Standing Ovations für das Leipziger Central-Kabarett

Das kommt nicht alle Tage vor, daß das verwöhnte Kabarett-Publikum im „Kuckuck“ in Groß Jamno Standing Ovations gibt. Am vergangenen Donnerstag war es mal wieder soweit: Die beiden Jungväter André Bautzmann und Robert Günschmann vom Leipziger Central-Kabarett präsentierten zuvor ihr neues Programm „Von der Windel verweht – Kuck mal, wer da bricht“ und ließen sich im Anschluß feiern für ihre bissige und ironische Abrechnung mit den kleinen Nervensägen und „ADHS-Botschaftern“, auch Kinder genannt.

Schon das Intro brach das Eis zwischen Künstler und Bühne. Mit einem neuen Text zu Rammsteins Hit „Engel“ besangen die Beiden ihre Sorgen, Ängste und Befürchtungen zur Zukunft ihrer nervigen Kinder. „Das soll ein Engel sein?“ fragten sie, wohl ahnend, was die nächsten Jahre auf sie zukommen wird.

In der Kita „Dreikäsehoch“ wurde es dann politisch. Kein Wunder, wenn die Plagen dort Donald, Wladimir, Angela, Emmanuel, Kim oder Recep Tayyip heißen. Und weil es sich mit Publikum einfach besser spielt, suchten sich Bautzmann und Günschmann ihre „Opfer“ unter den Zuschauern aus. Während also Donald aus Sand die jemals beste Mauer baute und Kim mit Spielzeugraketen um sich warf, durften Angela und Emmanuel rumflirten und den Wladimir nicht mitspielen lassen.

Im „Tele-Schrotting-Kanal“ priesen Bob & Bob in Glitzerkostümen das „brandneue und streng limitierte Schnicki-Schnacki-Schnupp-Schnupp“ zum Sonderpreis an, was sich bei genauerem Hinsehen als übergroßes Qietsche-Entchen entpuppte. Allerdings überzogen es André Bautzmann und Robert Günschmann mit ihrer Parodie ein wenig. Gut, daß im Anschluß Herr Müller („Müller, wie Füller, nur ohne F“) zum Vorstellungsgespräch an der Schule erschien. Da derzeit überall Lehrermangel herrscht, wurde Herr Müller, der nur Französisch studierte, kurzerhand auch noch Lehrer für alle anderen Unterrichtsfächer. Wie schnell ein falsches Wort die Karriere beeinflussen kann, bewies das Central-Kabarett eindrucksvoll. Die spitzen Bemerkungen zum Lehrerberuf und zum Schulsystem insgesamt sorgten bei den zahlreich im Publikum anwesenden Vertretern der Volksbildung für besonders gute Laune, auch wenn man sich nicht unbedingt als Lehrer zu erkennen geben wollte.

Selten wurde den Zuschauern so unverblümt die Wahrheit ins Gesicht geschlagen wie beim Klagelied von Mutter Natur, gespielt von André Bautzmann. Auch wenn der Zustandsbericht der Erde mit kabarettistischen Mitteln zu Gehör gebracht wurde, blieb dem Publikum an der einen oder anderen Stelle das Lachen im Halse stecken angesichts der Sünden, mit denen die Menschheit sich selbst zu Grunde richtet.

„Wer keine Kinder bekommt leistet einen wertvollen Beitrag zur Rettung der Menschheit“, resümieren Bautzmann und Günschmann und stellen anschließend fest: „Alle Kinder sind so lange hochbegabt, bis sie das erste Zeugnis bekommen!“.

Doch nicht nur Kinder und ihre manchmal noch nervigeren Eltern bekommen an diesem Abend ihr Fett weg, auch die Bundeswehr muß sich einem Inspekteur erklären, warum in der Kaserne eine russische Rekrutin nackt an der Stange tanzt und wieso überall in der Kaserne Wehrmachtsutensilien zu finden sind.

Zu guter Letzt haben auch noch Herbert und Heinrich aus dem Seniorenstift ihren großen Auftritt. Die beiden Leser der „Apotheken-Rundschau“, auch „Ü-60-Playboy“ genannt, philosophieren über ihre langsam nachlassende sexuelle Leistungsfähigkeit und andere Krankheiten. „Herbert, Du hast Alzheimer, vergiß das nicht!“ warnt dann auch Kumpel Heinrich.

„Überhaupt sind sich die beiden Komödianten André Bautzmann und Robert Günschmann für kein Wortspiel oder ungeprobte Pointe zu schade. Manchmal sind sie von ihren spontanen Einfällen dermaßen überrascht, daß sie sich und den Mitspieler ungewollt aus dem Konzept bringen – sehr zur Erheiterung des Publikums, das sich schon gar nicht mehr fragt, ob das nun zum Programm gehörte oder improvisiert war. Schließlich kommt so mancher Gag erst durch die Reaktion oder Zurufe der Zuschauer zustande.

„Am Ende dieses langen Kabarett-Abends gab es besagte Standing Ovations, die zum Ausdruck brachten, wie sehr sich das Publikum durch das Central-Kabarett unterhalten fühlte. Die wiederum ließen sich nicht lumpen und verteilten als kleine Entschädigung Mini-Schnicki-Schnacki-Schnupp-Schnupps an diejenigen Zuschauer, die besonders oft für so manchen bösen Scherz herhalten mußten.

„Spremberg wärmt mich immer“ – Schlagerstar Franziska Wiese kehrt zum Weihnachtsfest in ihre Heimat zurück

Chris Reas Song „Driving Home For Christmas“ gehört zu den bekanntesten Liedern, die um die Weihnachtszeit gespielt werden. Auch die gebürtige Sprembergerin Franziska Wiese macht sich in der Nacht zum 24. Dezember auf den Weg von ihrer Wahlheimat Berlin in die heimatlichen Gefilde. „Heimat ist für mich immer Heimat und verliert niemals ihren Namen. Es ist ein anderes Gefühl, nach Hause zu fahren, weil viele Geschichten damit verbunden sind. Insofern wärmt mich immer Spremberg, wenn ich in den Ort rein fahre“, verrät die prominente Künstlerin.

