Fetzige Rhythmen beim 10. Hoffest der Cottbuser Musikspatzen

Rhythmische Sambaklänge und Schlagermedleys waren am vergangenen Samstag aus der Turnhalle der Carl-Blechen-Grundschule zu hören und lockten den einen oder anderen neugierigen Besucher an.
Die „Cottbuser Musikspatzen“ feierten ihr traditionelles Hoffest. Auf Grund der unbeständigen Witterung verlegte man die Veranstaltung kurzerhand vom Schulhof in die kleine Turnhalle. Hier warteten schon Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannte der Musikspatzen sowie Mitglieder des Fördervereins gespannt auf das, was da kommen sollte.
Von den 28 aktiven Musikern sind fast alle anwesend, einige der älteren Musiker sind sogar extra aus Hamburg, Düsseldorf oder Berlin angereist, um bei diesem Fest dabei zu sein.

„Das jährliche Hoffest ist unsere Saisoneröffnung. Hier präsentieren wir erstmals der Öffentlichkeit, welche Titel und Choreografien wir im Winter und im Trainingslager einstudiert haben“, verrät Gloria Scholz, Präsidentin der Musikspatzen.

Mit der „Märkischen Heide“ marschieren die die Musiker in die gut gefüllte Halle ein und präsentieren anschließend in drei etwa 15minütigen Blöcken Ausschnitte aus ihrem Repertoire. Egal ob bei „Miss Marple“, einem Roland-Kaiser-Medley oder den Hits von ABBA – die Zuschauer wippen mit den Füssen mit und sparen auch nicht mit Applaus.

Trotz der Enge der Spielfläche gelingt es den Musikspatzen, durch wechselnde Tanzschritte die Einmarschformation aufzulösen und immer wieder neue Aufstellungen einzunehmen.

Für die 13jährige Marie ist es ein besonderer Tag. Sie darf zum ersten Mal den Stab führen, was bedeutet, daß alle Trommler und Flötenspieler auf ihr Kommando hören und sie ihnen den Takt vorgibt.
Marie gehört auch zu den „Jungspatzen“, die von Gloria Scholz für die häufigsten Einsätze bei öffentlichen Veranstaltungen in der abgelaufenen Saison geehrt werden.

In den Pausen stärken sich Besucher und Musiker mit selbstgebackenem Kuchen vom großen Kuchenbasar. Besonderer Hingucker sind dabei die beiden großen Torten, die auf das große Jubiläum der Cottbuser Musikspatzen hinweisen: in diesem Jahr feiert das Ensemble, welches aus dem Städtischen Spielmannszug Cottbus hervorgegangen ist, sein 35jähriges Bestehen.
Mit einem großen Konzert im Rahmen des Cottbuser Stadtfestes im Juni soll das Jubiläum gefeiert werden. Darüber hinaus warten auch Auftritte beim Turmfest in Luckenwalde, beim Heimat- und Trachtenfest in Burg/Spreewald oder beim Schlossfest in Königs Wusterhausen auf die Musikspatzen.

„Wer hat an der Uhr gedreht?“, fragte einst Paulchen Panther. Und diese Frage stellten sich auch die Zuschauer, als sich nach gut 2 Stunden das Hoffest dem Ende neigte und die Cottbuser Musikspatzen mit eben diesem Lied fröhlich gelaunt und unter tosendem Beifall wieder aus der Halle marschierten.

Einer der berühmtesten Söhne der Stadt zu Besuch in seiner Heimat

Das kleine brandenburgische Städtchen Forst (Lausitz) hat in seiner mehr als 750jährigen Geschichte nicht allzu viele Söhne und Töchter hervor gebracht, die es zu internationalem oder gar Weltruhm gebracht haben. Zu den Wenigen, die es erfolgreich aus Forst in die große weite Welt geschafft haben, gehört Dr. Peter Kersten, seines Zeichens Magier und Weltenbummler. 1977 gewann er in Hollywood als bester ausländischer Magier den Zauber-“Oscar“, die höchste Ehre, die ein Magier erreichen kann.

In der DDR war Dr. Peter Kersten bekannt wie ein bunter Hund, be- bzw. verzauberte er doch als „Zauberpeter“ ganze Generationen. Im Kinderfernsehen lief regelmäßig seine Sendung „Kunterbunt“, für die Erwachsenen gab es „Zauber auf Schloss Kuckuckstein“. Auch die großen Samstagabendshows im DDR-Fernsehen wie den „Kessel Buntes“ moderierte er.

Mit seiner Show „Wunder inclusive“ tourt der „Magic Doctor“ (mit diesem Namen wurde er international bekannt) noch heute durch die Republik. Am vergangenen Wochenende machte der Zauberpeter wieder einmal Station in seiner Heimatstadt.
Vielen der anwesenden Zuschauern können sich noch an das Fleischerei Lehmann seines Vaters erinnern. Auch die Geschwister des Zauberpeters waren dem einen oder anderen bekannt.

Die beiden Veranstaltungen im Pavillon „Genuss & Kunst“ waren binnen kurzer Zeit ausverkauft. Voller Vorfreude erwarteten nun Jung und Alt den Auftritt des immer noch beliebten Künstlers. Eine musikalische Ouvertüre, von CD eingespielt, bildete den Auftakt für einen unterhaltsamen Nachmittag.
Und dann war der wohl berühmteste Forster wirklich da: im schwarzen Anzug, aber ohne Zylinder, charmant und gut gelaunt. Sofort sprang der Funke zum Publikum über. Dr. Peter Kersten kann nämlich nicht nur zaubern, sondern seine Zuschauer auch mit Wortspielen unterhalten.

Seine Zaubertricks hat man in dieser oder ähnlicher Form schon hundertfach gesehen – und trotzdem war die Verblüffung in den Gesichtern der Gäste zu sehen. Egal, wie genau man auch hinschaute, um vielleicht den Trick zu erahnen – der Zauberpeter setzte immer noch einen drauf. Ein signierter 50-Euro-Schein verbrannte vor aller Augen, um wenig später aus einem versiegelten Umschlag hervorgeholt zu werden. Aus einem geteilten Kartenstapel wanderten einzelne Karten scheinbar hin und her – wo eben noch öffentlich 16 Karten vorgezählt wurden, fehlten beim erneuten Zählen plötzlich 3 Karten, die in einem anderen Stapel zu finden waren. Und dass, obwohl zwei zufällig ausgewählte Zuschauer die Kartenstapel in den Händen hielten.
Es sind nicht mehr die großen Illusionen wie die der „zersägten Jungfrau“, sondern kleine Tricks mit Karten, Regenschirmen oder Seilen, mit denen Zauberpeter heutzutage auf Tour geht.

