Berliner Luft im „Kuckuck“

Ein ganz spezielles Programmangebot präsentierte die Kleinkunstbühne im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno ihren Besuchern am vergangenen Sonntag: wo sonst Kabarett, Comedy und Magie dominieren, gab es diesmal einen bunten Mix Alt-Berliner Melodien, „ollen Jeschichten“ und Amüsantem aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts.

Albrecht Hoffmann betreibt in Berlin „Zille“s Stuben-Theater“. Auf Empfehlung des Publikums engagierte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke den Zille-Darsteller für eine vergnügliche Zeitreise ins Berliner „Milljöh“. Und während die Gäste bei Kaffee und Kuchen genüsslich lauschten, gab Vater Zille einige Anekdoten aus seiner Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Besten. So schwärmte er von seiner Gattin Hulda und amüsierte sich gleichzeitig über seine Nachbarin Mieze, „die mit dem Doppel-Ar…“. Vom Leben in den Hinterhöfen erzählte Zille und dass „U-Bahn-Fahren wie Kabarett“ sei. Sein Nachbar von Gegenüber sei gerade „zur Kur in Bad Plötzensee, was soviel bedeutet, als dass er im Knast einsitzt.“

Selbst aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit wurden hergestellt. So stellte Zille fest, „dass der Prenzlauer Berg inzwischen wieder eine SBZ ist. Nur steht diesmal SBZ für Schwäbisch Besetzte Zone!“. Auch über Facebook machte sich der Zille-Darsteller lustig: „Heute ham‘ wa Internet, früher hatt’n wa Fensterbrett!“

Doch es wurde nicht nur geplaudert und der eine oder andere schlüpfrige Witz erzählt, sondern auch gesungen. Bei altbekannten Gassenhauern wie „In Rixdorf ist Musike“, „Untern Linden“ oder „Im Grunewald ist Holzauktion“ dauerte es nur wenige Takte, bis das Publikum im „Kuckuck“ eifrig mit einstimmte.

Lehrreich wurde es, als Pinselheinrich Zille einige Gegenstände aus seinem großen Koffer kramte. So kam die „kleinste Küchenharfe“ zum Vorschein, was bei genauerem Betrachten ein Eierschneider war. Auch eine uralte originale Wärmflasche „für vorne und für hinten“ gehörte zum Inventar seines Koffers. Zu jedem gezeigten Gegenstand oder Bild erfuhren die Besucher Wissenswertes, so u.a. auch, dass die „Berliner Weiße“ eigentlich aus Hamburg stammt, die Berliner nur cleverer waren und sich die Rezeptur als erste schützen ließen.

Albrecht Hoffmann erinnerte in seiner Rolle als Heinrich Zille auch an bekannte Zeitgenossen, so an die Sängerin Claire Waldoff, den Erfinder Willy Abel, den Arzt Ferdinand Sauerbruch oder den Maler Max Liebermann. Und selbstverständlich durfte auch Otto Reuter nicht fehlen. Mit einigen Couplets würdigte Hoffmann das Schaffen Otto Reuters.

Das ist die Berliner Luft“ schallte es noch einmal durch den „Kuckuck“, bevor es „eine Hingabe statt einer Zugabe“ gab. Hier philosophierte Zille über Gott und die Frauen. Zwar erschuf der liebe Gott das weibliche Wesen, welches seitdem die Männer betört. Nur für sich selber schuf der Herrgott keine Partnerin. Er wusste wohl schon, wer dann das Regiment führen würde. Ein Wink mit dem Zaunfall – oder warum formte Zille plötzlich die berühmte Merkel-Raute…

Rundum zufrieden waren nicht nur die Besucher und der Künstler mit dem Verlauf der Veranstaltung, sondern auch Organisatorin Birgit Hendrischke freute sich, dass das Experiment gelang und der „Kaffeeklatsch mit Zille“ beim ansonsten kabarett-verwöhnten „Kuckucks“-Publikum so gut ankam.

Geschwister Hofmann im „Hautkontakt“ mit ihrem Publikum

Im Rahmen ihrer Promotiontour für ihr neues Album „Hautkontakt“ traten Anita und Alexandra, besser bekannt als Geschwister Hofmann, im Kaufland Hoyerswerda auf und sorgten – wie der Name ihres Albums verspricht – auch tatsächlich für Hautkontakt mit den Zuschauern ihrer Mini-Konzerts.

Im Anschluß nahmen sich die sympathischen Schwestern Zeit für ein Schwätzchen mit ihren Fans, gaben Autogramme und standen für gemeinsame Fotos zur Verfügung. 

Das aktuelle Album „Hautkontakt“ mit dem Hit „Keine Liebeslieder!“ ist ab sofort im Handel erhältlich.

Die goldene Gans oder was wirklich kleben bleibt

Der Schusterjunge Klaus (Felix Lydike), der von seinen Brüder Kunz Johannes Krobbach) und Franz (Grian Duesberg) nur „Dummling“ genannt wird, hat einen Traum: seine von ihm hergestellten goldenen Tanzschuhe sollen dem schönsten Mädchen im Lande gefallen, damit er ihr Herz erobern kann. Seine beiden faulen Brüder können darüber nur lachen. Kunz ist eitel und hat die Haare schön, Franz hat meistens nur immer Pech.

Die drei Schusterjungen Kunz, Franz und Klaus (Johannes Krobbach, Grian Duesberg, Felix Lydike)

Nun will es der Zufall, dass der König seinen Hauptmann losschickt, um dem Volke zu verkünden, dass derjenige, der die traurige Prinzessin (Cordula Hanns) zum Lachen bringt, das halbe Königreich und die ganze Prinzessin bekommen soll. Kunz und Franz machen sich umgehend auf den Weg ins Schloss Klaus dagegen soll erst noch Holz besorgen.

