„Das Schlimmste ist das lange Stehen“ – Ein Blick hinter die Kulissen eines Rennwochenendes am Lausitzring

Daß Motorsport die Fans fasziniert, ist kein Geheimnis. Dabei läuft so ein Renntag meistens nach dem gleichen Muster ab: Unterschiedliche Rennklassen bieten den Zuschauern den ganzen Tag über spannende Duelle und rasante Action. Die meisten Veranstalter locken zudem mit offenen Fahrerlagern, wo die Fans mit etwas Glück ihre Idole treffen können. Aber wie läuft so ein Renntag aus Sicht der Protagonisten ab? Der Autor dieses Beitrages wollte es genauer wissen und machte sich während des diesjährigen ADAC-GT-Masters auf dem Lausitzring auf die Suche nach Antworten.

Wer mit Rennfahrerin Victoria Froß an so einem Renntag ins Gespräch kommen möchte, braucht viel Geduld und auch etwas Glück. Das liegt aber weniger an irgendwelchen Starallüren oder Geheimniskrämereien – ganz im Gegenteil. Die Leipzigerin, die im Rahmenprogramm der GT-Masters in der ADAC-Procar-Serie einen Mini Cooper steuert, ist sympathisch, aufgeschlossen und erfüllt gerne Foto- und Autogrammwünsche ihrer Fans. Die Sächsin ist eine von insgesamt fünf Frauen, die an diesem Wochenende in einer der 7 Rennserien an den Start gehen. Die meiste Zeit verbringt sie jedoch mit „Lotte“, wie sie ihr Rennauto liebevoll nennt.

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Victoria Froß mit „Lotte“ im Einsatz

Arbeitsbeginn war für Viktoria um 7:30 Uhr. „Das heißt, aufs Rennen vorbereiten, also das Auto vorbereiten, vermessen, einstellen, mit den Mechanikern reden, was noch geändert werden kann.“ Etwa um 9.00 Uhr beginnt das 30minütige Zeitraining, wobei hier die Startplätze für das nachfolgende Rennen ermittelt werden. Danach heißt es erneut Fahrzeug vermessen, das Training mit den Mechanikern auswerten, Tanken und „Lotte“ fit fürs Rennen zu machen. „Wenn dann noch etwas Zeit bleibt, schauen wir auch die anderen Rennen an“, so Victoria Froß.

Daß auch der Spaß nicht zu kurz kommt, bewiesen Victoria Froß und ihre Teamkollegin Lisa Christin Brunner spontan an einem Sponsorenstand im Fahrerlager. Dort lieferten sich beide ein kleines Wettrennen auf einer Kehrmaschine.

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Auch auf einer Kehrmaschine schnell unterwegs: Victoria Froß

Kurz nach 15:00 Uhr heißt es, fertig machen fürs Rennen. Nach kurzem Warten an der Vorstartlinie geht es in die Startaufstellung, dann heißt es volle Konzentration. „Lotte“ kann das Renntempo ihrer unmittelbaren Konkurenten mitgehen, durch individuelle Fehler der anderen Fahrer verbessert sich Victoria im Hauptfeld der ADAC-Procar-Serie noch um einige Positionen.

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„Lotte“ nimmt Kurs auf den Fotografen

Zur Erklärung: das Hauptfeld besteht aus Fahrzeugen mehrerer Divisionen, d.h. Fahrzeuge gleicher Motorisierungen werden in einer Division zusammengefäßt. Victoria Froß fährt in der Division 3, in der alle Minis gewertet werden.

Nach dem Rennen klingt der Tag so langsam aus. „Lotte“ wird für den nächsten Tag vorbereitet, kleinere Reparaturen werden erledigt. Abends setzt man sich mit dem Team zusammen und grillt. Übernachtet wird übrigens im Wohnmobil direkt vor Ort, um die Versorgung kümmert man sich selber. Auch Victoria Froß hat an den Tagen vor dem Rennwochenende ihren Beitrag geleistet und für das Team insgesamt 3 kg Hackfleisch zu Buletten verarbeitet.

Mit dem Rennwochenende auf dem Lausitzring zeigt sich Victoria zufrieden. „Ich konnte mich im Vergleich zu den bisherigen Rennen in Oschersleben und Zandvoort (NL) deutlich verbessern. Es ist zwar immer noch Luft nach oben, aber ich bin zufrieden. So kann es weitergehen!“ Sagt es und macht sich schon wieder auf den Weg, diesmal zur Siegerehrung ihrer Rennfahrerkollegen.

IMG_1875Zu diesem Zeitpunkt steht die Chemnitzerin Nicole Neubert schon wieder an ihrem Arbeitsplatz. Sie gehört zu den Grid-Girls, jenen Mädels, die in der Startaufstellung vor jedem Rennen die Rennfahrzeuge präsentieren, u.a. auch Victorias „Lotte“.