Franziskas Stern ging 2016 auf. Ein Fernsehauftritt vor einem Millionenpublikum in Florian Silbereisens Samstagabendshow machte sie schlagartig deutschlandweit bekannt. Es folgte ihr erstes Album „Sinfonie der Träume“, die Auskopplung „Ich bin frei“ stieg bis auf Platz Fünf der deutschen Airplay-Charts, also jener Wertung mit den meistgespielten Titeln im Radio. Größen wie Andrea Berg, Matthias Reim oder Michelle reihten sich hinter Franziska ein.

Inzwischen ist die Sängerin und Violinistin Franziska Wiese gut gebucht und ein gern gesehener Gast in diversen Fernsehshows und auf den Konzertbühnen der Republik. Klar, dass sie in der Lausitz besonders viele Fans hat. Sogar einen offiziellen Franziska-Wiese-Fanclub gibt es seit kurzem.

Weihnachten feiert Franziska zu Hause im Kreise ihrer Familie. Bis zum 23. Dezember ist sie noch mit Frank Schöbel und seiner Show „Weihnachten in Familie“ auf Tour. Nach dem letzten Auftritt in Brandenburg an der Havel setzt sich Franziska ins Auto, holt schnell in Berlin ein paar Sachen und fährt weiter zu ihren Eltern nach Spremberg. „Wahrscheinlich werde ich den halben Tag erst einmal ausschlafen“, prophezeit sie.

Traditionell gibt es im Hause Wiese am Heiligen Abend Kartoffelsalat mit Wiener. „Eigentlich mag ich keinen Kartoffelsalat“, schmunzelt Franziska und hofft auf ein Einlenken ihrer Mutter Manuela in Sachen Speiseplan.

Nicht fehlen darf Franziskas Geige, denn nach der Bescherung wird ein wenig Hausmusik gemacht. Auch das gemeinsame Ansehen der Fernsehsendung „Fröhliche Weihnachten mit Frank“ gehört zum Programm. 2016 war Franziska selber Teil der Show, in diesem Jahr kann sie ihren Kollegen bei der „Arbeit“ zusehen.

Durch den straffen Tourplan entfällt in diesem Jahr das Plätzchenbacken mit der Mama und der Oma. „Im vergangenen Jahr haben wir richtig viel gebacken. Neben Butterplätzchen machten wir Makronen, Vanillekipferl oder Haselnusskekse. Am Ende hatten wir soviel gebacken, dass wir keine Zeit mehr hatten, die Kekse zu verzieren“, schmunzeln Mutter und Tochter Wiese.

Für die Weihnachtsgans verrät Franziska ihr Geheimrezept für die Füllung: geriebenes Vollkornbrot, Cointreau-Orangenlikör, Zimt, Zucker und Backpflaumen. Das verleiht der Gans einen süßlich-lieblichen Geschmack. Dazu eine Soße mit Apfelmus und Sahne vermischt und einem leckeren Gänsebraten steht nichts mehr im Wege.

Für Franziska hat Weihnachten etwas Magisches. „Es ist diese Art von Ruhe, in der man probiert, die Hektik des Alltags zu vergessen. Dazu das warme Licht der Kerzen, die ruhige Musik und das Göttliche, dass uns durch das Christentum gegeben wird. Man findet wieder mehr zueinander, sucht eher Liebe und Geborgenheit und weniger das Materielle.“

Gerade deswegen stehen auf Franziskas Weihnachtswunschzettel gemeinsame Erlebnisse mit Familie und Freunden ganz oben. „Ich bin eher der Erlebnismensch und freue mich darauf, gemeinsam etwas zu unternehmen und Zeit dafür zu haben. Und ich freue mich immer über etwas Süßes!“, gibt sie einen Hinweis an den Weihnachtsmann.

Die Tour mit Frank Schöbel hat für Franziska auch gewisse Nachteile: „Ich habe noch kein einziges Weihnachtsgeschenk zusammen. Und ich würde gerne über die Weihnachtsmärkte in den jeweiligen Auftrittsorten schlendern. Doch die Tour ist straff durchgeplant – von den Proben über die Show bis zur Autogrammstunde. Danach sind die Weihnachtsmärkte leider nicht mehr geöffnet!“ Doch bis zur Bescherung wird Franziska sicherlich noch einige passende Weihnachtsgeschenke für ihre Liebsten finden.

Dass sie selbst Teil der Weihnachts-Tournee mit Frank Schöbel ist, macht Franziska stolz. Als kleines Kind habe sie die Kassette mit Frank Schöbel, Aurora Lacasa und beider Kinder sehr gerne gehört, besonders das Lied mit der Katastrophe von Weihnachtsbaum gefällt ihr. Jetzt, auf der Tour, spürt sie im Publikum eine gewisse familiäre Stimmung. Es sei hier im Osten beinahe schon eine Tradition, zu Frank Schöbel und seiner Show zu gehen. Sie selbst fühlt sich voll in die Show integriert und bekommt das von den Künstlerkollegen auch zu spüren. Als Kind hätte Franziska nie zu träumen gewagt, plötzlich einmal Teil des Programms zu werden.

Der Konzertveranstalter habe Frank Schöbel die Künstlerin vorgeschlagen. Und da Frank Schöbel Franziska schon von verschiedenen Auftritten kannte, kam es letztendlich zur Zusammenarbeit, die – so munkelt man – im nächsten Jahr fortgesetzt werden könnte.