Die traurige Prinzessin (Cordula Hanns)

Im Wald trifft Klaus eine alte Frau (Anke Teickner), mit der er – freundlich wie er ist – seine Wegzehrung teilt. Zum Danke für seine Gutmütigkeit soll Klaus belohnt werden. Unter einem mächtigen Baum findet er eine Gans aus Gold. Was Klaus nicht weiß – die Gans hat magische Anziehungskräfte. Das bekommen zunächst die Schwestern Käthe (Julia Vincze) und Trude (Sandra Maria Huimann) zu spüren, die beim Versuch, die Gans zu streicheln, an ihr kleben bleiben. Fortan sind sie gezwungen, dem Klaus mit seiner goldenen Gans hinterher zu trotten.
Auf ihrem Weg ins Schloss begegnen die Drei dem Pfarrer (Thomas Förster), der Klaus den Vorschlag unterbreitet, mit der goldenen Gans die säumige Kirchensteuer der drei Schusterjungen zu bezahlen. Aber auf die „irdische Zwangsabgabe für himmlische Mächte“, wie Klaus es bezeichnet, muss der Pfarrer wohl vorerst verzichten. Denn schließlich erwischt es auch den Pfarrer, dass er an Klaus‘ Begleiterinnen kleben bleibt.

Käthe bleibt an der Gans kleben (Julia Vincze, Felix Lydike)

Als nun dieser bunte Haufen schließlich das Schloss erreicht, kann sich die bis dahin traurige Prinzessin kaum halten vor Lachen. Auch der Schusterjunge Klaus gefällt der Prinzessin. Aber wie es nun mal im Märchen so ist, muss unser Held noch ein paar Aufgaben lösen, ehe es zum Happy-End kommt. Denn der König (Tom Hantschel) denkt gar nicht daran, sein Versprechen zu halten und seine Tochter samt halbes Königreich zu verschenken. Erstmal soll Klaus sieben Fässer Wein leeren und anschließend die schwere Goldkiste des Königs ins Schloss tragen. Bloß gut, dass die alte Frau aus dem Wald noch einmal auftaucht und „Klausi Mausis“ Begleiter von ihrem Fluch erlöst. Dafür hat der habgierige König nun die Gans an der Backe bzw. an der Hand. Widerwillig gibt der König seine Zustimmung und Klaus findet in der Prinzessin doch noch eine Abnehmerin für seine Tanzschuhe.

„Die goldene Gans oder was wirklich kleben bleibt“ ist eine Inszenierung von Peter Kube für die Landesbühnen Sachsen nach dem Märchen der Brüder Grimm. Kube hält sich nicht strikt an Grimms literarische Vorgabe, sondern verknüpft das Märchenhafte mit Abstechern in die Gegenwart. So nehmen manche Dialoge Bezug zur heutigen Realität. Und besagter Wein stammt natürlich aus der Meißner Region, wie Trude besserwisserisch feststellt.
Es sind die kleinen Geschehnisse am Rande der Märchengeschichte, die für Lacher sorgen und damit die Inszenierung zu einem generationsübergreifenden Spaß für die ganze Familie machen. Etwa als Trude völlig genervt beklagt: „Jetzt singt er wieder!“, nachdem Klaus eines seiner Lieder anstimmt (Musik von Jörg Kandl). Der Pfarrer dagegen hat den gleichen Sprachfehler wie der Eugen im Stück „Pension Schöller“ und kann kein „L“ aussprechen, was Ausgangspunkt für köstliche Wortschöpfungen ist. Selbst der Hauptmann (Michael Berndt-Cananà) brilliert in seiner kleinen Rolle in einer Mischung aus Dieter Hallervorden und Louis de Funès.

Am Ende kriegen sie sich doch!

„Das gibt es doch gar! Das ist doch alles nur Theater und gespielt!“, wird so mancher denken. Peter Kube ist darauf vorbereitet und lässt seine Märchenfiguren kurz vor der Pause in der Gegenwart ankommen: plötzlich interagiert das Ensemble mit dem Publikum und verlässt für kurze Zeit den historischen Rahmen. Es wäre unhöflich und würde dem nichteingeweihten Zuschauer den Spaß verderben, an dieser Stelle aufzulösen, warum die Märchenfiguren plötzlich zu Zeitgenossen werden, schließlich entspinnt sich daraus ein Running Gag, der sich durch das restliche Programm zieht.

Der Zuschauer hat mit der „Goldenen Gans“ auf jeden Fall seinen Spaß, der allerdings nach der Vorstellung etwas geschmälert wird. Es ist zwar löblich und in vielen Theatern nicht üblich, dass man den Zuschauern (bei diesem Stück vorwiegend Kindern) die Möglichkeit gibt, sich bei einer anschließenden Autogrammstunde ein signiertes Foto der Darsteller zu holen. Nur muss man sich bei den Landesbühnen Sachsen vorher beim Servicepersonal die Fotos holen (Stückpreis 0,50 Euro!!!) und damit an den Tisch zu den Darstellern gehen, um die Fotos signieren zu lassen. Autogramme sollten – im Gegenzug für die Wertschätzung, die man mit einem Autogrammwunsch zum Ausdruck bringt – kostenlos sein!

Ein schräges Paar bringt den „Kuckuck“ zum Toben

„Ich weiß gar nicht, ob ich Ihnen die nachfolgenden Künstler zumuten kann!“, sagte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke gleich zu Beginn und erklärte sogleich, daß diese Art von Kleinkunst bisher noch nicht seinen Platz auf der Kabarettbühne des Gasthauses „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno gefunden hatte. Nach vielen Anfragen und jahrelangen Bemühungen gelang es ihr schließlich, Deutschlands „schrägstes Ehepaar“ für zwei Abende in die Lausitz zu holen. „Emmi und Willnowsky“ gehören schon lange zu den erfolgreichsten Comedy-Duos in Deutschland und feiern regelmäßig große Erfolge auf den Bühnen der Republik, u.a. im Hamburger „Schmidts Tivoli“ oder bei den Berliner „Wühlmäusen“.

