Mit Vollgas übers Wasser

Marie Luies Schilling hat Rennfahrerblut in ihren Adern

Beim 24. Internationalen ADAC Motorbootrennen in Berlin-Grünau (26./27. August 2017) gingen auch vier Renn-Amazonen an den Start. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches, steigen doch immer wieder mal junge Mädchen in ein Rennboot, um sich mit ihren männlichen Konkurrenten zu messen. So starteten in Berlin-Grünau zwei Mädels im ADAC Motorboot Cup, einer Nachwuchsklasse. Die Lettin Ieva Millere kämpfte sogar in der Formula R 1000 bis zum Schluß um den Europameistertitel und wurde schließlich Dritte.

Interessant ist jedoch die vierte Starterin, die gleichzeitig in Berlin-Grünau ihr Renndebüt erlebte: Marie Luies Schilling aus Vechelde (Niedersachsen) pilotierte im Rahmenprogramm ein historisches Rennboot der Klasse R 1000 um den Kurs auf dem Langen See. „Ich bin das erste Mal bei so einer Veranstaltung dabei, habe bisher immer nur getestet.“, verrät die (noch) 16jährige Schülerin.

Rennsport-Luft hat Marie Luies schon immer geschnuppert. Schon als Vierjährige begleitete sie ihren Vater, der Mechaniker im Team von Andreas Schulze (Formula R 1000) ist, zu den Rennen. 2010 wurde sie selbst aktiv und stieg in den Kartsport ein. Doch die Liebe zum Motorbootrennsport war stärker. Kein Wunder, wenn man ständig von Rennsport-Legenden umgeben ist. Andreas Schulze wurde 1997 Europameister in der Klasse HR-1000. Sein Bruder Frank wurde 1999 Weltmeister in der „Königsklasse“ O-500. Beider Vater Manfred Schulze, inzwischen 74 Jahre alt, war mehrfacher DDR-Meister.

Marie Luies Schilling hat ihren (Boots-)Platz bei den Schulzes, die alle aus der Motorbootrennsport-Hochburg Dessau stammen, gefunden. Sogar in der offiziellen Startliste wird sie als Dessauerin geführt.

Geplant war für Marie Luies eigentlich der „normale“ Weg. „Es stimmt, normalerweise steigt man im ADAC Motorboot Cup in den Rennsport ein. Bei mir hat das aber nicht geklappt.“, erzählt Marie Luies. So richtig traurig ist sie darüber nicht. Wenn alles nach Plan läuft, bekommt sie 2018 ein eigenes Cockpit in der Klasse R 1000. „Die Geschwindigkeit in einem R 1000-Boot ist einfach viel höher“, schwärmt Marie Luies. Wer dabei in ihre Augen sieht, erkennt ein Leuchten, so sehr fasziniert sie der Geschwindigkeitsrausch. Und wohin soll es in der Zukunft gehen? „Natürlich will jeder mal ein Formel-1 Boot steuern, aber ich denke, die Klasse R 1000 ist das Machbare“, gibt sich Marie Luies realistisch.

Ihre Schulfreundinnen finden Marie Luies‘ Hobby cool. Manchmal dürfen sie dabei sein, wenn Marie Luies in „ihr“ Boot steigt und ein paar Testrunden dreht. Trainiert wird meist am Wochenende, so läßt sich auch das Hobby gut mit dem Schulunterricht vereinbaren.

Jenes historisches Rennboot, mit dem Marie Luies in Berlin-Grünau unterwegs war, gehört Manfred Schulze. „Das Boot hat 112 PS. Hier in Grünau war ich mit etwa 150 km/h auf dem Wasser unterwegs!“
Wer solche Flitzer auf dem Wasser hält, muß gut trainiert sein. Vor allem die Nackenmuskeln werden in den Kurven stark beansprucht. Auch Kraft in den Armen sollte man haben. Das ist besonders wichtig, wenn der Motor plötzlich seinen Geist aufgibt und man möglichst schnell an Land paddeln muß, um aus der Fahrrinne zu gelangen. Marie Luies ereilte dieses Schicksal im zweiten Lauf. „Das Ruderblatt hatte sich verdreht, ich konnte plötzlich nicht mehr lenken.“, schildert sie das Malheur. Statt mit Motorenkraft ging es mit Muskelkraft zurück ans Ufer. Dank ihres Teams konnte der Schaden bis zum dritten Lauf wieder behoben werden.

An Vorbildern mangelt es Marie Luies nicht: „Manfred Schulze ist ein Vorbild, auch weil er noch immer bei den Classic Booten aktiv mitfährt. Dann René Behnke (mehrfacher Weltmeister im Motorbootrennsport) und natürlich Ieva Millere.“ Der Zufall wollte es, dass im Fahrerlager gegenüber der Schulze-Boxen das Team von Millere seine Zelte aufgeschlagen hat.

In diesem Jahr noch Nachbarn im Fahrerlager – im nächsten Jahr vielleicht schon Konkurrentinnen auf dem Wasser. Von der männlichen Konkurrenz gibt es schon mal Komplimente: „Du bist gut gefahren!“, gratuliert Richard Güll, mit 16 Jahren wie Marie Luies ebenfalls ein Jungspund inmitten der erfahrenen „Alten Hasen“.

Marie Luies hat viel Mut und noch mehr Rennfahrerblut in sich. Ihre Taufe hat sie in Berlin-Grünau nicht nur als Fahrerin bestanden – ihr allererstes Rennwochenende als aktive Pilotin endete nämlich damit, dass sie von ihrem Team ins Wasser geschubst wurde….

Packender Motorsport beim 2. Motorsport-Festival Lausitzring

Nach dem großartigen Erfolg im vergangenen Jahr waren sich alle Beteiligte schnell einig: das Motorsport-Festival auf dem Lausitzring soll wiederholt werden.

Am vergangenen Wochenende war es nun soweit: mit dem Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) und dem ADAC GT Masters präsentierten sich Deutschlands populärste Rennserien gemeinsam dem Zuschauern auf der Rennstrecke im Süden Brandenburgs. Im Rahmenprogramm starteten die Nachwuchspiloten der ADAC Formel 4 sowie die Piloten des Porsche Carrera Cups. 70 Teams, 140 Fahrzeuge und 170 Fahrer – Motorsportherz, was willst Du mehr?

Insgesamt verfolgten 67500 Zuschauer 9 spannende Rennen am Samstag bzw. Sonntag. Damit wurden die Zuschauerzahlen des Vorjahres noch einmal leicht überboten. Mit ein Grund für den Zuschauerboom dürften die neuen Regeländerungen in der DTM gewesen sein, die zu Beginn der neuen Saison in Kraft traten. Noch leistungsstärkere Rennautos, Funkverbot zwischen Fahrer und Box sowie die Freigabe der Boxenstopps sorgten schon beim Auftakt auf dem Hockenheimring für spektakulären Motorsport. Und beim Anblick der „Liga der Supersportwagen“, wie das ADAC GT Masters gern bezeichnet wird, bekommen Motorsport-Fans glänzende Augen, schließlich liefern sich hier Traumautos wie Corvette, Lamborghini, Mercedes-Benz, Audi, BMW, Nissan und Porsche heiße Rad-an-Rad-Duelle.

