Glücklicher Sieg für SG Kausche gegen den Frauen-Bundesligisten Turbine Potsdam

2016-08-07 PosterEs ist schon Tradition geworden, dass sich das Bundesliga-Team vom 1. FFC Turbine Potsdam in der Vorbereitung gerne mal mit Männermannschaften misst.

Anläßlich des Sportfestes der SG Kausche im Rahmen der Feierlichkeiten zu „20 Jahre Umsiedlung von Alt-Kausche“ (die Umsiedlung wurde infolge des Braunkohlenabbaus notwendig) lud sich der Aufsteiger zur Kreisoberliga den namhaften Gegner aus der Landeshauptstadt zu einem Freundschaftsspiel ein.
Die Potsdamerinnen kamen mit dem gesamten Erstliga-Kader, es fehlten lediglich die drei Olympiateilnehmerinnen Tabea Kemme und Svenja Huth (beide Deutschland) sowie Elise Kellond-Knight (Australien).

Für Victoria Krug war das Spiel fast ein Heimspiel – die 18jährige Abwehrspielerin stammt aus dem Drebkauer Ortsteil Jehserig. Mit Stürmerin Laura Linder aus Lübbenau stand noch eine weitere Lausitzerin auf dem Platz.

Die Anfangsphase gehörte zunächst den Männern, die erste Chance im Spiel hatte in der 14. Minute Johannes Elsig. Ihr Schuß ging jedoch über das Tor. Drei Minuten später zappelte der Ball das erste Mal im Tor der Potsdamerinnen. Toni Weise war mit aufgerückt und vollendete. Der Bundesligist kam nur selten vor das gegnerische Tor und mußte in der 34. Minute sogar das 0:2 durch Stephan Faber hinnehmen. Mit diesem Spielstand ging es in die Halbzeitpause.Kausche-Turbine

Die SG Kausche machte zu Beginn der zweiten Halbzeit da weiter, wo sie vor dem Seitenwechsel aufgehört hatten. Fabian Triebeneckr erhöhte in der 47. Spielminute auf 3:0. Aber Turbine Potsdam gab sich nicht auf und riß das Spiel nun an sich. Praktisch im Gegenzug erzielte Anna Gasper in der 49. Minute den wohlverdienten Anschlußtreffer.
Kausche kam jetzt nur noch zu Kontergelegenheiten, Potsdam dagegen kombinierte sich durch die meist zwei Köpfe größeren Gegenspieler. In der 63. Minute verkürzte Nationalspielerin Felicitas Rauch auf 3:2. Potsdam blieb spielbestimmend und kämpfte um das Ausgleichstor.
In der 74. Spielminute war es soweit: Anna Gasper netzte zum viel umjubelten 3:3 ein. Applaus gab es auch von den einheimischen Fans.Kausche-Turbine

Die Aufholjagd des Bundesligisten wurde jedoch nicht belohnt. Zwei Minuten vor dem Schlußpfiff nutzte Stephan Faber Stellungsfehler in der Potsdamer Hintermannschaft und erzielte Siegtreffer zum 4:3-Endstand.

Zuschauer, die wenig mit Frauenfußball am Hut haben, zeigten sich überrascht, wie kampfstark und technisch versiert die Potsdamerinnen am Ball waren. Für Unverständnis sorgten dagegen einige Entscheidungen des Schiedsrichterkollektivs, die so manchen Zweikampf zu Ungunsten der meist kleineren Potsdamerinnen pfiffen. Abgesehen von einem rüden Foul an Lia Wälti kurz vor den Abpfiff sahen die 549 Zuschauer ein ausgeglichenes und vor allem faires Spiel.

Auch wenn es für Turbine nicht zum Unentschieden gereicht hat, zeigte sich Kapitänin Lia Wälti zufrieden mit dem Spiel: „Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gezeigt. Besonders in der zweiten Halbzeit haben wir viel von dem umgesetzt, was wir in den letzten Wochen trainiert haben. Es tut gut, wenn man ein Spiel drehen kann oder zumindest nochmal ran kommt, schließlich lagen wir schon 0:3 hinten“.