Dr. Peter Kersten ist aber nicht nur Magier, sondern reiste nach der Wende in der DDR mit seiner Kamera um die Welt, um Reisereportagen für die ARD und den MDR zu drehen. In Forst zeigte er kurze Filmausschnitte seiner Reportagen und erzählte nebenbei so manche erlebte Episode. Unverkennbar hat es ihm dabei Asien besonders angetan. Schließlich hat er auf der indonesischen Insel Sumba sein Lebensglück und einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden.

Nach 90 Minuten Programm verabschiedete sich der Zauberpeter von „seinen“ Forstern, nicht ohne zu versprechen, demnächst wiederzukommen. Dann möchte er mehr von den Kuriositäten, die er auf seinem Reisen erlebte, berichten. Und ganz sicherlich wird dann auch wieder der eine oder andere Zaubertrick dabei sein.

Pavillon-Chefin Diana Podlesch bedankte sich mit einem Rosenstrauch der Forster Jubiläums-Rose bei Dr. Peter Kersten für zwei wundervolle Veranstaltungen. Bevor es sich der Zauberpeter im Pavillon schmecken ließ, unterschrieb er noch fleißig Autogramme und stand für gemeinsame Fotos zur Verfügung.

Besucherandrang überrascht Aussteller und Veranstalter der 2. Geschmacksmesse auf Gut Neu Sacro

Wer am vergangenen Samstag zur Geschmacksmesse auf Gut Neu Sacro wollte, mußte zunächst Geduld und später etwas Nervenstärke beweisen. Schon wenige Minuten nach der Eröffnung bildete sich am Einlaß zum ehemaligen Kornspeicher eine Warteschlange, auch die vorbereiteten Parkflächen rings um das Gut füllten sich zunehmend und ließen weitere Besucher heran strömen.

Was im vergangenen Jahr als Testlauf mit 12 Produzenten einheimischer Waren begann, fand nun eine durchaus gelungene Fortsetzung. Bereits im November 2016 wurden die Einladungen an viele regionale Unternehmen, die sich mit der Herstellung und Vermarktung lokaler Köstlichkeiten beschäftigen, verschickt. 22 Anbieter folgten der Einladung und präsentierten ihre Produkte auf drei Etagen, ohne zu ahnen, welch enorme Resonanz sie damit auslösen.

Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal, die das Gut Neu Sacro bewirtschaftet, erklärt die Idee der Geschmacksmesse: „Wir wollen mit dieser Veranstaltung den Einheimischen zeigen, was die Region Gutes an kulinarischen Spezialitäten zu bieten hat. Für die Anbieter ist es darüber hinaus eine gute Gelegenheit, sich untereinander kennenzulernen und zu vernetzen.“. Viele der Aussteller seien bereits im Vorjahr dabei gewesen. 90% der damals vorgestellten Produkte sind mittlerweile im Hofladen erhältlich. Schwerpunktthema in diesem Jahr sind Produkte aus Rindfleisch. Vier tierische Vertreter zum Thema „Rindfleisch“ präsentierte das Gut an der Stirnseite des Ausstellungsgebäudes in einem Gehege.

In der Galerie über dem Hofladen herrscht derweil dichtes Gedränge. Nur ganz langsam geht es vorwärts, die Gänge sind dicht gedrängt, Überholen oder gegen den Strom zu laufen ist fast unmöglich. Es ist schlichtweg kein Durchkommen, an jedem Stand lassen sich die Besucher die Köstlichkeiten erklären oder wollen selber testen, wie es schmeckt. Egal, ob Süßes von der Confiserie Felicitas aus Hornow, Eierlikör von der Straußenfarm Rönsch in Tschernitz oder leckere Konfitüren der Marke „Rosenrot & Feengrün“ aus Burg/Spreewald – für (fast) jeden Geschmack ist etwas dabei. Auch an den Ständen der Weinhändler und Brauereien dauert es ein Weilchen, ehe man sich endlich durchgekämpft und eine der angebotenen Verkostungsproben ergattert hat.

Zu den am weitesten angereisten Ausstellern gehört die „Christine Berger GmbH & Co. KG“ aus Werder. Am Stand dieses auf Sanddorn-Produkte spezialisierten Unternehmens präsentiert Mitarbeiterin Jessica Bohr Sanddorn-Säfte und -Weine, Fruchtaufstriche und Kosmetik auf Sanddorn-Basis. „2016 hat unser Unternehmen nur Produktproben hierher geschickt. In diesem Jahr wollten wir unsere Produkte den Kunden persönlich vorstellen. Die Resonanz ist bisher sehr gut“, erzählt Jessica Bohr in einer kurzen Pause, um sich danach gleich wieder zwei älteren Damen zu widmen, die im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack gekommen sind und nun Genaueres darüber wissen wollen.

Auch Stephanie Guhl, Pressesprecherin von „pro agro – Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Brandenburg-Berlin e.V.“, ist sprachlos angesichts der Menschentrauben, die sich an ihrem Stand entlang schlängeln. Der Verein pflegt gute Kontakte zum Gut Neu Sacro, hat schon mehrere Veranstaltungen wie z.B. die Eröffnung der Brandenburger Landpartie 2016 unterstützt. Auch in diesem Jahr wird „pro agro“ als Partner beim „Lausitzer Sommerfest“ sowie beim „Guts-Cup“ dabei sein. „Ich finde die Geschmacksmesse eine schöne Sache. Der Kunde hat hier die Möglichkeit, mal das Gesicht hinter dem jeweiligen Produkt kennenzulernen!“

Sylvia Müller, Objektmanagerin des Gutes, hat derweil eiligst weitere Eintrittskarten gedruckt. „Die Besucherzahl des Vorjahres haben wir heute innerhalb von 30 Minuten erreicht! Mit so einem Andrang haben wir allerdings nicht gerechnet. Das zeigt aber auch, daß die Besucher großes Interesse an regionalen Produkten haben!“

Eine Stunde nach Messebeginn warten immer noch viele Menschen auf Einlass. „Wir können aus Sicherheitsgründen Sie, liebe Besucher, nicht unbegrenzt hinein lassen!“, bittet Sylvia Müller bei den Wartenden um Verständnis und noch etwas Geduld.

Ein Grund, warum der Einlass so schleppend erfolgt, ist das geringe Platzangebot auf den 3 Etagen des Kornspeichers, was auch einige Besucher bemängelten. „Auf Grund des regnerischen Wetters haben wir uns entschlossen, die Stände im Kornspeicher aufzubauen.“, verrät Müller auf Nachfrage. Auch das Prinzip „Oben kosten, unten kaufen“ habe sich bewährt. So können sich die Aussteller voll auf die Beratung konzentrieren und müssen sich nicht auch noch um den Verkauf ihrer Produkte kümmern. Diese gibt es nämlich im Hofladen.

