MDR begibt sich in Forst auf „Zeitreise“

Das bevorstehende 125jährige Jubiläum der Forster Stadteisenbahn, im Volksmund liebevoll „Schwarze Jule“ genannt, stößt auch überregional auf großes Interesse. So war am vergangenen Dienstag der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) für sein Geschichtsmagazin „Zeitreise“ auf den Spuren der Schwarzen Jule in Forst unterwegs. Besondere Erinnerungsstücke sind in diesem Sendeformat Ausgangspunkt für einen Sprung in die Vergangenheit, die von der NS-Zeit über das Leben in der DDR bis in die Nachwendezeit reichen kann.

Auf die Forster Jule stieß eine MDR-Redakteurin eher durch Zufall. In einem Leipziger Spielzeugladen entdeckte sie ein Modell der Forster Bahn und kam mit dem Verkäufer darüber ins Gespräch. Als ehemaliger Forster erzählte er von der Einmaligkeit der hiesigen Stadteisenbahn. Damit war die Neugier bei der Redakteurin geweckt und sie forschte im Internet nach weiteren Informationen zur Bahn. Nach einigen Telefonaten mit sachkundigen Einwohnern der Stadt wurde die Idee geboren, mit der Jule für den MDR auf „Zeitreise“ zu gehen.

„Wir wollten herausfinden, welche Beziehungen die Einwohner der Stadt zu ihrer Bahn heute haben und wie sie damals die Bahn hautnah erlebten.“, sagt Autorin Andrea Besser-Seuß von der Produktionsfirma „Werkblende“ zu den Beweggründen.

Mit Unterstützung des Museumsvereinsvereins der Stadt Forst konnte Zeitzeugen gewonnen werden, die ihre Erlebnisse mit der Bahn vor der Kamera schilderten. Als „Erinnerungsstück“ diente dabei ein Stück Gleis aus dem Fundus des Brandenburgischen Textilmuseums.

Andrea Besser-Seuß bespricht mit Wolfram Wortha und Karin Adam die nächste Einstellung

Karin Adam, heute in Döbern lebend, erinnerte sich an ihre Kindheit in Forst. Für sie war die Schwarze Jule immer ein Abenteuer. Oft versuchte sie, auf die Waggons zu klettern und heimlich ein Stück auf ihrem Schulweg, der an der Bahnstrecke lag, mitzufahren.

Wolfram Wortha war als Rangierer bei der Forster Stadteisenbahn beschäftigt und konnte viele Anekdoten aus seinem Berufsleben erzählen. Und Marion Hermann bewahrt das Erbe ihres Vaters Richard Zerbock, Lokführer bei der Stadteisenbahn, für die Nachwelt auf. Ihr ganz persönliches Erinnerungsstück ist eine Jule in Modelbahngröße Z, handgefertigt von ihrem Vater.

„Die Schilderungen der Zeitzeugen sind hochinteressant und für mich neu.“, sagt Andrea Besser-Seuß. „Man spürt aber auch bei den Leuten, mit denen ich auf meinem Bummel durch die Stadt ins Gespräch gekommen bin, die latente Unzufriedenheit nach dem Niedergang der Textilindustrie.“ Trotzdem sei sie begeistert von der Freundlichkeit und Offenheit der Forster. So gab es für die Dreharbeiten jede Menge Unterstützung von verschiedenen Einrichtungen wie der Stadtverwaltung oder dem Textilmuseum. Gedreht wurde in der Weststraße bei der ehemaligen Textima, im Textilmuseum, im Garten von Familie Zerbock/Hermann und natürlich auch an der einzig verbliebenen Original-Lok im Feuerwehrgerätehaus Mitte. „Die tatsächliche Größe der Lok hat mich sehr erstaunt“, versichert Andrea Besser-Seuß. „Aber sie ist wunderschön!“ Nur eine Frage blieb bis zum Ende ungelöst: woher stammt eigentlich der Name „Jule“?

Ausgestrahlt wird die „Zeitreise“ nach Forst in der gleichnamigen Sendung am 22. Mai um 21:15 Uhr im MDR-Fernsehen.

Forster Ruf geht um die Welt

Die Funkamateure des Ortsverbandes Forst (Lausitz) im Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. stellten am vergangenen Wochenende im Brandenburgischen Textilmuseum ihr Hobby vor. Mit dieser Aktion bereichern die Mitglieder des Ortsverbandes die vielfältigen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Jubiläum „125 Jahre Forster Stadteisenbahn“. Mit dem Sonderrufzeichen DM125FS, welches vom 1. April bis zum 30. Juni gültig ist, stellt die Clubstation Funkverbindungen in die gesamte Welt her. Eine 42 Meter lange und 8 Meter über dem Erdboden hängende Antenne sorgt für die notwendigen Kontakte.

Auf einer Weltkarte trägt Eberhard Roy, Ortsverbandsvorsitzender, jene Länder ein, die die Signale aus dem Forster Textilmuseum bestätigen. Aus 42 Ländern gab es seit Monatsanfang Rückmeldungen. Die weitesten Funksprüche wurden aus Australien, Indonesien und den USA empfangen. Wie gut der Empfang ist, hängt dabei u.a. vom Wetter ab. Auch die Sonnenwinde beeinflussen die magnetischen Felder, selbst kleinste Netzgeräte im Haushalt haben Einfluss auf die Übertragungsqualität.

Im Forster Ortsverband sind 9 Funkamateure organisiert, deutschlandweit etwa 37000. Hinzu kommen noch die privaten Funker, die vereinslos sind.

Neben dem Sprachfunk verständigen sich die Forster Funker vor allem per Telegrafie, besser bekannt unter dem Begriff Morsen. „Das Morsealphabet ist weltweit einheitlich, so dass man sich auch miteinander verständigen kann, selbst wenn man die jeweilige Landessprache nicht beherrscht.“, erklärt Hans Unger vom Forster Ortsverband. Neben ihm sitzt Wolfgang Plache am Sende-und Empfangsgerät und und tippt eifrig auf die Morsetaste. Er hält gerade Kontakt zu einem Funkamateur in Finnland.

Gefunkt wird an diesem Wochenende vom Museum aus auf einem 40-Meter-Band, welches eine Frequenz von 7 Megahertz hat, sowie auf dem 20-Meter-Band mit 14 Megahertz.

