Auf dem Sprung in den Schlager-Olymp – Warum aus Frencis wieder Franziska Wiese wurde

Nicht schlecht gestaunt haben dürften einige Zuschauer, als in der ARD-Fernsehsendung „Das große Schlagerfest“ mit Florian Silbereisen eine Newcomerin vorgestellt wurde: Franziska Wiese. Das ist doch….? Genau, eine hier in der Region bekannte Sängerin, allerdings eher bekannt als Frencis.

Aber aus Frencis wurde Anfang des Jahres wieder Franziska Wiese, so der bürgerliche Namen der charmanten Sprembergerin. Viel hat sich seitdem im Leben von Frencis, pardon, Franziska Wiese geändert.Franziska Wiese

Schon als Kind nahm Franziska Wiese Violinunterricht an der Musikschule Spremberg und später am Cottbuser Konservatorium. Sie spielte im Südbrandenburgischen Kinder- und Jugendstreichorchester sowie in einem internationalen Jugendorchester. Parallel dazu faszinierte sie auch der Chorgesang. Mit 16 legte Franziska die Geige zur Seite. Schule und später berufliche Ausbildung hatten Vorrang. Am Cottbuser Oberstufenzentrum machte sie ihr fachgebundenes Abitur und begann danach in der Spremberger Stadtverwaltung eine Lehre als Verwaltungsangestellte. In Ihr schlummerte jedoch schon lange ein Wunsch: „Beim Spremberger Heimatfest gab es für Sänger der Musikschule die Möglichkeit auf der großen Freilichtbühne vor Publikum auftreten. Da wollte ich auch stehen!“ Dies war für Sie die Motivation das Fach Gesang an der Musikschule zu belegen.
Nach der Ausbildung wechselte Franziska Wiese zum Landkreis Spree-Neiße und arbeite im Jobcenter. „Ich wollte mit Menschen zusammenarbeiten, wollte viel Bürgerkontakt haben.“, verrät sie. Leider war der Job auch mit viel Papierkram verbunden.
Franziska konnte nicht mehr so kreativ sein, wie sie wollte. Drei Jahre trat sie neben dem Job als Sängerin Frencis auf, bis sie sich 2013 dazu entschied, ihre Karriere voranzutreiben und sich in Zukunft nur noch der Musik zu widmen. Aus einem Hobby wurde ein Beruf. Viele Auftritte bei Stadtfesten, Betriebsveranstaltungen und Galas folgten.

Franziskas Mutti kümmerte sich derweil um die Buchungsanfragen. Sie war es auch, die ihrer Tochter riet, mal etwas Eigenes zu singen statt immer nur Coverversionen. Eine Sängerin müsse sich auch weiterentwickeln.
Emsig wurden Mails an Veranstalter und Produzenten geschickt. Eine dieser Mails wurde an Veronika Jarzombek weitergeleitet.

Seit 38 Jahren ist Veronika Jarzombek als Künstlermanagerin tätig und hat ein Gespür für hoffnungsvolle Talente. Zu DDR-Zeiten entdeckte sie u.a die „M.-Jones-Band“ und „Rosalili“ (die erste Band der „Puhdys“-Söhne). Zu Jarzombeks größten Entdeckungen gehören auch solch bekannte Künstlerinnen wie Yvonne Catterfeld oder Linda Hesse.
„Franziska hat etwas Außergewöhnliches in der Stimme!“, schwärmt die Managerin und nahm Frencis unter Vertrag. Durch sie kam u.a. die Zusammenarbeit mit dem Sänger und Produzenten André Stade zustande. Er erkannte ihr schöpferisches Talent und sie erarbeiteten gemeinsam Songs, wobei ihr Lieblingsinstrument – die Geige, einen besonderen Stellenwert einnahm. Die Mischung aus Gesang und Geigenspiel gaben dem Musikprojekt eine Einmaligkeit, die Franziska zum Plattenvertrag verhalf.

Veronika Jarzombek machte Frencis mit dem Sänger und Produzenten André Stade bekannt. Gemeinsam nahm man im Tonstudio ein paar Demo-Songs auf, mit denen man sich bei den großen Plattenfirmen vorstellen wollte. Zwar wollte Franziska, die inzwischen ihren Künstlernamen Frencis abgelegt hatte, nur singen, erwähnte aber beiläufig, dass sie auch Geige spielen könne. Sofort wurde ausprobiert, wie es klingt, wenn Franziskas Gesang und ihr Violinspiel zusammenkommen.

Mit 6 produzierten Demo-Songs fuhr Franziska zum Plattenmeeting, damit sich die Verantwortlichen ein Bild von ihr und ihrem Talent machen konnten. Sogar mit der Geige spielte sie vor. Das Ergebnis: ein Plattenvertrag bei „Electrola“, einem Label der „Universal Music“, und viele Stunden im Tonstudio, um Titel für das Album einzusingen.

