Hornoer feiern mit ihrem Spielmannszug

Mit einem Umzug entlang der Dorfaue im Forster Stadtteil Horno, angeführt vom hieransässigen Spielmannszug, begannen am vergangenen Samstag Punkt 14:00 Uhr die Feierlichkeiten anlässlich des 95jährigen Gründungsjubiläums des Spielmannszuges. In den Zug reihten sich Traditionsfeuerwehren mit ihren uralten Handdruckspritzen, die im Rahmenprogramm ein Handdruckspritzentreffen veranstalteten.

Zu dem kleinen Fest begrüßte der Leiter des Spielmannszuges Roland Naparty u.a. die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek sowie den Hornoer Ortsvorsteher Bernd Siegert.

Simone Taubenek würdigte in ihren kurzen Grußworten das Engagement der Hornoer. Seit 15 Jahren bereichern die Einwohner des neu hinzugekommenen Forster Ortsteils mit ihren Aktivitäten das Stadtleben. „Ich wünsche Ihnen deshalb immer ausreichend Nachwuchskräfte und dem Fest viel Spaß“, so Taubeneck. Sie übergab an Ortsvorsteher Bernd Siegert eine Collage des Spree-Neiße-Landrates für die Teilnahme der Hornoer an der Aktion „Unser Dorf hat Zukunft“. Siegert verwies in seinen Dankesworten darauf, dass ohne die Unterstützung der Stiftung Horno vieles nicht möglich wäre. So übernahm die Stiftung auch als kleines Dankeschön für die geleistete Arbeit die Kosten des Jubiläumsfestes.

1923 wurde der Spielmannszug im „alten“ Horno gegründet. Wann genau und wo lässt sich aus der Chronik nicht mehr ermitteln. Mittlerweile ist der Spielmannszug der einzige in Forst. Etwa einen Auftritt pro Monat können die Spielleute verzeichnen. Mit 20 aktiven Mitgliedern ist der Verein gut aufgestellt. Das ältestes Mitglied ist Alfred Tabor (80), der 15 Jahre die Geschicke des Spielmannszuges leitete, ehe er die Leitung an seinen Nachfolger Roland Naparty übergab. Lena Naparty ist mit 11 Jahren das jüngste Mitglied. Geübt wird jeden Mittwoch um 19:30 Uhr im Vereinszimmer im „Hornoer Krug“. Auch wenn der Bestand stabil und durch den Nachwuchs zukunftsträchtig ist, freuen sich Roland Naparty und Organisationschefin Petra Schimtz jederzeit über neue Interessenten.

Seit den Feierlichkeiten zum 85. Geburtstag des Spielmannszuges sind die Treffen der Traditionsfeuerwehren mit ihren Handdruckspritzen ins Festprogramm integriert. In diesem Jahr fanden die „Alten Kameraden“ der Feuerwehren aus Fehrow, Briesnig, Gahry, Drehnow, Peitz-Ottendorf, Tauer und Forst den Weg auf die Hornoer Festwiese gegenüber des Feuerwehrgebäudes. Hier wurde demonstriert, wie vor 100 Jahren gelöscht wurde. Dabei ging es nicht immer um Schnelligkeit und zwischendurch wurde auch mal ein Bierchen gezischt.

Mit der Handdruckspritze aus Tauer mit dem Baujahr 1897 war eine der ältesten Handdruckspritzen der Region am Start. Wesentlich jünger ist dagegen die Hornoer Spritze aus dem Jahr 1925 – sie ist fast so alt wie der Spielmannszug.

Höhepunkt des Nachmittags war eine Wasserkette aller anwesenden Feuerwehren. Mit der musikalischen Unterstützung der „nAund“-Blasmusik, die den Rhythmus vorgab, pumpten die Kameraden eifrig an ihren jeweiligen Handdruckspritzen das Löschwasser bis zur nächsten Station. Gefühlte 10 Minuten dauerte es, ehe auch die letzte der aufgereihten Spritzen mit Wasser versorgt war und unter dem Applaus der Zuschauer im hohen Strahl das Naß auf der Festwiese verteilte.

Vorführungen der DRK-Rettungshundestaffel sowie der Auftritt des Hornoer Männergesangsvereins Euterpe rundeten das Jubiläum ab. Im Festzelt spielte bis in die Abendstunden die „nAund“-Liveband, der „Hornoer Krug“ sowie die Bäckerei Merschank sorgten für die kulinarische Versorgung auf der Festwiese. Die jüngsten Besucher konnten sich auf der Hüpfburg vom Kindermobil austoben.

Naundorfer Feuerwehr-Jubiläum endet mit unfreiwilligem Wasserbad

Mit einem Festumzug durch das Gut Neu Sacro begannen am vergangenen Samstag die Feierlichkeiten anläßlich des 125jährigen Gründungsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Naundorf.

Pünktlich um 9:00 Uhr setzte sich der Zug – angeführt vom Hornoer Spielmannszug – in Bewegung. Nach einer Runde durch das Rondell des Gutes Neu Sacro ging es weiter zur benachbarten Festwiese, wo im Anschluß die 23. Forster Stadtmeisterschaften im „Löschangriff nass“ stattfanden. Der Veranstaltungsort war bewußt gewählt, zählt doch Neu Sacro zur Gemarkung Naundorf.

Eingefunden hatten sich die Ortswehren von Forst, die ihrerseits der Naundorfer Freiwilligen Feuerwehr ihre Glückwünsche überbrachten. „Es scheint eine ziemlich trockene Gegend zu sein“, stellte Ortswehrführer Matthias Elster belustigt angesichts der überwiegend alkoholischen Präsente fest. Verwaltungsvorstand Jens Handreck übergab als Vertreter der Stadt Forst (Lausitz) an die Naundorfer Kameraden einen Scheck zur Anschaffung weiterer notwendiger Materialien.