Innerhalb von 20 Minuten zählt Wolfgang Plache 13 Verbindungen nach Skandinavien und auf den Balkan. Die Funksprüche werden kurz gehalten. Der Funker am anderen Ende bestätigt das ankommende Rufzeichen, danach werden die Lesbarkeit der Buchstaben, die Signalstärke sowie die Tonqualität ausgetauscht.

Später tauschen beide Funkpartner sogenannte QSL-Karten als Funkbestätigung aus. Für die Aktion anlässlich des „Jule“-Jubiläums wurde eine spezielle QSL-Klapp-Karte entworfen. Sie zeigt auf dem Titelbild die „Schwarze Jule“, im Innenteil gibt es ein paar Informationen zur Forster Stadteisenbahn und auf der Rückseite quittieren die Forster Funker den Empfang des auswärtigen Funksignals. Die Karten werden dann gesammelt über die übergeordneten Verbände an die jeweilige Gegenstelle weitergeleitet. Auf dem selben Weg erhalten die Forster dann in einigen Wochen die QSL-Karten ihrer Gesprächspartner zugestellt.

Eberhard Roy hat in einem Ordner einige seiner schönsten Empfangskarten gesammelt. Mal sind darauf Stadtansichten zu sehen, mal Landschaften, dann wiederum aufwendig gestaltete Motive mit Reproduktionen. Selbst eine Empfangskarte in Blindenschrift zählt Eberhard Roy zu seinen Schätzen.

Das Forster Sonderrufzeichen „DM125FS“ lässt sich leicht erklären: DM ist das Länderkennzeichen für Deutschland, 125 bedeutet 125 Jahre und FS steht für Forster Stadteisenbahn.

Zum 100jährigen Bestehen des Ostdeutschen Rosengartens wurde auch schon eine Sonder-QSL-Karte herausgegeben, ebenso zur 750-Jahr-Feier und zum 100jährigen Rennbahn-Jubiläum.

Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen gibt es auch bei den Funkamateuren Wettbewerbe. So wird u.a. ermittelt, wer in einer bestimmten Zeit die meisten Funkkontakte aus einer bestimmten Region hat. Ein anderer Wettbewerb war z.B. die Sammlung von Funkkontakten ewiger Städte. Wer erfolgreich teilgenommen hat und seine Kontakte gezählt hat, kann ein Diplom beantragen, Eberhard Roy hat eine ganze Menge an Diplomen in seinem Ordner.

Am Wochenende lief in der Schweiz der „Helvetia Contest“. Schweizer Funker sollten möglichst viele Kontakte außerhalb der Schweiz sammeln. Wolfgang Plache hört über seine Kopfhörer den regen Funkverkehr. Als er die Lautsprecher seiner Sendeanlage anmacht, kann man gerade ein Funkgespräch zwischen einem Schweizer und einem Holländer mitverfolgen. Kurze Zeit später ist ein Israeli über den Äther zu hören.

Im Juli findet erstmalig in Deutschland eine Weltmeisterschaft für Amateurfunker statt. In der Region um Jessen an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt kämpfen Teilnehmer aus 40 Ländern um den Titel. „Forster hätten auch teilnehmen können!“, verrät Hans Unger. Man beschränke sich allerdings lieber darauf , während der WM zu Hause auf Empfang zu bleiben und den Teilnehmern dann später diesen Empfang zu bestätigen.

Wie viele andere Vereine haben auch die Funker ein Nachwuchsproblem. „Dabei ist Amateurfunk ein Freizeitbeschäftigung, die man bis ins hohe Alter betreiben kann.“, sagt Wolfgang Plache. Auch die Kosten seien überschaubar. So gebe es schon Einsteigermodelle für wenig Geld. Selbst die nicht so teuren Sendegeräte hätten eine ordentliche Leistung.

Das kann auch Silvio Hanschke bestätigen, der am Samstagnachmittag als einer der Wenigen den Forster Funkern im Textilmuseum einen Besuch abstattet. „Ich hatte mit Eberhard Roy Funkkontakt, da hat er mich zu dieser Veranstaltung eingeladen“. Silvio Hanschke funkt lieber mittels CB-Funk und hatte mit seiner Technik auch schon Verbindungen nach Übersee.

Eberhard Roy bedauert, dass nicht mehr Jugendliche Interesse für den Amateurfunk aufbringen. Er würde gerne Kontakt zu Schulen aufnehmen und die Funkerei näher vorstellen. „Funker sind selbst dann noch zu erreichen, wenn der gefürchtete Big Bang eintritt!“, ist sich Roy sicher. Im Falle des von Experten prognostizierten flächendeckenden Zusammenbruchs der Stromversorgung wären die Funker dank ihrer batteriebetriebenen Geräte die einzige Verbindung zur Außenwelt, schließlich wäre dann auch das Internet lahm gelegt.

Wer sich einmal selber über dieses interessante Hobby informieren möchte, hat noch an den Wochenenden 26./27.Mai sowie 23./24. Juni die Möglichkeit. Dann bauen die Forster Funkamateure erneut ihre Clubstation im Brandenburgischen Textilmuseum auf. Interessierte Besucher können sich dann selber einen Eindruck verschaffen, wohin der Ruf aus Forst geht. Und zur bleibenden Erinnerung erhalten die Besucher die Bestätigungskarte mit dem „Jule“-Motiv.

Bunte Farbtupfer auf dem Mühlgraben

Noch ist die Natur nicht vollständig erwacht, trotzdem sorgten schon viele bunte Farbkleckse auf dem Mühlgraben am Sonntagnachmittag bei den Schaulustigen entlang des Wassers für strahlende Augen. Die Forster Kanuten trafen sich bei bestem Frühlingswetter und Temperaturen um die 20° C zum traditionellen Anpaddeln. Gelbe, rote, weiße oder grüne Boote durchbrachen das immer noch vorherrschende Grau in der Natur.

„Für uns ist das die förmliche Saisoneröffnung, auch wenn wir vorher schon mal am Neujahrstag oder Karfreitag mit den Booten unterwegs waren“, sagt Dr. Herbert Schulze, Vereinsvorsitzender vom Wassersport Forst e.V. Im nächsten Jahr feiert der Verein sein 100jähriges Gründungsjubiläum. Damit ist er nach eigenem Bekunden der älteste Kanuverein Brandenburgs. Und solange wie es den Verein schon gibt, gehört auch das Anpaddeln im Frühjahr zur Tradition.