Wenn Franziska Wiese nicht gerade mit Frank Schöbel auf Tour ist, arbeitet sie an ihrem neuen Album, welches im Sommer 2018 erscheinen wird. „Die Fans können sich wieder auf die erfrischende Kombination von Geige und Stimme freuen, mit Vielem in den Texten, dass mich berührt. Dazu gibt es eingängige Melodien. Produziert wird das Album von meinem bewährten Team, unterstützt von einigen neuen Leuten.“

Doch zuvor freut sich Franziska erst einmal auf das bevorstehende Weihnachtsfest und damit verbunden ein paar Tage Ruhe. „Ich wünsche allen Lesern und meinen Fans, dass sie ganz viel das Gefühl haben, geliebt zu werden und lieben zu können. Dass sie Menschen haben, denen sie Liebe schenken können, dass sie es warm und gemütlich haben und das Fest nicht alleine verbringen müssen. Es gibt hier in der Region viele Stellen, z.B. die Kirchen, wo man hingehen kann, um in der Gemeinschaft zu feiern. Alle sollen friedlich und ohne Angst das Weihnachtsfest erleben dürfen!“

Alle Jahre wieder… – schreibt ein Forster sein Weihnachtsgedicht

Alle Jahre wieder – manche Dinge wiederholen sich regelmäßig zur Weihnachtszeit: der Wunsch nach weißer Weihnacht, der Stress wegen noch fehlender Geschenke und bei Manchen die Hoffnung, noch kurz vor Heiligabend einen ansehnlichen Weihnachtsbaum zu ergattern. Ebenfalls eine schöne Tradition sind die von RUNDSCHAU-Lesern eingesandten Gedichte für die Weihnachtsbeilage der LAUSITZER RUNDSCHAU.

Auch der Forster Bernd Uduc schickt jedes Jahr aufs Neue seinen literarischen Beitrag zum Fest an die Redaktion. „Mittlerweile sind es bereits 16 Weihnachtsgedichte, die meisten davon wurden auch veröffentlicht!“, verrät er stolz.

Sein allererstes Gedicht überhaupt schrieb er 1981 in der Schule in Form einer Büttenrede. Danach folgte eine jahrelange Kreativpause. 2004 entstand das erste weihnachtliche Gedicht. „Mir kam damals die Idee, auf die Melodie von ‚Oh Tannenbaum‘ einen neuen Text zu schreiben“, erinnert sich Bernd Uduc. Mittlerweile zählt er 30 Gedichte zu seinem künstlerischen Schaffen. Neben Gedichten für private familiäre Festlichkeiten wie Jugendweihen, Goldene oder Silberne Hochzeiten entstehen auch regelmäßig kleine Kunstwerke zu Fußball-Welt- und Europameisterschaften. Meist nimmt er darin die teilnehmenden Mannschaften aufs Korn.

Ein passendes Thema zu finden wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Neben lustigen Elementen folgt auch immer ein Teil, der dazu anregen soll, gerade zu Weihnachten mal über bestimmte Dinge nachzudenken: „2016 ließ ich den Weihnachtsmann in einer überfüllten Physiotherapie-Praxis leiden, das Jahr davor setzte sich Knecht Ruprecht mit dem Klimawandel auseinander.“, sagt Bernd Uduc.

Vielen Forstern ist der ausgebildete Masseur und medizinische Bademeister von der Physiotherapie-Praxis seiner Frau Katrin bekannt, wo der in Kamp-Lintfort geborene Bernd Uduc angestellt ist. 1994 zog es ihn aus familiären Gründen vom Niederrhein nach Forst, inzwischen ist der zu 100% sehbehinderte Uduc längst in der Lausitz heimisch geworden. Als „berühmtester unbekannter Heimatdichter der Niederlausitz und des Muskauer Faltenbogens“ bezeichnet er sich scherzhaft.

Dass Bernd Uduc nicht alles so bierernst nimmt, spiegelt sich auch in seinen Gedichten wieder. „Ich mag die Wortspiele von Willy Astor und den feinen hintersinnigen Humor von Heinz Erhardt“, erklärt Bernd Uduc, woher er seine Inspiration nimmt.

Auch wenn das Gedichteschreiben nur ein gelegentliches Hobby ist, hat sich Bernd Uduc ein effizientes System für das Schreiben der Texte ausgedacht. So wird für jedes neue Gedicht zunächst im Computer ein Ordner angelegt. „Manchmal schreibe ich bloß zwei Zeilen, die speichere ich dort ab. Nach ein paar Tagen ohne Idee folgen vielleicht zwei oder vier weitere Zeilen. Wenn dann ungefähr zehn Zeilen vorhanden sind, geht es komischerweise fließend weiter. Schwierig ist es immer, den Einstieg zu finden“, verrät Bernd Uduc seine Arbeitsweise. Sein kürzestes Gedicht umfasste gerade mal 14 Zeilen, das längste war mit 62 Zeilen schon ziemlich umfangreich.

Natürlich ist Bernd Uduc auch auf die Reaktionen der Leser gespannt. „Ein guter Freund bekommt die Gedichte immer zuerst zu lesen, anschließend schicke ich sie auch an Freunde und Bekannte, erst danach an die Zeitungen. Von meinen Patienten in der Praxis werde ich hin und wieder auf die veröffentlichten Gedichte angesprochen.. Viele finden die Themen treffend. So richtig schlechte Kritiken habe ich bisher noch nicht bekommen!“

Eine Veröffentlichung seiner gesammelten Werke ist nicht wirklich geplant. „Wenn jedoch jemand Zugang zu einem Verlag hat, könnte man über ein ‚Best of Weihnachten‘ nachdenken. 20 Gedichte wären bestimmt druckreif.“, verkündet Bernd Uduc selbstbewußt.

Doch bevor es soweit ist, hofft Bernd Uduc auf die Veröffentlichung seines diesjährigen Weihnachtsgedichtes. Und exklusiv für die Leser der Forster Lokalausgabe hat sich Bernd Uduc so seine Gedanken zum Jahreswechsel gemacht.

Neues Jahr, neues Glück?