Und was bringt so ein Spiel Männer gegen Frauen? “ Heute hat es uns viel gebracht, weil der Gegner gar nicht so schlecht war und wir trotzdem unsere Spielzüge durchziehen konnten.“, fasst die Schweizer Nationalspielerin zusammen.

Beim Auslaufen gab es dann auch für die Mädels viel Applaus von den Zuschauern.Kausche-Turbine

(c) für alle Fotos: Thori, 2016, außer Veranstaltungsplakat (c) SG Kausche

Potsdamer „Torbienen“ unterliegen Wittichenauer Männer

Einen hochkarätigen Gegner lud sich der DJK Blau Weiß Wittichenau anläßlich seines 90jährigen Gründungsjubiläums zum Freundschaftsspiel ein – niemand Geringeres als der 1. FFC Turbine Potsdam war zu Gast. Die Potsdamerinnen spielen in der Frauen Bundesliga und sind mehrfacher Deutscher Meister und zweifacher Gewinner der UEFA Women’s Champions League.2015-08-02 DJK Blau Weiß Wittichenau - Turbine Potsdam 0003

Seit Jahren gehört es zur Tradition, daß sich Turbine Potsdam in der Vorbereitung auf die kommende Saison Männer-Mannschaften (meist Kreisligisten oder Kreisoberliga) als Gegner aussucht und diese Spiele fernab des heimischen „Karlis“ (Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg) austrägt.

Nach Wittichenau kamen die „Torbienen“ mit dem gesamten Erstliga-Kader. Mit Tabea Kemme, von den Fans zur besten deutschen Spielerin bei der kürzlich zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft gekürt, und der Schweizerin Lia Wälti standen auch zwei WM-Spielerinnen auf dem Platz. Vizeweltmeisterin Asano Nagasato (Japan) durfte sich wie die übrigen deutschen WM-Teilnehmerinnen Bianca Schmidt und Jennifer Cramer sowie Fei Wang (China) das Spiel von der Seitenlinie aus anschauen.

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Lia Wälti (links) und Tabea Kemme spielten von Anfang an

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Jennifer Cramer, Bianca Schmidt, Fei Wang und Asano Nagasato durften zuschauen

Potsdams Cheftrainer Bernd Schröder schickte zunächst einige der Neueinkäufe aufs Feld.

Bei Temperaturen um die 30° C entwickelte sich vor 753 Zuschauern ein kurzweiliges Spiel. Turbine war die spielerisch bessere Mannschaft und hatte mehr Ballbesitz, konnte aber zunächst wenig Vorteil daraus ziehen. Zwei Konter der Wittichenauer Repräsentationsauswahl und Potsdam lag 2:0 hinten. Nach der Pause gelang den Männern sogar das 3:0.

2015-08-02 DJK Blau Weiß Wittichenau - Turbine Potsdam 00052015-08-02 DJK Blau Weiß Wittichenau - Turbine Potsdam 0004Turbine übernahm jetzt das Kommando auf dem Platz, erhöhte das Tempo und kam zu ersten vielversprechenden Torchancen. Nationalspielerin Svenja Huth erzielte in der 54. Minute den 3:1 Anschlußtreffer, drei Minuten später erzielte Neuzugang Ilaria Mauro aus Italien das 3:2. Stefanie Draws gelang in der 70. Spielminute sogar der Ausgleichstreffer. Alles rechnete nun mit einem Sieg der Potsdamerinnen, auch weil die Männer langsam müde wurden, aber 12 Minuten vor dem Abpfiff kullerte der Ball nach schlechter Abwehr ins Postdamer Tor, so daß der Gastgeber das Spiel überraschend mit 4:3 gewann.

2015-08-02 DJK Blau Weiß Wittichenau - Turbine Potsdam 0006Auch im anschließenden Gaudi-Elfmeterschiessen hatte Turbine kein Glück und unterlag mit 5:4.