In früheren Zeiten gab es 7 Kanuvereine in und um Forst, übrig geblieben sind neben dem Wassersport Forst nur die SG Turbine Forst sowie die Interessengemeinschaft Mühlgraben-Kanuten.

Los ging es kurz nach 14 Uhr am Bootshaus in der C.A.-Groeschke-Str. Von hier starteten die ersten 8 Boote, alle vom Wassersportverein. Darunter waren nicht nur Einheimische, sondern auch Gäste aus Cottbus, Hamburg oder Lübeck. Es sind Vereinsmitglieder, die aus beruflichen oder familiären Gründen aus Forst weggezogen sind, sich dennoch dem Verein verbunden fühlen und extra zu solchen besonderen Anlässen anreisen.

Mit im Boot saß die vierjährige Mia, die sich von ihrem Opa durch die Gegend paddeln ließ. Schon mehrmals war sie bei solchen Bootstouren dabei.

Gegen 14:30 Uhr kam es am Turbine-Bootshaus im Kinder- und Jugenddorf zum Zusammentreffen mit den anderen Kanuten. Egal ob im Einer, Zweier oder Vierer – gemeinsam machte man sich nun auf den Weg stromaufwärts Richtung Wehrinsel und weiter auf der Neiße bis zu den Überresten der Fundamente des ehemaligen Bootshauses Forst-Koyne, die noch an Ufer zu erkennen sind.

Auf der Mühlgrabenbrücke in der Wehrinselstraßen versammelten sich derweil ein paar Schaulustige, die die rund 20 Boote schon sehnsüchtig erwarteten. Man kennt und grüßt sich, macht witzige Bemerkungen oder feuert die Kanuten an.

Für Mia ist der ganze Trubel um sie herum inzwischen zu groß geworden. Sie schlummert mittlerweile im Boot und lässt sich auch von den Paddelschlägen ihres Opas nicht in ihrem Schlaf stören.

Nach der Wende geht es stromabwärts wieder zurück zu den jeweiligen Boothäusern. Zwar lässt jeder Verein für sich den Tag ausklingen, der Ablauf dürfte jedoch bei allen drei Vereinen der gleiche sein: fleißige Helferinnen haben inzwischen Kaffee gekocht und die Tische eingedeckt. Bei selbstgebackenem Kuchen, später bei Gegrilltem, sitzt man noch ein wenig zusammen und lässt den Tag Revue passieren und blickt auf die kommende Saison voraus.

Auch Mia wird dann sicherlich wieder wach sein. Was sie an diesem Sonntag verpasst hat, kann sie ja im Herbst nachholen. Da trifft man sich erneut, dann zum Abpaddeln. Doch das hat eine andere Tradition…

Panzerkreuzer Potemkin auf dem Mühlgraben

Zum 51. Forster Geschichtsstammtisch lud der Museumsverein der Stadt Forst am internationalen „Tag des Wassers“ ins 1903 errichtete Wasserwerk in der Triebeler Straße ein.

Thomas Winkler, bei den Stadtwerken Forst verantwortlich für die Energie- und Wasserversorgung der Stadt, gab zunächst einen kurzen Einblick in die Historie der Wasseraufbereitung und das Leitungsnetz, welches sich unter Forst durchschlängelt. So gibt es eine direkte Leitung vom Wasserwerk zum ebenfalls 1903 erbauten Wasserturm. „Viele Rohrleitungen in der Stadt stammen noch aus der Zeit Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Trotz des Alters verläuft der Betrieb dieser Leitungen stabil und störungsfrei“, versichert Winkler. 168 km ist das Wassernetz lang und umfasst ein Gebiet von Klein Bademeusel im Süden bis Naundorf im Norden. Nach der Wende wurde auch die Gemeinde Simmersdorf-Groß Schacksdorf an das Forster Leitungsnetz angeschlossen. An die rund 5000 Hausanschlüsse werden zwischen 2000 und 3000 m³ Wasser pro Tag abgegeben. Zu DDR-Zeiten waren es noch 10.000 m³. Politisch gewollt ist eine maximale Abgabe von 7000 m³. „Wenn es nach mir ginge, wäre ich für eine Wasser-Flat-Rate, bei der die ersten 100 m³ pro Anschluss frei wären, was auch mehr Wasserverbrauch bedeuten könnte. Dann würden automatisch auch die Leitungen öfters gespült und würden sich nicht zusetzen.“, so Thomas Winkler.

Dr. Herbert Schulze und Dipl. Ingenieur Siegmar Tilgner, beide jahrelang in der Wasserwirtschaft tätig gewesen, widmeten sich in ihrem anschließenden Bilder-Vortrag jenen drei Gewässern, die von strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung für Forst sind. Da wäre zunächst der Lohmühlgraben, der im Stadtgebiet nur noch an ganz wenigen Stellen zu erahnen ist. Er wurde ausgetrocknet und zugeschüttet. „Es wird vermutet“, so der studierte Wasserbauer Tilgner, „dass der Lohmühlgraben eine Art Wassergraben um das Alte Amt mit Wasser speiste.“ 1997 sorgte der Rückstau der damals hochwasserführenden Neiße für eine Vernässung der inzwischen verrohrten Reste des Lohmühlgrabens bis ins Gebäude des ehemaligen Kreisarchivs.

Ebenfalls nur noch erahnen lässt sich die „Schwarze Grube“. Wo heute zwischen Stadion und den Bahngleisen nach Polen ein Rodelberg steht, befand sich früher Sumpfgebiet. Gespeist wurde das Gelände über einen unterirdischen Graben, der aus Richtung „Keunesche Alpen“ Wasser führte. Der Zusammenhang ist auch heutzutage noch deutlich erkennbar, weil in der Ringstraße am Eingang zu den Keuneschen Alpen die Wiese immer feucht ist. Am Bahndamm der Strecke Forst – Weißwasser in Höhe Mehrzweckhalle befindet sich ebenfalls noch ein Durchlass der ungewöhnlichen Wasserverbindung.