Und es wurde nicht zuviel versprochen. Auch der Lausitzring bot packende Duelle und rasante Action auf der Strecke. Wie ausgeglichen und spannend die DTM in diesen Jahr ist, zeigt sich beim Blick auf die Ergebnisse. Während der bis dato Gesamtführende Lucas Auer (Österreich) am Sonnabend souverän das erste Rennen gewann, schaffte er am Sonntag mit viel Mühe gerade mal Platz 10 und holte nur einen winzigen Punkt. Und Sonntagsieger Jamie Green (GB) starte am Vortag sogar vom letzten Startplatz.

Nichts zu gewinnen gab es an diesem Wochenende für die Formel-4- und GT-Fahrer vom Berliner Team „Mücke Motorsport“. Für Peter Mücke und seine Mannschaft ist das Motorsport-Festival auf dem Lausitzring das Heimrennen.
Am Sonnabend gab es die Plätze 8 und 10 im ADAC-GT-Masters, am Sonntag konnte man sich gar nicht in den TOP TEN platzieren.
Drei Rennen, dreimal in den Punkten. So könnte man die Ergebnisse von Mückes Formel-4-Piloten zusammenfassen. Nach einem neunten Platz von Lirim Zendeli im ersten Rennen holte Sophia Flörsch mit einem 10. Platz im zweiten Rennen sowie Rang 8 im dritten Rennen die Kastanien aus dem Feuer und zeigte dabei, welch großes Talent in ihr steckt. Immerhin ging sie im dritten Lauf von Startplatz 23 ins Rennen.

Sophia Flörsch

Auch abseits der Rennpiste wurden den Zuschauern viel geboten. Beim Pit-View gewährten die drei DTM-Hersteller Mercedes, Audi und BMW den Fans im Fahrerlager einen Blick in eine ihrer Boxen. Nur wenige Meter entfernt konnte man so den Mechanikern über die Schulter schauen.
In den Markenwelten präsentierten alle Hersteller die neuesten Modelle. Auf den Aktionsflächen der Sponsoren der Rennserien gab es Mitmach-Angebote und Gewinnspiele. Zusätzlich gab es an beiden Renntagen Autogrammstunden mit den Fahrern aller vier Serien.

Bleibt nur zu hoffen, daß das 2. Motorsport-Festival nicht das letzte war. Der Vertrag mit der DTM läuft im nächsten Jahr aus, der Streckenbelag ist nach 17 Jahren reif für eine Komplettsanierung. Immerhin gibt es 67500 gute Argumente für eine Fortsetzung in den nächsten Jahren.

Auf dem Lausitzring wartet auch 2017 wieder jede Menge Spektakel

Einen Rückblick auf die vergangene Rennsaison sowie einen Ausblick auf die Höhepunkte 2017 am Lausitzring gaben am Dienstag Veranstalter, Ausrichter und erfolgreiche Sportler auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Josef Meier, geschäftsführender Gesellschafter der Eurospeedway Verwaltungs GmbH, bezeichnete die abgelaufene Saison als die zweiterfolgreichste in der Geschichte des Rings. Das Motorsport-Festival sowie das Red Bull Air Race waren die Publikumsmagneten 2016. Daran wollen die Lausitzring-Betreiber sowie der ADAC Berlin-Brandenburg als Ausrichter auch in diesem Jahr anknüpfen.

Bernd Barig, Vorstand Sport beim ADAC Berlin-Brandenburg e.V., und Thomas Voss, Leiter Motorsport & Klassik beim ADAC München, freuen sich schon auf das diesjährige Motorsportfestival vom 19. – 21. Mai. Mit dem Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) und dem ADAC GT Masters gastieren die beiden wichtigsten nationalen Motorsportmeisterschaften an einem Wochenende in der Lausitz. „Das Motorsportfestival ist nach dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring die zweitgrößte Automobil-Veranstaltung in Deutschland“, verrät Thomas Voss. Aus den Erfahrungen der Premierenveranstaltung 2016 habe man viel gelernt, was man in diesem Jahr besser machen kann. Allerdings wird 2017 die Superbike*IDM, Deutschlands wichtigste Motorradrennsportserie, nicht mehr dabei sein. „Wir haben uns bemüht, wieder Zwei- und Vierräder an den Start zu bringen, allerdings haben die Verantwortlichen der Superbike*IDM abgelehnt!“, bedauert Voss.

Für Peter Mücke, Teamchef BWT Mücke Motorsport (Berlin), ist das Motorsportfestival das Heimrennen schlechthin. Erstmalig wird BWT Mücke Motorsport 3 Fahrzeuge im ADAC GT Masters in den Kampf um die Meisterschaft schicken. Getreu seiner Firmenphilosophie, junge talentierte Fahrer weiter auszubilden, vertraut Peter Mücke dem 17jährigen Mike David Ortmann aus Berlin ein Rennfahrzeug an. „Mike hat in der Formel 4 gezeigt, was er drauf hat. Normalerweise steigt man dann in die Formel 3 auf, aber wir überspringen eine Klasse. Es war Zeit, den nächsten Schritt zu machen!“, so Peter Mücke auf der Pressekonferenz.

Teamchef Peter Mücke

Für die Zweirad-Fans dürfte das Wochenende vom 18.-20. August interessant werden, wenn der deutsche Lauf zur Superbike-Weltmeisterschaft auf dem Lausitzring stattfindet. Gleich zwei Piloten aus Deutschland gehen in dieser Rennsportserie an den Start. Neben dem Bayer Markus Reiterberger (Althea BMW Racing Team) dürfte vorallem Stefan Bradl (Red Bull Honda World Superbike Team) viele Zuschauer anlocken. Der ehemalige Moto2-Weltmeister fährt 2017 in der Superbike-Weltmeisterschaft und freut sich wie Reiterberger auf sein „Heim“-Rennen: „Ich bin gespannt, was mich hier in der Lausitz erwartet und hoffe auf viele Fans, die uns unterstützen!“

Für Matthias Dolderer, Pilot des Red Bull Air Race im Team MD 21 und amtierender Weltmeister der weltweit schnellsten Rennsportserie, machen genau die Fans auf dem Lausitzring den Unterschied zu anderen Rennstrecken aus. „Dadurch, dass die Hangars quasi gegenüber der Zuschauertribüne sind, können wir im Gegensatz zu anderen Strecken die Atmosphäre viel intensiver aufsaugen. Wir sehen und hören das Publikum, was woanders nicht der Fall ist“, schwärmt Dolderer.

Am 16. und 17. September gastiert das Red Bull Air Race in der Lausitz. Es ist der vorletzte WM-Lauf und die letzte Station, bevor der Rennzirkus weiter nach Indianapolis (USA) weiter zieht. Zu gerne würde Dolderer auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung zuvor auch sein Heimrennen gewinnen.

Air-Race-Weltmeister Matthias Dolderer sowie die beiden Superbike-Piloten Stefan Bradl und Markus Reiterberger stimmen sich schon mal auf den Lausitzring ein.

Wer es lieber so richtig schmutzig mag, kommt beim Extremhindernislauf Tough Mudder am 09. und 10. September auf seine Kosten. Auf 18 km Länge entsteht auf dem Gelände des Lausitzrings der härteste Abenteuerspielplatz für Erwachsene: Schlamm, 40 Tonnen Eis und mehr als 20 extreme Hindernisse sind die Zutaten für „das härteste Event der Welt“ und bringen jeden Teilnehmer an seine physischen und psychischen Grenzen.

