Kabarett-Mix im „Kuckuck“ sorgt für Zwerchfell-Attacken

Zur mittlerweile 8. „Langen Nacht des Kabaretts“ fanden sich am vergangenen Freitag wieder Humorsüchtige im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno ein. Damit auch möglichst viele Besucher in den Genuss dieses Kabarett-Marathons kommen können, verzichteten die Veranstalter auf die sonst übliche Clubatmosphäre mit 4er- und 6er Tischen und bestuhlten stattdessen in Reihe, so daß alle 104 erwartungsfrohen Zuschauer ausreichend Platz fanden.

Moderiert wurde die Show von Ilka Hein. Die MDR-Hörfunk-Moderatorin plauderte zunächst mit Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke über die Schwierigkeiten, jedes Jahr aufs Neue so einen Abend zu organisieren. „Unser Publikum hat sich inzwischen einen hohen Anspruch erarbeitet, dem gilt es gerecht zu werden!“, verrät Birgit Hendriske. Bei der Auswahl der Künstler vertraue sie auf ihr Bauchgefühl.

Ilka Hein ist jedoch nicht nur Moderatorin, sondern auch auf den Kleinkunstbühnen der Republik unterwegs. Im „Kuckuck“ brachte sie einige Hits von ABBA mit neuen, deutschen Texten zu Gehör. „Mamma Mia“ wurde so unter gesanglicher Unterstützung durch das Publikum zum Gebet einer Frau, die mit einem Verlierer als Ehemann bestraft ist. Aus „Super Trouper“ wurde der „Super Router“ und erzählt frivol und doppeldeutig die Geschichte, wie frau sich fühlt, wenn sie im Laden die neueste Telefontechnik erklärt bekommt.

Central-Kabarett

Andrè Bautzmann und Robert Günschmann vom Leipziger Central-Kabinett hatten sofort die Sympathien des Publikums erobert, kaum daß sie auf der Bühne waren. „Warm up für’s Burnout“ lautet der Titel ihres aktuellen Programms. In einer Mischung aus Politkabarett, Parodie und Gesang machen sie sich über Jeden und alles lustig. Die Attacken auf Flüchtlingsheime in Sachsen spielten ebenso eine Rolle wie die aktuelle Politik. Im Stile von „Dinner for One“ feuerten die Beiden als Wahrsagerin und deren Butler verkleidet ein Feuerwerk an Gags ab, daß den Zuschauern kaum Luft zum Erholen blieb. Egal ob „Schi-Scha-Schäuble“, die „Krampf-Fregatte“ und „Truppen-Uschi“ von der Leyen, „Fragnachkies, äh, Varoufakis“ oder die „getürkte Demokratie“ unter Erdogan – jeder bekam sein Fett weg. Bautzmann und Günschmann waren sich auch nicht zu schade, sich selbst auf den Arm zu nehmen. So hatten sie mehrmals den jeweils anderen Partner mit spontan eingebauten Witzen erst aus dem Konzept und dann zum Lachen gebracht, so daß die Dialoge häufig neu angesetzt werden mußten.

Besinnlicher wurde es bei den Auftritten von Liese-Lotte Lübke aus Hannover. Sie bezeichnet sich selbst als „Klavier-Kabarettistin“. Mit witzigen Texten, jedoch mit einem ernsten Unterton, brachte sie ihre Erlebnisse auf dem Amt zu Gehör. Dabei verarbeitete sie die ewige Warterei an der Rezeption sowie die ziemlich unpersönliche Beratung des Büromitarbeiters, den sie freundlich in ihr Programm einlud und mit den Worten „Kommen Sie nie wieder“ gleich wieder verabschiedete. Fast schon balladenhaft wurde es beim Lied um einen Traumfänger, der nachts in die Schlafzimmer eindringt und den Menschen ihre Träume stiehlt. Auch über unehrliche Höflichkeitsbekundungen sang Liese-Lotte Lübbke. Im Lied von der alten Dame verarbeitet Liese-Lotte Lübke symbolisch ihre eigenen Befindlichkeiten und Depressionen. „Das Lied ist für alle, die gegen ihren eigenen Dämon in sich kämpfen“, sagte Liese-Lotte Lübke in der Ankündigung dieses Liedes.

Lennart Schilgen

Songs ganz besonderer Art verspricht Lennart Schilgen aus Berlin: „Ich spiele heute für Sie Protestsongs, weniger solche, die zur Revolution aufrufen, sondern eher im Sinne von ‚Och menno!'“ Passend dazu singt Schilgen den „Liegenbleiber-Blues“, ein Lied über einen Typen, der es bevorzugt, das Leben etwas ruhiger anzugehen. „Ich bin Shouter in einer Black-Metal-Band, ich bin lauter als jedes Musikinstrument“, verkündet Lennart Schilgen anschließend voller Inbrunst und mit weinerlicher Stimme, sehr zum Gefallen der Zuschauer. Überhaupt stehen Schilgens Lieder, die textlich oft eine überraschende Wendung nehmen, im totalen Kontrast zu seiner Mimik und Gestik, die eigentlich immer das Gegenteil dessen darstellt, was er gerade singt. So auch im „Protestsong Brecht’scher Prägung“ gegen die Entschlossenheit. Den Abschluß seines Auftritts bilden Schilgens Neuinterpretationen von Ernst Jandls berühmten Gedicht „Ottos Mops“. So gibt es Varianten wie „Pauls Gaul“ oder „Gerds Pferd“ zu hören.

Umrahmt wird die „Lange Nacht des Kabaretts“ traditionell von einem reichhaltigen Fingerfood- und Dessert-Menü in den Pausen der mehrstündigen Veranstaltung. Auch in diesem Jahr hat sich das Küchenteam vom „Kuckuck“ wieder kulinarische Leckereien einfallen lassen.

Es war schon nach Mitternacht, als alle Künstler noch ein letztes Mal auftraten, um sich von ihrem Publikum zu verabschieden. Das Central-Kabarett nahm sich den Geburten-Rückgang zum Thema und präsentierte in Nachrichtenform das Aussterben der Deutschen. So wird in ein paar Jahren Cottbus mangels Einwohner zum Vorort von Forst erklärt, etwas später werden Dortmund, Gelsenkirchen und Leverkusen zum „Kohle-Pöttchen“ zusammengelegt, ehe die alten Römer ihre ehemaligen Besiedlungen wieder in Besitz nehmen. Ach, ja – auch die Eröffnung des Berliner Flughafens verzögert sich weiter, weil mittlerweile Wölfe und Braunbären das Gelände besiedelt haben.
„Das alles und noch viel mehr, würde sein, wenn die Welt ohne Deutschland wär'“ singen die beiden Kabarettisten in Anlehnung an Rio Reisers Hit „König von Deutschland“ und zählen mal so auf, was alles passiert wäre, hätte es die Deutschen nie gegeben.

Liese-Lotte Lübke bleibt es vorbehalten, kurz vor halb Eins den Abend zu beschliessen. Mit ihrem Lied vom Schwan, der in einer Straußenfarm aufwächst, endet nach fünf Stunden ein Marathon der guten Laune mit viel hintergründigem Humor, albernen Wortspielen und gut aufgelegten Künstlern, die aber auch die Klaviatur der ernsten (Unter-)Töne beherrschen.

Schon jetzt darf man gespannt sein, bei welchen Künstlern Birgit Hendrischke für die 9. „Lange Nacht des Kabaretts“ 2018 ihrem Bauchgefühl vertraut.

Michael Hirte zu Gast im Marktkauf Cottbus

Michael HirteIm Rahmen seiner Promotiontour für sein aktuelles Weihnachtsalbum „Frohe Weihnachten mit Michael Hirte“ machte der Musiker am heutigen Tag auf Einladung des „Marktkaufes“ auch Station im Cottbuser Lausitz-Park.

„Hallo Heimat“, grüßte der in Spremberg geborene Künstler die vielen Schaulustigen, die ihre Einkäufe unterbrachen und sich die Chance auf ein kostenloses Mini-Konzert mit dem „Supertalent“-Gewinner nicht entgehen ließen.

