Patrick Schleifer rockt den „Kuckuck“

Zwei „urst“ lustige Vorstellungen erlebten die Besucher bei zwei Auftritten des Berliner Kabarettisten und Parodisten Thomas Nicolai auf „Deutschlands östlichster Kleinkunstbühne“, wie „Kuckuck“-Inhaber Peter Hendrischke stolz verkündete. „Urst“ – so heißt auch das neue Programm des auch vom Fernsehen bekannten Künstlers.

Dabei begann das Programm schon 15 Minuten früher als angekündigt. Fragende Gesichter im Saal, als zwei Musiker im weißen Anzug die Bühne betraten. Die belgische Electro-Pop-Band „TRAFFIC NOIR“ mit den Brüdern Etienne und Serge Lambertine aus Lüttich gilt als Geheimtip der Independent-Musikszene in Belgien und präsentierte den Gästen als Vorband drei Titel.

Thomas Nicolai erklärte zunächst, was „urst“ eigentlich bedeutet. Hierzulande ist es ein bekanntes Wort aus der Jugendsprache, wie man am zustimmenden Nicken der Zuschauer erkennen konnte.

Daß Nicolai nicht nur ein guter Kabarettist, sondern ein noch besserer Parodist ist, bewies er als Mitglied einer Promi-WG. Dort stritten sich nämlich Herbert Grönemeyer, Klaus Kinski, Martin Semmelrogge und Thomas Gottschalk um den wieder mal nicht gemachten Abwasch.

Als Dieter alias „Buletti“ aus Berlin-Kreuzberg erzählte Thomas Nicolai, wie es sich mit einem Schwiegersohn lebt, der „Veganer Stufe 5 ist. Der darf nichts essen, was einen Schatten wirft…“ Höhepunkt dieses Programmteils ist die Neuinterpretation von „Das Model“ der Gruppe Kraftwerk, die Thomas Nicolai mächtig ins Schwitzen brachte. „Ich hätte lieber eine Lesung machen sollen“, stellte er hinterher fest.

Doch nicht nur die Freunde moderner Popmusik kamen auf ihre Kosten. Zusammen mit seinem Keyboarder Robert Neumann interpretierte Nicolai die „L’Opera Di Internet“, eine Geschichte über die Tücken des Internets. Versuchen Sie mal, etwas zu googlen ohne Internetverbindung!

Beim „El Flamenco De Deniro“, dem Finanzamt-Flamenco, kocht die Stimmung im Saal über. Als feuriger Spanier beschwert sich Thomas Nicolai musikalisch über den zugestellten Einkommensteuerbescheid seines Finanzamtes.

Patrick Schleifer und Carmen

Patrick Schleifer und Freundin Carmen – (c) Thori van Bosland

Und dann wäre da noch Patrick Schleifer, Nicolais alter Ego. „Willkommen zur Estrade der Freundschaft, hier in diesem Klubhaus!“, scherzt Patrick. Die „sächsische Antwort auf Robbie Williams“ freut sich über die „Stimmung wie bei den Stones“. Diesmal hat er seine neue Freundin Carmen (Robert Neumann mit einem Gesichtsausdruck zum Niederknien) mitgebracht, die an der Essenausgabe seines Betriebes arbeitet. „Nach neun Jahren inniger Beziehung ist es nun an der Zeit, den ersten Kuß zu wagen“, freut sich Patrick Schleifer. Carmen ist davon jedoch wenig begeistert…

Begeisterung im Saal, als Patrick später seinen Bruder Ronny auf die Bühne holt (wieder dargestellt von Robert Neumann). Unter dem Namen „Orakel von Schkeuditz“ treten die beiden als Rockband auf und geben noch einmal richtig Gas. Aus AC-DCs „Highway to Hell“ wird in der Patrick-Schleifer-Version „Weg, aber schnell!“.

Thomas Nicolais Show „Urst“ ist ein Potpourri voller Nonsens und Blödeleien, immer im Zusammenspiel mit dem Publikum. Die Bühne kann nicht groß genug sein, Nicolai tobt sich darauf richtig aus.

Den Zugabenteil überläßt Thomas Nicolai noch einmal einem Künstler, den er zuvor schon einmal parodierte: Phillip Poisel. „Der macht Musik für Leute, denen Xavier Naidoo zu hart ist“ stellt Thomas Nicolai den Deutschpoeten kurz vor. Bei seiner Version von „Du hast mich 1000 mal belogen“ tobt das Publikum zum wiederholten Mal an diesem Abend.

