Kabarett-Marathon im „Kuckuck“

Lachen soll ja gesund sein! Die Besucher der „2. Langen Nacht des Kabaretts“ im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno dürften da aber anderer Meinung sein, denn einige der Gäste plagten sich nach der fünfstündigen Veranstaltung mit Zwerchfellkrämpfen. Verursacher dieser Symptome, die auf gute Unterhaltung schließen lassen, waren jene Künstler, die abwechselnd im Saal ein Feuerwerk an Comedyeinlagen, Pantomimen, bissigen Kommentaren zur Lage der Nation und Parodien abfeuerten.

Nach der gelungenen Premiere im vergangenen Jahr war den Veranstaltern klar, daß es eine Neuauflage geben wird. In monatelanger Vorarbeit stellten Birgit und Peter Hendrischke ein Programm zusammen, das die Vorjahresveranstaltung noch einmal toppte. Selbst langjährige Stammgäste der Kabarettabende zeigten sich erstaunt und erfreut zugleich, daß immer wieder neue Künstler den Weg auf die Groß Jamnoer Kleinkunstbühne finden.

Durch das Programm führte diesmal Thorsten Hitschfel alias Martin Knöfel. Der gebürtige Sachse folgte dem Trend und ließ sich im Westen nieder. Deswegen sei er jetzt auch ein Niedersachse. Mit seiner Mutti gründete er eine „Ich AG“, die aber wegen schlechtem „Margetting“ nicht funktionierte.

Erste Lachsalven feuerte Hitschfel dann mit seiner Reise durch die jüngere Musikgeschichte ab. Mit gitarrenbegleiteten Hörbeispielen nahm er den Verfall des Liedgutes auf die Schippe. So erfuhren die Zuschauer, daß Bob Dylans Welterfolg „Knockin‘ on heavens door“ eigentlich der Vorläufer des Ententanzes ist. Und Nenas „99 Luftballons“ bekommen eine völlig Bedeutung, wenn Hitschfel die „bislang indizierte Strophe, die ursprünglich für Dr. Sommer in der Bravo gedacht war“, interpretiert. Zur Überraschung Hitschfels stimmte das Publikum spontan in seine Lieder ein.

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Die Hengstmann-Brüder
© Claudia Maas

Nach diesem Auftakt präsentierten die Hengstmann-Brüder aus Magdeburg politisches Kabarett. Gegenseitig feuerten sie sich die Pointen zu und verschonten dabei weder die Politiker noch sich selbst. Höhepunkt ihres ersten Programmteils war eine „Modern Talking“ – Parodie mit politisch-satirischen Texten.

Die Berliner Schauspielerin und Kabarettistin Lina Wendel trat als strenge Lehrerin auf, die sich mit schwerbewaffneten Schülern auseinandersetzen muß. „Als Nulpe der Nation“ fühle sich manchmal die Lehrerschaft. Es gibt aber nicht nur Negatives zu berichten. Elegant schaffte Lina Wendel die Überleitung zu Angela Merkel. Die ist ihrer Herkunft treu geblieben: „In der Diktatur wurde aus Sch… Gold gemacht, jetzt – in der Demokratie – beweist Merkel, daß es auch umgekehrt geht.“ Überhaupt klingen Merkels Regierungserklärungen wie die Rechenschaftsberichte aus der alten Zeit. Sie sei eben „unbesieglich“.

Nach der Pause, in der es für Zuschauer und Künstler ein großes Buffet gab, durfte Thorsten Hitschfel noch einmal seine Klasse beweisen. Nicht nur, daß er hervorragend Helge Schneider, Peter Maffay und Udo Lindenberg parodieren kann, auch seine Schilderungen von „ortsfremden Meerschweinchen“ und bettelnden Kindern aus der Nachbarschaft oder sein Versuch, mit einem Einkaufswagen die Tücken im Supermarkt zu bewältigen, sorgten für großes Gelächter.

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Mark Britton – Zuhause bei Britton
© Pressefoto, Quelle: Theatertransfer

Für Mark Britton aus England war damit das Feld bereitet. Mit Ausschnitten aus seinem Programm „Zuhause bei Britton“ begeisterte der Familienvater, der „wie alle Engländer kein IKEA-Regal zusammenbauen kann“, die Zuschauer. Dabei kombiniert er Slapstick, Pantomime und Stand-Up-Comedy mit typischen britischem Humor.

Der ständige Wechsel der unterschiedlichen Genres kam beim Publikum gut an. Auch die Künstler fanden Gefallen an den Darbietungen der anderen Kabarettisten und spielten in ihren eigenen Programm darauf an. So zogen sich manche Gags wie ein roter Faden durch den Abend. „Malte und Matze“ alias die Hengstmann-Brüder war es vorbehalten, den Schlußpunkt zu setzen. Unter tosendem Beifall verabschiedeten sich alle Mitwirkenden vom Publikum, das diesen Kabarett-Marathon sicherlich nicht nur wegen dem Ziehen in der Zwechfellregion lange in Erinnerung behalten dürfte.

Artikel veröffentlicht:

20.02.2011 nl_aktuell
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