So stellte Michael Hirte u.a. neben der Coverversion von „Mary’s Boy Child“ von Boney M. auch den selbstkomponierten Titel „Lieber Niko, Nikolaus“ vor. Gut gelaunt erklärte er seine Spieltechnik auf der Mundharmonika, die ihn deutschlandweit bekannt gemacht hat, und gab Kostproben seines Könnens, indem er zwei Titel ohne musikalische Unterstützung anspielte.

Im Anschluß an seinen Kurzauftritt signierte der sympathische Musiker in einer Autogrammstunde CDs und Poster und stand für Fotos mit seinen Fans zur Verfügung.

„Ich bin nicht ohne Grund Schauspielerin geworden“ – Eine junge Künstlerin pendelt zwischen Provinz und Weltstadt

Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger des vergangenen Jahrtausends unterhält ein kleines Mädchen die Krankenschwestern im Eisenhüttenstädter Krankenhaus mit Phantasiegeschichten, z.B. die von Freunden des Mädchens, die am Nordpol wohnen und zu Besuch kommen würden.

Die Eltern der Kleinen waren zu der Zeit als Mediziner im Krankenhaus tätig und wenn es der Dienstplan nicht anders einrichten konnte, musste eben die kleine Cordula im Krankenhaus beaufsichtigt werden. Nach jedem Lied forderte das Mädchen von ihren Zuhörern den Applaus: „Klatscht mal alle!“.

Cordula HannsInzwischen ist aus dem kleinen Mädchen eine erwachsene Frau geworden. Cordula Hanns, in Eisenhüttenstadt groß geworden, zog hinaus in die weite Welt. Applaus erhält sie immer noch, nur muss sie sich den nicht mehr einfordern – Cordula Hanns ist mittlerweile staatlich anerkannte Schauspielerin und derzeit an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul engagiert.

Talent zum Schauspielern wurde ihr schon im Kurs „Darstellendes Spiel“ der Theater-AG des Fürstenberger Gymnasiums bescheinigt. Die Leiterin der AG hatte einen Berliner Regisseur eingeladen, dem das Spiel der Schülerin offensichtlich gefiel.

Eigentlich wollte Cordula Hanns wie ihre Eltern Medizin studieren. Als sie aber erfuhr, dass sie 11 Semester warten müsse, ehe sie dran kommt, entschied sie sich, es doch mit der Schauspielerei zu probieren.

Als es beim ersten Mal noch nicht klappte, nutzte Cordula Hanns freie Theater in Berlin zum Üben und bewarb sich ein Jahr später erfolgreich an der Berliner Schule für Schauspiel. 2008 begann sie mit dem Schauspiel-Studium.

Eine Dozentin an der Hochschule kannte Susan Batson, eine bei Hollywood-Größen bekannte und begehrte New Yorker Schauspiel-Trainerin mit eigenem Studio auf dem Times Square. Cordula Hanns machte sich in den Semesterferien auf nach New York. Sie wollte unbedingt diese Frau kennenlernen. Mit einem Text einer Schauspielübung vom Vortag ging sie am nächsten Tag zu einem Kurs mit Susan Batson selbst. Dann passierte etwas, das Cordula bis heute noch nicht so recht fassen kann: „Ich sollte am nächsten Tag bei der Agentin von Martin Scorsese, einem der berühmtesten Filmregisseure unserer Zeit, bei einem Casting vorsprechen! Das war eine tolle Erfahrung“, erzählt Cordula nicht ohne Stolz.

Die Zeit in New York möchte die Brandenburgerin nicht missen. „Man muss sich das mal vorstellen – da kommen Künstler aus der ganzen Welt, nur um zu üben. Und es kann passieren, dass plötzlich Juliette Binoche vor Dir steht, die dort ebenfalls probt, und Dich um Kritik bittet. Alles, was Du meinst, als Schauspieler nicht zu haben, bekommst Du dort innerhalb von 2 Tagen heraus.“

Auch in Italien sammelte Cordula Erfahrungen. Während ihres Schauspielstudiums wirkte sie in mehreren Aufführungen von Renato Capitani im „Teatro Tordinona“ in Rom mit.

2012 beendet Cordula Hanns ihr Studium erfolgreich. Die Zentrale Künstlervermittlung empfiehlt die nun ausgebildete Schauspielerin diversen Theatern, unter anderem auch den Landesbühnen Sachsen. Beim dortigen Vorsprechen hinterlässt Cordula einen unvergesslichen Eindruck. „Ich wollte eine Tür benutzen, die auf der Probebühne stand. Als ich die Tür auf und wieder zu machte, ging plötzlich die Alarmanlage los. Ich habe einfach weiter gespielt, bis man mich unterbrach, um die Alarmanlage wieder auszuschalten. Vielleicht haben mich die Landesbühnen deshalb genommen…“, amüsiert sich Cordula noch heute über diese Episode.

Cordula Hanns und Felix Lydike in "Lieder aus 1001 Nacht", einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen (c) Foto: Hagen König Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Cordula Hanns und Felix Lydike in „Lieder aus 1001 Nacht„, einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen
(c) Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Überhaupt ist Cordula Hanns eine Frohnatur. Sie lacht viel, meist über sich selbst, wenn sie an all die Geschichten aus ihrem Leben denkt. Berührungsängste hat sie keine, das macht sie sympathisch. Manchmal haut sie plötzlich einen Spruch raus und nimmt sich dabei selber auf den Arm. Die Gefahr, sich zu einer Theater-Diva zu entwickeln, besteht bei ihr nicht, dazu ist sie viel zu sehr geerdet. Als Multi-Talent ist Cordula ohnehin breit aufgestellt: neben der Schauspielkunst beherrscht sie das Cello-Spiel und hat zudem eine markante Gesangsstimme.

In Cordulas Vita stehen mittlerweile eine Menge Theaterstücke, in denen sie mitgespielt hat: „Kabale und Liebe“, „König Lear“, „Adam und Eva“ oder „Utopia“ sind nur eine kleine Auswahl. Sie mag die klassischen Rollen genauso wie die neuzeitlichen. „Wenn der Text eine gute Form hat und die Rollen schön ausgearbeitet sind, spiele ich beides sehr gerne.“ Zu ihren Lieblingsstücken gehören „Verbrennungen“ und „Wie im Himmel“. Im nächsten Jahr wird sie auf der Felsenbühne Rathen in „Winnetou I“ gemeinsam mit Schauspiel-Legende und Publikumsliebling Gojko Mitic auf der Bühne stehen, worauf sie sich schon jetzt freut.

Bei der unvermeidlichen Frage nach der Traumrolle überlegt sie lange: „Ich möchte immer das gerne spielen, was ich gerade nicht habe. Deshalb reizt es mich insbesondere, mal die Orsina oder Lady Milford zu spielen – wenn ich alt genug bin.“ Auch bei den Vorbildern gibt es keinen eindeutigen Favoriten. Cordula versucht, sich bei Kollegen und Familienmitgliedern das abzuschauen, was ihr in ihrer künstlerischen und persönlichen Entwicklung noch fehlt.

Momentan wohnt Cordula in Dresden. Hier schließt sich auch der Bogen zu ihrer eigenen Familiengeschichte und lässt sie für einen Moment nachdenklich werden. „Meine Oma hat 1945 die Bombardierung Dresdens miterlebt. Mit ihrem Kind im Kinderwagen, meiner Tante, gelang es ihr irgendwie, sich vor dem Feuersturm zu retten und die Stadt rechtzeitig zu verlassen“.

Ihre brandenburgischen Wurzeln hat Cordula nie verleugnet. „Eisenhüttenstadt ist meine Heimat!“, erklärt sie ohne lange nachzudenken. Ihre Eltern wohnen immer noch in der Stadt. Gerne würde Cordula später wieder hierher zurückkehren. Vielleicht ergibt sich ja ein Engagement an einem der Theater in der Nähe. „Im Staatstheater Cottbus würde ich sehr gerne spielen. Leider kann man das nicht selber entscheiden, ob man an einem Theater auch angenommen wird.“. Vorher will sie aber auf alle Fälle weiterhin die Welt erkunden.

