, die er 1955 in Cottbus zu Papier brachte und die Manfred Geisler bei seinen Forschungen zu Forster Ehrenbürgern entdeckte.
In der proppenvollen Gaststube des Hotels Haufe verfolgten zahlreiche Interessierte den Anekdoten und Beschreibungen des Forster Alltags zur Zeit des Übergangs vom 19. ins 20. Jahrhundert.

Ulrich Hammer wurde am 4. Mai 1888 als Sohn von Arno Hammer und seiner Frau Meta (geb. Rüdiger) geboren und entstammt somit der Unternehmerdynastie Hammer/Rüdiger/Noack. Als Augenarzt schlug Ulrich Hammer einen anderen Weg ein als viele seiner Vorfahren und wurde nicht Textilunternehmer. Manfred Geisler bezeichnete ihn als typischen Bildungsbürger, der sich durch einen reichen Fremdwörterschatz und gepflegter Sprache auszeichnete.

Seine Großeltern Auguste Caroline Hammer und Friedrich Reinhold Hammer nannte der kleine Ulrich gerne „Mutterchen und Vaterchen“. Immer wieder tauchen Beide in den Erinnerungen auf und sind die eigentlichen „Stars“ der Erzählungen.

Forst war um die Jahrhundertwende eine Stadt mit 25000 Einwohnern und „ohne historische Bedeutung“. Es gab keine Berühmtheiten, „keinen Dichter, der dichtete und keinen Denker, der dachte!“. Nicht mal Garnisonsstadt war Forst, wo doch die jungen Männer in ihren schicken Uniformen bestimmt den Forster Mädels den Kopf verdreht hätten und gute Tänzer gewesen wären.

Der typische Wochentag begann in Forst um 6 Uhr mit dem Gesang der vielen Fabriksirenen, die die Arbeiter an ihre Maschinen riefen. Das Stampfen der Kolben in den Fabriken mischte sich mit dem Zischen des Dampfes und dem lärmenden Geräusch der Webstühle. „Pneumatik-bereifte Fahrräder“ waren damals noch Mangelware, eine Stadtbahn gab es noch nicht, stattdessen prägten Pferdefuhrwerke das Stadtbild. In Dr. Hammers Erinnerungen waren die Fleischerwagen die schnellsten, aber auch die rücksichtslosesten Fuhrwerke. Als Kind wunderte er sich auch über „Tonnenwagen, die eine schaumartige Masse abpumpten“. Eine Kanalisation, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Oft wurden Abwässer auch einfach nur in den Mühlgraben eingeleitet, der dann später periodisch gereinigt wurde, wenn er mal wieder abgelassen war.

Auf der Straße zwischen Forst und Pförten gab es auf halber Strecke „einen Chaussee-Einnehmer“. Um ins jeweilige andere Städtchen zu gelangen, mussten die Kutscher einen Obolus entrichten. Dann öffnete sich die Schranke und der Weg wurde wieder freigegeben.

Ulrich Hammer bediente sich einer sehr bildhaften Sprache. So schilderte er sehr detailliert, wie „Vaterchen“ versuchte, der Katzenplage in seinem Garten Herr zu werden, um die Singvögel zu schützen. Dazu baute er sich mit einem Bekannten eine Katzenfalle und lockte mit Baldrian die Katzen an. Sobald eine Katze in die Falle ging, wurde „die Katze in einen Sack gesteckt und ordentlich verhauen. Danach wurde der Sack mehrmals in einen Wasserkübel getaucht.“ Der Erfolg der Aktion war überschaubar, oft saßen die ohnehin schon geschundenen Katzen am nächsten Tag wieder in der Falle. Erst als sich eines von „Mutterchens“ Miezen in die Falle verirrte, sprach die Großmutter ein Machtwort und nahm sich ihren Gatten mal so richtig ordentlich zur Brust.

Überhaupt schien „Mutterchen“ im Hause Hammer das Sagen zu haben. Statt sich während des Hochwassers 1897 vom Forster Unikum, dem Lohndiener Schwärzel, retten und nach Hause tragen zu lassen, stapfte die gute Frau lieber „mit entblößten unteren Extremitäten“ heim. Für die damalige Zeit fast schon ein kleiner Skandal in Forst“.
Und so reihte sich eine amüsante Episode an die nächste. Die Zuhörer lauschten gespannt und erfuhren u.a. auch so nebenbei, was im Forst der damaligen Zeit auf der Speisekarte stand und mit welchen Zutaten „Vaterchen“ seinen Heringssalat immer zubereite.

Den großen Schnitt für die Hammers gab es nach 1945. Nach Ende des 2. Weltkrieges und mit Gründung der DDR verschwand der Name der bis dahin bekannten Unternehmer-Familie fast komplett aus dem Forster Stadtbild. Die zu Ehren von Max Fritz Hammer benannte Straße im Stadtzentrum bekam einen neuen Namen, ebenso der Hammer-Platz in der Wehrinselstraße. Bis auf eine Enkelin haben alle Hammers die Stadt Forst verlassen und sich in der Ferne ein neues Leben aufgebaut.

Manfred Geisler (links) und Wolfgang Dannat

Inzwischen wird in Forst das Schaffen der Familie Hammer wieder gewürdigt, Straße und Sportplatz bekamen den alten Namen zurück. Und Veranstaltungen wie der monatliche Geschichtsstammtisch des Museumsvereins sorgen dafür, dass die Erinnerung an besondere Personen oder Ereignisse der Stadtgeschichte wach gehalten werden.