Gegründet wurde die Naundorfer Feuerwehr am 23. Februar 1893. Wo genau die Gründung stattfand, lässt sich aus der Feuerwehrchronik nicht entnehmen. Zu jener Zeit revolutionierte Bismarck das Feuerschutzwesen in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Wehren, bei denen meist örtliche Turnerschaften den Aufbau der Feuerwehren vorantrieben, ging in Naundorf die Initiative von der Bürgerschaft aus. 26 Gründungsmitglieder vermerkt die Chronik. Erster Wehrführer war Gottlieb Britze. Für die darauffolgenden Jahrzehnte zählt die Chronik 12 Wehrführer. Seit 2007 verantwortet Matthias Elster die Geschicke seiner Feuerwehr.

Zur Erstausstattung gehörte lediglich eine Handdruckspritze, die von Pferdegespannen gezogen wurde. Untergebracht war die Spritze im damaligen Nachtwächterhäuschen. Ein Schlauchtransportanhänger, gezogen von einem Traktor, war ab 1958 jahrelang das einzige Löschgerät, ehe es 1985 von einem Barkas-Löschfahrzeug TS 8 ersetzt wurde. Am 29.11.2011 erhielt die Naundorfer Feuerwehr ein modernes Tragkraftspritzenfahrzeug, welches noch heute im Bestand ist. 11 Kameraden in der Ehrenabteilung sowie 15 aktive Kameraden engagieren sich in der Wehr. Ältestes Mitglied ist Eberhard Lehmann (Jahrgang 1931), das jüngste Mitglied ist Jonas Woidtke mit 17 Jahren.

Der 2004 gegründete Förderverein unterstützt die Naundorfer Feuerwehr z.B. bei der Beschaffung von T-Shirts oder der Finanzierung des diesjährigen Jubiläums. Aus dem Ortsleben ist die Feuerwehr nicht mehr wegzudenken, bewahrt sie doch Traditionen wie das Maibaumaufstellen oder das Osterfeuer.

Zu den schwierigsten Einsätzen gestalteten sich in der Vergangenheit vorwiegend die Hochwasser. So waren die Kameraden beim Elbe-Jahrhundert-Hochwasser 2002 in Mühlberg 2 Tage ununterbrochen im Einsatz. Auch die Neiße-Hochwasser 1897, 1958 in Briesnig und 2010 in Sacro waren für die Naundorfer Kameraden besondere Bewährungsproben, ebenso wie im Januar 2014 ein Scheunenbrand in Briesnig.

Stimmungsvoll verliefen die 23. Forster Stadtmeisterschaften im „Löschangriff naß“, die in die Feierlichkeiten zum 125jährigen Geburtstag eingebunden waren. Insgesamt 10 Mannschaften gingen an den Start.

Zunächst zeigte der Feuerwehrnachwuchs, was er drauf hat. Stadtmeister wurde bei den 10-14jährigen Mädchen die Mannschaft der Neu-Hornoer Feuerwehr. 37,63 Sekunden stehen am Ende zu Buche. Auch die Jungs der AK 10-14 aus Neu Horno siegten mit 20,38 Sekunden. Bei den älteren Jungs (14-17 Jahre) ging mit der gleichen Laufzeit der Sieg ebenfalls an die Hornoer.

Stadtmeister bei den Damen wurde „Sacdorf“. Nun hat Forst nicht etwa über Nacht einen neuen Ortsteil bekommen. Mangels eigener Frauen-Mannschaften schlossen sich spontan die Mädels der befreundeten Sacroer und Naundorfer Feuerwehren zu einer Staffel zusammen und holten sich auf der 100-Meter-Bahn mit 48,14 Sekunden den Stadtmeistertitel.

Dramatisch wurde es anschließend bei den Läufen der Ortswehren. Erst wurde die Sacroer Mannschaft disqualifiziert, weil sich der Saugkopf im Wasserbecken löste, was nicht regelgerecht ist. Dann erwischte es auch den Gastgeber. Kameradin Sandra Schuhart glitt nach dem Start beim Laufen zur Zielscheibe der Verteiler aus den Händen. Beim Aufschlag des Verteilers auf dem Boden löste sich die Schlauchkupplung. Da die Schläuche bereits unter Druck standen, artete ihr Malheur zu einer unfreiwilligen Wasserdusche für sie aus. Am Ende blieb die Zeit bei 58,61 Sekunden stehen, was in der Endabrechnung Platz 5 bedeutete. Der Sieg ging 31,42 Sekunden an die Ortswehr Neu Horno vor Forst (31,79 sek) und Groß Bademeusel (32,97 sek.). Vierter wurde Eulo mit 39,04 sek. Der Titelverteidiger aus Mulknitz war nicht am Start. Alle Stadtmeister sind somit für die Kreismeisterschaften qualifiziert.

Auch rings um die Wettkampfstrecke wurde einiges geboten. Für die Kinder gab es eine Schminkecke und eine Hüpfburg. Nebenan wurde ein Hindernis-Parcour aufgebaut. Hier konnten die Kinder nach Slalomlauf und Sprungübung ihre Zielgenauigkeit beim Wasserspritzen auf Holzkameraden testen. Zur gastronomischen Versorgung der Besucher bot die Forster Feuerwehr Erbseneintopf aus der Gulaschkanone an. Die Mädels der Naundorfer Sportgruppe zeigten in der Pause zur Musik von „Fluch der Karibik“ eine Choreografie mit Kampfsportelementen.

Die Naundorfer Sportgruppe

Der Hindernis-Parcours für die Jüngsten

Groß war das Gelächter, als die Naundorfer Kameraden nach der Siegerehrung drei neue Mitglieder zünftig im Wasserbecken tauften.

Die Titelhamsterer aus Neu Horno

Den Abschluß der Feierlichkeiten bildete am Abend eine Festveranstaltung im zum Saal umgebauten ehemaligen Kuhstall des Gutes Neu-Sacro.

Michelle Bönisch präsentierte „Ultraleicht“ ihre neue CD

So aufgeregt wie an diesem Nachmittag war ich noch nie!“, sagte Michelle Bönisch zur Begrüßung. Im gut gefüllten „Hornoer Krug“ präsentierte sie am vergangenen Sonntag exklusiv ihre neue CD „Ultraleicht“, die am 13. Juli in den Handel kommt. Unter den Gästen waren viele Wegbegleiter und Freunde, selbst aus der Schweiz und aus Dortmund reisten Fans an.

