Hohe Ehrung für Diana Sonntag

Im Restaurant „Rosenflair“ fand am 12. Oktober 2018 die Festveranstaltung zum 73. Geburtstag der Volkssolidarität Region Forst statt. Zu den Ehrengästen gehörte neben dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, u.a. der Landrat des Landkreises Spree-Neiße Harald Altekrüger und die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek.

Ines Rauer, Geschäftsführerin der Volkssolidarität Spree-Neiße e.V., würdigte in ihrer kurzen Begrüßungsrede das Engagement der vielen ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Volkssolidarität. Von den 360 Mitgliedern der Forster Ortsgruppen sind 42 Männer und Frauen im Ehrenamt bei der Sozialberatung oder der Nachbarschaftshilfe tätig. Meist hilft bei Problemen oft auch nur ein offenes Ohr. „Wir haben leider viel zu wenig fachlich geschultes Personal, deshalb appelliere an die anwesenden Politiker, sich für eine Verbesserung der Situation stark zu machen!“, sagte Ines Rauer.

Dr. Dietmar Woidke würdigte in seinem Grußwort die Arbeit der Volkssolidarität und deren Mitglieder: „Sie leisten eine wichtige Arbeit für die Gesellschaft. Der Grundgedanke der Volkssolidarität, einander zu helfen und beizustehen, ist heutzutage wichtiger als jemals zuvor!“.

Nach Kaffee und Kuchen und musikalischer Umrahmung durch Sängerin Doris Andreas wurden verdienstvolle Mitglieder ausgezeichnet. Den „Ehrenpreis der Volkssolidarität“ überreichte Dr. Dietmar Woidke in Vertretung des Bundespräsidenten der Volkssolidarität an Diana Sonntag vom Pavillon „Genuß und Kunst“ in Forst (Lausitz).

Dr. Dietmar Woidke, Diana Sonntag, Ines Rauer

In der Begründung zur Ehrung wird die Unterstützung der Verbandsarbeit durch die Inhaberin des Pavillons und deren Mitarbeitern gewürdigt. Seit 2015 ist der Pavillon „Genuß und Kunst“ monatlicher Treffpunkt der Ortsgruppen. Neben der Geselligkeit wird den Teilnehmern ein gefühltes Zuhause vermittelt. Diana Sonntag, selbst Mitglied der Volkssolidarität, bietet in ihrem Haus ein breit gefächertes Veranstaltungsspektrum mit Lesungen, Konzerten und der Präsentation hochrangiger Künstler und sorgt dafür, „dass Kunst und Geselligkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle im Leben unserer Mitglieder spielt“.

Diana Sonntag bedankte sich mit rührenden Worten für die hohe Auszeichnung. „Ich wundere mich nur, dass ich für etwas ausgezeichnet werde, was ich für etwas völlig Selbstverständliches halte. Man hat mir früh beigebracht, Respekt vor dem Alter zu zeigen.“ Gern wolle sie mithelfen, diesen Respekt auch anderen Menschen aus ihrer Generation zu vermitteln. Es freue sie auch, diese Ehrung nicht wie ursprünglich beabsichtigt in Berlin, sondern in einem dem Anlass angemessenen Rahmen in Anwesenheit vertrauter Menschen erhalten zu haben. „Hier kenne ich die Leute und sie kennen mich. Ich fühle mich in vertrauter Umgebung einfach wohler.“

Forster Fotograf entdeckt die Muster in der Landschaft

Der Forster Fotograf und Videofilmer Frank Junge präsentiert derzeit im Forster Kreishaus eine kleine Ausstellung mit ungewöhnlichen Panoramafotos von Forst und der näheren Umgebung. So zeigen die 12 großformatigen Aufnahmen im Format 50 x150 cm bzw. 30 x 90 cm die Forster Stadtkirche, das Forster Freibad oder den Kegeldamm mit dem Seufzersteg aus der Vogelperspektive. Auch Luftbildaufnahmen aus Grießen und Brody/Pförten sind in der Ausstellung vertreten.

Das Bemerkenswerte an den Aufnahmen ist die Perspektive, denn mit einer Flugdrohne wurden mehrere Einzelaufnahmen gemacht, die dann mittels spezieller Software zu Panoramabildern zusammengefügt wurden. 3 bis 4 solcher Einzelfotos verknüpfen sich später zu einem einzigen Bild. Dem Betrachter geben sich dadurch ungewöhnliche Perspektiven preis. „Den Blick wie auf den Fotos haben sonst nur Hubschrauberpiloten, die in geringer Höhe fliegen. Aus Flugzeugen betrachtet sind solche Ansichten auf Grund der Höhe nicht möglich.“, verrät Frank Junge.

Wer als Betrachter vor den riesigen Fotos steht, geht unweigerlich auf die Suche nach markanten Punkten in der Landschaft oder staunt über ungewöhnliche Strukturen auf Plätzen, die sich meist erst aus der Luft erschließen. Oder wussten Sie, welches Muster sich beim Blick in den Rosenkreisel ergibt?

Frank Junge kennt aus eigener Erfahrung die Sichtverhältnisse aus der Luft. Als ehemaliger Militärflieger der NVA hatte er zu DDR-Zeiten eine privilegierte Aussicht von oben auf den nicht mehr existierenden Staat. Seit etwa 3 Jahren nun widmet er sich der Luftbildfotografie und -filmerei. Mehrere Filme sind bereits entstanden, so unter anderem der Film „Forst von oben“ oder Einspielfilme für den Forster Geschichtsstammtisch. Auch für den Dokumentarfilm über die „Schwarze Jule“ lieferte Frank Junge Luftbildaufnahmen des Stadtbahnhofes oder der ehemaligen Streckenführung.

Frank Junge steuert dabei seine Drohne in Höhen bis maximal 100 Meter, alles was höher hinaus geht bedarf einer besonderen Genehmigung der zuständigen Luftfahrtbehörden.