Im Großen und Ganzen ziehen die Veranstalter ein positives Fazit. Etwa 600 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über regionale Produkte und deren Erzeuger zu informieren. Viele Gäste hätten sich anschließend bei ihr per Handschlag für die tolle Messe bedankt, verrät Sylvia Müller und gibt schon mal einen kleinen Ausblick auf die 3. Geschmacksmesse im nächsten Jahr: „Wir haben bereits ein neues Konzept im Kopf, wie wir die nächste Geschmacksmesse noch attraktiver machen können. Dann wird sicherlich auch der Platzmangel keine Rolle mehr spielen.“

Für die vier Rinder hinter dem Gebäude war an diesem Tag das Thema Platzmangel allerdings nie ein Thema…

„Tausche Bon gegen Baum“

Die äußeren Rahmenbedingungen stimmten am vergangenen Samstag: Temperaturen um den Gefrierpunkt und leichtes Schneegrieseln in einer ohnehin schon verschneiten Landschaft sorgten für das passende Ambiente beim 4. Tannenbaum-Brennen in Keune.

Auf dem kleinen Festplatz gegenüber der Schule sind schon am Nachmittag ordentlich Tannenbäume aufgestapelt. Was im früheren Leben mal ein Weihnachtsbaum war, wird gleich in Flammen aufgehen. Der Verein „Freunde von Keune“ hat dazu nicht nur die Einwohner des Forster Ortsteils eingeladen, sondern auch die Leute aus dem gesamten Stadtgebiet.

Vereinsvorsitzender Ingolf Queißer brachte die Idee von einem guten Bekannten, der außerhalb von Forst wohnt, mit. Der Verein baute diese Idee dann aus und organisiert seitdem ein kleines Fest rund um den brennenden Holzstapel. Die Bäume bringen die Einwohner mit und sparen sich so die Entsorgung über die Müllabfuhr.

Pünktlich um 16:00 Uhr entzündet Ingolf Queißer den aufgetürmten Stapel. Das durch den Schneefall feuchte Holz sorgt zunächst für eine dichte Rauchfahne. Glücklicherweise steht der Wind meist so, dass der Rauch Richtung Neiße abzieht.

So langsam trudeln auch die ersten Besucher ein. Am Imbissstand gibt es gegen eine kleine Spende Bratwürste, Bouletten und Kuchen. Die Brötchen sponserte die im Ortsteil ansässige Bäckerei Merschank. „Mit den Spendeneinnahmen wollen wir das alte Feuerwehr-Gerätehaus umbauen. Es soll ein Traditionskabinett für die Feuerwehr- und Ortsgeschichte werden, außerdem wollen wir hier für die Kinder Puppenspiel-Aufführungen oder Lesungen organisieren“, verrät Ingolf Queißer, während er gleichzeitig wärmenden Glühwein ausschenkt. Für die Kinder gibt es Kakao und Tee. Auch der Teig für Stockbrote ist für die jüngsten Besucher vorbereitet, die Feuerschalen brennen bereits.

„Tausche Bon gegen Baum“ ruft Thomas Peppernick und nimmt einer Familie, die gerade mit einer kleinen Nordmann-Tanne das Areal erreicht, den mitgebrachten Baum ab. Im Gegenzug gibt es einen Bon, der wiederum gegen einen Becher Glühwein eingetauscht werden kann. „Wer einen Baum mitbringt, erhält dafür das erste Getränk umsonst!“, verrät Ingolf Queißer die Strategie.

Immer wieder wirft Thomas Peppernick neue Bäume ins Feuer. Er ist ebenfalls Mitglied im Verein „Freunde von Keune“ und überwacht das Abbrennen des Stapels. „Im Schnitt hatten wir immer so um die 70 Weihnachtsbäume in den vergangenen Jahren. Das reicht, um das Feuer bis etwa 20 Uhr am Brennen zu halten.“, erzählt Thomas Peppernick und wirft den nächsten Baum nach. Sofort flackert das Feuer auf, nehmen die Flammen eine bedrohliche Höhe ein.

Auf dem Platz herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Immer wieder treffen Leute mit ihren Weihnachtsbäumen, die natürlich sauber abgeschmückt sind, ein – mal liegt der Baum im Bollerwagen, dann wieder auf dem Schlitten oder auf dem Autodach.

Familie Bär ist extra aus Noßdorf hinaus nach Keune gekommen. Sie hatten am Abend zuvor von einer Freundin von der Aktion erfahren und sind zum ersten Mal dabei. Auch ihr mitgebrachter Weihnachtsbaum muss nicht lange auf seinen Einsatz warten.

„Tschüss, Bäumchen“ hört man immer wieder von Müttern und ihren Kindern, wenn der eigene Weihnachtsbaum ins Feuer geworfen wird. Noch ein kurzer wehmütiger Blick und dann holen sich die Flammen das ehemals gute Stück. Besonders spannend wird es bei trockenen Bäumen, die mit lautem Knistern sehr zur Begeisterung der Kindern blitzschnell verbrennen.

Inzwischen hat sich der Platz gut gefüllt. Man trifft alte Bekannte, einige Besucher haben sich hier extra mit Freunden verabredet. Man plaudert, lacht und schaut immer wider mit leuchtenden Augen in die lodernden Flammen. Die Kindern toben oder nutzen den Schnee für eine zünftige Schneeballschlacht.

Thomas Peppernick wirbelt immer noch um den brennenden Stapel herum und passt auf, dass herunterfallende Glut nicht zu weit entfernt vom Feuer landet. Ein kurzer Blick nach hinten, ob noch genügend Tannenbäume als Reserve zur Verfügung stehen. Aber da stehen noch reichlich Bäume und warten darauf, ins Feuer geworfen zu werden. Außerdem erfolgt der Nachschub immer noch von neu eintreffenden Einwohnern.

Langsam ziehen die Temperaturen an, es wird frostig. Die kleinen Gesprächsgruppen rücken näher ans Feuer heran, um sich zu wärmen. Auch der brennende Tannenbaum-Stapel ist längst nicht mehr so hoch wie zu Beginn des Festes. Am Imbiss- und Glühweinstand bildet sich eine kurze Warteschlange. Die Stimmung ist fröhlich, aber friedlich, fast schon ein wenig ehrfürchtig angesichts der Urgewalt des Feuers.

