Ein kleiner Mann und eine große Portion Humor

Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke benötigte nicht viele Worte, um den Entertainer Kalle Pohl auf der Kabarettbühne im „Kuckuck“ zu begrüßen. Die rheinische Frohnatur machte hier für zwei Abende mit seinem aktuellen Programm „Selfi in Delfi“ Station. Vielen der Gäste ist Kalle Pohl aus der TV-Sendung „7 Tage – 7 Köpfe“ wohlbekannt. Auch im Münsteraner Tatort war er schon zu sehen. Viel lieber bespielt Kalle Pohl aber die Kleinkunstbühnen der Republik.

Schon bei den ersten Worten springt der Funke auf das Publikum über. Kalle Pohl deutet an, wohin die Reise in den nächsten Stunden geht. Der aktuelle Selfie-Wahn ist dabei nur der Aufmacher. „Selfies sind nicht anderes als Selbstbefriedigung. Die meisten fotografieren den wichtigsten Menschen – sich selbst. Der Rest fotografiert das Essen!“ empört sich Pohl über die Handy-Generation. „Da ist es auch kein Wunder, dass sogar bei Fotos von Weltkulturerbestätten immer ein Kopf die Sehenswürdigkeit verdeckt!“.
Für alles Mögliche gibt es mittlerweile eine App – nur nicht fürs Kinderkriegen. Aber er habe schon die Lösung: Ein Baby-Handbuch – natürlich zielgruppengerecht geschrieben nur in halben Sätzen und ohne Rücksicht auf die Grammatik.

Kalle PohlNicht fehlen darf in Pohls Programmen seine Familie: Tante Mimi, die in der Arztpraxis ungefragt den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Welt der Promis erzählt; seine Nichte Jennifer, die sich darüber beschwert, dass sie mit 14 noch nicht in die Disco gehen darf.und natürlich Kalle Pohls berühmt-berüchtigter Vetter Hein Spack, der jeden – egal ob Freund oder Feind – mit „Dummsau“ anredet. Gerade die Geschichten von Hein Spack sorgen immer wieder für großes Gelächter. Kann ja mal passieren, dass man das Waffeleisen mit den Kopfhörern verwechselt. Und „Russisch Ballett“ hat auch nichts mit Russisch Roulette zu tun

Kalle Pohl wechselt im Laufe des Programms in den Rollen hin und her. Mal ist Hein Spack in einer Talkshow mit Günther Lauch zu Gast, wenig später spielt Tante Mini die Hauptrolle im „Tarzan“-Musical.
Zwischendurch schnappt sich Kalle Pohl sein Akkordeon.und singt Lieder über Urlauber, die in die falsche Richtung reisen („Falscher Dampfer, falscher Flug – trotzdem steigt man doch nicht aus!“) oder über die nervigen Animateure Heiko, Meike und Max. („Die sind schuld, dass viele Urlauber schon vor dem Frühstück anfangen zu saufen!“)

Kalle Pohl bezeichnet sich selbst als Komödiant, auch wenn diese Spezies mittlerweile fast ausgestorben und von Stand-Up-Comedians abgelöst worden ist. Und bevor die Zuschauer über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nachgedacht haben, parodiert Pohl den „Pass‘ uff! Kennste, kennste?“-Kollegen aus Berlin. Auch wenn der Name Mario Barth nie fällt, weiß jeder im Saal, wer gemeint ist.
Ebenfalls ihr Fett weg kriegen die vielen Kochshows im Fernsehen – „egal ob mit oder ohne Schnauzer!“. Pohl mache sich da aber viel mehr Sorgen um die Hygiene, „oder haben Sie schon mal gesehen, dass die sich da die Hände waschen?“ Auch die Inhalte sind schwer zu ertragen: „Meinetwegen sollen die kochen, aber wenigstens den Mund könnten sie halten!“, frotzelt Pohl sehr zur Freude der Besucher im Saal.

Das Publikum will mehr davon und fordert immer wieder Zugaben. Seine Art, sich selber nicht zu ernst zu nehmen und sich auch auf das Publikum einzulassen, kommt an. Längst ist das Programm komplett durchgespielt. „Dann fangen wir eben wieder von vorne an!“, kündigt Kalle Pohl an. Aber er belässt es bei einem Gedicht, passend zur Jahreszeit: „Frühling!“ – „schließlich kann man so ein Gedicht nicht nur für ein Quartal schreiben!“.

Nach der vierten Zugabe ist dann leider endgültig Schluss. Der kleine Mann mit dem großen Humor verabschiedet sich von den Gästen, nicht ohne noch zahlreiche Autogramme zu schreiben.