In Groß Jamno traten die beiden Berliner im Rahmen ihrer „Tour 2017“ auf, so auch der Name ihres aktuellen Programms. Das Konzept ist so schlicht wie umwerfend: Emmi, „die kleine fette Lerche“, und „Willnowsky“, „dieser kleine Zarenzipfel“ mit russischem Akzent, sind verheiratet und wünschen sich gegenseitig nichts Besseres als die Pest an den Hals.

Wer für seinen Partner auf der Suche ist nach besonders bösen Schimpfwörtern, die überhaupt nicht böse klingen, findet bei „Emmi & Willnowski“ jede Menge Anregungen. Gegenseitig hauen sich die Beiden sehr zum Amüsement der Zuschauer die Beleidigungen um die Ohren.

In einem „fransösischen Chamson“ besingt sie seinen „Pimmel im Wind“; er revanchiert sich kurze Zeit später mit der Bemerkung, daß jeder das Recht auf Häßlichkeit habe, aber seine Frau missbraucht das. „Wenn Emmi am Friedhof vorbei geht, binden sich die Würmer schon ein Lätzchen um!“. Und wenn Dummheit Radfahren könnte, müsste Willnowsky bergauf bremsen.

Auch das Publikum und das Servicepersonal des „Kuckucks“ werden in die Streitigkeiten einbezogen. Emmi würde ja liebend gerne die Nacht mit Robert, dem Mann vom Service, verbringen. Und Willnowsky flirtet den ganzen Abend mit Zuschauerin Christina aus der 1. Sitzplatz-Reihe.

Es entspinnen sich wahnwitzige Dialoge wie: „Würdest Du mit einer anderen Frau ins Bett gehen, wenn ich tot bin?“ Antwort: „Dafür musst Du doch nicht erst sterben, Liebling…“

Auch musikalisch begeistern „Emmi & Willnowski“. So singt Emmi als Nonne verkleidet drei „Versöhnungslieder“ für ihren Gatten, Marke „Es macht mich glücklich, wenn Du das Haus verlässt, ich wünsch Dir schöne Tage mit Cholera und Pest“. Und weil sich das Publikum kaum noch halten kann vor lachen, setzt Willnowski noch einen drauf. Seine Emmi sei sogar eine „Super-Nonne“. „Das sind Nonnen, wo schon die Mutter und Großmutter Nonnen waren…“.
Es dauert eine Weile, bis der Witz bei allen Zuschauern angekommen ist. Immer wieder spielen „Emmi & Willnowski“ mit den Worten. Bei „Rotkäppchen und das Kaninchen“ tobt sich Emmi auf der Bühne richtig aus. Auch Willnowskys Interpretation von Robert Schumanns „Träumerei“ endet alles andere als romantisch, sondern wieder mal in gegenseitigen Beschimpfungen.

Zum Abschluß des Programms meint Willnowsky, es wäre nur fair, wenn die Gage des Abends einem guten Zweck in der Dritten Welt zugeführt würde. Er werde deshalb nächste Woche mit dem „gespendeten Geld einen Puff in Nairobi besuchen!“.

Birgit Hendrischke ist erleichtert und froh, daß ihr verwöhntes Kabarett-Publikum die „Zumutung“ angenommen hat. Mit tosendem Applaus werden „Emmi & Willnowsky“ nach mehreren Zugaben von den Besuchern verabschiedet. Und Birgit Hendrischke bekommt vielfach den Wunsch geäußert, dieses sehr erheiternde Paar recht bald wieder in den „Kuckuck“ einzuladen.

Einer der berühmtesten Söhne der Stadt zu Besuch in seiner Heimat

Das kleine brandenburgische Städtchen Forst (Lausitz) hat in seiner mehr als 750jährigen Geschichte nicht allzu viele Söhne und Töchter hervor gebracht, die es zu internationalem oder gar Weltruhm gebracht haben. Zu den Wenigen, die es erfolgreich aus Forst in die große weite Welt geschafft haben, gehört Dr. Peter Kersten, seines Zeichens Magier und Weltenbummler. 1977 gewann er in Hollywood als bester ausländischer Magier den Zauber-“Oscar“, die höchste Ehre, die ein Magier erreichen kann.

In der DDR war Dr. Peter Kersten bekannt wie ein bunter Hund, be- bzw. verzauberte er doch als „Zauberpeter“ ganze Generationen. Im Kinderfernsehen lief regelmäßig seine Sendung „Kunterbunt“, für die Erwachsenen gab es „Zauber auf Schloss Kuckuckstein“. Auch die großen Samstagabendshows im DDR-Fernsehen wie den „Kessel Buntes“ moderierte er.

Mit seiner Show „Wunder inclusive“ tourt der „Magic Doctor“ (mit diesem Namen wurde er international bekannt) noch heute durch die Republik. Am vergangenen Wochenende machte der Zauberpeter wieder einmal Station in seiner Heimatstadt.
Vielen der anwesenden Zuschauern können sich noch an das Fleischerei Lehmann seines Vaters erinnern. Auch die Geschwister des Zauberpeters waren dem einen oder anderen bekannt.

Die beiden Veranstaltungen im Pavillon „Genuss & Kunst“ waren binnen kurzer Zeit ausverkauft. Voller Vorfreude erwarteten nun Jung und Alt den Auftritt des immer noch beliebten Künstlers. Eine musikalische Ouvertüre, von CD eingespielt, bildete den Auftakt für einen unterhaltsamen Nachmittag.
Und dann war der wohl berühmteste Forster wirklich da: im schwarzen Anzug, aber ohne Zylinder, charmant und gut gelaunt. Sofort sprang der Funke zum Publikum über. Dr. Peter Kersten kann nämlich nicht nur zaubern, sondern seine Zuschauer auch mit Wortspielen unterhalten.