Den kompletten Rennkalender und weitere Infos, u.a. auch zum Ticketverkauf, gibt es unter www.lausitzring.de.

v.l.n.r.: Jesef Meier, Teammitglied Mücke Motorsport, Bernd Barig, Mike David Ortmann, Thomas Voss, Peter Mücke, Stefan Bradl, Markus Reiterberger, Matthias Dolderer

Ein Teenager auf dem Weg an die Spitze – der Berliner Mike Ortmann und das Abenteuer Formel 4

Wo bitte geht es zur Box vom Team „Mücke Motorsport“? Die riesige Freifläche auf der Rückseite der Boxengasse des Lausitzrings ist ein einziger großer Stellplatz: Trucks, Zelte, Wohnwagen stehen schön nebeneinander wie in einer Wagenburg aufgereiht. Hier irgendwo bin ich auf der Suche nach Mike David Ortmann. Der 16jährige Berliner fährt in der Formel 4, der Nachwuchsklasse des ADAC für Formelrennwagen.

Ich frage mich bei den Mechanikern in ihren orangenen Shirts durch; Teamchef Peter Mücke gibt mir den Tip, es mal in der Kommandozentrale des Teams zu versuchen. Dort treffe ich endlich auf meinen Gesprächspartner. Entspannt, mit herunterhängendem Rennoverall sitzt Mike vor einem Monitor und lauscht den Ausführungen seines Renningenieurs. Das Ziel für das anstehende Rennwochenende ist klar: „Drei Podiumsplätze wären schön“, sagt Mike. Damit wäre er weiterhin im Titelrennen.

7_Mike Ortmann_(c)Thoralf HaßMike Ortmann ist ein ruhiger Typ, der trotz seiner jungen Jahre schon professionell Motorsport betreibt. Vor der Box steht für die vorbei flanierenden Fans ein Aufsteller mit Autogrammkarten, Postern und Fähnchen – der Kontakt zu den Fans ist wichtig. Das zeigt sich auch, wenn Mike durch das Fahrerlager geht: immer wieder bitten junge Mädels um Mikes Unterschrift oder ein Foto.

Seine Leidenschaft zum Motorsport entwickelte sich schon frühzeitig: „Angefangen hat es 2009, als wir an einem Kindergeburtstag Kartfahren waren.“, erinnert sich Mike an seine Anfänge zurück. Die Faszination Motorsport ließ ihn danach nicht mehr los. Schnell stellten sich erste Erfolge ein – so gewann er zweimal den Bundesendlauf im Kartsport und wurde Dritter im ADAC Kart Masters.

Der damalige Betreiber seiner Internetseite lud Mike Ortmann auf den Lausitzring ein und stellte ihm Peter Mücke, Teamchef von „Mücke Motorsport“, vor. Nach erfolgreich verlaufenen Tests im Simulator und auf der Rennpiste unterschrieb Mike Ortmann im Oktober 2014 bei „Mücke Motorsport“, einem der führenden Rennställe in Deutschland, wenn es um die Ausbildung hoffnungsvoller Talente geht, und wechselte vom Kart- in den Formelrennsport in die ADAC Formel 4. „Das Besondere an der Formel 4 ist, dass alle Fahrer das gleiche Material haben, von der Motorleistung bis zum Chassis. Es kommt also nur auf den Fahrer an, wie erfolgreich ein Rennen verläuft!“, erklärt der Berliner. In seiner ersten Saison wurde er auf Anhieb Zweiter in der Rookie-Wertung, also zweitbester Neuling.

Peter Mücke sagt über Ortmann: „Mike ist ein dufter Junge, das ist das Wichtigste. Er ist über den Winter fahrerisch sehr gereift und mental sehr stark. Und er ist einer der besten Überholer, die ich kenne.“

Auf seiner Hausstrecke, dem Lausitzring, läuft es jedoch weniger gut. Im ersten Rennen nur Platz 9, im zweiten Lauf wird seine Aufholjagd durch Safty-Car-Phasen immer wieder unterbrochen und es reicht nur zu Platz 4.4_Mike Ortmann in der Startaufstellung_(c)Thoralf Haß

Seine Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnissen an diesem Wochenende sieht man ihm an. Doch viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, der Zeitplan ist dicht gedrängt. Zur Autogrammstunde sieht man ihn schon wieder lachen und er beantwortet nebenbei geduldig die Fragen des Moderators.6_Mike Ortmann im Interview_(c)Thoralf Haß

Wer sich mit Mike Ortmann unterhält, merkt schnell, da ist jemand, der für seinen Sport lebt. Klar hat er den Wunsch, mal in die Formel 1 zu wechseln. „Man muss dabei aber beobachten, welcher Weg ist realistisch und sich auch eingestehen, wenn es am Ende nicht reicht. Wir schauen einfach von Jahr zu Jahr. Auf jeden Fall will ich weiter Motorsport betreiben!“, sagt Mike.

Sagt’s und ist schon wieder auf das nächste Rennen fokussiert. Wenig später verlässt er die schützende Wagenburg und geht völlig unaufgeregt zum Vorstart, als wäre es das Normalste dieser Welt. Dabei wird er sich gleich in einen Rennboliden setzen und vor den Augen seiner angereisten Fanclubs mit fast 200 km/h über die Piste jagen – links und rechts flankiert von rund 20 weiteren jungen Wilden….

Endlich kann er sein Potential zeigen, führt bis zwei Runden vor Schluss und wird am Ende doch nur Dritter. Während er mit Regenreifen auf der langsam trockener werdenden Strecke blieb, stellten seine Konkurrenten auf Slicks um und konnten ihn kurz vom dem Ziel noch überholen.

(c) für alle Fotos: Thori, 2016

„Man ist nicht gezwungen, den Vordermann zu überholen!“ – Der Berliner Rennfahrer Philipp Weidinger über die Faszination Rallycross

Als 2015 auf dem Lausitzring im Süden Brandenburgs zum ersten Mal die Deutsche RallyCross Meisterschaft Station machte, waren die Zuschauer fasziniert von dem, was ihnen geboten wurde: spektakulärer Motorsport, packende Tür-an-Tür-Duelle und frisierte Tourenwagen an der Belastungsgrenze. Dazu sommerlich heiße Temperaturen, die die Rennen zum Härtetest für Fahrer und Autos machten. Keine Frage, der Auftritt auf der extra dafür neu errichteten Piste im Turn 1 des Lausitzringes konnte die Zuschauer für diese hier in der Region noch relativ unbekannte Motorsportdisziplin begeistern.

Einer der tollkühnen Piloten ist Philipp Weidinger. Der 26jährige BWL-Student startet für die Private Renngemeinschaft Spandau e.V. im ADAC. Zum Rallycross ist er eher zufällig gekommen. „Der ADAC Berlin-Brandenburg wollte ein Rallycross-Rennen veranstalten und hat unseren Verein gefragt, ob wir die Organisation in Groß Dölln übernehmen könnten. Zunächst hatte ich das Projekt als Offizieller im Org.–Büro begleitet. Irgendwann fragte mich mein Papa, ob ich nicht selber mitfahren möchte.“, erinnert sich Philipp an seine Anfänge als Rallycrosser. 

ADAC Track Day

Philipp Weidinger vor seinem Peugeot 206 RC

Das war vor etwa 3 Jahren. Zuvor war Philipp Weidinger ziemlich erfolgreich im Slalomsport unterwegs, wurde zweimal „Slalom Youngster Cup“-Meister. Auch ein Jahr im „Dacia Logan Cup“ steht in seiner Vita.

Vor zwei Jahren wechselte Philipp zum Rallycross, wurde 2014 Vize-Meister im DRX-RallyCross Cup und gewann 2015 den Titel. 2016 stieg er in die Klasse der „Super National“ auf. Hier finden sich sowohl Front- und Heckantriebler als auch Fahrzeuge mit Turbo- oder Saugmotoren wieder. Klassen wie DRX RallyCross Trophy, DRX Rallycross Cup oder Super 1600 sind stärker reglementiert.