„Ich kannte Thomas Nicolai bisher noch nicht, aber dieser Kerl ist einfach genial!“, fasste Kuckucks-Stammgast Uta Krause ihre Eindrücke zusammen und sprach damit vielen anderen aus dem Herzen. Klar, daß anschließend auch die eine oder andere signierte DVD, CD oder Autogrammkarte den Besitzer wechselte.

Mit Aschenbrödel auf Schloß Moritzburg

Vielen Dank an Linda Drescher als Aschenbrödel!

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„Rabota Karoshi“ feiert mit kotzenden Pferden und Udo, dem Lemming, seinen siebten Geburtstag

Rabota Karoshi 200x50„Flash mich wie beim ersten Mal!“ sang „Rabota Karoshi“ zu Beginn seiner diesjährigen Geburtstags-Show. Das Improvisationstheater an der „BÜHNE acht“ begeistert seit sieben Jahren das Publikum, welches Ideengeber, Denker und Lenker der „Rabota Karoshi“-Programme ist.
„Wir haben nichts vorbereitet!“, verkündet deshalb auch Moderator Torsten Dubrow. Denn die Schauspieler haben kein Drehbuch, lassen sich durch Zurufe aus dem Publikum inspirieren und erschaffen kleine skurrile Geschichten.

An diesem Sonnabendabend im Theaterkeller in der Cottbus Erich- Weinert-Straße ist das Publikum der Star. Immer wieder bittet Torsten Dubrow Freiwillige auf die Bühne, die als Stichwortgeber aktiv in das Spiel einbezogen werden. Wie Boris, der für Anja Schröter die Vorgaben für ihren Vortrag zum Thema „Die Wirkung der Zentrifugalkraft auf Pferde“ liefert. Von „kotzende Pferde“, „liebe Balladen“ und „roten Knöpfen auf Hirschgeweihen“ ist die Rede.
Daß das Ganze keinen Sinn ergibt, macht nichts. Das Publikum johlt und applaudiert, wenn Anja Schröter mal wieder gerade so die Kurve in der Handlung bekommen hat. Noch lustiger wird es, wenn sich Anja Schröter als Krankenschwetser Angelika und Henning Wolff als lustloser Moderator einer Talkshow Wortduelle liefern. Sie berichtet über Udo, den Lemming, der ihr im Krankenhaus bei der Krankenpflege behilflich ist. „Bleiben Sie steril!“ wünscht der Moderator beim Abschied.

Henning Wolff, Anja Schröter und Torsten Duborw

Henning Wolf, Anja Schröter und Torsten Duborw

Was Improvisation bedeutet, beweisen Charlotte Walter, Henning Wolff, Anna Oprei und Christopher Meierhold. Während Anna und Christopher auf der Bühne spielen, aber nichts sagen, erzählen Charlotte und Henning vor der Bühne die passende Geschichte – ohne zu sehen, was hinter ihnen passiert. Amüsant wird es, wenn Handlung und Geschichte zwei völlig verschiedene Richtungen einschlagen….

Christopher Meierhold und Anna Oprei

Christoph Meierhold und Anna Oprei

„Rabota Karoshi“ hat auf jeden Einfall aus dem Publikum eine Antwort – sei es zum Thema „Die Essgeräusche der Anderen“, sei es ein Segeltörn nach Kopenhagen oder der Kampf eines Praktikanten mit Kaffeeautomat und Büropalme.

Es „flash“ noch immer bei „Rabota Karoshi“, auch wenn man derzeit etwas kleinere Brötchen bäckt.. In Hochzeiten reichten kaum die Stühle in dem kleinen Raum, 100 Zuschauer und mehr drängten sich damals um die Bühne. Diesmal waren es nicht mal die Hälfte. Martin Mendiburu, ehemaliges Mitglied bei „Rabota Karoshi“, hat eine logische Erklärung dafür: „Viele Studenten, die uns jahrelang die Treue hielten, haben mittlerweile ihr Studium beendet und sind wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Die neuen Studenten müssen Improvisationstheater erst noch für sich entdecken.“

8 aktive Mitglieder spielen derzeit bei „Rabota Karoshi“, unterstützt von zwei Musikern. Torsten Dubrow ist von Anfang an dabei. Zu seiner Freude haben es sich auch viele Ehemalige nicht nehmen lassen und sind zum Gratulieren gekommen. Bleibt den Rabotas und Karoshis nur zu wünschen, daß auch zukünftige Jahrgänge anstimmen: „Flash mich wie beim ersten Mal!“