Das Weihnachtsfest ist kaum zu Ende

Da feiern wir die Jahreswende

War Weihnachten die stille Nacht

Silvester wird eins drauf gemacht

Das Jahr endet auf jeden Fall

Mit viel Radau und lautem Knall

Raketen steigen in die Luft

Und alles riecht nach Schwefelduft

Wir feiern heute bis zum Schluss

Weil morgen sich was ändern muß

Zuerst denkt man an die Figur

Und treibt gleich Sport, rund um die Uhr

Doch es geschieht wie jedes Jahr

Der Vorsatz hält bis Februar

Dann folgt die schöne Faschingszeit

Und schnell werden die Hüften breit

Gerad‘ ist ein Vorsatz ausgesprochen

Da wird auch schon mit ihm gebrochen

Ein Wort, das man gegeben hat

Zählt nicht mehr viel in diesem Staat

Politiker zeigen es immer

Und das ist sicher noch viel schlimmer

Ihr Wort, das hat nicht viel Gewicht

Und darum halten sie es nicht

Treten sie ihren Posten an

So zeigen sie ein jedermann

Dass wenn man einmal oben steht

Dem Volk schnell seinen A… zu dreht

Und darum wird das neue Jahr

Genau so, wie das Alte war

Von Bernd Uduc

(der berühmteste, unbekannte Heimatdichter der gesamten Niederlausitz und des Muskauer Faltenbogens)

Eine „Liebes-Geschichts-Stunde“ beim 48. Forster Geschichtsstammtisch

Im Mittelpunkt des 48. Geschichtsstammtisches des Museumsvereins Forst stand „Das Versprechen am Weberbrunnen“. Im Pavillon „Genuss und Kunst“ versammelten sich am vergangenen Donnerstag wieder Geschichtsinteressierte, um zu erfahren, was sich hinter diesem Versprechen verbirgt.

Lena Paul vom „Forster Wochenblatt“führte durch den Abend und erläuterte zunächst die Vorgeschichte. Der Forster Wolfgang Schenk, selbst Stammgast der Geschichtsstammtische, übergab vor einiger Zeit dem damaligen Herausgeber des „FoWo“ seine handschriftlichen Notizen. Diese sollten in loser Folge als Artikelserie in der Lokalzeitung erscheinen.

Als diese Notizen abgeschrieben und digitalisiert werden sollten, erkannte Lena Paul das Potenzial, dass diese Notizen enthielt. Sie konnte Wolfgang Schenk schließlich überzeugen, statt einer Artikelserie seine Notizen in Buchform zu präsentieren. „Die Veröffentlichung des Buches benötigt einen perfekten Rahmen, und was wäre als Rahmen besser geeignet als diese Veranstaltung?“, so Lena Paul in ihrer Anmoderation auf die nachfolgende Lesung von Textauszügen. „Es ist außerdem Zeugnis einer Zeit, die man nicht vergessen sollte!“

„Das Versprechen am Weberbrunnen“ ist Wolfgang Schenks autobiografische Liebesgeschichte. Sie beginnt 1943 im ehemaligen Forster Stadtteil Berge. Wolfgang Schenk lernt als achtjähriger Knirps eine Spielgefährtin namens Ingrid kennen. Am Weberbrunnen geben sich die beiden das Ehrenversprechen, immer für einander dazu sein.

Doch das Schicksal hat andere Pläne. Das Kriegsgeschehen rückt immer näher an die Neiße heran. Ingrid folgt ihrem Vater, der als Soldat versetzt wird. Wolfgang, seine Mutter und seine Oma, verbergen sich in Berge im Keller der Familie Schmolke vor den Bombardierungen. Im März 1945 flüchtet die Familie über die Neiße nach Forst, nur Wolfgangs Opa bleibt in Berge.

Später soll die Flucht weiter nach Friesland gehen. Stattdessen endet sie im thüringischen Steinbach-Hallenberg, wo die Familie eine zeitlang lebt und auch Arbeit findet.

Durch das Potsdamer Abkommen im August 1945 wird der Forster Stadtteil Berge plötzlich polnisches Gebiet. Als auch keine Nachricht mehr vom Opa kommt, macht sich die Familie Schenk 1946 auf nach Forst, kommt aber nur bis in die Nähe von Leipzig. Auch hier lebt Wolfgang mit seiner Familie einige Zeit, ehe im Sommer 1947 endlich die Rückkehr nach Forst erfolgt. In der Fruchtstraße bezieht Familie Schenk eine Wohnung. Von Ingrid hat Wolfgang allerdings nichts mehr gehört.

1959 bittet ein Freund Wolfgang, ihn zum Tanz in den Rosengarten zu begleiten und dort auf seine beiden Freundinnen aufzupassen. Bei der Vorstellung der beiden Frauen glaubt Wolfgang, seinen Augen nicht zu trauen, den eine der beiden ist Ingrid.

An dieser Stelle unterbrechen Lena Paul und Jens Dräger die Lesung, um nicht zu verraten, wie die Geschichte von Wolfgang und Ingrid weiter geht und ob das „Versprechen vom Weberbrunnen“ eingelöst wurde. Wer die Auflösung wissen möchte, findet diese im gleichnamigen Buch, erschienen im JSD Verlag & Druck. Wie Lena Paul mitteilte, ist die erste Auflage fast ausverkauft, eine zweite ist bereits in Planung.

Auch nach der Lesung gingen viele Exemplare über den improvisierten Ladentisch im Pavillon „Genuss & Kunst“. Wolfgang Schenk, der Autor des Buches, signierte bereitwillig die Bücher, nicht ohne vorher noch einmal darauf hinzuweisen, dass alle im Buch genannten Daten authentisch sind. „Ich berufe mich da auf die Buchführung meiner Oma, die damals alles aufgezeichnet hatte.“, so Wolfgang Schenk.