Franziskas erstes Album mit dem schönen Titel „Sinfonie der Träume“ erscheint voraussichtlich Ende Juli. Produziert wurde es von André Stade und Thorsten Brötzmann als Co-Produzent. An den Texten hat Franziska mitgeschrieben, ebenso an den Melodien. Immer zu hören ist auch ihre Violine. „Die Musikrichtung lässt sich schwer einordnen. Es ist ein Mix aus Pop, Schlager, einigen Ethno-Einflüssen und auch orchestralen Klängen“, sagt Franziska. Crossover – so lautet der Fachbegriff, also das Ineinandergreifen verschiedenster Stile. Franziska und ihr Team hoffen, sich so ein wenig von der Konkurrenz abzuheben, wobei sie den Begriff „Konkurrenz“ überhaupt nicht mag. Dazu ist Franziska noch zu neu im großen Musikgeschäft und muß sich ihren Platz in der Branche erst noch erarbeiten!
Der Anfang ist jedoch schon gemacht: Die erste Single-Auskopplung „Ich bin frei“, ein sehr persönlicher Titel, läuft seit April sehr erfolgreich in den Radio-Hitparaden. In den deutschen „Airplay-Charts (konservativ)“, der Hitliste der am meisten im Radio gespielten Titel, stieg „Ich bin frei“ bis auf Platz 5 und hält sich dort weiterhin auf vorderen Plätzen. Vor ihr platziert waren nur Matthias Reim, Nicole, Andrea Berg und Vanessa Mai. Franziska Wiese spielt auf einmal auch für sie überraschend in einer für sie völlig neuen Liga: „Man kann sich kaum vorstellen, dass man plötzlich mit solchen Giganten wie Andrea Berg im direkten Wettbewerb steht! Jetzt freue mich schon wahnsinnig auf die Veröffentlichung meines ersten Albums. Ich möchte unbedingt einmal meinen Namen in den TOP 100 der meistverkauften Alben lesen!“

Den Ritterschlag erhielt Franziska Wiese am 16. April 2016 in der Fernsehsendung „Das große Schlagerfest“ mit Florian Silbereisen. Als Newcomerin vorgestellt, verzauberte Franziska das Publikum. Über 5 Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten verfolgten den Auftritt Franziskas. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie unheimlich nervös ich war. Viele Künstler wollen in die Sendung und schaffen es ein Leben lang nicht. Das ist Deutschlands erfolgreichste Abendshow, die live ausgestrahlt wird. Wenn Du dort einen Fehler machst, sehen ihn alle Zuschauer und Du kannst ihn nicht rückgängig machen!“ Trotz Nervosität und der Anwesenheit berühmter Musiker-Kollegen – Franziskas Auftritt war fehlerlos und sorgte für einen Popularitätsschub.

Viele, vor allem ältere Spremberger Zuschauer aus Silbereisens Zielgruppe, erkannten die Sängerin im Fernsehen wieder und berichteten im Bekanntenkreis darüber. Durch die mediale Präsenz wurde Franziska mittlerweile deutschlandweit bekannt. Ihre Spremberger Herkunft verleugnet sich dabei nie. Zwar wohnt sie inzwischen in Berlin, besucht aber fast 14-tägig ihre Heimatstadt, bummelt gern durch die Lange Straße und besucht ihren immer noch vorhandenen Freundeskreis, der bei den Hitparaden fleißig für Franziska votet.
Franziska WieseFür die ARD-Dokumentation „Schlagerland Deutschland“ stand sie mehrmals vor der Kamera. Wie ein roter Faden zieht sich Franziskas musikalische Karriere durch den Film. Gezeigt wird nicht nur die Wandlung von Frencis zu Franziska, sondern auch ihr Alltag im Tonstudio und ihr Weg vom Newcomer zu einer anerkannten Künstlerin.
Gedreht wurde auch in Spremberg, u.a. an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung. Die Ausstrahlung der 90minütigen Dokumentation ist für den Herbst geplant.