Der Verein „Freunde von Keune“ kann zufrieden sein mit der Resonanz. Das Wetter passte und die Menschen nehmen das Angebot des Vereins dankbar an. Gut möglich, dass aus dem Tannenbaum-Brennen eine feste Tradition wird. Vielleicht kommt mal ein Fremder vorbei und nimmt dann die Idee mit in seine Heimatgegend. So hat es schließlich auch mal in Keune angefangen….

IRRTÜMER werden zum Theater-Spektakel

logo-irrtuemer_iiiZum bereits dritten Mal lud die Landesbühne Sachsen in Radebeul zu einem Spektakel der besonderen Art: „IRRTÜMER III – MÄRCHEN UND MYTHEN“ – unter diesem Motto wurden an nur 5 Abenden im Oktober 2016 jeweils 9 Theaterstücke gezeigt, 6 davon als Uraufführung.

Die Grundidee ist genial, offenbart allerdings auch das Dilemma für den Zuschauer: Auf drei nacheinander liegenden Zeitebenen werden je drei Stücke an drei verschiedenen Orten des Hauses gezeigt. Der Besucher hat die Qual der Wahl und muß sich vorab entscheiden, welches Theaterstück er gerne besuchen möchte. Soll es eher Marionettenspiel sein oder lieber Musiktheater? Märchenerzählung oder Schauspiel? Opernparodie oder Liederabend? Haydn oder Shakespeare?

Der Zuschauer wird zum Programmdirektor und stellt sich seinen eigenen Theaterabend mit 3 Stücken zusammen – und muß schweren Herzens auf die anderen 6 Stücke verzichten (oder nochmal wiederkommen).

Die Entscheidung fällt angesichts der unterschiedlichen Genres nicht leicht. Wer letztendlich seine Auswahl getroffen hat, darf sich auf einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend freuen.

Schon am Eingang zur Landesbühne, der einer Höhlenöffnung nachempfunden wurde, wird man mit mystischer Musik und von drei schaurig-schönen, aber mit guten Umgangsformen ausgestatteten Waldgeistern in Empfang genommen und ins Innere des Hauses geleitet. Gedämpftes Licht und jede Menge schwarzes Lametta (das sich übrigens auch an den einzelnen Spielorten wiederfindet) erwartet den Besucher im Foyer. Bücher hängen von der Decke, überall erwartungsvolle Menschen.

Gespielt wird gleichzeitig sowohl im Saal als auch in der Studio- oder Probebühne. Auch die „Goldne Weintraube“ wird später zum Spielort. Die Stücke dauern meist 60 Minuten, anschließend gibt es eine dreißigminütige Umbaupause. Zeit genug für eine kleine Stärkung im Foyer.

Ein Gast sorgt für besonderes Aufsehen. Eine rüstige Seniorin mit einem klitzekleinen Alkoholproblem mischt sich unters Volk und verwickelt die Besucher sehr zum Gaudi der Umstehenden in Gespräche. Puppenspielerin Kora Tscherning haucht meisterhaft ihrer Großpuppe menschliches Leben ein.

In der kleinen Studiobühne läuft die berührende Geschichte DAS KIND DER SEEHUNDFRAU in der Inszenierung von Klaus-Peter Fischer, basierend auf einem grönländischen Inuit-Märchen.

Oruk, ein Fischerjunge, lebt mit seinen Eltern in einer einsamen Hütte am Eismeer. Er weiß nicht, dass seine Mutter eigentlich eine „Seehundfrau“ ist, die durch ein Versprechen von Oruks Vater menschliche Gestalt annahm. Als die im Versprechen vereinbarten sieben Jahre um sind, wird die Mutter sehr schwer krank. Der Vater weigert sich, sein Versprechen einzulösen und seiner Seehundfrau ihr Fell zurückzugeben. Erst als sich Oruk ernsthaft Sorgen macht und den Ausreden seines Vaters keinen Glauben mehr schenkt, gelingt es ihm, seine Mutter zu retten. Nicht wissend, dass er sich trotzdem von ihr verabschieden muss…

Jana Frey und Grian Duesberg verkörpern Oruks Familie. Unterstützt werden sie von drei Musikern, die immer wieder in den Fortgang der Handlung eingreifen und darüber hinaus auf ungewöhnlichen Materialien wie Duschschläuchen, Sägeblättern oder einem Stahlcello Töne und Melodien erzeugen.

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Jana Frey und Grian Duesberg
Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Und wo eben noch das mit wenigen Requisiten gestaltete Eismeer war, entsteht nach der Pause ein opulentes Bühnenbild mit vielen Grünpflanzen, welches die Kulisse bildet für Peter Ensikats Schauspiel „HANS IM GLÜCK“, basierend auf dem bekannten Märchen der Brüder Grimm und in der Inszenierung von Peter Kube.

Nur dass diesmal Hans mit seinem zweiten Ich konfrontiert wird. Hans II sieht sein Glück darin, alles zu besitzen, auch das, was Hans I nicht mehr wichtig ist. Und so wechseln Goldklumpen, Pferd, Kuh, Schwein und Gans öfters den Besitzer. Nur mit dem Glücklichsein ist das so eine Sache…

Michael Berndt-Cananà und Holger Uwe Thews verkörpern den Hans auf der Suche nach dem Glück. An ihrer Seite Sandra Maria Huimann. Fast schon mit stoischer Teilnahmslosigkeit steht sie als Pferd, hat als Kuh die Ruhe weg, flitzt als Schwein über die Bühne und betört den Hans als Gans.

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Michael-Berndt-Cananà als Hans und Sandra Maria Huimann als Pferd „Passionata“
Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Neben den Pointen, die sich aus dem Spiel der drei Darsteller ergeben, sorgen viele bekannte (Lied-)Zitate für Lacher im Publikum. Man ist sich auch nicht zu schade, jedes Wortspiel in Bezug auf die Tiere mitzunehmen – vom „dummen Schwein“ bis zur „blöden Gans“.

Das Bühnenbild und die Kostüme wurden von Mona Hartmann und Susanne Wilk, beide Studierende der TU Berlin, entworfen.

Wohl dem, der den Abend in der „Goldnen Weintraube“ ausklingen ließ und dabei LIEDER AUS TAUSEND UND EINER NACHT (Inszenierung Gisela Kahl, Musikalische Leitung Uwe Zimmermann) hörte.

Die Theaterkantine der Landesbühne wurde zur Bühne für einen Liederabend der Extraklasse, der Tresen zum Treffpunkt für Verliebte, Gescheiterte und Träumer.