Slapstick und Besinnliches im „Kuckuck“

Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke hatte das Kabarett-Publikum im „Kuckuck“ vorgewarnt: „Was Sie heute Abend erleben, ist ein Experiment und hat es so noch nicht bei uns gegeben. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn Sie nicht wissen, worauf Sie sich gleich anlassen!“

Und tatsächlich – diese Art von Musik-Comedy gab es bisher noch nicht auf der Kabarettbühne in Groß Jamno zu erleben. „Streckenbach & Köhler“ hatten sich für einen weihnachtlichen Konzertabend angekündigt. Der selbstverliebte Tenor Streckenbach und sein stummer Pianist Köhler „mit der Urban-Priol-Gedenkfrisur“ brachten Evergreens („Ob Blond, ob Braun, ich liebe alle Frauen“) und Popsongs der Neuzeit im Stil der 20er Jahre zu Gehör („Junge“ von den Ärzten, „Es war Sommer“ von Peter Maffay). Das einzig weihnachtliche an dem Programm war allerdings nur Köhlers blauer Anzug mit Tannenbaum-Motiven.

„Multiple Ohrgasmen“ versprach Streckenbach, der „in Thüringen Gesang an der Musik-Hochschule ‚Franz Liszt‘ studierte und bis zum drei gestrichenen C kommt“, wie er mehrmals im Verlaufe des Abends betonte. Sein kongenialer Partner Köhler brillierte derweil am Klavier, wurde trotzdem zur Zielscheibe für Streckenbachs Spott oder Wutausbrüche. Dabei war Köhler der eigentliche Star des Abends. Mit der Mimik von Dynamit-Harry (aus den Olsenbanden-Filmen) und einer Virtuosität auf dem Klavier wie der junge Elton John sorgte Köhler abwechselnd für Begeisterungstürme und Lachsalven.

Das Publikum wurde „Teil der Gruppentherapie“. Zuschauer Peter aus der ersten Reihe hauchte „Je t’aime“ ins Mikro und das „Helene-Fischer-Lastige Publikum“ johlte vor Vergnügen. Beim Lied über die „Schilddrüsenunterfunktion“ sangen textsichere Zuschauer mit.

Überhaupt ist Spontanität das große Plus von „Streckenbach & Köhler“ (der sich übrigens dermaßen ins Zeug legte, dass er während der Vorstellung mit dem Stuhl zusammengebrochen ist). Als zwei Besucherinnen kurz nacheinander die Örtlichkeiten für kleine Mädchen aufsuchten, unterbrachen die Künstler ihr Programm und studierten eiligst mit dem verbliebenen Publikum ein Lied mit den Namen der beiden Damen ein, dass solange gesungen wurde, bis diese wieder im Saal erschienen. Zusätzlicher Gag am Rande: Streckenbach kündigte anschließend die obligatorische Pause an…

Dass „Streckenbach & Köhler“ nicht nur auf der Bühne herumblödeln können, bewiesen die Beiden nach der Pause. „Ninon (Lach mir einmal zu)“, ein Lied des jüdischen Komponisten Walter Jurmann aus der UFA-Schmonzette „Ein Lied für Dich“ von 1933, sorgte in der Interpretation von André Streckenbach für andachtsvolle Stille und Gänsehaut-Erlebnis.

Auch Franz Schuberts „Ave Maria“ begann besinnlich, artete dann allerdings in eine Slapstick-Nummer aus, als Köhler mal kurz in der Nase bohrte und das am Finger kleben bleibende angedeutete Ergebnis wieder loswerden wollte. Mehrmals wechselte der imaginäre „Nasenstein“ seinen Besitzer, um dann schließlich doch in Streckenbachs Schlund zu landen.

Streckenbach wütete als weltgewandter Tenor und Frauenschwarm gegen Köhler und redete sich dabei zweisprachig um Kopf und Kragen. „That’s albern“, stellte er fest. Aus Forst (Lausitz) wurde plötzlich Wood Lowseat, „eine Stadt mit dem gleichen Erotikfaktor wie New York.. Hier schläft der Bär“.

Immer wieder nahmen sich Streckenbach & Köhler zum Vergnügen der Zuschauer im Saal gegenseitig auf die Schippe und bauten spontan Gags ein, dass sich der jeweils andere zusammenreißen musste, um nicht lauthals loszulachen.

Mit Udo Jürgens‘ „Mercie Cherie“ und einer hingebungsvollen Umarmung mit Zuschauer Peter verabschiedeten sich Streckenbach & Köhler und versprachen bei tosendem Applaus, baldmöglichst wiederzukommen.

Birgit Hendrischke wird’s freuen, dass das anspruchsvolle Publikum sich auf ihr kleines Experiment eingelassen hatte. „Selten so gelacht“ war nur eine Reaktion, mit denen sich die Zuschauer bei der Veranstaltungschefin für einen gelungenen Abend bedankten.

Exoten im Netz und Fressfeinde auf der Lauer

Trotz ungemütlichem, nasskaltem Wetter versammelten sich am Reformationstag viele Forster sowie Besucher aus den umliegenden Städten und Gemeinden, um das Abfischen des Schützenteiches in Klein Jamno zu verfolgen und anschließend fangfrische Ware gleich mit nach Hause zu nehmen.

Seit 1992 lockt der Fischereibetrieb Christoph Junghanns immer Ende Oktober seine Stammkunden sowie Interessierte an die Teiche zwischen Forst und Klein Jamno. An den Zufahrtswegen stehen die Fahrzeuge der Besucher dicht an dicht, an den drei Verkaufsständen bilden sich lange Warteschlangen. Schon weit vor dem offiziellen Beginn des Abfischens waren die ersten Gäste da, statt um 10.00 Uhr wurden die ersten Netze bereits kurz nach 9:00 Uhr gezogen.
Dabei wäre in diesem Jahr die Veranstaltung beinahe ausgefallen: ein Biber hatte innerhalb einer Nacht den Zugang zum Teich verbaut, so dass kein Frischwasser mehr in den Schützenteich fließen konnte. Christoph Junghanns entdeckte noch rechtzeitig das gefährliche Wasserbauwerk und beseitigte es.
Auch die Herbststürme der vergangenen Wochen taten ihr Übriges. Durch Windbruch waren viele Zufahrtswege unpassierbar geworden, nur mit schwerer Technik war es möglich, die Wege wieder frei zu machen. 3 Tage lang waren die Männer nur mit Holzsägen beschäftigt.