Aber bringt der Karrieresprung nicht auch Nachteile mit sich? „Viele Veranstalter wissen gar nicht, dass ich nicht mehr unter dem Namen Frencis auftrete und wundern sich, dass nichts mehr von Frencis zu hören ist“, wünscht sich Franziska mehr mediale Aufmerksamkeit. Auch ihre Managerin Veronika Jarzombek hat so ihre Erfahrungen: „Man hat irgendwie das Gefühl, dass in Brandenburg einheimische Künstler zu wenig als Solche wahrgenommen werden. In anderen Bundesländern erhalten überregional bekannt gewordenen Künstler viel mehr Anerkennung. Dabei sollte eine Region doch stolz auf ihre Künstler sein, die auch nicht zu unterschätzende Werbeträger für eine Stadt oder Region sind!“

Franziska geht gelassen mit ihrer neuen Popularität um, das langsam zunehmende Medieninteresse schreckt sie keinesfalls ab. Sie freut sich auf das, was da auf sie zu kommt. Für das neue Album „Sinfonie der Träume“ wird es eine Promotion-Tour durch die Funkhäuser geben, auch eine Autogrammstunden-Tour ist geplant. Hinzu kommen weiterhin Auftritte in zuschauerstarken Fernsehshows wie z.B. am 3.6. MDR „Meine Schlagerwelt mit Ross Antony“, 26.6. „ZDF-Fernsehgarten“, am 9.7.MDR „Die Schlager des Sommers“ mit Florian Silbereisen, oder am 24.7. ARD „Immer wieder Sonntags“.

Auch hierzulande kann man Franziska Wiese live erleben. Am 20. August ist sie Gast beim Mieterfest der Spremberger Wohnungsbaugenossenschaft. Zuvor steht Franziska am 19.6. beim Johannismarkt in Straupitz, oder auch am 16.7. in Sophienthal auf der Bühne.

Gut möglich, dass bis dahin die fragenden Gesichter weniger und die Fans zahlreicher geworden sind. Und aus Frencis ist endgültig Franziska Wiese geworden – eine Lausitzerin, die den Sprung ins Haifischbecken namens „Showbusiness“ gemeistert und rasend schnell die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklommen hat. Und die trotz neuem Umfelds und vielen neuen Möglichkeiten, die ihre Popularität nun bietet, bodenständig und heimatverbunden geblieben ist

Ein Teenager auf dem Weg an die Spitze – der Berliner Mike Ortmann und das Abenteuer Formel 4

Wo bitte geht es zur Box vom Team „Mücke Motorsport“? Die riesige Freifläche auf der Rückseite der Boxengasse des Lausitzrings ist ein einziger großer Stellplatz: Trucks, Zelte, Wohnwagen stehen schön nebeneinander wie in einer Wagenburg aufgereiht. Hier irgendwo bin ich auf der Suche nach Mike David Ortmann. Der 16jährige Berliner fährt in der Formel 4, der Nachwuchsklasse des ADAC für Formelrennwagen.

Ich frage mich bei den Mechanikern in ihren orangenen Shirts durch; Teamchef Peter Mücke gibt mir den Tip, es mal in der Kommandozentrale des Teams zu versuchen. Dort treffe ich endlich auf meinen Gesprächspartner. Entspannt, mit herunterhängendem Rennoverall sitzt Mike vor einem Monitor und lauscht den Ausführungen seines Renningenieurs. Das Ziel für das anstehende Rennwochenende ist klar: „Drei Podiumsplätze wären schön“, sagt Mike. Damit wäre er weiterhin im Titelrennen.

7_Mike Ortmann_(c)Thoralf HaßMike Ortmann ist ein ruhiger Typ, der trotz seiner jungen Jahre schon professionell Motorsport betreibt. Vor der Box steht für die vorbei flanierenden Fans ein Aufsteller mit Autogrammkarten, Postern und Fähnchen – der Kontakt zu den Fans ist wichtig. Das zeigt sich auch, wenn Mike durch das Fahrerlager geht: immer wieder bitten junge Mädels um Mikes Unterschrift oder ein Foto.

Seine Leidenschaft zum Motorsport entwickelte sich schon frühzeitig: „Angefangen hat es 2009, als wir an einem Kindergeburtstag Kartfahren waren.“, erinnert sich Mike an seine Anfänge zurück. Die Faszination Motorsport ließ ihn danach nicht mehr los. Schnell stellten sich erste Erfolge ein – so gewann er zweimal den Bundesendlauf im Kartsport und wurde Dritter im ADAC Kart Masters.

Der damalige Betreiber seiner Internetseite lud Mike Ortmann auf den Lausitzring ein und stellte ihm Peter Mücke, Teamchef von „Mücke Motorsport“, vor. Nach erfolgreich verlaufenen Tests im Simulator und auf der Rennpiste unterschrieb Mike Ortmann im Oktober 2014 bei „Mücke Motorsport“, einem der führenden Rennställe in Deutschland, wenn es um die Ausbildung hoffnungsvoller Talente geht, und wechselte vom Kart- in den Formelrennsport in die ADAC Formel 4. „Das Besondere an der Formel 4 ist, dass alle Fahrer das gleiche Material haben, von der Motorleistung bis zum Chassis. Es kommt also nur auf den Fahrer an, wie erfolgreich ein Rennen verläuft!“, erklärt der Berliner. In seiner ersten Saison wurde er auf Anhieb Zweiter in der Rookie-Wertung, also zweitbester Neuling.