Cordula Hans überzeugte als „Solo Sunny“ und sorgte mit ihrer Version von Rammsteins „Seemann“ für Gänsehaut. Felix Lydicke besingt Renfts „Apfeltraum“ und wünscht sich „Another Day In Paradise“. Anke Teickner als Bardame hat die Lacher auf ihrer Seite – wenn sie ihrem Egon sagt, daß sie nur aus Liebe zu ihm ein Glas zu viel getrunken hat, bleibt kein Auge trocken. Sylke Guhr ist für die klassischen Tonlagen zuständig und besingt u.a. das trostlose Leben einer Bordsteinschwalbe. Und den Mann von Welt spielt und besingt Olaf Hörbe. Seine Darstellung des Charmeurs wirkt wie eine Mischung aus Frank Sinatra, Harald Juntke und Armin Müller-Stahl.

Hier in der Bar, wo solch skurrile Typen anzutreffen sind, darf natürlich eine Person nicht fehlen. Und so verwundert es auch nicht, als plötzlich die schon beschriebene Oma auf der Bühne Platz nimmt und von hier aus das Programm verfolgt, nicht ohne sich hin und wieder einen kleinen Schluck aus ihrem Flachmann zu genehmigen. Aber am Ende wird es auch auch für sie rote Rosen regnen.

Nicht zu vergessen Uwe Zimmermann am Klavier und Eckart Poser an der Gitarre. Gerade Letzterer zaubert einige Gitarrenklänge zum Dahinschmezen.

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v.l.n.r.: Olaf Hörbe, Uwe Zimmermann, Cordula Hanns, Anke Teickner, Felix Lydicke, Silke Guhr und Kora Tscherning
Foto: (c) Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Bleibt eigentlich nur noch allen Beteiligten vor, auf und hinter den Bühnen Danke zu sagen für fünf wundervolle Theaterabende. Manchmal können IRRTÜMER auch etwas Schönes sein…

Quelle Logo: Landesbühnen Sachsen

Forster feiern mit ihrer Feuerwehr

Wer ein Jubiläum zu feiern hat, lädt sich Gäste ein, lässt sich beschenken und veranstaltet ein Fest. Das dachte sich auch die Freiwillige Feuerwehr Forst, die in diesem Jahr ihren 135. Geburtstag feiert, und lud am vergangenen Samstag zu einem großen „Tag der Feuerwehr“ in die Forster Innenstadt ein. Geschenke gab es natürlich auch.

Mit Sirenengeheul und einem Begrüßungsappell begann für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Forst um 10:00 Uhr der Jahreshöhepunkt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Areal zwischen Gerätehaus, Stadtkirche und Rathaus längst in eine Blaulichtmeile verwandelt. Überall waren Einsatzwagen der Ortsfeuerwehren sowie der angereisten Gastwehren postiert.

Unter den Ehrengästen waren die Forster Rosenkönigin Elisabeth I., der Forster Bürgermeister Philipp Wesemann, Verwaltungsvorstand Jens Handreck und Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer.

„Forst war noch nie so sicher wie heute!“, resümierte Bürgermeister Philipp Wesemann zu Beginn seiner kurzen Grußworte mit Blick auf die vielen Feuerwehrfahrzeuge. Und wie es sich für einen Gratulanten gehört, kam er nicht mit leeren Händen. Neben einen Scheck für die Feuerwehr gab es noch einen weiteren Scheck über 300,- Euro für die „Feuerwichtel“. Die jüngsten und kleinsten Mitglieder der Feuerwehr feiern in diesem Jahr ihr 5jähriges Jubiläum. Der Erlös stammt aus der Versteigerung von Fahrrädern.

Auch der „Verein zur Förderung der Freiwilligen Feuerwehr Forst (Lausitz) e.V. „ gratulierte und übergab an die Jugendfeuerwehr zwei Mehrzweckzelte.

Herzlich begrüßt wurden neben den rund 20 Gastwehren auch Vertreter der befreundeten Feuerwehren aus Oberursel (Hessen), Stadt Wehlen (Sachsen), aus dem tschechischen Bukovice und dem polnischen Brody.

Auch wenn viele Kameraden in die Organisation und die Abläufe des Festtages eingebunden waren – die Einsatzbereitschaft der Forster Feuerwehr war trotzdem gesichert. „Wir haben eine spezielle Truppe eingeteilt, die im Notfall sofort ausrücken kann. Das ist auch mit der Leitstelle in Cottbus so abgesprochen“, beruhigt Stadtbrandmeister Bernd Frommelt.

Viel zu sehen und zu bestaunen gab es für die Forster und ihre Besucher. In der Hochstraße gab es historische Löschtechnik zu bestaunen: angefangen von einfachen Handdruckspritzen aus dem Beginn des vorigen Jahrhunderts über das legendäre G5-Tanklöschfahrzeug bis hin zu W50- und Robur-Löschfahrzeugen, die z.T. heute noch im Einsatz sind.Historische Fahrzeuge

Entlang der Promenade standen die modernen Brandbekämpfungsfahrzeuge. Gegenüber auf dem Parkplatz am Rathaus gab es Vorführungen von Feuerwehrtechnik für gefährliche Güter und ABC-Gefahren. Das DRK, die Landes – sowie Bundespolizei sowie die Rettungshundestaffel präsentierten sich in der Cottbuser Straße und beantworteten geduldig die vielen Fragen der Besucher.

Hauptattraktionen waren aber die Spezialfahrzeuge, die rund um die Stadtkirche Aufstellung genommen haben. Neben Feuerwehrbooten zur Wasserrettung und Fahrzeugen zur Waldbrandbekämpfung war auch das Technische Hilfswerk aus Cottbus sowie Forst mit schwerer Technik angerückt. Zu Demonstrationszwecken errichtete die Vattenfall-Werkfeuerwehr ein großes Wasserbecken mit seitlichen Zuschauerrängen. Hier zeigten Taucher ihr Können.

Für viel Lärm und staunende Gesichter, vor allem bei den Kindern, sorgte die Werkfeuerwehr Schwarze Pumpe bei der Demonstration ihres Abgas-Löschfahrzeuges. Mittels eines umfunktionierten MiG-17-Triebwerkes kann Löschwasser bis 150m weit und 30m hoch in einem horizontalen Winkel von 180° gleichmäßig über den Brandherd verteilt werden. Diese Technik kommt besonders bei großflächigen Bränden oder bei Gasexplosionen zum Einsatz.Abgas-Löschfahrzeug

Was passieren kann, wenn in der heimischen Küche das Speiseöl anfängt zu brennen, zeigten Kameraden der Spremberger Feuerwehr. In Windeseile breitete sich das Feuer in der nachgebauten Küche aus und konnte nur noch durch das beherzte Eingreifen zweier Löschteams unter Kontrolle gebracht werden.