Bernd Schröder zeigte sich dennoch zufrieden: „Klar hätten wir hier gerne gewonnen, aber wir haben erst in vier Wochen unser erstes Punktspiel. Wittichenau dagegen startet am kommenden Wochenende in die neue Punktspielsaison und ist dementsprechend auch viel weiter in der Vorbereitung als wir es sind!“

(C) für alle Fotos: Thori 2015

Herzlicher Empfang für die Europameisterinnen

Mit einem öffentlichen Training im Cottbuser Leichtathletik-Stadion begann am 17. September 2013 für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die unmittelbare Vorbereitung auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Russland am 21. September im „Stadion der Freundschaft“.

Bereits gegen 16:30 Uhr begann unter der Aufsicht von Bundestrainerin Silvia Neid das Training der drei Torhüterinnen. Zu diesem Zeitpunkt kreiste auch ein Polizei-Hubschrauber gelegentlich über das Stadion und sorgte bei den anwesenden Zuschauern für Spekulationen, ob die Mannschaft etwa mit Polizeischutz unterwegs sei. DFBPressesprecherin Annette Seitz konnte auf Nachfrage beruhigen, daß dem nicht so sei. (Anmerkung: Der Hubschreiber war zur Überwachung einer Wahlkampfveranstaltung in der Nähe des Stadions im Einsatz.)

Punkt 17:00 Uhr hielt der Bus der Nationalmannschaft vor dem Marathontor. Mit einem herzlichen Applaus der gut 200 Fans und Schaulustigen wurden die Spielerinnen des frischgebackenen Europameisters auf dem Platz begrüßt.

Nach einer kurzen Aufwärmphase präsentierten sich die Fußballerinnen um Europas „Fußballerin des Jahres“, Nadine Angerer, in einer gut einstündigen Trainingseinheit dem Cottbuser Publikum und zeigten dabei erste Kabinettstückchen.

Den Abschluß bildete die nachträgliche Ehrung einiger Spielerinnen durch Team-Managerin Doris Fitschen. Der Fanclub „Nationalmannschaft“ hatte über die Leistung der einzelnen Spielerinnen in den Spielen vor und während der EM abgestimmt. Nadine Keßler konnte gleich drei Pokale mit nach Hause nehmen, die weiteren Sieger waren Lena Gößling, Simone Laudehr, Lena Lotzen und natürlich Nadine Angerer für ihre gezeigte Leistung im Endspiel gegen Norwegen.

Endlich kamen auch die bereits ungeduldig wartenden Fans auf ihre Kosten. Auf zuvor verteilten Mannschaftspostern unterschrieben die Spielerinnen und standen auch für persönliche Fotos mit den Fans oder besondere Autogrammwünsche zur Verfügung. Ohne Scheu suchten die prominenten Gäste den Kontakt zum Publikum und zeigten sich anschließend – ebenso wie die Fans – zufrieden über diese Veranstaltung. Daran konnten auch einige dumme bzw. abfällige Sprüche pubertierender Sportschüler in Energie-Trikots nichts ändern.

Der Höhepunkt in Klittens Fußball-Geschichte

Turbine-KlittenMit dem 1. FFC Turbine Potsdam traf am vergangenen Sonnabend die bisher namhafteste Mannschaft auf den SV Klitten/Boxberg. Die „Turbinen“ sind mehrfacher Deutscher Meister im Frauenfußball sowie Gewinner der UEFA Women’s Champions League 2010.

Zustande gekommen ist dieser sportliche Höhepunkt über den Vereinsvorsitzenden der Klittener. Dieser arbeitete in Potsdam beim Bau am „Haus der Vereine“, umgangssprachlich „Kanuscheune“ genannt, mit, wo auch Potsdams Trainer Bernd Schröder häufig zu Gast ist. Man kam ins Gespräch, einigte sich und fixierte vertraglich das Spiel.