Für die nahe Zukunft hat Frank Junge schon neue Ideen im Hinterkopf, zu welchen markanten Landschaftspunkten er seine Drohne wieder in die Lüfte aufsteigen lässt. „Die schönsten Aufnahmen ergeben sich dabei bei Sonnenauf oder -untergang in der sogenannten Goldenen Stunde“, verrät der Experte. Dann fällt das Sonnenlicht in einem spitzen Winkel ein und sorgt für ein weiches und warmes Licht.

Noch bis zum 26. Oktober ist die Ausstellung mit Aufnahmen aus den Jahren 2017 und 2018 im Kreishaus des Landratsamtes zu sehen. Bei Gefallen können die ausgestellten Panoramabilder auch käuflich erworben werden.

Viele Pferdestärken im und außerhalb des Reit-Parcours

Der Wettergott muss ein Reitsportfan sein! Anders ist es nicht zu erklären, dass beim 11. Forster Sattelfest im hiesigen Rad- und Reitstadion beste äußere Bedingungen herrschten, die es den zahlreich angereisten Teilnehmern aus Nah und Fern erlaubten, höchste sportliche Leistungen abzuliefern. Die Organisatoren des veranstaltenden PSV 1893 Forst mit Hagen Ridzkowski als Turnierleiter des höchstdotierten Freilandturniers in den ostdeutschen Bundesländern taten ihr Übriges, um Reitern, Rennfahrern, Betreuern und Zuschauern den Aufenthalt im Stadion so angenehm wie möglich zu gestalten.

15 Springprüfungen unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrades und der traditionelle Herbstpreis der Steher standen auf dem Programm. Auch das Rahmenprogramm abseits des Wettkampf-Parcours konnte sich sehen lassen.

Für die Voltigiergruppe der SG Bademeusel war der Samstag besonders aufregend. Sieben Mädchen und ein Junge aus der Nachwuchsgruppe präsentierten während einer Umbaupause im Stadion, was sie in den letzten Wochen einstudiert hatten. Auf dem Rücken von „Wirbelwind“, der 17jährigen Hannoveraner Stute von Besitzerin und Longenführerin Beate Rösler, balancierten Emma, Ronja und die anderen gekonnt zum Rhythmus aus den Lautsprechern. Die jüngste im Team ist Elaine, vor wenigen Tagen 6 Jahre alt geworden und zum ersten Mal beim Sattelfest dabei. Auch Fritzi aus Neuzelle hatte zum ersten Mal einen Auftritt vor solch großem Publikum. „Es war schön und hat alles geklappt, wie wir das geübt hatten. Nur ‚Wirbelwind‘ stockte einmal“, sagte die Achtjährige nach dem Auftritt.

Ronja (11 Jahre) kennt das Sattelfest schon aus den Vorjahren. Sie ist bereits zum 4 Mal dabei. Auch für sie ist es immer noch etwas Besonderes, vor so vielen Leuten aufzutreten.

Als Dankeschön und Belohnung für ihren Auftritt gab es für die jungen Reiter aus den Händen der Forster Rosenkönigin Stephanie II. die begehrten Schleifen und eine Tüte Gummibärchen. „Die Schleifen sind für die Kinder etwas Besonderes.“, verrät Ines Horschigk, Trainerin der beiden Voltigiergruppen in Groß Bademeusel. Für Fritzi war es bereits die 63. Schleife, die sie bei den unterschiedlichsten Reitveranstaltungen errungen hat. Auch Ronja hat schon mehr als 20 Schleifen in ihrer Sammlung.

Der Großteil der Gruppe kommt aus Forst und trainiert einmal in der Woche unter der Anleitung von Ines Horschig auf dem Reiterhof von Beate Rösler. Durch Mundpropaganda sind auch Kinder aus weiter entfernten Orten wie Gablenz bei Weißwasser oder eben Neuzelle zur Trainingsgruppe gestoßen. Neben der Nachwuchsgruppe gibt es noch eine Leistungsgruppe, die regelmäßig an Wettkämpfen teilnimmt.

Dass die Voltigiergruppe ziemlich am Ende der Pferdeboxen Quartier bezogen hat, stört die Gruppe nicht: “Das ist ganz praktisch, da müssen die Kinder nicht so sehr auf die großen Reiter achten, die über den Platz zum Stadion reiten!“, erklärt Ines Horschig.

Denn hier im Reiterlager herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Sportler reiten mit ihren Pferden zum Wettkampf-Parcours oder kommen gerade vom Abreiteplatz, wo sich die Pferde nach ihrer Springprüfung auslaufen können. In den vielen langen Pferdeboxen auf dem weitläufigen Gelände werden die Tiere für den nächsten Ritt vorbereitet oder nach dem Wettkampf gestriegelt. Viele Reiter sind mit speziellen LKWs, in denen ihre Wettkampf-Pferde untergebracht sind, angereist. Wie in einer Wagenburg aufgereiht stehen die Trucks auf dem Fußballfeld des SV Süden, der für das Sattelfest seinen Sportplatz zur Verfügung gestellt hat. Auf Videowänden im Reiterlager können die Reiter die Ergebnisse ihrer Konkurrenten verfolgen.

Doch Pferdestärken konnte man nicht nur im Rad-Oval bewundern, sondern auch auf dem Vorplatz unterhalb der Südkurve. Hier stehen an diesem Samstag 10 historische LKWs und laden die Liebhaber größerer Pferdestärken zum Schwärmen und Fachsimpeln ein. „Die Autos gehören meist regionalen Unternehmern“, sagt Jürgen Beinio, Verkaufsleiter im Autohaus Cottbus. Alle zwei Jahre trifft man sich zu einer Ausfahrt, die von der Cottbuser Mercedes-Niederlassung organisiert wird. In diesem Jahr führte die Tour von Lübben über Guben nach Forst. Das älteste Fahrzeug war ein Mercedes-Lieferfahrzeug aus der Zeit Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit der knallroten Lackierung, auf der die Werbung eines großen Lausitzer Bäckereiunternehmens prangt, fällt es sofort ins Auge. Neben mehreren Mercedes-Oldtimern präsentieren sich auch aufpolierte H6-Fahrzeuge aus Werdauer Produktion, ein W-50 und ein Volvo und bieten jedes für sich dem Betrachter einen optischen Leckerbissen.