Die Zeichen stehen ohnehin auf Veränderung. „Ich habe viele Pläne und eigene Projekte im Kopf, denn ich will für mich selber entscheiden, wann ich wie etwas mache! Aber über ungebratene Eier redet man bekanntlich nicht!“. Wieder so ein typischer Satz, bei dem man unweigerlich schmunzeln muss!

„Till Eulenspiegel lernt das Fliegen“, eine Inszenierung des Theaterzirkus Dresden, wäre so ein Projekt. Direktor Tom Quaas entwickelte für seine Mischung aus Theater und Zirkus eine völlig neue Bühnensprache. Cordula spielte bereits in diesem Jahr Eulenspiegels Gegenpart – sehr zum Wohlwollen der Kritiker. Weitere Aufführungen sind geplant.

Auch mit dem Gesangsduo „Kinbon & Kessmer“, zwei guten Freunden, würde Cordula gerne öfters zusammenarbeiten.

Gern erinnert sich sie an die Zeit direkt nach dem Schauspielstudium – noch ohne festes Engagement, offen für ungewöhnliche Projekte wie dem Spektakel „Shakespeare im Park“.

Im Görlitzer Park in Berlin unterhielt eine Art Wandertheater die Leute. Man spielte kurz ein Stück an und wechselte dann im Park den Auftrittsort. „Das waren alles tolle Menschen. Die Regisseure, ein Deutscher und zwei Amerikaner, waren intelligent, kreativ und witzig. Die Musiker waren total verrückte Künstler. Und beim Wechsel von einem Spielort zum nächsten begleiteten uns 300 – 500 Leute. Ich durfte damals meine ersten Erfahrungen als Schauspielerin sammeln und hatte viele nette Begegnungen. Das war eine unglaublich geile Zeit!“, schwärmt Cordula noch heute.

Viele meinten damals zu ihr, so ein Projekt – wobei jeder Einzelne Feuer und Flamme dafür ist – erlebt man nicht allzu oft. Anfangs wollte sie das nicht glauben, doch inzwischen bedauert sie ein wenig, dass es nicht noch mehr solcher Kunstprojekte gibt.

Cordula Hanns

Cordula Hanns (im weißen Kostüm) mit den Schauspiel-Kollegen Moritz Gabriel und Holger Thews sowie der Weinprinzessin Anna Bräunig während eines Fototermins anläßlich des 26. Herbst- und Weinfestes Radebeul

Man spürt beim Zuhören, hier ist jemand noch nicht am Ende seines Weges angekommen. Und man spürt Cordulas Leidenschaft für ihren Beruf. Die Karriere, die praktisch schon im Kindesalter vor ein paar Krankenschwestern des Eisenhüttenstädter Krankenhauses begann, ist sicher noch lange nicht beendet. Den Namen Cordula Hanns sollte man sich also unbedingt merken. Gut möglich, dass ihn Martin Scorseses Agentin schon wieder vergessen hat, aber man trifft sich ja bekanntlich zweimal im Leben…

IRRTÜMER werden zum Theater-Spektakel

logo-irrtuemer_iiiZum bereits dritten Mal lud die Landesbühne Sachsen in Radebeul zu einem Spektakel der besonderen Art: „IRRTÜMER III – MÄRCHEN UND MYTHEN“ – unter diesem Motto wurden an nur 5 Abenden im Oktober 2016 jeweils 9 Theaterstücke gezeigt, 6 davon als Uraufführung.

Die Grundidee ist genial, offenbart allerdings auch das Dilemma für den Zuschauer: Auf drei nacheinander liegenden Zeitebenen werden je drei Stücke an drei verschiedenen Orten des Hauses gezeigt. Der Besucher hat die Qual der Wahl und muß sich vorab entscheiden, welches Theaterstück er gerne besuchen möchte. Soll es eher Marionettenspiel sein oder lieber Musiktheater? Märchenerzählung oder Schauspiel? Opernparodie oder Liederabend? Haydn oder Shakespeare?

Der Zuschauer wird zum Programmdirektor und stellt sich seinen eigenen Theaterabend mit 3 Stücken zusammen – und muß schweren Herzens auf die anderen 6 Stücke verzichten (oder nochmal wiederkommen).

Die Entscheidung fällt angesichts der unterschiedlichen Genres nicht leicht. Wer letztendlich seine Auswahl getroffen hat, darf sich auf einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend freuen.

Schon am Eingang zur Landesbühne, der einer Höhlenöffnung nachempfunden wurde, wird man mit mystischer Musik und von drei schaurig-schönen, aber mit guten Umgangsformen ausgestatteten Waldgeistern in Empfang genommen und ins Innere des Hauses geleitet. Gedämpftes Licht und jede Menge schwarzes Lametta (das sich übrigens auch an den einzelnen Spielorten wiederfindet) erwartet den Besucher im Foyer. Bücher hängen von der Decke, überall erwartungsvolle Menschen.

Gespielt wird gleichzeitig sowohl im Saal als auch in der Studio- oder Probebühne. Auch die „Goldne Weintraube“ wird später zum Spielort. Die Stücke dauern meist 60 Minuten, anschließend gibt es eine dreißigminütige Umbaupause. Zeit genug für eine kleine Stärkung im Foyer.

Ein Gast sorgt für besonderes Aufsehen. Eine rüstige Seniorin mit einem klitzekleinen Alkoholproblem mischt sich unters Volk und verwickelt die Besucher sehr zum Gaudi der Umstehenden in Gespräche. Puppenspielerin Kora Tscherning haucht meisterhaft ihrer Großpuppe menschliches Leben ein.

In der kleinen Studiobühne läuft die berührende Geschichte DAS KIND DER SEEHUNDFRAU in der Inszenierung von Klaus-Peter Fischer, basierend auf einem grönländischen Inuit-Märchen.

Oruk, ein Fischerjunge, lebt mit seinen Eltern in einer einsamen Hütte am Eismeer. Er weiß nicht, dass seine Mutter eigentlich eine „Seehundfrau“ ist, die durch ein Versprechen von Oruks Vater menschliche Gestalt annahm. Als die im Versprechen vereinbarten sieben Jahre um sind, wird die Mutter sehr schwer krank. Der Vater weigert sich, sein Versprechen einzulösen und seiner Seehundfrau ihr Fell zurückzugeben. Erst als sich Oruk ernsthaft Sorgen macht und den Ausreden seines Vaters keinen Glauben mehr schenkt, gelingt es ihm, seine Mutter zu retten. Nicht wissend, dass er sich trotzdem von ihr verabschieden muss…

Jana Frey und Grian Duesberg verkörpern Oruks Familie. Unterstützt werden sie von drei Musikern, die immer wieder in den Fortgang der Handlung eingreifen und darüber hinaus auf ungewöhnlichen Materialien wie Duschschläuchen, Sägeblättern oder einem Stahlcello Töne und Melodien erzeugen.

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Jana Frey und Grian Duesberg
Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Und wo eben noch das mit wenigen Requisiten gestaltete Eismeer war, entsteht nach der Pause ein opulentes Bühnenbild mit vielen Grünpflanzen, welches die Kulisse bildet für Peter Ensikats Schauspiel „HANS IM GLÜCK“, basierend auf dem bekannten Märchen der Brüder Grimm und in der Inszenierung von Peter Kube.

Nur dass diesmal Hans mit seinem zweiten Ich konfrontiert wird. Hans II sieht sein Glück darin, alles zu besitzen, auch das, was Hans I nicht mehr wichtig ist. Und so wechseln Goldklumpen, Pferd, Kuh, Schwein und Gans öfters den Besitzer. Nur mit dem Glücklichsein ist das so eine Sache…

Michael Berndt-Cananà und Holger Uwe Thews verkörpern den Hans auf der Suche nach dem Glück. An ihrer Seite Sandra Maria Huimann. Fast schon mit stoischer Teilnahmslosigkeit steht sie als Pferd, hat als Kuh die Ruhe weg, flitzt als Schwein über die Bühne und betört den Hans als Gans.