Aber nicht nur auf der Erde, sondern auch in luftiger Höhe ist die Feuerwehr im Einsatz. Die Kameraden der Tiefen- und Höhenrettung zeigten verschiedene Techniken, wie eine verunfallte Person aus großer Höhe, z.B. der Plattform der Forster Stadtkirche, gerettet werden kann. Dazu benutzten sie den Teleskopmast (umgangssprachlich als Feuerwehrdrehleiter bekannt), ein Schrägseil oder einen Rettungsschlauch.Höhenrettung

Beinahe im Halbstunden-Takt gab es zwischen Stadtkirche und Pestalozziplatz spektakuläre Vorführungen und Aktionen zu erleben. Auch die Jugendfeuerwehr konnte zeigen, was sie schon so alles gelernt hat.

Bernd Frommelt zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz. „Das ist wie ein kleines Stadtfest. Durch die vielen Standorte mit ihren Aktionsflächen ist ständig etwas los. Deshalb auch noch einmal mein Dank an die vielen Feuerwehren, die uns beim ‚Tag der Feuerwehr‘ unterstützt haben!“Wasser aus allen Rohren

Mit viel Beifall bedankten sich auch die zahlreichen Zuschauer bei den Feuerwehrmännern und -Frauen für deren Vorführungen und Erklärungen. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass möglichst wenig davon im Ernstfall angewandt werden muss!

Erstveröffentlichung am 26.09.2016 in der
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Ein Teenager auf dem Weg an die Spitze – der Berliner Mike Ortmann und das Abenteuer Formel 4

Wo bitte geht es zur Box vom Team „Mücke Motorsport“? Die riesige Freifläche auf der Rückseite der Boxengasse des Lausitzrings ist ein einziger großer Stellplatz: Trucks, Zelte, Wohnwagen stehen schön nebeneinander wie in einer Wagenburg aufgereiht. Hier irgendwo bin ich auf der Suche nach Mike David Ortmann. Der 16jährige Berliner fährt in der Formel 4, der Nachwuchsklasse des ADAC für Formelrennwagen.

Ich frage mich bei den Mechanikern in ihren orangenen Shirts durch; Teamchef Peter Mücke gibt mir den Tip, es mal in der Kommandozentrale des Teams zu versuchen. Dort treffe ich endlich auf meinen Gesprächspartner. Entspannt, mit herunterhängendem Rennoverall sitzt Mike vor einem Monitor und lauscht den Ausführungen seines Renningenieurs. Das Ziel für das anstehende Rennwochenende ist klar: „Drei Podiumsplätze wären schön“, sagt Mike. Damit wäre er weiterhin im Titelrennen.

7_Mike Ortmann_(c)Thoralf HaßMike Ortmann ist ein ruhiger Typ, der trotz seiner jungen Jahre schon professionell Motorsport betreibt. Vor der Box steht für die vorbei flanierenden Fans ein Aufsteller mit Autogrammkarten, Postern und Fähnchen – der Kontakt zu den Fans ist wichtig. Das zeigt sich auch, wenn Mike durch das Fahrerlager geht: immer wieder bitten junge Mädels um Mikes Unterschrift oder ein Foto.

Seine Leidenschaft zum Motorsport entwickelte sich schon frühzeitig: „Angefangen hat es 2009, als wir an einem Kindergeburtstag Kartfahren waren.“, erinnert sich Mike an seine Anfänge zurück. Die Faszination Motorsport ließ ihn danach nicht mehr los. Schnell stellten sich erste Erfolge ein – so gewann er zweimal den Bundesendlauf im Kartsport und wurde Dritter im ADAC Kart Masters.

Der damalige Betreiber seiner Internetseite lud Mike Ortmann auf den Lausitzring ein und stellte ihm Peter Mücke, Teamchef von „Mücke Motorsport“, vor. Nach erfolgreich verlaufenen Tests im Simulator und auf der Rennpiste unterschrieb Mike Ortmann im Oktober 2014 bei „Mücke Motorsport“, einem der führenden Rennställe in Deutschland, wenn es um die Ausbildung hoffnungsvoller Talente geht, und wechselte vom Kart- in den Formelrennsport in die ADAC Formel 4. „Das Besondere an der Formel 4 ist, dass alle Fahrer das gleiche Material haben, von der Motorleistung bis zum Chassis. Es kommt also nur auf den Fahrer an, wie erfolgreich ein Rennen verläuft!“, erklärt der Berliner. In seiner ersten Saison wurde er auf Anhieb Zweiter in der Rookie-Wertung, also zweitbester Neuling.

Peter Mücke sagt über Ortmann: „Mike ist ein dufter Junge, das ist das Wichtigste. Er ist über den Winter fahrerisch sehr gereift und mental sehr stark. Und er ist einer der besten Überholer, die ich kenne.“

Auf seiner Hausstrecke, dem Lausitzring, läuft es jedoch weniger gut. Im ersten Rennen nur Platz 9, im zweiten Lauf wird seine Aufholjagd durch Safty-Car-Phasen immer wieder unterbrochen und es reicht nur zu Platz 4.4_Mike Ortmann in der Startaufstellung_(c)Thoralf Haß

Seine Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnissen an diesem Wochenende sieht man ihm an. Doch viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, der Zeitplan ist dicht gedrängt. Zur Autogrammstunde sieht man ihn schon wieder lachen und er beantwortet nebenbei geduldig die Fragen des Moderators.6_Mike Ortmann im Interview_(c)Thoralf Haß

Wer sich mit Mike Ortmann unterhält, merkt schnell, da ist jemand, der für seinen Sport lebt. Klar hat er den Wunsch, mal in die Formel 1 zu wechseln. „Man muss dabei aber beobachten, welcher Weg ist realistisch und sich auch eingestehen, wenn es am Ende nicht reicht. Wir schauen einfach von Jahr zu Jahr. Auf jeden Fall will ich weiter Motorsport betreiben!“, sagt Mike.

Sagt’s und ist schon wieder auf das nächste Rennen fokussiert. Wenig später verlässt er die schützende Wagenburg und geht völlig unaufgeregt zum Vorstart, als wäre es das Normalste dieser Welt. Dabei wird er sich gleich in einen Rennboliden setzen und vor den Augen seiner angereisten Fanclubs mit fast 200 km/h über die Piste jagen – links und rechts flankiert von rund 20 weiteren jungen Wilden….

Endlich kann er sein Potential zeigen, führt bis zwei Runden vor Schluss und wird am Ende doch nur Dritter. Während er mit Regenreifen auf der langsam trockener werdenden Strecke blieb, stellten seine Konkurrenten auf Slicks um und konnten ihn kurz vom dem Ziel noch überholen.

