„Es ist schön, wenn die Welt zu uns kommt!“

Der kleine Ort Pusack wird demnächst auch in Kalifornien und Mailand bekannt werden – zumindest wenn Madeline (22) und Riccardo (24) zu Hause von ihren Erlebnissen in Deutschland berichten.

Die Beiden sind Wwoofies. „Wwoof“ steht für „WORLD-WIDE OPPORTUNITIES ON ORGANIC FARMS“, ein Netzwerk, welches freiwillige Helfer/innen und ökologisch betriebene Höfe miteinander verknüpft. Im Gegenzug für ihre helfenden Hände bei der Verrichtung der täglich anfallenden Arbeiten auf einem Hof gibt es für die Freiwilligen Kost und Logis gratis. Der Erst-Kontakt zwischen Helfer und den Höfen kommt über eine Internet-Plattform zustande. Geeignet ist Wwoof für Menschen, die gerne einmal ein naturverbundenes Leben auf dem Lande führen oder kennenlernen wollen.IMG_2689

Für Madeline und Riccardo ist Pusack bereits die zweite Wwoof-Erfahrung, zuvor waren sie in Kahla auf einem Hof. Auf der Suche nach einem neuen interessanten Betätigungsfeld wurden die Beiden auf den Ziegenhof „Zur Wolfsschlucht“ von Andrea Roß und Klaus-Bernd Günther aufmerksam. „Die Internet-Webseite vom Ziegenhof hat uns gefallen, die dort gezeigten Informationen und Fotos sprachen uns an.“ verrät das US-Girl. Und Riccardo ergänzt: „Wir wollten auf keinen großen Hof, suchten eher etwas kleines und ruhiges.“
Nach einer kurzen Kontaktaufnahme per Mail kamen die Beiden schließlich am Montag an. Noch bis zum Sonntag werden sie voll in die Arbeitsabläufe auf dem kleinen Ziegenhof integriert. Dazu gehören das Melken der Tiere, das Zubereiten von Käse, die Betreuung der Ziegen und auch die Gästebetreuung.
„Ich habe vorhin den Trockenkäse vorbereitet, nachher mache ich noch die Käse-Trüffel“ erzählt Madeline voller Stolz. Sie fühlt sich sichtbar wohl bei Andrea Roß und Klaus-Bernd Günther. „Es ist ein Traum für uns, hier zu sein!“ sprudelt es aus ihr heraus.
Feste Arbeitszeiten nach Stechuhr gibt es nicht. „Früh und abends gibt es mehr zu tun als tagsüber. Aber im Schnitt werden die Beiden bestimmt 4-6 Stunden täglich arbeiten, zwischendurch gibt es natürlich auch freie Zeiten“, erklärt Klaus-Bernd Günther die Arbeitsabläufe.

Nach der Arbeit, so gegen 19:30 Uhr, setzt man sich zusammen und genießt gemeinsam den Feierabend. Es gibt viel zu erzählen, schließlich möchte man sich einander näher kennenlernen. Madeline studierte zunächst Germanistik und Philosophie und beginnt demnächst ein neues Studium, denn sie möchte Englisch-Lehrerin werden. Riccardo hat Latein und Griechisch studiert und möchte ebenfalls als Lehrer arbeiten.
Auch die Fußball-WM wird gemeinsam angeschaut. Riccardo ist großer Fan vom AC Milan, auch Madeline interessiert sich für Fußball. Übernachtet wird inmitten der Natur in einer kleinen Holzhütte.
Da die Zeit begrenzt ist, bleibt nicht viel Gelegenheit, sich die Umgebung näher anzuschauen. Madeline war zwar mit Klaus-Bernd Günther in der Schokoladenfabrik in Hornow, aber für größere Unternehmungen fehlt die Zeit. „Wir würden aber gerne noch einmal wiederkommen und mehr von der Gegend kennenlernen“, wünscht sich Madeline. Riccardo nickt zustimmend.

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Madeline und Riccardo vor ihrer Hütte

Klaus-Bernd Günther ist sehr zufrieden mit seinen beiden weitgereisten Gästen. Seit zwei Jahren beteiligt er sich an dem Projekt „Wwoof“ und bekommt viele Anfragen von Freiwilligen, die gerne ein paar Tage auf dem Hof verbringen möchten. Vielen muß er absagen, denn die Nachfrage ist zu groß. Die Teilnehmer kommen dabei nicht nur aus Deutschland, sondern auch schon eine Österreicherin war hier für einige Zeit tätig. Die Kalifornierin Madeline ist bisher der Gast mit der weitesten Entfernung zwischen Pusack und der jeweiligen Heimat. „Es ist schön, wenn die Welt zu uns kommt!“ freut sich Klaus-Bernd Günther und stellt abschließend fest: „Die meisten, die hierher kommen, loben die Idylle und Ruhe in Pusack!“ So wie Madeline und Riccardo, die bestimmt zu Hause von einem ganz kleinen Örtchen irgendwo in Deutschland an der Grenze zu Polen berichten werden.