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Michael-Berndt-Cananà als Hans und Sandra Maria Huimann als Pferd „Passionata“
Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Neben den Pointen, die sich aus dem Spiel der drei Darsteller ergeben, sorgen viele bekannte (Lied-)Zitate für Lacher im Publikum. Man ist sich auch nicht zu schade, jedes Wortspiel in Bezug auf die Tiere mitzunehmen – vom „dummen Schwein“ bis zur „blöden Gans“.

Das Bühnenbild und die Kostüme wurden von Mona Hartmann und Susanne Wilk, beide Studierende der TU Berlin, entworfen.

Wohl dem, der den Abend in der „Goldnen Weintraube“ ausklingen ließ und dabei LIEDER AUS TAUSEND UND EINER NACHT (Inszenierung Gisela Kahl, Musikalische Leitung Uwe Zimmermann) hörte.

Die Theaterkantine der Landesbühne wurde zur Bühne für einen Liederabend der Extraklasse, der Tresen zum Treffpunkt für Verliebte, Gescheiterte und Träumer.

Cordula Hans überzeugte als „Solo Sunny“ und sorgte mit ihrer Version von Rammsteins „Seemann“ für Gänsehaut. Felix Lydicke besingt Renfts „Apfeltraum“ und wünscht sich „Another Day In Paradise“. Anke Teickner als Bardame hat die Lacher auf ihrer Seite – wenn sie ihrem Egon sagt, daß sie nur aus Liebe zu ihm ein Glas zu viel getrunken hat, bleibt kein Auge trocken. Sylke Guhr ist für die klassischen Tonlagen zuständig und besingt u.a. das trostlose Leben einer Bordsteinschwalbe. Und den Mann von Welt spielt und besingt Olaf Hörbe. Seine Darstellung des Charmeurs wirkt wie eine Mischung aus Frank Sinatra, Harald Juntke und Armin Müller-Stahl.

Hier in der Bar, wo solch skurrile Typen anzutreffen sind, darf natürlich eine Person nicht fehlen. Und so verwundert es auch nicht, als plötzlich die schon beschriebene Oma auf der Bühne Platz nimmt und von hier aus das Programm verfolgt, nicht ohne sich hin und wieder einen kleinen Schluck aus ihrem Flachmann zu genehmigen. Aber am Ende wird es auch auch für sie rote Rosen regnen.

Nicht zu vergessen Uwe Zimmermann am Klavier und Eckart Poser an der Gitarre. Gerade Letzterer zaubert einige Gitarrenklänge zum Dahinschmezen.

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v.l.n.r.: Olaf Hörbe, Uwe Zimmermann, Cordula Hanns, Anke Teickner, Felix Lydicke, Silke Guhr und Kora Tscherning
Foto: (c) Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Bleibt eigentlich nur noch allen Beteiligten vor, auf und hinter den Bühnen Danke zu sagen für fünf wundervolle Theaterabende. Manchmal können IRRTÜMER auch etwas Schönes sein…

Quelle Logo: Landesbühnen Sachsen

Ein Sonnenkind auf Tour

Im Rahmen ihrer Promotiontour für ihr aktuelles Album „Sonnenkind“ machte Schlagersängerin Linda Hesse am heutigen Tag auf Einladung des „Marktkaufes“ auch Station im Cottbuser Lausitz-Park.

Seit dem 8. Juli ist Linda Hesses 3. Album im Handel erhältlich und stieg bis auf Platz 15 der Deutschen Album-Charts, womit sie aktuell die beste weibliche Sängerin ist. Vor ihr rangieren nur männliche Gesangsinterpreten.Linda Hesse

Unterstützt wurde Linda Hesse bei ihrem Kurzauftritt von ihrem musikalischen Leiter Andrè Franke sowie Backgroundsängerin Isabel Livia Wilhayn.

„Pessimisten werden mit diesem Album keine Freude haben!“, versprach Linda – zu positiv gestimmt sind die 11 neuen Lieder. Neben guten tanzbaren Rhythmen mit Hit-Potenzial wie „Nein“ (der ideale Titel zum Line Dancen auf Country-Feten) und „Bitte mach’s nicht kaputt“ gibt es auch sanfte Balladen: „Nach dem Regen“ erinnert stark an den Rosenstolz-Hit „Gib mir Sonne“ und sorgt in der Akustik-Version (ebenfalls auf dem Album) für Gänsehaut. Bei „Sommerwiese“ hat man im Chorus das Gefühl, Dieter Bohlen wird parodiert. Und – je öfter man das Album hört, umso einprägsamer wird es. Dieses „Bitte, bitte“ verfolgt einen noch Tage später….

In der limitierten Fan-Box sind neben dem Album eine DVD, ein Plakat, ein Freundschaftsarmband, passend für die Sonnenkinder etwas Sonnenblumensamen sowie eine ganz spezielle Autogrammkarte enthalten. Was es damit auf sich hat, verriet Linda Hesse ebenfalls den vielen Zuschauern vor der kleinen Bühne.

Bei der anschließenden Autogrammstunde signierte die sympathische Sängerin CDs und Poster und stand für Fotos mit ihren Fans zur Verfügung.Linda Hesse

Am Abend war noch eine weitere Autogrammstunde im Marktkauf in Lauchhammer geplant.

Mehr Informationen und Termine unter www.linda-hesse.de

Auf dem Sprung in den Schlager-Olymp – Warum aus Frencis wieder Franziska Wiese wurde

Nicht schlecht gestaunt haben dürften einige Zuschauer, als in der ARD-Fernsehsendung „Das große Schlagerfest“ mit Florian Silbereisen eine Newcomerin vorgestellt wurde: Franziska Wiese. Das ist doch….? Genau, eine hier in der Region bekannte Sängerin, allerdings eher bekannt als Frencis.

Aber aus Frencis wurde Anfang des Jahres wieder Franziska Wiese, so der bürgerliche Namen der charmanten Sprembergerin. Viel hat sich seitdem im Leben von Frencis, pardon, Franziska Wiese geändert.Franziska Wiese

Schon als Kind nahm Franziska Wiese Violinunterricht an der Musikschule Spremberg und später am Cottbuser Konservatorium. Sie spielte im Südbrandenburgischen Kinder- und Jugendstreichorchester sowie in einem internationalen Jugendorchester. Parallel dazu faszinierte sie auch der Chorgesang. Mit 16 legte Franziska die Geige zur Seite. Schule und später berufliche Ausbildung hatten Vorrang. Am Cottbuser Oberstufenzentrum machte sie ihr fachgebundenes Abitur und begann danach in der Spremberger Stadtverwaltung eine Lehre als Verwaltungsangestellte. In Ihr schlummerte jedoch schon lange ein Wunsch: „Beim Spremberger Heimatfest gab es für Sänger der Musikschule die Möglichkeit auf der großen Freilichtbühne vor Publikum auftreten. Da wollte ich auch stehen!“ Dies war für Sie die Motivation das Fach Gesang an der Musikschule zu belegen.
Nach der Ausbildung wechselte Franziska Wiese zum Landkreis Spree-Neiße und arbeite im Jobcenter. „Ich wollte mit Menschen zusammenarbeiten, wollte viel Bürgerkontakt haben.“, verrät sie. Leider war der Job auch mit viel Papierkram verbunden.
Franziska konnte nicht mehr so kreativ sein, wie sie wollte. Drei Jahre trat sie neben dem Job als Sängerin Frencis auf, bis sie sich 2013 dazu entschied, ihre Karriere voranzutreiben und sich in Zukunft nur noch der Musik zu widmen. Aus einem Hobby wurde ein Beruf. Viele Auftritte bei Stadtfesten, Betriebsveranstaltungen und Galas folgten.