Es gibt viel zu entdecken abseits des Reit-Parcours. Doch im Mittelpunkt des Interesses stehen natürlich der Pferdesport sowie das Steherrennen. Und wenn man den Wettergott als Verbündeten hat, lohnt sich das Dabeisein umso mehr.

Neue Einblicke im Rosengarten

Der Rosengartensonntag im Monat Juli vermittelte den rund 20 Teilnehmern völlig neue An-, Ein- und Durchsichten des Ostdeutschen Rosengartens. Die Veranstaltungsreihe war diesmal zweigeteilt und begann mit einem Foto-Rundgang durch den Park.

Wie kann man am besten Stimmungen einfangen? Wie entstehen ausdrucksstarke Fotos? Wie wirken die Aufnahmen lebendiger? Antwort auf diese und weitere Fragen konnte der Cottbuser Berufsfotograf Raphael Kellner an verschiedenen Stationen im Ostdeutschen Rosengarten geben. Schon der Treffpunkt am historischen Eingang zum Park bot die erste Möglichkeit, sich foto- künstlerisch auszuprobieren. Die lange Hauptachse vom Eingang in Richtung Wasserspiele war für ihn das beste Beispiel. „Nehmen Sie die Wegebegrenzungen als Hilfslinien! Und wechseln Sie ruhig mal den Standort hin zu einer Seite. Dann wirkt das Bild nicht mehr so langweilig!“, erklärt der Profi. Sofort werden die Kameras gezückt und das eben Gehörte ausprobiert. Von der teuren Marken-Spiegelreflexkamera über kleine Digitalkameras bis hin zu Handys mit Kamerafunktion ist an diesem Sonntagvormittag alles vertreten.

Annette Schild vom Stadtmarketing Forst gibt die Richtung vor. Sie kennt den Rosengarten wie ihre Westentasche und weiß, wo die interessantesten Motive warten. Da auch einige Teilnehmer zum ersten Mal im Forster Rosengarten sind, gibt sie gleich noch eine Parkführung und verrät das eine oder andere Geheimnis. So ist die berühmte „Grüne Rose“ unweit des Haupteingangs eher als „Betriebsunfall“ zu werten. „Als Fotomotiv hat die Grüne Rose überhaupt keinen Reiz!“, stellt ein Besucher angesichts der unscheinbaren Blüten fest.

Am Kaskadenbrunnen angekommen, erklärt Raphael Kellner, wie man Wasserspiegelungen ins Bild einbauen kann. Nur wenige Schritte entfernt, auf der Dammkronen-Allee, kommt sein nächster Tipp: “Fotografieren Sie ruhig mal von unten nach oben in die Baumkrone hinein. Sie werden ungewöhnliche Motive finden!“, verspricht er.

Die Wasserspiele sind bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Doch der Foto-Profi hat noch ein besseres im Angebot. Unweit der Wasserspiele steht eine Skulptur mit zwei Tauben, die mit ihren Körpern einen Ring formen. In der Verlängerung steht im Teschendorff-Garten der Sockel mit einer steinernen Vase. „Haben Sie den Mut zum Perspektivwechsel und probieren Sie mal ungewöhnliche Aufnahmen!“, macht Raphael Kellner den Gästen Mut. Wenn man nämlich den Ring, den die beiden Tauben bilden, sich als „Bilderahmen“ denkt und dort hindurch fotografiert, kommt die Vase ganz anders zur Geltung.

Egal, ob am Bärchenbrunnen, hinter der Schillerbühne oder im Pergolenhof – neben den touristischen Informationen von Annette Schild gibt es auch die passenden Hinweise, wie man das jeweilige Objekt perfekt ins Bild setzen kann.

Nach gut zwei Stunden ist der erste Teil des Rosengartensonntags beendet. „Mit der Resonanz bin ich angesichts der hohen Temperaturen sehr zufrieden. Ich habe mit weniger Teilnehmern gerechnet.“, resümiert Annette Schild. Auch die Hobby-Fotografen sind angesichts vieler neuer Erkenntnisse in Sachen „Perfektes Bild“ rundum zufrieden. Einige drehen noch eine Extrarunde durch den Park auf der Suche nach neuen Motiven.

Dazu könnten auch die vier Tänzerinnen und Tänzer der „Tanzkompanie golde g.“ aus Cottbus gehören. Sie bereichern mit ihrer Tanzperformance den zweiten Teil des Tages, der unter dem Motto „Choreografische Bilder im Rosenparadies“ steht.

Im Neuheitenteil des Parks beginnen die Künstler zur Musik des ungarischen Jazzmusikers Ferenc Snitberger mit ihrer Choreografie. Am Kaskadenbrunnen wechseln sich Sprünge, Hebefiguren und Pirouetten mit langsamen und schnelleren Schrittelementen ab. Bereit gehaltene Rosen werden im Publikum verteilt. 30 Minuten lang (in der prallen Sonne) wird der Kaskadenbrunnen zum Spielrequisit.

Nach einer kurzen Pause wechseln die Tänzerinnen und Tänzer zu den Wasserspielen und zeigen den dortigen Café-Besuchern ein leicht geändertes Programm. Daß Tanz auch Improvisation bedeuten kann, bewies die Tänzerin Anna Fingerhuth. Das Wasserbecken mit der großen Fontäne ist allerdings angesichts der äußeren Temperaturen auch zu verlockend: Zur Überraschung ihrer Tanzpartner lässt sie sich ins Wasser fallen und setzt von dort aus ihre Choreografie fort.

Der Mut hat sich jedenfalls gelohnt, wie der Applaus der Cafè-Besucher am Ende der Vorstellung bewies.