3-4 Tage dauerte die Vorbereitung, um den erwarteten Besucheransturm zu bewältigen. Neben dem Aufbau der Imbiss- und Verkaufsstände musste u.a auch die Sauerstoffzufuhr für die riesigen Wannen, in denen sich die Fische bis zur Weiterverarbeitung tummeln, installiert werden.

Unterstützung erhält der Fischer von seiner Familie: „Wir sind froh und dankbar, dass uns neben den drei festangestellten Mitarbeitern auch unsere Geschwister und unsere Kinder sowie deren Partner unterstützen!“, verrät des Fischers Frau Vera Junghanns, die sich um den Verkauf der Fische kümmert. Neben dem Hauptprodukt, dem Karpfen, gingen auch Hecht, Schleiche und Zander über den Ladentisch. „Jetzt ist Karpfenzeit. Klar, dass die Leute Appetit auf diesen Fisch haben, zumal er auch noch gesund ist, weil er wichtige Mineralstoffe wie Phosphor, Eisen und Vitamine A und B liefert“.

24 Teiche mit 250 Hektar Wasserfläche bewirtschaftet Christoph Junghanns. Neben den Teichen in Klein Jamno werden auch in Eulo, Mulknitz und Groß Jamno sowie in Maiberg bei Dissen Teiche zur Aufzucht genutzt. Verkauft werden die Fische im eigenen Ladengeschäft sowie auf Märkten in Berlin und Potsdam. Selbst nach Thüringen werden Karpfen aus den Junghanns’schen Gewässern geliefert.

Mit der Besucher-Resonanz zeigen sich Vera und Christoph Junghanns sehr zufrieden, mit dem abgefischten Ergebnis nicht ganz. „Erwarten konnten wir rund 2900 kg Fisch, in den Netzen waren allerdings nur etwa 950 kg.“, resümiert Christoph Junghanns. Die Verluste gehen zum großen Teil auf das Konto der Kormorane. Von 20.000 eingesetzten Fischen wurden nur etwa 4000 wieder gefangen. Der Kormoran entwickelt sich schon seit Jahren für die Fischereibetriebe der Region zu einer existenzbedrohenden Plage. Selbst Knall-Apparate, wie man sie während des Abfischens ab und zu hörte und die die Kormorane eigentlich verschrecken sollen, wirken nicht auf Dauer, da der Kormoran lernfähig ist und sich schnell an das für ihn eher ungefährliche Geräusch gewöhnt. Bis zu 500 Gramm Fisch frisst ein Kormoran täglich – und da die Vögel meist in Kolonien auftreten, erklären sich selbst für den Laien die enormen Verluste.

Überhaupt war es kein gutes Fischjahr. Das Frühjahr war zu trocken, das ist allerdings nicht der alleinige Grund. Ob generell meteorologische Kapriolen dafür verantwortlich sind, dass die Fische nicht so gewachsen sind wie gewünscht, sind sich die Fischer nicht sicher.

Mitunter finden sich bei so einem Fischzug in den Netzen auch Überraschungen. „Manchmal verirrt sich auch ein ‚Exot“ in die Netze. Heute hatten wir eine Barbe gefangen, die eigentlich ein Flussfisch und hier weniger heimisch ist. Keine Ahnung, wie die in den Teich gekommen ist“, rätselt Peter Genzmann, der mit seinen Kollegen immer wieder die Fische aus den Netzen in die bereitstehenden Wannen schüttet.

Auch solche Anekdoten gehören zum Abfischen dazu genau wie die Kinder, die sich aus den Netzen gefallene kleine Setzlinge schnappen und in mitgebrachten Eimern als Köderfische für den nächsten Angelausflug mit nach Hause nehmen. Oder die ihre Väter fragen, wo denn das Wasser aus dem Teich eigentlich hin ist. Vera Junghanns kennt die Antwort: „Wir haben vor 5 Tagen damit begonnen, den Teich langsam abzulassen. Das Wasser wurde über einen unterirdischen Kanal und daran anschließend einen Graben in die Malxe geleitet. Erst im Frühjahr wird der Teich wieder gefüllt. Bis dahin desinfiziert er sich quasi selbst!“

Die Fische, die noch nicht verkauft wurden, kommen in Hälterteiche und warten dort auf ihre eigentliche Bestimmung: ab 15. Dezember werden aus gewöhnlichen Karpfen die begehrten Weihnachts- und Silvesterkarpfen. Schon mal Appetit holen konnte man sich am Klein Jamnoer Schützenteich….

„In aller Freundschaft“ mit einem Fernsehliebling

Zur neunten Ausgabe des „Talks im Pavillon“ durften die Zuschauer einen echten Fernsehliebling begrüßen: Uta Schorn, bekannt aus Serien wie „Bereitschaft Dr. Federau“ oder „In aller Freundschaft“, plauderte gutgelaunt mit Moderator Lutz Hoff („Schätzen Sie mal“) und gab Einblicke in ihr vielseitiges künstlerisches Schaffen.

Dabei hatte Pavillon-Inhaberin Diana Podlesch zunächst angesichts der Wetterlage Sorge, dass die Veranstaltung ausfallen könnte: „Nach der Sturmnacht war ich darauf vorbereitet, dass Frau Schorn anruft und absagt. Das hätte mir einen Telefon-Sonntag eingebracht, bei dem ich allen Gästen die schlechte Nachricht hätte mitteilen müssen.. Es kam dann tatsächlich auch ein Anruf: ‚Ich bin schon da!‘, meldete sich Frau Schorn.“, erzählte eine erleichterte Diana Podlesch zur Begrüßung.

Derzeit spielt Uta Schorn an der Comödie Dresden neben Renate Blume, Ursula Karusseit, Angelika Mann, Walfriede Schmidt und Viktoria Brams in „Kalendergirls“ nach dem gleichnamigen Film. Einem gesamtdeutschen Publikum wurde sie bekannt durch ihre Rolle der Chefsekretärin Barbara Grigoleit in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“. „Meine Agentin hat den MDR so lange genervt, bis man mir eine Rolle schrieb“, schilderte Uta Schorn schmunzelnd, wie sie an die Rolle kam.