Franziskas Mutti kümmerte sich derweil um die Buchungsanfragen. Sie war es auch, die ihrer Tochter riet, mal etwas Eigenes zu singen statt immer nur Coverversionen. Eine Sängerin müsse sich auch weiterentwickeln.
Emsig wurden Mails an Veranstalter und Produzenten geschickt. Eine dieser Mails wurde an Veronika Jarzombek weitergeleitet.

Seit 38 Jahren ist Veronika Jarzombek als Künstlermanagerin tätig und hat ein Gespür für hoffnungsvolle Talente. Zu DDR-Zeiten entdeckte sie u.a die „M.-Jones-Band“ und „Rosalili“ (die erste Band der „Puhdys“-Söhne). Zu Jarzombeks größten Entdeckungen gehören auch solch bekannte Künstlerinnen wie Yvonne Catterfeld oder Linda Hesse.
„Franziska hat etwas Außergewöhnliches in der Stimme!“, schwärmt die Managerin und nahm Frencis unter Vertrag. Durch sie kam u.a. die Zusammenarbeit mit dem Sänger und Produzenten André Stade zustande. Er erkannte ihr schöpferisches Talent und sie erarbeiteten gemeinsam Songs, wobei ihr Lieblingsinstrument – die Geige, einen besonderen Stellenwert einnahm. Die Mischung aus Gesang und Geigenspiel gaben dem Musikprojekt eine Einmaligkeit, die Franziska zum Plattenvertrag verhalf.

Veronika Jarzombek machte Frencis mit dem Sänger und Produzenten André Stade bekannt. Gemeinsam nahm man im Tonstudio ein paar Demo-Songs auf, mit denen man sich bei den großen Plattenfirmen vorstellen wollte. Zwar wollte Franziska, die inzwischen ihren Künstlernamen Frencis abgelegt hatte, nur singen, erwähnte aber beiläufig, dass sie auch Geige spielen könne. Sofort wurde ausprobiert, wie es klingt, wenn Franziskas Gesang und ihr Violinspiel zusammenkommen.

Mit 6 produzierten Demo-Songs fuhr Franziska zum Plattenmeeting, damit sich die Verantwortlichen ein Bild von ihr und ihrem Talent machen konnten. Sogar mit der Geige spielte sie vor. Das Ergebnis: ein Plattenvertrag bei „Electrola“, einem Label der „Universal Music“, und viele Stunden im Tonstudio, um Titel für das Album einzusingen.

Franziskas erstes Album mit dem schönen Titel „Sinfonie der Träume“ erscheint voraussichtlich Ende Juli. Produziert wurde es von André Stade und Thorsten Brötzmann als Co-Produzent. An den Texten hat Franziska mitgeschrieben, ebenso an den Melodien. Immer zu hören ist auch ihre Violine. „Die Musikrichtung lässt sich schwer einordnen. Es ist ein Mix aus Pop, Schlager, einigen Ethno-Einflüssen und auch orchestralen Klängen“, sagt Franziska. Crossover – so lautet der Fachbegriff, also das Ineinandergreifen verschiedenster Stile. Franziska und ihr Team hoffen, sich so ein wenig von der Konkurrenz abzuheben, wobei sie den Begriff „Konkurrenz“ überhaupt nicht mag. Dazu ist Franziska noch zu neu im großen Musikgeschäft und muß sich ihren Platz in der Branche erst noch erarbeiten!
Der Anfang ist jedoch schon gemacht: Die erste Single-Auskopplung „Ich bin frei“, ein sehr persönlicher Titel, läuft seit April sehr erfolgreich in den Radio-Hitparaden. In den deutschen „Airplay-Charts (konservativ)“, der Hitliste der am meisten im Radio gespielten Titel, stieg „Ich bin frei“ bis auf Platz 5 und hält sich dort weiterhin auf vorderen Plätzen. Vor ihr platziert waren nur Matthias Reim, Nicole, Andrea Berg und Vanessa Mai. Franziska Wiese spielt auf einmal auch für sie überraschend in einer für sie völlig neuen Liga: „Man kann sich kaum vorstellen, dass man plötzlich mit solchen Giganten wie Andrea Berg im direkten Wettbewerb steht! Jetzt freue mich schon wahnsinnig auf die Veröffentlichung meines ersten Albums. Ich möchte unbedingt einmal meinen Namen in den TOP 100 der meistverkauften Alben lesen!“

Den Ritterschlag erhielt Franziska Wiese am 16. April 2016 in der Fernsehsendung „Das große Schlagerfest“ mit Florian Silbereisen. Als Newcomerin vorgestellt, verzauberte Franziska das Publikum. Über 5 Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten verfolgten den Auftritt Franziskas. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie unheimlich nervös ich war. Viele Künstler wollen in die Sendung und schaffen es ein Leben lang nicht. Das ist Deutschlands erfolgreichste Abendshow, die live ausgestrahlt wird. Wenn Du dort einen Fehler machst, sehen ihn alle Zuschauer und Du kannst ihn nicht rückgängig machen!“ Trotz Nervosität und der Anwesenheit berühmter Musiker-Kollegen – Franziskas Auftritt war fehlerlos und sorgte für einen Popularitätsschub.

Viele, vor allem ältere Spremberger Zuschauer aus Silbereisens Zielgruppe, erkannten die Sängerin im Fernsehen wieder und berichteten im Bekanntenkreis darüber. Durch die mediale Präsenz wurde Franziska mittlerweile deutschlandweit bekannt. Ihre Spremberger Herkunft verleugnet sich dabei nie. Zwar wohnt sie inzwischen in Berlin, besucht aber fast 14-tägig ihre Heimatstadt, bummelt gern durch die Lange Straße und besucht ihren immer noch vorhandenen Freundeskreis, der bei den Hitparaden fleißig für Franziska votet.
Franziska WieseFür die ARD-Dokumentation „Schlagerland Deutschland“ stand sie mehrmals vor der Kamera. Wie ein roter Faden zieht sich Franziskas musikalische Karriere durch den Film. Gezeigt wird nicht nur die Wandlung von Frencis zu Franziska, sondern auch ihr Alltag im Tonstudio und ihr Weg vom Newcomer zu einer anerkannten Künstlerin.
Gedreht wurde auch in Spremberg, u.a. an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung. Die Ausstrahlung der 90minütigen Dokumentation ist für den Herbst geplant.

Aber bringt der Karrieresprung nicht auch Nachteile mit sich? „Viele Veranstalter wissen gar nicht, dass ich nicht mehr unter dem Namen Frencis auftrete und wundern sich, dass nichts mehr von Frencis zu hören ist“, wünscht sich Franziska mehr mediale Aufmerksamkeit. Auch ihre Managerin Veronika Jarzombek hat so ihre Erfahrungen: „Man hat irgendwie das Gefühl, dass in Brandenburg einheimische Künstler zu wenig als Solche wahrgenommen werden. In anderen Bundesländern erhalten überregional bekannt gewordenen Künstler viel mehr Anerkennung. Dabei sollte eine Region doch stolz auf ihre Künstler sein, die auch nicht zu unterschätzende Werbeträger für eine Stadt oder Region sind!“

Franziska geht gelassen mit ihrer neuen Popularität um, das langsam zunehmende Medieninteresse schreckt sie keinesfalls ab. Sie freut sich auf das, was da auf sie zu kommt. Für das neue Album „Sinfonie der Träume“ wird es eine Promotion-Tour durch die Funkhäuser geben, auch eine Autogrammstunden-Tour ist geplant. Hinzu kommen weiterhin Auftritte in zuschauerstarken Fernsehshows wie z.B. am 3.6. MDR „Meine Schlagerwelt mit Ross Antony“, 26.6. „ZDF-Fernsehgarten“, am 9.7.MDR „Die Schlager des Sommers“ mit Florian Silbereisen, oder am 24.7. ARD „Immer wieder Sonntags“.

Auch hierzulande kann man Franziska Wiese live erleben. Am 20. August ist sie Gast beim Mieterfest der Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft. Zuvor steht Franziska am 19.6. beim Johannismarkt in Straupitz, oder auch am 16.7. in Sophienthal auf der Bühne.