Ihr Gesangskollege Ronny Gander übernahm die Moderation der gut zweistündigen Veranstaltung. Beide hatten schon mehrere gemeinsame Auftritte in der Region, ihn einzuladen war Michelles persönlicher Wunsch.

Das neue Album „Ultraleicht“ stellt für Michelle Bönisch einen kompletten Imagewechsel weg von der volkstümlichen Musik hin zum tanzbaren Schlager-Pop dar. Schon beim ersten Titel „Meilenweit“, der zusätzlich auf der Leinwand als Video mitlief, sprang der Funke von der Bühne auf die Zuschauer über. Wenn Michelle Bönisch wirklich aufgeregt war, sah man ihr das jedenfalls überhaupt nicht an. Charmant, leicht und locker plauderte sie mit dem Publikum. Zwischen den einzelnen Programmblöcken entlockte ihr Ronny Gander, der auch einige Titel seines Albums „Komm tanzen“ interpretierte, in Kurzinterviews so einige Geheimnisse ihrer mittlerweile schon 13jährigen Bühnenpräsenz.

Die neuen Songs gehen sofort ins Ohr. Bei Titeln wie „Wie im falschen Film“, „Chatterlinge“ oder „Bedingungslos“ sah man den einen oder anderen im Publikum heimlich mit den Füssen im Takt wippen.

Eine Prise Selbstironie bewies Michelle Bönisch nach der Pause, als sie doch noch einmal das Dirndl anzog. „Erleben Sie Michelle, so wie Sie sie bislang kannten!“, kündigte Ronny Gander den Auftritt an. Auf der Leinwand lief ein Ausschnitt aus der „Krone der Volksmusik“. 2010 hatte Michelle Bönisch hier ihren ersten Fernsehauftritt. Das Lied „Wir Kinder malen unsere Welt“, das sie damals präsentierte, schrieb ihr der Forster Komponist und Texter Reinhard Kalleske, der im Frühjahr diesen Jahres verstarb und Michelle immer ein guter Freund gewesen sei. Auch wenn Michelle Bönisch inzwischen den Kinderschuhen entwachsen ist, hat das Lied nichts von seinem Zauber verloren. Zur Erinnerung an Reinhard Kalleske sang Michelle noch einmal live dieses Lied und sorgte damit beim Publikum für Gänsehautmomente.

Zum Abschluß des Nachmittags, der mit einer Schrecksekunde begann – ein kurzzeitiger Stromausfall infolge des örtlichen Gewitters lies die Alarmanlage im „Hornoer Krug“ angehen – wünschte sich Michelle Bönisch noch ein Duett mit Ronny Gander. Mit „Fang das Licht“ standen beide schon mehrmals gemeinsam auf der Bühne, da durfte auch in Forst dieses Lied nicht fehlen.

Daß die „neue“ Michelle Bönisch beim Publikum ankommt, bewiesen der Applaus und kleine Geschenke der Fans., bevor es an die Zugabe ging.

Für die Besucher der Veranstaltung war noch vor dem offiziellen Verkaufsstart das Album „Ultraleicht“ beinahe noch druckfrisch schon im „Hornoer Krug“ erhältlich. Erst vor ein paar Tagen traf die Kiste mit den CDs aus dem Presswerk bei Familie Bönisch ein.

Viele Fans nutzen die Möglichkeit, sich ihr Exemplar bei der anschließenden Autogrammstunde signieren zu lassen. Auch für gemeinsame Fotos mit ihren Fans stand Michelle Bönisch zur Verfügung. Von Aufregung war da schon lange nichts mehr zu spüren, die Anspannung längst gewichen. Michelle Bönisch war einfach nur glücklich, daß ihr das Publikum den Imagewechsel nicht übel genommen hat und die neuen Titel den Weg zu den Menschen gefunden haben.

Exoten im Netz und Fressfeinde auf der Lauer

Trotz ungemütlichem, nasskaltem Wetter versammelten sich am Reformationstag viele Forster sowie Besucher aus den umliegenden Städten und Gemeinden, um das Abfischen des Schützenteiches in Klein Jamno zu verfolgen und anschließend fangfrische Ware gleich mit nach Hause zu nehmen.

Seit 1992 lockt der Fischereibetrieb Christoph Junghanns immer Ende Oktober seine Stammkunden sowie Interessierte an die Teiche zwischen Forst und Klein Jamno. An den Zufahrtswegen stehen die Fahrzeuge der Besucher dicht an dicht, an den drei Verkaufsständen bilden sich lange Warteschlangen. Schon weit vor dem offiziellen Beginn des Abfischens waren die ersten Gäste da, statt um 10.00 Uhr wurden die ersten Netze bereits kurz nach 9:00 Uhr gezogen.
Dabei wäre in diesem Jahr die Veranstaltung beinahe ausgefallen: ein Biber hatte innerhalb einer Nacht den Zugang zum Teich verbaut, so dass kein Frischwasser mehr in den Schützenteich fließen konnte. Christoph Junghanns entdeckte noch rechtzeitig das gefährliche Wasserbauwerk und beseitigte es.
Auch die Herbststürme der vergangenen Wochen taten ihr Übriges. Durch Windbruch waren viele Zufahrtswege unpassierbar geworden, nur mit schwerer Technik war es möglich, die Wege wieder frei zu machen. 3 Tage lang waren die Männer nur mit Holzsägen beschäftigt.

3-4 Tage dauerte die Vorbereitung, um den erwarteten Besucheransturm zu bewältigen. Neben dem Aufbau der Imbiss- und Verkaufsstände musste u.a auch die Sauerstoffzufuhr für die riesigen Wannen, in denen sich die Fische bis zur Weiterverarbeitung tummeln, installiert werden.