Nach 15 Jahren wurde ihre Figur aus der Serie geschrieben. Die Kollegen der „Sachsenklinik“ erstellten für Uta Schorn als Abschiedsgeschenk einen Film mit den schönsten Szenen.

Amüsiert und in Erinnerung schwelgend verfolgten die Zuschauer im „Pavillon“ noch einmal witzige und traurige Momente von und mit Barbara Grigoleit. Besonders die Szene der laut schnarchenden Barbara sorgte für Erheiterung. „Die Szene musste ich mehrmals drehen und dabei immer laut schnarchen. Am nächsten Tag hatte ich Halsschmerzen, so anstrengend war der Dreh“, verriet Uta Schorn.

Auch nach dem Ausstieg bei „In aller Freundschaft“ war die Berlinerin gut im Geschäft. „Ich habe es nicht geschafft, mal kürzer zu treten.“, erzählt Uta Schorn rückblickend.

Gekonnt leitete Lutz Hoff zu den Anfängen ihrer Karriere über. 1947 wurde die Tochter des Schauspielers Joe Schorn in Augsburg geboren. Über die Station Bremen zogen ihre Eltern mit der kleinen Uta nach Berlin. Nach dem Studium an der Staatlichen Schauspielschule Berlin folgte ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater, wo sie auch ihren ersten Mann Tim Hoffmann kennen- und lieben lernte. Beider Tochter Danne ist ebenfalls Schauspielerin geworden. „Uta Schorn hat sogar einen Oskar!“, ruft Lutz Hoff in die Runde. „Das stimmt, mein Enkel heißt Oskar!“, pariert Uta Schorn.

Nach ersten kleineren Fernsehrollen kam 1973 der endgültige Durchbruch. An der Seite von Gerd E. Schäfer durfte Uta Schorn am Sonntagnachmittag den „Wunschbriefkasten“ leeren. Vorher kaum als Künstlerin wahrgenommen, war sie nach der dritten Ausgabe plötzlich ein Star in der DDR, was nicht nur bei der Fleischerei Scheitza in Berlin-Friedrichshain Vorteile brachte. „Der Fleischerei-Chef meinte am nächsten Tag, ich bräuchte mich nicht mehr anstellen, solle nur klingeln, wenn ich was benötige“, schmunzelt Uta Schorn beim Erzählen dieser und anderer Erinnerungen an den „Wunschbriefkasten“.

1988 folgte im DDR-Fernsehen die Serie „Bereitschaft Dr. Federau“ – ein Straßenfeger, wie man heute sagen würde. Die Serie um eine Bereitschaftsärztin war so beliebt, dass die Zuschauer die Verantwortlichen bei der Wahl zum „Fernsehliebling des Jahres“ mit Briefen überhäuften. Lutz Hoff, damals selbst in Diensten des DDR-Fernsehens, stellte fest: „Du warst ein richtiger Fernsehliebling, im Gegensatz zu den Nachrichtensprechern, bei denen vorher schon feststand, dass die gewinnen.“

Nach der Wende in der DDR ging Uta Schorn mit Talentevater, Entertainer und Show-Gigant Heinz Quermann mit der Reihe „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ auf Tournee. Amüsante Episoden kamen dabei zu Gehör. So erfuhren die Gäste, warum Quermann einmal in Eisenhüttenstadt in Hauslatschen und Schlabberhosen moderierte und warum sich Uta Schorn in einem Hotel Sorgen um Quermann machte, weil der auf ihr Klopfen an der Hotelzimmertür nicht reagierte.

Überliefert ist auch die Episode, dass Quermann einmal sagte, Uta Schorn sei die einzige Künstlerin, die er nicht entdeckte.

Und so reihten sich an diesem Nachmittag Anekdote an Anekdote. Viel Wissenswertes, was über die sympathische Künstlerin so noch nicht bekannt war, entlockte Lutz Hoff seinem Gesprächsgast Uta Schorn, die immer auch den Kontakt zum Publikum suchte und sich dabei sogar um die Gesundheit eines Gastes sorgte, der so eingeklemmt in der Tischreihe saß, dass er immer nur den Kopf wenden konnte, um das Geschehen auf dem Podium verfolgen zu können.

Im Anschluss unterschrieb Uta Schorn fleißig Autogramme und plauderte nebenbei mit ihren Fans.

Juchu – meine erste Trophäe

Da hat sich doch die jahrelange Arbeit für etwas mehr Kunst & Kultur in Forst gelohnt – bei der Preisverleihungsshow zum GOLDENEN KUCKUCK 2017 gab es völlig überraschend auch einen „EhrenKuckuck für besonderes Kuckucks-Kultur-Engagement“ für mich.

„Für seine Kreativität und Ideen, die uns als Veranstalter bei der Programmgestaltung geholfen haben sowie für die Vermittlung neuer, unverbrauchter Künstler.“ hieß es u.a. in der Begründung.

Danke an den Freundeskreis „Kuckuck“ für die Ehrung – ich fühle mich ganz ausgezeichnet…

 

Ein neues Nest für den GOLDENEN KUCKUCK

Im seit Wochen restlos ausverkauften Gasthaus „Zum Kuckuck“wurde am vergangenen Freitag Brandenburgs einziger Kabarettpreis, der GOLDENE KUCKUCK 2017, vergeben. Mehr als 20 Kabarettisten, Duos oder Ensembles stellten sich im vergangenen Jahr dem Urteil des mitunter kritischen Publikums. Bereits zum dritten Mal fand im Rahmen einer bunten Unterhaltungsshow die Ehrung des beliebtesten Künstlers statt.