Gut möglich, dass bis dahin die fragenden Gesichter weniger und die Fans zahlreicher geworden sind. Und aus Frencis ist endgültig Franziska Wiese geworden – eine Lausitzerin, die den Sprung ins Haifischbecken namens „Showbusiness“ gemeistert und rasend schnell die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklommen hat. Und die trotz neuem Umfelds und vielen neuen Möglichkeiten, die ihre Popularität nun bietet, bodenständig und heimatverbunden geblieben ist

Genre-Mix sorgt für humorvollen Abend

Zur siebten „Langen Nacht des Kabaretts“ versammelten sich wieder Kleinkünstler unterschiedlicher Genres auf der kleinen Kabarett-Bühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno. Unter den Besuchern waren viele Stammgäste, die wieder einen bunten Mix aus Kabarett, Poetry Slam und musikalischen Einlagen erlebten.
Wie in den Jahren zuvor blieb geheim, wer an diesem Abend auftreten sollte. Gespannt wartete das Publikum, wer als erster die Bühne betreten würde.

Das „Ensemble Weltkritik“, sächsische Vertreter des klassischen Kabaretts, eröffnete den bunten Reigen. Gut vorbereitet machten sich Bettina Prokert und Maxim-Alexander Hofmann über lokale Themen lustig und gewannen sofort das Publikum. Bevor Forst in die Blütezeit der 80er Jahre abdriftet, müssten verschenkte Potenziale aktiviert werden. Groß Jamno hat zwar einen See, aber immer noch keine Seebühne. Und bei soviel Wald rings ums Forst fehlt ein Baumwipfelpfad. Auch ein neuer City Slogan könne nicht schaden. „Weltkritik“ machte auch gleich einen Vorschlag und befragte dazu Zuschauer Torsten. Das Ergebnis lautet: „Forst – Torsten gefällt’s…“. Wie sich kurz darauf herausstellte: „…in Spremberg besser!“

2016-02-26_Lange Kabarettnacht_(c)Thoralf Haß_001Tilmann Birr ist gebürtiger Hesse, wohnt aber in Berlin. Als ehemaliger „Stadtbilderklärer“ erzählte er von seinen Erlebnissen mit einem bayrischen Touristen, der unbedingt etwas wissen wollte, aber von niemanden verstanden wurde. Auch aus seiner Zeit in einer WG hatte Tillmann Birr Episoden parat. Besonders seine kopulierenden Wohngenossinnen boten genügend Stoff für amüsante Geschichten.

Geschichten und Gedichte verfasst auch Clara Nielsen. Die Kielerin ist Poetry Slammerin, gehörte der deutschen Slamnationalmannschaft an und wurde bereits vom Goethe-Institut nach Rom und Lissabon eingeladen. „Klitzekleine Gedichte“ sind ihre Spezialität: „Liebst Du mich wie ich Dich, liebst Du mich nicht“. Nielsens Gedichte sind Poesie pur, mal mit Wortspielen, mal mit einem überraschenden Ende, mal philosophisch, immer ein wenig kokett oder bissig. Mucksmäuschenstill wurde es immer dann, wenn diese zierliche Person mit der samtweichen Stimme eines ihrer Werke vortrug. Was wie ein romantisches Liebesgedicht beginnt, endet bei Clara schon mal mit der schonungslosen Abrechnung mit dem ehemals Herzallerliebsten.
Aber Clara Nielsen hatte nicht nur Gedichte mitgebracht, sondern auch Geschichten aus ihrer Vergangenheit. „Das einzige böse, was ich mal getan habe, war ein Klingelstreich! Bei meiner Oma! Und ich habe vergessen, wegzurennen!“ Überhaupt war früher angeblich alles besser: „Als der erste Zug von Nürnberg nach Fürth fuhr, wurde die Bahn noch von freudigen Menschen mit Blumen erwartet.“

Nach einer kurzen Pause, in der man sich mit Fingerfood aus der „Kuckucks“-Küche stärken konnte, ging es mit Frank Grischek weiter. Er selber nennt sich Akkordeonist und „freut sich, hier heute Abend auftreten zu müssen!“. Seine gespielte schlechte Laune ist Programm. „Erfolg muss ja kein Feuerwerk sein“, gab er bekannt und erzählte lieber von seinem ersten Auftritt bei Tante Lottis 50. Geburtstag. Zum 60. war er seinen Eltern immer noch peinlich, zum 70. wurde er gar nicht mehr eingeladen. „Vielleicht kommt ja heute Abend mein Durchbruch!“, hoffte er.

Tilmann Birr, der zunächst den Holzfäller-Blues sang, sorgte anschließend mit eine Dialogszene für riesiges Gelächter. Ein Polizist mit typisch Berliner Schnauze und ein Tourist, dem man den Geldbeutel geklaut hatte, lieferten sich witzige Wortduelle. Dabei wollte der Tourist nur eine Anzeige aufgeben. „Da müssen Sie zur Zeitung gehen!“, konterte der Polizist. „Dann will ich eben Anzeige erstatten!“, sagt der Tourist, worauf der Polizist antwortet: „Von uns kriegen’se ja nichts erstattet!“

Das „Ensemble Weltkritik“ bekam zu Beginn seines Blockes die Krise. So zumindest der Titel eines Liedes, das spontan die aktuellen Geschehnisse in Deutschland und auch an diesem langen Kabarettabend zusammenfasste. Da wurden Flüchtlinge willkommen geheißen, denn schließlich hat das Tradition: Es gibt ja schon lange die „Deutsche Ayshe“. Und Pegida heißt nichts anderes als „Peinliche Eingeborene gefährden Dresdens Ansehen“. Bikininixe Pamela Anderson ist übrigens die Namensgeberin für Groß Bade-Mäusl.

Nachdem Frank Grischek eine kurze Einführung in die Irish Folk Music gab (bei der bei den Zuschauern ein leichtes Wippen mit den Füssen nicht zu übersehen war) und Clara Nielson noch einmal erzählte, wie sie die Pubertät verweigerte und abschließend den guten Tipp gab: „Wer abnehmen will, muss erst mal zunehmen. Denn dicke Menschen können mehr Kalorien verbrennen!“, zeigte „Ensemble Weltkritik“ einen Ausschnitt einer Paartherapie-Sitzung. SIE will ja im Schlafzimmer gerne etwas Spielzeug, aber dass ER die Eisenbahnplatte aufbaut, geht dann doch zu weit. Überhaupt, wieso schenkt ER IHR Rosen zu Halloween?

Im großen Finale stellte Frank Grischek fest, dass das Eintrittsgeld für diesen Abend nun, nach 4 ½ Stunden, abgelaufen sei. Mit dem gemeinsamen Gesang des „Sandmannliedes“ unter Mitwirkung des Publikums verabschiedeten sich die Künstler von der Bühne, nicht ohne auf den „Offline-Shop“ im Foyer hinzuweisen, wo Bücher und CDs der Künstler erworben werden konnten.

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v.l.n.r.: Frank Grischek, Tilmann Birr, Clara Nielsen, Ensemble Weltkritik

So verschieden, wie Geschmäcker sein können, so unterschiedlich kamen die Künstler bei den Zuschauern an. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, der Mix kam beim Publikum an, wie die Reaktionen zeigten. Künstler und Publikum kamen in den Pausen und nach der Veranstaltung ins Gespräch. Zufrieden zeigte sich auch Birgit Hendrischke, die für die Organisation des Abends verantwortlich war. Ihre Auswahl der auftretenden Künstler war der Garant für einen wirklich unterhaltsamen Abend.

Ein kleiner Mann und eine große Portion Humor

Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke benötigte nicht viele Worte, um den Entertainer Kalle Pohl auf der Kabarettbühne im „Kuckuck“ zu begrüßen. Die rheinische Frohnatur machte hier für zwei Abende mit seinem aktuellen Programm „Selfi in Delfi“ Station. Vielen der Gäste ist Kalle Pohl aus der TV-Sendung „7 Tage – 7 Köpfe“ wohlbekannt. Auch im Münsteraner Tatort war er schon zu sehen. Viel lieber bespielt Kalle Pohl aber die Kleinkunstbühnen der Republik.