Peter Mücke sagt über Ortmann: „Mike ist ein dufter Junge, das ist das Wichtigste. Er ist über den Winter fahrerisch sehr gereift und mental sehr stark. Und er ist einer der besten Überholer, die ich kenne.“

Auf seiner Hausstrecke, dem Lausitzring, läuft es jedoch weniger gut. Im ersten Rennen nur Platz 9, im zweiten Lauf wird seine Aufholjagd durch Safty-Car-Phasen immer wieder unterbrochen und es reicht nur zu Platz 4.4_Mike Ortmann in der Startaufstellung_(c)Thoralf Haß

Seine Unzufriedenheit mit den bisherigen Ergebnissen an diesem Wochenende sieht man ihm an. Doch viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, der Zeitplan ist dicht gedrängt. Zur Autogrammstunde sieht man ihn schon wieder lachen und er beantwortet nebenbei geduldig die Fragen des Moderators.6_Mike Ortmann im Interview_(c)Thoralf Haß

Wer sich mit Mike Ortmann unterhält, merkt schnell, da ist jemand, der für seinen Sport lebt. Klar hat er den Wunsch, mal in die Formel 1 zu wechseln. „Man muss dabei aber beobachten, welcher Weg ist realistisch und sich auch eingestehen, wenn es am Ende nicht reicht. Wir schauen einfach von Jahr zu Jahr. Auf jeden Fall will ich weiter Motorsport betreiben!“, sagt Mike.

Sagt’s und ist schon wieder auf das nächste Rennen fokussiert. Wenig später verlässt er die schützende Wagenburg und geht völlig unaufgeregt zum Vorstart, als wäre es das Normalste dieser Welt. Dabei wird er sich gleich in einen Rennboliden setzen und vor den Augen seiner angereisten Fanclubs mit fast 200 km/h über die Piste jagen – links und rechts flankiert von rund 20 weiteren jungen Wilden….

Endlich kann er sein Potential zeigen, führt bis zwei Runden vor Schluss und wird am Ende doch nur Dritter. Während er mit Regenreifen auf der langsam trockener werdenden Strecke blieb, stellten seine Konkurrenten auf Slicks um und konnten ihn kurz vom dem Ziel noch überholen.

(c) für alle Fotos: Thori, 2016

Von einer, die auszog, die Menschen zu erleuchten

Wer auf die Kabarettistin Silvia Doberenz trifft, wird überrascht sein – sowohl von der Künstlerin als auch der Privatperson.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015„Yoga-Comedy“ – so die Ankündigung ihres Programmbeitrages zur „6. Langen Nacht des Kabaretts“ im „Kuckuck“ in Groß Jamno. Was hat man also zu erwarten? Jemand, der auf der Bühne Yoga-Übungen veranstaltet, die vielleicht in Slapstick-Einlagen enden? Oder Jemand, der übertrieben albern irgendwelche Esoterik-Fanatiker aufs Korn nimmt? Nichts davon ist eingetroffen. Stattdessen unterhalten Silvias skurrile, aber liebenswerte Figuren die Zuschauer an diesem Abend.

Also geht man das Risiko ein, sich mal ein ganzes Programm von Silvia Doberenz anzuschauen. Irgendwann müssen doch mal die Vorurteile und Klischees bedient werden. Aber denkste, was damals nur in Ausschnitten in der Mixed-Show zu sehen war, setzt sich auch im Solo-Programm fort. Silvia Doberenz macht sich nicht über Yoga, Esoterik oder Spiritualität lustig. Ihre Show, ihre Bühnenpräsenz, ihr Wesen ist lustig.

Wir verabreden uns nach der Show zum Gespräch. Auf der Terrasse des „Kuckucks“ sitzend, bei schönstem Vogelgezwitscher, steht Silvia Doberenz Rede und Antwort.

Stimmt es, daß Sie den „Kuckuck“ angeschrieben haben und sich als Künstlerin quasi beworben haben?

Ich habe keine Agentur, die für mich das Booking macht, deshalb gucke ich immer, wo andere Kollegen spielen und dann schaue ich mal. Ich wollte auch mehr im Osten spielen, daß es nun soweit im Osten ist, ok. Dann habe ich den „Kuckuck“ einfach mal angeschrieben, ob sie nicht Lust auf Erleuchtung haben.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Yoga-Kabarett zu machen?