Der nächste Rosengartensonntag findet am 26. August statt. Dann stehen „MÄRCHEN, MYTHEN & HARFENKLÄNGE sowie „SIEBENSCHÖN & ROSENROT“ im Mittelpunkt.

Hornoer feiern mit ihrem Spielmannszug

Mit einem Umzug entlang der Dorfaue im Forster Stadtteil Horno, angeführt vom hieransässigen Spielmannszug, begannen am vergangenen Samstag Punkt 14:00 Uhr die Feierlichkeiten anlässlich des 95jährigen Gründungsjubiläums des Spielmannszuges. In den Zug reihten sich Traditionsfeuerwehren mit ihren uralten Handdruckspritzen, die im Rahmenprogramm ein Handdruckspritzentreffen veranstalteten.

Zu dem kleinen Fest begrüßte der Leiter des Spielmannszuges Roland Naparty u.a. die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek sowie den Hornoer Ortsvorsteher Bernd Siegert.

Simone Taubenek würdigte in ihren kurzen Grußworten das Engagement der Hornoer. Seit 15 Jahren bereichern die Einwohner des neu hinzugekommenen Forster Ortsteils mit ihren Aktivitäten das Stadtleben. „Ich wünsche Ihnen deshalb immer ausreichend Nachwuchskräfte und dem Fest viel Spaß“, so Taubeneck. Sie übergab an Ortsvorsteher Bernd Siegert eine Collage des Spree-Neiße-Landrates für die Teilnahme der Hornoer an der Aktion „Unser Dorf hat Zukunft“. Siegert verwies in seinen Dankesworten darauf, dass ohne die Unterstützung der Stiftung Horno vieles nicht möglich wäre. So übernahm die Stiftung auch als kleines Dankeschön für die geleistete Arbeit die Kosten des Jubiläumsfestes.

1923 wurde der Spielmannszug im „alten“ Horno gegründet. Wann genau und wo lässt sich aus der Chronik nicht mehr ermitteln. Mittlerweile ist der Spielmannszug der einzige in Forst. Etwa einen Auftritt pro Monat können die Spielleute verzeichnen. Mit 20 aktiven Mitgliedern ist der Verein gut aufgestellt. Das ältestes Mitglied ist Alfred Tabor (80), der 15 Jahre die Geschicke des Spielmannszuges leitete, ehe er die Leitung an seinen Nachfolger Roland Naparty übergab. Lena Naparty ist mit 11 Jahren das jüngste Mitglied. Geübt wird jeden Mittwoch um 19:30 Uhr im Vereinszimmer im „Hornoer Krug“. Auch wenn der Bestand stabil und durch den Nachwuchs zukunftsträchtig ist, freuen sich Roland Naparty und Organisationschefin Petra Schimtz jederzeit über neue Interessenten.

Seit den Feierlichkeiten zum 85. Geburtstag des Spielmannszuges sind die Treffen der Traditionsfeuerwehren mit ihren Handdruckspritzen ins Festprogramm integriert. In diesem Jahr fanden die „Alten Kameraden“ der Feuerwehren aus Fehrow, Briesnig, Gahry, Drehnow, Peitz-Ottendorf, Tauer und Forst den Weg auf die Hornoer Festwiese gegenüber des Feuerwehrgebäudes. Hier wurde demonstriert, wie vor 100 Jahren gelöscht wurde. Dabei ging es nicht immer um Schnelligkeit und zwischendurch wurde auch mal ein Bierchen gezischt.

Mit der Handdruckspritze aus Tauer mit dem Baujahr 1897 war eine der ältesten Handdruckspritzen der Region am Start. Wesentlich jünger ist dagegen die Hornoer Spritze aus dem Jahr 1925 – sie ist fast so alt wie der Spielmannszug.

Höhepunkt des Nachmittags war eine Wasserkette aller anwesenden Feuerwehren. Mit der musikalischen Unterstützung der „nAund“-Blasmusik, die den Rhythmus vorgab, pumpten die Kameraden eifrig an ihren jeweiligen Handdruckspritzen das Löschwasser bis zur nächsten Station. Gefühlte 10 Minuten dauerte es, ehe auch die letzte der aufgereihten Spritzen mit Wasser versorgt war und unter dem Applaus der Zuschauer im hohen Strahl das Naß auf der Festwiese verteilte.

Vorführungen der DRK-Rettungshundestaffel sowie der Auftritt des Hornoer Männergesangsvereins Euterpe rundeten das Jubiläum ab. Im Festzelt spielte bis in die Abendstunden die „nAund“-Liveband, der „Hornoer Krug“ sowie die Bäckerei Merschank sorgten für die kulinarische Versorgung auf der Festwiese. Die jüngsten Besucher konnten sich auf der Hüpfburg vom Kindermobil austoben.

Naundorfer Feuerwehr-Jubiläum endet mit unfreiwilligem Wasserbad

Mit einem Festumzug durch das Gut Neu Sacro begannen am vergangenen Samstag die Feierlichkeiten anläßlich des 125jährigen Gründungsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Naundorf.

Pünktlich um 9:00 Uhr setzte sich der Zug – angeführt vom Hornoer Spielmannszug – in Bewegung. Nach einer Runde durch das Rondell des Gutes Neu Sacro ging es weiter zur benachbarten Festwiese, wo im Anschluß die 23. Forster Stadtmeisterschaften im „Löschangriff nass“ stattfanden. Der Veranstaltungsort war bewußt gewählt, zählt doch Neu Sacro zur Gemarkung Naundorf.

Eingefunden hatten sich die Ortswehren von Forst, die ihrerseits der Naundorfer Freiwilligen Feuerwehr ihre Glückwünsche überbrachten. „Es scheint eine ziemlich trockene Gegend zu sein“, stellte Ortswehrführer Matthias Elster belustigt angesichts der überwiegend alkoholischen Präsente fest. Verwaltungsvorstand Jens Handreck übergab als Vertreter der Stadt Forst (Lausitz) an die Naundorfer Kameraden einen Scheck zur Anschaffung weiterer notwendiger Materialien.