Unterstützung erhält der Fischer von seiner Familie: „Wir sind froh und dankbar, dass uns neben den drei festangestellten Mitarbeitern auch unsere Geschwister und unsere Kinder sowie deren Partner unterstützen!“, verrät des Fischers Frau Vera Junghanns, die sich um den Verkauf der Fische kümmert. Neben dem Hauptprodukt, dem Karpfen, gingen auch Hecht, Schleiche und Zander über den Ladentisch. „Jetzt ist Karpfenzeit. Klar, dass die Leute Appetit auf diesen Fisch haben, zumal er auch noch gesund ist, weil er wichtige Mineralstoffe wie Phosphor, Eisen und Vitamine A und B liefert“.

24 Teiche mit 250 Hektar Wasserfläche bewirtschaftet Christoph Junghanns. Neben den Teichen in Klein Jamno werden auch in Eulo, Mulknitz und Groß Jamno sowie in Maiberg bei Dissen Teiche zur Aufzucht genutzt. Verkauft werden die Fische im eigenen Ladengeschäft sowie auf Märkten in Berlin und Potsdam. Selbst nach Thüringen werden Karpfen aus den Junghanns’schen Gewässern geliefert.

Mit der Besucher-Resonanz zeigen sich Vera und Christoph Junghanns sehr zufrieden, mit dem abgefischten Ergebnis nicht ganz. „Erwarten konnten wir rund 2900 kg Fisch, in den Netzen waren allerdings nur etwa 950 kg.“, resümiert Christoph Junghanns. Die Verluste gehen zum großen Teil auf das Konto der Kormorane. Von 20.000 eingesetzten Fischen wurden nur etwa 4000 wieder gefangen. Der Kormoran entwickelt sich schon seit Jahren für die Fischereibetriebe der Region zu einer existenzbedrohenden Plage. Selbst Knall-Apparate, wie man sie während des Abfischens ab und zu hörte und die die Kormorane eigentlich verschrecken sollen, wirken nicht auf Dauer, da der Kormoran lernfähig ist und sich schnell an das für ihn eher ungefährliche Geräusch gewöhnt. Bis zu 500 Gramm Fisch frisst ein Kormoran täglich – und da die Vögel meist in Kolonien auftreten, erklären sich selbst für den Laien die enormen Verluste.

Überhaupt war es kein gutes Fischjahr. Das Frühjahr war zu trocken, das ist allerdings nicht der alleinige Grund. Ob generell meteorologische Kapriolen dafür verantwortlich sind, dass die Fische nicht so gewachsen sind wie gewünscht, sind sich die Fischer nicht sicher.

Mitunter finden sich bei so einem Fischzug in den Netzen auch Überraschungen. „Manchmal verirrt sich auch ein ‚Exot“ in die Netze. Heute hatten wir eine Barbe gefangen, die eigentlich ein Flussfisch und hier weniger heimisch ist. Keine Ahnung, wie die in den Teich gekommen ist“, rätselt Peter Genzmann, der mit seinen Kollegen immer wieder die Fische aus den Netzen in die bereitstehenden Wannen schüttet.

Auch solche Anekdoten gehören zum Abfischen dazu genau wie die Kinder, die sich aus den Netzen gefallene kleine Setzlinge schnappen und in mitgebrachten Eimern als Köderfische für den nächsten Angelausflug mit nach Hause nehmen. Oder die ihre Väter fragen, wo denn das Wasser aus dem Teich eigentlich hin ist. Vera Junghanns kennt die Antwort: „Wir haben vor 5 Tagen damit begonnen, den Teich langsam abzulassen. Das Wasser wurde über einen unterirdischen Kanal und daran anschließend einen Graben in die Malxe geleitet. Erst im Frühjahr wird der Teich wieder gefüllt. Bis dahin desinfiziert er sich quasi selbst!“

Die Fische, die noch nicht verkauft wurden, kommen in Hälterteiche und warten dort auf ihre eigentliche Bestimmung: ab 15. Dezember werden aus gewöhnlichen Karpfen die begehrten Weihnachts- und Silvesterkarpfen. Schon mal Appetit holen konnte man sich am Klein Jamnoer Schützenteich….

Ein neues Nest für den GOLDENEN KUCKUCK

Im seit Wochen restlos ausverkauften Gasthaus „Zum Kuckuck“wurde am vergangenen Freitag Brandenburgs einziger Kabarettpreis, der GOLDENE KUCKUCK 2017, vergeben. Mehr als 20 Kabarettisten, Duos oder Ensembles stellten sich im vergangenen Jahr dem Urteil des mitunter kritischen Publikums. Bereits zum dritten Mal fand im Rahmen einer bunten Unterhaltungsshow die Ehrung des beliebtesten Künstlers statt.

Viele Überraschungen kündigte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke in ihrer kurzen Begrüßungsrede für den Abend an. Eine schrullige, immer noch rüstige Rentnerin namens Elfriede, die bereits vor der Show für Aufsehen sorgte, bot sich sogleich an, die Co-Moderation für den Abend zu übernehmen. Hinter der Großpuppe verbarg sich Kora Tscherning, Ensemblemitglied der Landesbühnen Sachsen und ausgebildete Puppenspielerin. Für sie war es der erste Soloauftritt mit ihrer Puppe und extra für diesen Abend engagiert. Immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen („meinen Nachnamen und meinen BH hat mein Tölpel von Exmann mitgenommen, merke: ohne Textil wirst Du nicht senil“) führte Elfriede alias Kora Tscherning gemeinsam mit Birgit Hendrischke durch den Abend.

Erster Künstler auf der Bühne war Götz Frittrang (Bamberg), der sich umsonst freute, weil er dachte, er sei der Gewinner sei, dann aber doch nur als Begleitprogramm gebucht wurde, wie er später zugab. Er mache ja Kabarett nicht wegen der Preise, sondern wegen des guten Essens in den Veranstaltungshäusern. Frittrang zeigte Ausschnitte seines aktuellen Programms „Götzseidank“. Bei seinem letzten Gastspiel im „Kuckuck“ Anfang 2016 war dieses Programm gerade noch in der Entstehungsphase, viele Gags zündeten damals noch nicht. Doch Götz Frittrang schien den Lauf der Geschichte vorauszuahnen, seine damalige AfD-Kritik blieb vielen Gästen im Gedächtnis. Grund genug für die Veranstalter vom Freundeskreis „Kuckuck“, Götz Frittrang mit einem „Spezial-Kuckuck“ für seine politische Weitsicht zu überraschen. „Eine große Ehre für mich, mit der ich jetzt bestimmt den großen Durchbruch schaffe!“, scherzte der völlig perplexe Künstler in seiner Dankesrede.