Für die Forster Textilindustrie war der Mühlgraben von besonderer Bedeutung, lieferte er doch das Wasser für die Dampfmaschinen. Siegmar Tilgner erinnert sich an die eisigen Winter in den 70er Jahren, als der Mühlgraben zuzufrieren drohte. „Wir haben aus zwei Entkrautungsbooten ein neues Boot gebaut und nannten das unseren ‚Panzerkreuzer Potemkin‘. Mit langen Haken haben wir vom Boot aus das Eis gebrochen. Manchmal mussten wir auch das Eis im Mühlgraben aufsprengen.“

Die Neiße machte stattdessen immer wieder mit ihren Hochwassern Sorgen. Den jemals höchsten gemessenen Stand gab es im August 1897, als das Wasser über den Deich bis ins Stadtzentrum schwappte. „Wie hoch der Neiße-Pegel damals genau war, lässt sich nicht mehr ermitteln, da damals andere Berechnungsnormen zur Messung dienten.“, so Siegmar Tilgner auf Nachfrage.

Nicht nur reine Fakten, sondern auch viel Informatives rechts und links der Neiße gab es für die zahlreich erschienenen Besucher zu erfahren. Das „Brückenmännchen“, welches bis vor ein paar Jahren auf einem Pfeiler der Langen Brücke thronte, war nicht nur ein optischer Hingucker. Der Architekt gab der Figur auch einen praktischen Nutzen. „Das Brückenmännchen war auch als Messpegel für die Neiße gedacht. Wenn bei Hochwasser die Füße des Männchens im Wasser standen, bedeutete dies gleichzeitig, dass Forst absäuft.“, sagte Tilgner scherzhaft.

Weil die Wasserwirtschaft bei Hochwasser selten zu Scherzen aufgelegt ist, wurde nach dem Sommerhochwasser 1981 die Deichanlage von Bad Muskau bis zur Odermündung in Ratzdorf immer etappenweise komplett saniert. Bis auf kleinere Sickerstellen verrichtet der Neißedeich seitdem zuverlässig seine Dienste in Sachen Hochwasserschutz.

Viele kleine kleinen Anekdoten aus dem Berufsleben der Redner bereicherten den Vortrag. So erfuhren die Zuhörer etwas von einem „Schwarzbau“ am Reisigwehr oder wie mit Eisenbahnwaggons vergebens versucht wurde, beim Hochwasser 1958 einen Deichbruch in Briesnig zu schließen.
Im Maschinenhaus des Wasserwerkes gestalteten die Wasserwerker als Gastgeber des Abends eine kleine Ausstellung, die sich mehr mit der Geschichte des Hauses befasst.

Der nächste Geschichtsstammtisch führt am 26. April nach Groß Schacksdorf, dann gibt es in der ehemaligen alten Schule viel zur Historie des Ortes zu erfahren.

„Bye Bye Kuckuck“ – Emotionales Finale in der 9. Langen Nacht des Kabaretts

Mit einem emotionsgeladenen Finale ging am vergangenen Freitag die 9. „Lange Nacht des Kabaretts“ und zugleich eine lange Ära im Restaurant „Zum Kuckuck“ in Groß Jamno zu Ende. Nach mehr als 15 Jahren Kabarett im „Kuckuck“ zieht sich die gastgebende Familie Hendrischke aus der Gastronomie und der Veranstaltungsorganisation zurück.
Die teilnehmenden Künstler wollten sich kurz vor Mitternacht mit einem improvisierten „Bye, Bye Kuckuck“-Lied verabschieden. Spontan stimmten die Gäste im Zuschauerraum in den Refrain ein und sangen mit. Viele Wunderkerzen erhellten den Saal, das „Kuckucks“-Team stand vor Rührung und mit Tränen in den Augen neben der Bühne angesichts der Dankbarkeit, die das Publikum für die vielen Jahre inniger Verbundenheit in diesem Moment zum Ausdruck brachte.

Dabei fing alles so schön an: Birgit Hendrischke als Veranstaltungschefin hatte auch in diesem Jahr wieder vier Künstler unterschiedlicher Kleinkunst-Genres für eine bunte Show aus Musik, Politischem Kabarett und Comedy gebucht.

Moderator des Abends war Axel Pätz aus Hamburg und im „Kuckucks“-Kabarett längst kein Unbekannter mehr. Schon mit seiner Begrüßung wies er den Weg: „Wir haben heute Abend nur 2 Gags, die spielen wir immer wieder und wieder!“. Am Ende des Abends waren es dann erfreulicherweise doch ein paar Gags mehr.
Wie jeder der beteiligten Künstler machte sich auch Pätz über Forst in der Lausitz lustig – sehr zum Vergnügen der Einheimischen und der auswärtigen Besucher. „Forst ist zwar nicht der Arsch der Welt, aber man kann ihn schon von hier erkennen!“, stellte er fest. Auch daß es hier in der Gegend viele Wölfe gibt, belustigte und verängstigte ihn gleichzeitig.

Archie Clapp ist „Kleinkünstler in zweiter Generation“ und kommt aus Berlin-Neukölln, das ein bißchen wie München sei. Er erzählte Anekdoten über Ling Ling, sein chinesisches Lieblings-Mobbingopfer aus seinem Multi-Kulti-Haus, und über seinen Hund namens „Knoblauchfresser“, mit dem er öfters Gassi geht, was nicht ganz ungefährlich ist, wenn man den Hund ruft und in einem von vielen Ausländern bewohnten Gebiet wohnt.

„Nicht der Wolf, sondern die Wolf ist in der Lausitz“, moderierte Axel Pätz die nächste Künstlerin an. Schauspielerin und Kabarettistin Kathi Wolf, die vor Kurzem im Ensemble mit dem renommierten Max-Öphuls-Filmpreis geehrt wurde, stammt aus Ulm und beherrscht mehrere Dialekte. Als arrogante Bayerin tritt sie für die Unabhängigkeit des neuen Staates Bavaria ein, als Sächsin fürchtet sie sich zunächst vor den vielen Flüchtlingen im Land, um dann allen Wutbürgern und „Intelligenz-Flüchtlingen“ der AfD in voller Breitseite die Meinung zu sagen. Und da wäre noch Felix aus der ersten Zuschauerreihe, den sie ins Herz geschlossen hat. Spontan empfiehlt sich Kathi Wolf als zukünftige Schwiegertochter.