Gegründet wurde die Naundorfer Feuerwehr am 23. Februar 1893. Wo genau die Gründung stattfand, lässt sich aus der Feuerwehrchronik nicht entnehmen. Zu jener Zeit revolutionierte Bismarck das Feuerschutzwesen in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Wehren, bei denen meist örtliche Turnerschaften den Aufbau der Feuerwehren vorantrieben, ging in Naundorf die Initiative von der Bürgerschaft aus. 26 Gründungsmitglieder vermerkt die Chronik. Erster Wehrführer war Gottlieb Britze. Für die darauffolgenden Jahrzehnte zählt die Chronik 12 Wehrführer. Seit 2007 verantwortet Matthias Elster die Geschicke seiner Feuerwehr.

Zur Erstausstattung gehörte lediglich eine Handdruckspritze, die von Pferdegespannen gezogen wurde. Untergebracht war die Spritze im damaligen Nachtwächterhäuschen. Ein Schlauchtransportanhänger, gezogen von einem Traktor, war ab 1958 jahrelang das einzige Löschgerät, ehe es 1985 von einem Barkas-Löschfahrzeug TS 8 ersetzt wurde. Am 29.11.2011 erhielt die Naundorfer Feuerwehr ein modernes Tragkraftspritzenfahrzeug, welches noch heute im Bestand ist. 11 Kameraden in der Ehrenabteilung sowie 15 aktive Kameraden engagieren sich in der Wehr. Ältestes Mitglied ist Eberhard Lehmann (Jahrgang 1931), das jüngste Mitglied ist Jonas Woidtke mit 17 Jahren.

Der 2004 gegründete Förderverein unterstützt die Naundorfer Feuerwehr z.B. bei der Beschaffung von T-Shirts oder der Finanzierung des diesjährigen Jubiläums. Aus dem Ortsleben ist die Feuerwehr nicht mehr wegzudenken, bewahrt sie doch Traditionen wie das Maibaumaufstellen oder das Osterfeuer.

Zu den schwierigsten Einsätzen gestalteten sich in der Vergangenheit vorwiegend die Hochwasser. So waren die Kameraden beim Elbe-Jahrhundert-Hochwasser 2002 in Mühlberg 2 Tage ununterbrochen im Einsatz. Auch die Neiße-Hochwasser 1897, 1958 in Briesnig und 2010 in Sacro waren für die Naundorfer Kameraden besondere Bewährungsproben, ebenso wie im Januar 2014 ein Scheunenbrand in Briesnig.

Stimmungsvoll verliefen die 23. Forster Stadtmeisterschaften im „Löschangriff naß“, die in die Feierlichkeiten zum 125jährigen Geburtstag eingebunden waren. Insgesamt 10 Mannschaften gingen an den Start.

Zunächst zeigte der Feuerwehrnachwuchs, was er drauf hat. Stadtmeister wurde bei den 10-14jährigen Mädchen die Mannschaft der Neu-Hornoer Feuerwehr. 37,63 Sekunden stehen am Ende zu Buche. Auch die Jungs der AK 10-14 aus Neu Horno siegten mit 20,38 Sekunden. Bei den älteren Jungs (14-17 Jahre) ging mit der gleichen Laufzeit der Sieg ebenfalls an die Hornoer.

Stadtmeister bei den Damen wurde „Sacdorf“. Nun hat Forst nicht etwa über Nacht einen neuen Ortsteil bekommen. Mangels eigener Frauen-Mannschaften schlossen sich spontan die Mädels der befreundeten Sacroer und Naundorfer Feuerwehren zu einer Staffel zusammen und holten sich auf der 100-Meter-Bahn mit 48,14 Sekunden den Stadtmeistertitel.

Dramatisch wurde es anschließend bei den Läufen der Ortswehren. Erst wurde die Sacroer Mannschaft disqualifiziert, weil sich der Saugkopf im Wasserbecken löste, was nicht regelgerecht ist. Dann erwischte es auch den Gastgeber. Kameradin Sandra Schuhart glitt nach dem Start beim Laufen zur Zielscheibe der Verteiler aus den Händen. Beim Aufschlag des Verteilers auf dem Boden löste sich die Schlauchkupplung. Da die Schläuche bereits unter Druck standen, artete ihr Malheur zu einer unfreiwilligen Wasserdusche für sie aus. Am Ende blieb die Zeit bei 58,61 Sekunden stehen, was in der Endabrechnung Platz 5 bedeutete. Der Sieg ging 31,42 Sekunden an die Ortswehr Neu Horno vor Forst (31,79 sek) und Groß Bademeusel (32,97 sek.). Vierter wurde Eulo mit 39,04 sek. Der Titelverteidiger aus Mulknitz war nicht am Start. Alle Stadtmeister sind somit für die Kreismeisterschaften qualifiziert.

Auch rings um die Wettkampfstrecke wurde einiges geboten. Für die Kinder gab es eine Schminkecke und eine Hüpfburg. Nebenan wurde ein Hindernis-Parcour aufgebaut. Hier konnten die Kinder nach Slalomlauf und Sprungübung ihre Zielgenauigkeit beim Wasserspritzen auf Holzkameraden testen. Zur gastronomischen Versorgung der Besucher bot die Forster Feuerwehr Erbseneintopf aus der Gulaschkanone an. Die Mädels der Naundorfer Sportgruppe zeigten in der Pause zur Musik von „Fluch der Karibik“ eine Choreografie mit Kampfsportelementen.

Die Naundorfer Sportgruppe

Der Hindernis-Parcours für die Jüngsten

Groß war das Gelächter, als die Naundorfer Kameraden nach der Siegerehrung drei neue Mitglieder zünftig im Wasserbecken tauften.