(c) für alle Fotos: Thori, 2016

„Alte Hasen“ und Neueinsteiger beim Trainings- und Schnuppertag auf dem Halbendorfer See

Gemeinsam mit dem ADAC Berlin-Brandenburg organisierte der ADAC Sachsen am 23. April auf dem Halbendorfer See das jährliche Frühjahrstraining für Motorrennboote aller Klassen.

12 Piloten aus mehreren Bundesländern nutzten die Gelegenheit, ihre Rennboote fit für die neue Saison zu machen und neue Bauteile zu testen. So konnten die Schaulustigen Boote der Renn-Klassen O-125, O-250, O-350, F-500 und des ADAC Masters erleben. Auch die Classic-Boote waren mit 5 Teilnehmern stark vertreten. Classic-Boote sind historische Rennboote, die heutzutage nur noch auf Showveranstaltungen zu erleben sind.2016-04-21__(c)-Thoralf Hass_10

„Wir haben hier die Möglichkeit, nach der Winterpause erstmals unsere Boote wieder zu Wasser zu lassen. Die Gegebenheiten hier vor Ort und auch die Strecke sind für solche Trainingstage nahezu ideal!“, verrät der Berliner Karsten Kluge, der in der Vergangenheit schon EM- und Vize-EM-Titel in verschiedenen Klassen gewann. Auf dem Halbendorfer See sorgte sein Rennboot der Klasse F-500 für Aufsehen bei den wenigen Zuschauern. Mit 180 PS und Höchstgeschwindigkeiten bis zu 180 km/h jagte Kluge über den See.

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180 PS, ca. 180 km/h, 220 kg schwer, 13800 U/min, 500 ccm
Karsten Kluge in seinem F-500

Fast ebenso schnell war Roman Schnaider aus Vockerode (Sachsen-Anhalt) mit seinem 35 Jahre alten Oldtimer. Er pilotierte ein Originalboot von Motorboot-Legende Bernhard Danisch. Die Danisch-Boote eroberten in den 70er und 80er Jahren mehrere WM-und EM-Titel und stellten Geschwindigkeitsweltrekorde auf.

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zum Vergleich ein historisches 500er Boot: ca. 130 PS, etwa 150 km/h schnell, 12500 U/min
Roman Schnaider (3.v.r.) mit einem Boot von Bernhard Danisch

Motorbootrennsport hat in der Lausitz eine lange Tradition. Neben Halbendorf gab es in der Vergangenheit Rennen auf dem Schwielochsee, dem Partwitzer See und auf der Talsperre Spremberg.

Ein paar Unentwegte versuchen seit Jahren mehr oder weniger vergebens, diese Tradition aufrecht zu erhalten. Mit dem Halbendorfer See fand man 2011 ein Terrain, daß internationalen Ansprüchen genügte. Nach 3 Internationalen Rennen war schon wieder Schluß: Der Bau der neuen Wasserski-Anlage sorgte dafür, daß der Kurs verkürzt werden mußte. Damit sind hier zukünftig keine Rennen mehr möglich.

Überhaupt wird es für Veranstalter immer schwerer, geeignete Strecken zu finden. Hans Joachim Gleffe vom Motor-Rennboot-Club Berlin e.V. gehört zu denen, die den Motorbootrennsport am Leben erhalten wollen. Gerade die Lausitz mit ihren vielen Gewässern bietet sich an. „Wir wollten auf dem Bärwalder See ein Rennen etablieren, waren mit den Planungen schon weit vorangeschritten. Allerdings waren unsere Ansprechpartner nicht so zuverlässig, wie man das für solch eine Veranstaltung erwarten muß. Und ohne zuverlässige Partner kann man ein solches Rennwochenende nicht alleine organisieren und finanzieren.“, verrät Gleffe die Probleme. Auch der Plan, das Rennen auf dem Spremberger Stausee wiederzubeleben, scheiterte an einer einzigen Unterschrift.

Ein weiteres Problem für den deutschen Motorbootrennsport ist der Nachwuchs. Es gibt zu wenige junge Fahrer. Der ADAC geht deshalb neue Wege. Neben dem offiziellen Training für die erfahrenen Piloten gab es auf dem Halbendorfer See einen Schnupperkurs für Kinder und Jugendliche. Mit der Klasse GT-15 hat der ADAC eine Einsteigerklasse etabliert, in der man mit 10 Jahren erste Rennerfahrungen sammeln kann. Sieben mutige Kinder, u.a. aus Berlin, Magdeburg und Krauschwitz, nahmen in einem Rennboot Platz und ließen sich von Volker Lewalter, Instrukteur beim ADAC Hessen/Thüringen, einweisen. Nach einer kurzen Sitzprobe und Trockenübungen ging es für die Steppkes das erste Mal aufs Wasser.

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Volker Lewalter bei der Einweisung

Yvonne König

Yvonne König, hier beim Motorbootrennen in Berlin-Grünau 2015

Fachliche Hilfe für die Kleinen gab es von Yvonne König, mit einem Vizeweltmeistertitel und Erfahrungen in der Formel-2 eine der aktuell besten deutschen Motorbootfahrerinnen. „Ich hatte mit 14 Jahren meinen Einstieg in den Rennsport, allerdings war damals das Mindestalter höher gesetzt.“, erinnert sie sich an ihre eigenen Anfänge. „Mit der GT-15 ist der ADAC auf einem guten Weg. Die Boote sind sehr sicher und die Kleinen können hier das Rennsport-Einmaleins lernen!“, freut sich Yvonne König über die Begeisterung der Jüngsten. Ob auf dem Halbendorfer See die Karriere eines zukünftigen Weltmeisters begann, wird die Zukunft zeigen.

Wer die historischen Rennboote einmal im Einsatz sehen will, hat am 13. August in Goyatz auf dem Kleinen Schwielochsee sowie am 20.August in Eisenhüttenstadt auf dem Oder-Spree-Kanal die Gelegenheit.

An letzten August-Wochenende findet in Berlin-Grünau auf der Regattastrecke ein WM-Lauf der F4 statt.

(c) für alle Fotos: Thori, 2015 & 2016

Genre-Mix sorgt für humorvollen Abend

Zur siebten „Langen Nacht des Kabaretts“ versammelten sich wieder Kleinkünstler unterschiedlicher Genres auf der kleinen Kabarett-Bühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno. Unter den Besuchern waren viele Stammgäste, die wieder einen bunten Mix aus Kabarett, Poetry Slam und musikalischen Einlagen erlebten.
Wie in den Jahren zuvor blieb geheim, wer an diesem Abend auftreten sollte. Gespannt wartete das Publikum, wer als erster die Bühne betreten würde.