Für den musikalischen Part ist neben Axel Pätz, der in seinen Programmblöcken von den Annehmlichkeiten eines Aufsitzrasenmähers, eines Rollators oder der Ü-80-Party von Oma singt, Matthias Ningel aus Mainz zuständig. Wenn er von der Frau singt, die seinem Herzen ganz nahe ist, meint er nur die Rot-Kreuz-Helferin, die ihn nach den unterschiedlichsten Selbstmordversuchen wiederbelebt. Es lohnt sich auch, im Yoga-Kurs der Beste zu sein, denn schließlich lernt man hier, wie man sich im Idealfall auch vor dem Chef in der Firma verbiegt.

v.l.n.r. Kathi Wolf, Archie Clapp, Matthias Ningel, Axel Pätz

Mehr als vier Stunden lang wechseln sich die Künstler auf der kleinen Bühne ab und zeigen Ausschnitte ihrer aktuellen Programme. Zur Stärkung von Publikum und Interpreten gibt es vom Küchenteam zwischendurch Fingerfood-Häppchen oder Desserts zum Genießen.

Nach dem bereits erwähnten Abschiedslied als Zugabe kommt dann eben jener Moment, den Birgit Hendrischke gerne hinausgezögert hätte. Sie verabschiedet sich von einem, nein, von ihrem Publikum, das über viele Jahre dem Kabarett im „Kuckuck“ und darüber hinaus die Treue gehalten hat. „Behalten Sie Ihr Lachen“, wünscht sie allen Anwesenden, die sich mit Standing Ovations und langem Applaus nicht nur für das bunte Programm an diesem langen Freitagabend bedankten.

Bye, bye, „Kuckuck“!

Serienstar Wolfgang Winkler vertritt seinen Freund im Pavillon

Der 15. „Talk im Pavillon“ sorgte einen Tag vor Beginn der Veranstaltung bei „Pavillon“-Inhaberin Diana Podlesch und Moderator Lutz Hoff für hektische Betriebsamkeit. „Ich war schon auf dem Weg nach Forst, als mich Jaecki Schwarz anrief und die Veranstaltung wegen Krankheit absagen mußte“, verriet Lutz Hoff. Doch Dank seiner guten Kontakte in der Unterhaltungsbranche konnte er kurzfristig mit Jaecki Schwarz’s Freund und Kollegen Wolfgang Winkler einen ebenbürtigen Ersatz gewinnen. Für Diana Podlesch bedeutete das, dass sie alle Kartenbesitzer über die Planänderung informieren mußte. Zu ihrer Erleichterung waren alle Gäste auch auf den neuen Gast neugierig und wollten ihre Karten nicht zurückgeben.

So erfuhren die Zuschauer im ausverkauften Pavillon „Genuss und Kunst“, dass Wolfgang Winkler Lausitzer Wurzel hat. 1943 wurde er in Görlitz in der Oberlausitz geboren und machte in Hoyerswerda seine Lehre zum Lokführer.

Zur Schauspielerei kam Wolfgang Winkler durch seine spätere Schauspielkollegin Friederike Aust. Die war in der Parallelklasse und Mitglied in einer Laientheatergruppe. Der junge Wolfgang fand es eine gute Idee, ebenfalls in diese Laienspielgruppe einzutreten, um so Friederikes Herz erobern zu können. Mit der Liebschaft klappte es zwar nicht („Geknutscht haben wir schon!“), dafür bei Beiden mit der Schauspielerei.
1962 bewarb sich Wolfgang Winkler an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg und wurde auf Anhieb genommen. Seine Mitstudenten hießen u.a. Carmen-Maja Antoni, Petra Kelling und Walter Nickel. „Carmen-Maja war damals der Star in unserer Klasse“, erinnert sich Winkler.

Nach dem Studium ging Wolfgang Winkler zurück ans Görlitzer Theater und machte gleichzeitig erste Erfahrungen beim Film. Bei den Dreharbeiten zu Konrad Wolfs Film „Ich war 19“ traf er auf jenen Mann, der ihm seitdem ein guter Freund geworden ist: Jaecki Schwarz. „Jaecki bekam die Hauptrolle, ich wurde gleich nach dem Vorspann erschossen“, witzelt Winkler über den Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Mit dem Verbotsfilm „Das Kaninchen bin ich“ stieg schließlich auch Winklers Bekanntheitsgrad.

20 Jahre lang spielte Wolfgang Winkler am Theater in Halle. 1996 folgte jene Fernsehrolle, mit der er auch heute noch in Verbindung gebracht wird: im „Polizeiruf 110“ spielten er und Jaecki Schwarz das Ermittlerduo Schneider und Schmücke. Bis 2013 entstanden insgesamt 50 Folgen. Wolfgang Winkler gab den Zuschauern im Pavillon einige Anekdoten von den Dreharbeiten zu Gehör. „Wir teilten uns am Set einen Wohnwagen. Die Frotzeleien mit Jaecki vor dem Dreh schafften es manchmal ins Drehbuch“.
Der 300. Polizeiruf wird Wolfgang Winkler besonders in Erinnerung bleiben. Er brach sich nach Abschluß der Dreharbeiten beide Oberschenkel gleichzeitig. Ein Erlebnis, dass er als Zwölfjähriger schon einmal hatte. „Ich bin wahrscheinlich der einzige Schauspieler, der sich viermal die Oberschenkel gebrochen hat“, scherzte Winkler.

Mit der Popularität hat er dagegen keine Schwierigkeit. „Man ergreift ja den Schauspielberuf nicht, um unerkannt zu bleiben. Wir Schauspieler sind schon eitel!“, stellt der siebenfache Opa, der in zweiter Ehe verheiratet ist, lachend fest.

Wie zum Beweis wird Wolfgang Winkler nach der Veranstaltung beim Verlassen des Pavillons von einem zufällig vorbeikommenden Passanten angesprochen, dem das Gesicht seines Gegenübers irgendwie aus dem Fernsehen bekannt vorkommt. Wolfgang Winkler druckst ein wenig herum und hilft vergebens mit Begriffen wie „Schauspieler“ und „Polizeiruf“ dem Mann auf die Sprünge. Erst auf ausdrückliche Nachfrage verrät er seinen Namen.

Der ausgefallene Termin mit Jaecki Schwarz wird im September nachgeholt. Wolfgang Winkler ist demnächst im ERSTEN zu sehen, wenn die „Rentnercops“ im Vorabendprogramm wiederholt werden. Für den Herbst sind neue Folgen der beliebten Serie angekündigt.