Der nächste Geschichtsstammtisch führt am 18. Mai aus Forst heraus. Unter dem Motto „Einmal im Jahr nach Pusack“, übrigens ein Ausspruch des ehemaligen Forster Denkmalpflegers Max Balde, führt Kristian Schmidt vom Museumsverein die Besucher auf einer gut zweistündigen Wanderung zur Grenzerquelle, in die Wolfsschlucht sowie in den „Märchenwald“, einem Teilstück der „Schwarzen Grube“.
Treffpunkt ist auf dem Parkplatz an der Pusacker Neißebrücke.

Einer der berühmtesten Söhne der Stadt zu Besuch in seiner Heimat

Das kleine brandenburgische Städtchen Forst (Lausitz) hat in seiner mehr als 750jährigen Geschichte nicht allzu viele Söhne und Töchter hervor gebracht, die es zu internationalem oder gar Weltruhm gebracht haben. Zu den Wenigen, die es erfolgreich aus Forst in die große weite Welt geschafft haben, gehört Dr. Peter Kersten, seines Zeichens Magier und Weltenbummler. 1977 gewann er in Hollywood als bester ausländischer Magier den Zauber-“Oscar“, die höchste Ehre, die ein Magier erreichen kann.

In der DDR war Dr. Peter Kersten bekannt wie ein bunter Hund, be- bzw. verzauberte er doch als „Zauberpeter“ ganze Generationen. Im Kinderfernsehen lief regelmäßig seine Sendung „Kunterbunt“, für die Erwachsenen gab es „Zauber auf Schloss Kuckuckstein“. Auch die großen Samstagabendshows im DDR-Fernsehen wie den „Kessel Buntes“ moderierte er.

Mit seiner Show „Wunder inclusive“ tourt der „Magic Doctor“ (mit diesem Namen wurde er international bekannt) noch heute durch die Republik. Am vergangenen Wochenende machte der Zauberpeter wieder einmal Station in seiner Heimatstadt.
Vielen der anwesenden Zuschauern können sich noch an das Fleischerei Lehmann seines Vaters erinnern. Auch die Geschwister des Zauberpeters waren dem einen oder anderen bekannt.

Die beiden Veranstaltungen im Pavillon „Genuss & Kunst“ waren binnen kurzer Zeit ausverkauft. Voller Vorfreude erwarteten nun Jung und Alt den Auftritt des immer noch beliebten Künstlers. Eine musikalische Ouvertüre, von CD eingespielt, bildete den Auftakt für einen unterhaltsamen Nachmittag.
Und dann war der wohl berühmteste Forster wirklich da: im schwarzen Anzug, aber ohne Zylinder, charmant und gut gelaunt. Sofort sprang der Funke zum Publikum über. Dr. Peter Kersten kann nämlich nicht nur zaubern, sondern seine Zuschauer auch mit Wortspielen unterhalten.

Seine Zaubertricks hat man in dieser oder ähnlicher Form schon hundertfach gesehen – und trotzdem war die Verblüffung in den Gesichtern der Gäste zu sehen. Egal, wie genau man auch hinschaute, um vielleicht den Trick zu erahnen – der Zauberpeter setzte immer noch einen drauf. Ein signierter 50-Euro-Schein verbrannte vor aller Augen, um wenig später aus einem versiegelten Umschlag hervorgeholt zu werden. Aus einem geteilten Kartenstapel wanderten einzelne Karten scheinbar hin und her – wo eben noch öffentlich 16 Karten vorgezählt wurden, fehlten beim erneuten Zählen plötzlich 3 Karten, die in einem anderen Stapel zu finden waren. Und dass, obwohl zwei zufällig ausgewählte Zuschauer die Kartenstapel in den Händen hielten.
Es sind nicht mehr die großen Illusionen wie die der „zersägten Jungfrau“, sondern kleine Tricks mit Karten, Regenschirmen oder Seilen, mit denen Zauberpeter heutzutage auf Tour geht.

Dr. Peter Kersten ist aber nicht nur Magier, sondern reiste nach der Wende in der DDR mit seiner Kamera um die Welt, um Reisereportagen für die ARD und den MDR zu drehen. In Forst zeigte er kurze Filmausschnitte seiner Reportagen und erzählte nebenbei so manche erlebte Episode. Unverkennbar hat es ihm dabei Asien besonders angetan. Schließlich hat er auf der indonesischen Insel Sumba sein Lebensglück und einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden.

Nach 90 Minuten Programm verabschiedete sich der Zauberpeter von „seinen“ Forstern, nicht ohne zu versprechen, demnächst wiederzukommen. Dann möchte er mehr von den Kuriositäten, die er auf seinem Reisen erlebte, berichten. Und ganz sicherlich wird dann auch wieder der eine oder andere Zaubertrick dabei sein.

Pavillon-Chefin Diana Podlesch bedankte sich mit einem Rosenstrauch der Forster Jubiläums-Rose bei Dr. Peter Kersten für zwei wundervolle Veranstaltungen. Bevor es sich der Zauberpeter im Pavillon schmecken ließ, unterschrieb er noch fleißig Autogramme und stand für gemeinsame Fotos zur Verfügung.