Seine Zaubertricks hat man in dieser oder ähnlicher Form schon hundertfach gesehen – und trotzdem war die Verblüffung in den Gesichtern der Gäste zu sehen. Egal, wie genau man auch hinschaute, um vielleicht den Trick zu erahnen – der Zauberpeter setzte immer noch einen drauf. Ein signierter 50-Euro-Schein verbrannte vor aller Augen, um wenig später aus einem versiegelten Umschlag hervorgeholt zu werden. Aus einem geteilten Kartenstapel wanderten einzelne Karten scheinbar hin und her – wo eben noch öffentlich 16 Karten vorgezählt wurden, fehlten beim erneuten Zählen plötzlich 3 Karten, die in einem anderen Stapel zu finden waren. Und dass, obwohl zwei zufällig ausgewählte Zuschauer die Kartenstapel in den Händen hielten.
Es sind nicht mehr die großen Illusionen wie die der „zersägten Jungfrau“, sondern kleine Tricks mit Karten, Regenschirmen oder Seilen, mit denen Zauberpeter heutzutage auf Tour geht.

Dr. Peter Kersten ist aber nicht nur Magier, sondern reiste nach der Wende in der DDR mit seiner Kamera um die Welt, um Reisereportagen für die ARD und den MDR zu drehen. In Forst zeigte er kurze Filmausschnitte seiner Reportagen und erzählte nebenbei so manche erlebte Episode. Unverkennbar hat es ihm dabei Asien besonders angetan. Schließlich hat er auf der indonesischen Insel Sumba sein Lebensglück und einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden.

Nach 90 Minuten Programm verabschiedete sich der Zauberpeter von „seinen“ Forstern, nicht ohne zu versprechen, demnächst wiederzukommen. Dann möchte er mehr von den Kuriositäten, die er auf seinem Reisen erlebte, berichten. Und ganz sicherlich wird dann auch wieder der eine oder andere Zaubertrick dabei sein.

Pavillon-Chefin Diana Podlesch bedankte sich mit einem Rosenstrauch der Forster Jubiläums-Rose bei Dr. Peter Kersten für zwei wundervolle Veranstaltungen. Bevor es sich der Zauberpeter im Pavillon schmecken ließ, unterschrieb er noch fleißig Autogramme und stand für gemeinsame Fotos zur Verfügung.

Kabarett-Mix im „Kuckuck“ sorgt für Zwerchfell-Attacken

Zur mittlerweile 8. „Langen Nacht des Kabaretts“ fanden sich am vergangenen Freitag wieder Humorsüchtige im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno ein. Damit auch möglichst viele Besucher in den Genuss dieses Kabarett-Marathons kommen können, verzichteten die Veranstalter auf die sonst übliche Clubatmosphäre mit 4er- und 6er Tischen und bestuhlten stattdessen in Reihe, so daß alle 104 erwartungsfrohen Zuschauer ausreichend Platz fanden.

Moderiert wurde die Show von Ilka Hein. Die MDR-Hörfunk-Moderatorin plauderte zunächst mit Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke über die Schwierigkeiten, jedes Jahr aufs Neue so einen Abend zu organisieren. „Unser Publikum hat sich inzwischen einen hohen Anspruch erarbeitet, dem gilt es gerecht zu werden!“, verrät Birgit Hendriske. Bei der Auswahl der Künstler vertraue sie auf ihr Bauchgefühl.

Ilka Hein ist jedoch nicht nur Moderatorin, sondern auch auf den Kleinkunstbühnen der Republik unterwegs. Im „Kuckuck“ brachte sie einige Hits von ABBA mit neuen, deutschen Texten zu Gehör. „Mamma Mia“ wurde so unter gesanglicher Unterstützung durch das Publikum zum Gebet einer Frau, die mit einem Verlierer als Ehemann bestraft ist. Aus „Super Trouper“ wurde der „Super Router“ und erzählt frivol und doppeldeutig die Geschichte, wie frau sich fühlt, wenn sie im Laden die neueste Telefontechnik erklärt bekommt.

Central-Kabarett

Andrè Bautzmann und Robert Günschmann vom Leipziger Central-Kabinett hatten sofort die Sympathien des Publikums erobert, kaum daß sie auf der Bühne waren. „Warm up für’s Burnout“ lautet der Titel ihres aktuellen Programms. In einer Mischung aus Politkabarett, Parodie und Gesang machen sie sich über Jeden und alles lustig. Die Attacken auf Flüchtlingsheime in Sachsen spielten ebenso eine Rolle wie die aktuelle Politik. Im Stile von „Dinner for One“ feuerten die Beiden als Wahrsagerin und deren Butler verkleidet ein Feuerwerk an Gags ab, daß den Zuschauern kaum Luft zum Erholen blieb. Egal ob „Schi-Scha-Schäuble“, die „Krampf-Fregatte“ und „Truppen-Uschi“ von der Leyen, „Fragnachkies, äh, Varoufakis“ oder die „getürkte Demokratie“ unter Erdogan – jeder bekam sein Fett weg. Bautzmann und Günschmann waren sich auch nicht zu schade, sich selbst auf den Arm zu nehmen. So hatten sie mehrmals den jeweils anderen Partner mit spontan eingebauten Witzen erst aus dem Konzept und dann zum Lachen gebracht, so daß die Dialoge häufig neu angesetzt werden mußten.

Besinnlicher wurde es bei den Auftritten von Liese-Lotte Lübke aus Hannover. Sie bezeichnet sich selbst als „Klavier-Kabarettistin“. Mit witzigen Texten, jedoch mit einem ernsten Unterton, brachte sie ihre Erlebnisse auf dem Amt zu Gehör. Dabei verarbeitete sie die ewige Warterei an der Rezeption sowie die ziemlich unpersönliche Beratung des Büromitarbeiters, den sie freundlich in ihr Programm einlud und mit den Worten „Kommen Sie nie wieder“ gleich wieder verabschiedete. Fast schon balladenhaft wurde es beim Lied um einen Traumfänger, der nachts in die Schlafzimmer eindringt und den Menschen ihre Träume stiehlt. Auch über unehrliche Höflichkeitsbekundungen sang Liese-Lotte Lübbke. Im Lied von der alten Dame verarbeitet Liese-Lotte Lübke symbolisch ihre eigenen Befindlichkeiten und Depressionen. „Das Lied ist für alle, die gegen ihren eigenen Dämon in sich kämpfen“, sagte Liese-Lotte Lübke in der Ankündigung dieses Liedes.