Standing Ovations für das Leipziger Central-Kabarett

Das kommt nicht alle Tage vor, daß das verwöhnte Kabarett-Publikum im „Kuckuck“ in Groß Jamno Standing Ovations gibt. Am vergangenen Donnerstag war es mal wieder soweit: Die beiden Jungväter André Bautzmann und Robert Günschmann vom Leipziger Central-Kabarett präsentierten zuvor ihr neues Programm „Von der Windel verweht – Kuck mal, wer da bricht“ und ließen sich im Anschluß feiern für ihre bissige und ironische Abrechnung mit den kleinen Nervensägen und „ADHS-Botschaftern“, auch Kinder genannt.

Schon das Intro brach das Eis zwischen Künstler und Bühne. Mit einem neuen Text zu Rammsteins Hit „Engel“ besangen die Beiden ihre Sorgen, Ängste und Befürchtungen zur Zukunft ihrer nervigen Kinder. „Das soll ein Engel sein?“ fragten sie, wohl ahnend, was die nächsten Jahre auf sie zukommen wird.

In der Kita „Dreikäsehoch“ wurde es dann politisch. Kein Wunder, wenn die Plagen dort Donald, Wladimir, Angela, Emmanuel, Kim oder Recep Tayyip heißen. Und weil es sich mit Publikum einfach besser spielt, suchten sich Bautzmann und Günschmann ihre „Opfer“ unter den Zuschauern aus. Während also Donald aus Sand die jemals beste Mauer baute und Kim mit Spielzeugraketen um sich warf, durften Angela und Emmanuel rumflirten und den Wladimir nicht mitspielen lassen.

Im „Tele-Schrotting-Kanal“ priesen Bob & Bob in Glitzerkostümen das „brandneue und streng limitierte Schnicki-Schnacki-Schnupp-Schnupp“ zum Sonderpreis an, was sich bei genauerem Hinsehen als übergroßes Qietsche-Entchen entpuppte. Allerdings überzogen es André Bautzmann und Robert Günschmann mit ihrer Parodie ein wenig. Gut, daß im Anschluß Herr Müller („Müller, wie Füller, nur ohne F“) zum Vorstellungsgespräch an der Schule erschien. Da derzeit überall Lehrermangel herrscht, wurde Herr Müller, der nur Französisch studierte, kurzerhand auch noch Lehrer für alle anderen Unterrichtsfächer. Wie schnell ein falsches Wort die Karriere beeinflussen kann, bewies das Central-Kabarett eindrucksvoll. Die spitzen Bemerkungen zum Lehrerberuf und zum Schulsystem insgesamt sorgten bei den zahlreich im Publikum anwesenden Vertretern der Volksbildung für besonders gute Laune, auch wenn man sich nicht unbedingt als Lehrer zu erkennen geben wollte.

Selten wurde den Zuschauern so unverblümt die Wahrheit ins Gesicht geschlagen wie beim Klagelied von Mutter Natur, gespielt von André Bautzmann. Auch wenn der Zustandsbericht der Erde mit kabarettistischen Mitteln zu Gehör gebracht wurde, blieb dem Publikum an der einen oder anderen Stelle das Lachen im Halse stecken angesichts der Sünden, mit denen die Menschheit sich selbst zu Grunde richtet.

„Wer keine Kinder bekommt leistet einen wertvollen Beitrag zur Rettung der Menschheit“, resümieren Bautzmann und Günschmann und stellen anschließend fest: „Alle Kinder sind so lange hochbegabt, bis sie das erste Zeugnis bekommen!“.

Doch nicht nur Kinder und ihre manchmal noch nervigeren Eltern bekommen an diesem Abend ihr Fett weg, auch die Bundeswehr muß sich einem Inspekteur erklären, warum in der Kaserne eine russische Rekrutin nackt an der Stange tanzt und wieso überall in der Kaserne Wehrmachtsutensilien zu finden sind.

Zu guter Letzt haben auch noch Herbert und Heinrich aus dem Seniorenstift ihren großen Auftritt. Die beiden Leser der „Apotheken-Rundschau“, auch „Ü-60-Playboy“ genannt, philosophieren über ihre langsam nachlassende sexuelle Leistungsfähigkeit und andere Krankheiten. „Herbert, Du hast Alzheimer, vergiß das nicht!“ warnt dann auch Kumpel Heinrich.

Überhaupt sind sich die beiden Komödianten André Bautzmann und Robert Günschmann für kein Wortspiel oder ungeprobte Pointe zu schade. Manchmal sind sie von ihren spontanen Einfällen dermaßen überrascht, daß sie sich und den Mitspieler ungewollt aus dem Konzept bringen – sehr zur Erheiterung des Publikums, das sich schon gar nicht mehr fragt, ob das nun zum Programm gehörte oder improvisiert war. Schließlich kommt so mancher Gag erst durch die Reaktion oder Zurufe der Zuschauer zustande.

Am Ende dieses langen Kabarett-Abends gab es besagte Standing Ovations, die zum Ausdruck brachten, wie sehr sich das Publikum durch das Central-Kabarett unterhalten fühlte. Die wiederum ließen sich nicht lumpen und verteilten als kleine Entschädigung Mini-Schnicki-Schnacki-Schnupp-Schnupps an diejenigen Zuschauer, die besonders oft für so manchen bösen Scherz herhalten mußten.

„Spremberg wärmt mich immer“ – Schlagerstar Franziska Wiese kehrt zum Weihnachtsfest in ihre Heimat zurück

Chris Reas Song „Driving Home For Christmas“ gehört zu den bekanntesten Liedern, die um die Weihnachtszeit gespielt werden. Auch die gebürtige Sprembergerin Franziska Wiese macht sich in der Nacht zum 24. Dezember auf den Weg von ihrer Wahlheimat Berlin in die heimatlichen Gefilde. „Heimat ist für mich immer Heimat und verliert niemals ihren Namen. Es ist ein anderes Gefühl, nach Hause zu fahren, weil viele Geschichten damit verbunden sind. Insofern wärmt mich immer Spremberg, wenn ich in den Ort rein fahre“, verrät die prominente Künstlerin.