Ich mache selber schon sehr lange Yoga, spiele auch schon sehr lange Theater. Ich habe eine Ausbildung als Theaterpädagogin, habe sehr lange Improvisationstheater gemacht, auch Unternehmenstheater, bin aber keine ausgebildete Schauspielerin. Seit meiner Jugend habe ich das schon sehr gerne gemacht, als Hobby. Ich hatte aber schon immer im Hinterkopf, daß ich gerne ein eigenes Programm möchte, hatte aber nie den richtigen Impuls dazu. 2011 gab es privat eine große Krise, da wäre ich fast nach Indien ausgewandert, weil ich mich dort in einen Guru verliebt habe. Der hatte aber noch andere Frauen und es gab ein Drunter und Drüber und ich hatte meine Existenz hier schon fast aufgegeben, war aber nach einem halben Jahr wieder hier und stand vor dem Nichts, war verzweifelt und dachte: „Nee, jetzt machst Du aus der Not eine Tugend und machst Dein eigenes Programm!“

Waren Sie in der Schule schon immer der Pausenclown?

Nein, überhaupt nicht, schon gar nicht von meiner Sozialisation und so. In meinen Zeugnissen stand immer, daß ich freundlich bin, aber ich war nie die Sprücheklopferin. Das ist eher ein Entwicklungsweg, den ich später zurückgelegt habe. Das war latent zwar immer vorhanden, aber nicht so wie bei anderen.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Ich habe ja mein Chanel-Star (Silvia Doberenz lacht lauthals über ihre scheinbar spontane Antwort)

Nein, Im Ernst: Ich lasse mich von allem inspirieren. Ich habe, glaube ich, so einen bestimmten Blick, wenn ich in Situationen bin. Dann kann ich auch von außen drauf gucken auf die ganze spirituelle Szene. Wenn man drinnen ist und man unterhält sich über Energie und die ganzen Sachen, das ist für einen selber ganz normal. Wenn man aber von draußen drauf schaut, gibt es so viele Sachen, die total witzig sind oder aberwitzig und unsinnig erscheinen. Ich habe mir immer diesen Blick bewahrt, von außen drauf zu schauen.

Silvia Doberenz schreibt ihre Texte selber. Sie ist thematisch vorbelastet, hat viele Yoga-Seminare besucht. Selber ist sie immer noch als Yoga-Lehrerin aktiv, hat ein eigenes Studio, gibt allerdings nur noch zwei Kurse pro Woche, da sie mit ihrem Kabarett-Programm viel unterwegs ist.

Ist Kabarett Ihr Hauptberuf oder die Yoga-Lehre?

Beides. Ich habe eigentlich sogar drei Standbeine, das dritte ist Kommunikationstraining. Ich mache Seminare für Schlagfertigkeit, Körpersprache, Teambildung, aber Kabarett wächst mehr und mehr.

Seit wann bespielen Sie das derzeitige Programm „Erleuchtung für Anfänger“?

Seit Ende 2011.

Wird das Programm ständig verändert oder ist das noch das ursprüngliche Programm, so wie es geschrieben wurde?

Es ist das Erste in der Struktur, aber es hat sich total verändert und gewandelt. Es ist nicht mehr das Programm, mit dem ich angefangen habe. Es kommen auch immer wieder neue Sachen hinzu. Manche Leute kommen 3,4,5 mal in die Vorstellung und freuen sich, weil ich immer wieder neue Sachen mit einbringe.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Ist ein neues Programm in Arbeit?

Doch, ich glaube, daß nächstes Jahr ein neues Programm dran ist.

Kommen dann auch neue Figuren?

Bestimmt, aber ich denke, die Sandra wird wieder mitspielen….

… die hat ja ein gewisses Eigenleben entwickelt. Gibt es reale Vorbilder zu den Figuren?

Nein, nicht daß ich wüßte. Also die Sandra kam einfach so. Ich habe einfach die Kamera angemacht und mich davor gesetzt und angefangen zu improvisieren, dann kam irgendwie so ein Typ, und aus dem hat sie sich entwickelt. Ich glaube aber, sie hat viele Anteile von mir….

…. quasi autobiografisch.

Ja, ja, (wieder dieses sympathisches Lachen, das ansteckend wirkt)

Wäre es eine Option, die Figuren aus dem Programm in kurzen Webvideos oder als Spielfilm zu zeigen?

Gut, daß Sie das ansprechen, da bin ich gerade mit einer Freundin am Diskutieren. Ich würde gerne so kleine Youtube-Filmchen machen, etwa in der Art „Die Erleuchterin rät“ oder „Was würde Sandra machen?“, also Frage/Antwort als Inspiration für den Alltag. Da sind wir dran, aber es ist noch nichts Konkretes.