Vor einigen Jahren hatte Nicole im Internet gelesen, dass Grid-Girls gesucht werden. Sie hatte sich bei der entsprechenden Agentur beworben und wurde angenommen. Neben dem Lausitzring gehört auch der Sachsenring zu den Einsatzorten der Zweiundzwanzigjährigen.

Auch für Nicole begann der Samstag sehr früh. Um 5:30 Uhr war Aufstehen, danach ging es von Chemnitz zum Lausitzring. Um 9:00 Uhr war Treffpunkt, anschließend erfolgte das Einkleiden und ein kurzes Briefing. Dort werden die Laufwege erklärt und was sonst noch alles zu beachten ist. Dann heißt es auch schon Aufstellung für das erste Rennen zu nehmen. Das setzt sich dann bis zum späten Nachmittag fort. „Viel Zeit zum Ausruhen haben wir eigentlich nicht, es geht hier alles ziemlich fix. Ansonsten sitzen wir in unserem Aufenthaltsraum, quatschen ein wenig oder trinken einen Kaffee.“

Was für den Zuschauer nach einem leichten Job aussieht, ist für die Grid-Girls harte Arbeit. „Gerade beim ADAC-GT-Masters stehen wir vor dem eigentlichen Start manchmal bis zu einer Stunde in der Startaufstellung. Das schlimmste dabei ist wirklich das Stehen, vor allem mit den hohen Schuhen. Das Stehen ist schlimmer als das Laufen“, erklärt Nicole. Glücklicherweise spielt an diesem Wochenende auch das Wetter mit. „Ich hatte auch schon Rennen, da war es kalt oder es hat geregnet. Das ist dann wirklich unangenehm. Selbst wenn wir Regenkleidung bekommen, so richtig warm hält unsere Dienstkleidung nicht“.

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Nicole (2.v.l.) mit den anderen Grid-Girls

Die Grid-Girls für den Lausitzring kommen aus Berlin, Leipzig und Dresden. Nicole ist die einzige Chemnitzerin. Einige der anderen Mädels kennt sie von anderen Einstätzen, aber es kommen auch immer wieder neue Mädels hinzu.

IMG_1838Nicole betont noch einmal, daß der Job eines Grid-Girls kein leichter Job ist. Dazu kommt, daß die Mädels ständig freundlich in die Kameras der Fotografen und TV-Teams lächeln müssen. “Ich mache das sehr gerne, deshalb fällt es mir nicht so schwer. Aber ich kann mir vorstellen, daß die eine oder andere schon Probleme hat, die ganze Zeit ein Lachen aufzusetzen.“ Die Studentin für „Media Acting und Rhetorik“ modelt seit 2009 nebenbei und ist das Posen vor der Kamera gewohnt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum man ihr die Freude an der Tätigkeit als Grid-Girl regelrecht ansieht.

Am frühen Samstagabend ist endlich Dienstschluß. Nicole läßt den Tag ruhig ausklingen, wird bei Bekannten ganz in der Nähe des Lausitzringes übernachten.

Die meisten Zuschauer des ADAC-GT-Masters mit seinen Rennserien haben sich längst auf dem Heimweg gemacht, als ein langer anstrengender Arbeitstag für Victoria Froß und Nicole Neubert endet. Ob beide Frauen mal ihren Arbeitsplatz tauschen würden? Vermutlich nicht. Aber dafür nehmen Beide für ihre persönliche Faszination am Motorsport sicherlich gerne in Kauf, daß sich ihr Wochenende anders gestaltet als man es von der Zuschauer-Tribüne aus betrachtet vielleicht wahrnimmt. Auch das verbindet das Grid-Girl mit der Rennfahrerin. Und so werden beide Frauen sicherlich auch am nächsten Rennwochenende wieder zeitig aufstehen, um sich auf ihren langen Arbeitsstag vorzubereiten. Motorsport macht zweifellos Spaß, kann aber auch abseits der Rennpiste ziemlich anstrengend sein, wovon der Zuschauer auf der Tribüne meist nichts mitbekommt….

Der Autor dieses Beitrages bedankt sich abschließend bei Victoria und Nicole, die trotz eines straffen Zeitplanes Zeit fanden und bereitwillig Auskunft gaben, sowie bei der Pressestelle des ADAC Berlin/Brandenburg und der Betreuerin für die Grid-Girls, die den Kontakt zu Nicole überhaupt erst ermöglichten.

Links:

Nicole Neubert

Victoria Froß

 

Interview mit dem Tod

Der Tod war am 1. Mai zu Gast auf der Kabarettbühne im Groß Jamnoer Restaurant „Zum Kuckuck“. In einer Veranstaltungspause war Gelegenheit für ein kurzes Gespräch, quasi eine Nah-Tod-Erfahrung.

Der Tod 1Wie soll ich Sie anreden – Gevatter, Sensenmann, Herr Tod?