Lennart Schilgen

Songs ganz besonderer Art verspricht Lennart Schilgen aus Berlin: „Ich spiele heute für Sie Protestsongs, weniger solche, die zur Revolution aufrufen, sondern eher im Sinne von ‚Och menno!'“ Passend dazu singt Schilgen den „Liegenbleiber-Blues“, ein Lied über einen Typen, der es bevorzugt, das Leben etwas ruhiger anzugehen. „Ich bin Shouter in einer Black-Metal-Band, ich bin lauter als jedes Musikinstrument“, verkündet Lennart Schilgen anschließend voller Inbrunst und mit weinerlicher Stimme, sehr zum Gefallen der Zuschauer. Überhaupt stehen Schilgens Lieder, die textlich oft eine überraschende Wendung nehmen, im totalen Kontrast zu seiner Mimik und Gestik, die eigentlich immer das Gegenteil dessen darstellt, was er gerade singt. So auch im „Protestsong Brecht’scher Prägung“ gegen die Entschlossenheit. Den Abschluß seines Auftritts bilden Schilgens Neuinterpretationen von Ernst Jandls berühmten Gedicht „Ottos Mops“. So gibt es Varianten wie „Pauls Gaul“ oder „Gerds Pferd“ zu hören.

Umrahmt wird die „Lange Nacht des Kabaretts“ traditionell von einem reichhaltigen Fingerfood- und Dessert-Menü in den Pausen der mehrstündigen Veranstaltung. Auch in diesem Jahr hat sich das Küchenteam vom „Kuckuck“ wieder kulinarische Leckereien einfallen lassen.

Es war schon nach Mitternacht, als alle Künstler noch ein letztes Mal auftraten, um sich von ihrem Publikum zu verabschieden. Das Central-Kabarett nahm sich den Geburten-Rückgang zum Thema und präsentierte in Nachrichtenform das Aussterben der Deutschen. So wird in ein paar Jahren Cottbus mangels Einwohner zum Vorort von Forst erklärt, etwas später werden Dortmund, Gelsenkirchen und Leverkusen zum „Kohle-Pöttchen“ zusammengelegt, ehe die alten Römer ihre ehemaligen Besiedlungen wieder in Besitz nehmen. Ach, ja – auch die Eröffnung des Berliner Flughafens verzögert sich weiter, weil mittlerweile Wölfe und Braunbären das Gelände besiedelt haben.
„Das alles und noch viel mehr, würde sein, wenn die Welt ohne Deutschland wär'“ singen die beiden Kabarettisten in Anlehnung an Rio Reisers Hit „König von Deutschland“ und zählen mal so auf, was alles passiert wäre, hätte es die Deutschen nie gegeben.

Liese-Lotte Lübke bleibt es vorbehalten, kurz vor halb Eins den Abend zu beschliessen. Mit ihrem Lied vom Schwan, der in einer Straußenfarm aufwächst, endet nach fünf Stunden ein Marathon der guten Laune mit viel hintergründigem Humor, albernen Wortspielen und gut aufgelegten Künstlern, die aber auch die Klaviatur der ernsten (Unter-)Töne beherrschen.

Schon jetzt darf man gespannt sein, bei welchen Künstlern Birgit Hendrischke für die 9. „Lange Nacht des Kabaretts“ 2018 ihrem Bauchgefühl vertraut.

Michael Hirte zu Gast im Marktkauf Cottbus

Michael HirteIm Rahmen seiner Promotiontour für sein aktuelles Weihnachtsalbum „Frohe Weihnachten mit Michael Hirte“ machte der Musiker am heutigen Tag auf Einladung des „Marktkaufes“ auch Station im Cottbuser Lausitz-Park.

„Hallo Heimat“, grüßte der in Spremberg geborene Künstler die vielen Schaulustigen, die ihre Einkäufe unterbrachen und sich die Chance auf ein kostenloses Mini-Konzert mit dem „Supertalent“-Gewinner nicht entgehen ließen.

So stellte Michael Hirte u.a. neben der Coverversion von „Mary’s Boy Child“ von Boney M. auch den selbstkomponierten Titel „Lieber Niko, Nikolaus“ vor. Gut gelaunt erklärte er seine Spieltechnik auf der Mundharmonika, die ihn deutschlandweit bekannt gemacht hat, und gab Kostproben seines Könnens, indem er zwei Titel ohne musikalische Unterstützung anspielte.

Im Anschluß an seinen Kurzauftritt signierte der sympathische Musiker in einer Autogrammstunde CDs und Poster und stand für Fotos mit seinen Fans zur Verfügung.

„Ich bin nicht ohne Grund Schauspielerin geworden“ – Eine junge Künstlerin pendelt zwischen Provinz und Weltstadt

Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger des vergangenen Jahrtausends unterhält ein kleines Mädchen die Krankenschwestern im Eisenhüttenstädter Krankenhaus mit Phantasiegeschichten, z.B. die von Freunden des Mädchens, die am Nordpol wohnen und zu Besuch kommen würden.

Die Eltern der Kleinen waren zu der Zeit als Mediziner im Krankenhaus tätig und wenn es der Dienstplan nicht anders einrichten konnte, musste eben die kleine Cordula im Krankenhaus beaufsichtigt werden. Nach jedem Lied forderte das Mädchen von ihren Zuhörern den Applaus: „Klatscht mal alle!“.