Franziskas Stern ging 2016 auf. Ein Fernsehauftritt vor einem Millionenpublikum in Florian Silbereisens Samstagabendshow machte sie schlagartig deutschlandweit bekannt. Es folgte ihr erstes Album „Sinfonie der Träume“, die Auskopplung „Ich bin frei“ stieg bis auf Platz Fünf der deutschen Airplay-Charts, also jener Wertung mit den meistgespielten Titeln im Radio. Größen wie Andrea Berg, Matthias Reim oder Michelle reihten sich hinter Franziska ein.

Inzwischen ist die Sängerin und Violinistin Franziska Wiese gut gebucht und ein gern gesehener Gast in diversen Fernsehshows und auf den Konzertbühnen der Republik. Klar, dass sie in der Lausitz besonders viele Fans hat. Sogar einen offiziellen Franziska-Wiese-Fanclub gibt es seit kurzem.

Weihnachten feiert Franziska zu Hause im Kreise ihrer Familie. Bis zum 23. Dezember ist sie noch mit Frank Schöbel und seiner Show „Weihnachten in Familie“ auf Tour. Nach dem letzten Auftritt in Brandenburg an der Havel setzt sich Franziska ins Auto, holt schnell in Berlin ein paar Sachen und fährt weiter zu ihren Eltern nach Spremberg. „Wahrscheinlich werde ich den halben Tag erst einmal ausschlafen“, prophezeit sie.

Traditionell gibt es im Hause Wiese am Heiligen Abend Kartoffelsalat mit Wiener. „Eigentlich mag ich keinen Kartoffelsalat“, schmunzelt Franziska und hofft auf ein Einlenken ihrer Mutter Manuela in Sachen Speiseplan.

Nicht fehlen darf Franziskas Geige, denn nach der Bescherung wird ein wenig Hausmusik gemacht. Auch das gemeinsame Ansehen der Fernsehsendung „Fröhliche Weihnachten mit Frank“ gehört zum Programm. 2016 war Franziska selber Teil der Show, in diesem Jahr kann sie ihren Kollegen bei der „Arbeit“ zusehen.

Durch den straffen Tourplan entfällt in diesem Jahr das Plätzchenbacken mit der Mama und der Oma. „Im vergangenen Jahr haben wir richtig viel gebacken. Neben Butterplätzchen machten wir Makronen, Vanillekipferl oder Haselnusskekse. Am Ende hatten wir soviel gebacken, dass wir keine Zeit mehr hatten, die Kekse zu verzieren“, schmunzeln Mutter und Tochter Wiese.

Für die Weihnachtsgans verrät Franziska ihr Geheimrezept für die Füllung: geriebenes Vollkornbrot, Cointreau-Orangenlikör, Zimt, Zucker und Backpflaumen. Das verleiht der Gans einen süßlich-lieblichen Geschmack. Dazu eine Soße mit Apfelmus und Sahne vermischt und einem leckeren Gänsebraten steht nichts mehr im Wege.

Für Franziska hat Weihnachten etwas Magisches. „Es ist diese Art von Ruhe, in der man probiert, die Hektik des Alltags zu vergessen. Dazu das warme Licht der Kerzen, die ruhige Musik und das Göttliche, dass uns durch das Christentum gegeben wird. Man findet wieder mehr zueinander, sucht eher Liebe und Geborgenheit und weniger das Materielle.“

Gerade deswegen stehen auf Franziskas Weihnachtswunschzettel gemeinsame Erlebnisse mit Familie und Freunden ganz oben. „Ich bin eher der Erlebnismensch und freue mich darauf, gemeinsam etwas zu unternehmen und Zeit dafür zu haben. Und ich freue mich immer über etwas Süßes!“, gibt sie einen Hinweis an den Weihnachtsmann.

Die Tour mit Frank Schöbel hat für Franziska auch gewisse Nachteile: „Ich habe noch kein einziges Weihnachtsgeschenk zusammen. Und ich würde gerne über die Weihnachtsmärkte in den jeweiligen Auftrittsorten schlendern. Doch die Tour ist straff durchgeplant – von den Proben über die Show bis zur Autogrammstunde. Danach sind die Weihnachtsmärkte leider nicht mehr geöffnet!“ Doch bis zur Bescherung wird Franziska sicherlich noch einige passende Weihnachtsgeschenke für ihre Liebsten finden.

Dass sie selbst Teil der Weihnachts-Tournee mit Frank Schöbel ist, macht Franziska stolz. Als kleines Kind habe sie die Kassette mit Frank Schöbel, Aurora Lacasa und beider Kinder sehr gerne gehört, besonders das Lied mit der Katastrophe von Weihnachtsbaum gefällt ihr. Jetzt, auf der Tour, spürt sie im Publikum eine gewisse familiäre Stimmung. Es sei hier im Osten beinahe schon eine Tradition, zu Frank Schöbel und seiner Show zu gehen. Sie selbst fühlt sich voll in die Show integriert und bekommt das von den Künstlerkollegen auch zu spüren. Als Kind hätte Franziska nie zu träumen gewagt, plötzlich einmal Teil des Programms zu werden.

Der Konzertveranstalter habe Frank Schöbel die Künstlerin vorgeschlagen. Und da Frank Schöbel Franziska schon von verschiedenen Auftritten kannte, kam es letztendlich zur Zusammenarbeit, die – so munkelt man – im nächsten Jahr fortgesetzt werden könnte.

Wenn Franziska Wiese nicht gerade mit Frank Schöbel auf Tour ist, arbeitet sie an ihrem neuen Album, welches im Sommer 2018 erscheinen wird. „Die Fans können sich wieder auf die erfrischende Kombination von Geige und Stimme freuen, mit Vielem in den Texten, dass mich berührt. Dazu gibt es eingängige Melodien. Produziert wird das Album von meinem bewährten Team, unterstützt von einigen neuen Leuten.“

Doch zuvor freut sich Franziska erst einmal auf das bevorstehende Weihnachtsfest und damit verbunden ein paar Tage Ruhe. „Ich wünsche allen Lesern und meinen Fans, dass sie ganz viel das Gefühl haben, geliebt zu werden und lieben zu können. Dass sie Menschen haben, denen sie Liebe schenken können, dass sie es warm und gemütlich haben und das Fest nicht alleine verbringen müssen. Es gibt hier in der Region viele Stellen, z.B. die Kirchen, wo man hingehen kann, um in der Gemeinschaft zu feiern. Alle sollen friedlich und ohne Angst das Weihnachtsfest erleben dürfen!“

Alle Jahre wieder… – schreibt ein Forster sein Weihnachtsgedicht

Alle Jahre wieder – manche Dinge wiederholen sich regelmäßig zur Weihnachtszeit: der Wunsch nach weißer Weihnacht, der Stress wegen noch fehlender Geschenke und bei Manchen die Hoffnung, noch kurz vor Heiligabend einen ansehnlichen Weihnachtsbaum zu ergattern. Ebenfalls eine schöne Tradition sind die von RUNDSCHAU-Lesern eingesandten Gedichte für die Weihnachtsbeilage der LAUSITZER RUNDSCHAU.