Für beide Mannschaften dient dieses Spiel der Saisonvorbereitung, wobei es für die Männer des SV Klitten/Boxberg schon etwas Besonderes ist, gegen eine Frauen-Mannschaft zu spielen. „Meine Jungs freuen sich auf das Spiel. Und Berührungsängste wegen der Frauen haben sie keine. Ich habe ihnen aber gesagt, sie sollen gegen halten, aber das Spiel genießen und das Ganze nicht so verbissen sehen.“, so Klittens Abteilungsleiter Fußball, Holger Frenzel, vor dem Spiel.SV Klitten - Turbine Potsdam, 03.08.2013

Vor rund 450 Zuschauern entwickelte sich bei Temperaturen über 30° C rasch ein tempo- und abwechslungsreiches Spiel mit ersten Chancen für die Klittener. Turbine spielte den gefälligeren Fußball, scheute nicht den Zweikampf Mann gegen Frau und erzwang sich durch gepflegtes Kurzpassspiel immer mehr Spielanteile. Besonders Lisa Evans und Genoveva Anonma sorgten immer wieder für Unruhe vor dem Klittener Strafraum. Torhüter Steven Burghardt vereitelte eine Großchance der Potsdamerinnen, als er Evans, die alleine aufs Tor lief, den Ball von den Füssen nahm. In der 38. Spielminute war er jedoch gegen Anonma machtlos, die den Ball nach einem Zuspiel aus dem Mittelfeld aus abseitsverdächtiger Position annahm, den Torwart ausspielte und den Ball am zurückgeeilten Verteidiger zum 0:1 ins Tor schob. Mit diesem Spielstand ging es auch in die wohlverdiente Halbzeit-Pause.SV Klitten - Turbine Potsdam, 03.08.2013Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es noch ein kurzes Aufbäumen der Klittener, ehe die Kräfte sichtbar nachließen. Turbine Potsdam behielt das Tempo weiterhin hoch und war nun konditionell überlegen. Anonma sorgte mit dem 0:2 in der 65. Minuten für die Vorentscheidung. In der 74. Minute wurde Turbine-Verteidigerin Johanna Elsig im gegnerischen Strafraum zu Fall gebracht. Potsdams Kapitänin Jennifer Zietz verwandelte den fälligen Strafstoß zum 0:3-Endstsand. Einzige nennenswerte Aktion der Klittener in der zweiten Halbzeit war ein Distanzschuss von der Strafraumgrenze, den Turbine-Torhüterin Ann-Katrin Berger großartig parierte. Potsdam spielte weiter nach vorn, konnte aber keinen zählbaren Erfolg mehr erzielen.

Holger Frenzel war zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Er erkannte die klare Überlegenheit der Potsdamerinnen an und wusste auch, woran bis zum Start der neuen Saison noch zu arbeiten ist: „Ganz klar müssen wir an der Kondition arbeiten. Wir waren ja schon in der ersten Halbzeit müde. Trotzdem hat es unserer Mannschaft viel Spaß gemacht, gegen diesen Gegner zu spielen.“
Auch Potsdams Trainer Bernd Schröder zeigte sich zufrieden. „Gegen Männer zu spielen ist immer schwer, aber ehe wir beim Training rumlaufen, absolvieren wir lieber solche Spiele. Der Platz war gut, die Atmosphäre war gut – mehr wollen wir ja nicht. Das Problem waren nur die ständigen Auswechslungen der Klittener. Dadurch kam kein richtiger Spielrhythmus rein. Letztendlich haben wir mal gesehen, wie sich unsere Spielerinnen der zweiten Reihe präsentieren. Wir haben keine Verletzten, das ist das Wichtigste. Das Ergebnis ist am Ende egal.“

Auch den Klittenern dürfte das Ergebnis egal sein. Sie genossen das Spiel gegen eine der weltbesten Vereinsmannschaften im Frauenfußball. Und sollte Turbine in der nächsten Saison wieder um Meisterschaft, Pokal und Champions League-Titel mitkämpfen, hat der SV Klitten/Boxberg ganz sicherlich einen kleinen Anteil daran.