Kalle Pohl„Das Publikum hier ist einsame Spitze!“, schwärmt Kalle Pohl im Anschluss. „Ich habe vorige Woche in Zwickau gespielt, da konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen, ob alle Beerdigungen auf einen Tag fallen, so lau war die Stimmung dort.“
Er spiele gerne in kleineren Kulturstätten. „Es bringt ja nichts, wenn ich vor 1000 Leuten spiele und die in der letzten Reihe sehen und hören nichts.“ Im gleichen Atemzug lobt Kalle Pohl den „Kuckuck“, weil er es geschafft hat, hier eine kleine Kulturoase zu etablieren, zu der die Künstler immer wieder gerne zurück kommen.

Gut möglich also, dass Tante Mimi, Hein Spack, vor allem aber Kalle Pohl nicht zum letzten Mal im „Kuckuck“ auftraten.

Seniorinnen halten sich sportlich fit

Fit zu bleiben bis ins hohe Alter – das ist das Ziel der Seniorensportgruppe der Volkssolidarität Forst.

Jeden Montag treffen sich im großen Saal im Forster Bürgerzentrum noch immer rüstige Frauen zum gemeinsamen Sporttreiben. Sie kommen aus allen Ortsgruppen der Volkssolidarität. „Momentan haben wir 16 Mitglieder in unserer Sportgruppe, alles Frauen.“, verrät Ursula Kranik, die Leiterin. Männer scheinen sich nicht zu trauen, dabei könnten ruhig noch 2-3 Personen mehr die Gruppe verstärken. Auch Nichtmitglieder der Volkssolidarität sind gern gesehen. Die älteste Teilnehmerin ist 85 Jahre alt.

2015-12-07_Seniorensportgruppe_Thoralf Haß_1Die Anfänge der Seniorensportgruppe liegen 15 Jahre zurück. Damals fanden sich 8 Damen zusammen, die sich unbedingt etwas sportlich bewegen wollten. Erste Leiterin war Frau Gonarski aus Keune. Als sie sich zurückzog, drohte die Gruppe auseinander zu fallen. Ursula Kranik erklärte sich bereit, das Ruder zu übernehmen.

Montags von 9:00 – 10:00 Uhr wird nun dem Alter angemessen Sport getrieben. Leichte Übungen, zum Teil mit Geräten, sollen helfen, auch im Rentenalter fit und beweglich zu bleiben.
„Die Übungen, die wir hier absolvieren, habe ich aus Büchern und Fernsehsendungen entnommen. Auch mit einer Physiotherapeutin habe ich die richtigen Bewegungsabläufe besprochen.“, erklärt Ursula Kranik, die sich voll ehrenamtlich engagiert. Der von den Teilnehmern zu zahlende Obulus von 1,- Euro geht für die Saalmiete drauf.

2015-12-07_Seniorensportgruppe_Thoralf Haß_2Aber man trifft sich nicht nur einmal die Woche zum gemeinsamen Training. 4 mal im Jahr wird in der „Gaststätte Weber“ in Naundorf gekegelt. Zum Rosenmontag wird zünftig gefeiert, im Sommer gibt es eine Saison-Abschlußfeier. Auch beim großen Festumzug anläßlich der Forster 750-Jahr-Feier marschierten einige Mitglieder der Seniorensportgruppe mit und zeigten vor den zahlreichen Schaulustigen Proben ihres Könnens.

Erst vor einigen Tagen traf man sich bei „Webers“ zur jährlichen Weihnachtsfeier bei Kaffee und Kuchen. Weihnachtliche Gedichte wurden vorgetragen und natürlich viel erzählt. Und damit der Weihnachtsstollen nicht ansetzt, wurde zwischendurch wieder gekegelt. Für die Sieger und Platzierten gab es liebevoll zusammengestellte Preise.

Wer nun neugierig geworden ist und Interesse hat, mitzumachen, ist jederzeit herzlich willkommen, wie Ursula Kranik versichert.

Kunterbunt, albern und voller Spielfreude – Pippi Langstrumpf erobert die Herzen der Zuschauer im Cottbuser Staatstheater

Astrid Lindgrens Geschichten über die Abenteuer von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, besser bekannt als Pippi Langstrumpf, gehören inzwischen zur Weltliteratur und dürften den meisten bekannt sein.

Pippi „besetzt“ ein leerstehendes Gebäude in der beschaulichen schwedischen Provinz, malt es bunt an und zieht mit ihrem Schimmel „Kleiner Onkel“ und ihrem Äffchen „Herr Nilsson“ in die „Villa Kunterbunt“. Schnell findet das Mädchen mit den abstehenden roten Zöpfen und den vielen Sommersprossen im Gesicht in der kleinen Annika und ihrem Bruder Tommy neue Freunde. Pippi kümmert sich nicht um die Regeln der Erwachsenenwelt, sie baut sich die Welt, so wie es ihr gefällt. Darunter haben allerdings u.a. die strenge Frau Prysselius, die Pippi in ein Waisenhaus stecken will, Diebe und Polizisten zu leiden…

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), „Der kleine Onkel“ und Matthias Manz (Herr Nilsson) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), „Der kleine Onkel“ und Matthias Manz (Herr Nilsson)
© Marlies Kross

Das Staatstheater Cottbus hat nun „Pippi Langstrumpf“ als Theaterstück auf die Bühne gebracht. Unter der Regie von Mario Holetzeck entstand ein zauberhaftes Schauspiel, welches nicht nur den kleinsten Zuschauern riesigen Spaß bereitet, sondern auch den Generationen jenseits der eigentlichen Zielgruppe. Immer wieder sorgen bis ins kleinste Detail ausgetüftelte Überraschungen für leuchtende Augen und erstaunte Blicke.