Silvia Doberenz im "Kuckuck", 26.04.2015Wer das Programm gesehen hat, weiß, daß sich die Figur Sandra Sommer von der etwas verklemmten Frau in einen heißen Feger, oder besser gesagt, in eine strenge Domina verwandelt. Obwohl, Sandra als Domina mit Hornbrille ist nicht wirklich angsteinflössend…

Braucht man eigentlich Mut, um im Lack-Leder-Kostüm durchs Publikum zu laufen und darum zu bitten, mal geschlagen zu werden?

Nö, ich genieße das. Ich mag ja diese Gegensätze irgendwie. Allein die Vorstellung, daß es so eine Art Yoga gibt, finde ich selber so lustig, Und da ich es in der Figur der Sandra mache, hat es nicht unbedingt etwas Laszives. Na klar, man sieht es und man sieht mich, aber gleichzeitig ist es die Figur der naiven Sandra, die da was ausprobiert. Das hat immer noch etwas Unschuldiges.

Wie reagiert das Publikum?

Eigentlich so wie heute mit Ah, Uh und Pfiffe. In 80% der Fälle kommen die Leute wie gewünscht auf die Bühne. 20% gibt es, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht erniedrigen lassen wollen.

Hat das schon mal jemand zu wörtlich genommen und fester geschlagen?

Das mit der Peitsche tut nicht weh. Man kann da richtig dolle zuhauen, das klingt auch richtig fest, aber es tut einfach nicht weh.

Für jemand, der bisher nur ein Programm bespielt und noch nicht so lange auf der Kabarettbühne steht, hat „Die Erleuchterin“ schon bemerkenswert viele Fan-Artikel.

Die Merchandising-Artikel, haben Sie sich das selber ausgedacht?

Ich habe schon immer selber Tassen mit Sprüchen bemalt und diese dann gebrannt und verschenkt. Ich mochte schon immer schöne Tassen und dachte, es wäre cool, selber solche Tassen zu haben. Vor eineinhalb Jahren kam die Idee. Ich finde, das ist etwas Sinnvolles. Manchmal bekomme ich auch Rückmeldungen! Die Leute posten dann Fotos mit der Tasse auf meine Seite und freuen sich darüber. Das ist für mich etwas Nachhaltiges!

Gab es denn schon Fernsehanfragen?

Nein, ich habe ehrlich gesagt auch nichts Kurzes. Man braucht ja 5 Minuten, die knallen. Mein Humor funktioniert eher über die Figuren und die Geschichten, der ist nicht gaglastig wie man das von Stand-Up-Comedians gewohnt ist. Ich habe da einen anderen Stil. Das ist nicht so einfach, ihn in solch eine Kürze zu bringen, aber ich arbeite dran. Weil – irgendwann muß auch das Fernsehen erleuchtet werden.

Für einen ganz kurzen Augenblick weicht bei dieser Frage die Fröhlichkeit aus ihrem Gesicht, so als hätte man einen wunden Punkt getroffen. Das ändert sich aber schnell wieder in eine Art Trotzigkeit. Oder ist das Optimismus?

Silvia Doberenz kommt ins Plaudern, amüsiert sich über Olaf Schubert, schwärmt von Dresden und erzählt, warum sie die „helle Seite Deutschlands“ verlassen hat – immer wieder unterbrochen durch dieses herzliche, spontane Lachen!

„Tschüß, Gisela!“ ruft sie einem älteren Paar hinterher, das gerade die Lokalität verlassen will. Gisela heißt nicht Gisela und war noch vor einer Stunde Teil des Programms. „Giselas“ Mann habe während der Vorstellung kaum gelacht, erzählt sie mir. Ich kann sie beruhigen: in der Veranstaltungspause wurde ich Ohrenzeuge, wie er regelrecht geschwärmt hat über das Programm und die Künstlerin. Egal, Silvia Doberenz freut sich für die beiden und ist schon wieder im Gespräch mit dem Rentnerpaar. Im Fußball würde man sagen: Silvia Doberenz geht dahin, wo es weh tut. Soll heißen, sie geht ran an die Menschen, ohne Berührungsängste. Diese Natürlichkeit überrascht durchaus – es gibt Künstler, die öffnen sich nicht mehr als unbedingt notwendig.

Wer weiß, vielleicht funktioniert das mit der Erleuchtung wirklich und wirkt positiv auf einen Menschen. Dann wird es wirklich Zeit, daß „die Erleuchterin“, besser gesagt „die Erleuchtete“ zu den Menschen kommt. Oder die Menschen in ihr Programm gehen, um sich von Vorurteilen zu befreien und überraschen zu lassen. So wie der Autor dieser Zeilen.