Schon bei den ersten Worten springt der Funke auf das Publikum über. Kalle Pohl deutet an, wohin die Reise in den nächsten Stunden geht. Der aktuelle Selfie-Wahn ist dabei nur der Aufmacher. „Selfies sind nicht anderes als Selbstbefriedigung. Die meisten fotografieren den wichtigsten Menschen – sich selbst. Der Rest fotografiert das Essen!“ empört sich Pohl über die Handy-Generation. „Da ist es auch kein Wunder, dass sogar bei Fotos von Weltkulturerbestätten immer ein Kopf die Sehenswürdigkeit verdeckt!“.
Für alles Mögliche gibt es mittlerweile eine App – nur nicht fürs Kinderkriegen. Aber er habe schon die Lösung: Ein Baby-Handbuch – natürlich zielgruppengerecht geschrieben nur in halben Sätzen und ohne Rücksicht auf die Grammatik.

Kalle PohlNicht fehlen darf in Pohls Programmen seine Familie: Tante Mimi, die in der Arztpraxis ungefragt den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Welt der Promis erzählt; seine Nichte Jennifer, die sich darüber beschwert, dass sie mit 14 noch nicht in die Disco gehen darf.und natürlich Kalle Pohls berühmt-berüchtigter Vetter Hein Spack, der jeden – egal ob Freund oder Feind – mit „Dummsau“ anredet. Gerade die Geschichten von Hein Spack sorgen immer wieder für großes Gelächter. Kann ja mal passieren, dass man das Waffeleisen mit den Kopfhörern verwechselt. Und „Russisch Ballett“ hat auch nichts mit Russisch Roulette zu tun

Kalle Pohl wechselt im Laufe des Programms in den Rollen hin und her. Mal ist Hein Spack in einer Talkshow mit Günther Lauch zu Gast, wenig später spielt Tante Mini die Hauptrolle im „Tarzan“-Musical.
Zwischendurch schnappt sich Kalle Pohl sein Akkordeon.und singt Lieder über Urlauber, die in die falsche Richtung reisen („Falscher Dampfer, falscher Flug – trotzdem steigt man doch nicht aus!“) oder über die nervigen Animateure Heiko, Meike und Max. („Die sind schuld, dass viele Urlauber schon vor dem Frühstück anfangen zu saufen!“)

Kalle Pohl bezeichnet sich selbst als Komödiant, auch wenn diese Spezies mittlerweile fast ausgestorben und von Stand-Up-Comedians abgelöst worden ist. Und bevor die Zuschauer über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nachgedacht haben, parodiert Pohl den „Pass‘ uff! Kennste, kennste?“-Kollegen aus Berlin. Auch wenn der Name Mario Barth nie fällt, weiß jeder im Saal, wer gemeint ist.
Ebenfalls ihr Fett weg kriegen die vielen Kochshows im Fernsehen – „egal ob mit oder ohne Schnauzer!“. Pohl mache sich da aber viel mehr Sorgen um die Hygiene, „oder haben Sie schon mal gesehen, dass die sich da die Hände waschen?“ Auch die Inhalte sind schwer zu ertragen: „Meinetwegen sollen die kochen, aber wenigstens den Mund könnten sie halten!“, frotzelt Pohl sehr zur Freude der Besucher im Saal.

Das Publikum will mehr davon und fordert immer wieder Zugaben. Seine Art, sich selber nicht zu ernst zu nehmen und sich auch auf das Publikum einzulassen, kommt an. Längst ist das Programm komplett durchgespielt. „Dann fangen wir eben wieder von vorne an!“, kündigt Kalle Pohl an. Aber er belässt es bei einem Gedicht, passend zur Jahreszeit: „Frühling!“ – „schließlich kann man so ein Gedicht nicht nur für ein Quartal schreiben!“.

Nach der vierten Zugabe ist dann leider endgültig Schluss. Der kleine Mann mit dem großen Humor verabschiedet sich von den Gästen, nicht ohne noch zahlreiche Autogramme zu schreiben.

Kalle Pohl„Das Publikum hier ist einsame Spitze!“, schwärmt Kalle Pohl im Anschluss. „Ich habe vorige Woche in Zwickau gespielt, da konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen, ob alle Beerdigungen auf einen Tag fallen, so lau war die Stimmung dort.“
Er spiele gerne in kleineren Kulturstätten. „Es bringt ja nichts, wenn ich vor 1000 Leuten spiele und die in der letzten Reihe sehen und hören nichts.“ Im gleichen Atemzug lobt Kalle Pohl den „Kuckuck“, weil er es geschafft hat, hier eine kleine Kulturoase zu etablieren, zu der die Künstler immer wieder gerne zurück kommen.

Gut möglich also, dass Tante Mimi, Hein Spack, vor allem aber Kalle Pohl nicht zum letzten Mal im „Kuckuck“ auftraten.

Kunterbunt, albern und voller Spielfreude – Pippi Langstrumpf erobert die Herzen der Zuschauer im Cottbuser Staatstheater

Astrid Lindgrens Geschichten über die Abenteuer von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, besser bekannt als Pippi Langstrumpf, gehören inzwischen zur Weltliteratur und dürften den meisten bekannt sein.

Pippi „besetzt“ ein leerstehendes Gebäude in der beschaulichen schwedischen Provinz, malt es bunt an und zieht mit ihrem Schimmel „Kleiner Onkel“ und ihrem Äffchen „Herr Nilsson“ in die „Villa Kunterbunt“. Schnell findet das Mädchen mit den abstehenden roten Zöpfen und den vielen Sommersprossen im Gesicht in der kleinen Annika und ihrem Bruder Tommy neue Freunde. Pippi kümmert sich nicht um die Regeln der Erwachsenenwelt, sie baut sich die Welt, so wie es ihr gefällt. Darunter haben allerdings u.a. die strenge Frau Prysselius, die Pippi in ein Waisenhaus stecken will, Diebe und Polizisten zu leiden…

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), „Der kleine Onkel“ und Matthias Manz (Herr Nilsson) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), „Der kleine Onkel“ und Matthias Manz (Herr Nilsson)
© Marlies Kross

Das Staatstheater Cottbus hat nun „Pippi Langstrumpf“ als Theaterstück auf die Bühne gebracht. Unter der Regie von Mario Holetzeck entstand ein zauberhaftes Schauspiel, welches nicht nur den kleinsten Zuschauern riesigen Spaß bereitet, sondern auch den Generationen jenseits der eigentlichen Zielgruppe. Immer wieder sorgen bis ins kleinste Detail ausgetüftelte Überraschungen für leuchtende Augen und erstaunte Blicke.

Die Bühnenbildner um Juan León leisteten ganze Arbeit: die „Villa Kunterbunt“ macht so knallgelb mit vielen bunten Flecken ihrem Namen alle Ehre. Der Limonadenbaum funktioniert tatsächlich, das Polizeiauto oder wie immer man dieses Vehikel bezeichnen möchte, sorgt schon bei seinem Anblick für Gelächter. Nebel, Licht und Diskokugeln sorgen für Effekte, die jedem Revuetheater Paroli bieten. Selbst Schneeflocken glitzern auf ihrem Weg zu Boden um die Wette.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit Matthias Manz (Herr Nilsson) und Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit Matthias Manz (Herr Nilsson) und Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf)
© Marlies Kross

Als wäre das nicht genug, betritt Pippi nicht die Bühne, sondern schwebt von oben herab. Sofort mag man diese Göre – erst Recht, wenn sie wenig später auf einem echten (!) Pferd über die Bühne reitet. Dieser Gaul gewinnt vielleicht nicht mehr das Traberderby, aber mit seinem ulkigen Hütchen auf dem Kopf die Sympathiepunkte des (vor allem jungen) Publikums.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) und Susann Thiede (Frau Prysselius) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf) und Susann Thiede (Frau Prysselius)
© Marlies Kross

Schauspielerin Lucie Thiede nimmt man die Rolle der Pippi uneingeschränkt ab. Mit einer Mischung aus kindlicher Naivität, viel Schalk im Nacken und jeder Menge Energie und Spielfreude erobert sie die Herzen der Zuschauer im Saal. Immer wieder bindet sie das Publikum mit in ihr Spiel ein. Und ihr fast schon engelsgleicher Gesang bei „Schlaft all ihr Wellen auf dem Meer“ sorgt für Gänsehaut-Momente und geht unter die Haut. Bei soviel künstlerischer Professionalität wundert es auch nicht, dass Lucie Thiede sogar Einrad fahren kann!