Die Titelhamsterer aus Neu Horno

Den Abschluß der Feierlichkeiten bildete am Abend eine Festveranstaltung im zum Saal umgebauten ehemaligen Kuhstall des Gutes Neu-Sacro.

Forster Gesangstalent wandelt „Ultraleicht“ auf neuen musikalischen Pfaden

Der 13. Juli 2018 könnte für die Forster Sängerin Michelle Bönisch der Start in eine neue Zeitrechnung sein. An diesem Tag erscheint das neue Album „Ultraleicht“ im Handel und stellt einen kompletten Imagewechsel weg von der volkstümlichen Musik hin zu tanzbaren Schlagern dar. Aus dem kleinen Mädchen, dass schon mit 5 Jahren auf der Bühne stand und die vorwiegend älteren Zuhörer entzückte, ist eine junge erwachsene Frau geworden, die genau weiß was sie will: „Ich möchte das singen, was mir gefällt und was mir Spaß macht. Von den Dirndln habe ich mich erst einmal verabschiedet.“, sagt Michelle Bönisch im Gespräch. Die Leute würden schnell merken, wenn man nicht mehr voll und ganz hinter einer Sache steht. Und Michelle möchte sich nicht verstellen und statt der ausgetretenen Pfade vielmehr neue Wege zu gehen

Hinter ihr liegt bereits ein langer musikalischer Weg. Schon als Kind sang sie leidenschaftlich gern, meist im Familienkreis und meistens Lieder von Stefanie Hertel. Angefangen hatte es jedoch bei den „Tanzmäusen der Kita Kinderland“. In der Kulturinsel Friedrichshain hatte Michelle Bönisch bei einer Karnevalsveranstaltung ihren ersten Soloauftritt als Sängerin. Es folgten weitere Auftritte bei Dorf- und Stadtfesten oder bei privaten Geburtstags- und Hochzeitsfeiern. Gleichzeitig nahm sie Gesangsunterricht in der Musikschule des Landkreises Spree-Neiße.

Bei einem dieser Auftritte lernte Michelle den Komponisten Reinhard Kalleske kennen. Er schrieb für sie einige Titel, u.a. ihr absolutes Lieblings-Weihnachtslied „Schneeflocken tanzen“.

Auch Eberhard Hertel, der Vater von Schlagerstar Stefanie Hertel, wurde auf die Forster Nachwuchssängerin aufmerksam. Er schlug Michelle vor, sich für die „Krone der Volksmusik“, einer großen Fernsehgala, zu bewerben.

2010 war es soweit – nach einem Casting in München wurde Michelle Bönisch in die Sendung eingeladen und konnte in ihrer Wertungskategorie den zweiten Platz einheimsen. 2014 sah man Michelle in der ARD-Sendung „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross.

Seit dieser Zeit habe sie in vielen Tonstudios quer durchs Land Lieder aufgenommen, selbst in Österreich war Michelle Bönisch zu Gesangsaufnahmen. Ihr neues Album „Ultraleicht“ wurde im Wet-Cat-Studio in Uslar nahe Hannover aufgenommen. Produzent Jörg Lamster hat auch schon mit G.G. Anderson, den Wildecker Herzbuben oder Matthias Reim zusammengearbeitet. „Es gibt sehr viel Tanzmusik auf dem Album“, sagt Michelle, mit „Es muss Liebe sein“ ist sogar eine Ballade vertreten. „Es sind zwar verschiedene Stilrichtungen, trotzdem immer noch Schlager!“

In den Texten geht es meistens um das Thema Liebe. Den Titel „Meilenweit“ könne jedoch jeder für sich interpretieren. „Der eine bezieht es vielleicht auf die große Liebe, der andere auf unendliche Freiheit!“, verrät die 18jährige das Geheimnis eines ihrer Lieblingstitel vom Album.

Selbst einen Fanclub hat sie schon. Der ist überraschenderweise in Süddeutschland beheimatet. „Die Leute hatten mich bei der ‚Krone der Volksmusik‘ gesehen und danach angeschrieben, ob und wie sie mich unterstützen können“, so Michelle. Seitdem informiert der Fanclub regelmäßig über Auftrittstermine und Neuigkeiten von Michelle.

Unterstützung auch vom Fanclub bekommt Michelle Bönisch sicherlich am 10. Juni im „Hornoer Krug“ in Forst, wenn ab 15:00 Uhr in einem exklusiven Konzert das neue Album „Ultraleicht“ noch vor dem offiziellen Verkaufsstart der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Auch wenn Michelle in der Region einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt, sind Auftritte wie dieser in Forst immer noch etwas Besonderes. „Forst ist eben meine Heimatstadt.“

Und worauf freue sie sich am meisten bei ihrer ersten CD-Präsentation? „Ich bin auf das Feedback der Leute gespannt und darauf, zu erfahren, wie sie die neuen Lieder finden.“ Angst davor, der Imagewechsel könnte bei den Fans nicht so gut ankommen, hat Michelle nicht. „Ich möchte Musik für alle Altersgruppen machen, nicht mehr nur für die Älteren, die vielleicht lieber nur Volksmusik hören wollen.“ gibt sie sich selbstbewusst.

Auch die Frage nach musikalischen Vorbildern lässt Michelle Bönisch unbeantwortet. Sie möchte sich nicht an anderen Künstlern orientieren, sondern ihren eigenen Stil finden. In Jörg Lamster, ihrem Produzenten, hat sie einen Verbündeten gefunden, der aus ihrer ausgebildeten Stimme das Beste heraus holt. Er hat auch die beiden Musikvideos zu „Meilenweit“ und „Ultraleicht“ produziert.

Wer bei der Premiere von „Ultraleicht“ dabei sein möchte, sollte sich sputen. Karten für das exklusive Konzert gibt es im „Hornoer Krug“ (Telefon 03562-691555) oder in der Tourismus-Information Forst.