Homepage: www.die-erleuchterin.de

Fotos: (C) Thori, 2015

Interview mit dem Tod

Der Tod war am 1. Mai zu Gast auf der Kabarettbühne im Groß Jamnoer Restaurant „Zum Kuckuck“. In einer Veranstaltungspause war Gelegenheit für ein kurzes Gespräch, quasi eine Nah-Tod-Erfahrung.

Der Tod 1Wie soll ich Sie anreden – Gevatter, Sensenmann, Herr Tod?

Tod reicht. Manche sagen auch Todi, das klingt dann nicht ganz so gefährlich.

Wie lebt es sich als Tod?

Ach, eigentlich ganz gut. Natürlich war immer so ein kleines Imageproblem, aber das versuche ich ja gerade zu beheben.

Wie wird man denn Tod? Haben Sie eine Ausbildung gemacht?

Ja, das ist so ein Familienunternehmen. Von meinem Gevatter wurde ich eingearbeitet. Es war zwar eine lange Ausbildungszeit, aber dann ist man drin. Man muß ja auch Tod werden, denn Arzt oder Feuerwehrmann wird man in unserer Familie nicht.

Was gab denn den Ausschlag, eine Imagekampagne zu starten?

Man weiß ja, das mit dem Tod ist immer so ein unbeliebtes Thema. Ich erzähle das auch in meinem Programm, denn wenn ich vor der Türe stehe, freut sich ja keiner und alle sagen nur „Oh Schreck, oh Schreck“ – wenn überhaupt über mich gesprochen wird. Da dachte ich mir, „Mensch, wir müssen was tun für ein bißchen Rufverbesserung“. Deshalb versuche ich, unser Familienunternehmen nach vorne zu bringen.

Wie sind die Reaktionen des Publikums?

Die Reaktionen sind immer recht gut. Ich dachte erst, ich hätte mit mehr Gegenwind zu rechnen. Da scheint also ein Bedarf zu sein. Ich spiele ja nicht nur in Theatern, sondern auch in Altenheimen und Bestattungsunternehmen, sogar in Hospizen, wo die Leute das dankbar aufnehmen.

Sie sind ja nun zum zweiten Mal im „Kuckuck“ nach der „Langen Kabarettnacht“…

…stimmt, da habe ich moderiert.

Der Tod 2

Der Tod (rechts im Bild) mit Birgit Hendrischke, Veranstaltungschefin im „Kuckuck“

Was hat denn der „Kuckuck“, was andere Spielorte nicht haben?

Ich spiele natürlich auch in großen Locations, aber es ist natürlich immer schön, wenn auch Kultur in Orten stattfindet, wo sonst nicht so große Kultur in Orten stattfindet. Da ist der „Kuckuck“ natürlich ein Aushängeschild, auch für die Gegend hier. Und da kommt man natürlich gerne vorbei.

Nach der letzten Kabarettnacht haben viele Besucher vermutet, hinter der Kutte verbirgt sich Olaf Schubert. Ist Ihnen der Vergleich schon öfters untergekommen?

Ja, es wird immer viel spekuliert, wer steckt da drunter. Da gibt es sogar Foren, die diskutieren. Es gibt dort immer große Diskussionen, was könnte das sein. Es gibt sogar ein paar Zeitungen, die irgendwelche Enthüllungen machen. Also, da sind die Leute schon hinterher.

Und bisher wurden Sie noch nicht enttarnt?

Nö, bisher war immer alles gut gegangen.

Wenn die Imagekampage erfolgreich ist, gibt es dann ein Nachfolgeprogramm?

Bestimmt. Letzte Woche ist ja mein Buch „Mein Leben als Tod“ erschienen. Das bezieht sich weniger auf mein Programm, sondern mehr auf die Hintergrundgeschichte, also wie wird man Tod, wie ist der Tod in anderen Kulturen, wie ist der Tod im Alltag, was passiert, wenn der Tod U-Bahn fährt. Da wird sehr viel aufgeklärt und man kann mehr ausholen als in einem Programm.

Noch mehr aufklären kann man ja mit einem Film. Jeder Comedian dreht entweder einen Film oder kriegt eine RTL-Show…

…Genau. Es gibt ja schon kleine Rubriken im Internet, „Todis Welt“, die kommen einmal im Monat neu raus. Es gibt dort auch verschiedene Charaktere, die neu hinzukommen. Schließlich ist es ja auch ein Thema, das nie ausstirbt. Es kommt immer neues Material automatisch hinzu.

Aber ein Film ist erstmal nicht geplant?

Film ist erstmal nicht geplant. Schauen wir erstmal, wie das Buch läuft, vielleicht wird’s ja verfilmt.

Wo ist denn Tod eigentlich zu Hause?