Tod reicht. Manche sagen auch Todi, das klingt dann nicht ganz so gefährlich.

Wie lebt es sich als Tod?

Ach, eigentlich ganz gut. Natürlich war immer so ein kleines Imageproblem, aber das versuche ich ja gerade zu beheben.

Wie wird man denn Tod? Haben Sie eine Ausbildung gemacht?

Ja, das ist so ein Familienunternehmen. Von meinem Gevatter wurde ich eingearbeitet. Es war zwar eine lange Ausbildungszeit, aber dann ist man drin. Man muß ja auch Tod werden, denn Arzt oder Feuerwehrmann wird man in unserer Familie nicht.

Was gab denn den Ausschlag, eine Imagekampagne zu starten?

Man weiß ja, das mit dem Tod ist immer so ein unbeliebtes Thema. Ich erzähle das auch in meinem Programm, denn wenn ich vor der Türe stehe, freut sich ja keiner und alle sagen nur „Oh Schreck, oh Schreck“ – wenn überhaupt über mich gesprochen wird. Da dachte ich mir, „Mensch, wir müssen was tun für ein bißchen Rufverbesserung“. Deshalb versuche ich, unser Familienunternehmen nach vorne zu bringen.

Wie sind die Reaktionen des Publikums?

Die Reaktionen sind immer recht gut. Ich dachte erst, ich hätte mit mehr Gegenwind zu rechnen. Da scheint also ein Bedarf zu sein. Ich spiele ja nicht nur in Theatern, sondern auch in Altenheimen und Bestattungsunternehmen, sogar in Hospizen, wo die Leute das dankbar aufnehmen.

Sie sind ja nun zum zweiten Mal im „Kuckuck“ nach der „Langen Kabarettnacht“…

…stimmt, da habe ich moderiert.

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Der Tod (rechts im Bild) mit Birgit Hendrischke, Veranstaltungschefin im „Kuckuck“

Was hat denn der „Kuckuck“, was andere Spielorte nicht haben?

Ich spiele natürlich auch in großen Locations, aber es ist natürlich immer schön, wenn auch Kultur in Orten stattfindet, wo sonst nicht so große Kultur in Orten stattfindet. Da ist der „Kuckuck“ natürlich ein Aushängeschild, auch für die Gegend hier. Und da kommt man natürlich gerne vorbei.

Nach der letzten Kabarettnacht haben viele Besucher vermutet, hinter der Kutte verbirgt sich Olaf Schubert. Ist Ihnen der Vergleich schon öfters untergekommen?

Ja, es wird immer viel spekuliert, wer steckt da drunter. Da gibt es sogar Foren, die diskutieren. Es gibt dort immer große Diskussionen, was könnte das sein. Es gibt sogar ein paar Zeitungen, die irgendwelche Enthüllungen machen. Also, da sind die Leute schon hinterher.

Und bisher wurden Sie noch nicht enttarnt?

Nö, bisher war immer alles gut gegangen.

Wenn die Imagekampage erfolgreich ist, gibt es dann ein Nachfolgeprogramm?

Bestimmt. Letzte Woche ist ja mein Buch „Mein Leben als Tod“ erschienen. Das bezieht sich weniger auf mein Programm, sondern mehr auf die Hintergrundgeschichte, also wie wird man Tod, wie ist der Tod in anderen Kulturen, wie ist der Tod im Alltag, was passiert, wenn der Tod U-Bahn fährt. Da wird sehr viel aufgeklärt und man kann mehr ausholen als in einem Programm.

Noch mehr aufklären kann man ja mit einem Film. Jeder Comedian dreht entweder einen Film oder kriegt eine RTL-Show…

…Genau. Es gibt ja schon kleine Rubriken im Internet, „Todis Welt“, die kommen einmal im Monat neu raus. Es gibt dort auch verschiedene Charaktere, die neu hinzukommen. Schließlich ist es ja auch ein Thema, das nie ausstirbt. Es kommt immer neues Material automatisch hinzu.

Aber ein Film ist erstmal nicht geplant?

Film ist erstmal nicht geplant. Schauen wir erstmal, wie das Buch läuft, vielleicht wird’s ja verfilmt.

Wo ist denn Tod eigentlich zu Hause?

In Berlin. Das muß er auch, denn das ist die einzige Gegend, wo ich rumlaufen kann und nicht auffalle unter den ganzen Verrückten.

Und wie alt ist der Tod?

Ach, manche sagen so, manche so. Das Unternehmen ist genau 3,5 Milliarden Jahre alt….

… So lange gibt es den Tod schon ?

Ja, seit dem ersten Einzeller.

Na dann. Was sagt man zum Abschied zum Tod? „Auf Wiedersehen“?

Ja, oder „Man sieht sich!“ Erst einmal gleich auf der Bühne, und dann schauen wir mal…