Aber was macht Rallycross für Fahrer und Zuschauer so interessant? Philipp Weidinger kennt das Erfolgsgeheimnis: „Es ist die Kombination aus Asphalt- und Schotterpassagen. Man muss auf beiden Oberflächen schnell sein. Und man fährt im Gegensatz zum reinen Rallyesport nicht gegen die Zeit, sondern im Pulk Mann gegen Mann.“

6_Rallycross Lausitzring 2015_(c)Thoralf Haß

Der Rallycross-Parcours besteht aus Asphalt- und Schotterpassagen

Im Pulk – das heißt, meist 5 bis 8 Fahrer absolvieren kurze Läufe, die Heats. Eine Rennrunde ist etwa einen Kilometer lang und muss maximal 7 mal absolviert werden.

Überhaupt ist Rallycross für den Laien zunächst etwas ungewohnt. So gibt es neben dem Freien und dem Zeittraining an jedem Rennwochenende 3 Qualifikationsläufe. Im ersten Lauf erfolgt die Startaufstellung entsprechend der Trainingszeiten. Für jede Platzierung in Lauf 1 gibt es Punkte, aus denen ein Ranking ermittelt wird. Im zweiten Lauf starten die Fahrer auf den ungeraden Punkterängen (also die Plätze 1,3,5,7 usw.) sowie die Fahrer auf den geraden Punkterängen (2,4,6,8 usw.) gegeneinander. Die in Lauf 2 erzielten Punkte werden zu den bisherigen addiert und es ergibt sich eine neue Reihenfolge. Die Startaufstellung für Lauf 3 ergibt sich wiederum aus den geraden und ungeraden Platzierungen. Die Punktbesten nach 3 Vorläufen ermitteln dann im Finale den Tagessieger.

ADAC Track Day

Beim Rallycross erleben die Zuschauer packende Kopf-and-Kopf-Duelle

Eine Besonderheit beim Rallycross ist die Joker-Runde, die jeder Fahrer einmal pro Lauf durchfahren muss Meist handelt sich dabei um eine kleine Schleife oder Schikane, die in die normale Rennstrecke integriert ist. Ähnlich wie der Boxenstopp und die richtige Boxenstrategie beim Tourenwagen- oder Formel-Rennsport kann der Zeitpunkt, wann der Fahrer die Joker-Runde absolviert, über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Wenn ich nach dem Start vorn bin, nehme ich die Joker-Runde in der letzten Umfahrung. Sollte ich jedoch den Start verschlafen und Fahrzeuge vor mir haben, fahre ich gleich zu Beginn die Joker-Runde, um anschließend freie Strecke zu haben und das maximale Tempo zu fahren, das mein Fahrzeug hergibt!“, verrät Philipp die beste Strategie. Man sei nicht unbedingt gezwungen, den Vordermann zu überholen, wichtiger sei es, bei möglichst freier Strecke den Parcours am schnellsten zu durchqueren.

Das Reglement erlaubt es auch, an den Fahrzeugen herumzuschrauben. Man darf das Fahrwerk oder das Steuergerät verändern, auch der Einbau leichter Plastikteile ist erlaubt. Die Motoren sind allesamt getunt.

Philipps Rennbolide ist ein Peugeot 206 RC mit etwa 200 PS. Wie schnell sein Fahrzeug ist, kann Philipp nicht so genau sagen: „Das Fahrzeug wurde noch nie ausgetestet. Und da wir kein Tachometer im Auto haben, weiß ich auch nicht, wie schnell ich bin. Aber es geht auch nicht so sehr um Höchstgeschwindigkeit, sondern darum, am schnellsten aus den Ecken und Kehren heraus zu beschleunigen und sich so einen Vorteil im Rennen zu verschaffen!“

Der Berliner betreibt seinen Rennsport als Hobby. Das siebenköpfige Team, das sich um Fahrer und Fahrzeug kümmert, besteht aus Familie und Freunden. Philipps Vater Gerd Weidinger ist Vorsitzender der Privaten Renngemeinschaft Spandau, Teamchef bei Weidinger Motorsport und Rennleiter der Rennen auf dem Lausitzring. Um die Verpflegung am Rennwochenende kümmert sich Philipps Mama. Hinzu kommen die beiden Mechaniker Marc-Anton Schubert und Karsten Liebtrau.

ADAC Track Day

Philipp Weidinger wühlt sich durch die Schotterpassagen

Die Kosten für eine Saison kann man schlecht beziffern – die Arbeitsstunden sind nicht gezählt, oft wird bis spät in die Nacht am Rennauto repariert. Bei den hochgezüchteten Motoren ist nach jedem Rennen ein Motorencheck notwendig. Und bei den heißen Duellen auf der Strecke und den Belastungen durch den Untergrund gehen auch schon mal einige Teile kaputt, die erneuert werden müssen.

Philipps Lieblingsstrecke ist der Parcours auf dem Lausitzring: „Die Strecke ist länger als andere Kurse, außerdem fahren wir auf richtigem Rennasphalt. Die eingebaute Sprungkuppe ist einzigartig und es gibt schnelle und langsame Ecken.“, schwärmt er.

Ausgerechnet auf dem Lausitzring ging beim ADAC Track Day, der für Test- und Einstellfahrten gedacht ist, sein Fahrzeug kaputt. Und das eine Woche vor dem Start in die neue Saison. So musste er beim ersten Rennen auf sein Vorjahresfahrzeug, einen VW Polo, ausweichen, welcher natürlich in der neuen Klasse hubraumtechnisch deutliche Nachteile gegenüber den anderen Fahrzeugen hat.

ADAC Track Day

Philipp Weidinger (hinten) auf der Strecke

Überhaupt sind Trainings- und Testmöglichkeiten sehr begrenzt. Da die Rennfahrzeuge keine Straßenzulassung besitzen, bleibt den Fahrern nur, offizielle Trainingstage zu nutzen oder man hat das Glück und darf auf Privatgelände testen.

Erst in den vergangenen Jahren ist Rallycross in Berlin und Brandenburg populär geworden, allerdings ist es immer noch eher Breiten- als Profisport. In der WorldRX, der FIA World Rallycross Championship, fahren die großen Namen: DTM-Pilot Mattias Ekström (Schweden), Rallye-Weltmeister Sebastien Loeb (Frankreich) oder auch der mehrfache Medaillengewinner der X-Games Ken Block (USA), der im amerikanischen Pendant zur WRX, der Global Rallycross Championship GRC, startete.

Ein Start in diesen internationalen Serien wäre für Philipp Weidinger ein Traum. Bis dahin konzentriert sich Philipp auf seine Rennen in der „Super National“-Klasse, die er irgendwann mal als Meister beenden möchte. „Wenn Sponsoren mitspielen, ist das Ziel sicherlich realistisch. Ich denke, fahrerisches Vermögen ist vorhanden, um mithalten zu können“, zeigt sich Philipp Weidinger optimistisch. Für die aktuelle Saison sind seine Ziele bescheidener. „Es gibt viele starke Fahrer und Autos in dieser Klasse. Eine Platzierung in den TOP 3 dürfte für mich schwierig werden. Ich will aber im oberen Mittelfeld, etwa Platz 5 oder 6 einkommen.“

Dass diese Einschätzung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigte sich bereits am ersten Rennwochenende auf dem Lausitzring. Trotz 50 PS weniger Leistung als seine Konkurrenten konnte sich Philipp von Lauf zu Lauf steigern und erreichte schließlich das Halbfinale. Damit war das selbstgesteckte Ziel erreicht, aber durch eine taktisch kluge Fahrweise und Fehler der anderen Fahrer schaffte Philipp den Einzug ins Finale, wo er für alle überraschend mit Platz 3 seine erste Podiumsplatzierung in der neuen Klasse erzielte.