In Berlin. Das muß er auch, denn das ist die einzige Gegend, wo ich rumlaufen kann und nicht auffalle unter den ganzen Verrückten.

Und wie alt ist der Tod?

Ach, manche sagen so, manche so. Das Unternehmen ist genau 3,5 Milliarden Jahre alt….

… So lange gibt es den Tod schon ?

Ja, seit dem ersten Einzeller.

Na dann. Was sagt man zum Abschied zum Tod? „Auf Wiedersehen“?

Ja, oder „Man sieht sich!“ Erst einmal gleich auf der Bühne, und dann schauen wir mal…

„Eigentlich war ich zum Erfahrungen sammeln hier!“

Im Gespräch mit Isabell Weber, Motorboot-Rennfahrerin

Halbendorf, 28.04.2013

Für Isabell Weber wird der „3. Motorboot GrandPrix Lausitz 2013“ auf dem Halbendorfer See immer in Erinnerung bleiben. Die 16jährige Schülerin aus Rümmingen (Baden-Württemberg) absolvierte hier ihr allererstes Rennen und war darüber hinaus im gesamten Starterfeld an den beiden Renntagen die einzige weibliche Teilnehmerin.

Nach den Rennen stand die attraktive Blondine, die in der Nachwuchs-Klasse „ADAC Motorboot Cup“ an den Start ging, Rede und Antwort.

Wie war Dein erstes Rennwochenende gewesen?

Aufregend und turbulent. Ich bin jedenfalls nicht enttäuscht. Ich habe auch gar nicht erwartet, dass ich im zweiten Lauf auf den fünften Platz fahre, worauf ich sehr stolz bin. Aber der Schusselfehler jetzt im letzten Lauf hätte nicht sein müssen. Eigentlich war ich vor allem zum Erfahrungen sammeln hier.

Du hattest im letzten Lauf einen Frühstart. Ist das ein Anfängerfehler gewesen oder eher ein Schusselfehler?

Ein Schusselfehler. Ich war einfach noch ein bisschen zu nervös und habe zu früh den Startknopf gedrückt. So etwas passiert eben.

Dein Gesamt-Fazit nach dem Rennwochenende?

Ich habe jede Menge neue Erfahrungen gesammelt, kann es jetzt auch die Kurven enger nehmen. Was ich noch lernen muss, ist das richtige Trimmen des Motors, da fehlt noch das Feingefühl. Wenn ich das habe, passieren bestimmt auch nicht mehr solche Fehler wie beim Start.

Wie schätzt Du die Strecke auf dem Halbendorfer See ein?

Ich habe es ein bisschen schlimmer erwartet, weil ein Team-Kollege von uns hier schon zweimal einen Überschlag gemacht hat. Da dachte ich: Oh je… Die Strecke fährt sich ganz gut, es gibt aber ein paar Ecken, wo man auf den Wind achten und deshalb mit dem Motor ein wenig spielen muss. Ich konnte jedenfalls gut mithalten.

Isabell-Boot

Und beim nächsten Rennen gibt es dann endlich die schwarze Startnummer?

Ja, nach fünf Rennen gibt es die schwarze Nummer. Die roten Nummern sind für die Neueinsteiger in den Klassen vorgesehen.

Isabell-AnzugWie bist Du denn zum Motorsport gekommen?

Mein Cousin Stefan Hagin, der auch der Team-Chef vom Team High-Performance ist, fährt schon ein paar Jahre erfolgreich. Er war einmal Weltmeister, einmal Europameister und zweimal Deutscher Meister. Und ich war von Anfang an jedes Mal dabei. Irgendwann hat es mich dann auch „gejuckt“.

Gibt es Vorbilder?

Mein Cousin.

Wie oft trainierst Du?

So richtig regelmäßiges Training habe ich nicht, weil wir kein geeignetes Gewässer zu Hause in Rümmingen haben bzw. dort nicht trainieren dürfen. Aber bei meinem Cousin in Brodenbach kann ich immer mit trainieren.

Lassen sich Sport und Schule gut miteinander verbinden?

Es geht, an den Rennwochenenden kriege ich am Freitag davor und am Montag frei.

Was sagen denn Deine Mitschüler zu Deinem Hobby?

Meine Freundinnen meinen, ich hätte einen Knall, finden es aber auch cool, dass ich so einen Sport ausübe.

Welche Ziele hast Du, wo soll es mal hingehen?

Also momentan habe ich noch nicht so viele Ziele. Ich freue mich, dass ich endlich fahren darf und will ganz viele Erfahrungen sammeln…

… um dann irgendwann mal in die großen Klassen zu wechseln?

Ja.

Dazu weiterhin viel Erfolg! Vielleicht sieht man Dich im nächsten Jahr wieder in Halbendorf.