Natürlich ist das neue Album von Michelle Bönisch im Anschluss an die Veranstaltung für die Besucher noch vor dem offiziellen Verkaufsstart käuflich zu erwerben. Wer will, kann sich sein Exemplar auch gleich noch bei einer Autogrammstunde signieren lassen.

MDR begibt sich in Forst auf „Zeitreise“

Das bevorstehende 125jährige Jubiläum der Forster Stadteisenbahn, im Volksmund liebevoll „Schwarze Jule“ genannt, stößt auch überregional auf großes Interesse. So war am vergangenen Dienstag der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) für sein Geschichtsmagazin „Zeitreise“ auf den Spuren der Schwarzen Jule in Forst unterwegs. Besondere Erinnerungsstücke sind in diesem Sendeformat Ausgangspunkt für einen Sprung in die Vergangenheit, die von der NS-Zeit über das Leben in der DDR bis in die Nachwendezeit reichen kann.

Auf die Forster Jule stieß eine MDR-Redakteurin eher durch Zufall. In einem Leipziger Spielzeugladen entdeckte sie ein Modell der Forster Bahn und kam mit dem Verkäufer darüber ins Gespräch. Als ehemaliger Forster erzählte er von der Einmaligkeit der hiesigen Stadteisenbahn. Damit war die Neugier bei der Redakteurin geweckt und sie forschte im Internet nach weiteren Informationen zur Bahn. Nach einigen Telefonaten mit sachkundigen Einwohnern der Stadt wurde die Idee geboren, mit der Jule für den MDR auf „Zeitreise“ zu gehen.

„Wir wollten herausfinden, welche Beziehungen die Einwohner der Stadt zu ihrer Bahn heute haben und wie sie damals die Bahn hautnah erlebten.“, sagt Autorin Andrea Besser-Seuß von der Produktionsfirma „Werkblende“ zu den Beweggründen.

Mit Unterstützung des Museumsvereinsvereins der Stadt Forst konnte Zeitzeugen gewonnen werden, die ihre Erlebnisse mit der Bahn vor der Kamera schilderten. Als „Erinnerungsstück“ diente dabei ein Stück Gleis aus dem Fundus des Brandenburgischen Textilmuseums.

Andrea Besser-Seuß bespricht mit Wolfram Wortha und Karin Adam die nächste Einstellung

Karin Adam, heute in Döbern lebend, erinnerte sich an ihre Kindheit in Forst. Für sie war die Schwarze Jule immer ein Abenteuer. Oft versuchte sie, auf die Waggons zu klettern und heimlich ein Stück auf ihrem Schulweg, der an der Bahnstrecke lag, mitzufahren.

Wolfram Wortha war als Rangierer bei der Forster Stadteisenbahn beschäftigt und konnte viele Anekdoten aus seinem Berufsleben erzählen. Und Marion Hermann bewahrt das Erbe ihres Vaters Richard Zerbock, Lokführer bei der Stadteisenbahn, für die Nachwelt auf. Ihr ganz persönliches Erinnerungsstück ist eine Jule in Modelbahngröße Z, handgefertigt von ihrem Vater.

„Die Schilderungen der Zeitzeugen sind hochinteressant und für mich neu.“, sagt Andrea Besser-Seuß. „Man spürt aber auch bei den Leuten, mit denen ich auf meinem Bummel durch die Stadt ins Gespräch gekommen bin, die latente Unzufriedenheit nach dem Niedergang der Textilindustrie.“ Trotzdem sei sie begeistert von der Freundlichkeit und Offenheit der Forster. So gab es für die Dreharbeiten jede Menge Unterstützung von verschiedenen Einrichtungen wie der Stadtverwaltung oder dem Textilmuseum. Gedreht wurde in der Weststraße bei der ehemaligen Textima, im Textilmuseum, im Garten von Familie Zerbock/Hermann und natürlich auch an der einzig verbliebenen Original-Lok im Feuerwehrgerätehaus Mitte. „Die tatsächliche Größe der Lok hat mich sehr erstaunt“, versichert Andrea Besser-Seuß. „Aber sie ist wunderschön!“ Nur eine Frage blieb bis zum Ende ungelöst: woher stammt eigentlich der Name „Jule“?

Ausgestrahlt wird die „Zeitreise“ nach Forst in der gleichnamigen Sendung am 22. Mai um 21:15 Uhr im MDR-Fernsehen.

Forster Ruf geht um die Welt

Die Funkamateure des Ortsverbandes Forst (Lausitz) im Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. stellten am vergangenen Wochenende im Brandenburgischen Textilmuseum ihr Hobby vor. Mit dieser Aktion bereichern die Mitglieder des Ortsverbandes die vielfältigen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Jubiläum „125 Jahre Forster Stadteisenbahn“. Mit dem Sonderrufzeichen DM125FS, welches vom 1. April bis zum 30. Juni gültig ist, stellt die Clubstation Funkverbindungen in die gesamte Welt her. Eine 42 Meter lange und 8 Meter über dem Erdboden hängende Antenne sorgt für die notwendigen Kontakte.

Auf einer Weltkarte trägt Eberhard Roy, Ortsverbandsvorsitzender, jene Länder ein, die die Signale aus dem Forster Textilmuseum bestätigen. Aus 42 Ländern gab es seit Monatsanfang Rückmeldungen. Die weitesten Funksprüche wurden aus Australien, Indonesien und den USA empfangen. Wie gut der Empfang ist, hängt dabei u.a. vom Wetter ab. Auch die Sonnenwinde beeinflussen die magnetischen Felder, selbst kleinste Netzgeräte im Haushalt haben Einfluss auf die Übertragungsqualität.

Im Forster Ortsverband sind 9 Funkamateure organisiert, deutschlandweit etwa 37000. Hinzu kommen noch die privaten Funker, die vereinslos sind.