Auch der Forster Bernd Uduc schickt jedes Jahr aufs Neue seinen literarischen Beitrag zum Fest an die Redaktion. „Mittlerweile sind es bereits 16 Weihnachtsgedichte, die meisten davon wurden auch veröffentlicht!“, verrät er stolz.

Sein allererstes Gedicht überhaupt schrieb er 1981 in der Schule in Form einer Büttenrede. Danach folgte eine jahrelange Kreativpause. 2004 entstand das erste weihnachtliche Gedicht. „Mir kam damals die Idee, auf die Melodie von ‚Oh Tannenbaum‘ einen neuen Text zu schreiben“, erinnert sich Bernd Uduc. Mittlerweile zählt er 30 Gedichte zu seinem künstlerischen Schaffen. Neben Gedichten für private familiäre Festlichkeiten wie Jugendweihen, Goldene oder Silberne Hochzeiten entstehen auch regelmäßig kleine Kunstwerke zu Fußball-Welt- und Europameisterschaften. Meist nimmt er darin die teilnehmenden Mannschaften aufs Korn.

Ein passendes Thema zu finden wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Neben lustigen Elementen folgt auch immer ein Teil, der dazu anregen soll, gerade zu Weihnachten mal über bestimmte Dinge nachzudenken: „2016 ließ ich den Weihnachtsmann in einer überfüllten Physiotherapie-Praxis leiden, das Jahr davor setzte sich Knecht Ruprecht mit dem Klimawandel auseinander.“, sagt Bernd Uduc.

Vielen Forstern ist der ausgebildete Masseur und medizinische Bademeister von der Physiotherapie-Praxis seiner Frau Katrin bekannt, wo der in Kamp-Lintfort geborene Bernd Uduc angestellt ist. 1994 zog es ihn aus familiären Gründen vom Niederrhein nach Forst, inzwischen ist der zu 100% sehbehinderte Uduc längst in der Lausitz heimisch geworden. Als „berühmtester unbekannter Heimatdichter der Niederlausitz und des Muskauer Faltenbogens“ bezeichnet er sich scherzhaft.

Dass Bernd Uduc nicht alles so bierernst nimmt, spiegelt sich auch in seinen Gedichten wieder. „Ich mag die Wortspiele von Willy Astor und den feinen hintersinnigen Humor von Heinz Erhardt“, erklärt Bernd Uduc, woher er seine Inspiration nimmt.

Auch wenn das Gedichteschreiben nur ein gelegentliches Hobby ist, hat sich Bernd Uduc ein effizientes System für das Schreiben der Texte ausgedacht. So wird für jedes neue Gedicht zunächst im Computer ein Ordner angelegt. „Manchmal schreibe ich bloß zwei Zeilen, die speichere ich dort ab. Nach ein paar Tagen ohne Idee folgen vielleicht zwei oder vier weitere Zeilen. Wenn dann ungefähr zehn Zeilen vorhanden sind, geht es komischerweise fließend weiter. Schwierig ist es immer, den Einstieg zu finden“, verrät Bernd Uduc seine Arbeitsweise. Sein kürzestes Gedicht umfasste gerade mal 14 Zeilen, das längste war mit 62 Zeilen schon ziemlich umfangreich.

Natürlich ist Bernd Uduc auch auf die Reaktionen der Leser gespannt. „Ein guter Freund bekommt die Gedichte immer zuerst zu lesen, anschließend schicke ich sie auch an Freunde und Bekannte, erst danach an die Zeitungen. Von meinen Patienten in der Praxis werde ich hin und wieder auf die veröffentlichten Gedichte angesprochen.. Viele finden die Themen treffend. So richtig schlechte Kritiken habe ich bisher noch nicht bekommen!“

Eine Veröffentlichung seiner gesammelten Werke ist nicht wirklich geplant. „Wenn jedoch jemand Zugang zu einem Verlag hat, könnte man über ein ‚Best of Weihnachten‘ nachdenken. 20 Gedichte wären bestimmt druckreif.“, verkündet Bernd Uduc selbstbewußt.

Doch bevor es soweit ist, hofft Bernd Uduc auf die Veröffentlichung seines diesjährigen Weihnachtsgedichtes. Und exklusiv für die Leser der Forster Lokalausgabe hat sich Bernd Uduc so seine Gedanken zum Jahreswechsel gemacht.

Neues Jahr, neues Glück?

Das Weihnachtsfest ist kaum zu Ende

Da feiern wir die Jahreswende

War Weihnachten die stille Nacht

Silvester wird eins drauf gemacht

Das Jahr endet auf jeden Fall

Mit viel Radau und lautem Knall

Raketen steigen in die Luft

Und alles riecht nach Schwefelduft

Wir feiern heute bis zum Schluss

Weil morgen sich was ändern muß

Zuerst denkt man an die Figur

Und treibt gleich Sport, rund um die Uhr

Doch es geschieht wie jedes Jahr

Der Vorsatz hält bis Februar

Dann folgt die schöne Faschingszeit

Und schnell werden die Hüften breit

Gerad‘ ist ein Vorsatz ausgesprochen

Da wird auch schon mit ihm gebrochen

Ein Wort, das man gegeben hat

Zählt nicht mehr viel in diesem Staat

Politiker zeigen es immer

Und das ist sicher noch viel schlimmer

Ihr Wort, das hat nicht viel Gewicht

Und darum halten sie es nicht

Treten sie ihren Posten an

So zeigen sie ein jedermann

Dass wenn man einmal oben steht

Dem Volk schnell seinen A… zu dreht

Und darum wird das neue Jahr

Genau so, wie das Alte war

Von Bernd Uduc

(der berühmteste, unbekannte Heimatdichter der gesamten Niederlausitz und des Muskauer Faltenbogens)