Als der Osten den Westen besiegte

150px-Deutscher_Fußballverband_der_DDR.svgEs gibt in diesem Jahr viel zu feiern: 60 Jahre Grundgesetz und damit 60 Jahre BRD, 60 Jahre seit der Gründung der DDR, 20 Jahre Mauerfall, 40 Jahre Puhdys. Und es gibt ein Jubiläum, daß zwar nicht ganz so euphorisch gefeiert wird, aber dennoch Einzug in die Geschichtsbücher gefunden hat: Vor 35 Jahren gab es das einzige Fußball-Länderspiel zwischen den beiden deutschen Staaten. Die Gruppenauslosung zur Fußball-WM 1974 in Deutschland hat ergeben, daß beide Länder in eine gemeinsame Gruppe gelost wurden und gegeneinander antreten müssen.

Im offiziellen Sprachgebrauch der Fußballfreunde gilt die „Schmach von Cordoba“ als größte Niederlage des (west-) deutschen Fußballs. Höchstens noch die „Schande von Gijon“ kann da mithalten.

Für Fußball-Laien: Bei der „Schmach von Cordoba“ verlor bei der WM 1978 in Argentinien die deutsche Fußball – Nationalmannschaft, damals amtierender Fußballweltmeister, gegen Österreich mit 3:2 und schied aus dem weiteren WM-Turnier aus. „I werd narrisch“ von Österreichs Reporterlegende Edi Finger wurde damals zum Kult. 1982 trafen beide Mannschaften wieder bei einem WM-Turnier aufeinander. Weil sich beide Nationen bereits für die nächste Runde qualifiziert hatten, „vereinbarte“ man einen Nichtangriffspakt und schob sich gegenseitig die Bälle zu, ohne ernsthaft anzugreifen. Mit der „Schande von Gijon“ müssen beide Mannschaften seitdem leben.

Aber die eigentliche Niederlage fand bereits am 22. Juni 1974 statt. Im Hamburger Volksparkstadion standen sich die Nationalmannschaften der BRD und der DDR gegenüber. Es war mehr als ein Fußball-Länderspiel – es war ein Politikum. Mitten in Zeiten des Kalten Krieges standen sich praktisch auch die Gesellschafts-Systeme auf dem Fußballplatz gegenüber. Der Kapitalismus gegen den Sozialismus, Ost gegen West, David gegen Goliath, Titelfavorit gegen Außenseiter, Fußballmacht gegen Fußballzwerg, die vielleicht beste westdeutsche Mannschaft aller Zeiten gegen die beste ostdeutsche Mannschaft aller Zeiten, auch wenn diese international gesehen nur zweitklassig war.

Und trotzdem nahm das Spiel einen völlig verkehrten Verlauf. Das Starensemble aus dem Westen verlor gegen den politischen und sportlichen Gegner. Jürgen Sparwasser besiegelte mit seinem Tor in der 78. Minute die Niederlage des Westens, machte sich zur Legende und sorgte bei den Funktionären in Ostberlin für große Freude. Der Sieg des Sozialismus ist auch auf dem Fußballplatz nicht aufzuhalten.

Zwar betonte man seither beim DFB immer, diese Niederlage hat erst den späteren Titelgewinn möglich gemacht, aber der Ärger über diese Niederlage hat sich bis heute gehalten. ARD-Fußballexperte Günther Netzer ist es noch immer peinlich, in dieses Spiel eingewechselt worden zu sein, am liebsten wäre er aus dem Stadion geflohen, nur um nicht mitspielen zu müssen.

Das Endergebnis hat auch noch in anderer Hinsicht Bedeutung. Die Mannschaften des Deutschen Fußballbundes bestritten mit Stand Juni 2009 seit der Gründung insgesamt 819 Länderspiele gegen 88 Länder, nur 183 Spiele gingen verloren. Aber gegen keine andere Mannschaft gibt es eine schlechtere Bilanz als gegen die DDR: Null Tore, Null Punkte. Und so wie es momentan aussieht, wird es wohl auch für immer so bleiben…

Die Beteiligten von Damals nahmen unterschiedliche Entwicklungen. Franz Beckenbauer, der Kapitän der BRD-Auswahl, wurde zum nationalen Heiligtum und überstrahlt seitdem den deutschen Fußball. Andere Spieler wie Berti Vogts, Wolfgang Overath, Sepp Maier, Paul Breitner, Ulli Hoeneß oder Gerd Müller sind auch noch heute noch omnipräsent, nicht nur in den Medien, und haben nichts von ihrer Popularität eingebüßt.