Cordula HannsInzwischen ist aus dem kleinen Mädchen eine erwachsene Frau geworden. Cordula Hanns, in Eisenhüttenstadt groß geworden, zog hinaus in die weite Welt. Applaus erhält sie immer noch, nur muss sie sich den nicht mehr einfordern – Cordula Hanns ist mittlerweile staatlich anerkannte Schauspielerin und derzeit an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul engagiert.

Talent zum Schauspielern wurde ihr schon im Kurs „Darstellendes Spiel“ der Theater-AG des Fürstenberger Gymnasiums bescheinigt. Die Leiterin der AG hatte einen Berliner Regisseur eingeladen, dem das Spiel der Schülerin offensichtlich gefiel.

Eigentlich wollte Cordula Hanns wie ihre Eltern Medizin studieren. Als sie aber erfuhr, dass sie 11 Semester warten müsse, ehe sie dran kommt, entschied sie sich, es doch mit der Schauspielerei zu probieren.

Als es beim ersten Mal noch nicht klappte, nutzte Cordula Hanns freie Theater in Berlin zum Üben und bewarb sich ein Jahr später erfolgreich an der Berliner Schule für Schauspiel. 2008 begann sie mit dem Schauspiel-Studium.

Eine Dozentin an der Hochschule kannte Susan Batson, eine bei Hollywood-Größen bekannte und begehrte New Yorker Schauspiel-Trainerin mit eigenem Studio auf dem Times Square. Cordula Hanns machte sich in den Semesterferien auf nach New York. Sie wollte unbedingt diese Frau kennenlernen. Mit einem Text einer Schauspielübung vom Vortag ging sie am nächsten Tag zu einem Kurs mit Susan Batson selbst. Dann passierte etwas, das Cordula bis heute noch nicht so recht fassen kann: „Ich sollte am nächsten Tag bei der Agentin von Martin Scorsese, einem der berühmtesten Filmregisseure unserer Zeit, bei einem Casting vorsprechen! Das war eine tolle Erfahrung“, erzählt Cordula nicht ohne Stolz.

Die Zeit in New York möchte die Brandenburgerin nicht missen. „Man muss sich das mal vorstellen – da kommen Künstler aus der ganzen Welt, nur um zu üben. Und es kann passieren, dass plötzlich Juliette Binoche vor Dir steht, die dort ebenfalls probt, und Dich um Kritik bittet. Alles, was Du meinst, als Schauspieler nicht zu haben, bekommst Du dort innerhalb von 2 Tagen heraus.“

Auch in Italien sammelte Cordula Erfahrungen. Während ihres Schauspielstudiums wirkte sie in mehreren Aufführungen von Renato Capitani im „Teatro Tordinona“ in Rom mit.

2012 beendet Cordula Hanns ihr Studium erfolgreich. Die Zentrale Künstlervermittlung empfiehlt die nun ausgebildete Schauspielerin diversen Theatern, unter anderem auch den Landesbühnen Sachsen. Beim dortigen Vorsprechen hinterlässt Cordula einen unvergesslichen Eindruck. „Ich wollte eine Tür benutzen, die auf der Probebühne stand. Als ich die Tür auf und wieder zu machte, ging plötzlich die Alarmanlage los. Ich habe einfach weiter gespielt, bis man mich unterbrach, um die Alarmanlage wieder auszuschalten. Vielleicht haben mich die Landesbühnen deshalb genommen…“, amüsiert sich Cordula noch heute über diese Episode.

Cordula Hanns und Felix Lydike in "Lieder aus 1001 Nacht", einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen (c) Foto: Hagen König Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Cordula Hanns und Felix Lydike in „Lieder aus 1001 Nacht„, einer Inszenierung der Landesbühnen Sachsen
(c) Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Überhaupt ist Cordula Hanns eine Frohnatur. Sie lacht viel, meist über sich selbst, wenn sie an all die Geschichten aus ihrem Leben denkt. Berührungsängste hat sie keine, das macht sie sympathisch. Manchmal haut sie plötzlich einen Spruch raus und nimmt sich dabei selber auf den Arm. Die Gefahr, sich zu einer Theater-Diva zu entwickeln, besteht bei ihr nicht, dazu ist sie viel zu sehr geerdet. Als Multi-Talent ist Cordula ohnehin breit aufgestellt: neben der Schauspielkunst beherrscht sie das Cello-Spiel und hat zudem eine markante Gesangsstimme.

In Cordulas Vita stehen mittlerweile eine Menge Theaterstücke, in denen sie mitgespielt hat: „Kabale und Liebe“, „König Lear“, „Adam und Eva“ oder „Utopia“ sind nur eine kleine Auswahl. Sie mag die klassischen Rollen genauso wie die neuzeitlichen. „Wenn der Text eine gute Form hat und die Rollen schön ausgearbeitet sind, spiele ich beides sehr gerne.“ Zu ihren Lieblingsstücken gehören „Verbrennungen“ und „Wie im Himmel“. Im nächsten Jahr wird sie auf der Felsenbühne Rathen in „Winnetou I“ gemeinsam mit Schauspiel-Legende und Publikumsliebling Gojko Mitic auf der Bühne stehen, worauf sie sich schon jetzt freut.

Bei der unvermeidlichen Frage nach der Traumrolle überlegt sie lange: „Ich möchte immer das gerne spielen, was ich gerade nicht habe. Deshalb reizt es mich insbesondere, mal die Orsina oder Lady Milford zu spielen – wenn ich alt genug bin.“ Auch bei den Vorbildern gibt es keinen eindeutigen Favoriten. Cordula versucht, sich bei Kollegen und Familienmitgliedern das abzuschauen, was ihr in ihrer künstlerischen und persönlichen Entwicklung noch fehlt.

Momentan wohnt Cordula in Dresden. Hier schließt sich auch der Bogen zu ihrer eigenen Familiengeschichte und lässt sie für einen Moment nachdenklich werden. „Meine Oma hat 1945 die Bombardierung Dresdens miterlebt. Mit ihrem Kind im Kinderwagen, meiner Tante, gelang es ihr irgendwie, sich vor dem Feuersturm zu retten und die Stadt rechtzeitig zu verlassen“.