Die Bühnenbildner um Juan León leisteten ganze Arbeit: die „Villa Kunterbunt“ macht so knallgelb mit vielen bunten Flecken ihrem Namen alle Ehre. Der Limonadenbaum funktioniert tatsächlich, das Polizeiauto oder wie immer man dieses Vehikel bezeichnen möchte, sorgt schon bei seinem Anblick für Gelächter. Nebel, Licht und Diskokugeln sorgen für Effekte, die jedem Revuetheater Paroli bieten. Selbst Schneeflocken glitzern auf ihrem Weg zu Boden um die Wette.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit Matthias Manz (Herr Nilsson) und Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit Matthias Manz (Herr Nilsson) und Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf)
© Marlies Kross

Als wäre das nicht genug, betritt Pippi nicht die Bühne, sondern schwebt von oben herab. Sofort mag man diese Göre – erst Recht, wenn sie wenig später auf einem echten (!) Pferd über die Bühne reitet. Dieser Gaul gewinnt vielleicht nicht mehr das Traberderby, aber mit seinem ulkigen Hütchen auf dem Kopf die Sympathiepunkte des (vor allem jungen) Publikums.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) und Susann Thiede (Frau Prysselius) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) und Susann Thiede (Frau Prysselius)
© Marlies Kross

Schauspielerin Lucie Thiede nimmt man die Rolle der Pippi uneingeschränkt ab. Mit einer Mischung aus kindlicher Naivität, viel Schalk im Nacken und jeder Menge Energie und Spielfreude erobert sie die Herzen der Zuschauer im Saal. Immer wieder bindet sie das Publikum mit in ihr Spiel ein. Und ihr fast schon engelsgleicher Gesang bei „Schlaft all ihr Wellen auf dem Meer“ sorgt für Gänsehaut-Momente und geht unter die Haut. Bei soviel künstlerischer Professionalität wundert es auch nicht, dass Lucie Thiede sogar Einrad fahren kann!

Matthias Manz darf sich im wahrsten Sinne des Wortes zum Affen machen. Wohltuend, dass er der Versuchung widersteht, das übliche klischeehafte Affengehabe (mit „Uh, Uh“-Rufen und Trommeln auf die Brust) nachzuäffen. Als „Herr Nilsson“ darf er zwar nichts sagen, aber sein Spiel mit Mimik und Gestik, gewürzt mit etwas Schabernack, sind einfach köstlich.

Gunnar Golkowski, Rolf-Jürgen Gebert oder auch Susann Thiede (richtig geraten – die Mutter von Lucie) werden von Pippi zur Freude des Publikums meist zu Deppen degradiert: mal als Polizisten, mal als Einbrecher, mal als Kaffeekränzchen. Da ist Platz für viele Slapstickeinlagen. Selbst für eine Tortenschlacht ist man sich nicht zu schade.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto © Marlies Kross

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PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto
© Marlies Kross

Und dann wäre da noch die Musik. Neben Lucie Thiedes Sangeskünste sorgt die Villa-Kunterbunt-Band mit Dan Baron, Heiko Liebmann und Lu Schulz für heiße Rhythmen. Michael Jackson ist ebenso zu hören wie der Titelsong aus „Piraten der Karibik“. Und natürlich darf auch „Hey – Pippi Langstrumpf“, das bekannteste Lied, nicht fehlen.
Das Mitklatschen im Publikum verwandelt sich schließlich im großen Finale zu einem tosendem Beifallssturm für die gesamte Inszenierung. Darsteller, Bühnenbild, Musik – alles passte perfekt und erfüllte die Erwartungen über!

Fazit: Ein herrlicher Spaß für die ganze Familie, liebevoll in Szene gesetzt mit vielen kleinen „Wow“-Effekten und einer grandiosen Hauptdarstellerin. Unbedingt anschauen!!!! (Oder ärgern, wenn man keine Karten mehr bekommen hat…)

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto © Marlies Kross

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PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto
© Marlies Kross

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), Susann Thiede (Frau Prysselius) und Matthias Manz (Herr Nilsson) © Marlies Kross

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PIPPI LANGSTRUMPF
von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), Susann Thiede (Frau Prysselius) und Matthias Manz (Herr Nilsson)
© Marlies Kross

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Schon bei der Spielplanpräsentation des Theaters im Sommer 2015 sorgte Pippi Langstrumpf für gute Laune
(c) Thori

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