Das „Ensemble Weltkritik“, sächsische Vertreter des klassischen Kabaretts, eröffnete den bunten Reigen. Gut vorbereitet machten sich Bettina Prokert und Maxim-Alexander Hofmann über lokale Themen lustig und gewannen sofort das Publikum. Bevor Forst in die Blütezeit der 80er Jahre abdriftet, müssten verschenkte Potenziale aktiviert werden. Groß Jamno hat zwar einen See, aber immer noch keine Seebühne. Und bei soviel Wald rings ums Forst fehlt ein Baumwipfelpfad. Auch ein neuer City Slogan könne nicht schaden. „Weltkritik“ machte auch gleich einen Vorschlag und befragte dazu Zuschauer Torsten. Das Ergebnis lautet: „Forst – Torsten gefällt’s…“. Wie sich kurz darauf herausstellte: „…in Spremberg besser!“

2016-02-26_Lange Kabarettnacht_(c)Thoralf Haß_001Tilmann Birr ist gebürtiger Hesse, wohnt aber in Berlin. Als ehemaliger „Stadtbilderklärer“ erzählte er von seinen Erlebnissen mit einem bayrischen Touristen, der unbedingt etwas wissen wollte, aber von niemanden verstanden wurde. Auch aus seiner Zeit in einer WG hatte Tillmann Birr Episoden parat. Besonders seine kopulierenden Wohngenossinnen boten genügend Stoff für amüsante Geschichten.

Geschichten und Gedichte verfasst auch Clara Nielsen. Die Kielerin ist Poetry Slammerin, gehörte der deutschen Slamnationalmannschaft an und wurde bereits vom Goethe-Institut nach Rom und Lissabon eingeladen. „Klitzekleine Gedichte“ sind ihre Spezialität: „Liebst Du mich wie ich Dich, liebst Du mich nicht“. Nielsens Gedichte sind Poesie pur, mal mit Wortspielen, mal mit einem überraschenden Ende, mal philosophisch, immer ein wenig kokett oder bissig. Mucksmäuschenstill wurde es immer dann, wenn diese zierliche Person mit der samtweichen Stimme eines ihrer Werke vortrug. Was wie ein romantisches Liebesgedicht beginnt, endet bei Clara schon mal mit der schonungslosen Abrechnung mit dem ehemals Herzallerliebsten.
Aber Clara Nielsen hatte nicht nur Gedichte mitgebracht, sondern auch Geschichten aus ihrer Vergangenheit. „Das einzige böse, was ich mal getan habe, war ein Klingelstreich! Bei meiner Oma! Und ich habe vergessen, wegzurennen!“ Überhaupt war früher angeblich alles besser: „Als der erste Zug von Nürnberg nach Fürth fuhr, wurde die Bahn noch von freudigen Menschen mit Blumen erwartet.“

Nach einer kurzen Pause, in der man sich mit Fingerfood aus der „Kuckucks“-Küche stärken konnte, ging es mit Frank Grischek weiter. Er selber nennt sich Akkordeonist und „freut sich, hier heute Abend auftreten zu müssen!“. Seine gespielte schlechte Laune ist Programm. „Erfolg muss ja kein Feuerwerk sein“, gab er bekannt und erzählte lieber von seinem ersten Auftritt bei Tante Lottis 50. Geburtstag. Zum 60. war er seinen Eltern immer noch peinlich, zum 70. wurde er gar nicht mehr eingeladen. „Vielleicht kommt ja heute Abend mein Durchbruch!“, hoffte er.

Tilmann Birr, der zunächst den Holzfäller-Blues sang, sorgte anschließend mit eine Dialogszene für riesiges Gelächter. Ein Polizist mit typisch Berliner Schnauze und ein Tourist, dem man den Geldbeutel geklaut hatte, lieferten sich witzige Wortduelle. Dabei wollte der Tourist nur eine Anzeige aufgeben. „Da müssen Sie zur Zeitung gehen!“, konterte der Polizist. „Dann will ich eben Anzeige erstatten!“, sagt der Tourist, worauf der Polizist antwortet: „Von uns kriegen’se ja nichts erstattet!“

Das „Ensemble Weltkritik“ bekam zu Beginn seines Blockes die Krise. So zumindest der Titel eines Liedes, das spontan die aktuellen Geschehnisse in Deutschland und auch an diesem langen Kabarettabend zusammenfasste. Da wurden Flüchtlinge willkommen geheißen, denn schließlich hat das Tradition: Es gibt ja schon lange die „Deutsche Ayshe“. Und Pegida heißt nichts anderes als „Peinliche Eingeborene gefährden Dresdens Ansehen“. Bikininixe Pamela Anderson ist übrigens die Namensgeberin für Groß Bade-Mäusl.

Nachdem Frank Grischek eine kurze Einführung in die Irish Folk Music gab (bei der bei den Zuschauern ein leichtes Wippen mit den Füssen nicht zu übersehen war) und Clara Nielson noch einmal erzählte, wie sie die Pubertät verweigerte und abschließend den guten Tipp gab: „Wer abnehmen will, muss erst mal zunehmen. Denn dicke Menschen können mehr Kalorien verbrennen!“, zeigte „Ensemble Weltkritik“ einen Ausschnitt einer Paartherapie-Sitzung. SIE will ja im Schlafzimmer gerne etwas Spielzeug, aber dass ER die Eisenbahnplatte aufbaut, geht dann doch zu weit. Überhaupt, wieso schenkt ER IHR Rosen zu Halloween?

Im großen Finale stellte Frank Grischek fest, dass das Eintrittsgeld für diesen Abend nun, nach 4 ½ Stunden, abgelaufen sei. Mit dem gemeinsamen Gesang des „Sandmannliedes“ unter Mitwirkung des Publikums verabschiedeten sich die Künstler von der Bühne, nicht ohne auf den „Offline-Shop“ im Foyer hinzuweisen, wo Bücher und CDs der Künstler erworben werden konnten.

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v.l.n.r.: Frank Grischek, Tilmann Birr, Clara Nielsen, Ensemble Weltkritik

So verschieden, wie Geschmäcker sein können, so unterschiedlich kamen die Künstler bei den Zuschauern an. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, der Mix kam beim Publikum an, wie die Reaktionen zeigten. Künstler und Publikum kamen in den Pausen und nach der Veranstaltung ins Gespräch. Zufrieden zeigte sich auch Birgit Hendrischke, die für die Organisation des Abends verantwortlich war. Ihre Auswahl der auftretenden Künstler war der Garant für einen wirklich unterhaltsamen Abend.