ADAC Track Day

Philipp Weidinger in der Startaufstellung zum Rennen auf dem Lausitzring

Ob sich dieser positive Trend in den nächsten Rennen fortsetzt, wird sich zeigen. Neben dem Rennen auf dem Lausitzring stehen noch Läufe auf dem Grundautalring, Estering Buxtehude, Ewald-Pauli-Ring Schlüchtern und in Maasmechelen (Belgien) auf dem Programm. Abgerechnet wird am Jahresende, wenn die Meisterschaft beendet ist. Gut möglich, dass dann ein Berliner ganz vorne mitmischt…

„Alte Hasen“ und Neueinsteiger beim Trainings- und Schnuppertag auf dem Halbendorfer See

Gemeinsam mit dem ADAC Berlin-Brandenburg organisierte der ADAC Sachsen am 23. April auf dem Halbendorfer See das jährliche Frühjahrstraining für Motorrennboote aller Klassen.

12 Piloten aus mehreren Bundesländern nutzten die Gelegenheit, ihre Rennboote fit für die neue Saison zu machen und neue Bauteile zu testen. So konnten die Schaulustigen Boote der Renn-Klassen O-125, O-250, O-350, F-500 und des ADAC Masters erleben. Auch die Classic-Boote waren mit 5 Teilnehmern stark vertreten. Classic-Boote sind historische Rennboote, die heutzutage nur noch auf Showveranstaltungen zu erleben sind.2016-04-21__(c)-Thoralf Hass_10

„Wir haben hier die Möglichkeit, nach der Winterpause erstmals unsere Boote wieder zu Wasser zu lassen. Die Gegebenheiten hier vor Ort und auch die Strecke sind für solche Trainingstage nahezu ideal!“, verrät der Berliner Karsten Kluge, der in der Vergangenheit schon EM- und Vize-EM-Titel in verschiedenen Klassen gewann. Auf dem Halbendorfer See sorgte sein Rennboot der Klasse F-500 für Aufsehen bei den wenigen Zuschauern. Mit 180 PS und Höchstgeschwindigkeiten bis zu 180 km/h jagte Kluge über den See.

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180 PS, ca. 180 km/h, 220 kg schwer, 13800 U/min, 500 ccm
Karsten Kluge in seinem F-500

Fast ebenso schnell war Roman Schnaider aus Vockerode (Sachsen-Anhalt) mit seinem 35 Jahre alten Oldtimer. Er pilotierte ein Originalboot von Motorboot-Legende Bernhard Danisch. Die Danisch-Boote eroberten in den 70er und 80er Jahren mehrere WM-und EM-Titel und stellten Geschwindigkeitsweltrekorde auf.

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zum Vergleich ein historisches 500er Boot: ca. 130 PS, etwa 150 km/h schnell, 12500 U/min
Roman Schnaider (3.v.r.) mit einem Boot von Bernhard Danisch

Motorbootrennsport hat in der Lausitz eine lange Tradition. Neben Halbendorf gab es in der Vergangenheit Rennen auf dem Schwielochsee, dem Partwitzer See und auf der Talsperre Spremberg.

Ein paar Unentwegte versuchen seit Jahren mehr oder weniger vergebens, diese Tradition aufrecht zu erhalten. Mit dem Halbendorfer See fand man 2011 ein Terrain, daß internationalen Ansprüchen genügte. Nach 3 Internationalen Rennen war schon wieder Schluß: Der Bau der neuen Wasserski-Anlage sorgte dafür, daß der Kurs verkürzt werden mußte. Damit sind hier zukünftig keine Rennen mehr möglich.

Überhaupt wird es für Veranstalter immer schwerer, geeignete Strecken zu finden. Hans Joachim Gleffe vom Motor-Rennboot-Club Berlin e.V. gehört zu denen, die den Motorbootrennsport am Leben erhalten wollen. Gerade die Lausitz mit ihren vielen Gewässern bietet sich an. „Wir wollten auf dem Bärwalder See ein Rennen etablieren, waren mit den Planungen schon weit vorangeschritten. Allerdings waren unsere Ansprechpartner nicht so zuverlässig, wie man das für solch eine Veranstaltung erwarten muß. Und ohne zuverlässige Partner kann man ein solches Rennwochenende nicht alleine organisieren und finanzieren.“, verrät Gleffe die Probleme. Auch der Plan, das Rennen auf dem Spremberger Stausee wiederzubeleben, scheiterte an einer einzigen Unterschrift.

Ein weiteres Problem für den deutschen Motorbootrennsport ist der Nachwuchs. Es gibt zu wenige junge Fahrer. Der ADAC geht deshalb neue Wege. Neben dem offiziellen Training für die erfahrenen Piloten gab es auf dem Halbendorfer See einen Schnupperkurs für Kinder und Jugendliche. Mit der Klasse GT-15 hat der ADAC eine Einsteigerklasse etabliert, in der man mit 10 Jahren erste Rennerfahrungen sammeln kann. Sieben mutige Kinder, u.a. aus Berlin, Magdeburg und Krauschwitz, nahmen in einem Rennboot Platz und ließen sich von Volker Lewalter, Instrukteur beim ADAC Hessen/Thüringen, einweisen. Nach einer kurzen Sitzprobe und Trockenübungen ging es für die Steppkes das erste Mal aufs Wasser.

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Volker Lewalter bei der Einweisung

Yvonne König

Yvonne König, hier beim Motorbootrennen in Berlin-Grünau 2015

Fachliche Hilfe für die Kleinen gab es von Yvonne König, mit einem Vizeweltmeistertitel und Erfahrungen in der Formel-2 eine der aktuell besten deutschen Motorbootfahrerinnen. „Ich hatte mit 14 Jahren meinen Einstieg in den Rennsport, allerdings war damals das Mindestalter höher gesetzt.“, erinnert sie sich an ihre eigenen Anfänge. „Mit der GT-15 ist der ADAC auf einem guten Weg. Die Boote sind sehr sicher und die Kleinen können hier das Rennsport-Einmaleins lernen!“, freut sich Yvonne König über die Begeisterung der Jüngsten. Ob auf dem Halbendorfer See die Karriere eines zukünftigen Weltmeisters begann, wird die Zukunft zeigen.

Wer die historischen Rennboote einmal im Einsatz sehen will, hat am 13. August in Goyatz auf dem Kleinen Schwielochsee sowie am 20.August in Eisenhüttenstadt auf dem Oder-Spree-Kanal die Gelegenheit.

An letzten August-Wochenende findet in Berlin-Grünau auf der Regattastrecke ein WM-Lauf der F4 statt.

(c) für alle Fotos: Thori, 2015 & 2016

Härtetest für Mensch und Material auf dem Lausitzring

2015-06-14 DM Rallyecross auf dem Lausitzring 0017Eine Premiere erlebte bei heißen Temperaturen der Lausitzring am vergangenen Wochenende: zum ersten Mal fand hier ein Meisterschaftslauf für die Deutsche Rallycross Meisterschaft (DRX) statt. Auch der polnische Rallycross Cup absolvierte zeitgleich seinen dritten Meisterschaftslauf auf der Niederlausitzer Piste. Gemeldet hatten über 70 Starter aus 6 Nationen.