Nach einer kurzen Pause, in der die „Kuckucks“-Küche ein süßes Dessert präsentierte, kam der eigentliche Höhepunkt des Abends, die Preisverleihung des mit 1000 Euro dotierten und vom Autohaus Cottbus gesponserten GOLDENEN KUCKUCKSS 2017 an den Kölner Kabarettisten Peter Vollmer.
Laudatorin Elfriede würdigte das künstlerische Schaffen Vollmers, der von der Fachpresse schon mal als „Kabarett-Halbgott“ oder „Größe des gehobenen kritischen Kabaretts“ gefeiert. „Intelligent und gut unterhalten“ fühlten sich die Besucher seines Programms, das angesagte Themen brisant umsetzt. „Die Lachmuskeln mußten arbeiten“ schrieb eine Zuschauerin auf den Stimmzettel für die Wahl zum GOLDENEN KUCKUCK. Peter Vollmers feines Gespür für die großen und kleinen Macken seiner Mitmenschen gaben schließlich den Ausschlag, um sich mit 0,01 Punkten Vorsprung vor den Zweitplatzierten „Ranz & May“ durchzusetzen.

Bevor auch Peter Vollmer Ausschnittes seines aktuellen Programms zeigte, bedankte er sich beim Publikum für die Auszeichnung: „Wenn mir zu Beginn meiner Karriere jemand gesagt hätte, daß ich mal hier, irgendwo hinter Cottbus, einen Preis gewinne, hätte ich ihm gesagt: Du hast ja schon jetzt einen Vogel!“.

Seine Programmausschnitte wurden anschließend zu einem Gag-Feuerwerk. Egal, ob er sich über die im Alter nachlassende Paarungsbereitschaft („Es lockt das Weib, es bockt der Leib“) oder über seine Erfahrungen mit Brasilian Waxing lustig machte – Peter Vollmer hatte die Lacher auf seiner Seite. Auch die Rentenpolitik der jeweiligen Regierungen bekam ihr Fett weg. So ging der heute in Düsseldorf noch lebende älteste Rentner in Deutschland bereits 1972 in Rente. „Das bedeutet, daß die Sozialgemeinschaft 45 Jahre lang einen Düsseldorfer durchgefüttert hat. Sie können sich vorstellen, wie ich mich da als Kölner fühle.“, spielte Vollmers auf die uralte Rivalität beider Städte an.

In einer anschließenden Gesprächsrunde entlockten Birgit Hendrischke und Elfriede dem Sieger ein paar bislang gut gehütete Geheimnisse. Sein größter Luxus sei es, sich Zeit für sich zu nehmen. Und auf die Frage. Was er auf keinen Fall mit auf eine einsame Insel nehmen würde, mußte er lange überlegen. Am Ende entschied er sich für eine Heino-Schallplattte. Eines seiner größte Ziele sei es, mal einen Ironman zu absolvieren.

In einem zweiten Auftrittsblock machte sich Götz Frittrang dermaßen über die Seitenbacher-Werbung lustig, daß die Gäste wohl zukünftig die Werbung unter ganz anderen Gesichtspunkten wahrnehmen werden.

Der Abschluss des gut dreistündigen Abends war dem Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS vorbehalten. Peter Vollmer, der den „Trottel-Triathlon, bestehend aus Ausdauer-Kuscheln, Extrem-Schmusen und Langstrecken-Streicheln“ beherrscht, brachte ein Medley bekannter Titel mit neuen Texten zu Gehör. Da die Melodien bekannt waren, sang das Publikum bei Titeln wie „Sag mir, wo die Zähne sind“, „Mit 67 Jahren, da fängt die Rente an“, „Nur mit 7 Krücken kannst Du gehen“ oder „Pumpt denn der alte Herzmuskel noch“ lautstark mit.

Wer den diesjährigen Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS live erleben möchte, hat am 19. und 20. Dezember die Möglichkeit. Jeweils um 20 Uhr präsentiert Peter Vollmer im „Kuckuck“ in Groß Jamno sein Programm „ER hat die Hosen an – SIE sagt ihm, welche“.

Die schönsten Kaninchen des Landkreises gab es in Horno zu sehen

Er nahm es mit Humor: „Es ist eines der längsten Worte, die ich kenne. Die Rassekaninchenkreisjungtierschau ist hiermit eröffnet!“. Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke gab sich zur offiziellen Ausstellungseröffnung größte Mühe, um nicht an diesem Wortungetüm zu scheitern.

Uwe Krenz, Ausstellungsleiter und Vorsitzender des Rassekaninchenzuchtvereins D97 Forst/Lausitz e.V. , kommt das Wort leichter über die Lippen. Zum zweiten Mal richtet der Forster Verein die Kreisjungtierschau des Spree-Neiße-Kreises aus, zum ersten Mal im „Hornoer Krug“ im Forster Ortsteil Horno. „Leider gibt es unser Objekt in der Kirchstraße aus baulichen Gründen nicht mehr her, dort die Ausstellung durchzuführen. Umso dankbarer sind wir, mit Unterstützung der Hornoer Stiftung und des Ortsvorstandes einen neuen Ausstellungsort gefunden zu haben.“ Neben dem Ministerpräsidenten konnte er u.a. den amtierenden Forster Bürgermeister Jens Handreck, den Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) und die Bundestags-Direktkandidatin Birgit Kaufhold (Partei Die Linke) als Ehrengäste begrüßen.