Matthias Manz darf sich im wahrsten Sinne des Wortes zum Affen machen. Wohltuend, dass er der Versuchung widersteht, das übliche klischeehafte Affengehabe (mit „Uh, Uh“-Rufen und Trommeln auf die Brust) nachzuäffen. Als „Herr Nilsson“ darf er zwar nichts sagen, aber sein Spiel mit Mimik und Gestik, gewürzt mit etwas Schabernack, sind einfach köstlich.

Gunnar Golkowski, Rolf-Jürgen Gebert oder auch Susann Thiede (richtig geraten – die Mutter von Lucie) werden von Pippi zur Freude des Publikums meist zu Deppen degradiert: mal als Polizisten, mal als Einbrecher, mal als Kaffeekränzchen. Da ist Platz für viele Slapstickeinlagen. Selbst für eine Tortenschlacht ist man sich nicht zu schade.

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto
© Marlies Kross

Und dann wäre da noch die Musik. Neben Lucie Thiedes Sangeskünste sorgt die Villa-Kunterbunt-Band mit Dan Baron, Heiko Liebmann und Lu Schulz für heiße Rhythmen. Michael Jackson ist ebenso zu hören wie der Titelsong aus „Piraten der Karibik“. Und natürlich darf auch „Hey – Pippi Langstrumpf“, das bekannteste Lied, nicht fehlen.
Das Mitklatschen im Publikum verwandelt sich schließlich im großen Finale zu einem tosendem Beifallssturm für die gesamte Inszenierung. Darsteller, Bühnenbild, Musik – alles passte perfekt und erfüllte die Erwartungen über!

Fazit: Ein herrlicher Spaß für die ganze Familie, liebevoll in Szene gesetzt mit vielen kleinen „Wow“-Effekten und einer grandiosen Hauptdarstellerin. Unbedingt anschauen!!!! (Oder ärgern, wenn man keine Karten mehr bekommen hat…)

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto © Marlies Kross

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PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren
Szenenfoto
© Marlies Kross

Staatstheater Cottbus PIPPI LANGSTRUMPF von Astrid Lindgren Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), Susann Thiede (Frau Prysselius) und Matthias Manz (Herr Nilsson) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus
PIPPI LANGSTRUMPF
von Astrid Lindgren
Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Lucie Thiede (Pippi Langstrumpf), Susann Thiede (Frau Prysselius) und Matthias Manz (Herr Nilsson)
© Marlies Kross

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Schon bei der Spielplanpräsentation des Theaters im Sommer 2015 sorgte Pippi Langstrumpf für gute Laune
(c) Thori

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Patrick Schleifer rockt den „Kuckuck“

Zwei „urst“ lustige Vorstellungen erlebten die Besucher bei zwei Auftritten des Berliner Kabarettisten und Parodisten Thomas Nicolai auf „Deutschlands östlichster Kleinkunstbühne“, wie „Kuckuck“-Inhaber Peter Hendrischke stolz verkündete. „Urst“ – so heißt auch das neue Programm des auch vom Fernsehen bekannten Künstlers.

Dabei begann das Programm schon 15 Minuten früher als angekündigt. Fragende Gesichter im Saal, als zwei Musiker im weißen Anzug die Bühne betraten. Die belgische Electro-Pop-Band „TRAFFIC NOIR“ mit den Brüdern Etienne und Serge Lambertine aus Lüttich gilt als Geheimtip der Independent-Musikszene in Belgien und präsentierte den Gästen als Vorband drei Titel.

Thomas Nicolai erklärte zunächst, was „urst“ eigentlich bedeutet. Hierzulande ist es ein bekanntes Wort aus der Jugendsprache, wie man am zustimmenden Nicken der Zuschauer erkennen konnte.

Daß Nicolai nicht nur ein guter Kabarettist, sondern ein noch besserer Parodist ist, bewies er als Mitglied einer Promi-WG. Dort stritten sich nämlich Herbert Grönemeyer, Klaus Kinski, Martin Semmelrogge und Thomas Gottschalk um den wieder mal nicht gemachten Abwasch.

Als Dieter alias „Buletti“ aus Berlin-Kreuzberg erzählte Thomas Nicolai, wie es sich mit einem Schwiegersohn lebt, der „Veganer Stufe 5 ist. Der darf nichts essen, was einen Schatten wirft…“ Höhepunkt dieses Programmteils ist die Neuinterpretation von „Das Model“ der Gruppe Kraftwerk, die Thomas Nicolai mächtig ins Schwitzen brachte. „Ich hätte lieber eine Lesung machen sollen“, stellte er hinterher fest.

Doch nicht nur die Freunde moderner Popmusik kamen auf ihre Kosten. Zusammen mit seinem Keyboarder Robert Neumann interpretierte Nicolai die „L’Opera Di Internet“, eine Geschichte über die Tücken des Internets. Versuchen Sie mal, etwas zu googlen ohne Internetverbindung!

Beim „El Flamenco De Deniro“, dem Finanzamt-Flamenco, kocht die Stimmung im Saal über. Als feuriger Spanier beschwert sich Thomas Nicolai musikalisch über den zugestellten Einkommensteuerbescheid seines Finanzamtes.

Patrick Schleifer und Carmen

Patrick Schleifer und Freundin Carmen – (c) Thori van Bosland

Und dann wäre da noch Patrick Schleifer, Nicolais alter Ego. „Willkommen zur Estrade der Freundschaft, hier in diesem Klubhaus!“, scherzt Patrick. Die „sächsische Antwort auf Robbie Williams“ freut sich über die „Stimmung wie bei den Stones“. Diesmal hat er seine neue Freundin Carmen (Robert Neumann mit einem Gesichtsausdruck zum Niederknien) mitgebracht, die an der Essenausgabe seines Betriebes arbeitet. „Nach neun Jahren inniger Beziehung ist es nun an der Zeit, den ersten Kuß zu wagen“, freut sich Patrick Schleifer. Carmen ist davon jedoch wenig begeistert…

Begeisterung im Saal, als Patrick später seinen Bruder Ronny auf die Bühne holt (wieder dargestellt von Robert Neumann). Unter dem Namen „Orakel von Schkeuditz“ treten die beiden als Rockband auf und geben noch einmal richtig Gas. Aus AC-DCs „Highway to Hell“ wird in der Patrick-Schleifer-Version „Weg, aber schnell!“.

Thomas Nicolais Show „Urst“ ist ein Potpourri voller Nonsens und Blödeleien, immer im Zusammenspiel mit dem Publikum. Die Bühne kann nicht groß genug sein, Nicolai tobt sich darauf richtig aus.

Den Zugabenteil überläßt Thomas Nicolai noch einmal einem Künstler, den er zuvor schon einmal parodierte: Phillip Poisel. „Der macht Musik für Leute, denen Xavier Naidoo zu hart ist“ stellt Thomas Nicolai den Deutschpoeten kurz vor. Bei seiner Version von „Du hast mich 1000 mal belogen“ tobt das Publikum zum wiederholten Mal an diesem Abend.

„Ich kannte Thomas Nicolai bisher noch nicht, aber dieser Kerl ist einfach genial!“, fasste Kuckucks-Stammgast Uta Krause ihre Eindrücke zusammen und sprach damit vielen anderen aus dem Herzen. Klar, daß anschließend auch die eine oder andere signierte DVD, CD oder Autogrammkarte den Besitzer wechselte.