Rallycross ist eine Mischung aus Rallye- und Tourenwagenrennsport. Diese neue Motorsportdisziplin exisitert noch nicht lange und erfreut sich international zunehmender Beliebtheit.
Gefahren wird sowohl auf Asphaltabschnitten als auch auf extra geschotterten Streckenabschnitten. Die Startgruppen sind mit maximal 8 Fahrzeiugen klein und die Renndistanz beträgt 5-7 Runden. Pro Lauf muß jeder Fahrer einmal den „Joker“ ziehen, was gleichbedeutend mit einer kleinen Schleife auf dem Parcours (ähnlich der Strafrunde im Biathlon) ist. Wer richtig pokert und den Joker zum richtigen Zeitpunkt zieht, kann sich im Rennen einen Vorteil verschaffen und Plätze gutmachen.
Die Fahrzeuge sind reinrassige Rallyefahrzeuge, deren Beschleunigungspotential z.T. über dem der Formel 1 liegt.

Für die Rennen auf dem Lausitzring wurde im Turn 1 ausgangs der Start- und Zielgeraden ein etwa 950 Meter langer Rundkurs mit zwei Schotterpisten angelegt. Zusätzlich wurde eine kleine Sprungkuppe eingebaut, über die die bis zu 600 PS-starken Autos flogen.
Besonders nach dem Start eines Laufes, wenn sich das Feld noch nicht richtig einsortiert hat, wurde der erste Schotterabschnitt zum Zünglein an der Waage. Manch einer verlor hier auch schon Teile seiner Karosserie und mußte anschließend sein Fahrzeug mit Defekt abstellen.

Die 15 zum Teil rechtwinkligen Kurven waren der Garant für packende Duelle und spektakuläre Szenen. Einige Fahrer loteten dabei den Grenzbereich ihres Fahrzeugs voll aus und schienen die Gesetze der Physik ignorieren zu wollen, als sie plötzlich mit angekipptem Wagen auf nur noch zwei Rädern unterwegs waren. Auch Überschläge gab es zu vermelden, glücklicherweise blieb es bei Blechschäden..

Während in den Qualifikationsläufen die Starterfelder ziemlich klein waren und zeitweise nur noch 3 Fahrzeuge auf der Strecke zu sehen waren, änderte sich das in den Finalläufen. 8 Fahrzeuge auf dem engen Kurs versprechen viel mehr Action und spannende Zweikämpfe!

Den Organisatoren von der Privaten Rennsportgemeinschaft Spandau (PRS) kann man zur Entscheidung, mit den Läufen zur Deutschen Rallycross Meisterschaft auf den Lausitzringr zu ziehen, nur gratulieren. Die Zuschauer waren hautnah dran und konnten auf der Tribüne in Turn 1 die gesamte Rennstrecke einsehen. Auch die Aktiven fanden beste Bedingungen vor.
Größere Pannen gab es bei der Premiere nicht, obwohl der Veranstalter immer wieder versicherte, daß sich alles erst einspielen muß auf diesem neuen Parcours. So mußten mehrmals die Schotterstrecken nachbearbeitet werden, weil sich durch die Beanspruchung durch die Rennfahrzeuge gefährliche Rillen bildeten. Im nächsten Jahr soll sich die Piste aber gefestigt haben.
Und als durch die Trockenheit die Strecke zu staubig wurde, sprang kurzerhand die Feuerwehr und wässerte die Strecke.

Nicht ganz zufirieden dürften die Veranstalter allerdings mit der Zuschauerresonanz sein. Etwa 1000 Zuschauer wurden nach Veranstalterangaben an diesem Rennwochenende gezählt. Besonders die polnischen Fahrer konnten sich aber auf viele Fans aus dem Nachbarland verlassen, die für ein wenig Stimmung entlang der Strecke sorgten.

Die Zuschauer, die da waren, erlebten eine gelungene Premiere und interessanten Motorsport. Gut möglich, daß zukünftig Rallycross fester Bestandteil des Terminkalenders auf dem Lausitzring wird.

(C) für alle Fotos: Thori, 2015

Das „Lausitzrennen“ ist wieder da – DTM und SUPERBIKE*IDM lassen alte Tradition wieder aufleben

„DTM trifft SUPERBIKE*IDM“ – mit diesem Slogan warben beide Rennserien für ein besonderes Spektakel. Sogar der Begriff „Lausitzrennen“ fiel in diesem Zusammenhang. Im Rahmen des 8. Laufes des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) starteten nicht nur die 500-PS-starken Rennwagen der erfolgreichsten Tourenwagenserie der Welt, sondern mit der SUPERBIKE*IDM auch die höchste deutsche Zweiradrennsport-Serie. In der gesamtdeutschen Rennsportgeschichte gab es so etwas noch nicht, daß Rennautos und Motorräder gemeinsam an einem Rennwochenende ihre Wertungsläufe austragen.

Für die Lausitz ist die Idee kein Novum. In der DDR war es üblich, daß die Zuschauer an den wenigen Rennwochenenden im Jahr Zwei- und Vierräder erleben konnten. Doch was hat sich in diesem Vierteljahrhundert an der Faszination geändert?

Programmheft Forst 1989

Titel des Programmheftes zum 1. Lausitzrennen am 07.10.1989

Am 7. Oktober 1989 wagte der MC Kahsel im ADMV den Versuch und initierte das 1. Lausitzrennen auf einem Autobahnabschnitt zwischen Forst und Bademeusel nahe der deutsch-polnischen Grenze. Gefahren wurde dabei auf jenem Autobahn-Behelfsflugplatz, den ansonsten die DDR-Luftverteidigung für Start- und Landeübungen ihrer Militär-Jets nutzte.

Da der Platz begrenzt war, gab es im Gegensatz zum „Sachsenring“ oder „Schleizer Dreieck“ kein Rundstreckenrennen, sondern ein Einzelzeitfahren über 2 Läufe à 3 km.

10 000 Zuschauer erlebten bei strömenden Regen die Premiere. Gefahren wurde damals bei den Motorrädern in den Rennklassen bis 125 ccm (heute vergleichbar mit der Moto3) und 250 ccm (heute Moto2) sowie bei den Autos in den Tourenwagen-Klassen bis 600 ccm (die beliebten Trabi-Rennen), bis 1300 ccm (für Wartburg, Lada, Skoda) sowie Rennwagen bis 1300 ccm.

Ironie der Geschichte: Auch bei der Neuauflage auf dem modernen Lausitzring 25 Jahre später wurden die Zuschauer naß.IMG_7221

Bei der zweiten Austragung 1990 gab es sogar schon ein Rahmenprogramm. Angekündigt war eine Flugschau mit Fallschirmspringern, Motor- und Segelkunstflug. Außerdem gab es Sonderläufe für Fahrer der BRD.

Das „Lausitzrennen“ 2014 war größer, bunter und spektakulärer. 58 000 Zuschauer verfolgten die Rennen. Waren bei den ersten beiden „Lausitzrennen“ nur Amateurfahrer am Start, gingen auf dem Lausitzring mit Timo Glock oder Paul Di Resta Piloten mit Formel 1 – Erfahrung an den Start. Im Rahmenprogramm gab es Stunt-Shows, Autogrammstunden mit den Fahrern, Taxifahrten mit den Rennboliden und vieles mehr. Mit dem Porsche Carrera-Cup und der deutschen Formel 3 standen weitere Rennserien auf dem Programm. Dank TV und Internet werden die Rennen weltweit übertragen. Standen damals die Fahrzeuge in einer Schlange hintereinander und warteten auf ihren Start, werden heutzutage jeder Fahrer und jedes Fahrzeug von einem sogenannten Grid-Girl präsentiert. Die Boxen waren damals eher provisorische Behelfsunterkünfte, heute sind es Sicherheitszonen.