Neben dem Sprachfunk verständigen sich die Forster Funker vor allem per Telegrafie, besser bekannt unter dem Begriff Morsen. „Das Morsealphabet ist weltweit einheitlich, so dass man sich auch miteinander verständigen kann, selbst wenn man die jeweilige Landessprache nicht beherrscht.“, erklärt Hans Unger vom Forster Ortsverband. Neben ihm sitzt Wolfgang Plache am Sende-und Empfangsgerät und und tippt eifrig auf die Morsetaste. Er hält gerade Kontakt zu einem Funkamateur in Finnland.

Gefunkt wird an diesem Wochenende vom Museum aus auf einem 40-Meter-Band, welches eine Frequenz von 7 Megahertz hat, sowie auf dem 20-Meter-Band mit 14 Megahertz.

Innerhalb von 20 Minuten zählt Wolfgang Plache 13 Verbindungen nach Skandinavien und auf den Balkan. Die Funksprüche werden kurz gehalten. Der Funker am anderen Ende bestätigt das ankommende Rufzeichen, danach werden die Lesbarkeit der Buchstaben, die Signalstärke sowie die Tonqualität ausgetauscht.

Später tauschen beide Funkpartner sogenannte QSL-Karten als Funkbestätigung aus. Für die Aktion anlässlich des „Jule“-Jubiläums wurde eine spezielle QSL-Klapp-Karte entworfen. Sie zeigt auf dem Titelbild die „Schwarze Jule“, im Innenteil gibt es ein paar Informationen zur Forster Stadteisenbahn und auf der Rückseite quittieren die Forster Funker den Empfang des auswärtigen Funksignals. Die Karten werden dann gesammelt über die übergeordneten Verbände an die jeweilige Gegenstelle weitergeleitet. Auf dem selben Weg erhalten die Forster dann in einigen Wochen die QSL-Karten ihrer Gesprächspartner zugestellt.

Eberhard Roy hat in einem Ordner einige seiner schönsten Empfangskarten gesammelt. Mal sind darauf Stadtansichten zu sehen, mal Landschaften, dann wiederum aufwendig gestaltete Motive mit Reproduktionen. Selbst eine Empfangskarte in Blindenschrift zählt Eberhard Roy zu seinen Schätzen.

Das Forster Sonderrufzeichen „DM125FS“ lässt sich leicht erklären: DM ist das Länderkennzeichen für Deutschland, 125 bedeutet 125 Jahre und FS steht für Forster Stadteisenbahn.

Zum 100jährigen Bestehen des Ostdeutschen Rosengartens wurde auch schon eine Sonder-QSL-Karte herausgegeben, ebenso zur 750-Jahr-Feier und zum 100jährigen Rennbahn-Jubiläum.

Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen gibt es auch bei den Funkamateuren Wettbewerbe. So wird u.a. ermittelt, wer in einer bestimmten Zeit die meisten Funkkontakte aus einer bestimmten Region hat. Ein anderer Wettbewerb war z.B. die Sammlung von Funkkontakten ewiger Städte. Wer erfolgreich teilgenommen hat und seine Kontakte gezählt hat, kann ein Diplom beantragen, Eberhard Roy hat eine ganze Menge an Diplomen in seinem Ordner.

Am Wochenende lief in der Schweiz der „Helvetia Contest“. Schweizer Funker sollten möglichst viele Kontakte außerhalb der Schweiz sammeln. Wolfgang Plache hört über seine Kopfhörer den regen Funkverkehr. Als er die Lautsprecher seiner Sendeanlage anmacht, kann man gerade ein Funkgespräch zwischen einem Schweizer und einem Holländer mitverfolgen. Kurze Zeit später ist ein Israeli über den Äther zu hören.

Im Juli findet erstmalig in Deutschland eine Weltmeisterschaft für Amateurfunker statt. In der Region um Jessen an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt kämpfen Teilnehmer aus 40 Ländern um den Titel. „Forster hätten auch teilnehmen können!“, verrät Hans Unger. Man beschränke sich allerdings lieber darauf , während der WM zu Hause auf Empfang zu bleiben und den Teilnehmern dann später diesen Empfang zu bestätigen.

Wie viele andere Vereine haben auch die Funker ein Nachwuchsproblem. „Dabei ist Amateurfunk ein Freizeitbeschäftigung, die man bis ins hohe Alter betreiben kann.“, sagt Wolfgang Plache. Auch die Kosten seien überschaubar. So gebe es schon Einsteigermodelle für wenig Geld. Selbst die nicht so teuren Sendegeräte hätten eine ordentliche Leistung.

Das kann auch Silvio Hanschke bestätigen, der am Samstagnachmittag als einer der Wenigen den Forster Funkern im Textilmuseum einen Besuch abstattet. „Ich hatte mit Eberhard Roy Funkkontakt, da hat er mich zu dieser Veranstaltung eingeladen“. Silvio Hanschke funkt lieber mittels CB-Funk und hatte mit seiner Technik auch schon Verbindungen nach Übersee.

Eberhard Roy bedauert, dass nicht mehr Jugendliche Interesse für den Amateurfunk aufbringen. Er würde gerne Kontakt zu Schulen aufnehmen und die Funkerei näher vorstellen. „Funker sind selbst dann noch zu erreichen, wenn der gefürchtete Big Bang eintritt!“, ist sich Roy sicher. Im Falle des von Experten prognostizierten flächendeckenden Zusammenbruchs der Stromversorgung wären die Funker dank ihrer batteriebetriebenen Geräte die einzige Verbindung zur Außenwelt, schließlich wäre dann auch das Internet lahm gelegt.

Wer sich einmal selber über dieses interessante Hobby informieren möchte, hat noch an den Wochenenden 26./27.Mai sowie 23./24. Juni die Möglichkeit. Dann bauen die Forster Funkamateure erneut ihre Clubstation im Brandenburgischen Textilmuseum auf. Interessierte Besucher können sich dann selber einen Eindruck verschaffen, wohin der Ruf aus Forst geht. Und zur bleibenden Erinnerung erhalten die Besucher die Bestätigungskarte mit dem „Jule“-Motiv.