Ihre brandenburgischen Wurzeln hat Cordula nie verleugnet. „Eisenhüttenstadt ist meine Heimat!“, erklärt sie ohne lange nachzudenken. Ihre Eltern wohnen immer noch in der Stadt. Gerne würde Cordula später wieder hierher zurückkehren. Vielleicht ergibt sich ja ein Engagement an einem der Theater in der Nähe. „Im Staatstheater Cottbus würde ich sehr gerne spielen. Leider kann man das nicht selber entscheiden, ob man an einem Theater auch angenommen wird.“. Vorher will sie aber auf alle Fälle weiterhin die Welt erkunden.

Die Zeichen stehen ohnehin auf Veränderung. „Ich habe viele Pläne und eigene Projekte im Kopf, denn ich will für mich selber entscheiden, wann ich wie etwas mache! Aber über ungebratene Eier redet man bekanntlich nicht!“. Wieder so ein typischer Satz, bei dem man unweigerlich schmunzeln muss!

„Till Eulenspiegel lernt das Fliegen“, eine Inszenierung des Theaterzirkus Dresden, wäre so ein Projekt. Direktor Tom Quaas entwickelte für seine Mischung aus Theater und Zirkus eine völlig neue Bühnensprache. Cordula spielte bereits in diesem Jahr Eulenspiegels Gegenpart – sehr zum Wohlwollen der Kritiker. Weitere Aufführungen sind geplant.

Auch mit dem Gesangsduo „Kinbon & Kessmer“, zwei guten Freunden, würde Cordula gerne öfters zusammenarbeiten.

Gern erinnert sich sie an die Zeit direkt nach dem Schauspielstudium – noch ohne festes Engagement, offen für ungewöhnliche Projekte wie dem Spektakel „Shakespeare im Park“.

Im Görlitzer Park in Berlin unterhielt eine Art Wandertheater die Leute. Man spielte kurz ein Stück an und wechselte dann im Park den Auftrittsort. „Das waren alles tolle Menschen. Die Regisseure, ein Deutscher und zwei Amerikaner, waren intelligent, kreativ und witzig. Die Musiker waren total verrückte Künstler. Und beim Wechsel von einem Spielort zum nächsten begleiteten uns 300 – 500 Leute. Ich durfte damals meine ersten Erfahrungen als Schauspielerin sammeln und hatte viele nette Begegnungen. Das war eine unglaublich geile Zeit!“, schwärmt Cordula noch heute.

Viele meinten damals zu ihr, so ein Projekt – wobei jeder Einzelne Feuer und Flamme dafür ist – erlebt man nicht allzu oft. Anfangs wollte sie das nicht glauben, doch inzwischen bedauert sie ein wenig, dass es nicht noch mehr solcher Kunstprojekte gibt.

Cordula Hanns

Cordula Hanns (im weißen Kostüm) mit den Schauspiel-Kollegen Moritz Gabriel und Holger Thews sowie der Weinprinzessin Anna Bräunig während eines Fototermins anläßlich des 26. Herbst- und Weinfestes Radebeul

Man spürt beim Zuhören, hier ist jemand noch nicht am Ende seines Weges angekommen. Und man spürt Cordulas Leidenschaft für ihren Beruf. Die Karriere, die praktisch schon im Kindesalter vor ein paar Krankenschwestern des Eisenhüttenstädter Krankenhauses begann, ist sicher noch lange nicht beendet. Den Namen Cordula Hanns sollte man sich also unbedingt merken. Gut möglich, dass ihn Martin Scorseses Agentin schon wieder vergessen hat, aber man trifft sich ja bekanntlich zweimal im Leben…

IRRTÜMER werden zum Theater-Spektakel

logo-irrtuemer_iiiZum bereits dritten Mal lud die Landesbühne Sachsen in Radebeul zu einem Spektakel der besonderen Art: „IRRTÜMER III – MÄRCHEN UND MYTHEN“ – unter diesem Motto wurden an nur 5 Abenden im Oktober 2016 jeweils 9 Theaterstücke gezeigt, 6 davon als Uraufführung.

Die Grundidee ist genial, offenbart allerdings auch das Dilemma für den Zuschauer: Auf drei nacheinander liegenden Zeitebenen werden je drei Stücke an drei verschiedenen Orten des Hauses gezeigt. Der Besucher hat die Qual der Wahl und muß sich vorab entscheiden, welches Theaterstück er gerne besuchen möchte. Soll es eher Marionettenspiel sein oder lieber Musiktheater? Märchenerzählung oder Schauspiel? Opernparodie oder Liederabend? Haydn oder Shakespeare?

Der Zuschauer wird zum Programmdirektor und stellt sich seinen eigenen Theaterabend mit 3 Stücken zusammen – und muß schweren Herzens auf die anderen 6 Stücke verzichten (oder nochmal wiederkommen).

Die Entscheidung fällt angesichts der unterschiedlichen Genres nicht leicht. Wer letztendlich seine Auswahl getroffen hat, darf sich auf einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend freuen.

Schon am Eingang zur Landesbühne, der einer Höhlenöffnung nachempfunden wurde, wird man mit mystischer Musik und von drei schaurig-schönen, aber mit guten Umgangsformen ausgestatteten Waldgeistern in Empfang genommen und ins Innere des Hauses geleitet. Gedämpftes Licht und jede Menge schwarzes Lametta (das sich übrigens auch an den einzelnen Spielorten wiederfindet) erwartet den Besucher im Foyer. Bücher hängen von der Decke, überall erwartungsvolle Menschen.

Gespielt wird gleichzeitig sowohl im Saal als auch in der Studio- oder Probebühne. Auch die „Goldne Weintraube“ wird später zum Spielort. Die Stücke dauern meist 60 Minuten, anschließend gibt es eine dreißigminütige Umbaupause. Zeit genug für eine kleine Stärkung im Foyer.