Was bleibt, ist die Anziehungskraft des Motorsports. Die Idee, Zwei- und Vierräder an einem Rennwochenende zusammen zu führen, hatte noch einen anderen Vorteil: Gewöhnlich verlassen die meisten Zuschauer nach Rennende der DTM den Lausitzring und interessen sich nicht mehr für die nachfolgenden Rennserien. Diesmal blieben viele Besucher auf ihren Sitzen und verfolgten auch noch das anschließende Rennen der Motorräder.

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Packende Duelle

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Das Fahrerfeld im Infield des Lausitzrings

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Pascal Wehrlein gewinnt den 8. Lauf

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Marco Wittmann macht den Triumpf perfekt und gewinnt vorzeitig die Meisterschaft

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v.l.n.r.: Christian Vietoris, Pascal Wehrlein, Timo Scheider

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Pressekonferenz

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Beliebte Fotomotive: Lausitzring-Maskottchen (rechts im Bild) und Grid-Girl

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Optischer Leckerbissen: Die Grid-Girls, hier beim Fotoshooting für die Fans

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Im Rahmenprogramm konnte der Truck besichtigt werden, mit dem die Fußball-Weltmeister 2014 durch Berlin fuhren

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Revolverheld spielten im Fahrerlager

„Alles richtig gemacht!“, möchte man den Initiatoren von DTM und SUPERBIKE*IDM zurufen. Bleibt nur zu hoffen, daß nicht wieder 25 Jahre bis zum 4. „Lausitzrennen“ vergehen.

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Bis zum nächsten Lausitzrennen! – (c) für alle Fotos: Thori, 2014

„Das Schlimmste ist das lange Stehen“ – Ein Blick hinter die Kulissen eines Rennwochenendes am Lausitzring

Daß Motorsport die Fans fasziniert, ist kein Geheimnis. Dabei läuft so ein Renntag meistens nach dem gleichen Muster ab: Unterschiedliche Rennklassen bieten den Zuschauern den ganzen Tag über spannende Duelle und rasante Action. Die meisten Veranstalter locken zudem mit offenen Fahrerlagern, wo die Fans mit etwas Glück ihre Idole treffen können. Aber wie läuft so ein Renntag aus Sicht der Protagonisten ab? Der Autor dieses Beitrages wollte es genauer wissen und machte sich während des diesjährigen ADAC-GT-Masters auf dem Lausitzring auf die Suche nach Antworten.

Wer mit Rennfahrerin Victoria Froß an so einem Renntag ins Gespräch kommen möchte, braucht viel Geduld und auch etwas Glück. Das liegt aber weniger an irgendwelchen Starallüren oder Geheimniskrämereien – ganz im Gegenteil. Die Leipzigerin, die im Rahmenprogramm der GT-Masters in der ADAC-Procar-Serie einen Mini Cooper steuert, ist sympathisch, aufgeschlossen und erfüllt gerne Foto- und Autogrammwünsche ihrer Fans. Die Sächsin ist eine von insgesamt fünf Frauen, die an diesem Wochenende in einer der 7 Rennserien an den Start gehen. Die meiste Zeit verbringt sie jedoch mit „Lotte“, wie sie ihr Rennauto liebevoll nennt.

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Victoria Froß mit „Lotte“ im Einsatz

Arbeitsbeginn war für Viktoria um 7:30 Uhr. „Das heißt, aufs Rennen vorbereiten, also das Auto vorbereiten, vermessen, einstellen, mit den Mechanikern reden, was noch geändert werden kann.“ Etwa um 9.00 Uhr beginnt das 30minütige Zeitraining, wobei hier die Startplätze für das nachfolgende Rennen ermittelt werden. Danach heißt es erneut Fahrzeug vermessen, das Training mit den Mechanikern auswerten, Tanken und „Lotte“ fit fürs Rennen zu machen. „Wenn dann noch etwas Zeit bleibt, schauen wir auch die anderen Rennen an“, so Victoria Froß.

Daß auch der Spaß nicht zu kurz kommt, bewiesen Victoria Froß und ihre Teamkollegin Lisa Christin Brunner spontan an einem Sponsorenstand im Fahrerlager. Dort lieferten sich beide ein kleines Wettrennen auf einer Kehrmaschine.

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Auch auf einer Kehrmaschine schnell unterwegs: Victoria Froß

Kurz nach 15:00 Uhr heißt es, fertig machen fürs Rennen. Nach kurzem Warten an der Vorstartlinie geht es in die Startaufstellung, dann heißt es volle Konzentration. „Lotte“ kann das Renntempo ihrer unmittelbaren Konkurenten mitgehen, durch individuelle Fehler der anderen Fahrer verbessert sich Victoria im Hauptfeld der ADAC-Procar-Serie noch um einige Positionen.

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„Lotte“ nimmt Kurs auf den Fotografen

Zur Erklärung: das Hauptfeld besteht aus Fahrzeugen mehrerer Divisionen, d.h. Fahrzeuge gleicher Motorisierungen werden in einer Division zusammengefäßt. Victoria Froß fährt in der Division 3, in der alle Minis gewertet werden.

Nach dem Rennen klingt der Tag so langsam aus. „Lotte“ wird für den nächsten Tag vorbereitet, kleinere Reparaturen werden erledigt. Abends setzt man sich mit dem Team zusammen und grillt. Übernachtet wird übrigens im Wohnmobil direkt vor Ort, um die Versorgung kümmert man sich selber. Auch Victoria Froß hat an den Tagen vor dem Rennwochenende ihren Beitrag geleistet und für das Team insgesamt 3 kg Hackfleisch zu Buletten verarbeitet.

Mit dem Rennwochenende auf dem Lausitzring zeigt sich Victoria zufrieden. „Ich konnte mich im Vergleich zu den bisherigen Rennen in Oschersleben und Zandvoort (NL) deutlich verbessern. Es ist zwar immer noch Luft nach oben, aber ich bin zufrieden. So kann es weitergehen!“ Sagt es und macht sich schon wieder auf den Weg, diesmal zur Siegerehrung ihrer Rennfahrerkollegen.

IMG_1875Zu diesem Zeitpunkt steht die Chemnitzerin Nicole Neubert schon wieder an ihrem Arbeitsplatz. Sie gehört zu den Grid-Girls, jenen Mädels, die in der Startaufstellung vor jedem Rennen die Rennfahrzeuge präsentieren, u.a. auch Victorias „Lotte“.

Vor einigen Jahren hatte Nicole im Internet gelesen, dass Grid-Girls gesucht werden. Sie hatte sich bei der entsprechenden Agentur beworben und wurde angenommen. Neben dem Lausitzring gehört auch der Sachsenring zu den Einsatzorten der Zweiundzwanzigjährigen.