Viele Überraschungen kündigte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke in ihrer kurzen Begrüßungsrede für den Abend an. Eine schrullige, immer noch rüstige Rentnerin namens Elfriede, die bereits vor der Show für Aufsehen sorgte, bot sich sogleich an, die Co-Moderation für den Abend zu übernehmen. Hinter der Großpuppe verbarg sich Kora Tscherning, Ensemblemitglied der Landesbühnen Sachsen und ausgebildete Puppenspielerin. Für sie war es der erste Soloauftritt mit ihrer Puppe und extra für diesen Abend engagiert. Immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen („meinen Nachnamen und meinen BH hat mein Tölpel von Exmann mitgenommen, merke: ohne Textil wirst Du nicht senil“) führte Elfriede alias Kora Tscherning gemeinsam mit Birgit Hendrischke durch den Abend.

Erster Künstler auf der Bühne war Götz Frittrang (Bamberg), der sich umsonst freute, weil er dachte, er sei der Gewinner sei, dann aber doch nur als Begleitprogramm gebucht wurde, wie er später zugab. Er mache ja Kabarett nicht wegen der Preise, sondern wegen des guten Essens in den Veranstaltungshäusern. Frittrang zeigte Ausschnitte seines aktuellen Programms „Götzseidank“. Bei seinem letzten Gastspiel im „Kuckuck“ Anfang 2016 war dieses Programm gerade noch in der Entstehungsphase, viele Gags zündeten damals noch nicht. Doch Götz Frittrang schien den Lauf der Geschichte vorauszuahnen, seine damalige AfD-Kritik blieb vielen Gästen im Gedächtnis. Grund genug für die Veranstalter vom Freundeskreis „Kuckuck“, Götz Frittrang mit einem „Spezial-Kuckuck“ für seine politische Weitsicht zu überraschen. „Eine große Ehre für mich, mit der ich jetzt bestimmt den großen Durchbruch schaffe!“, scherzte der völlig perplexe Künstler in seiner Dankesrede.

Nach einer kurzen Pause, in der die „Kuckucks“-Küche ein süßes Dessert präsentierte, kam der eigentliche Höhepunkt des Abends, die Preisverleihung des mit 1000 Euro dotierten und vom Autohaus Cottbus gesponserten GOLDENEN KUCKUCKSS 2017 an den Kölner Kabarettisten Peter Vollmer.
Laudatorin Elfriede würdigte das künstlerische Schaffen Vollmers, der von der Fachpresse schon mal als „Kabarett-Halbgott“ oder „Größe des gehobenen kritischen Kabaretts“ gefeiert. „Intelligent und gut unterhalten“ fühlten sich die Besucher seines Programms, das angesagte Themen brisant umsetzt. „Die Lachmuskeln mußten arbeiten“ schrieb eine Zuschauerin auf den Stimmzettel für die Wahl zum GOLDENEN KUCKUCK. Peter Vollmers feines Gespür für die großen und kleinen Macken seiner Mitmenschen gaben schließlich den Ausschlag, um sich mit 0,01 Punkten Vorsprung vor den Zweitplatzierten „Ranz & May“ durchzusetzen.

Bevor auch Peter Vollmer Ausschnittes seines aktuellen Programms zeigte, bedankte er sich beim Publikum für die Auszeichnung: „Wenn mir zu Beginn meiner Karriere jemand gesagt hätte, daß ich mal hier, irgendwo hinter Cottbus, einen Preis gewinne, hätte ich ihm gesagt: Du hast ja schon jetzt einen Vogel!“.

Seine Programmausschnitte wurden anschließend zu einem Gag-Feuerwerk. Egal, ob er sich über die im Alter nachlassende Paarungsbereitschaft („Es lockt das Weib, es bockt der Leib“) oder über seine Erfahrungen mit Brasilian Waxing lustig machte – Peter Vollmer hatte die Lacher auf seiner Seite. Auch die Rentenpolitik der jeweiligen Regierungen bekam ihr Fett weg. So ging der heute in Düsseldorf noch lebende älteste Rentner in Deutschland bereits 1972 in Rente. „Das bedeutet, daß die Sozialgemeinschaft 45 Jahre lang einen Düsseldorfer durchgefüttert hat. Sie können sich vorstellen, wie ich mich da als Kölner fühle.“, spielte Vollmers auf die uralte Rivalität beider Städte an.

In einer anschließenden Gesprächsrunde entlockten Birgit Hendrischke und Elfriede dem Sieger ein paar bislang gut gehütete Geheimnisse. Sein größter Luxus sei es, sich Zeit für sich zu nehmen. Und auf die Frage. Was er auf keinen Fall mit auf eine einsame Insel nehmen würde, mußte er lange überlegen. Am Ende entschied er sich für eine Heino-Schallplattte. Eines seiner größte Ziele sei es, mal einen Ironman zu absolvieren.

In einem zweiten Auftrittsblock machte sich Götz Frittrang dermaßen über die Seitenbacher-Werbung lustig, daß die Gäste wohl zukünftig die Werbung unter ganz anderen Gesichtspunkten wahrnehmen werden.

Der Abschluss des gut dreistündigen Abends war dem Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS vorbehalten. Peter Vollmer, der den „Trottel-Triathlon, bestehend aus Ausdauer-Kuscheln, Extrem-Schmusen und Langstrecken-Streicheln“ beherrscht, brachte ein Medley bekannter Titel mit neuen Texten zu Gehör. Da die Melodien bekannt waren, sang das Publikum bei Titeln wie „Sag mir, wo die Zähne sind“, „Mit 67 Jahren, da fängt die Rente an“, „Nur mit 7 Krücken kannst Du gehen“ oder „Pumpt denn der alte Herzmuskel noch“ lautstark mit.

Wer den diesjährigen Gewinner des GOLDENEN KUCKUCKS live erleben möchte, hat am 19. und 20. Dezember die Möglichkeit. Jeweils um 20 Uhr präsentiert Peter Vollmer im „Kuckuck“ in Groß Jamno sein Programm „ER hat die Hosen an – SIE sagt ihm, welche“.