Von den DDR-Spielern hört man dagegen kaum noch etwas. Jürgen Sparwasser wird regelmäßig aus der Versenkung geholt, wenn es gilt, das Spiel mal wieder zu analysieren. DDR-Torwartlegende Jürgen Croy war kurzzeitig Bürgermeister in einer Heimatstadt Zwickau. Reinhard „Mäcki“ Lauck, der in Hamburg wahrscheinlich das Spiel seines Lebens machte und seinen Gegenspieler Wolfgang Overath zum Statisten degradierte, starb im Oktober 1997 im Alter von nur 51 Jahren. Die anderen Spieler der DDR-Auswahl sind wohl nur noch Insidern bekannt: Lothar Kurbjuweit, Gerd Kische, Konrad Weise, Bernd Bransch, Siegmar Wätzlich, Harald Irmscher, Hans-Jürgen „Hansi“ Kreische, Martin Hoffmann.

Der damalige DDR-Trainer Georg Buschner starb 2007. Auch das Volksparkstadion in Hamburg als Austragungsort dieses denkwürdigen Spiels mußte einer neuen Arena weichen.

Aber was wäre eigentlich geworden, wenn das Normalste auf dieser Welt eingetreten wäre und die favorisierte BRD-Auswahl gewonnen hätte? Beide Mannschaften waren ohnhin für die nächste Runde qualifiziert. Während die DDR also nach dem Erfolg über den Klassenfeind als Gruppenerster die schwerere Gruppe in der Finalrunde erwischte, wo mit Argentinien, Brasilien und den Niederlanden wirkliche Schwergewichte des internationalen Fußballs warteten, hatte die BRD Glück und konnte über die Stationen Polen, Schweden und Jugoslawien ins Finale einziehen, wo der Titelgewinn perfekt gemacht wurde.

Nicht auszudenken, wenn es andersherum gekommen wäre: Die DDR verliert wie erwartet gegen die andere deutsche Mannschaft, erwischt zur Belohnung aber die leichtere Zwischenrunde. Da man durchaus mit den besten Mannschaften der Welt mithalten konnte, kann nicht ausgeschlossen werden, daß die DDR noch die eine oder andere Überraschung parat gehabt hätte. Und während der WM-Gastgeber vielleicht gescheitert wäre, hätte die DDR ihren Siegeszug fortgesetzt und möglicherweise die Sensation geschafft und sich vor der BRD platziert. Man will nicht wissen, was schlimmer ist: die – wenn auch immer noch ärgerliche – Länderspiel-Niederlage der BRD gegen die DDR oder ein evt. WM-Triumpf der DDR auf des Klassengegners Platz.

Sicher ist nur, der Stachel der Niederlage des Westens gegen den Osten sitzt noch immer tief, aber er hätte auch tödlich enden können!

Und noch etwas Bemerkenswertes. Egal, für welche Mannschaft man auch war: Die deutsche Einheit wurde an diesem Abend praktisch schon vorweg genommen. In beiden deutschen Staaten fieberten die Einwohner diesem Spiel entgegen. Ost und West, Jung und Alt saß kollektiv vor den Fernsehern. Der Fußball schaffte an diesem Abend etwas Besonderes, nämlich die Menschen beider deutscher Staaten zu einen, und sei es nur für 90 Minuten beim „gesamtdeutschen“ Anschauen des gleichen Fernsehprogramms.

Die DDR war zwar im Fußball immer nur zweitklassig, aber einmal war sie so erstklassig, daß die Erinnerung an den größten Erfolg des DDR-Fußballs bis in die heutige Zeit überlebt hat.

Eine Fußball-Weisheit lautet: „Beim Fußball geht es nicht um Leben und Tod – es geht um mehr!“

Wie am 22. Juni 1974, als der Osten den Westen besiegte….

American Rebel Titel

Veröffentlicht in “American Rebel” – Onlinezeitung, 10. Juni 2009