Auch für Nicole begann der Samstag sehr früh. Um 5:30 Uhr war Aufstehen, danach ging es von Chemnitz zum Lausitzring. Um 9:00 Uhr war Treffpunkt, anschließend erfolgte das Einkleiden und ein kurzes Briefing. Dort werden die Laufwege erklärt und was sonst noch alles zu beachten ist. Dann heißt es auch schon Aufstellung für das erste Rennen zu nehmen. Das setzt sich dann bis zum späten Nachmittag fort. „Viel Zeit zum Ausruhen haben wir eigentlich nicht, es geht hier alles ziemlich fix. Ansonsten sitzen wir in unserem Aufenthaltsraum, quatschen ein wenig oder trinken einen Kaffee.“

Was für den Zuschauer nach einem leichten Job aussieht, ist für die Grid-Girls harte Arbeit. „Gerade beim ADAC-GT-Masters stehen wir vor dem eigentlichen Start manchmal bis zu einer Stunde in der Startaufstellung. Das schlimmste dabei ist wirklich das Stehen, vor allem mit den hohen Schuhen. Das Stehen ist schlimmer als das Laufen“, erklärt Nicole. Glücklicherweise spielt an diesem Wochenende auch das Wetter mit. „Ich hatte auch schon Rennen, da war es kalt oder es hat geregnet. Das ist dann wirklich unangenehm. Selbst wenn wir Regenkleidung bekommen, so richtig warm hält unsere Dienstkleidung nicht“.

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Nicole (2.v.l.) mit den anderen Grid-Girls

Die Grid-Girls für den Lausitzring kommen aus Berlin, Leipzig und Dresden. Nicole ist die einzige Chemnitzerin. Einige der anderen Mädels kennt sie von anderen Einstätzen, aber es kommen auch immer wieder neue Mädels hinzu.

IMG_1838Nicole betont noch einmal, daß der Job eines Grid-Girls kein leichter Job ist. Dazu kommt, daß die Mädels ständig freundlich in die Kameras der Fotografen und TV-Teams lächeln müssen. “Ich mache das sehr gerne, deshalb fällt es mir nicht so schwer. Aber ich kann mir vorstellen, daß die eine oder andere schon Probleme hat, die ganze Zeit ein Lachen aufzusetzen.“ Die Studentin für „Media Acting und Rhetorik“ modelt seit 2009 nebenbei und ist das Posen vor der Kamera gewohnt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum man ihr die Freude an der Tätigkeit als Grid-Girl regelrecht ansieht.

Am frühen Samstagabend ist endlich Dienstschluß. Nicole läßt den Tag ruhig ausklingen, wird bei Bekannten ganz in der Nähe des Lausitzringes übernachten.

Die meisten Zuschauer des ADAC-GT-Masters mit seinen Rennserien haben sich längst auf dem Heimweg gemacht, als ein langer anstrengender Arbeitstag für Victoria Froß und Nicole Neubert endet. Ob beide Frauen mal ihren Arbeitsplatz tauschen würden? Vermutlich nicht. Aber dafür nehmen Beide für ihre persönliche Faszination am Motorsport sicherlich gerne in Kauf, daß sich ihr Wochenende anders gestaltet als man es von der Zuschauer-Tribüne aus betrachtet vielleicht wahrnimmt. Auch das verbindet das Grid-Girl mit der Rennfahrerin. Und so werden beide Frauen sicherlich auch am nächsten Rennwochenende wieder zeitig aufstehen, um sich auf ihren langen Arbeitsstag vorzubereiten. Motorsport macht zweifellos Spaß, kann aber auch abseits der Rennpiste ziemlich anstrengend sein, wovon der Zuschauer auf der Tribüne meist nichts mitbekommt….

Der Autor dieses Beitrages bedankt sich abschließend bei Victoria und Nicole, die trotz eines straffen Zeitplanes Zeit fanden und bereitwillig Auskunft gaben, sowie bei der Pressestelle des ADAC Berlin/Brandenburg und der Betreuerin für die Grid-Girls, die den Kontakt zu Nicole überhaupt erst ermöglichten.

Links:

Nicole Neubert

Victoria Froß

 

„Alleinflug“ – Film über Elly Beinhorn entsteht auf dem Finsterwalder Flugplatz

Auf dem Lausitzflugplatz Finsterwalde/Schacksdorf finden gegenwärtig Dreharbeiten für einen ZDF-Film unter dem Arbeitstitel „Alleinflug – Elly Beinhorn“ statt. Darin geht es um die berühmte Pilotin Elly Beinhorn (1907-2007), die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für Furore sorgte. So überflog sie innerhalb von 24 Stunden 3 Kontinente, umrundete als erste Frau die Welt im Flugzeug und stellte mehrere Langstreckenrekorde auf.

Durch ihre Heirat mit dem damals ebenso berühmten Rennfahrer Bernd Rosemeyer (1909-1938) erlangte das Paar einen Berühmtheitsstatus wie heutzutage die Brangelinas dieser Welt. Rosemeyer verunglückte zwei Jahre nach der Hochzeit tödlich bei einem Rennunfall, als eine Windböe das Rennauto bei einer Geschwindigkeit von über 400 km/h erfasste. Der Wagen überschlug sich mehrfach, Rosemeyer wurde dabei aus dem Auto geschleudert und war auf der Stelle tot. Die Fliegerei und der „Alleinflug“ waren für Elly Beinhorn Trost und blieb zeitlebens ihre Leidenschaft.

ZDF-Pressetermin am Set zu "Alleinflug", 07.10.2013

v.l.n.r. Max Riemelt, Vicky Krieps, Harald Krassnitzer, Christian Berkel

Unter der Regie von Christine Hartmann agieren u.a. die Luxemburgerin Vicky Krieps (Elly Beinhorn), Max Riemelt (Bernd Rosemeyer), Harald Krassnitzer, Christian Berkel und Ulrike Krumbiegel.

„Der Flugplatz Finsterwalde wird der Zeit gerecht, in der der Film spielt. Und es gibt hier eine Gras-Landebahn. Ellys erstes Flugzeug ist aus Holz gebaut und kann nur auf Gras starten und landen!“ begründet Regisseurin Christine Hartmann die Standortauswahl. Gedreht wird mit Originalflugzeugen aus der damaligen Zeit, die immer noch flugfähig sind.

ZDF-Pressetermin am Set zu "Alleinflug", 07.10.2013

Max Riemelt, Bernd Rosemeyer jun., Vicky Krieps

Bernd Rosemeyer junior, Sohn von Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer, freut sich, daß die Geschichte seiner Mutter verfilmt wird. „Es ist ein eigenartiges Gefühl, Teile meines Lebens wieder zu sehen. Die Persönlichkeiten meiner Eltern kommen gut rüber.“

Rosemeyer junior berichtet, daß er selbst 75 Jahre nach dem Tod seines Vaters immer noch auf den Namen angesprochen wird und ob er mit dem berühmten Rennfahrer verwandt sei. „Die Reaktionen sind durchweg positiv!“, versichert der Sohn, der eine Karriere als Chirurg einschlug und die Leidenschaften seiner Eltern weniger teilt. „Entweder ich wäre genauso begabt gewesen wie mein Vater, was unwahrscheinlich gewesen wäre, oder ich hätte mir den Hals gebrochen. Hinterherfahren hätte ich nicht können!“ verrät Bernd Rosemeyer junior.

Nach den Dreharbeiten auf dem Finsterwalder Flugplatz geht es im November für die Filmcrew nach Südafrika, wo weitere Szenen gedreht werden sollen.

ZDF-Pressetermin am Set zu "Alleinflug", 07.10.2013

Vicky Krieps als Elly Beinhorn

Vermutlich im Frühjahr 2014 wird der Film auf dem Sendeplatz des „ZDF-Herzkino“ am Sonntagabend um 20:15 Uhr ausgestrahlt.