Züchter aus dem gesamten Spree-Neiße-Kreis sowie befreundeter Vereine aus Weißwasser, Krauschwitz und Breslack präsentierten mehr als 350 Tiere den Preisrichtern. Dr. Dietmar Woidke weiß das in seiner kurzen Eröffnungsrede zu würdigen: „Es ist schön zu sehen, welch‘ ehrenamtliches Engagement es gibt und dass sich auch junge Menschen für die Kaninchenzucht interessieren. Die zweitägige Ausstellung hier in Horno ist deshalb nicht nur Werbung für die Rassekaninchenzucht, sondern auch Werbung für das Ehrenamt in der Region.“

Für den amtierenden Forster Bürgermeister Jens Handreck ist es als Hornoer Einwohner ein Heimspiel. „Ich habe gesehen, dass unter den Ausstellern auch einige Hornoer zu finden sind. Wir können also nicht nur singen, wir können nicht nur Spielmannszug, wir können nicht nur Feuerwehr, sondern wir 210 Einwohner können auch Kaninchen!“ Als Dank für das gesellschaftliche Engagement überreichte Jens Handreck einen Scheck der Stadt Forst (L.) an den Vereinsvorsitzenden und machte die Zusage, bei der Suche nach einem neuen Objekt für den Verein zu helfen.

Anders als z.B. im Sport folgte im Anschluss an die Grußworte der Ehrengäste bereits die Ehrung der Sieger. Sechs Preisrichter bewerteten zuvor die ausgestellten Tiere. Kriterium für die Auswahl sind Körperbau und -form des Tieres, das Fell, die Gleichmäßigkeit und Sauberkeit der Färbung, die Unterfarbe bei bestimmten Rassen sowie die Ausbildung von Kopf und Ohr der Kaninchen. Den Pokal des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg gewann Uwe Krenz für seine Sammlung (4 Tiere) der Rasse „Satin Elfenbein RA“. Auch die anderen Ehrengäste stifteten jeweils einen Pokal.

Den Jugendpokal als beste Nachwuchszüchterin konnte die Forsterin Chiara Nehrmann in Empfang nehmen. Für sie ist es der größte Erfolg in ihrer noch jungen Karriere. Vergleichbar ist der Titel etwa mit dem eines Kreismeisters im Sport. Seit zwei Jahren betreibt Chiara die Rassekaninchenzucht, verrät ihr Vater Dirk, der ebenfalls einen Pokal gewann. „Chiara züchtet Schwarzgrannen. Das sind Tiere mit weißer Grundfarbe, die schwarze Grannen (Strichhaar im Oberfell) haben. Dadurch schimmert das Fell ein wenig grau-silbrig.“ Circa 30 Tiere besitzt Chiara mittlerweile, mit den 70 Tieren ihres Vaters kommt die Familie auf etwa 100 Kaninchen. „Es ist ein sehr zeit- und kostenaufwendiges Hobby.“, erklärt Dirk Nehrmann.

Wohl auch deshalb bieten einige Züchter ihre Tiere zum Verkauf an. Zwischen 20,- und 50,- Euro kostet eines der hier ausgestellten Kaninchen. 80% der angebotenen Tiere wechseln im Verlauf der Ausstellung ihren Besitzer.

16 Kaninchen wurden als Preise für die große Tombola gestiftet. 400 Preise insgesamt gibt es zu gewinnen. „Die Tiere haben eine tierärztliche Bescheinigung. Natürlich geben wir die Tiere nur ab, wenn z.B. bei Kindern die Eltern damit einverstanden sind und sichergestellt ist, dass die Tiere ordnungsgemäß gehalten werden können.“, sagt Uwe Krenz.

In den Gängen der Ausstellungshalle herrscht derweil dichtes Gedränge. Nicht nur die Züchter schauen sich die Tiere der anderen Aussteller an, auch viele Familien mit Kindern nehmen die kuscheligen Vierbeiner genauestens unter die Lupe. Mit etwa 750 Besuchern rechnen die Veranstalter an den beiden Ausstellungstagen, das sind mehr als die 500 Besucher, die in den Vorjahren bei den Jungtierschauen gezählt wurden.

Dr. Dietmar Woidke ist selbst mit Kaninchen groß geworden: „Auf unserem Bauernhof in Naundorf hatten wir 30-40 Kaninchen, allerdings keine Rassekaninchen. Unsere dienten eher als Nahrungsgrundlage, das Fell wurde verkauft. Es ist und bleibt trotzdem ein schönes Hobby, wie man hier sehen kann.“

Für die Pfanne zu schade sind auf jeden Fall die in Horno zur Schau gestellten Rasse-Kaninchen. Ungeachtet der Menschentraube, die sich an ihren Boxen vorbeischiebt, dösen manche lieber im Käfig. Andere wiederum hoppeln emsig hin und her und strecken ihr Näschen durch die Gitter in der Hoffnung auf ein paar Streicheleinheiten, die es dann auch prompt vom Ministerpräsidenten Brandenburgs beim Rundgang durch die Ausstellung gab. Zu seiner Erleichterung musste er das lange Wort mit dem „R“ kein zweites Mal erwähnen….

Mit Vollgas übers Wasser

Marie Luies Schilling hat Rennfahrerblut in ihren Adern

Beim 24. Internationalen ADAC Motorbootrennen in Berlin-Grünau (26./27. August 2017) gingen auch vier Renn-Amazonen an den Start. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches, steigen doch immer wieder mal junge Mädchen in ein Rennboot, um sich mit ihren männlichen Konkurrenten zu messen. So starteten in Berlin-Grünau zwei Mädels im ADAC Motorboot Cup, einer Nachwuchsklasse. Die Lettin Ieva Millere kämpfte sogar in der Formula R 1000 bis zum Schluß um den Europameistertitel und wurde schließlich Dritte.

Interessant ist jedoch die vierte Starterin, die gleichzeitig in Berlin-Grünau ihr Renndebüt erlebte: Marie Luies Schilling aus Vechelde (Niedersachsen) pilotierte im Rahmenprogramm ein historisches Rennboot der Klasse R 1000 um den Kurs auf dem Langen See. „Ich bin das erste Mal bei so einer Veranstaltung dabei, habe bisher immer nur getestet.“, verrät die (noch) 16jährige Schülerin.