Ein Gast sorgt für besonderes Aufsehen. Eine rüstige Seniorin mit einem klitzekleinen Alkoholproblem mischt sich unters Volk und verwickelt die Besucher sehr zum Gaudi der Umstehenden in Gespräche. Puppenspielerin Kora Tscherning haucht meisterhaft ihrer Großpuppe menschliches Leben ein.

In der kleinen Studiobühne läuft die berührende Geschichte DAS KIND DER SEEHUNDFRAU in der Inszenierung von Klaus-Peter Fischer, basierend auf einem grönländischen Inuit-Märchen.

Oruk, ein Fischerjunge, lebt mit seinen Eltern in einer einsamen Hütte am Eismeer. Er weiß nicht, dass seine Mutter eigentlich eine „Seehundfrau“ ist, die durch ein Versprechen von Oruks Vater menschliche Gestalt annahm. Als die im Versprechen vereinbarten sieben Jahre um sind, wird die Mutter sehr schwer krank. Der Vater weigert sich, sein Versprechen einzulösen und seiner Seehundfrau ihr Fell zurückzugeben. Erst als sich Oruk ernsthaft Sorgen macht und den Ausreden seines Vaters keinen Glauben mehr schenkt, gelingt es ihm, seine Mutter zu retten. Nicht wissend, dass er sich trotzdem von ihr verabschieden muss…

Jana Frey und Grian Duesberg verkörpern Oruks Familie. Unterstützt werden sie von drei Musikern, die immer wieder in den Fortgang der Handlung eingreifen und darüber hinaus auf ungewöhnlichen Materialien wie Duschschläuchen, Sägeblättern oder einem Stahlcello Töne und Melodien erzeugen.

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Jana Frey und Grian Duesberg
Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Und wo eben noch das mit wenigen Requisiten gestaltete Eismeer war, entsteht nach der Pause ein opulentes Bühnenbild mit vielen Grünpflanzen, welches die Kulisse bildet für Peter Ensikats Schauspiel „HANS IM GLÜCK“, basierend auf dem bekannten Märchen der Brüder Grimm und in der Inszenierung von Peter Kube.

Nur dass diesmal Hans mit seinem zweiten Ich konfrontiert wird. Hans II sieht sein Glück darin, alles zu besitzen, auch das, was Hans I nicht mehr wichtig ist. Und so wechseln Goldklumpen, Pferd, Kuh, Schwein und Gans öfters den Besitzer. Nur mit dem Glücklichsein ist das so eine Sache…

Michael Berndt-Cananà und Holger Uwe Thews verkörpern den Hans auf der Suche nach dem Glück. An ihrer Seite Sandra Maria Huimann. Fast schon mit stoischer Teilnahmslosigkeit steht sie als Pferd, hat als Kuh die Ruhe weg, flitzt als Schwein über die Bühne und betört den Hans als Gans.

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Michael-Berndt-Cananà als Hans und Sandra Maria Huimann als Pferd „Passionata“
Foto: Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Neben den Pointen, die sich aus dem Spiel der drei Darsteller ergeben, sorgen viele bekannte (Lied-)Zitate für Lacher im Publikum. Man ist sich auch nicht zu schade, jedes Wortspiel in Bezug auf die Tiere mitzunehmen – vom „dummen Schwein“ bis zur „blöden Gans“.

Das Bühnenbild und die Kostüme wurden von Mona Hartmann und Susanne Wilk, beide Studierende der TU Berlin, entworfen.

Wohl dem, der den Abend in der „Goldnen Weintraube“ ausklingen ließ und dabei LIEDER AUS TAUSEND UND EINER NACHT (Inszenierung Gisela Kahl, Musikalische Leitung Uwe Zimmermann) hörte.

Die Theaterkantine der Landesbühne wurde zur Bühne für einen Liederabend der Extraklasse, der Tresen zum Treffpunkt für Verliebte, Gescheiterte und Träumer.

Cordula Hans überzeugte als „Solo Sunny“ und sorgte mit ihrer Version von Rammsteins „Seemann“ für Gänsehaut. Felix Lydicke besingt Renfts „Apfeltraum“ und wünscht sich „Another Day In Paradise“. Anke Teickner als Bardame hat die Lacher auf ihrer Seite – wenn sie ihrem Egon sagt, daß sie nur aus Liebe zu ihm ein Glas zu viel getrunken hat, bleibt kein Auge trocken. Sylke Guhr ist für die klassischen Tonlagen zuständig und besingt u.a. das trostlose Leben einer Bordsteinschwalbe. Und den Mann von Welt spielt und besingt Olaf Hörbe. Seine Darstellung des Charmeurs wirkt wie eine Mischung aus Frank Sinatra, Harald Juntke und Armin Müller-Stahl.

Hier in der Bar, wo solch skurrile Typen anzutreffen sind, darf natürlich eine Person nicht fehlen. Und so verwundert es auch nicht, als plötzlich die schon beschriebene Oma auf der Bühne Platz nimmt und von hier aus das Programm verfolgt, nicht ohne sich hin und wieder einen kleinen Schluck aus ihrem Flachmann zu genehmigen. Aber am Ende wird es auch auch für sie rote Rosen regnen.

Nicht zu vergessen Uwe Zimmermann am Klavier und Eckart Poser an der Gitarre. Gerade Letzterer zaubert einige Gitarrenklänge zum Dahinschmezen.

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v.l.n.r.: Olaf Hörbe, Uwe Zimmermann, Cordula Hanns, Anke Teickner, Felix Lydicke, Silke Guhr und Kora Tscherning
Foto: (c) Hagen König
Mit freundlicher Genehmigung der Landesbühnen Sachsen

Bleibt eigentlich nur noch allen Beteiligten vor, auf und hinter den Bühnen Danke zu sagen für fünf wundervolle Theaterabende. Manchmal können IRRTÜMER auch etwas Schönes sein…

Quelle Logo: Landesbühnen Sachsen