Rennsport-Luft hat Marie Luies schon immer geschnuppert. Schon als Vierjährige begleitete sie ihren Vater, der Mechaniker im Team von Andreas Schulze (Formula R 1000) ist, zu den Rennen. 2010 wurde sie selbst aktiv und stieg in den Kartsport ein. Doch die Liebe zum Motorbootrennsport war stärker. Kein Wunder, wenn man ständig von Rennsport-Legenden umgeben ist. Andreas Schulze wurde 1997 Europameister in der Klasse HR-1000. Sein Bruder Frank wurde 1999 Weltmeister in der „Königsklasse“ O-500. Beider Vater Manfred Schulze, inzwischen 74 Jahre alt, war mehrfacher DDR-Meister.

Marie Luies Schilling hat ihren (Boots-)Platz bei den Schulzes, die alle aus der Motorbootrennsport-Hochburg Dessau stammen, gefunden. Sogar in der offiziellen Startliste wird sie als Dessauerin geführt.

Geplant war für Marie Luies eigentlich der „normale“ Weg. „Es stimmt, normalerweise steigt man im ADAC Motorboot Cup in den Rennsport ein. Bei mir hat das aber nicht geklappt.“, erzählt Marie Luies. So richtig traurig ist sie darüber nicht. Wenn alles nach Plan läuft, bekommt sie 2018 ein eigenes Cockpit in der Klasse R 1000. „Die Geschwindigkeit in einem R 1000-Boot ist einfach viel höher“, schwärmt Marie Luies. Wer dabei in ihre Augen sieht, erkennt ein Leuchten, so sehr fasziniert sie der Geschwindigkeitsrausch. Und wohin soll es in der Zukunft gehen? „Natürlich will jeder mal ein Formel-1 Boot steuern, aber ich denke, die Klasse R 1000 ist das Machbare“, gibt sich Marie Luies realistisch.

Ihre Schulfreundinnen finden Marie Luies‘ Hobby cool. Manchmal dürfen sie dabei sein, wenn Marie Luies in „ihr“ Boot steigt und ein paar Testrunden dreht. Trainiert wird meist am Wochenende, so läßt sich auch das Hobby gut mit dem Schulunterricht vereinbaren.

Jenes historisches Rennboot, mit dem Marie Luies in Berlin-Grünau unterwegs war, gehört Manfred Schulze. „Das Boot hat 112 PS. Hier in Grünau war ich mit etwa 150 km/h auf dem Wasser unterwegs!“
Wer solche Flitzer auf dem Wasser hält, muß gut trainiert sein. Vor allem die Nackenmuskeln werden in den Kurven stark beansprucht. Auch Kraft in den Armen sollte man haben. Das ist besonders wichtig, wenn der Motor plötzlich seinen Geist aufgibt und man möglichst schnell an Land paddeln muß, um aus der Fahrrinne zu gelangen. Marie Luies ereilte dieses Schicksal im zweiten Lauf. „Das Ruderblatt hatte sich verdreht, ich konnte plötzlich nicht mehr lenken.“, schildert sie das Malheur. Statt mit Motorenkraft ging es mit Muskelkraft zurück ans Ufer. Dank ihres Teams konnte der Schaden bis zum dritten Lauf wieder behoben werden.

An Vorbildern mangelt es Marie Luies nicht: „Manfred Schulze ist ein Vorbild, auch weil er noch immer bei den Classic Booten aktiv mitfährt. Dann René Behnke (mehrfacher Weltmeister im Motorbootrennsport) und natürlich Ieva Millere.“ Der Zufall wollte es, dass im Fahrerlager gegenüber der Schulze-Boxen das Team von Millere seine Zelte aufgeschlagen hat.

In diesem Jahr noch Nachbarn im Fahrerlager – im nächsten Jahr vielleicht schon Konkurrentinnen auf dem Wasser. Von der männlichen Konkurrenz gibt es schon mal Komplimente: „Du bist gut gefahren!“, gratuliert Richard Güll, mit 16 Jahren wie Marie Luies ebenfalls ein Jungspund inmitten der erfahrenen „Alten Hasen“.

Marie Luies hat viel Mut und noch mehr Rennfahrerblut in sich. Ihre Taufe hat sie in Berlin-Grünau nicht nur als Fahrerin bestanden – ihr allererstes Rennwochenende als aktive Pilotin endete nämlich damit, dass sie von ihrem Team ins Wasser geschubst wurde….

Kleine Schwester der East-Side-Gallery entstand in Forst

Zu einer großen Freiluft-Galerie wurde am vergangenen Wochenende das Areal rund um das Park 7. Zum vierten Mal fand das „Paint the Park Jam“ statt, ein Treffen von Graffiti-Sprayern aus ganz Deutschland. Es ging dabei nicht darum, wer das schönste Bild sprühe, sondern um das Miteinander und das gegenseitige Kennenlernen, wie Organisator Sebastian Reichert verrät. „Wir machen auch keine Vorgaben, was gesprüht werden soll, jeder Künstler hat hier seine kreative Freiheit“.

Über eine eigens für dieses Festival eingerichtete Facebookseite konnten sich die Graffitikünstler anmelden. Etwa 50 Sprayer machten sich auf den Weg nach Forst, darunter aus Berlin, Cottbus, Dresden, Leipzig oder Bielefeld und Münster. Alle fanden hier ideale Voraussetzungen. Auf mehreren Wandflächen im Innenhof des Park 7 sowie entlang der Parkstraße durfte gesprüht, gekleckst oder gespritzt werden. Für Sebastian Reichert steckt dahinter ein Konzept: „Wir machen gleichzeitig auch ein wenig Prävention und geben den Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Graffiti auf legale Flächen zu zeichnen!“
Behördliche Auflagen gebe es keine, erklärt Sebastian Reichert dankbar. Die fertigen Kunstwerke würden eine Zeit lang für alle Passanten zu sehen sein und mit ihren vielen bunten Farben zusätzlich das Stadtbild bereichern, was auch so von den Gebäudeeigentümern gewünscht sei. Zudem gebe es von den Stadtwerken Forst als Sponsor sowie der Stadt Forst eine finanzielle Unterstützung für die Organisatoren, um damit Farbdosen, Wandfarbe oder Getränke zur Verfügung stellen zu können.

Für viele Teilnehmer steht die Abstraktion im Vordergrund, man möchte künstlerische Regeln brechen. Eine typische Regel beschreibt einen Schriftzug mit einem sauberen Hintergrund. In Forst sind allerdings auch Bilder zu entdecken, die sich erst auf dem zweiten oder dritten Blick dem Betrachter erschließen. Was zunächst wie ein wirres Drauf-Los-Sprühen aussieht, entpuppt sich so nach und nach als „Grundgerüst“ für das spätere Endprodukt. Die meisten Sprayer rechnen mit mehreren Stunden, ehe ihr Bild fertig gesprüht ist. Es ist zudem kein ganz billiges Hobby – viel Geld geht für die Sprühdosen drauf. Auf etwa 400 Euro beziffern einige der Teilnehmer ihre Kosten für ein Bild.

Johannes, Dirk und Andrè alias „ARDH-Heads“ kommen aus Cottbus und sind mittlerweile Auftragsmaler, das heißt, sie haben die Graffiti-Malerei zum Beruf gemacht. Warum sie nach Forst gekommen sind? „Die Cottbuser Graffiti-Szene ist mittlerweile eingeschlafen, dadurch sind solche Veranstaltungen wie hier in Forst interessant geworden, weil man sich mit anderen Künstlern austauschen kann.“, verrät Dirk. Wie alle anderen Teilnehmer auch kämpft er mit den Vorurteilen in der Bevölkerung: „Wenn ich eine öffentliche Wandfläche mit einem Roller oder der Malerbürste bearbeite, ist das für die meisten Menschen in Ordnung. Aber wehe, ich habe nur eine Sprühdose in der Hand, dann wird man gleich misstrauisch beäugt“. Mehr Respekt und Toleranz wünschen sich die Sprayer: „Schön wären mehr regionale Unterstützer, die uns legale Flächen für unsere Leidenschaft zur Verfügung stellen oder uns hin und wieder mit Farbutensilien ausstatten würden!“, so Dirk. Namhafte und weltweit tätige Auftragsmaler würden inzwischen von den großen Marken der Farbindustrie gesponsert.

Apropos Legalität: alle der hier teilnehmenden Künstler lehnen mittlerweile die illegalen Schmierereien auf Häuserwänden ab. „Man sollte aber nicht so naiv sein zu glauben, dass wir alle sofort auf legalen Flächen gesprüht haben. Fast jeder von uns hat irgendwann mal mit einer illegal besprühten Hauswand angefangen.“, verrät ein Teilnehmer. Das liegt aber auch an viel zu wenig legalen Flächen, auf denen sich die Kinder und Jugendlichen ausprobieren können. Das Einstiegsalter in die Szene beginnt bei etwa 14 Jahren. Auch deshalb seien solche Veranstaltungen wie das „Paint the Park Jam“ sehr willkommen, weil man hier unter Gleichgesinnten seiner Kreativität freien Lauf lassen kann, ohne das Gefühl zu haben, etwas Verbotenes zu tun.

Stephanie Laebe ist das einzige Mädchen unter den vielen Sprayern und noch dazu die Jüngste von allen. Die Fünfzehnjährige stammt aus Österreich und macht derzeit in Forst Urlaub bei ihrer Oma. „Ich habe in der Zeitung die Vorankündigung gelesen und bin ganz spontan hierher gekommen.“ Als Künstlerin bezeichnet sich Stephanie nicht, sie versuche sich stattdessen erst mal mit Graffiti-Malerei. Während ihre männlichen Kollegen die Bilder aus dem Gedächtnis malen oder als Vorlage im Handy eingespeichert haben, hat sich Stephanie noch ganz klassisch vorbereitet. Sie kramt aus ihrer Hosentasche einen kleinen Zettel, auf dem das Motiv, das hinter ihr im Großformat an der Wand prangt, schön vorgezeichnet ist. Das Bild mit dem „Fast and Furious“-Schriftzug nach dem gleichnamigen Kinofilm hat sie in knapp 30 Minuten fertiggestellt. Jetzt schaut sie den anderen Sprayern über die Schulter und beobachtet das emsige Treiben auf dem Park 7-Gelände. „Vielleicht komme ich ja im nächsten Jahr wieder und male dann ein neues Bild“, blickt Stephanie schon mal ein wenig in die Zukunft.

Wiederkommen werden sicherlich auch die anderen Teilnehmer, so wie Marcus aus Bielefeld, der schon im vorigen Jahr dabei war und mit Sebastian Reichert befreundet ist. In diesem Jahr hat sich Marcus ein ganz besonderes Motiv ausgesucht: „Vor einigen Jahren haben polnische Sprayer einen Stier auf diese Wand gemalt. Was liegt also näher, als an gleicher Stelle einen neuen Stier entstehen zu lassen?“

Egal ob Stier, Schriftzug oder die Skyline einer Stadt – der Kreativität sind zumindest hier rings um das Park 7 keine Grenzen gesetzt, wie sich ab sofort Jeder selber überzeugen kann. Bis in die Abendstunden des Sonnabends waren die meisten Sprayer beschäftigt, um den Konturen ihrer Kunstwerke farbliche Inhalte zu geben. Selbst am Sonntagmorgen wurde noch fleißig gearbeitet.

Für Sebastian Reichert hat sich der ganze Aufwand gelohnt, die Nachfrage nach Flächen zum Besprühen war groß. Schon jetzt gibt es Überlegungen für eine Neuauflage im nächsten Jahr. Dann werden die meisten der jetzigen Kunstwerke zunächst mit Wandfarbe überstrichen, damit darauf neue Graffiti-Bilder entstehen können.

Urhebervermerk: alle hier abgebildeten Motive unterliegen den Urheberrechten der jeweiligen Künstler

Abbildung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der jeweiligen Künstler